Epilog
Rückwärtsblick (vor vielen Jahren)
Eislande - Geheime Forschungstation: /C/O/L/D/
Sam Fe´din kauerte am Boden einer Eishöhle und betete.
Es war die Furcht, die ihn dazu trieb, denn er
hatte etwas getan, für das ihn die ganze Welt jagen würde, sollte
sie je
davon erfahren. Aus einer Liebe, hell und wunderschön, war
Dunkelheit geworden.
Vorsichtig zerriss er eine Naht im Innenfutter seines Schutzanzugs. Er tastete in den Schichten herum, beförderte ein Knäuel aus gefärbten Fäden hervor und betrachtete es. Seine tauben Hände zitterten und er blies immer wieder seinen Atem dagegen. Behutsam legte er einen Kreis mit einem der roten Fäden. Er hoffte, der Radius würde reichen. Wann hatte er das letzte Mal Magie gelegt? Er schüttelte den Kopf, begann die anderen Bänder zu verteilen. Plötzlich hielt er inne, lupfte die linke Ohrenklappe seiner Fellmütze nach oben und horchte. Nichts. Er nahm die Mütze ab und legte sie neben seine Knie. Lieber frieren als ungehört entdeckt zu werden. Er beeilte sich, vollendete das Kreislabyrinth so schnell er konnte.
Sam zog weitere versteckte Stücke aus seiner Kleidung hervor. Ein breites Lederband, auf dem ein ab- und zunehmender Mond gezeichnet waren, die Hälfte einer alten Schutzbrille für Schneeläuferpiloten und eine hölzerne Phiole, die in Form einer Bärentatze geschnitzt war - mit fünf weißen Krallen darauf. Er fügte alles zusammen, lauschte immer wieder innehaltend in den Tunnel und legte die Konstruktion um seinen Kopf, wie eine einäugige Brille für Piraten.
Er blickte zweifelnd auf sein Werk, erneut ein Gebet murmelnd. Dann spuckte er den unter seiner Zunge liegenden kleinen Feuerstein in seine Hand und schob ihn auf den Eingang des Kreislabyrinths, das er gelegt hatte. Sam goss durch eine von ihm selbst gebohrte Öffnung Wasser aus der Phiole in den Innenraum des Brillenglases, wobei er das Auge vorsorglich geschlossen hielt. Er war bereit.
Nun schloss er auch das andere Auge, legte die Bärentatze an seine Lippen und flüsterte: »Ich suche die Frau mit dem Namen Zweibaum, bitte.« Sein Puls wurde langsamer, als er spürte, wie etwas sich erhob, sich auf den Weg machte. Beinahe glaubte er, das Gespinst der Magie selbst hinter den geschlossenen Lidern zu sehen. Vorsichtig öffnete er das freie Auge.
Er sah den Stein, der durch das Labyrinth bis an den äußersten Rand gewandert war. Mitten auf der Linie lag er. Wäre der Kreis nur einen Fingerbreit kleiner gewesen, es hätte nicht funktioniert. Erleichterung durchströmte ihn.
Langsam öffnete Sam nun auch das weite Auge. Wasser drang hinein. Er blinzelte heftig, kurze Zeit aus Panik. Plötzlich wurde das Wasser in der Brille wärmer, verfärbte sich zu einem dunklen Orange, in dem weiße und grüne Flecken trieben. Dann erreichte ihn das ferne Bild vollends.
Die Sonne warf späte Abendschatten zwischen hohe Bäume. Birken. Gras und Moos überall dazwischen. Sonst nichts. Ein Gesicht trat halb hinter einem der Bäume hervor. Es war vollkommen weiß bemalt - wie die Birken - aber mit zwei unheimlichen, schwarzen, gezackten Linien, die mitten über die eingefallenen Wangen verliefen.
»Es ist lange her, mein alter Freund.« Die Stimme tief und sonor, besorgt und gelassen.
Sam schluckte. Ein Auge in den Tunnel gerichtet, das andere in den fernen Wald.
