»Verlassen Sie sich auf uns – dann sind Sie verlassen« Abenteuer mit der PTelecom
Traumleben am Strand? Nichts da. Leider muss ich arbeiten, und das ist ohne Telefon und Internet unmöglich. Unglücklicherweise hat das nicht so geklappt wie geplant. Denn »Telekoms« scheinen überall auf der Welt gleich zu agieren: Es gibt Zusagen – und niemand kommt. Es gibt Versprechungen – die werden nicht gehalten. Es gibt Terminvereinbarungen – auf die könnte man auch verzichten. Aber sie kassieren alle, und das nicht zu knapp. Ob in Deutschland oder Portugal: überall dasselbe Spiel!
Am zweiten Juni kommen wir in Portugal an.
António sagt: »Es ist alles in Ordnung, querida. Jetzt haben wir erst mal ein paar Tage viel zu tun. Am Montag kommt dann die PTelecom (Portugal Telecom) und installiert dir alles. Telefon und natürlich Internet. Mach dir keine Sorgen.«
Ich weiß, bis dahin haben wir noch eine ganze Menge Kartons auszupacken. Insofern stört es mich nicht, dass ich ein paar Tage ohne Internet bin.
Bin ich abhängig vom World Wide Web? Natürlich nicht! Die paar E-Mails kann man ja mal zwischendurch abrufen. Im Cybercafé.
Montagmorgen. António geht zur Arbeit, nicht ohne mich nochmals darauf hinzuweisen, dass heute die PTelecom anrücken wird, um Telefon und Internet einzurichten.
»Vergiss bitte nicht«, sagt er außerdem, »auch TV cabo wird heute angeschlossen. Schließlich geht in fünf Tagen die EM los, da muss ich mein Sportfernsehen haben!«
»Klar, Liebster, das verstehe ich. Ein bisschen Bammel habe ich nur, weil ich so gut wie kein Portugiesisch spreche.«
»Keine Sorge! Bei PTelecom und TV cabo sprechen bestimmt alle Englisch.«
Um sieben Uhr abends ist noch immer niemand da gewesen. Glücklicherweise kommt António pünktlich nach Hause. Er muss sofort bei der PTelecom anrufen. Selbst wenn es ihm schwerfällt. Denn die Installation von Sport TV – die hat selbstverständlich geklappt. Da kamen nachmittags zwei sehr freundliche und Englisch sprechende Portugiesen vorbei und haben alles perfekt installiert.
Man(n) könnte also, wenn man(n) wollte und von meiner Seite aus dürfte, sofort nachschauen, was sich denn alles in der Welt des Fußballs getan hat. António erreicht an diesem Abend niemanden mehr. Das will er aber am nächsten Morgen tun, gleich nach der ersten bica. Klar, dass wir alle Gespräche vom Handy aus führen, was erstens keine Umstände macht und zweitens bekanntlich ins Geld geht. Drittens muss das telemóvel auch noch ständig gefüttert, also nachgeladen werden, weil es ein Prepaid-Handy ist.
Die freundliche Dame im Callcenter bei der PTelecom behauptet: »Ihr Antrag liegt uns vor. Und wir wären gestern auch zu Ihnen gekommen. Wie vereinbart. Aber Sie haben ja Ihren Vertrag nicht zurückgeschickt!«
Wir haben nie einen Vertrag zur Unterschrift zugeschickt bekommen. Weder in Antónios alte Wohnung noch in unsere gemeinsame neue.
Die freundliche PTelecom-Dame sagt daraufhin: »Na, das macht nichts. Dann fahren Sie halt schnell nach Lissabon in unsere Zentrale. Dort können Sie alles unterschreiben, und dann kommen wir in kürzester Zeit.«
Wir wohnen aber eher in der Nähe von Cascais. Und in der portugiesischen Hauptstadt ist die Hölle los. Alles voller Touristen und Fußballfans, denn bekanntlich fängt in fünf Tagen die EM an.
