19
Mein Mund klappt vor Schreck auf, als Adrian die Tür zum Schlafzimmer aufstößt und mich mit sich zieht. Abrupt bleibe ich stehen und starre auf das blonde Etwas, das vor seinem Bett kniet. Nackt! Mit nichts als einem Halsband bekleidet!
»Adrian!« Er küsst noch immer meinen Hals und ich muss ihn mit beiden Händen von mir wegschieben, damit er sie sieht. Mein Herz rast so schnell, dass ich fast taumle, und meine Augen fangen an zu brennen. »Adrian, bitte!«
»Was ist ...?« Er dreht sich um und folgt meinem Blick, dann stöhnt er leise auf. »Jenna, in Gottes Namen! Was tust du hier?«
»Wir hatten einen Termin«, flüstert sie mit gesenktem Kopf. Mir ist plötzlich eiskalt und ich bekomme eine Gänsehaut auf der Kopfhaut.
»Gwen, Kleines, es tut mir leid, ich ...« Adrian fährt mit beiden Händen durch sein Haar und sieht mir fest in die Augen. »Bitte glaub mir, das war ganz bestimmt nicht so geplant. Und ich kann mir gerade keinen ungünstigeren Zeitpunkt vorstellen.«
»Danke, ich mir auch nicht«, erwidere ich kurz und stürme aus dem Zimmer, um hinter der Tür des Arbeitszimmers zu verschwinden. Hier gehöre ich hin, hier sollen wir arbeiten. Das blonde Wesen, das in seinem Schlafzimmer sitzt und ganz offensichtlich freien Zugang zu seinem Penthouse hat – im Gegensatz zu mir –, hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Das Blut klopft heftig hinter meinen Schläfen, und die Erregung, die Gier, die ich vorhin noch verspürt habe, ist wie weggewischt. Ausradiert. Er folgt mir und hält mich an den Schultern fest.
»Kleines, ich kümmere mich darum. Versprochen. Ich habe vergessen, dass sie ... ach, verdammt.« Er schlägt kurz, aber heftig mit der Faust gegen den Türrahmen, bevor er wieder ins Schlafzimmer zurückgeht. Ich höre nicht, wie sie miteinander reden, aber der Anblick der nackten Frau, vor seinem Bett kniend, hat mich schockiert wie ein Horrorfilm. Wie ein Tiger laufe ich im Arbeitszimmer auf und ab und versuche, meine tobenden Gedanken in den Griff zu bekommen.
Sie macht mir Angst, weil sie Adrian etwas geben kann, das er von mir nicht bekommt. Und vielleicht niemals bekommen wird. Mein Magen fühlt sich an, als hätte ich Säure geschluckt, und ich bekomme Sodbrennen vor Aufregung. Wütend laufe ich weiter hin und her, bis mein Blick auf ein schwarzes Notizbuch auf seinem Schreibtisch fällt. Unwillkürlich strecke ich die Hand danach aus, will hineinsehen, doch im letzten Moment zucke ich zurück. Nein, das wäre nicht richtig. Es ist ... vielleicht sind es Notizen für seinen Roman, und ich weiß, dass er diese Aufzeichnungen niemandem zu lesen gibt. Vielleicht ist es auch ... ach, was weiß ich. Ich lasse mich auf die Liege fallen und starre das schwarze Buch an, das plötzlich bedrohlich wirkt. Darf ich so misstrauisch sein und einen Blick hineinwerfen? Andererseits ... darf ich so dumm sein, und nicht hineinschauen? Noch bevor ich einen Entschluss fassen kann, geht die Zimmertür auf und Adrian kommt herein.
Ich weiß, dass mein Lächeln gequält wirkt, meine Knie sind fest zusammengepresst. Adrian setzt sich neben mich und legt eine Hand auf meinen Oberschenkel. Sie sieht riesig aus auf mir.
»Es tut mir leid, Kleines. Wirklich. Und es hat nichts zu bedeuten.«
»Warum war sie hier?«, frage ich. Meine Stimme klingt wie eine rostige Säge, ich hasse mich dafür. Ich will stark sein und keine Schwächen zeigen, aber ich kann nicht.
