35.) Die Deutschland-Flagge
Die folgende Geschichte ist nichts für schwache Nerven oder, um es genauer zu sagen, für Leser, die nicht gerne über WCs und die Dinge, die dort erledigt werden sprechen oder lesen. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr - nicht, dass mir hinterher einer sagt, ich hätte ihn nicht vorgewarnt.
Meine Kinder sind sehr patriotisch. Beide haben zwar noch nie länger als 4 Wochen am Stück in Deutschland verbracht, dennoch fühlen, denken und handeln sie deutsch. Und sie sind stolz darauf. Das finde ich im Prinzip gut, habe nur manchmal ein wenig Angst, wenn ich mir den tiefen Fall vorstelle, sollten die beiden mal in Deutschland leben und erkennen, dass 4 Wochen Ferien-Halli-Galli mit Großeltern und Freunden eben nicht das wahre Leben sind. Aber zurück zur Geschichte.
Die jüngere Tochter ist verschwunden. Kein Laut von ihr ist zu hören. Ich weiß, was das bedeutet und zähle langsam im Kopf rückwärts drei, zwei, eins …und schon brüllt sie aus dem Gäste-WC:
„Mama, Mama, du musst schnell kommen. Gaaaaaaaanz schnell!“

Diese Form des WC-Schreiens ist bei uns durchaus üblich und heißt für gewöhnlich, dass Madame nach einem größeren Geschäft gerne den Popo gesäubert haben möchte – was ich durchaus befürworte, auch, wenn es nervt. Mütter werden wissen warum.
Ich eile also zur Gästetoilette (bevor die Tochter wieder mit Hose runter und Klopapier in der Hand in die Küche gelaufen kommt),wo die Kleine bereits freudestrahlend auf mich wartet.
„Mama, Mama, die Deutschland-Flagge!!!“
Begeistert zeigt sie auf die Kloschüssel. Als Mutter ist man Kummer gewöhnt und so werfe ich ohne lange nachzudenken einen Blick in die Schüssel. Dort schwimmen in schönster Eintracht drei ungefähr gleich große „Überbleibsel“, die in ihrer Anordnung mit viel Fantasie an die drei Balken der Deutschland-Flagge erinnern. Die Farbwahl ist allerdings nicht wirklich ähnlich. Schon allein deshalb, weil die Deutschland-Fahne in der Kloschüssel einfarbig ist.
„Mmh. Ja. Mmh.“
Mehr fällt mir sogar nach vielen Jahren als Profi-Mutter nicht zu dem „Werk“ meiner Tochter ein. Ihr schon:
„Mensch, Mama,“ sagt sie mit diesem Stolz, den nur 4-jährige aufbringen können, wenn es um eines ihrer Kunstwerke geht, „toll, wie ich das gekackt hab, oder? So richtig schön deutsch!“