16

 

Die Welt der Jäger stand hoch am Himmel, rund und voll und ziegelrot glühend, und nahm den größten Teil des Himmels ein. Wieder hatte Dane das Gefühl von Klaustrophobie, das Gefühl, sich unter einer sinkenden Helligkeit zu bewegen, die auf ihn herunterfallen würde. (Wen kümmert es? Laß den Himmel herunterfallen; Chicken Little hatte immer recht gehabt …)

Er hatte Dalliths Leichnam nicht zurücklassen wollen. Aber weder Aratak noch Rianna konnten ihm beim Tragen helfen, und ihm war schließlich zu Bewußtsein gekommen, daß es nicht am fehlenden guten Willen lag, als er sie angeschrien hatte. (»Ihr wollt sie hier zurücklassen, damit irgendein verdammter Jäger sie zu einer obszönen Trophäe ausstopfen kann!«) Erst dann hatte er gemerkt, daß sie beide verwundet waren. Riannas Wunde war wieder aufgebrochen, und Arataks Bein war so sehr verdreht, daß er sich schwer auf seine Keule stützen mußte. Benommen und apathisch wanderte Dane mit ihnen auf die neutrale Zone zu. Er hörte Rianna etwas über Schlachtmüdigkeit sagen und wußte mit einem Bruchteil seiner selbst, daß sie recht hatte, hörte Aratak sagen, daß die Finsternis nun nicht mehr fern sein konnte (aber wann immer sie kam, es würde zu spät sein). Aber er war benommen von dem dumpfen, alptraumhaften Wissen von Dalliths Tod, und nichts anderes zählte mehr.

Ihr Haarschopf steckt noch in meiner Tunika, dachte er. In einer Welle des Schmerzes griff er danach und merkte erst jetzt, daß er aus einer Wunde am Unterarm und aus einer weiteren leichten Wunde an der Kopfhaut blutete.

Er ging wie in einem dunklen Traum, bis Rianna mit einem leisen Stöhnen zusammenbrach. Das verwundete Bein lag verdreht unter ihr, und Dane zwang sich dazu, sich um sie zu kümmern, hob sie wieder auf, riß einen Streifen Stoff von seiner eigenen Tunika und verband die Wunde mit der Effizienz eines Roboters. Er ließ sie sich an seine Schulter lehnen; er hätte sie aufgehoben und getragen, wenn sie nicht protestiert hätte. Dane selbst wäre am liebsten auf der Stelle zusammengebrochen und eingeschlafen, aber wie aus weiter Ferne und ohne zu wissen, daß es etwa mit ihm zu tun hatte, war ihm klar, daß das Mädchen Nahrung und Ruhe an einem sicheren Ort brauchte. Sie konnten nicht viel mehr als eine halbe Stunde gegangen sein, als sie die Lichter einer neutralen Zone erreichten, aber für Dane war es eine lange, lange Zeitspanne, länger als der Kampf zuvor, länger als die Jagd, ein Abgrund, der sein Leben in zwei Teile spaltete. Er war noch am Leben. Aber was hatte das jetzt noch für einen Wert?

In der neutralen Zone roch es nach Essen, aber sein Magen drehte sich von dem Geruch um. Rianna brachte ihm einen Teller voll, doch Dane sagte: »Ich habe keinen Hunger, ich kann nichts essen.« Als sie ihm den Teller in die Hand schob, begann er jedoch automatisch, es in den Mund zu schieben, ohne es zu schmecken. Er aß alles auf, und sie brachte ihm mehr, und plötzlich wurde sein Kopf wieder klar. Der dunkle Albtraum war verschwunden, aber gleichzeitig war er wirklicher geworden. Dallith war tot, und er saß hier und aß das Steak-Menü, um das er hatte bitten wollen. In plötzlichem Entsetzen stellte er die Reste des zweiten Tellers weg. Es war nicht viel übrig geblieben. Ihm war zum Speien übel. Mit einer Art benommener Verwunderung sagte er: »Wie kann ich hier sitzen und essen …« Rianna blieb stumm. Sie legte nur wortlos ihre kleine, harte Hand über seine, und er sah, daß ihre Augen tränenüberströmt waren. Sie hatte nicht geschluchzt, sie wischte die Tränen nicht weg, sie saß nur da, aß und weinte gleichzeitig, und Danes Verstand und seine Gefühle erwachten mit einem schmerzhaften Ruck. Er nahm ihr den Teller fort, legte seinen Arm um sie, trocknete ihr Gesicht mit seiner Tunika und sagte: »Liebling, wenn du dich weiter so voll stopfst, wird dir schlecht werden.«

Was bin ich nur für ein Schwein, dachte er. Sie ist verwundet und muß sich auch noch um mich kümmern. Mit Erstaunen sah er, wie viel sie verschlungen hatten. Natürlich, nach so einem Kampf Wie viele habe ich überhaupt getötet? Ich werde es wohl nie wissen, aber ich bezweifle, daß der alte Samurai sich meiner schämen würde. Er muß selbst einen verdammt guten Kampf geliefert haben, wenn sie sich nach vierhundert Jahren immer noch so gut an ihn erinnern, daß sie sein Gesicht tragen.

