Kapitel 6

Bloß mit Unterkleid und Korsett bekleidet, stehe ich auf dem kleinen Podest im Hinterzimmer von Mrs Kosmoskis Kleiderladen, und alle schauen mich an, als wäre ich ein Stück Vieh auf dem Markt.

»Zu dünn«, sagt Mrs Kosmoski und schnalzt missbilligend mit der Zunge.

»Das kann behoben werden«, behauptet Elena. »Wir werden ihr etwas Kurven geben. Ein bisschen Füllung am Busen und hinten vielleicht eine Turnüre?«

Mrs Kosmoski nickt. »Das bedeutet natürlich mehr Arbeit. Ich werde meine beiden Näherinnen die ganze Nacht arbeiten lassen müssen.«

»Alles, was sie brauchen«, verspricht Elena. »Solange sie bis nächsten Mittwoch fertig sind. Die Mädchen können morgens noch einmal für die letzten Änderungen vorbeikommen. Diese Einladung zum Tee ist so etwas wie ihre offizielle Einführung in die Gesellschaft. So wie sie jetzt aussehen, können sie da nicht hingehen.«

Mrs Kosmoski betrachtet Mauras hochgeschlossenes, grün gemustertes Musselinkleid. »In der Tat«, stimmt sie trocken zu. Sie hat die letzten Jahre schon immer Einwände gegen meine Bestellungen gehabt und hellere Farben, lebendigere Muster und eine aktuellere Mode vorgeschlagen. Und ich habe ihren Rat immer entschlossen zurückgewiesen bis jetzt, da ich keine andere Wahl mehr habe.

Elena hat Vater überzeugt, etwas Geld lockerzumachen; wir drei bekommen eine neue Garderobe. Sie hat all unsere alten Sachen als furchtbar altmodisch und überholt befunden. Tess freut sich auf die Aussicht, längere, erwachsenere Kleider tragen zu dürfen. Ich bin die Einzige, die nicht gut gelaunt ist.

Ich bin zu sehr damit beschäftigt, darüber nachzugrübeln, ob ich wirklich die mächtigste Hexe seit Jahrhunderten sein könnte.

Elena umkreist mich. »Aber was für eine Taille. Fünfzig Zentimeter, Cate?«

Ich nicke, und sie gibt ein leises, wenig damenhaftes Pfeifen von sich. »Die meisten Mädchen würden dafür töten.«

Maura schaut mich böse von der anderen Seite des Zimmers an. Sie hat ihr Korsett noch nie enger als bis auf sechzig Zentimeter schnüren können sehr zu ihrem Verdruss.

»Wenigstens brauche ich keinen ausgestopften Hintern!«, murmelt sie.

Tess kichert hinter vorgehaltener Hand.

Mrs Kosmoski presst die Lippen zusammen. Dafür, dass sie den ganzen Tag mit den Kleidern und Formen von Frauen arbeitet, ist sie ganz schön prüde.

»Maura!« Elena berührt eine von den perfekten schwarzen Locken, die ihr perfektes herzförmiges Gesicht umrahmen. »Bitte. Solche undamenhaften Wörter benutzen wir nicht.«

Mrs Kosmoski misst mich ab. Sie ist eine große Frau mit einem schwanenhaften Hals, auf dem ein Kopf voller dichter, dunkler Haare sitzt. Ihre Perlenohrringe schwingen vor und zurück, während sie sich mit Elena unterhält.

Ich lasse mich von ihr stoßen und stupsen und beobachte währenddessen meine Schwestern, die auf dem rosafarbenen Sofa zusammen tuscheln. Tess blättert in einem Musterbuch und macht sich über die seltsamen Moden aus Mexiko City lustig, wobei das Grübchen in ihrer linken Wange zum Vorschein kommt.

Der Kleiderladen soll eine Oase der Frauen sein, und eigentlich sollte ich mich hier geborgen fühlen, aber alles von der Rosenknospentapete bis zu dem rosafarbenen Sofa macht mich nervös. Überall stehen Rosensträuße herum und schwängern die Luft mit ihrem süßlichen Duft. Ich finde es kitschig und bedrückend, aber Maura liebt es. Sie ist ganz außer sich vor Freude, wie ein Kind beim Chocolatier.

Elena fördert es noch. Und Mrs Kosmoski nimmt jedes Wort von Elena für bare Münze und ist begierig, zu hören, was die Damen in den Straßen New Londons tragen. Sollten die Schwestern nicht auf Sünden wie Eitelkeit und Stolz verzichten? Elenas Gefallen an Mode fällt sicherlich in eine der beiden Kategorien. Heute trägt sie ein prachtvolles pfirsichfarbenes Seidenkleid, das Maura immer wieder anfasst, um darüberzustreichen. Es leuchtet geradezu gegen ihre dunkle Haut.

