13

 

Das Schlimmste an der Jagd, dachte Dane, war die Art, wie man die Zeit aus den Augen zu verlieren begann.

Er war nicht sicher, ob es der fünfte oder der sechste Tag der Jagd war. Die Zeit schien in endlosen Abschnitten zu verschwimmen, immer auf Angriffe und Töten gefaßt. Sie waren immer auf der Hut vor dem plötzlichen Auftauchen von irgend jemandem oder irgend etwas auf dem Schlachtfeld. Aber seit dem Tod des Klippenkletterers war es nun drei oder vier oder sogar fünf Tage her? waren sie auf keinen weiteren Jäger mehr gestoßen oder zumindest von keinem angegriffen worden. Einmal allerdings hatte Dallith sie mit einer rauen Warnung zum Halten gebracht. Sie hatten Deckung im Unterholz gesucht und weit entfernt das Aufeinanderprallen von Stahl und etwas anderem gehört, einen dünnen Todesschrei von irgendwoher. Geduckt, im ansteigenden roten Mondlicht versteckt oder besser, im Weltlicht von der gewölbten Welt der Jäger über ihnen warteten sie auf einen Angriff; aber es geschah nichts, und nach einer langen Zeit entspannte sich Dallith und ließ ihre Schleuder zu Boden fallen.

»Es ist weg«, sagte sie. »Wirklich weg.«

»Tot?« fragte Rianna, und Dallith seufzte und sagte: »Wie soll ich das wissen?«

Jetzt, bei Tageslicht, könnt Dane sehen, daß die Jagd bei Dallith die deutlichsten Spuren hinterließ. Sie waren alle sonnenverbrannt und staubig, aber unter ihrer Sonnenbräune sah Dallith jeden Tag ein bißchen bleicher und mitgenommener aus; jeden Tag sanken ihre dunklen Augen tiefer in die Höhlen. Rianna weinte manchmal vor Erschöpfung. Dallith weinte weder, noch beklagte sie sich, aber jeden Tag wirkte sie abgezehrter und hagerer.

Sie braucht Ruhe, dachte Dane, und ungestörten Schlaf und Befreiung von der Angst.

Wir alle brauchen das, aber Dallith braucht es am bittersten von uns allen. Sie scheint diese verdammten Dinger sogar im Schlaf spüren zu können, und das hat uns bis jetzt wahrscheinlich alle am Leben erhalten.

Sie ruhten sich im Schutze der Hügelkette aus, die sie am Fuße der Ruinenstadt von weitem in der ersten Nacht gesehen hatten. Die Stadt lag weit oben über den Klippen, und die abgetragenen und verwitterten Hänge, die hinaufführten, waren mit dunklen Höhlenöffnungen und hohen, verfallenen Treppen und Verbindungswegen übersät.

Rianna schaute zu den Gebäuden hinauf und sagte: »Ich würde sie gerne eines Tages erforschen. Unter angenehmeren Umständen.«

»Ich nicht«, meinte Dane. »Wenn wir lebend von diesem verdammten Mond herunterkommen, habe ich für die Dauer von zwei oder drei Leben davon genug.«

»Du verstehst mich nicht«, sagte Rianna. »Wenn die Jagd hier schon seit Jahrhunderten stattfindet, ist es sogar möglich, daß die Jäger diese Stadt erbaut haben.«

»Oder, was wahrscheinlicher ist, sie haben die Erbauer, wer auch immer sie waren, gejagt und getötet«, vermutete Aratak. »Und als alle tot waren, konnten sie nicht aufhören zu jagen …«

»Es sind schon seltsamere Dinge geschehen«, sagte Dane und dachte an die Geschichte der Erde und den langen Irrsinn der Kreuzzüge. Aratak schien am wenigsten von diesen Tagen der Entbehrungen und der Angst gezeichnet zu sein; aber Dane konnte sehen, daß sogar er erschöpft aussah. Er war von Kopf bis Fuß mit grauem Schlamm beschmiert. Da sie schon zu Beginn der Jagd festgestellt hatten, daß in den langen Phasen zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang, wenn sie im Freien lagerten, Arataks Gewohnheit, im Schlaf blau zu glühen, die Jäger auf ihre Spur bringen konnte, hatten sie sich seine Methode, sein indiskretes Leuchten zu kontrollieren, zu eigen gemacht. Glücklicherweise mochte Aratak Schlamm; aber er hatte zugegeben, daß ein großer Unterschied zwischen der angenehmen Wärme von nassem Schlamm und dem Tragen von getrocknetem Schlamm bestand. Nun kratzte er abwesend an dem grauen Geschmier und sagte: »Ich denke mit Vergnügen an die Badebecken des Wildreservates. Ich hoffe, in den Ruinen gibt es irgendwo Wasser. Die Stimme des Eis, mag seine Weisheit ewig dauern, hat einst bemerkt, daß ein Festmahl angenehm für den Hungernden sei, aber daß der wirklich weise Mann, außer wenn er kurz vor dem Verhungern steht, ein Festmahl für ein Bad zurückweist. Leider haben sich nur zu viele seiner göttlichen Weisheiten in der Not der letzten Tage bewahrheitet.«

»Ich beneide dich um deine Philosophie, Freund«, sagte Dane und zog sich müde auf die Füße. »Ich glaube, wir werden in die Ruinen gehen müssen, um Wasser zu suchen; wir haben noch Nahrung für einen Tag oder so, aber wir brauchen Trinkwasser, und du brauchst ein Bad.«

»Ich dachte, du seist besorgt, daß wir dort in eine Falle laufen«, entgegnete Rianna.

