12.) Das Gesetz der Straße
Autofahren in Dubai. Was soll ich sagen? Die Straßen sind gut und übersichtlich, es herrscht kein Chaos und trotzdem fürchtet man die ersten drei Jahre eigentlich ständig um sein Leben, sobald man hinter dem Steuer sitzt. Schon das Herausfahren aus der Garage kann gefährlich sein. Zum Beispiel, wenn der Nachbar zur gleichen Zeit herausfahren will und dabei nicht nach hinten schaut, weil er bei dem Preis, den er für sein Haus gezahlt hat, der Überzeugung ist, sämtliche Straßen der Umgebung mitgekauft zu haben.
Nach den besagten drei Jahren, mehreren Herzinfarkten und Fast-Todeserfahrungen gewinnt man beim Autofahren schließlich doch eine gewisse innere Ruhe, mittlerweile hat man die ungeschriebenen Gesetze der Straßen in Dubai verstanden und verinnerlicht:
1.) Immer auf das Schlimmste gefasst sein. Das Allerschlimmste. Hand auf der Hupe und Fuß auf der Bremse sind ein Muss.
2.) Trotzdem niemals, aber auch wirklich niemals Angst zeigen. Sonst könnte man für immer an einer Vorfahrtsstraße stehen bleiben – sogar wenn man Vorfahrt hat.
3.) Kreisverkehr macht nur Spaß, wenn man aus der innersten von 6-Spuren wenige Meter vor der Ausfahrt scharf nach rechts rauszieht und alle anderen Autofahrer eine Vollbremsung machen müssen.
4.) Die äußerste Spur des Kreisverkehrs ist keinesfalls zu nutzen, weil man ausfahren möchte. Sondern nur dann, wenn man gezwungen ist, einmal komplett um den ganzen Kreisverkehr zu fahren, weil man bei dem unter 3.) genannten Manöver wegen irgend so einem nervösen Volltrottel tatsächlich die Ausfahrt verpasst hat. Sie wird in Dubai auch die „Rache-der-Ausfahrt-Verpasser-Spur“ genannt – Ehrensache, dass man niemanden ausfahren lässt!
5.) Wenn ein Auto mit Vollgas einen Kilometer lang rückwärts auf der 6-spurigen Autobahn fährt, ist das keine Fata Morgana - der Fahrer hat entweder seine Ausfahrt verpasst oder will noch mal kurz bei dem Unfall vorbeischauen, an dem er vor ein paar Minuten mit überhöhter Geschwindigkeit vorbeigerauscht ist und den er deshalb nicht ordentlich gesehen hat.
6.) Die schwarzen Scheiben des mit 280 km/h an dir vorbeischießenden Autos sind nicht mit einer in der Weltraumtechnik entwickelten, durchsichtigen Spezialfolie abgeklebt - der Fahrer sieht dich wirklich nicht!
7.) Der kleine, etwas verbeulte Toyota Yaris, der auf der ganz linken von 8 Spuren mit Tempo 65 fährt, hat keinen Motorschaden und versucht irgendwie zur nächsten Ausfahrt zu kommen. Nein, der Fahrer telefoniert, liest dabei die Zeitung und es fällt ihm gar nicht auf, dass die anderen doppelt so schnell fahren.
8.) Essen, Trinken, Telefonieren, Fernsehen, Zähneputzen sind alles Dinge, die man sehr gut während des Fahrens erledigen kann (siehe Punkt 7).
9.) Ampeln sind aufregend. Rote Ampeln besonders: Schließlich darf man auf keinen Fall seine Augen auch nur eine Sekunde von der Ampel abwenden, sonst verpasst man die Gelegenheit, im Moment des Umspringens der Ampel auf Grün den Vordermann anzuhupen, dass der da nicht stundenlang mit seiner Trödelei den Verkehr aufzuhalten habe.
10.) Musik im Auto wird vollkommen überbewertet. Was ist schöner als der Klang der in allen Autos in den Emiraten eingebauten, automatischen Geschwindigkeitskontrolle? 120 km/h darf man auf Dubais Autobahnen maximal fahren, bei Überschreiten der Geschwindigkeit hört man einen Warnton – eine gute Autofahrt ist, wenn man den Ton nonstop hört.