»Ich bin fertig, Miss Cahill«, sagt Mrs Kosmoski. Ihr Atem riecht nach Pfefferminz.

»Entschuldigung, Ma’am.« Gabrielle Dolamore, eine von Mrs Kosmoskis Näherinnen, steckt ihren dunklen Haarschopf ins Zimmer. Oh nein, noch eine Person, die mich in Unterwäsche sieht. »Miss Collier ist wegen ihrer Änderungen da.«

Ich ziehe mein Unterhemd über das Korsett und den bauschigen Unterrock und das schlichte braune Kleid wieder an. Es war mal ein sattes Schokoladenbraun, aber inzwischen ist es vom wiederholten Waschen ganz ausgeblichen und eher matschfarben. Maura verschließt die Knöpfe an meinem Rücken, ihre Finger gleiten gewohnt behände über meine Haut. »Hör auf, so griesgrämig zu sein«, ermahnt sie mich. »Du solltest hieran eigentlich Spaß haben.«

»Ich habe Kopfschmerzen.« Und das seit zwei Tagen durchgängig, seit ich Mutters Tagebuch gelesen habe. Ich massiere mir die Schläfen. Ich muss mich irgendjemandem anvertrauen, und zwar bald, bevor ich noch durchdrehe. Mutter hatte sich Marianne Belastra anvertraut. Ob ich mich das Gleiche wage? Diejenigen, die sich Wissen um des Wissens willen aneignen das beschreibt die Buchhändlerin mehr als sonst jemanden.

»Denk doch nur an Paul, wenn er dich in dem Kleid sieht. Er wird verrückt sein vor Begierde«, neckt mich Maura mit lachenden Augen.

»Pst!« Doch jetzt kann ich es nicht mehr vermeiden, daran zu denken. Paul muss an die Mädchen der Großstadt und ihre Moden gewöhnt sein. Auf einmal wird mir bewusst, wie sehr ich will, dass Paul mich schön findet. Ich will, dass er sprachlos ist, wenn er mich sieht.

Ich beuge mich hinunter und knöpfe meine Stiefel zu. Ich fühle mich schon wieder hundeelend. Vielleicht sollte ich ihn heiraten und fortziehen je weiter weg, desto besser. Wenn diese Prophezeiung stimmt, setze ich meine Schwestern jeden Tag großer Gefahr aus.

»Guten Tag«, sagt Rose Collier, als sie auf dem Weg zum Privatgemach von Mrs Kosmoski an uns vorbeigeht.

Tess springt regelrecht zur Ladentheke, um die Rollen mit leuchtenden Schleifenbändern zu begutachten.

»Oh«, haucht Maura, als sie die Hand über eine Schnalle aus saphirblauer Seide gleiten lässt.

Ich lümmele mich auf ein Sofa in der Ecke. Ich kann mich einfach nicht für neue Kleider begeistern, wenn es so vieles gibt, das mich beunruhigt. Aber genau das ist mein Problem. Ich muss trotzdem einen Ehemann finden, ich muss trotzdem hübsch und ordentlich aussehen, ganz gleich, was für schreckliche Gedanken sich in meinem Kopf versteckt halten. Ich zucke zusammen, als Roses Kichern durch die Luft an mein Trommelfell dringt.

»Dieses Veilchenblau würde Ihnen traumhaft stehen, Cate«, sagt Elena und reicht mir eine Farbprobe. »Es lässt Ihre Augen lavendelfarben aussehen.«

Ich betrachte das Stoffmuster und schaudere. »Aber es ist so hell!«

»Genau«, stimmt Elena mir zu. »Sie sind ein hübsches Mädchen. Warum verstecken Sie sich in diesen dunklen Kleidern? Wie wäre es mit einer rosafarbenen Schärpe dazu? Sie sollten zu all Ihren Kleidern Schärpen tragen, um Ihre Taille zu betonen.«

Sie will mich wirklich unbedingt einbeziehen. »Auf keinen Fall rosa.« Rosa ist nur etwas für strohdumme Mädchen wie Sachi Ishida. Und wie ich zucke zusammen, als ihr Lachen wieder meine Schädeldecke durchdringt Rose Collier.

»Nun gut. Pfauenblau«, insistiert Elena unbeirrt.

Die Türglocke läutet, und wir alle sehen auf. Es sind Bruder Ishida und Bruder Winfield, die von zwei riesigen Wachmännern begleitet werden. Mein Herz bleibt stehen.

Am Verkaufstresen bewegen sich meine Schwestern zentimeterweise aufeinander zu. Hinter ihnen lässt Gabrielle Dolamore das rosafarbene Schleifenband fallen. Die Spule rollt über den Boden und bleibt schließlich vor den Füßen der Brüder liegen.