Die freundliche PTelecom-Dame schlägt vor: »Na, dann gehen Sie doch in unser Büro in Estoril. Oder in Cascais. Das ist leicht zu finden. Direkt an der Marginal.«
Wir düsen los und finden sogar einen Parkplatz. Praktisch direkt vor dem Gebäude.
Erst stellen wir uns in der falschen, dafür aber extralangen Schlange an. Die Uhr tickt. Es ist halb zwölf, António muss um 13 Uhr zur Arbeit.
Die Dame am Schalter sagt: »Sie müssen leider nach nebenan, denn ich bin nur für Rechnungen zuständig. Meine Kollegin ist für Verträge und Terminvereinbarungen zur Installation verantwortlich.«
Wir gehen nach nebenan. Da ist nur eine kurze Schlange. Wir werden von der freundlichen Dona Sofia empfangen: »Ich mache Druck«, schwört sie uns. »Aber zwei bis drei Tage kann es schon dauern.«
Ich raste sicherheitshalber aus. Auf Englisch. António tut dasselbe, aber auf Portugiesisch. Wir weisen darauf hin, dass Telefon und Internet in unserem Haushalt nicht dem Vergnügen und dem Surfen oder gar Spielen im WWW dienen. Sondern, dass ich beides dringend zum Arbeiten brauche. Aber es ist nichts zu machen.
Wir suchen das nächste Internetcafé auf, und zwar eines, bei dem ich nicht nur surfen, sondern vor allem Daten up- und downloaden kann. Nach mehreren Anläufen finde ich eins in Cascais. Ich stelle fest: 340 ungelesene E-Mails warten auf mich. Toll.
Mittlerweile ist es Donnerstag. Nationaler Feiertag – Fronleichnam, Vatertag in Deutschland. Hier in Portugal heißt das Corpo de Deus, und die Väter feiern nicht. Selbstverständlich arbeitet trotzdem niemand, vor allem die PTelecom nicht. Deshalb kommt heute niemand. Auch am Freitag nicht. Am Samstag sowieso nicht – nicht weil Wochenende ist, sondern weil die EM beginnt. Möglicherweise haben die fußballnärrischen Portugiesen deshalb am Freitag schon »Vorfußballfieber«.
Genau eine Woche nach unserem Besuch bei Dona Sofia klingelt Antónios Handy. Die PTelecom ist dran und gibt bekannt, dass jetzt gleich jemand vorbeikäme. »Jetzt gleich« ist gut zwei Stunden später.
Dieser Jemand ist ein freundlicher älterer Herr, der nichts anderes tut, als die Dose in der Wand zu öffnen und ein Kabel hineinzustecken. Oder herauszuziehen. So genau sehe ich das nicht. Nach diesem Kraftakt will er wieder gehen. Diesmal rastet António aus. Auf Portugiesisch.
Der Mann von der PTelecom sagt: »Ich weiß von nichts. Ich soll hier nur den Anschluss legen.«
»Ich habe ein Komplettpaket bestellt«, schimpft António. »Man hat mir zugesagt, dass alles angeschlossen wird. Telefon und Internet, und dass alle Geräte mitgebracht werden. Natürlich und vor allem ein Telefonapparat.«
Der Mann von der PTelecom sagt: »Davon weiß ich nichts. Ich bin nur für die Leitung zuständig.« Dann fügt er hinzu: »Und überhaupt: Wenn Sie jetzt gleich zu unserem Laden an der Marginal gehen, dann können Sie sich da ein Telefon und das Zubehör fürs Internet holen. Dann funktioniert heute Abend alles.«
Dona Sofia im PTelecom-Laden hat eine lange Schlange vor ihrem Schalter. Diese dient dazu, etwaige vor Wut fast platzende Kunden ruhigzustellen. Denn beim Schlangestehen wird der Portugiese gemeinhin lammfromm.