»Ich wusste nicht, ob mein Kreis ausreichen würde.«
»Du hattest schon immer einen guten Sinn für Entfernungen, Fe´din.«
»Ich habe hier etwas, das …«
»… einen anderen Weg gehen muss?«
Sam schob seine Überraschung beiseite. »Ja.«
Windrauschen von losen Blättern drang in sein Auge, kräuselte das Wasser in der Brille.
»Jemand hat bereits danach gefragt, lange bevor du mich riefst. Jemand, den wir nicht erwartet hatten.« Ein leidgewohntes Lächeln fuhr zwischen die weißen Lippen der Frau.
›War das so? Oder war es eine Lüge?‹ Sam konnte es nicht sehen, weil er Zweibaum nicht richtig sehen konnte, das Wasser ließ auf diese Entfernung nur ein unscharfes Bild zu. Er ballte die Fäuste. ›Und wer hätte davon wissen können? Niemand! Er hatte es selbst nicht gewusst.‹
»Ich verliere viel dabei, ich …« Er stockte, eine Träne trübte die Verbindung, warf Wellen in die Magie.
»Wir beide wussten, dass dieser Tag kommen würde, Fe´din. Wir müssen jetzt damit leben oder dabei sterben.« Ihre Worte klangen fast boshaft entschlossen. Sam entschied ebenfalls.
»Es darf nicht hier bleiben.« Zweibaum nickte wissend, dennoch wirkte die Geste ängstlich.
»Einer der alten Jäger wird kommen.« Das weiße Gesicht wandte sich ab, müde von der Welt.
»Wer?« Die Verbindung zerfiel bereits an ihren Rändern. »Wie werde ich ihn erkennen?«, flüsterte er dem vergehenden Bild hinterher. Seine Worte zischelten in der kleinen Höhle.
Zweibaum schüttelte betrübt den Kopf, machte eine Handbewegung und der Wald in der Brille verschwand endgültig in Dunkelheit.
›Einer der alten Jäger? Götter, was hatte er nur getan.‹
Das Barometer fiel wie ein Stein. Es würde ein Sturm kommen. Ein ganz fürchterlicher Sturm. Doch das war Sam nicht länger wichtig. Er beugte sich über seine geliebte Frau und half ihr dabei, nicht zu schnell zu sterben, obwohl er es besser wusste. Frostfieber war grausam. Zogen die meisten Fieber ihre Opfer in ein gnädiges Dämmern, so ließ das Frostfieber einen bei lebendigem Leib erfrieren. Jede Sekunde war man wach, klapperte mit den Zähnen und schrie mit jeder Pore nach Wärme. Acht Decken, alles was er hatte, wölbten sich über ihrem zitternden Körper, selbst seinen Schutzanzug hatte er über sie gelegt, als könne er damit die Kälte ersticken. Er hatte ihr auch seine Handschuhe und die Fellmütze übergezogen. Doch es würde nichts helfen. Er wusste es. Und sie wusste es auch.
Sam stand auf und warf die letzten drei Briketts in den bauchigen Ofen, befühlte kurz die Hitze des Lappens, der davor hing. Ein verbittertes Lächeln trat in seine Züge. Als ob es noch etwas ausmachte ein paar Stunden später zu … Nein! Er drehte sich herum, das Licht, das aus der offenen Klappe drang, füllte das Zimmer mit einer fast stillen, rötlichen Farbe. Alles hier war aus tiefbraunem Eisenholz gebaut. Man fühlte sich wie im Bauch eines sehr kleinen Schiffs. Gebogene Planken für die Wände, dicke Bohlen für den Boden. Dahinter überall Eis. Meterdickes, meilenweites Eis.
Sam ließ den Kopf hängen, eine verzweifelte Geste, aber er war am Ende seiner Kräfte. Für einen Moment streifte sein Blick den Behälter, der fast versteckt unter seinem Schreibtisch an einem der verzierten Beine gelehnt stand. So harmlos sah er aus, so unglaublich war sein Inhalt. Gehämmertes, mit Magie verbundenes Kupfer schirmte ab, was niemand bekommen sollte. Nicht, solange er lebte. ›Warum war er noch hier?‹ Er wusste es nicht mehr. Nur wenn er sie ansah, dann bekam er eine Vorstellung davon, wohin es ihn getrieben hatte. Und für diesen kurzen Augenblick war er glücklich bis in die Fingerspitzen.
