VIII

Luain mac Calma, jedermann als der irische Händler bekannt, fiel auf dem schwankenden Deck der Greylag auf die Knie und spürte, wie sich ihm der Magen umdrehte. Seine Gedärme schlangen sich umeinander, zogen sich krampfartig zusammen und wrangen sich aus, so wie sie es schon unzählige Male seit Beginn der Überfahrt getan hatten. Das Schiff schlingerte wie betrunken in der hohen Dünung, und prompt begann das Erbrechen von neuem. Luain krümmte sich vornüber und würgte, bis ihm die Brust schmerzte und der Kopf brannte und ihm der Schweiß in Strömen am Körper herablief; doch alles, was er erbrach, waren ein paar Tropfen grünen Blasenschaums. Beim letzten und beim vorletzten Mal war es genau das Gleiche gewesen; es war schon lange her, seit sein Magen das letzte Essen von sich gegeben hatte, und das Einzige, was jetzt noch hochkam, war das Salzwasser, das er seit dem letzten Mal geschluckt hatte. Gallenflüssigkeit tropfte von seinen Fingern, und er beobachtete, wie sie sich zu einer kleinen Pfütze auf dem Deck sammelte, bevor ein weiterer gewaltiger Brecher über das Schanzkleid hinwegschlug und ihn gegen massives Eichenholz schleuderte, um ihn bis auf die Haut zu durchnässen und sich in einem eiskalten, salzigen Schwall in seine Augen, seine Nase und seine Kehle zu ergießen. Der ersten Welle folgte unmittelbar darauf die zweite, die seinen Körper hochhob und ihn rückwärts Richtung Heck wirbelte. In diesem Moment hätte er um ein Haar das Haltetau losgelassen und sich von den gewaltigen Wassermassen über die Reling reißen lassen. Es war nur die Angst, die ihn veranlasste, sich weiter daran festzuhalten. Luain der Ire fürchtete sich nicht vor dem Tod, noch nicht einmal vor dem Tod durch Ertrinken, aber er hatte tatsächlich große Angst davor, die Gelübde nicht erfüllen zu können, die er vor den Göttern, an die er glaubte, abgelegt hatte; und der Gedanke, ihnen womöglich verfrüht gegenübertreten zu müssen, lange bevor sein Lebenswerk vollendet war, zwang ihn, das Tau aus gedrehtem Hanf aufs Neue zu packen und sich mit aller Kraft daran festzuklammern.
Der Bug hob sich abermals, als das Schiff aus einem tiefen Wellental auftauchte und den Kamm der nächsten meterhohen Woge zu bezwingen versuchte. Das Deck neigte sich schräger und immer schräger, bäumte sich wie ein wütendes Hengstfohlen auf, bis es wahrscheinlich erschien, dass das gesamte Schiff nach hinten umkippen würde. Die Pferde unten im Laderaum schrien voller Angst, doch es war niemand da, der sich um sie kümmern konnte. Luain machte einen Schritt auf die vordere Luke zu und blieb dann wieder stehen. Der Gedanke, die rotbraune thessalische Stute zu verlieren, schmerzte ihn sogar noch mehr als das Schlagen der See, doch wenn er zu ihr hinunterging, würde er damit weder sie noch sich selbst retten. Er sprach gerade das Gebet für verlorene Seelen - seine und die seiner Stute -, als die See wieder zurückwich und der Rumpf der Greylag abermals klatschend auf das Wasser aufschlug und in einer Rückströmung schlingerte. Luain blieb kraftlos liegen und ließ seinen Magen wieder einmal sein Schlimmstes tun. Irgendwo unten in der Dunkelheit des Frachtraums machte eine trächtige Stute all den verzweifelten Lärm, den auch er am liebsten gemacht hätte.