Ich bin Deutsche. Bei mir nutzt das Schlangestehen wenig. Im Gegenteil.
Dona Sofia meint: Sie versteht das alles nicht. Sie hat alles so weitergegeben, wie António es ihr gesagt hat. Sie weiß, dass wir dringend Telefon und Internet brauchen. Sie hat sich sogar gemerkt, dass ich für meine Arbeit darauf angewiesen bin. Dona Sofia führt mehrere Telefonate (im Gegensatz zu uns hat sie nämlich ein Festnetztelefon). Dann sagt sie: »Sie können jetzt hier im Laden auf der Stelle ein Telefon kaufen. Das kostet 119 Euro. Und dann noch eine ISDN-Anlage. Und wenn Sie DSL wollen, außerdem noch den Anschluss. Alles zusammen kostet 377 Euro. Und wir kommen spätestens Ende dieser Woche und installieren alles!«
Puuh. Ein bisschen teuer. Aber wenn endlich alles funktioniert … Auf Dauer ist es im Cybercafé teurer. Dort kennt man mich eh schon mit Vornamen.
Leider öffnet das Internetcafé in Cascais erst um zehn Uhr. In Deutschland ist es da bereits elf, und das ist ein bisschen unangenehm, weil ich zugesagt habe, bis spätestens zehn Uhr vormittags Texte und Dateien zu schicken. Das einzig Gute: Gegenüber ist ein richtiges Café, in dem ich nicht nur eine bica schlürfen kann, sondern mir einen galão sowie pasteis de nata oder andere süße Leckereien gönnen kann. Eigentlich gönnen muss, so von wegen Nervenberuhigung in der Wartezeit.
Am Donnerstagmorgen klingelt Antónios Handy.
Die PTelecom teilt uns mit, dass gleich jemand kommt. Eine halbe Stunde später ist der Mann von der PTelecom (diesmal ein anderer) da und sagt: »Das ist ja nun alles gut und schön, Telefon und Fax funktionieren auch. Aber die ISDN-Anlage schließe ich nicht an. Dafür bin ich nicht zuständig.«
António fragt drohend: »Wer ist zuständig?«
Der Mann von der PTelecom sagt: »Das weiß ich nicht, ich jedenfalls nicht. Niemand von der PTelecom. Überhaupt müssen Sie da einen Informatiker kommen lassen, denn das Ganze wird ja wohl mit dem Computer verbunden.«
Wie bitte? Informatiker?
Wir fahren täglich an einem kleinen centro comercial, also einem Mini-Shopping-Center, vorbei. Da gibt es einen Computerladen mit Service. Ich frage nach: pro Stunde 89 Euro, und man weiß nicht, wie lange man brauchen wird.
António geht lieber zur Arbeit, weil ich einen kleinen Tobsuchtsanfall bekomme. Dann beruhige ich mich wieder, schenke mir – obwohl es erst knapp Mittagszeit ist – ein Glas Rotwein ein. Und überlege, was zu tun ist.
Alkohol beflügelt bekanntlich. Also setze ich mich an den Rechner und installiere beziehungsweise konfiguriere alles alleine. Obwohl ich blond bin, obwohl ich aus Bayern stamme: Ich schaffe es.
Ich halte mich für ein Genie. Denn: Ich kann endlich von zu Hause aus ins Internet. Problemlos.
Was ich aber trotzdem nicht kann: DSL installieren. Internet mit ISDN – die Älteren unter uns erinnern sich – ist ziemlich langsam. Aber immerhin besser als gar nichts.
António ruft also wieder mal bei der PTelecom an. Telefon haben wir ja mittlerweile, also ist es nicht mehr ganz so teuer. Nationale Gespräche haben wir sogar frei. Die Hotlinenummer von der Telecom allerdings kostet etwas. An irgendwas müssen sie ja verdienen.
Inzwischen haben wir den 16. Juni. Das ganze Abenteuer fing genau vor zwei Wochen an.