So leise wie möglich setzte er sich auf die Bettkante, nahm den heißen Lappen und legte ihn auf ihre Stirn. Starre, weite Augen flehten in einen nicht vorhandenen Himmel.
»Ich wollte eine Sonne für dich sein und was habe ich erreicht? Ich war nur eine flackernde, kleine Kerze.« Er stopfte die Decken enger um ihren Körper. Sam Fe´din weinte, ohne es zu merken.
Sam schreckte hoch, war eingeschlafen. Der Raum war merklich kühler geworden, die Ofenglut erhellte kaum noch ihr blasses Gesicht. Er wischte sich über die müden Augen. Und dann kam es … Ein Gefühl, so intensiv wie ein Instinkt, so leise wie eine Gewissheit. Er sah hinüber zu dem Behälter. Hatte sich seine Lage verändert? Nein. Etwas drängte sich plötzlich aus dem Boden heraus, der Kuss der Magie, erhob sich über alles andere. Der Jäger war da! Wartete.
Sam griff eilig nach einem alten Rucksack. Zerschlissen von der ewigen Kälte hier, aber noch immer zu gebrauchen. Er ging vor dem Schreibtisch in die Knie, warf einen letzten Blick auf die kupferne Transporthülle, die das Artefakt umschloss. Es ging nicht anders. Er legte fast flehend seine Hände auf das Metall, das warm in seine Haut drang. Hier könnte er nicht für seine Sicherheit sorgen, im Gegenteil. Eine heftige Wehmut überkam ihn, drängender als die Magie, die ihn rief. Zweibaum hatte einmal zu ihm gesagt, wenn etwas auf der Welt seinen Ursprung nimmt, sollte man sein Herz und seinen Arsch schleunigst in Sicherheit bringen. Dies hier war ein solcher Ursprung. Ein neuer Weg, der neue Wege schaffen würde. Gefährlich für alle in seiner Nähe. Er fasste sich wieder und steckte den Behälter in den Rucksack, verknotete die Lederbänder an der Öffnung, schlang sich die Schlaufe über die Schulter. An der Tür drehte er sich noch einmal um, zu ihr. Angst und Zweifel hielten ihn für einen Moment gefangen.
»Ich komme gleich wieder. Warte bitte auf mich, mein Himmel, mein Stern. Warte auf mich!« Leise verriegelte er die Tür und machte sich auf den Weg zur Oberfläche.
Sam hastete die in Kurven verlaufenden runden Eistunnel entlang. Ein schmaler Schienenstrang verlief am Boden und daneben ein ebenso enger Laufgang aus Holz. Menschengemachte Adern im blauen Schimmern des Eises. Ein sanfter, aber steter Anstieg hinauf in die weiße Hölle. Mit jedem Schritt wurde der Rucksack schwerer, als wolle sein Inhalt diesen Ort nicht verlassen, oder gar ihn? Sam wechselte den Riemen immer wieder von einer Schulter zur anderen, während seine Schritte dumpf von den Wänden des Tunnels widerhallten.
An einer scharfen Kurve hielt er keuchend inne, stieg dann die Treppe hinauf, die Arbeiter vor vielen Jahren ins Eis geschlagen hatten, klammerte sich mit der einen Hand an das Eisengeländer, das in der Tunnelseite wie ein dunkles Seil steckte und kämpfte sich weiter vorwärts, ein drängendes Summen in den Eingeweiden. Kreuz und quer verliefen diese Treppenfluchten, die zur Belüftung gebaut worden waren. Der schneidend kalte Wind fand zwar einen Weg hinein, aber man zwang ihn sooft in eine andere Richtung, bis er nur noch für frische Luft sorgte, nicht mehr.