»Ich habe vergessen, den Termin abzusagen. Es ist meine Schuld. Jenna kommt seit Monaten immer am selben Tag zu mir, einmal in der Woche. Es ist ... es war ein Ritual.«
»War sie auch hier, während ich in Newcastle war?«
»Warum willst du das wissen, Gwen? Was würde es ändern?«
Ich beiße mir auf die Lippe und zucke mit den Achseln. »Vieles. Oder alles.«
Er legt eine Hand unter mein Kinn und dreht meinen Kopf, sodass ich ihn ansehen muss. »Sie bedeutet mir nichts. Gar nichts. Sie wollte mich, und ich habe ihr eine Zeit lang gegeben, was sie von mir wollte. Aber das ist jetzt vorbei, jetzt, wo du bei mir bist.«
Ich starre auf seinen Mund, auf die schönen, vollen Lippen, und schüttele langsam den Kopf. »Kann es das denn sein, Adrian? Kann das jemals vorbei sein?«
Er zieht eine Augenbraue hoch, dreht sich auf die Seite und stützt sich auf dem Unterarm ab, während er mich ansieht. »Was meinst du?«
»Na ja, wir ... seitdem wir wieder zusammen sind, schlafen wir nur miteinander. Aber ich weiß, dass du andere Wünsche hast und die mir zuliebe unterdrückst.« Meine Hand greift wie von selbst in mein Haar und schnappt sich eine Strähne, um sie so fest um einen Finger zu wickeln, dass es an der Kopfhaut ziept. Sofort wandert sein Blick von meinen Augen zu meiner Hand, und er grinst.
»Kein Grund, nervös zu werden, Gwen. Mir fehlt nichts. Im Gegenteil.«
»Ich glaube nicht, dass man solche Neigungen einfach abstreifen kann wie einen getragenen Pullover. Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht.«
»Und?« Er beugt sich vor, um meine Nasenspitze zu küssen. Ich muss trotz der großen Anspannung kichern, weil es kitzelt.
»Du hast sie, aber ich ...«
»Es ist okay, Gwen. Ich schwöre«, unterbricht er mich. Plötzlich sieht er sehr ernst aus.
Ich hole tief Luft, bevor ich weiterspreche. Ich brauche all meinen Mut, um die folgenden Worte zu sagen, und mein Herz klopft heftig gegen meine Brust. »Ich wollte sagen, dass ich gar nicht weiß, ob ich solche Neigungen habe. Ich habe es ja nie ausprobiert.«
»Wie meinst du das?« Jetzt wirkt er irritiert, was mich fast ein bisschen freut. Immerhin schaffe ich es, ihn aus der Façon zu bringen.
»Ich meine, dass ich es gern ausprobieren würde. Mit dir.«
Mein Magen tanzt Samba, und ein innerer Zensor in meinem Gehirn schüttet eine enorme Menge an Adrenalin aus, um mich zu stoppen. Adrians Lächeln wird breiter und macht mich noch unruhiger. Gütiger Himmel, was tue ich hier eigentlich? Mich ihm bereitwillig zum Fraß vorwerfen?
»Ich erinnere mich an deine Worte, als hättest du sie mir vorhin erst gesagt, Kleines. Welche emanzipierte, kluge Frau lässt sich auf so einen Scheiß ein? Als ob irgendwer Spaß daran hätte, dominiert zu werden. Was ist passiert?«
Du. Du bist passiert. Ich kneife die Lippen fest zusammen und sehe ihn einfach nur an.
»Wir müssen nicht«, sagt er.
»Ich ... okay.«
Adrian nickt, bevor er sich erneut zu mir beugt und seinen Mund auf meinen presst. Oh Gott, ich will ihn. So sehr. Und ich bin bereit, es zu tun. Mit ihm. Für ihn. Und weil ... weil mich der Gedanke erregt. Immer und immer wieder, nicht erst, seit ich sein Buch gelesen habe. Vielleicht hat er recht und man muss etwas erleben, ehe man es versteht? Werde ich ihn verstehen können, wenn ich mich darauf einlasse?
»Zieh das aus«, raunt er, knabbert an meinem Ohrläppchen und zerrt an meinem Shirt, um seine Worte zu bekräftigen.
Meine Hände zittern ein wenig, als ich es über den Kopf ziehe. Auf einen BH habe ich verzichtet, weil es bequemer ist und weil ich weiß, dass Adrian es mag, meine spitzen Brustwarzen zu sehen. Schon jetzt sind sie bereits winzig und hart, und die sanfte Liebkosung seiner Fingerspitzen lässt sie noch weiter zusammenziehen. Mein Atem wird flacher.
»Auch den Rock und das Höschen. Es ist sowieso nass.«
Grinsend hilft er mir beim Ausziehen, mit seinen typischen geschmeidigen Bewegungen, die so sicher und selbstverständlich wirken. Im Gegensatz zu meiner Stimme, die flattert, während ich es ausspreche.
