Seit sie Träger der Sieben Siegel waren, hatten sie so oft um ihr eigenes und das Leben anderer gekämpft, dass sie zwangsläufig in ständiger Alarmbereitschaft waren, ob sie nun wollten oder nicht. Auch das war Teil des Fluchs der Siegel.
»Es geht wieder los«, keuchte mit einem Mal Chris.
Lisa spürte einen Kloß im Hals. »Hier? In der Schule?« Sie alle schauten auf ihre Unterarme. Chris hatte Recht. Die magischen Male waren auf ihrer Haut erschienen wie exotische Tätowierungen. Sieben uralte Schriftzeichen, in einer Sprache, die seit Jahrtausenden vergessen war. Ihr Auftauchen signalisierte, dass die Mächte des Bösen nahe waren. Doch sie warnten die vier Freunde nicht nur vor den Kreaturen der Nacht – sie lockten sie auch herbei.
Im selben Moment gerieten die Stoffbahnen an den Wänden in Bewegung, warfen Wellen wie schwarze Meeresbrandung, flatterten und wanden sich wie Schwingen eingesperrter Raubvögel.
Am fernen Ende des Korridors erschien eine Gestalt. Sie stand völlig im Dunkeln, nur ihre Silhouette war schwach zu erkennen.
»Meine Schule«, wisperte eine böse, tückische Stimme. »Dies ist meine Schule, und ihr habt keine Erlaubnis, hier zu sein.«
Und dann hallte ein einziges Wort endlos wiederholt durch das dunkle Gemäuer, brach sich an den Mauerwinkeln und Decken.
Strafe.
Immer wieder und wieder.
Strafe, Strafe, Strafe …