44.) Nur ein Croissant vom Glück entfernt       

 

Wochenende in Dubai. Die Kinder sind weg organisiert und der Kühlschrank ist leer. Also, auf in die Mall, ganz in Ruhe einen Kaffee trinken, vielleicht einen Muffin dazu essen und dann einkaufen. Das Leben könnte so einfach sein. Könnte. Wenn ich es mal nur so gemacht hätte. Sprach ja nichts dagegen und eigentlich bin ich ein Gewohnheitstier. Doch ausgerechnet an diesem friedlichen Morgen überkam mich spontan der Wunsch, keinen Muffin zu essen, sondern ein Croissant.

„A Cafe Latte and a Croissant, please“, sage ich also zu der herangeeilten Bedienung des Coffeeshops und wende mich wieder meiner Zeitung zu. Diese bleibt jedoch schwer leserlich, der Schatten der Bedienung liegt immer noch über ihr. Ich sehe den guten Mann freundlich an.

 

„Sorry, a Cafe Latte and...?“, fragte dieser ebenso freundlich zurück.   

 

„A Croissant.“

 

„Sorry?“

 

„A Croissant!“

 

Der Schatten liegt immer noch über meiner Zeitung und droht, sich nun auch über mein Frühstück zu legen.

 

„A Cafe Latte and a Croissant, please!“, meine Stimme schwankt zwischen Flehen und genervt.

 

„I know, I know, a Cafe Latte and a...???“

 

Nachdem ich das Wort jetzt so oft gesagt habe, habe ich wirklich Hunger auf ein Croissant und bin nicht mehr bereit, es für einen Muffin einzutauschen. Ich überlege kurz, ob ich nach der Speisekarte verlange, um der Bedienung das Wort „Croissant“ zu zeigen, entscheide mich dann aber dagegen, da ich nicht sicher bin, ob er besser lesen als hören kann. Ich will gerade aufstehen und den guten Mann zur Kuchenvitrine schleppen, um ihm das Objekt meiner Begierde zu zeigen, als in seinem Gesicht plötzlich die Sonne aufgeht.

 

„Madam wants a Cruschn.“

 

Das weiß ich nicht so genau, aber da das Wort eine minimale Ähnlichkeit mit Croisssant hat, nicke ich mal.

 

One Cafe Latte and a Cruschn for Madam“, sagte der Mann nun siegesgewiss und macht sich von dannen, um endlich mein Frühstück zu holen.

 

Ich wende mich wieder meiner Zeitung zu, kann mich aber nicht so recht konzentrieren - zu groß ist meine Neugierde, ob ich wohl das gewünschte Croissant bekomme oder was sich wohl hinter einem „Cruschn“ verbirgt.

Was soll ich sagen. In Dubai wird man immer wieder überrascht. Die Bedienung kommt mit einem strahlenden Lächeln zurück und stellt ein duftendes, warmes Croissant vor mich auf den Tisch. Und einen Pfefferminztee.