Mit jeder Abzweigung wurde das Eis um ihn herum heller, leuchtete in anderen Blautönen. Nur für einen Moment verschnaufen, nur ganz kurz. Jetzt erklang das erste Wispern des Windes. Hier hatte er wieder eine Stimme und sie wurde mit jeder Treppe hinauf lauter, kälter und gnadenloser. Nun bemerkte Sam den Biss des Winters. Er hatte seine Schutzkleidung dort unten bei seiner Frau gelassen, war nur dem Ruf der Magie gefolgt, nicht der Notwendigkeit, dabei nicht zu erfrieren. Er wickelte den dicken Schal um Kopf und Mund, rannte weiter. Der Wind wurde nun ein Heulen. Eine ungezügelte Kraft, die Spalten ins ewige Eis treiben konnte. Die letzte Biegung und er prallte mitten in das Jaulen hinein. Hier war ein langer, gerader Tunnel gebaut worden, ummantelt mit Stahl und Beton, verkleidet mit Eisenholz. Ein lang gezogener Schacht, an dessen Ende die weiße Hölle ein milchiges Auge zu ihm warf.
Sam bekam kaum noch Luft, die Kälte brannte in seinen Lungen, trieb Tränen auf die Wangen und ließ sie sogleich gefrieren. Seine Haare knisterten. Jegliches Gefühl war aus seinen Füßen verschwunden. Das Leder des Rucksacks knarzte. ›Weiter, weiter, kleiner Sam.‹ Das Auge wurde größer. Der Wind schlug ihn jetzt. Prügelte ihn. ›Hörte er da tatsächlich Musik?‹ Nein, er hörte das Winseln seines Atems in seinen Ohren. Als er nur noch etwa drei Meter vom Eingang entfernt war, schob sich ein Schatten in das Rund des Tunnels. Sam stolperte, der Sturm verwehte seine Spuren sofort. Dort draußen wirbelte alles Weiß in Weiß, pfeilschnelle Schneeflocken trieben seitwärts an ihm vorbei. Die Gestalt stand ganz ruhig, unnatürlich. Er nahm den Rucksack von der Schulter und ließ ihn kraftlos in den Schnee fallen. Ein Donnern erklang dabei, als wäre sein Gewicht jetzt das eines Mondes. Sam sank auf die Knie. Er war zu keinem Schritt mehr fähig und er wusste, die Kälte würde bald jeden Funken Leben in ihm zum Schweigen bringen. Mühsam schaute er zu der Gestalt auf. Graue, zerzauste Wolfsfelle verhüllten sie bis zum Boden. Schwere Schneestiefel lugten darunter hervor. Ein Geruch von Meer traf seine Nase.
Da streifte die Gestalt die Fellkapuze vom Kopf. Sam entwich ein überraschter Laut, der vom Sturm verschluckt wurde. Silberblaues Haar wurde von einer weiteren Kapuze eingerahmt, die von solch tiefem Blau war, dass sie wie entrückt auf ihn wirkte. Mit hellen Symbolen, die selbst er noch nie gesehen hatte, war ihr Saum bestickt. Das Gesicht, welches nun auf ihn herabblickte, war ebenfalls grau. Glattgeschliffener Fels, der älter war als jede Geschichte. Augen, aus denen das Meer sang, umrandet von den warmen Tönen der Erde. Unter dem einen erstreckte sich ein Delta von feinen Linien in Braun und sanftem Grün. Die Züge zeitlos, weiblich, die Lippen dämmerungsblau, auf denen hunderte Sterne zu funkeln schienen.
Eine Hand streckte sich aus den Fellen, mit Poren wie Rinde. Ein langes, schimmerndes Band fiel aus den schlanken Fingern, eine kaum erahnte Bewegung ließ es durch die Luft gleiten, über ihn hinweg … dann war es still. Alles hörte auf, der Sturm, die Kälte, die ganze Welt hielt inne.
Sam bekam wieder Atem. Seine Haut begann zu kribbeln. Jeder Schmerz wich von ihm. Er blickte an sich hinab und bemerkte, dass das Band sich wie eine magische Acht um die Gestalt und ihn selber gelegt hatte. Innerhalb dieser Barriere herrschte Magie und die Naturgesetze, die nur eine Handbreit außerhalb weiter wüteten, existierten nicht länger. Zwei Kreise, die sich berührten und dennoch nicht zueinander gehörten. Sie bildeten einen neuen Weg.
