Lüge Nr. 4 – Der BMI gibt Auskunft darüber ob eine Person zu viel wiegt oder nicht.
Der Body-Mass-Index ist ein rechnerisches
Verfahren. Es wird Ihr Gewicht in Bezug zu Ihrer Körpergröße in
Meter zum Quadrat gesetzt ( BMI Beispielrechnung: 80 kg : 1,68m²=
28,34 kg/m² ).
Sie können Ihren eigenen BMI leicht mit der Formel ausrechnen.
Viele Internetseiten bieten diesen Service ebenfalls an. Die Werte
von normalgewichtigen Personen liegen gemäß der
Adipositas-Klassifikation der WHO zwischen einem BMI von 18,5 kg/m²
und 24,99 kg/m². Der BMI ab 30 kg/m² gilt als extrem gefährlich.
Nimmt man diese Einteilung zur Grundlage, sind 16 % der Männer und
14 % der Frauen in Deutschland stark übergewichtig und damit
dringend medizinisch zu versorgen. Diese Zahlen sind erschreckend
und hier hilft meiner Einschätzung nach, der gesunde
Menschenverstand, um zu erkennen, dass aufgrund der Leibesfülle ein
gesundheitliches Risiko besteht. Wir brauchen keine Tabellen
dafür.
Mir geht es vielmehr darum, zu schauen, ob der Index überhaupt
Aussagekraft hat. In der Wissenschaft wird gerne von Korrelationen
gesprochen, damit ist gemeint, dass wenn sich ein Parameter erhöht
und ein weiterer ebenfalls mit ändert, dann hängen diese Werte mit
großer Wahrscheinlichkeit zusammen.
Im Klartext, wer mehr wiegt (Parameter 1) hat gleichzeitig eine
geringere Lebenserwartung (Parameter 2). Soweit die Logik des BMI.
Wir reden hier über Wahrscheinlichkeitsaussagen und Korrelationen.
Erstaunlicherweise wurde dieser Index zuerst von Versicherungen
eingeführt, um eine Risikoabschätzung der zu versichernden Person
machen zu können. Mittlerweile finden Sie ihn überall, bei Ärzten,
den Krankenkassen, in einschlägiger Literatur etc. Wenn Sie sich
diesen Wert genau ansehen, werden Sie erkennen, dass Ihr Gewicht in
der Formel ins Verhältnis zur Fläche gesetzt wird.
- Erstens sind Menschen ganz sicher keine Wesen die in nur zwei Dimensionen existieren und ...
- die berechnete Fläche hat keinen Bezug auf die
tatsächliche Größe der Körperoberfläche. Im obigen Beispiel
verteilt sich also das Gewicht der Person
folgendermaßen: auf einen Quadratmeter Fläche kommen 28,34 kg. Das
sagt dieser Wert aus. Wir wissen doch noch alle aus der Schule,
dass Flächen nur in der Ebene vorkommem. - Drittens trifft dieser Wert keinerlei Aussagen über die Zusammensetzung des Körpers. Wie viel Muskelgewebe oder Fettgewebe die betreffende Person hat, das bleibt verborgen. Auch findet das Geschlecht und das Alter keine bzw. ungenügende Beachtung. Die DGE hat dem Rechnung getragen und die Werte für Männer und Frauen getrennt. Die entsprechenden Listen können Sie bei Ihrer Krankenkasse bekommen oder auch hier nachlesen.
Einen Sonderstatus besitzen zudem Sportler - je nach Sportart
variieren die berechneten Werte derart, dass der BMI hier völlig
versagt.
Um jedoch Aussagen über die Fettverteilung und die
Körperzusammensetzung zu treffen, benutzt man besser das Verhältnis
von Taille zur Hüfte (THV oder engl.: Waist-hip ratio oder
Waist-to-hip ratio WHR).
Jeder kennt auch die Bezeichnung der Apfel- und Birnenform, womit
der äußerlich sichtbare Fettansatz gemeint ist. Die Apfelform, auch
als androide Fettverteilung bezeichnet, findet man in erster Linie
bei übergewichtigen Männern. Die Birnenform hingegen bei Frauen,
auch gynoide Fettverteilung genannt.
Der Taille-Hüfte-Quotient soll bei
Männern kleiner als 1,0 und bei Frauen kleiner als 0,85
sein.
Er liefert eine sofortige Risikoabschätzung, da die Apfelform auf
eine ungünstige Fettverteilung im Bauchraum hinweist. Dieses
gespeicherte Organfett ist sehr stoffwechselaktiv und produziert
viele Fettsäuren, die vermehrt ins Blut abgeben werden. Man kann
vereinfacht sagen: Mit der Zunahme an Bauchinnenraumfett, steigt
das Risiko für die Folgeerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck
(mehr unter Metabolisches
Syndrom)
Also benutzen Sie einfach das Verhältnis von Taille zur Hüfte.
Messen Sie dazu Ihre Taille in Bauchnabelhöhe und dann Ihre Hüfte
an der dicksten Stelle. Anschließend dividieren Sie die beiden
Werte (Beispielrechnung: die Taille beträgt 80 cm und Hüfte 90 cm,
80 : 90 = 0,88), als Mann wäre dies ein respektabler Wert, für eine
Frau gilt weniger 0,85 als erstrebenswert.
Doch eine Warnung zum Schluss:
Kein Index, keine rechnerische Größe kann
auch nur ansatzweise widerspiegeln, wie gesund Sie sind. Es gibt
ganz einfach zu viele Unbekannte
in dieser Gleichung.
Schlank sein mag anziehender auf das andere Geschlecht wirken.
Schlank sein kann aber auch bedeuten, der Ernährung gar keine
Beachtung zu schenken, dann sind Sie einfach nur mangelernährt.
Oder Sie hungern Ihr ganzes Leben, um mehr Beachtung zu erlangen –
das erzeugt gewaltigen Stress. Auch konnte nachgewiesen werden,
dass ein BMI von 25 und leicht darüber, eher die Lebenserwartung
steigen lässt, vor allem je älter man wird.
Kommen wir zu einer weiteren Lüge, diese wird gern herangezogen, um
Übergewicht zu erklären bzw. zu verharmlosen. Sie ist ein
Paradebeispiel dafür, wie Verantwortung abgegeben wird.