»Guten Morgen.« Elena macht einen Knicks. Ihr Gesicht ist ruhig und sorglos. Das ist wahrscheinlich die Gewissheit einer Schwester; sie weiß, dass sie niemals ihretwegen kommen werden. »Mrs Kosmoski ist mit einer Kundin hinten. Soll ich sie holen?«

»Nein.« Bruder Ishidas Pause scheint sich Ewigkeiten hinzuziehen und drückt mir schwer auf die Brust. »Gabrielle Dolamore, Sie sind wegen des Verbrechens der Hexerei verhaftet.«

Gott sei Dank. Das ist mein erster, liebloser Gedanke, sogar als Gabrielle einen erstickten Schrei von sich gibt. Die Wachmänner gehen von beiden Seiten auf sie zu, und sie weicht vor ihnen zurück und stößt dabei gegen das Regal mit den Schleifenbändern. Es hat keinen Zweck. Sie drehen sie unsanft um, fassen nach ihren Handgelenken und fesseln sie mit grobem Seil als wenn sie das halten würde, wenn sie tatsächlich über magische Kräfte verfügt! Aber es lässt sie sehr klein erscheinen, hilflos gegen die beiden ungeschlachten Männer ganz in Schwarz. Einer von beiden hat eine Hakennase und eine zackige Narbe auf dem Kinn. Er lächelt, als wenn böse Mädchen zu verhaften ein gutes Tageswerk wäre.

»Nein. Bitte nicht. Ich habe nichts getan!«, keucht Gabrielle.

»Das werden wir beurteilen«, schnauzt Bruder Ishida und kreuzt die Arme vor der Brust.

»W-warum bin ich angeklagt?«, fragt Gabrielle. »Von wen?«

»Wem«, korrigiert Bruder Winfield sie abfällig als ob richtige Grammatik in einer Situation wie dieser wichtig wäre. Es fühlt sich an, als wenn sie allen Sauerstoff aus dem Raum gesaugt hätten. Aus der ganzen Stadt. Mein Atem ist nur noch ein oberflächliches Keuchen.

»Das muss ein Missverständnis sein. Ich habe nichts getan!«, ruft Gabrielle.

Maura und Tess werden immer kleiner und halten sich an den Händen. Mrs Kosmoski steht zusammengesackt an der Türschwelle zu ihrem Privatgemach, ihre perfekte Körperhaltung hat sie aufgegeben. Sie presst sich beide Fäuste auf den Mund, als wenn ihre Fäuste das Einzige wären, das sie davon abhält, zu protestieren. Aber sie tut nichts, um Gabrielle zu helfen. Ich frage mich, ob sie damit gerechnet hat, dass das passieren würde, seit Marguerite verhaftet wurde.

»Bitte, lassen Sie mich für heute Nacht zu meiner Familie gehen. Ich komme morgen zum Prozess. Ich habe nichts zu verbergen. Ich bin unschuldig«, beteuert Gabrielle, und ihre braunen Augen glänzen vor Tränen. Sie sieht sich im Raum um, sucht in unseren Gesichtern nach Unterstützung, aber wir können ihr keine geben. Ihre Unschuld tut nichts zur Sache die Sichtweise der Brüder ist alles, was zählt.

»Wir glauben den Worten einer Hexe nicht«, knurrt Bruder Ishida. »Lügnerinnen und Betrügerinnen, allesamt.«

»Ich bin keine Hexe!« Gabrielle ist jetzt vollkommen aufgelöst, die Tränen laufen ihr in Strömen über die Wangen. Sie kämpft gegen die Wachmänner an, als diese sie hinter sich herziehen. Gabrielles Stiefel schleifen über den Holzboden. Einer der beiden Wachmänner hält die Tür auf, während der andere Gabrielle hindurchzieht. Sie stolpert über den geblümten Teppich, und der ungehobelte Kerl tritt ihn beiseite.

Gabrielle wirft uns über die Schulter einen letzten verzweifelten, flehentlichen Blick zu. Keine rührt sich. Dann ist sie weg. Die Brüder schweben wie Geister aus dem Zimmer, und die Tür fällt hinter ihnen zu. Wir bleiben in einer großen, leeren Stille zurück.

»Bitte entschuldigen Sie die Unterbrechung, meine Damen«, sagt Mrs Kosmoski schließlich. Sie geht durchs Zimmer und begradigt den Teppich, aber ihre flinken Bewegungen können die Tränen in ihren Augen nicht verbergen. »Ich würde sagen, jetzt brauchen wir alle eine gute Tasse starken Tee. Angeline, könntest du den Damen etwas Tee bringen?«

Ich höre sie kaum; es kommt mir vor, als wäre sie sehr weit entfernt. Meine Hände liegen zu Fäusten geballt in meinem Schoß, mein Atem geht schnell.

Wenn die Brüder sich einem unschuldigen Mädchen gegenüber so unbarmherzig verhalten, was würden sie mit uns tun?

