Zwei Stunden lang war es absolut still in unserer Küche. Dann sieht Jenny auf und fragt mitten in die Lern-Arie: »Glaubt ihr, man könnte aus der Klinik einen Rollstuhl borgen?«

Perplex erkundigen wir uns nach dem Grund dieses verschrobenen Ansinnens, aber Jenny winkt ab. »Vergesst es, ich frag selbst.«

Wir haben grade wieder die Konzentration für die nächste Buchseite zusammengekratzt, als sie erneut grinsend aufschaut.

»Und so richtig schlabbrige Blümchenkleider? Habt ihr so was?«

Auch diesmal stimmen unsere verwirrten Blicke sie sehr vergnügt, wieder erklärt sie sich nicht. Ich besitze kein Blümchenkleid und werde mir sicher auch keins zulegen – schon gar nicht, wenn ich nicht erfahren darf, wofür ich es brauchen sollte.

Nach nur fünf Minuten Schweigen geht es schon wieder los. »Kann eine von euch stricken? Oder so TUN, als könnte sie es?«

Mit einem Knall klappe ich mein Buch zu. Und Jennys.

Dann verschränke ich die Arme und sehe sie so lange starr mit meinem Möchtegern-Hypnoseblick an, bis sie seufzt und nachgibt.

»Wir könnten all unsere Jahre zusammenschmeißen und einen richtigen Oma-Geburtstag feiern«, schlägt sie vor. »Mit Dutt und Kopftuch, Kaffee und Kuchen und diesen silbernen Zahlen. Wir zwingen kleine Kinder, für uns Gedichte aufzusagen, die sich nicht reimen, und am Ende wird zu Akkordeonmusik geschunkelt.«

»Wieso sollten wir so was tun?«, fragt Isa.

»Unsere Geburtstage liegen nur ein paar Wochen auseinander«, erklärt Jenny, »also dachte ich, wir feiern zusammen.«

Natürlich. An unsere Geburtstage habe ich noch keinen Gedanken verschwendet! Vielleicht, weil es nach MEINEM Jahrestag nur noch wenige Wochen sind bis zur Prüfung – und ich, solange ich mich noch nicht auf das eine vorfreue, auch noch nicht wahrhaben muss, wie schnell dann das andere folgt.

Aber: ja! Es wäre großartig, zusammen zu feiern.

Nur: nein! Das sollten wir uns vor den Prüfungen wohl nicht mehr leisten.

Isa ist meiner Meinung. Es wäre schön – in einem anderen, nicht Vorprüfungs-Leben. Sie findet, wir sollten die Party nach dem Examen nachholen. Jenny zieht ein Gesicht. Doch ich muss Isa zustimmen. »Wir machen dann später eine große Party«, entscheide ich. »Alle zusammen.« Jenny schweigt ein bisschen beleidigt. »Trotzdem darfst du an deinem Geburtstag gern mit Dutt und Lesebrille lernen«, tröste ich und kassiere klaglos die zwei bis vier Schmähungen, die Jenny als Entgegnung für angemessen hält.

Nach der PJ-Fortbildung ist auch bei Jenny keine Rede mehr von Feierei. Dr. Thiersch hat uns den Chirurgie-Lehrstoff regelrecht um die Ohren gehauen. Die Oberärztin hat tausend Themen angerissen, eins komplizierter als das andere, und sie mit Sätzen eingeleitet und abgeschlossen, die mehr oder weniger alle lauteten: »Wenn das drankommt, sind Sie geliefert.«

Wir wissen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Dr. Thiersch selbst die Prüfung halten wird, und verstehen: »Wenn ICH DAS DRANNEHME, sind Sie geliefert.« Was sie ganz sicher auch meint.

Nachfragen pariert sie mit: »DAS können Sie zu Hause nachlesen. Falls Sie es noch nicht wussten – Lesekompetenz wird zur Prüfung vorausgesetzt.« Bis niemand mehr wagt, sich zu melden.

Warum stellt sie nicht gleich ein Tonband hin?! Das könnte man erstens kurz anhalten, wenn sich die Schreibhand von den hastigen Mitschriften so verkrampft, dass man hinterher nichts mehr entziffern kann – und zweitens müsste man dann nicht auch noch ihren eiskalten Killer-Blick ertragen, der einen schon erwischt, wenn man nur DENKT, dass man das jetzt nicht ganz verstanden hat. Denn für so was hat sie ein untrügliches Gespür.