»Als du vorhin sagtest, du müsstest mich übers Knie legen ...«
»Ja?«
Er zieht eine Braue hoch und mustert mich. Sein Körper ist so nah, dass ich die Härchen auf meinen Beinen spüren kann. Ich schlucke.
»Es hat mich angemacht. Erregt.«
Statt zu antworten, umfasst er meine Hüften mit beiden Händen, zieht mich mit einer einzigen raschen Bewegung über seinen Schoß, sodass mein nackter Hintern vor ihm in die Luft ragt und sich meine Mitte gegen seinen Oberschenkel drückt. Die Position allein genügt mir schon, um vor plötzlich aufkeimender Lust aufzukeuchen. Großer Gott, was tue ich hier eigentlich? Das ist krank!
»Dann sollten wir diesem Wunsch nachgeben. Zumal ich mich kaum beherrschen kann und du nach der Unverschämtheit in der Tat eine Strafe verdient hättest.«
Ich schließe die Augen und versuche, mich auf das vorzubereiten, was gleich passiert. Aber wie, bitte sehr, bereitet man sich darauf vor, den Hintern versohlt zu kriegen? Ich habe keine Erfahrung damit, da meine Mutter Ohrfeigen als Erziehungsmethode vorgezogen hat. Und wie viele ich davon in meiner Kindheit und frühen Jugend kassiert habe, kann ich unmöglich nachzählen. Ich erinnere mich kaum noch an den Schmerz, dafür aber sehr genau an die Demütigung, die ich dabei empfand.
Ohne Vorwarnung prallt seine flache Hand auf meinem Po auf. Es tut nicht wirklich weh, das klatschende Geräusch ist schlimmer als die kurze Hitze, die der Schlag erzeugt. Ich muss sogar ein Kichern unterdrücken, weil die Situation mir plötzlich so albern vorkommt. Als ob wir ein komisches Rollenspiel spielten – fehlt nur, dass ich eine Schuluniform trage!
Der nächste Hieb allerdings ist deutlich stärker und nimmt mir kurzzeitig den Atem. Trotzdem beiße ich die Zähne aufeinander und lasse den Schmerz auf mich wirken. Es ist nicht unangenehm, eigentlich tut es nicht mal richtig weh. Es kribbelt und wärmt, mein Hintern fühlt sich nach dem dritten Schlag heiß an. Und als er seine Fingerspitzen darüber streichen lässt, spüre ich seine Berührung viel intensiver.
»Dieser göttliche kleine Hintern«, murmelt er über mir. Seine Hände fahren zwischen die Pobacken und gleiten tiefer, wo er seine Finger an meiner Nässe benetzt. Dann spüre ich ihn an einer sehr delikaten Stelle und presse instinktiv den Po zusammen. »Erinnerst du dich, dass ich dir etwas versprochen habe?« Sein Finger umkreist die enge Öffnung zwischen meinen Backen, und ich fange unkontrolliert an zu zittern.
»Bitte ... nicht«, stoße ich panisch hervor, als mir klar wird, was er vorhat, und versuche, mich mit den Händen hochzustemmen.
Doch er legt eine Hand in meinen Nacken und drückt mich runter, wie ein Katzenjunges. An der Seite spüre ich seine wachsende Erektion.
»Du hast gesagt, dass dich hier noch nie jemand genommen hat. Und du hast keine Vorstellung davon, wie sehr mich der Gedanke anmacht, diesen wundervollen Hintern endlich zu erobern. Heute werde ich mir diesen Traum erfüllen, Kleines.«
Sein Finger fährt mit mehr Druck immer und immer wieder um diese winzige Öffnung, die ich verzweifelt zusammenzupressen versuche. Ich keuche und winde mich unter seinem Griff, aber er ist eisern und hält mich fest. Während sein Daumen auf mir kreist und vorsichtig Einlass sucht, schiebt er zwei seiner Finger von vorn in mich hinein und massiert mühelos den Punkt in mir, der mich zusammenzucken lässt.
»Adrian, Himmel ...«, presse ich heraus und ergebe mich langsam. Mein Körper wehrt sich nicht länger gegen den Eindringling. Ich höre, wie auch sein Atem schneller geht, die Härte an meiner Seite wächst immer weiter. Unmöglich, dass er mit diesem großen, harten ... oh nein, nein! Das wird niemals funktionieren! Mein Herz flattert, ich schlucke trocken vor Panik.