Vor meinem inneren Auge tauchen Bilder meiner Schwestern auf, wie sie strampelnd im Wasser sinken, mit gefesselten Armen und Beinen, oder schreiend, mit brennenden Haaren

»Cate.« Elena legt mir besorgt eine Hand auf die Schulter. »Sie werden doch nicht in Ohnmacht fallen? Sie sehen etwas blass aus.«

Ich fühle mich der Ohnmacht nahe. Nahe der Ohnmacht und feige und machtlos. Wir haben alle einfach nur zugesehen. Wir haben sie Gabrielle mitnehmen lassen und haben noch nicht einmal einen Finger gerührt, um ihr zu helfen!

Doch was hätten wir auch tun können? Nichts, ich weiß nicht ohne es so aussehen zu lassen, als wenn wir mit einer Hexe sympathisieren würden. Aber es macht mir trotzdem zu schaffen. Sie ist einfach nur ein verängstigtes kleines Mädchen, gerade mal vierzehn Jahre alt

Wenn wir es gewesen wären, hätte uns auch niemand geholfen.

Die Wut fährt mir durch die Glieder und wirkt belebender, als hätte mir jemand Riechsalz unter die Nase gehalten. Ich werde es nicht zulassen, dass die Bruderschaft mich in eine eingeschüchterte, in Ohnmacht fallende Kreatur verwandelt.

»Mir war nur kurz etwas schwindelig. Die ganze Aufregung. Es geht mir schon wieder besser«, lüge ich. Ich raffe mich zu einem Lächeln auf, setze mich gerade hin und fahre mir mit der Hand über den Nackenknoten.

Mrs Kosmoski setzt sich zu uns, während ihre Tochter in die Wohnung läuft, um Tee aufzusetzen. Die Schneiderin sieht mich ausnahmsweise mal freundlich an. »Ich mache Ihnen gar keinen Vorwurf, meine Liebe. Egal, wie oft ich so etwas sehe, es ist jedes Mal gleich schlimm.«

»Hat sie sehr lange für Sie gearbeitet?«, fragt Elena und hält über einem wasserblauen Seidenstoff inne.

»Fast ein Jahr. Sie und meine Angeline sind im gleichen Alter. Gabby war immer ein braves Mädchen. Sie hat hart gearbeitet. Nicht, dass ich sie verteidigen will, Gott behüte « Mrs Kosmoski wird rot, als ob ihr auf einmal eingefallen wäre, dass die hübsche, modische Elena ja Schwester Elena ist. »Es ist die Aufgabe der Bruderschaft, festzustellen, wer zu den Rechtschaffenen gehört und wer zu den Gottlosen. Doch die arme Mutter, zwei Mädchen zu verlieren. Marguerite ist letzten Monat verhaftet worden. Es war ein sehr seltsamer Fall keine Verhandlung, und die Familie hat keinerlei Antwort auf die Frage bekommen, wohin sie gebracht wurde.«

»Hat sie noch mehr Kinder?«, fragt Elena.

»Noch ein Mädchen«, sagt Mrs Kosmoski und fährt mit dem Finger die Ananasse und Beeren nach, die in die Armlehne des Sessels geschnitzt sind. »Julia ist erst elf.«

Drei Schwestern. Ist es Zufall oder Schlimmeres? Ich rufe mir alle jüngsten Verhaftungen ins Gedächtnis. Letztes Frühjahr sind drei Schwestern in Vermont verhaftet worden. Wird Julia Dolamore als Nächstes weggeschafft?

Tess hebt die Rolle Schleifenband auf, die Gabrielle fallen gelassen hat, und wickelt das Band langsam, mechanisch wieder auf. »Danke, Liebes, das brauchst du nicht«, sagt Mrs Kosmoski.

»Es macht mir aber nichts aus«, entgegnet Tess. Sie kümmert sich gern um solche Sachen, wenn sie aufgebracht ist. Maura ist wieder zum Verkaufstresen gegangen und gibt vor, sich die Musterstücke anzusehen, doch ich kann an der Art, wie schnell sie durch die Seiten blättert, merken, dass sie nicht ein bisschen ruhiger ist als Tess.

»Nun, ich denke, die Brüder wissen, was sie tun, trotzdem ist es bedauerlich.« Mrs Kosmoski steht auf und reibt die Hände aneinander, als würde sie die unschöne Szene damit wegwischen können. »Haben Sie sich Stoffe ausgesucht?«

Und das war es. Mrs Kosmoski, Elena und Maura nehmen ihr Gespräch über die Vorzüge von herzförmigen Ausschnitten im Gegensatz zu eckigen wieder auf, von Bändern mit Schnallen im Gegensatz zu Seidenkummerbunden. Ich kann es nicht fassen, dass sie einfach so weitermachen, als ob die Frage rosa Taft oder blaues Brokat wirklich wichtig wäre.