Wieder trocknete er sanft Riannas Gesicht. Dallith war tot, und es schien nichts mehr in der Welt zu geben, für das zu leben sich lohnte, aber Rianna war noch da, und sie brauchte ihn

Sie sagte, während sie endlich zu schluchzen begann: »Ich habe sie auch geliebt, Dane. Aber sie konnte nicht weiterleben mit dieser Erinnerung. Die Jagd hatte sie zerstört, das war schlimmer als der Tod für sie …«

Aratak rückte nahe zu ihnen heran. Er sagte in seinem freundlichen Rasseln: »Sie fürchtete sich davor weiterzuleben, als ihr ganzes Wesen einen Teil von den Jägern absorbiert hatte. Rianna hatte recht, Dane: Empathen von Spika Vier sterben immer, wenn sie allein von ihrer Welt getrennt werden. Sie begann zu sterben, als sie ihre Welt verließ, aber sie blieb bei dir, so lange sie konnte, weil du sie so verzweifelt brauchtest und sie das wußte …«

Dane senkte den Kopf. Er war überzeugt gewesen, Dallith habe weitergelebt, weil er sie gelehrt hatte, es zu wollen. Vielleicht hatte sie für kurze Zeit seinen eigenen Lebenswillen geteilt, wie sie so vieles in dieser kurzen Zeit mit ihm geteilt hatte. Aber ihm wurde klar, daß Aratak recht hatte. Er hatte Dalliths Leben nicht um ihretwillen gerettet, sondern um seiner selbst willen; während er ihren Lebenswillen genährt hatte, hatte er seine eigene Furcht, mit ihrem Tod konfrontiert zu werden, in Schach gehalten.

Leben und Tod, Liebe und Tod ich dachte, ich hätte es begriffen. Aber vielleicht wird nie jemand alles darüber wissen

Sie waren die einzigen in der neutralen Zone wahrscheinlich, dachte Dane, das einzige noch lebende Wild überhaupt. Die Diener, die sich leise und wortlos durch das Gelände bewegten, schienen ihnen immerhin eine gewisse Ehrfurcht entgegenzubringen.

Wir sind immer noch das Heilige Wild, dachte er.

Dane und Rianna legten sich endlich todmüde nieder, eingewickelt in einen einzigen Umhang. Kurz flackerte Verlangen in seinem Körper auf, aber bei dem bloßen Gedanken daran überfiel ihn die Erschöpfung, und sein ausgelaugter Körper und seine müde Seele fielen in den bodenlosen Abgrund eines dem Tod ähnlichen Schlafes.

Als er erwachte, war die Morgendämmerung bereits aufgezogen, und die Sonne ging auf, und als er feststellte, daß sie lange über die sichere Zeit hinaus geschlafen hatten, wunderte er sich einen Moment lang, warum sie nicht im Schlaf abgeschlachtet worden waren. Als er dann die Diener um sie herum aufgestellt sah, ferner ein knappes halbes Dutzend Jäger, die sich innerhalb der neutralen Zone befanden, begriff er es. Nach einem Kampf wie diesem respektierte man den Schlaf eines tapferen Kämpfers. Rianna erwachte im selben Moment und hielt sich beim Anblick der Jäger erschrocken an ihm fest. Aratak griff nach seiner Keule und zuckte zusammen, als er versuchte, sein Gewicht auf den verletzten Fuß zu verlagern.

Und im selben Augenblick bemerkte Dane, daß am Himmel über der Sonne die große rotglühende Welt der Jäger stand, eine runde, unberührte Scheibe, und daß die Sonne schnell stieg, um auf sie zu treffen

Der große protoursine Anführer schritt auf ihn zu. Dane sprang auf die Füße und griff instinktiv nach seinem Schwert.

Der Jäger bedeutete ihm, die Waffe stecken zu lassen, aber Dane zog sie dennoch. Das Bärenwesen selbst war unbewaffnet, aber sein Schwert lag in den Händen eines der metallenen Diener, und der große, gesichtslose Roboter rollte schnell auf Dane zu.