Die freundliche Dame im Callcenter bei der PTelecom sagt: »Wir kommen morgen oder übermorgen!«
Am nächsten Tag bin ich allein zu Haus. Das Telefon klingelt. Ein Mann von der PTelecom ist dran – und spricht ausschließlich Portugiesisch. Immerhin verstehe ich so viel, dass ich begreife: Die PTelecom will am nächsten Tag vorbeikommen.
Der Mann von der PTelecom kommt, nach dem hier üblichen Anmeldungsanruf via Handy »kurz vorher«, gegen zehn Uhr morgens. Er bringt alle Gerätschaften für den DSL-Zugang mit. Das war es dann aber auch. Denn er sagt: »Ich konfiguriere hier nichts. Ich mache nur das Gerät an die Steckdose. Für alles andere bin ich nicht zuständig.«
António tobt, ich beschließe hingegen, mit dem Alkoholkonsum schon ein wenig früher, lange vor der Mittagszeit, zu beginnen.
Dann muss mein Liebster zur Arbeit, ich hole die Post aus dem Briefkasten. Und was finde ich? Im Briefkasten liegt ein Handzettel, auf dem eine Firma technischen Support für PC und Internet anbietet. Ein Zeichen! Messerscharf schließe ich: Die sprechen bestimmt Englisch. Und tatsächlich.
Die technische Hilfe kann bereits am selben Nachmittag anrücken. Sie kostet auch »nur« 54 Euro die Stunde. Alles könne man selbstverständlich konfigurieren und installieren.
»Alles auf Englisch?«
»Ja, selbstverständlich. Alles auf Englisch!« Und als kleines Extra: »No problem, senhora. We will manage!«
Der PC-Experte kommt gegen vier Uhr. Er sitzt eine Stunde am Rechner und sagt: »Ich kann das nicht. Mein Englisch reicht einfach nicht aus.«
Ich schlage vor, doch via ISDN ins Internet zu gehen und nach einer portugiesischen Anleitung zu suchen. Zwar findet der PC-Experte diese Idee ganz hervorragend, aber leider keine entsprechende Website. Also rufe ich per Handy (!) meinen alten Freund Micha in Deutschland an. Dann übergebe ich das Mobiltelefon an den PC-Experten, damit die beiden Computerspezialisten das Problem untereinander klären und möglicherweise sogar lösen. Die beiden Herren unterhalten sich fachmännisch.
Lange.
Es bringt aber nichts.
Der PC-Experte sagt: »Ich habe den Verdacht, dass Ihr Router nur für den deutschsprachigen Raum funktioniert. Sie wissen schon: andere Anschlüsse und so.«
Ich bin ein technischer Volldepp: »Aha – und was machen wir nun?«
Der PC-Experte schlägt vor: »Ich könnte einen portugiesischen Router anschließen. Den müssten Sie dann aber kaufen …«
Kurz entschlossen stimme ich zu. Denn wenn der hier noch drei Stunden sitzt und nichts findet und nichts konfigurieren kann, dann kostet das genauso viel wie ein neues Gerät. Der PC-Experte freut sich. Hat er doch etwas verkaufen können. Am nächsten Nachmittag um vier Uhr möchte er wiederkommen. Und dann ist hoffentlich alles in Ordnung. Er kommt auch, schließt an und – es funktioniert!
Kleine Notiz am Rande:
Der einzige kleine Wermutstropfen ist eine Mail von meinem alten Spezi Michael. Die kommt natürlich kurz nach dem letzten und erfolgreichen Besuch des PC-Experten an. Er hatte in fünf Minuten eine Seite auf Portugiesisch gefunden – »Google ist dein Freund!«. Da steht genau beschrieben, in der Landessprache, wie man mein altes Gerät konfigurieren müsste. Was soll’s?! Gönn ich dem PC-Mann und seiner kleinen Firma das Geschäft. Hätte ich nicht gedacht, dass ich die portugiesische Lebensart so schnell verinnerliche …
Leider bin ich Portugal noch mehrmals umgezogen.