Die Einzige, der sie nichts anhaben kann, ist Isa. Unsere Freundin hat auch das Wahltertial in der Chirurgie absolviert und auf ihre stille, fleißige Art die Anerkennung der Oberärztin erobert. Das zeigt sich zwar nur daran, dass Dr. Thiersch Isa ansieht, wenn sie uns andere mit: »Es bestehen sowieso nur ein paar von Ihnen« demotiviert, aber mir ist aufgefallen, dass Isa als Einzige zu den hochkomplizierten Erklärungen nickt.

»Du musst uns helfen«, japse ich atemlos, kaum dass wir den Schulungsraum verlassen haben.

Isa nickt mir beruhigend zu. »Ich wette, sie lässt keinen durchfallen«, flüstert sie. »Sie ist der geradeaus-fiese Typ, aber hinterhältig-gemein ist sie nicht.«

Trotzdem: Wenn ich all das, was heute im Schnelldurchlauf vorbeirauschte, nicht binnen zweier Monate beherrsche, braucht es keine Hinterrücks-Gemeinheit, um mich durchfallen zu lassen.

»Außerdem haben wir ja noch Bert«, lächelt Isa, »der erklärt uns sicher alles haarklein und mit Bildchen.«

Ja, zum Glück! Dr. Bert Gode, der Stationsarzt der Chirurgie, hat für die Prüflinge eine Nach-Fortbildungs-Konsultation und Übungsstunde anberaumt, in die wir jetzt dankbar hineinstolpern.

(Manche Ärzte geben nämlich Privatkonsultationen! Und es ist nicht so, dass wir das nur Isa zu verdanken haben, die sich im letzten Tertial besonders mit dem Stationsarzt angefreundet hat: Dr. Gode hilft uns aus purer Nächstenliebe. Hoffentlich hat er das auch auf einem Aushang am Schwarzen Brett kundgetan, damit gewisse andere Oberärzte es lesen und sich schämen!)

Bert Gode hat keine Bildchen vorbereitet. Aber Kaffee gekocht und Kekse besorgt. Er offenbart, wie gut er seine Chefin kennt, denn er eröffnet die Konsultation mit der Frage: »Was HABEN Sie denn verstanden?« Und beginnt, alles noch einmal zu wiederholen – nur weder in Dr. Thierschs Tempo noch in ihrem Tonfall.

Der Stoff wird dadurch nicht einfacher. Aber die Angst, dass wir ihn niemals beherrschen werden, schrumpft wenigstens von Mount-Everest-Höhe auf eine Größe zusammen, die man nun bequem mit einem Kipplader transportieren könnte.

»Wenn Sie das alles eisern wiederholen, wird die Prüfung machbar sein«, erklärt Dr. Gode. Er nimmt sich sogar noch Zeit, sich nach unseren Lernplänen zu erkundigen und heißt sie gut – dass Jenny ihren etwas geschönt hat, merkt er nicht und werden wir ihm nicht verraten. Nur als Isa aufzählt, wie viel sie tut, wirkt Dr. Gode skeptisch. »Übernimm dich nicht«, warnt er. »Die Phase, in der ihr Tag und Nacht lernen müsst, kommt früh genug. Und du sahst letzte Woche auch schon so angespannt aus.«

Isa schüttelt den Kopf. »Keine Sorge«, lächelt sie, »ich war nur ein bisschen schlapp, aber ich hole alles wieder auf.«

Dr. Gode verteilt die letzten Kekse und lässt sich von Jenny dazu bewegen, ein wenig über die möglichen Prüfer und deren eventuelle Vorlieben zu spekulieren. Zuerst erklärt er natürlich, dass und warum er uns gar nichts über die Prüfungen sagen kann und uns die Protokolle der letzten Jahre sicher mehr helfen. Aber als sie unschuldig blinzelnd fragt, worauf ER sich denn vorbereiten würde, grinst er und gibt zu, dass er davon ausgehen würde, dass er Dr. Thiersch als Prüferin bekäme – und deshalb sicher Gefäßchirurgie lernen würde, bis der Schädel brummt … weil das vielleicht ihr Spezialgebiet sein könnte.