»Das bin ich auch. Aber zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht könnten wir es riskieren. Der Mond zur Hölle, es ist ein Mond für uns –, die Welt da oben gibt uns genug Licht, so daß wir unseren Weg gut genug dafür finden können. Aber um Mitternacht sollten wir weit weg sein. Ich nehme an, den Jägern bereitet es eine große Freude, da drinnen Verstecken zu spielen, wenn eines der Beutetiere glaubt, es sei ein guter Ort, um sich zu verbergen.«

Rianna sah zum Himmel hinauf. »Bald Sonnenuntergang. Gott sei Dank.« Dallith nickte grimmig. »Aber wir sind überfällig für einen Angriff. Ich vermute, sie lieben es, direkt vor Sonnenuntergang anzugreifen, weil dann ihre Beute müde ist vom Herumlaufen und bereit, die Wachsamkeit fallen zu lassen.«

»Ich glaube, du hast recht«, sagte Dane, »was bedeutet, daß es die beste Zeit ist, unsere Wachsamkeit auf der Höhe zu halten. Nun, laßt uns gehen. Ich würde die Ruinen gerne genau nach Sonnenuntergang erreichen und vermeiden, daß wir uns den Weg hinein erkämpfen müssen.«

Tage des Umherziehens, immer auf der Hut vor Angriffen, hatten ihr Anordnung vervollkommnet; aber jedes Mal, wenn sie sich zum Aufbruch formierten, vermißte Dane noch immer Cliffs Wachsamkeit. Nun, als sie den Gipfel eines kleinen Hügels erklommen, sah Dane eine Bewegung unter sich im Unterholz und das Aufblitzen von bräunlichem Gold. Ein Mekhar oder eine von den katzenähnlichen Gestalten, gegen die sie jetzt schon zweimal gekämpft hatten.

Er machte den anderen hinter sich ein Zeichen. Sie hielten an und nahmen ihre Verteidigungsstellung ein. Rianna kniete nieder und stützte den Schaft ihres Speeres gegen einen Felsblock hinter sich. Aratak und Dane stellten sich auf beiden Seiten auf. Dallith sprang auf die Spitze des Felsens, die Schleuder schußbereit.

Der Löwenmann schaute einen Moment zu ihnen herüber, dann drehte er sich um, rannte los und verschwand im Gebüsch. Dane stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und senkte seine Klinge.

»Ich glaube nicht, daß das ein Jäger war«, sagte Dallith hinter ihm. »Er schien sich auch zu fürchten. Ich glaube, es war ein Beutetier, wie wir selbst.«

»Wir können uns dessen nicht sicher sein«, sagte Dane. Fast jeder, dachte er, würde sich beim Anblick von Arataks Riesenkeule fürchten. Sogar ein Jäger könnte leichtere Beute vorziehen. Der Knoten am Ende der Keule war fast zweimal so groß wie Danes Kopf.

Dallith sprang vom Felsen herunter. »Er fühlte sich nicht so an wie das Wesen, das den armen Klippenkletterer getötet hat«, beharrte sie. »Ich fühlte ihn …« Sie zögerte, suchte nach Worten, »… ein bißchen wie Cliff selbst. Nur nicht so tapfer.«

»Wahrscheinlich einer von den Mekhar die beiden, die er gewöhnliche Kriminelle oder Diebe genannt hat«, sagte Dane und spürte eine seltsame, geteilte Reaktion in sich: Auf der einen Seite war der Wunsch, den armen, verängstigten Mekhar zu finden, der trotz allem von Cliffs Art war, wenn auch nicht von seiner Klasse; auf der anderen Seite eine merkwürdige Abneigung dagegen, sich mit jemandem zusammenzutun, den der Klippenkletterer offenbar für unter seiner Würde befunden hatte. »Aber wir könnten die Augen und Ohren eines Mekhar jetzt gebrauchen«, sagte er, »und wenn nur, um dir ein bißchen Ruhe zu verschaffen, Dallith.«

Rianna ließ ihren Speer fallen. »Ich habe keine Veranlassung, die Mekhar zu lieben«, sagte sie grimmig, »sie haben uns schließlich hierher gebracht. Was mich betrifft, können die Jäger sie haben, und zwar gerne. Sie sind sich alle ziemlich gleich, finde ich.«

Dane sagte nichts mehr. Darüber hinaus, dachte er, konnte es immer noch ein Jäger sein. Dallith konnte sich geirrt haben.

