Der Atem als Spiegel

 

Ihr könnt durch die Kontrolle über euren Atem euren Geist verändern und dadurch natürlich den Körper.

Achtet in eurem täglichen Leben darauf, wie sehr der Atem euren Geist spiegelt, wenn ihr euch zum Beispiel freut, aufregt oder traurig seid. So, wie die Geistesqualität den Atem beeinflusst, könnt ihr über die Atemkontrolle euren Körper-Geist beeinflussen.

Wenn ihr gleichmäßig und tief atmet – so vollständig wie möglich – in euren Körper atmet, wird sich der Geist nach und nach beruhigen. Das heißt nicht, dass alles gleich still wird – möglicherweise lasst ihr dadurch erst bestimmte Dinge frei, die ihr durch irgendwelche Taktiken unterdrückt habt.

Vielleicht könnt ihr feststellen, dass manche Bilder unmittelbarer kommen und ihr die körperliche Entsprechung klarer erleben könnt. Gelingt es euch, in dem Erleben zu bleiben, lösen sich die Dinge auf – und Ruhe kehrt ein.

 

 

 

Wandelbar

 

Mit welchem Geist gestaltet ihr gerade euer Leben? In welchem Geistesmodus befindet ihr euch?

Ihr könnt die Qualität eures Geistes sehr einfach verändern. Bewohnt ihr zum Beispiel einen zerstreuten Geist, könnt ihr eure Wirbelsäule aufrichten und das Band zwischen Atem und Aufmerksamkeit etwas mehr spannen – nicht durch starre Konzentration, sondern eher durch ein Sich-Öffnen für den gegenwärtigen Augenblick.

Indem ihr den Bezug zum Hier und Jetzt herstellt, lädt sich euer Körper durch Präsenz auf und ihr bekommt einen klaren Blick für die momentane Situation.

 

 

 

Bewegen oder bewegen lassen

 

Wenn euch der Atem sagt, wann ihr in eine Yoga-Position hineingehen sollt und wann ihr wieder herausgehen sollt, haben eure Übungen eine andere Qualität, als wenn ihr euch einfach bewegt und dazu atmet.

Wenn ihr eure Praxis vertiefen wollt, solltet ihr diese Unterschiede erforschen.

Lasst den Atem wichtiger sein als die Bewegung. Fühlt, dass euch der Atem vorgibt, wie ihr die Bewegung auszuführen habt.

Folgt eurem Atem dorthin, wo er euch hinführt.

 

 

 

Wissen wohin

 

Bewegt euch zunächst zu eurem Atemrhythmus und dann lasst euch nach und nach von eurem Atem bewegen. Der Atem flüstert euch ein, wie ihr die Bewegung ausführen sollt – wie schnell und wie tief ihr in die Positionen hineingeht.

Lasst euch immer mehr von dem atmenden Geist führen, der so harmonisch und heilsam mit eurem Körper zusammenarbeitet.

Wenn euch keine Bewegung einfällt, die ihr ausführen könnt, könnt ihr davon ausgehen, dass der Affengeist aktiv ist. Der Affengeist weiß nie, wo es langgeht, der atmende Geist weiß es ganz genau ... weil er unmittelbar mit dem Körper verbunden ist.

Je mehr der atmende Geist in euch aktiv werden darf, den Körper bewegen darf, desto freier wird die Energie in eurem Körper fließen: ihr werdet einfach bewegt und der Geist wird sich ausdehnen.

 

 

 

Vollständig gespürt

 

Fühlt die Impulse, die euch euer Körper schickt, aber wandert mit eurer Aufmerksamkeit nicht dorthin. Ihr fühlt sie, aber ihr bleibt bei eurem Atem – und haltet die Beziehung zu den körperlichen Impulsen rein.

Je nachdem, wo ihr eure Aufmerksamkeit in eurem Körper habt, begegnet ihr bestimmten Themen. Wenn ihr zum Beispiel etwas Tragisches erlebt habt, wird die Erinnerung an das Tragische da sein, sobald ihr verstärkt in den Bereich eures Körpers hineinatmet, in dem diese Erinnerung abgespeichert ist. Doch wenn ihr mit eurer Aufmerksamkeit beim Atem bleibt, während das noch nicht vollständig Gespürte auftaucht, schenkt ihr euch die Möglichkeit, dass es sich entlädt und auflöst.