Mac Calma hatte sich bisher immer für einen guten Seemann gehalten. Seit nunmehr zwei Jahren befuhr er die Handelsroute zwischen der Südküste von Britannien und den Märkten Galliens, um große, gescheckte Kampfhunde, reifes Getreide, Rohleder und ungegerbte Felle zum Kontinent zu befördern, wo sich die besten Preise für solche Waren erzielen ließen. Auf seiner Rückreise pflegte er all das mitzubringen, was das kürzlich dem Römischen Reich einverleibte Gallien anzubieten hatte: feines Tafelgeschirr, grünes Glas, gegerbtes Leder und - noch besser als alle diese Dinge - gute Jahrgangsweine von den sonnigen Weinbergen Roms. Er brachte seine Waren per Schiff in die Häfen an den Ufern des großen Flusses und beförderte sie von dort aus mit Karren ins Landesinnere, um sie in den Residenzen von Cunobelin, dem Sonnenhund, zu verkaufen, die einen halben Tagesritt weiter nördlich lagen, und an Berikos von den Atrebatern, drei Tagesreisen Richtung Süden. Diese beiden waren sehr erpicht auf die römischen Luxusgüter, auch wenn der Rest ihrer Welt sie nicht haben wollte, und Luain der Händler stand in dem Rufe, der Mann zu sein, der alles beschaffen konnte - oder beinahe alles -, wenn man ihn nur richtig darum bat und wenn ihm die Farbe deines Geldes gefiel. Angesichts dessen war es vielleicht überraschend, dass er erst einmal zuvor gebeten worden war, Pferde zu transportieren, und das war im Hochsommer gewesen, bei schönem Wetter und relativ ruhiger See, als sie die kurze, nur einen halben Tag dauernde Überfahrt von der Flussmündung zu dem gallischen Hafen Gesoriacum gemacht hatten. Dennoch war eine der Stuten in Panik geraten und hatte nicht weit oberhalb der Wasserlinie ein Loch in die Holzverschalung getreten, und die gesamte Besatzung, einschließlich mac Calmas, war dazu abkommandiert worden, sich ins Zeug zu legen und nach Leibeskräften zu schöpfen, um zu verhindern, dass das Handelsschiff auf den letzten Seemeilen der Reise mit Mann und Maus unterging. Jetzt schoss Luain der Gedanke durch den Kopf, dass ein Loch in der Bordwand die schnellste und sauberste Art sein könnte, um die derzeitige Seereise zu beenden, dass er den Pferden aber ja zu Beginn der Überfahrt die Beine gefesselt hatte, eben um sie davon abzuhalten, sich selbst oder der Greylag Schaden zuzufügen. Und selbst wenn er das nicht getan hätte, so besaß doch jetzt keines der Tiere mehr genügend Kraft, um ein Loch in eine Eierschale zu treten, geschweige denn in ein sinkendes Schiff.
Das krampfartige Würgen hörte schließlich auf. Luain rappelte sich wieder hoch, wischte sich das Wasser aus dem Gesicht und kämpfte darum, Halt auf dem schwankenden Deck zu finden. Ein Stück weiter rechts von ihm stand Segoventos, der Kapitän der Greylag, und begrüßte ihn mit einem kläglichen Grinsen. Der Ire winkte zurück und rief laut: »Schaffen wir es noch bis zur Küste?«
Der Kapitän starrte ihn verständnislos an. Luain legte seine Hände trichterförmig um den Mund und rief abermals. Der tosende Sturm erfasste den Klang seiner Stimme, zerriss ihn in tausend Fetzen und schleuderte ihn Luain wieder ins Gesicht zurück, begleitet von einem frischen Schwall Salzwasser. Segoventos von den Osismi, ein freier Mann und Schiffskapitän aus Gallien, zuckte nur die Achseln und strich sich in einer beredten Geste mit dem Daumen über die Kehle, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Takelwerk zu, das bereits an zwei Stellen zerrissen war, dem Mast, der im Moment noch Stand hielt, und dem wild wogenden Meer, in der schwachen Hoffnung, dass er sein Schiff - die Freude seines Herzens - davor bewahren könnte, sich auf der nächsten heranrollenden Welle das Rückgrat zu brechen. Es war kein Kampf zwischen ebenbürtigen Gegnern. Noch während er sich umdrehte, krachte ein meterhoher Brecher über den Bug und setzte die Decks unter Wasser. Das Schiff bäumte sich auf und erzitterte heftig unter dem Ansturm der Wassermassen. Segoventos kämpfte verzweifelt mit dem Steuerrad. Unten im Laderaum schrie ein einjähriges Fohlen voller Todesangst und verstummte dann erschreckend abrupt. Luain fluchte lästerlich und ließ das Haltetau los. Er machte einen einzigen gleitenden Schritt Richtung Steuerrad und legte eine Hand trichterförmig um das Ohr des Kapitäns.