Der Protoursine sprach. Dane konnte ihn nicht verstehen, doch dann ertönte die flache, ausdruckslose Stimme des Dieners. »Unser Anführer hat ein persönliches Anliegen mit Euch zu regeln. Ihr habt fünf Brüder aus seinem Schwarm getötet, aber ein so tapferes Wild, das die Jagd zum größten Ereignis der letzten siebenhundertachtzehn Zyklen gemacht hat, verdient bis zum Ende besondere Aufmerksamkeit. Die Stunde der Finsternis steht bevor. Wenn Ihr einwilligt, werden wir Euren beiden Begleitern das Leben schenken, da sie verwundet sind und auch mit wahrhaft Heiliger Tapferkeit gekämpft haben; hättet Ihr nicht seine fünf Stammesbrüder erschlagen, würde er auch Euch das Leben anbieten und für Eure Belohnung sorgen. So aber bittet er Euch um einen letzen Einzelkampf. Wenn Ihr überlebt, werdet ihr alle frei sein; wenn Ihr sterbt, werden Eure Begleiter im Gedenken an Euch freigelassen werden.«

»Wir kämpfen auf Leben und Tod?« fragte Dane.

»Wenn die Stunde der Finsternis uns nicht vorher befreit«, sagte der Diener.

Dane sah zu Rianna und Aratak hinüber. Ohne sie um Rat zu fragen, sagte er: »Ich werde es tun.«

»Dane …« protestierte Rianna, und Aratak sagte: »Sei kein Narr. Sie müssen uns töten. Sie werden uns nicht leben lassen, damit wir ihr Geheimnis weitererzählen wie leicht es ist, sie zu töten.«

Aber seltsamerweise traute Dane ihren Worten noch immer. Vielleicht weil er keine andere Wahl hatte. Er sagte zu Diener: »Sag ihm, daß ich einverstanden bin.«

Vielleicht war die Kommunikation telepathisch, denn Diener sagte nichts Hörbares, und trotzdem nahm der Anführer seinen gewaltigen Schild und das Schwert, und Dane zog das seine. Die linke Seite des Anführers war ihm zugewandt, die zottige Brust fast ganz von seinem Schild verdeckt; durch die tief gebeugten Beine war auch der untere Teil seines Körpers geschützt. Das Schwert war hinter seinem Körper versteckt, wahrscheinlich waagerecht ausgestreckt.

Es ist eine umgekehrte Fechthaltung, dachte Dane. Er kann zur selben Zeit schlagen und sich verteidigen. Das kann ich nicht.

Aber er muß den Schild bewegen, wenn er schlagen will. Ziele auf seine Schulter

Sei vorsichtig, Marsh, warnte er sich selbst. Sei nicht zu selbstgefällig. Jedes Mal, wenn du bisher vor einem Schild standest, hattest du Freunde, die dir geholfen haben. Dies ist ein Einzelkampf.

Der Jäger näherte sich mit vorsichtigen, schleichenden Schritten, sein zur Seite gedrehter Körper war durch den Schild geschützt. Es hatte den Anschein, als sei der Jäger auch nicht allzu selbstsicher und wolle Dane nicht den Gefallen tun, sich dabei zu beeilen, sein Schwert einzuklemmen. Dann hätte Dane Gelegenheit gehabt, jenen Seitwärtsschritt zu machen, der den anderen Kampf für ihn entschieden hatte. Dane stürmte vorwärts und sprang in die Luft, um nach dem Kopf zu schlagen. Der Jäger machte einen Ausfall, um den Angriff abzuwehren, der Schild schnellte vor, um das Schwert abzufangen und zurückzudrücken, und als Dane zurücksprang, sah er die Spitze des geraden Schwertes an seinen Beinen vorbeisausen. Der Schlag, der sein Bein abgetrennt hätte, ritzte nur seine Haut. Der Schild drückte gegen sein Schwert, als sei er dort festgeklebt, und behinderte Danes Bewegungen; das Breitschwert pfiff auf Danes Schläfe zu, und er sprang schnell zur Seite.

Danes langer Ausfallschritt nach hinten und zur Linken brachten ihn unter dem Schlag des Gegners hindurch, obwohl die Waffe so dicht an ihm vorbeisauste, daß sein Haar davon zu Berge stand, und endlich konnte Dane sein Schwert von dem Schild befreien. Er wirbelte herum und zielte nach der Schulter des anderen, aber der Bärenmann drehte ihm die Vorderseite zu und hob seinen Schild, um den Schlag abzufangen. Danes Schwert wurde an seine linke Schulter zurückgepreßt, und die Klinge des Jägers fuhr wieder auf seinen Kopf zu.