»Und was würden Sie für die Innere vorbereiten?«, fragt Jenny.

»Für die Innere wüsste ich es nicht so genau«, antwortet er lächelnd, »denn ich würde mir wohl denken, dass ich sicher nicht von Dr. Thalheim geprüft werde.« (Natürlich sieht er mich dabei an.) »Also würde ich davon ausgehen, dass mich Dr. Paulsen prüft und mich mal erkundigen, ob es stimmt, dass sie Nephrologie und Rheumatologie für besonders wichtig hält.«

Als wir ihn kurz darauf verlassen, reichlich mit Wissen und Keksen beschenkt, ist die Prüfungs-Panik schon so geschrumpft, dass sie nur noch acht bis zehn Badewannen ausfüllen würde.

Um die Angst vielleicht noch auf ein Sechs-Badewannen-Volumen einzudampfen, beschließe ich, noch kurz bei Ruben reinzuschauen.

In der Cafeteria herrscht Nachmittagsstille. Ich lehne mich an den Tresen und bitte um einen Kaffee. Ruben lächelt. »Das macht einen Kopfstand. Mit Milch einen Flickflack zusätzlich.«

Ich habe keine Ahnung, wie sich DAS zu ihm rumgesprochen hat. Herr Pflüger hat strikte Bettruhe und mir versprochen, dass er es niemandem erzählt – und Tobias wird ja wohl nicht darüber getratscht haben. Aber es ist müßig, herausfinden zu wollen, woher Ruben seine Informationen bezieht. Und dass ich keinen Flickflack kann, glaubt er mir auch nicht. Eiskalt verschränkt er die Arme und verweigert mir den Kaffee. Aber zum Glück habe ich bei Dr. Gode an der Koffein-Grundversorgung teilgenommen und kann ebenso stur bleiben.

»Tut mir leid«, sage ich störrisch, »ich würde dir wirklich gern einen Einblick in meine Akrobatikkünste geben. Aber wenn ich jetzt einen Flickflack mache, kommt genau in dem Moment, in dem ich wild durch die Luft wirble, wieder ein gewisser Oberarzt zur Tür herein und dann ist mein Ruf endgültig hin.«

»Ich wusste doch, dass du es kannst!«, trumpft Ruben auf.

»Du hast eine Zirkusfreundin, die das sicher alles sehr gern vorführt«, beende ich die Diskussion.

»Und warum gönnst du dem Oberarzt nicht ein paar missratene Flickflacks?«, grinst Ruben, als er mir eine winzige Tasse Kaffee hinstellt. Ohne Milch. »Vier bis fünf Bauchklatscher deinerseits würden seine Stimmung vielleicht auflockern.«

»Nein, das hab ich versucht«, entgegne ich, »mein nächtlicher Handstand hat eher das Gegenteil bewirkt.«

Ruben wird ernst. »Er muss SEINEN Bauchklatscher erst verarbeiten. Er wird nicht auf dich zukommen, nachdem du ihn so fallen lassen hast. Ich glaube, er ist ziemlich verletzt.«

»Ich hab ihn doch nicht fallen lassen«, widerspreche ich. SO kann man das doch wirklich nicht darstellen, oder?!

»Artisten-Metaphorik«, lächelt Ruben. »Er dachte, wenn er das Seil loslässt, fängst du ihn. Hast du aber nicht.«

»Du verbringst zu viel Zeit im Zirkus«, grummle ich. »Wenn hier irgendwas wirkt wie vom Trapez geklatscht, dann deine Metapher. Sie hinkt nämlich.«

Das tut sie nicht. Aber ich will ihm nicht recht geben.

»Eine Beziehung ist ja wohl auch eine Art Kunststück«, beharrt Ruben. »Und du hast es dir nicht zugetraut. Nur leider war ER da schon losgesprungen.«

Der winzige Kein-Flickflack-keine-Milch-Kaffee hat einen Vorteil: Er ist so klein, dass ich ihn in einem Schluck austrinken kann. Und dann gehen.

Aber nein, eins noch.