»Die Pferde... ich werde mich um die Pferde kümmern...« Selbst aus dieser Nähe musste er schreien, um das Heulen des Sturms zu übertönen.
Segoventos schüttelte den Kopf. »Vergiss es. Sie sind seekrank und völlig wahnsinnig vor Angst. Du wirst überhaupt nicht an sie herankommen... halt dich fest, verdammt noch mal, Mann...«
Er warf Luain ein Tau zu, und dieser fing es instinktiv auf. Eine weitere Welle rollte drohend auf die Greylag zu, jetzt aus einem anderen Winkel, und traf sie mit voller Wucht breitseits. Diesmal schrie das Schiff förmlich auf, noch lauter als die Pferde. Das Spantenwerk gab Geräusche von sich, von denen Luain gar nicht gewusst hatte, dass es sie überhaupt erzeugen konnte, und in der Takelage gingen drei weitere Taue entzwei. Hoch oben über ihren Köpfen riss sich das Segel von den Brassen los und peitschte ungehindert im Wind. Selbst jetzt, auf dem Höhepunkt des Unwetters, während der orkanartige Sturm und der strömende Regen und die See ihr Bestes taten, um sie taub zu machen, hörte jeder einzelne Mann auf dem Schiff das Knallen der Segelleinwand und sah zum Mast hoch, wohl wissend, was das Geräusch bedeutete. Dann blickten sie alle bis auf den letzten Mann zu Segoventos hinüber und beschworen ihn stumm, sie zu retten. Der große, stämmige Mann stand einen Moment lang völlig fassungslos und wie gelähmt da, dann stemmte er beide Füße auf die Decksplanken und lehnte sich mit seinem ganzen Gewicht auf das Steuerrad, während er verzweifelt darum kämpfte, das Schiff zu wenden und aus dem Wind zu drehen.
Die Greylag war seine Ehefrau, seine Geliebte und seine Tochter. Er liebte sie ebenso innig, wie Luain seine thessalische Stute liebte, und er hatte schon eine halbe Ewigkeit länger mit ihr gelebt, bei ihr geschlafen und sich um sie gekümmert, als es der Händler mit seinem Pferd getan hatte. Jetzt verwendete er seine gesamte beträchtliche Körperkraft darauf, das Ruder herumzureißen, um die Greylag durch äußerste Willensanstrengung und Muskelkraft zum Abdrehen zu zwingen. Einen kurzen Moment lang sah es so aus, als könnte es ihm gelingen. Luain betete so inständig, wie er noch nie zuvor gebetet hatte, und er wusste, der Rest der Besatzung betete mit ihm. Die Pferde verstummten. Selbst der prasselnde Regen blieb für einen Augenblick aus, als sich die winzige, wackere Erbsenschote aus Holz verzweifelt abmühte, ihrem Herrn und Meister das zu geben, was er haben wollte - und es dann doch nicht schaffte. Die Götter des Meeres lassen sich nun einmal nicht so leicht ablenken. Mit einem Übelkeit erregenden Knacken wie von einem brechenden Armknochen griffen sie aus den Tiefen des Ozeans herauf und brachen die Steuerradsäule mittendurch. Von der See befreit, schwang das zerbrochene Ende wild herum, und der Kapitän stürzte rücklings auf die Decksplanken und schlug sich hart den Kopf, als die Greylag - dem Befehl ihrer neuen Herren gehorchend - sich mit der Breitseite nach der See drehte und in die mörderischen Wellen hineinpflügte.
»Segoventos!«
Der Ruf kam aus der Nähe des Bugs, doch Luain war bereits an Ort und Stelle und kniete neben dem Kapitän, während er vorsichtig seinen Kopf hochhob und ihm mit den Fingern durch das von Salz verfilzte Haar strich, um seinen Schädel auf Brüche oder Wunden abzutasten. Er fand jedoch keine. Der stämmige Mann schüttelte seine Hand ab und hievte sich ächzend hoch.