Gabrielle ist unschuldig. Ich bin es nicht. Ich habe niederträchtig und falsch gehandelt. Ich habe bei meinem eigenen Vater Gedankenmagie angewendet. Die Worte der Brüder hallen in meinem Kopf wider. Ich bin eine Hexe. Ich hätte diejenige sein müssen, die sie mitnehmen, nicht sie.

Aber ich danke Gott dafür, dass ich es nicht war. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch?

Eine halbe Stunde später ist unser Geschäft erfolgreich abgeschlossen, und wir treten hinaus in die kühle Septembersonne. Auf der anderen Straßenseite steht die Tür der Chocolaterie offen, und der wunderbar bittersüße Geruch von dunkler Schokolade weht zu uns herüber. Wir machen uns auf den Weg zum Schreibwarenladen, um Einladungskarten zu besorgen.

Tess und ich hängen etwas hinterher. »Geht es dir gut?«, fragt sie und schaut mich mit ihren grauen Augen prüfend an.

Ich nicke. Es ist schwierig, irgendetwas vor meiner kleinen Schwester zu verstecken; sie ist einfach viel zu einfühlsam. Sie und Maura wären fuchsteufelswild, wenn sie wüssten, dass ich Geheimnisse vor ihnen habe, egal, was Mutter gesagt hat. Wenigstens kann ich meinen Kummer jetzt durch die schlimme Szene, deren Zeuginnen wir gerade waren, rechtfertigen. »So gut, es geht, nach der Vorstellung gerade. Und dir?«

Tess beißt sich auf die Unterlippe. »Die arme Gabby. Wenn wir doch nur irgendetwas hätten tun können, um « Sie hört mitten im Satz auf und schlägt sich die Hand vor den Mund. »Meine Güte, was ist denn mit der los?«

Brenna Elliott steht vor dem Tor zum Haus ihres Großvaters. Sie geht hindurch und kommt wieder zurück auf die Straße, anscheinend hat sie es sich anders überlegt. Das wiederholt sich ein paarmal, als wäre sie zu verwirrt, um sich zu entscheiden, und dabei murmelt sie die ganze Zeit etwas vor sich hin.

Die Kapuze ist ihr vom Kopf gerutscht, und ihre kastanienbraunen Haare sind total verfilzt. Maura und Elena machen einen weiten Bogen um sie. Tess gibt ein verärgertes Schnauben von sich.

»Miss Elliott?«, fragt sie und nähert sich ihr vorsichtig. »Geht es Ihnen nicht gut?«

»Tess«, zische ich warnend. Wir sollten uns nicht mit einer Irren sehen lassen.

Aber Tess ist zu gutherzig, um sich darüber Gedanken zu machen. Das ist eines der vielen Dinge, warum sie ein besserer Mensch ist als ich.

Brenna wendet uns ihr verwüstetes Gesicht zu. Die blauen Augen sehen so gespenstisch aus wie ein Friedhof. Die Ärmel ihres Kleides bedecken ihre Handgelenke und verstecken ihre Narben, aber auf ihren buckeligen Schultern und in ihrem blassen Gesicht sind sie trotzdem zu sehen. »Mein Großvater stirbt«, sagt sie. Ihre Stimme klingt, als würde sie sie nicht besonders oft benutzen.

»Ich wusste gar nicht, dass er krank ist. Es tut mir so leid«, sagt Tess und sieht zu Bruder Elliotts Haus hinauf. Dr. Allens Kutsche ist nirgends zu sehen, und nichts deutet auf die Betriebsamkeit eines Krankenzimmers hin oder auf Verwandte, die kommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

»Heute geht es ihm auch noch sehr gut. Er wird erst nächste Woche sterben«, fährt Brenna fort. Tess und ich sehen einander schockiert an. Ich dachte, Harwood hätte sie geheilt oder ihr zumindest beigebracht, dass sie besser nicht auf der Straße herumlaufen und ihre Prophezeiungen in Umlauf bringen sollte. Auf einmal fasst sie sich in die Haare und zieht daran, als würde sie entsetzliche Qualen leiden. »Oh, das ist schlimm. Sehr schlimm. Überhaupt nicht gut.«

»Können wir irgendetwas tun? Sollen wir jemanden holen, um Ihnen zu helfen?«, fragt Tess.

»Ich glaube, sie braucht mehr Hilfe, als wir leisten können«, flüstere ich. Brenna schien schon immer in ihrer eigenen Welt zu leben, der Welt ihrer eigenen Vorstellung. Aber das hier das hier ist geradezu unheimlich.