»Sch. Keine Angst. Ich werde sehr, sehr vorsichtig sein.«
Adrians Worte beruhigen mich nicht. Ich verkrampfe mich. Überall. Mein Puls rast, mein Herz hämmert. Angst, Neugier und diese verdammte Lust, diese elende Gier vermischen sich zu einem gefährlichen Cocktail. Ich spüre seinen Finger, der mich zärtlich teilt. Behutsam dringt er mit dem Finger in mich ein, hält nach wenigen Millimetern sofort inne, als ich mich versteife und instinktiv jeden Muskel anspanne.
»Du musst loslassen, Gwen. Und mir vertrauen«, flüstert er. »Gott, der Gedanke, dich gleich dort zu nehmen, macht mich wahnsinnig.«
Seine sanfte Stimme beruhigt mich, trotzdem muss ich mich anstrengen, um zu tun, was er mir rät. Mein Herz klopft heftig in der Brust, und ich kann nur langsam die Muskeln lockern und zulassen, was er vorhat. Es fühlt sich seltsam an. Ungewohnt und eigenartig. Noch nie hat mich jemand dort so berührt. Doch seine Finger sind vorsichtig, zärtlich. Er weitet mich sachte, verteilt die Feuchtigkeit weiter in mir, und plötzlich durchzuckt ein Impuls meinen Unterleib, als ob es eine geheime Verbindung zwischen hinten und vorn gäbe.
Ich höre mich selbst leise wimmern, während er immer tiefer dringt. Dann hebt er mich plötzlich an und legt mich bäuchlings auf die Liege, auf der wir saßen. Ich spüre sein Gewicht auf mir, obwohl er sich mit den Händen abstützt, und als ich die Augen öffne, sehe ich uns im Spiegel. Der Anblick seines nackten Oberkörpers, wie er über mir zu thronen scheint, löst ein sehnsüchtiges Pulsieren in meinem Unterleib aus.
Langsam schiebt er eine Hand unter meine Hüften und massiert mich dort mit allen Fingern, dringt mit einem in mich ein und lässt die anderen wie ein virtuoser Pianist auf meinem Körper spielen. Ich beiße in meine Hand und kneife die Augen wieder zu, als sich seine Härte gegen den engen Eingang drängt. Gleichzeitig bewegen sich meine Hüften wie von selbst, um mich an ihm zu reiben. Mein Puls geht so schnell wie nach einem Dauerlauf, das Blut rauscht durch meinen Kopf und hüllt die Geräusche um uns herum in Watte. Sehr langsam schiebt er sich in mich hinein, wartet bei jedem kleinen Widerstand geduldig ab. Es dauert lange, er ist trotz allem so ruhig und beherrscht, im Gegensatz zu mir! Und plötzlich ist er in mir.
»Oh fuck, Kleines, das ist verflixt eng!«, raunt er heiser. »Wenn du wüsstest, wie ...«
Als ich die Augen wieder öffne und mein Blick auf den großen Spiegel an der Wand fällt, höre ich mich selbst vor Lust wimmern. Er wirkt so groß, so stark über mir ... sein Gesicht angespannt. Unsere Augen treffen sich in der Reflexion, bleiben aneinander haften, und als er vorsichtig zustößt, eine Hand neben mir aufgestützt, die andere weiter fest von unten gegen meinen Lustpunkt gedrückt, komme ich. Schreiend.
»Ah, Gwen«, stöhnt er hinter mir.
Wir sehen uns durch den Spiegel an, während ich unter ihm zucke und animalische Töne von mir gebe. Meine Zuckungen übertragen sich auf ihn, ich kann spüren, wie sich sogar mein enger Muskel um ihn herum schlingt und im Takt meines rasenden Herzens pulsiert. Alles verschwimmt vor meinen Augen, kann nicht atmen, nicht denken. Wieder und wieder zucke ich unter ihm, jeder seiner Stöße löst neue Wellen aus, die meinen Körper überschwemmen und über uns zusammenschlagen.
»Ich komme«, raunt er mit heiserer Stimme, dann zieht er sich aus mir zurück. Ich höre, wie er sich mit der Hand zum Ende bringt, schaue in sein Gesicht im Spiegel, während er mit kräftigen Bewegungen an sich reibt. Als ich erkenne, wie er sich kaskadenartig auf meinen Rücken und meinen Hintern ergießt, zieht sich mein Unterleib fast schmerzhaft zu einem erneuten Höhepunkt zusammen, der mich beinahe bewusstlos werden lässt und mich schwindelig macht. Hervorgerufen durch seinen Anblick, den Geruch unserer Lust, durch sein Gesicht, über das er zum ersten Mal wirklich die Kontrolle verloren hat. Niemals werde ich diesen verletzlichen Gesichtsausdruck vergessen!