»Wir sind verloren.« Die Worte drangen durch die Dunkelheit an Luains Ohr, von Windböen getragen. Das breite, bärtige Gesicht des Kapitäns war ihm zugewandt. Luain hatte den Mann niemals weinen sehen, weder während der zwei Dutzend harter, stürmischer Überfahrten, die sie bisher gemeinsam durchgestanden hatten, noch während der zehnmal so vielen Nächte, die sie betrunken an Land verbracht hatten. Jetzt weinte er, so dass die Tränen das Salzwasser von seinem Gesicht wuschen. »Sie wird jetzt manövrierunfähig durch den Sturm treiben, bis sie zerbricht, und das wird passieren, lange bevor wir Land sehen. Ich habe dich um deine Pferde gebracht. Es tut mir Leid.«
Es gab nichts mehr darauf zu sagen. Das war immer das Risiko, und Ertrinken war noch lange nicht die schlimmste Todesart. Luain der Ire, der nicht ausschließlich Kaufmann war, fühlte sein Ende nahen und veränderte die Art und Weise seines Gebets. Gefangen in den Klauen des Unwetters, während Sturm und Regen sein Gesicht wie mit eisigen Nadeln peitschten und das schwankende Deck sich nach besten Kräften bemühte, ihm die Beine zu brechen, tat er, was er konnte, um mit sich selbst und seinen Göttern Frieden zu schließen. Und weil er bald sterben würde und es keine Rolle mehr spielte, und weil es stockfinster war und das Heulen des Orkans überwältigend und weil irgendwo dort oben hinter den Wolken ein Mond war, den er gerne noch ein letztes Mal in seinem Leben gesehen hätte, sprach er sein Gebet laut, ohne sich um den starren Blick des Kapitäns zu kümmern.
Er zog sich an einem Tampen hoch und stellte fest, dass er stehen konnte. Das Viereck des Rahsegels flatterte über seinem Kopf im Sturm. Früher einmal hatte das Segel weiß geleuchtet, und die schwarze Gans, die es zierte, war im Gleitflug am Masttop geschwebt, so dass sie bereits aus der Ferne zu erkennen gewesen waren, lange, bevor sie in den Hafen einliefen. Jetzt hatte der Regen das Segeltuch von oben bis unten schwarz gefärbt, und die Umrisse der Gans verschwammen und verschmolzen mit dem Rest. Dennoch war sie immer noch etwas, zu dem Luain beten konnte, und er ließ seine Stimme in ihrer ganzen Lautstärke erschallen, um das Heulen des Sturms zu übertönen. Er hatte eine gute Stimme, und sie war sogar noch besser, wenn er die Töne freiließ und zu singen begann. Überall auf dem Schiff unterbrachen die Männer ihre eigenen Gebete und hielten inne, um ihm zuzuhören. Von irgendwoher fiel eine höhere, hellere Stimme in seinen Gesang ein und verband sich mit der seinen. In Gedanken versuchte er herauszufinden, wessen Stimme das sein mochte, und war über die Antwort nur teilweise überrascht.
Luain sang noch immer, als der Junge am Bug plötzlich laut aufschrie. Da er zuerst glaubte, der andere wäre über Bord geschwemmt worden, erweiterte Luain sein Gebet, um auch dieses neue Todesopfer mit einzuschließen. Dann fiel noch eine weitere Stimme in sein Lied ein, lauter und kräftiger als die erste. Der Sänger beobachtete, wie der Kapitän auf seiner Rechten den Blick von der tosenden, sturmgepeitschten See losriss, sich das Wasser aus den Augen wischte und es dann gleich noch einmal tat, so als ob das, was er sah, einfach nicht möglich sein könnte.
