KAPITEL 9
Lina schlief lange. Eine der ersten Handbewegungen des nächsten Tages führte zwischen ihre Beine. So glatt, einfach toll. Die Haut war von der Rasur gereizt, und ihr Hals schmerzte vom vielen Schreien. Sie hatte kein Bedürfnis, den neuen Tag mit einem Orgasmus einzuleiten, wie sie es sonst immer tat, wenn sie ausschlafen konnte.
Mit einem mauen Gefühl erinnerte sie sich an den Vorabend. ›Kaum ist er unter der Erde, vögelt sich die lesbische Witwe das Hirn raus!‹, hielten die Trauergäste wohl davon, wüssten sie vom frivolen Treiben im Haus des Verstorbenen. Doch niemand kannte Markus, dieses Schwein, der sie in den Druckkochtopf dieses Hauses sperrte und sie auf Sparflamme köcheln ließ, während er auswärts sein Fünf-Gänge-Menü verspeiste. Dank Sandy konnte sie den Druck ablassen, und fühlte sich befreit. Sie dachte an die Dinge, die sie nun tun konnte, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen.
Nie wieder wollte sie sich einem Gelübde unterwerfen.
›Hollywood-Waxing und Piercing, hmm?‹, überlegte Lina. Sie hatte beschlossen, aus ihrem Goldenen Käfig auszubrechen, und ein neues Leben zu beginnen. Hier hielt sie nichts mehr, im Gegenteil: Die Erinnerung an ihren falschen Prinzen war untrennbar mit diesem überdimensionierten Kasten verbunden. Es gab viel nachzuholen. Sie wollte das Leben genießen, und die Sexualität würde einen großen Platz darin einnehmen. Einfach leben, komme, was wolle. Jetzt.