Es war nicht immer dasselbe Spiel. Oh nein. Beim zweiten Umzug waren wir cleverer.
Sechs Wochen vor Einzugstermin stehen wir bei Dona Sofia bei der PTelecom in Estoril, um alles klarzumachen.
»Ist an der neuen Adresse ISDN verfügbar? Oder sogar DSL?«
Dona Sofia meint: »Das kann ich Ihnen so nicht sagen, das weiß unser Techniker erst, wenn er vor Ort ist. Manche Häuser in der Gegend haben DSL, manche haben nicht …«
Wir bekommen sogar schon unsere neuen Telefonnummern. Nicht offiziell. Das passiert erst, wenn der Techniker das Haus betritt und alles angeschlossen ist. Aber Dona Sofia sagt sie mir, weil: »Wir Frauen müssen so etwas immer wissen!« Und ich kann schon mal neue Visitenkarten bestellen und Familie und Freunde, Bekannte und Kollegen informieren.
Zum vereinbarten Termin, mit nur zehn Minuten Verspätung, ist der Techniker da. Er steigt auf Masten, spannt Kabel, verlegt Leitungen. Im Haus verbraucht er, so scheint es mir, gut ein Kilo Silikon, damit alles schön befestigt ist. Er stellt fest: DSL ist verfügbar. Abends berichtet António: Die PTelecom hat ihn angerufen. Morgen kommt ein Techniker und bringt die programmierte (!) ISDN-Anlage mit. Na bitte – geht doch!
Wir sind zum vereinbarten Zeitpunkt im neuen Haus. Es kommen: der Installateur für Bäder, WC und Küche. Der Elektriker für alle Lampen. Der Küchenbauer für Herd, Schränke und Arbeitsflächen. Der Fliesenleger für die Böden im Bad. Wer kommt nicht? Genau: der PTelecom-Techniker mit der ISDN-Anlage.
Seufzend greift António wieder mal zum Hörer. Nach fünf- bis sechsmaligem Weiterverbinden à la Karl Valentins »Buchbinder Wanninger« erfährt er: Der Auftrag wurde storniert.
»Von wem?«, brüllt António wütend in den Hörer.
Keiner der Wanningers weiß, warum, wieso, weshalb.
Eine Stunde später sitzen wir in unserem neuen Stammcafé. Wir regen uns nicht mehr auf. Es bringt ja nichts.
Antónios telemóvel klingelt.
»Ja bitte?«
»Hier ist der Techniker der PTelecom, ich stehe vor der Einfahrt zu Ihrem Haus. Wo muss ich genau hin? Ich soll doch heute die ISDN-Anlage anschließen.«
Wir stürzen unseren Kaffee hinunter und eilen zurück.
Der Techniker pusselt eine gute Stunde an der Anlage herum. Nichts funktioniert. Sogar noch weniger als vorher – denn vorher konnten wir wenigstens telefonieren. Dann bietet er uns mehrere Erklärungen an:
Erstens: Das Telefon ist kaputt. Kann aber nicht sein, es wurde gerade vom Hersteller gecheckt.
Zweitens: Die ISDN-Anlage ist defekt. Kann auch nicht sein, denn heute Morgen, beim Test in der Technikabteilung, ging sie noch.
Drittens: »é a vida« – so ist das Leben. Der Stoßseufzer aller Portugiesen. Kann zwar sein, ist aber nicht direkt mein persönliches Problem. Ich bin keine Portugiesin.
Der PTelecom-Techniker beschließt eine letzte Maßnahme: Stecker aus der Steckdose. Alles auf »reset«. Er weist mich freundlicherweise vorher darauf hin, dass alle gespeicherten Nummern gelöscht werden.
Ist mir egal. Er soll es trotzdem machen.