»Du.« Brenna fasst mich am Arm. Sie war früher groß und gertenschlank und wunderschön gewesen so schön, dass die Leute ihr einige ihrer Verschrobenheiten verziehen haben. Aber jetzt sieht sie ausgezehrt aus, als wenn ein einziger schwerer Windstoß sie umfegen könnte. »Hast du die Nachricht erhalten? Ich war besonders vorsichtig damit. Klug ist sie.«

Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich habe das Bedürfnis, mich von ihr loszureißen, aber ich will die Sache nicht noch schlimmer machen. »Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.«

Brennas blaue Augen sind jetzt nicht mehr tot; sie sind rasend. »Gutes Mädchen. Keine Fragen. Darfst keine Fragen stellen! Sie werden dich holen.«

Sie trägt keine Handschuhe, und ihre Nägel bohren sich in meinen Arm. »Es ist in Ordnung«, versuche ich sie zu beruhigen, so wie ich es tue, wenn Tess einen Albtraum hatte. »Alles ist in Ordnung.«

»Deine Patentante, sie hat zu viele Fragen gestellt. Die Krähen haben sie geholt.« Ich erstarre. Die Nachricht. Hat Brenna die Nachricht von Zara gebracht? »Das machen sie mit bösen Mädchen. Sie schließen sie ein, und dann werfen sie den Schlüssel weg.«

»Harwood meinen Sie?« Ist es das, was Zara geschehen ist? Hat Brenna sie dort gesehen?

Brenna nickt und tippt sich an die Stirn. »Glückliche. Nicht verrückt. Noch nicht.«

Meint sie damit sich selbst oder Zara? Ich sehe mich um und bekomme es mit der Angst zu tun, als ob meine Patentante sich hinter dem nächsten Busch versteckt halten könnte.

»Ist alles in Ordnung?«, ruft Maura. Sie und Elena sind ein paar Meter weiter stehen geblieben.

»Ja!«, rufe ich zurück und versuche, mich aus Brennas Griff zu lösen. »Wir kommen!«

»Geh nicht! Du darfst dich nicht von ihnen holen lassen.« Brenna sieht auf Tess hinunter und dann wieder mich an. Ihre Augen sind traurige blaue Tümpel. »Mächtig. So mächtig. Ihr könntet alles wieder richten. Aber ihr müsst vorsichtig sein.«

»Ja. Wir werden sehr vorsichtig sein«, verspreche ich, aber etwas in mir fällt zusammen. Erst die Prophezeiung, jetzt Brenna. Was, wenn sie nicht verrückt ist? Was, wenn sie wirklich in die Zukunft sehen kann? Ich will nicht mächtig sein. Ich will normal sein.

»Sie sollten auch vorsichtig sein«, rät Tess ihr mit besorgtem Gesichtsausdruck. Wenn irgendjemand anders Brenna so reden hören würde, würde sie direkt zurück nach Harwood geschickt werden.

»Für mich ist es zu spät.« Brenna lässt sich gegen das Tor fallen, ihr Gesicht ist von den verfilzten Haaren bedeckt. »Geht jetzt. Ich bin sehr müde, und ich muss meinen Großvater besuchen.«

Tess lässt ihre Hand in meine gleiten, und wir drehen uns um und gehen weiter die Straße hinunter, wo Maura und Elena bereits vor dem Schreibwarenladen auf uns warten.

»Was um alles in der Welt war denn da los?«, fragt Maura.

Ich zucke mit den Schultern und ignoriere Tess’ Blick. »Himmel, keine Ahnung. Sie ist verrückt, oder?«

Wieder zu Hause, tausche ich meine schönen geknöpften Stiefel gegen alte, matschbespritzte und gehe hinaus in den Garten. Die Sonne ist hinter den Wolken verschwunden. Es regnet nicht, aber es sieht bedrohlich danach aus. Ich hoffe, dass der Regen noch etwas auf sich warten lässt. Ich brauche etwas Aufheiterung, und ich bin immer am glücklichsten, wenn ich die Hände in die Erde stecken kann.

Mit großen Schritten gehe ich in den Rosengarten nur ist der bereits belegt. Finn Belastra sitzt auf der Bank meiner Bank unter der Statue der Athene. Er hat ein Buch offen auf seinem Schoß liegen und mampft einen Apfel.

»Was machen Sie hier?«, frage ich verärgert. Finn ist vielleicht schön anzusehen, aber ich brauche jetzt ein paar Stunden allein mit den Rosen und meinen Gedanken.

Er springt auf. »Ich habe nur« er kaut heftig »gerade mittaggegessen. Störe ich? Ich kann auch woanders hingehen.«

»Ja.« Es hört sich furchtbar an, sogar in meinen Ohren. Ich seufze. »Nein. Ich wollte nur ein bisschen Unkraut jäten. Ich komme später wieder.«

»Oh.« Finn sieht auf das Gewirr von roten und rosafarbenen Teerosen. »Das müssen Sie nicht tun. Ich habe die ganze Zeit am Pavillon gearbeitet, aber ich kann mir Zeit dafür «

»Nein, ich mache das gern«, unterbreche ich ihn. »Ich möchte es selbst machen.«

Finn grinst schelmisch, wobei seine Zahnlücke zum Vorschein kommt. »Ah, dann sind Sie also meine Elfe.«

»Entschuldigung?« Ich streiche mir eine Haarsträhne zurück unter die Kapuze.