»Ich habe Tobias gesagt, warum ich Zeit brauche. Im Gegensatz zu einem gewissen Koch mit Zirkusmeise hat er mich verstanden.«

Als ich Tobias erklärt habe, warum ich von seiner Rückkehr irgendwie überfordert war, hat er gesagt: »Ich weiß, ich war lange weg. Vielleicht ist es besser, du machst erst einmal deine Prüfungen und lässt dich nicht durch emotionale Verwirrung von der Konzentration ablenken.«

Sein Blick war undurchdringlich, ganz weit weg … Aber es wirkte nicht, als sei er in diesem Moment schmerzhaft auf einem sägespänebestreuten Manegenboden aufgekracht. Eher, als ob er kerzengerade im Fangnetz landet, seinen Kittel zurechtzieht und in die nächste Visite marschiert. Mann, jetzt haben mich Rubens blöde Zirkusbilder schon angesteckt.

»Ich sage nicht, dass das Trapez nicht wirklich erschreckend hoch ist«, nickt Ruben. »Und der Oberarzt ist auch kein spilleriges Fliegengewicht.«

Er schenkt die Mini-Kaffeetasse noch einmal voll.

»Was hat denn Alex gesagt?«, erkundigt er sich.

Autsch.

»Dass er auf jeden Moment eifersüchtig ist, den wir nicht zusammen sind«, gestehe ich leise.

Ruben lächelt. Na klar, so was gefällt ihm.

»Er bleibt am Trapez hängen und wartet, bis du dich zum Sprung entschließt?«, fragt er. »Weißt du, wie viel Kraft das kostet?«

»Wenn du nicht sofort damit aufhörst …«, drohe ich.

»Was fehlt dir denn nur?« Ruben schüttelt den Kopf.

Ich weiß es nicht. Es ist etwas, das Tobias hat. Und Alex nicht. Aber vielleicht existiert es wirklich nur in meiner Fantasie?

Trotzdem: Solange dieses Gefühl noch da ist – und wenn es auch auf einem Fantasiegespinst beruht – kann ich doch nicht mit Alex zusammen sein!

Ruben sieht mich an, schweigend, durchdringend. Ich weiß ja, Ruben. Ich muss es rausfinden. Ich muss mit Tobias reden.

»Er ist garantiert noch in seinem Büro«, sagt Ruben. Ich nicke.

Und stürze den zweiten Zwergenkaffee hinunter wie andere einen mut-stärkenden Schnaps.

So, Lena, nun nimmst du all deine Courage zusammen. EIN ehrliches Gespräch hast du hinter dich gebracht und Oma hat immer gesagt »Ehrlichkeit macht süchtig«. Noch merkst du nichts davon – aber es muss sein. Okay, Omis Weisheit allein genügt nicht ganz, um mich zu überzeugen. Das gute alte Orakel muss her; ich muss es ja nicht so schwer machen.

Wenn er zufällig aus seiner Tür tritt, während ich in normaler Geschwindigkeit den Flur hinuntergehe, und er nicht grade zu einem Patienten eilt … dann rede ich mit ihm. (Da hast du dich mal wieder schön selbst ausgetrickst, Lena, wie wahrscheinlich ist DAS denn?) Aber abgemacht ist abgemacht.

Behutsam setze ich auf dem Flur der Inneren einen Fuß vor den anderen; ich muss ja nicht so trampeln, dass er rauskommt, um zu sehen, ob ein Bataillon Zinnsoldaten über den Gang marschiert.

Ich erreiche sein Büro – fast geschafft. Jetzt nur nicht schneller werden, sonst ist das Orakel hin.

Okay. Ich MUSS nicht mit ihm reden. Er redet ja auch nicht mit mir. Die Welt ist gerecht, das Orakel hat entschieden, aufatmen, Lena.

Hat da jemand meinen Namen gesagt?

»Wolltest du zu mir?«

Nein! Ich bin doch schon an deiner Tür vorbei! Ich bin schon fast unsichtbar!

Aber sein Blick ist gemeinerweise magnetisch, ich spüre ihn im Rücken und muss mich einfach umdrehen. Offenbar steht mir ins Gesicht geschrieben, dass ich sehr wohl zu ihm wollte, aber grade froh war, die Begegnung doch vermieden zu haben.