»Ja!«
Das Wort traf Luain breitseits, so wie es die Welle getan hatte. Er zuckte erschrocken zusammen, und seine Stimme stockte. Segoventos wirbelte zu ihm herum und stach mit seinem Finger wie mit einem Speer durch die Dunkelheit. »Sing weiter, Mann, sing weiter! Es funktioniert!« Dann brüllte er: »Math! Mach, dass du auf diesen verdammten Mast raufkletterst, wenn du am Leben bleiben willst! Brennos! Curo! Flickt die Takelage! Und ihr anderen seht zu, dass ihr das Segel in den Wind dreht. Wer hat denn gesagt, dass wir unbedingt ein Ruder brauchen, um ein Schiff zu steuern, wenn wir doch guten Wind haben und ein Segel, mit dem wir lavieren können?« Er wandte sich wieder zu Luain um, übers ganze Gesicht grinsend. »Halt dich gut fest. Es wird eine ziemlich holprige Fahrt werden, und es kann sein, dass du am Ende ein paar Züge schwimmen musst, aber wir werden schon dafür sorgen, dass deine Pferde sicher an Land kommen.«
Das Schiff war mit einem Mal ein völlig veränderter Ort. Männer, die gegen das Spantenwerk geschleudert worden waren, bewegten sich wieder und rannten kreuz und quer über das Deck. Der Junge am Bug, ein gertenschlanker, geschmeidiger Fünfzehnjähriger mit weizenblondem Haar und mädchenhaft zarter Haut, kletterte den Mast hinauf und holte ein zerrissenes Ende der Takelage herunter. Andere reparierten zerbrochene Spanten und schlugen neue Haltebolzen ein. Luain mac Calma, der unermüdlich weitersang, klammerte sich an seinem Tau fest und an jedem massiven Stück Holz, das er finden konnte, und starrte dabei angestrengt über die Reling in die Finsternis, während er zu erkennen versuchte, was der Kapitän und seine Mannschaft gesehen hatten. Sie bekamen die Greylag langsam wieder unter Kontrolle, obwohl sie sich so erbittert dagegen wehrte, wie sich ein Bulle gegen ein Halfter wehrt, doch sie vermochte nichts gegen die vereinten Bemühungen der Männer und das Geschick des Kapitäns auszurichten, und nicht zuletzt hatte auch der Wind inzwischen die Partei gewechselt und gedreht, um jetzt von achtern her zu wehen, so dass er das Schiff durch die Wellen hindurchtrieb und nicht mehr quer über sie hinweg.
In einem Augenblick relativer Windstille wandte sich der Kapitän zu Luain um und lächelte breit. »Du hast es nicht gesehen, oder?«
»Was denn?«
»Dort drüben.« Segoventos zeigte nach Steuerbord und schwang dabei seinen Arm mit der Schaukelbewegung des Schiffes herum, so dass sein Finger einen festen Punkt in der Dunkelheit markierte. »Land.«
Luain spähte angestrengt in die Richtung, in die der Mann zeigte. Die Welt war vollkommen schwarz. Er heftete seinen Blick auf die Stelle, wo er den Horizont vermutete, und hielt nach der weißen Gischtspur von Brechern auf einem Strand Ausschau, die ihm das zeigen würde, was die anderen gesehen hatten. Er sah aber nichts.
»Nicht da. Dort.« Segoventos’ Arm schwang zurück, um jetzt Richtung Heck zu zeigen. »Deine Freunde warten schon. Wir sind einen halben Mond zu früh dran, und trotzdem warten sie bereits. Sie haben ein Feuer für uns angezündet.«
»Ein Feuer? Bei diesem Wetter?« Die Hoffnung, die für einen Moment in seinem Herzen aufgeflackert war, erlosch wieder. Sie würden nicht die Ersten sein, die in dem fatalen Irrglauben ertranken, sie segelten schnurstracks dem Paradies entgegen. »Wer könnte denn bei diesem Unwetter ein Feuer am Brennen halten?«
»Das weiß ich nicht. Aber ich sehe nun mal, was ich sehe, und wenn es Eburovic von den Eceni ist, der gekommen ist, um deine thessalische Stute zu kaufen, dann wirst du ihm einen fairen Preis nennen, sonst lasse ich dich an den Mastkorb fesseln und gebe dein Pferd als Gastgeschenk weg.«
Der Kapitän lachte schallend, brüllte verschiedene Befehle und hielt weiter das zerbrochene Ruder umklammert, als ob er damit irgendetwas Nutzbringendes erreichen könnte. Die Greylag bebte und zitterte und kämpfte gegen die Dünung an, doch sie bewegte sich nach Westen, in genau die Richtung, in die er wollte. »Wenn du dich nützlich machen möchtest, dann geh zum Bug und halte dich bereit, denjenigen, die auf uns warten, einen Tampen zuzuwerfen, wer immer sie auch sein mögen. Es könnte besser sein, wenn sie schon früh ein bekanntes Gesicht sehen, damit sie uns als Freunde begrüßen und nicht als Sklavenjäger.«
Die Herrin der Kelten
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