30.) Shopping-Glück für Groß und Klein

 

Mit Kindern geht man nicht einkaufen. Punkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Kinder, egal wie gut erzogen (und meine sind natürlich waaahnsinnig gut erzogen), werden in Geschäften zu reißenden Bestien, die eigentlich nur noch mit einem Betäubungsgewehr zu stoppen sind.

Ich gehe trotzdem gerne und oft mit meinen Kindern einkaufen. Allerdings nur in Dubai. Warum? Na, wegen der Verkäuferinnen. Die kommen für gewöhnlich aus dem asiatischen Raum und lieben Kinder. Alle Kinder. Sogar Kinder, die ihre Läden unordentlich machen.

Nehmen wir zum Beispiel einmal an: Ich gehe mit meinen beiden entzückenden Kindern zu Zara in der Mall of the Emirates. Der Laden ist so groß, dass die Verkäuferinnen aus der Kinderabteilung die aus der Herrenabteilung noch nie gesehen haben. Kunden werden hier generell nicht beachtet, geschweige denn bedient. Außer natürlich, sie haben Kinder unter 10 Jahren dabei. Am besten Mädchen. Also, bedient wird man deswegen noch lange nicht, aber man muss sich um seine Kinder, und dass diese den Laden in Schutt und Asche legen, keine Sorgen mehr machen.

Zielstrebig lenke ich meine Kinder in Richtung der neuesten Kollektion. Sofort entdecken die beiden einen Stapel mit rosa Blusen, der sofort umkippt, als Kind Eins die Hand gierig danach ausstreckt. Pflichtschuldig herrsche ich Kind Eins an, dass es nichts anfassen soll und stapele die Blusen mehr schlecht als recht wieder auf. Derweil hat Kind Zwei die Gelegenheit genutzt, sich sämtliche Ketten, die am Ständer neben den Blusen hängen, umzuhängen und heillos zu verknoten. Kind Zwei wird ebenfalls angeherrscht, und während ich noch versuche, den Kettenknoten zu entwirren, reißt Kind Eins an einem langen, diesmal gelben Satinkleid und schreit durch den ganzen Laden: „Das ist aber schön, Mama, das will ich haben!“

Die ersten Leute sind nun auf uns aufmerksam geworden und ich weiß, jetzt kann es nicht mehr lange dauern und wir werden rausgeschmissen. Und tatsächlich: Einen umgekippten Stapel T-Shirts später („Ich wollte nur deine Größe raussuchen, Mama“) erscheint eine Verkäuferin auf der Bildfläche. Aber nicht, um mir lebenslängliches Hausverbot zu erteilen. Nein, um Kind Eins liebevoll auf den Arm zu nehmen, das in der Zwischenzeit eine der rosa Blusen übergezogen hat und mit den zu langen Ärmeln so durch die Luft fuchtelt, dass ein weiterer Stapel Kleidung auf der Erde verstreut wird.

„Ist die aber süß!“, strahlt mich die Verkäuferin an. Ich lächele verlegen zurück und schäme mich ein bisschen, weil ich den unentwirrbaren Kettenwust einfach unter einen Rockstapel geschoben habe. Der Verkäuferin scheint der unaufgeräumte Laden herzlich egal zu sein, sie strahlt weiter über das ganze Gesicht. Allerdings nicht in meine Richtung, sondern zu meinen Kindern und fragt sie fröhlich:

„Wollt ihr noch Schuhe dazu anprobieren?“

Wenige Minuten später rennen meine Kinder, zur Freude sämtlicher Verkäuferinnen der Damenabteilung, in Erwachsenenkleidung gehüllt und mit viel zu großen Schuhen und Hüten ausstaffiert sowie mit Ketten behangen durch Zara. Ich selbst probiere derweil die gesamte Sommerkollektion in Ruhe durch. Ich werde vollkommen ignoriert: Von meinen Kindern und den Verkäuferinnen.

 

So liebe ich Einkaufen.