Er hat sich auf mich gelegt, während ich noch immer unter ihm liegend komme, und so umschlingt er mich mit seinem Gewicht und sorgt dafür, dass die Lust tief in mir bleibt und sich nicht über Arme und Beine entladen kann wie sonst. Ein ungeheures Gefühl, das mich erneut aufschreien lässt und mir die Tränen in die Augen jagt, weil die sich lösende Spannung so groß, so tief ist, dass ich vor Erleichterung weinen muss.
Mein Herz pocht noch immer viel zu schnell, als ich meine nackten Beine um Adrian schlinge und mich an ihn schmiege. Seine Hand ruht auf meiner Brust, er zieht mich dicht zu sich heran und küsst mich. Weich und warm.
»Hm«, sage ich schließlich und höre ihn leise lachen.
»Was? Habe ich deine Erwartungen nicht erfüllt?«
»Ich hatte gar keine.«
»Erwartungen lassen nach ihrer Erfüllung oft eine gewisse Leere zurück. Von daher ist es gut, dass du keine hattest. Aber trotzdem ...« Adrian stützt das Kinn in eine Hand und sieht mich an. Ich muss lachen.
»Du fragst mich jetzt nicht wirklich, wie du warst, oder?« Seine Antwort besteht nur aus einem Grinsen und ich kreische entsetzt. »Nein, nein! Das fragst du nicht!«
Adrian kitzelt mich in der Taille, aber ich reagiere nicht wie sonst und liege ganz still da. Dann lächelt er zufrieden. »Gut, ich habe dich schreien hören und dachte, du tust das mir zuliebe. Aber jetzt habe ich den Beweis, dass es echt war. Nach einem Höhepunkt sind Frauen nicht mehr kitzlig.«
»Hast du geglaubt, ich spiele dir was vor?«, frage ich empört und kneife ihn in den Oberschenkel. »Warum sollte ich?«
»Weil Frauen Sex als Waffe benutzen. Sie wollen einen Mann dadurch an sich binden, und das ist einfacher, wenn der Mann den Eindruck gewinnt, der beste Liebhaber der Welt zu sein.«
»Oh Mann.« Ich schüttle den Kopf und sehe ihm in die Augen, die gerade ganz dunkelblau sind. »Du musst wirklich schlimme Erfahrungen gemacht haben.«
»Sie haben mich nicht umgebracht, von daher ...« Adrian zuckt mit den Schultern und legt den freien Arm wieder auf mich. Auf meinen Bauch.
»Hat es was mit Gisele zu tun?«, frage ich behutsam. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, den richtigen Zeitpunkt für diese Frage gefunden zu haben. Er wirkt so ruhig und zufrieden.
Adrian seufzt tief und lang gezogen. »Warum willst du das unbedingt wissen, Gwen? Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn du davon ...«
»Ich will aber. Aus Gründen!«, beharre ich. »Und diesmal lasse ich mich nicht abwimmeln. Bevor du es mir nicht erzählst, lasse ich dich nie wieder ... da rein.«
Sein leises Lachen löst eine Gänsehaut aus. »Das wäre schade. Für dich. Denn ich habe durchaus Ideen für diese ganz besondere Körperstelle.«
»Bitte«, versuche ich es noch einmal, bevor er erneut vom Thema ablenkt und mich innerhalb weniger Minuten dazu bringt, es zu vergessen. Wozu er zweifellos in der Lage ist.
»Gisele und ich waren drei Jahre lang ein Paar. Sie ist diejenige, die meine Lust auf Dominanz geweckt hat. Sie war nicht nur devot, sondern masochistisch, und bezog ihre eigene Lust aus körperlichen Schmerzen. So sehr, dass ihre Wünsche diesbezüglich immer ausgefallener wurden. Sie führte mich in einschlägige Clubs und zeigte mir dort, was sie von mir erwartete.«
»Und du hast es ... ihr zuliebe getan?«
»Ja. Und nein. Anfangs sicher, aber es gefiel mir selbst immer mehr. Nur die Schmerzen, die sie von mir erwartete, waren nie mein Ding. Wir behalfen uns damit, dass sie sich im Club anderen Herren unterwarf und ich zusah, wie sie sich züchtigen ließ. Ich hatte klare Grenzen, und sie hat jahrelang versucht, diese zu überschreiten, was ich teilweise zugelassen habe. Bis auch das nicht mehr reichte.«
»Handelt also die Fesselnde Liebe von ... ihr?«, frage ich, gespannt auf seine Antwort.