Mit wackeligen Beinen stand Sam auf. Er war ein großer Mann, dennoch, mit jedem Zentimeter, den er sich erhob, wuchs die Gestalt in gleichem Maße. Als er endlich aufrecht vor ihr stand, blickte sie noch immer auf ihn hinunter, so als würde er vor ihr knien. Er verspürte keine Angst, nein, es war wie nach Hause kommen.
Die Gestalt bewegte nur ganz sachte den Kopf, blickte neben ihn. Sam folgte den Augen, bis auch er auf den Rucksack neben sich starrte. Er nahm ihn hoch, jetzt ganz leicht geworden, wie eine Flocke. Plötzlich wollte er ihn an sich drücken, nie wieder loslassen, aus dem Kreis treten und in den Sturm damit rennen, fort von allem. Bis er nicht mehr konnte, bis sein Leben dahinging und er von der Kälte und dem Eis für immer zugedeckt wurde.
Er sah auf, in diese Augen aus Zeit. Mit unendlicher Kraft bewegte er seine Arme vorwärts, hob den Behälter heraus, von Trauer übermannt, die gehämmerte Hülle lag wie weiche Haut an seiner. Mit allem Willen, den er noch aufbringen konnte, drückte er ihn von sich. ›Fort, fort, kleiner Sam.‹ Höher und höher, bis er ihn über seinen Kopf hob, der Gestalt entgegen. Tränen liefen über seine Lippen. Er sah, dass auch die Gestalt eine Träne vergoss, sie rann in das Delta der Linien unter ihrem Auge, verfärbte sie. Fernes Licht glitzerte nun in den verzweigten Flüssen. Doch dann schüttelte die Gestalt langsam ihr Haupt. Ihre linke Hand deutete auf den Boden zu ihren Füßen. Sam verstand wortlos. Vorsichtig beugte er sich, legte den Behälter in ihren Teil des Kreises. Ein kurzes Nicken war die Antwort. Sam trat zurück. Er hatte es getan. Er hatte dem Jäger das Schicksal übergeben. Da schritt aus dem Weiß des Sturms hinter ihnen ein Schatten. Sam konnte nicht glauben, was er da sah. Das war unmöglich. Ein Tier kam näher, riesig, mit dem Gang einer Katze. Von einer Sekunde zur anderen hörte Sam den Wind wieder. Er schaute zu Boden. Sein Kreis schloss sich, wurde von dem anderen in sich aufgenommen, verschluckt. Jetzt kam auch die Kälte zurück, und Sams langes Haar begann zu flattern. Er zog sich wieder in den Tunnel zurück. Ging rückwärts, weil er es wissen musste, sehen wollte. Doch immer mehr riss der Sturm an seinen Augen. Nur noch schemenhaft sah er, wie das mächtige Schattentier neben der Gestalt zum Stehen kam und nun den ganzen Tunneleingang ausfüllte. Sam konnte nur noch zwei gleich große Schattenrisse erkennen. Die Gestalt übergab dem Tier den Behälter, den Blick dabei noch immer auf Sam gerichtet, der weiter zurückwich, die Hand an der Tunnelwand. Der Sturm brauste jetzt in ihm. Er stolperte, fiel, stützte sich instinktiv ab und spürte die Zähne des Eises in seine Hand beißen. Er schrie, rappelte sich hoch. Die Schatten aber waren fort. Nur noch das milchige Auge des Tunnels, der wirbelnde Schnee, das infernalische Jaulen waren geblieben. Sam drehte sich um und rannte, floh.
Er fiel, hetzte, kroch durch die Treppenfluchten, über die Laufgänge, über die Schienen, bis fast sein Herz dabei zersprang. Wimmernd stieß er irgendwann die Tür auf.
Sie hatte nicht auf ihn gewartet.
›Geliebte Nefertari, was habe ich nur getan?‹