Wie der Blitz ließ Dane sein linkes Knie unter sich wegknicken, und es gelang ihm, sein Schwert hochzureißen; er fing den Stoß in den Handgelenken auf, als die Klinge des anderen niederfuhr. Der kalte Stahl seines eigenen Schwertes streifte ihn leicht und schnellte zurück. Er schlug nach den dicken, zottigen Knien des Riesen.

Es gibt keine Möglichkeit, an seinen Kopf oder seine Brust heranzukommen mit diesem riesigen Schild. Eine Verletzung am Bein wird ihn nicht töten, ihn aber jedenfalls schwächen der Pseudo-Mekhar heulte und rannte davon, als ich seinen Arm abschlug. Wenn er mein Schwert noch einmal einklemmt, bin ich verloren. Er ist verdammt gut zu gut. Aber er weiß, daß ein Schlag gegen sein Bein ihn nicht töten kann, vielleicht ist er darum unvorsichtig

Sie umkreisten einander langsam und bedächtig ungefähr eine Minute lang. Dann stieß Dane einen Schrei aus und sprang vorwärts. Die Klinge hielt er weit hinter seinem Kopf zwischen den Schulterblättern. Der Schild des Bären fuhr nach oben. Dane warf sich nach links, sein Schwert fiel in einem großen, kreisenden Schlag nach rechts herunter, trennte das Bein am Knie durch und wurde ohne Unterbrechung wieder hochgerissen, um den Schlag abzuwehren, den Dane halb erwartet hatte. Aber er erfolgte nicht. Dane wirbelte mit erhobener Klinge herum, aber der Jäger war in eine sitzende Position zusammengesunken, hielt sich mit Hilfe des gesunden Beins im Gleichgewicht und streckte das Schild über sich, während der Schwertarm zum Schlag erhoben war.

Guter Gott! Alles, was ihm jetzt zu tun übrig bleibt, ist, seinen Kopf und seine Brust zu schützen. Es ist ein Rückzug. Ich kann ihn nicht verletzten, aber er kann auch nicht angreifen. Ich muß nur außerhalb seiner Reichweite bleiben, bis

Rianna rief etwas, und Dane bemerkte, als er einen schnellen Blick nach oben warf, daß der Schatten bereits über das Land zog; die Sonnenscheibe, die jetzt winzig aussah, war schon halb hinter der riesigen Masse der Jägerwelt verschwunden. Unter seinem erstaunten Blick krümmte sich der Jäger, brach zusammen, und das verletzte Bein zerfloß in Formlosigkeit; das Schwert entfiel seiner Pranke, die es nicht länger halten konnte. Als das Licht nachließ und es dunkler wurde, kam ein Wind auf, und der Schild fiel auf den schnell flüssig werdenden Körper des Jägers nieder.

Natürlich, dachte Dane, das ist das Geheimnis. Sie verwandeln sich in ihre eigene Gestalt zurück, wenn sie sterben oder bei Anbruch der Dunkelheit. In hellem Mondlicht können sie angreifen. Aber die Sonnenfinsternis beendet die Jagd. Sie werden alle wieder zu Kugelwesen

Zwei Diener rollten heran, die einen dritten zwischen sich schoben, und während Dane und Rianna im schwindenden Licht zusahen, hoben sie die kugelförmige, durchsichtige Gestalt des Jägers sanft auf ihre ausfahrbaren Arme. Sie ließen ihn weich in die Metallhülle gleiten und schlossen den Deckel, und sofort klang die seltsam metallische Stimme eines Dieners daraus hervor.

»Mein höchst tapferer Gegner. In diesen letzten Augenblicken, bevor ich zu dem Schwarmbewußtsein meines restlichen Lebens zurückkehre, gelobe ich Euch, daß Ihr und Eure Gefährten frei sein werdet, koste es, was es wolle. Auch wenn ich weitere tausend Jagdzyklen erleben sollte, wird es keine solche Jagd mehr geben. Ich muß nun ein weiteres halbes Jahr im ruhenden Zustand verbringen, ohne individuelles Bewußtsein meiner selbst, bevor ich wieder hervortrete, aber ich schwöre, daß ich in Erinnerung an Euch die nächsten hundert Zyklen nur in Eurer Gestalt kämpfen werde …«