Sein langsames Nicken quält mich mehr, als ich gedacht hätte, und ich schlucke hart. Eifersucht ätzt sich in meine Eingeweide, ein verdammt mieses Gefühl.
»Auch. Und von Frauen, die nach ihr kamen. Denn es ging nicht gut mit uns.«
»Der Typ im Club und Jonathan erwähnten, dass Gisele tot sei«, traue ich mich zu fragen, obwohl ich mir gar nicht sicher bin, ob ich es hören will. »Und Jonathan hat behauptet, du hättest etwas damit ...«
Er springt so ruckartig auf, dass ich erschreckt zusammenzucke. Die Falte über seiner Nasenwurzel ist tief wie ein Graben. Seine Augen leuchten förmlich, so wütend wirkt er. »Du hast ihm das geglaubt?«
»Nein! Ich habe gesagt, dass das Unsinn ist. Ist es doch?« Adrian fährt sich mit beiden Händen durchs Haar. Sein plötzlicher Stimmungswechsel jagt meinen Puls in die Höhe. Himmel – was, wenn die Gerüchte doch wahr sind? Wenn er sich nicht unter Kontrolle hatte und sie versehentlich umgebracht hat? Einen Fehler gemacht hat oder ...
»Adrian? Bitte ... sprich mit mir«, flehe ich und richte mich auf. Mein ganzer Körper brennt noch, alles in mir prickelt und kribbelt, und die auf mich einstürzende Aufregung jagt meinen Puls in unerträgliche Höhen. Außerdem scheine ich überall zu kleben und würde wirklich gerne duschen.
»Ich kann nicht«, knurrt er. Als er sich von mir abwendet, fühle ich mich wieder ausgeschlossen. Diesmal macht es mich wütend.
»Warum ist das so ein Geheimnis? Kannst du dir nicht vorstellen, wie es mir damit geht? Dass ich erst recht auf komische Ideen komme, wenn du nichts sagst? Die Wahrheit ist bestimmt nicht so schlimm wie meine Fantasie!«
Er lacht, aber es ist kein gutes Lachen. »Glaube mir, Gwendolyn ... wenn ich anfangs auch nur davon fantasiert hätte, ich hätte mir selbst nicht geglaubt.«
»So schrecklich?«
Sein Gesichtsausdruck wird wieder weicher. Er setzt sich zu mir und schlingt beide Arme um mich. Wie immer fühle ich mich winzig und geborgen in seiner Umarmung, und obwohl mein Magen sich noch lange nicht beruhigt hat von dem vorhergehenden Schock, spüre ich, wie mich seine Berührung besänftigt. So wie jedes Mal, wenn er mich hält. Nothing heals me like you do ... kann bitte mal jemand die Musik in meinem Kopf ausschalten? Das passt gerade überhaupt nicht!
»Hast du Musik angemacht?«
Ich blinzle irritiert und Adrian lacht.
»Mir war danach.«
Unser Lied. Seufzend schmiege ich mich wieder an ihn und fahre mit den Fingern über seine noch feuchte, warme Haut.
»Du solltest dir keine Gedanken darüber machen. Und erst recht keine Sorgen. Es hat nichts mit uns zu tun, weil du ganz anders bist als sie.«
»Und du? Bist du nicht mehr derselbe?«, frage ich leise, ohne ihn anzusehen.
Ich spüre seinen Herzschlag an meiner Schläfe, fühle, wie sich sein muskulöser Brustkorb unter meinem Kopf schwer hebt und senkt. Sein Herz klopft nicht viel langsamer als meins. Das beunruhigt mich, denn äußerlich ist er wie gewohnt die Ruhe selbst. Wieder dieses Gefühl, einfach nicht hinter seine Fassade schauen zu können. Ausgeschlossen zu sein, während ich nackt bin und mich ihm geöffnet habe wie nie einem Menschen zuvor. Das macht mich verletzlich. Nichts auf der Welt, soviel habe ich inzwischen gelernt, macht einen so verwundbar wie die Liebe.
»Sie ist tot, Gwen.« Seine Stimme ist kalt. Eine Gänsehaut breitet sich auf meinen Beinen aus und lässt alle Härchen senkrecht stehen. »Und ich kann nicht behaupten, daran ganz und gar unschuldig zu sein.«