»Mir ist aufgefallen, dass jemand Unkraut gejätet und Blumenzwiebeln gepflanzt hat. Ich dachte, Sie hätten eine Gartenelfe. Ich habe sie mir klein vorgestellt. Und grün. Sie sind schöner.« Er wird rot unter seinen Sommersprossen.

»Oh, danke«, lache ich. Ich hatte Finn Belastra bisher nicht für besonders fantasievoll gehalten. Er schien mir immer so ernst zu sein.

»Ich hätte es mir natürlich denken können«, sagt Finn. »Ihr Vater hat erwähnt, dass eine von Ihnen einen grünen Daumen hat.«

»Hat er das?« Das ist nun schon das zweite Mal. Vielleicht ist Vater doch aufmerksamer, als ich es ihm zugestanden habe. Ich weiß nicht so genau, ob ich mich darüber freuen oder deswegen beunruhigt sein sollte. Offen gestanden haben wir bisher immer auf seine Selbstvergessenheit gezählt. »Ja, das wäre dann wohl ich. Gärtnern hilft mir, einen klaren Kopf zu bekommen.«

»Nun, Sie brauchen nicht später wiederzukommen. Sie können hier gern etwas nachdenken. Ich lese mein Buch woanders zu Ende.«

Die goldene Schrift auf dem Buch in seiner Hand weckt meine Aufmerksamkeit. »Warten Sie. Geschichten vom Piraten LeFevre?«

»Auch ein Gelehrter braucht Freizeitlektüre, Miss Cahill. Kennen Sie die schauderhaften Abenteuer von Marius, dem Piraten? Sie sind sehr unterhaltsam.«

»Ich ziehe die Geschichten von seiner Schwester Arabella vor«, platze ich heraus, bevor ich darüber nachdenken kann. Ich kann nicht glauben, dass Finn Belastra Piratengeschichten liest. Ich hätte gedacht, dass er sich durch unverständliche deutsche Philosophie mühen würde.

Finn senkt seine Stimme zu einem vertraulichen Flüstern. »Arabella war meine erste literarische Verliebtheit. Ich war furchtbar vernarrt in sie.«

Ich quietsche. »Ich wollte immer wie sie sein! Können Sie sich daran erinnern, wie sie Marius bei dem Schiffsbruch gerettet hat? Und als sie gefangen genommen wurde, ist sie lieber über die Planke gegangen, als ihre Tugend diesem schrecklichen Kapitän zu opfern. Und als sie Marius’ Kleider getragen hat und das Duell mit « Ich ertappe mich dabei, wie ich wild gestikulierend mit einem imaginären Degen in der Luft herumfuchtele.

»Mit Perry, dem Soldaten, der den Piraten vorgeworfen hat, keinen Ehrenkodex zu haben?«, beendet Finn meinen Satz. »Das war eine tolle Geschichte.«

»Sie hat offensichtlich einen großen Eindruck auf mich gemacht. Arabella war ein Muster an an Mut und Einfallsreichtum«, sage ich leise und verschränke die Hände hinter dem Rücken.

Finn sieht neugierig zu mir herunter. »Ich habe Sie, ehrlich gesagt, nicht für eine große Leserin gehalten.«

Ich bin enttäuscht. »Hat Vater das gesagt?«

»Nein. Ich habe es angenommen. Sie holen oft Bücher für Ihren Vater ab, aber ich habe nur selten mitbekommen, dass Sie etwas für sich selbst kaufen.«

Da hat er recht. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal freiwillig ein Buch in die Hand genommen hätte, ausgenommen einen Almanach, um nachzuschlagen, wann welche Blumenzwiebeln oder Kräuter gepflanzt werden müssen. Aber früher habe ich gelesen nicht so viel wie Tess oder Maura, aber mehr, als ich es jetzt tue. Ich habe eine Menge Sommernachmittage in den knorrigen Ästen unseres Apfelbaumes verbracht und die Geschichten vom Piraten LeFevre verschlungen.

Maura hat schon immer die Märchen und Romanzen geliebt, die auch Mutter gefielen, aber ich mochte die Abenteuergeschichten aus Vaters Bibliothek am liebsten. Ich habe Vater früher angebettelt, sie mir vorzulesen je blutrünstiger, desto besser. Geschichten von bösen Königen und Schurken, Piraten und Schiffbrüchen. Einmal habe ich Paul überredet, mir zu helfen, ein Floß zu bauen, und wir sind damit über den Teich gepaddelt. In der Mitte des Teiches hat sich dann langsam das Wasser auf dem Floß gesammelt, und wir mussten letztendlich ans Ufer zurückschwimmen. Als ich nach Hause kam, sah ich halb ertrunken aus, und Mrs O’Hare hat einen ganz schönen Schreck bekommen.