O Gott, sie verbrachten die Hälfte ihres Lebens als Diener in diesen Blechdosen. Es waren überhaupt keine Roboter! Kein Wunder, daß die Diener das Wild pflegten und aufmunterten sie stellen das einzige individuelle Leben und Bewußtsein dar, das die Jäger kannten Nur während der Jagd waren sie als Einzelwesen lebendig, und vielleicht waren sie zu keiner anderen Zeit wirklich intelligent. Konnte ein Schwarmbewußtsein intelligent sein? Dane wußte es nicht. »Ich grüße Euch noch einmal in den letzten Augenblicken, während ich, ich selbst bin, ich wir …«

Die Stimme des Anführers verstummte; ein anderer Diener fuhr ohne Unterbrechung fort: »Wir erweisen Euch die Ehre. Obwohl es möglich ist, daß Ihr unsere Jagd für alle Zeiten beendet habt, wenn wir Euch, wie es die Ehre gebietet, freilassen und Ihr unser Geheimnis in der ganzen Galaxis verbreitet.«

»Aber nicht im Geringsten«, sagte Dane und steckte sein Schwert in die Scheide. »Erinnert ihr euch, daß die Mekhar weggerannt sind, um sich freiwillig hier zu melden? Wenn erst einmal bekannt ist, daß ihr existiert, daß es kein sinnloses Abschlachten ist, sondern ein Duell, und daß ihr die Überlebenden reich belohnt, werden die zähesten Bürger der Galaxis an eurer Schwelle Schlange stehen; ihr könnt euch euer Wild aussuchen, anstatt es kaufen oder stehlen zu müssen! Wundert es euch, daß viele nicht weiterleben wollen, wenn sie sich nur formloser Bedrohung gegenüber sehen? Aber gebt ihnen eine Chance dann werdet ihr so viele Freiwillige haben, daß ihr sie auf eine Warteliste setzen müßt!«

Dieners tonlose Stimme gelang es irgendwie, Freude zum Ausdruck zu bringen. »Vielleicht wird es so sein. Erlaubt uns nun, Ehrenwertes und Heiliges Wild, Euch zu bedienen und zu erfrischen. Das nächste Wild erwartet Euer Siegesbankett, damit Ihr ihnen Mut und Hoffnung macht, und unsere Brüder, die sich im vergangenen Mond auf die Jagd vorbereitet haben, besteigen jetzt schon das Raumschiff, um hierher zu kommen und alles vorzubereiten.« Die Diener konnten gar nicht genug für sie tun. Sie wurden zu den Bädern geführt und noch einmal verschwenderisch gespeist, frisch gekleidet und mit Blumengirlanden behängt. Rianna hatte sich bei Dane eingehängt, und es schien ihm alles wie ein Traum.

»Reichtümer«, flüsterte sie, »genug, um eine wissenschaftliche Stiftung zu gründen vielleicht hierher zurückzukommen und die Ruinen-Stadt zu erforschen und etwas über die alte Rasse herauszufinden, die mir das Leben gerettet hat …«

Aratak sagte ruhig: »Dem Göttlichen Ei hat es gefallen, mir das Leben zu erhalten; es muß irgendwo innerhalb des Galaktischen Bundes etwas für mich zu tun geben. Aber bevor ich hingehe und es tue, werde ich zu Spika Vier reisen und Dalliths Volk erzählen, wie sie starb und auch zu Cliffs Planeten. Ich habe keine andere Verwendung für den Reichtum.«

Dane strich über die Scheide des Samuraischwertes. War der alte Samurai der einzige Überlebende, der je Seppuku begangen hatte, als ihm klar wurde, daß er das Schwert seinen Besiegern übergeben mußte? Ich würde es gerne behalten, aber ich werde nie wieder ernsthaft ein Schwert benutzen.

Rianna sagte: »Dane, du kannst nach Hause zurückkehren!«

»Wie und für den Rest meines Lebens herumlaufen wie einer, der den fliegenden Untertassen begegnet ist?« fragte er und zog sie fest in seine Arme.

Zuerst zu Dalliths Welt, um ihrem Volk zu erzählen, wie sie gestorben war. Und dann nun, die Galaxis war groß, und er hatte noch lange Zeit zu leben, und das würde das größte aller Abenteuer werden.

Er umarmte Rianna überschwenglich und lachte laut.

Liebe und Tod. Für den Rest seines Lebens würde er Dallith im tiefsten Inneren seines Herzens tragen, so wie er ihre Haarflechte auf der Haut trug; aber er hatte keine Angst mehr vor der Liebe oder vor dem Tod.

Er hatte sie beide gemeistert und war lebend daraus hervorgegangen. Und er würde immer mehr darüber lernen, bis er eines Tages seinen eigenen Tod zu meistern hatte.