Tja. Ich hätte schnell »Nein, nein, ich bin auf einem eiligen Medikamententransport« antworten sollen. Stattdessen stehe ich schon eine gefühlte Ewigkeit sprachlos auf dem Gang – und nun lässt sich nichts mehr vorschützen, Tobias hat mich durchschaut.

»Was ist los?«, fragt er und ich wünsche mir, dass es »Du fehlst mir so und ich habe mir eben nichts mehr gewünscht, als dass du mich besuchst« bedeutet. Moment, das könnte es doch! Du musst nur reingehen und mutig-konkret danach fragen. Er ist nun mal kein Mann, der so was von alleine sagt, das wenigstens dürftest du doch inzwischen wissen.

»Ich würde gern mit dir reden«, sagt jemand mit meiner Stimme ganz schnell, bevor Feigheits-Lena doch noch anfängt, vom Medikamententransport zu faseln.

Tobias öffnet die Tür, bittet mich herein … und da ist es schon wieder: Als ich an ihm vorbeigehe, wird mir kurz schwindelig. Ich muss mich setzen, Tobias, dein Magnet ist irgendwie zu stark eingestellt, das ist ja gleichgewichtsgefährlich.

Er setzt sich mir gegenüber und wartet. Das ist unfair – absolut die falsche Umgebung für so ein Gespräch. Weil mich alles hier drin daran erinnert, wie es früher war. An unsere heimlichen Treffen, das ganze Drama. Sein Schreibtisch, die Sessel, alles erinnert an seine Wohnungseinrichtung – sparsam, aber stilvoll …

Moment, Lena. In seiner Schreibtischschublade zu Hause lag ein Bild von seiner Ex-Frau. Von der er dir nichts erzählt hatte. Dieser Gedanke schubst mein Sprachzentrum an.

»Wartest du noch? Auf mich?«

Was für eine bescheuerte Frage. Du hast dir hundert Fragen ausgedacht und keine davon war DIESE!

Was soll er denn darauf antworten?! (»Ja.« Das wäre eine klasse Antwort. Mehr braucht es gar nicht. Ich schieße alle Zweifel in den Wind und vergesse jedes einzelne Mal, da du mich in meiner Unsicherheit hängen ließest, wenn du jetzt Ja sagst!)

Tobias schweigt.

Natürlich. Was soll er auch antworten? Auf das einfache Ja kommt er nicht. Oder er will nicht.

Er schweigt weiter und wenn das noch eine Sekunde anhält, stehe ich auf und gehe und komme nie wieder.

Tobias schaut an mir vorbei. Und dann direkt in meine Augen. »Ich bin Arzt, Lena. Ich handele, wo ich etwas tun kann. Wo ich nichts tun kann, muss ich mich abfinden.« Eine kurze Pause, dann setzt er leiser hinzu: »Daran halte ich mich seit Jahren. Mit Erfolg.«

Ich brauche einen Moment, um mich zu sortieren. Das ist nicht das Ja, auf das ich gehofft hatte – es ist nirgendwo in seiner Antwort versteckt. Aber das ist auch kein »Nein, ich will dich nicht mehr.« Oder doch? Das sagt mir GAR NICHTS. Wie immer.

Ruben hat recht: Ich hab ihn verletzt. Nun lässt er mich wie früher vor dem geschlossenen Vorhang stehen. Ich darf nur raten, welche Gedanken oder Gefühle dahinter verborgen sein könnten.

Willst du das wirklich, Lena? Willst du das wirklich zurück?

Es passiert dasselbe wie immer, wenn er sich so kühl gibt – bei mir sprudeln die Gefühle über, Emotionen für zwei. In diesem Fall sind es Tränen. Ich kann sie nicht aufhalten. Aber ich wische sie mir so wütend vom Gesicht, als könnte ich damit alles loswerden, die ganze Enttäuschung, die verfahrene Situation, die ganzen blöden Gefühle, wenn ich sie nur fest genug abwische.

Er sieht mich an. Ich kann absolut nichts in seinem Gesicht lesen. Ich stehe auf, sage »Gute Nacht« und gehe.

Er bleibt einfach sitzen.

Ganz still schleiche ich über den Flur davon.

Miss Emergency, Band 4: Miss Emergency , Operation Glücksstern
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