Ich zucke mit den Schultern und streiche meinen Rock glatt. »Junge Damen sollten keine Piratengeschichten lesen.«

Da lacht Finn und wirft seinen Apfel hoch in die Luft. »Ich dachte, Ihr Vater würde Wert darauf legen, seine Töchter zu unterrichten.«

»Genau, Vater legt Wert darauf, dass wir lesen, um uns zu bilden, nicht um uns zu vergnügen.«

»Nun, dann werden er und ich wohl darin übereinstimmen, in diesem Punkt nicht übereinzustimmen. Wozu ist ein Buch gut, wenn das Lesen kein Vergnügen macht?« Finn hält mir sein Exemplar voller Eselsohren hin. »Sie können meins haben, wenn Sie mögen. Wir haben ein halbes Dutzend davon im Laden.«

Ich bin halb versucht. Es wäre schön, wieder auf einen Baum zu klettern und meine Gedanken mit Arabella in fremde Häfen und zu verlassenen Inseln abschweifen zu lassen. Sie musste sich keine Gedanken darüber machen, einen Mann zum Heiraten zu finden. Die Männer sind ihr regelrecht hinterhergelaufen außer als sie sich als Junge verkleidet hatte natürlich. Und sogar da einmal.

Doch bedauerlicherweise lebe ich in Neuengland und nicht an Bord der Calypso. Und ich muss mir Gedanken übers Heiraten machen. Und über die Bruderschaft und jetzt auch noch über diese verdammte Prophezeiung.

»Nein, danke.« Ich gehe an Finn vorbei und knie mich vor das Durcheinander von Rosen. »Ich habe mein Exemplar noch. Ich habe nur nicht mehr die Zeit, zu lesen.«

»Das ist das bisher Traurigste, was ich heute gehört habe«, sagt Finn und fährt sich mit den Händen durch seine unordentlichen Haare. »Lesen ist doch die beste Möglichkeit, dem zu entkommen, was uns plagt.«

Aber ich kann nicht entkommen.

»Sie scheinen aufgebracht zu sein«, fährt er vorsichtig fort. »Tut mir leid, Sie zu belästigen.«

»Ich fühle mich nicht belästigt«, blaffe ich und trenne die Zweige voneinander. Ich bin wütend. Warum ist es Mädchen nie gestattet, wütend zu sein?

Finn kniet sich neben mich. Er streckt eine Hand aus, um mir zu helfen, und sticht sich sofort an einem Dorn. »Au.« Ein Blutstropfen bildet sich auf seinem Finger, und er steckt ihn sich in den Mund. Er hat einen schönen Mund rot wie Kirschen –, seine Unterlippe ist ein bisschen voller als die obere.

Ich wühle in meiner Manteltasche und ziehe ein altes Taschentuch heraus. »Hier«, biete ich an und werfe es ihm praktisch an den Kopf.

»Danke.« Finn fängt es auf und wickelt es um seinen Finger. Er fasst wieder in die Rosenbüsche.

»Lassen Sie mich das machen«, sage ich. »Sie wissen ja nicht, was Sie tun.« Ich denke daran, wie Mutter diese Rosen gepflanzt hat. Ich will nicht, dass Finn sie ruiniert, indem er die Blumen statt des Unkrauts herausreißt.

Er sagt kurze Zeit nichts, und ich erwarte schon, dass er aufsteht und geht, weil er genug hat von diesem verrückten, Piraten liebenden Drachen von einem Mädchen.

»Dann zeigen Sie mir, wie es geht«, schlägt er mit ernstem Gesicht vor. »Ich bin der Gärtner. Ich sollte wissen, wie es geht.«

Ich seufze. Ich würde es ihm gern übel nehmen, dass er hier ist, an meinem Platz; dass er ein Junge ist mit allen Freiheiten, die ich nicht habe; dass er der kluge Sohn ist, den Vater gern hätte. Aber er macht es mir nicht leicht. Er ist überhaupt nicht der eingebildete Musterknabe, für den ich ihn gehalten habe.

Und er hat all meinen Zorn über sich ergehen lassen, ohne sich auch nur mit einem einzigen Wort zu beklagen. Als wenn er wüsste, dass es genau das ist, was ich gerade brauche. Ich habe Angst davor, was ich tun könnte was ich sagen könnte –, wenn er jetzt nicht weggeht.

»Nicht heute«, sage ich. »Bitte. Ich möchte einfach allein sein.«

Finn steht auf und nimmt sein Buch und seine Brotdose. »Natürlich. Ein andermal vielleicht. Einen schönen Nachmittag, Miss Cahill.«