Nichts geht.
Dann eben noch einmal. Und noch einmal. Insgesamt vier- oder fünfmal.
Nun ruft er einen Kollegen an. Von seinem Diensthandy aus.
Während er mit ihm spricht und ihn um Rat fragt, läuft der Reset nochmals.
Es zeigt sich: Der Kollege des Technikers hat scheinbar telepathische Kräfte. Denn plötzlich geht es. Wir haben Telefon! Und zwar über die ISDN-Anlage.
Ein Wunder!
Der Kommentar des PTelecom-Experten?
»Das Ding wollte einfach ein bisschen mit mir kämpfen! Aber ich habe gewonnen!«
Manchmal aber zeigt sich: PTelecom kann auch ein Traum sein. Ein echter, kein Albtraum. Ich ziehe wirklich gern um. Kein Wunder also, dass ich ein paar Jahre später wieder einmal mit der PTelecom zu tun habe. Diesmal war es völlig unklar, ob es im neuen Heim ISDN oder gar DSL geben würde. Zur Not müsste ich halt via UMTS ins Netz. Aber das Haus ist so schön – genau wovon ich immer geträumt habe.
Dona Sofia gibt es immer noch. Ich will nicht behaupten, dass sie mich auf Anhieb wiedererkennt. Aber im Verlauf des Gesprächs …
Im Laden in Estoril gibt es Neuerungen. Man stellt sich nicht einfach in die Schlange, nein: Man zieht eine senha, eine Nummer. Es gibt zwei Farben. Blau und Beige. Ich finde Blau schöner, und ich habe Glück: Es ist die richtige Farbe. Und ich muss auch gar nicht lange warten.
Dona Sofia spricht Englisch. Sogar sehr gut. Leider weiß sie aber nicht, ob in dem kleinen Dorf, in das ich ziehe, DSL verfügbar ist.
»Kein Problem«, meint sie, »ich rufe einfach den Techniker in Colares an. Der weiß das sicher.«
Leider geht der Mann nicht ans Telefon.
»Warum«, fragt Dona Sofia, »wollen Sie eigentlich ISDN und DSL?«
»Ganz einfach«, sage ich. »So wie jetzt auch möchte ich beides haben, damit ich wenigstens auf eine Weise ins Internet kann, wenn eine Leitung ausfällt.«
»Wie jetzt«, runzelt Dona Sofia die Stirn, »Sie haben das jetzt auch schon?«
Ich nicke.
»Dann ist es erst recht kein Problem«, strahlt Dona Sofia. »Sie nehmen dann sowieso Ihre Nummer mit, und dann bekommen Sie auch DSL.«
Ich bin verblüfft. Ich ziehe doch in einen anderen Landkreis.
»Das macht nichts«, sagt Dona Sofia. »Das geht, und das machen wir!«
Ich fasse es kaum. »Es wird extra eine Leitung für mich verlegt?«
»Ja klar«, meint Dona Sofia. Dann will sie wissen, wann die Herren Techniker anrücken sollen. Und natürlich braucht sie die genaue Adresse.
»Alles kein Problem! Sie können sich auf uns verlassen!«
Meine Erfahrungen lassen mich das leicht bezweifeln. Doch diesmal tue ich der PTelecom unrecht. Vielleicht liegt es ja daran, dass Dona Sofia sagte: »Wenn die Techniker nicht pünktlich da sind, dann rufen Sie mich bitte an. Dann mach ich denen richtig Dampf!« Dona Sofia ist zwar klein und zierlich. Aber ich denke: Wie wohl alle Portugiesinnen weiß sie genau, wie man Männer auf Trab bringt und in den Griff bekommt.
Und siehe da: Pünktlich zum vereinbarten Termin standen zwei Techniker vor der Tür, kletterten auf den Masten und verlegten in weniger als einer Stunde alle Leitungen. Alles funktionierte. Geht also doch …