Ich habe es satt, das Jagdwild zu sein, dachte er. Am liebsten würde ich anfangen, sie zu hetzen. Aber das war albern und er wußte es. Vor allem wußten sie ja nicht einmal, ob die Jäger getötet werden konnten. Jemand, der mit aufgerissener Kehle wegrennen konnte, war kein gewöhnlicher Protofeline. Das nächste Mal werde ich ihm den Kopf abschlagen und sehen, ob der Krüppel dann auch noch so munter ist!

»Sollen wir weitergehen?« schlug Aratak vor. »Auch wenn dieses Katzenwesen Jagdwild war, könnte ein Jäger hinter ihm her sein.«

Langsam stiegen sie den Hang hinunter und folgten dann dem Tallauf, wobei sie den leichtesten Weg nahmen, um sich nicht zu ermüden. Trotzdem hielten sie immer wachsam nach Möglichkeiten eines Hinterhaltes Ausschau.

Dane dachte über die verschiedenen Begegnungen nach, die sie gehabt hatten. »Auch wenn wir einigen unserer Mitgejagten unrecht tun«, sagte er schließlich, »so wissen wir doch jetzt einigermaßen genau, welche Art Kreaturen wir um jeden Preis vermeiden sollten. Beide Jäger, denen wir tatsächlich gegenüberstanden, waren Mekhar oder wenigstens Protofelinen und dem Typus der Mekhar so ähnlich, daß sie Cliff vortäuschen konnten, es sei einer von seiner eigenen Sippe. Wenn wir alles meiden, was auch nur entfernt wie ein Mekhar aussieht, sollten wir sicher sein.«

»Ich bin immer noch nicht überzeugt«, meinte Aratak eigensinnig. »Erinnert euch an den anderen Protosaurier in der Waffenkammer, der denselben Verschwindetrick vorführte wie der nachgemachte Mekhar. Ich glaube immer noch, daß die Jäger aus mehr als einer Spezies bestehen.«

Die Sonne sank herab. Verstohlene Gestalten beobachteten sie manchmal aus der Entfernung, und einmal sagte Dallith, sie fühle, daß einer der Verfolger in der Nähe sei, aber niemand näherte sich ihnen.

»Die Tatsache allein, daß wie gemeinsam umherziehen, bietet vielleicht einigen Schutz«, sagte Aratak. »Die meisten anderen Beutetiere könnten denken, daß jede organisierte Gruppe Jäger sein müssen.«

»Und die Jäger«, sagte Dane, »suchen sich wahrscheinlich zuerst die leichteren Opfer heraus. Oder die, die sie täuschen können wie den armen Klippenkletterer.«

Aratak sagte grimmig: »Wenn ich recht habe und es mehr als eine Spezies gibt, dann würde ich mich sehr in acht nehmen vor allem, was wie ein Mensch aussieht und sich mir zu nähern versucht, wenn ich du wäre, Dane.«

»Verdammt«, sagte Rianna plötzlich. »Ich habe das Gefühl, daß ich die Antwort wissen müßte. Aber ich kann es nicht zu fassen kriegen. Es juckt mir im Kopf.«

»Spare deinen Atem«, sagte Dane freundlich. »Erzähl es uns später. Es ist nur noch etwa eine Stunde bis Sonnenuntergang, dann können wir uns ausruhen.«

Sie gingen eine Zeit lang schweigend weiter; plötzlich, als sie aus dem länger werdenden Schatten eines Felsens heraustraten, blieb Dallith, wie von der Tarantel gestochen, stehen und rief ihnen leise zu, sie möchten warten.

Sie standen still und gespannt, wie Rehe, die den Wind wittern, bis sie sagte: »Einer von ihnen ist sehr nahe, und er schleicht er ist auf einer Fährte aber ich glaube, er ist hinter jemand anders her ich kann spüren …«

Sie hielt inne, als in der Nähe ein Aufschrei zu hören war, dann das Geräusch von Metall, das auf Metall prallt. »Sie kämpfen dort drüben, hinter dem Paß …«

Sie zeigte nach vorn, wo zwei steinerne Säulen sich erhoben und eine schmale, torartige Spalte bildeten. Dane riß hastig sein Schwert heraus.

»Zum Teufel damit! Sie warten nur darauf, ein paar andere arme Deppen zu erledigen, bevor sie auf uns losgehen! Sie wollen uns einen nach dem anderen töten, und wir machen nicht mit, also heben sie sich uns bis zuletzt auf. Laßt uns den Spieß umdrehen, wenn wir können und damit beginnen, daß wir dem armen Teufel dort drinnen helfen!«

»Du bist verrückt«, zischte Rianna leise, aber Aratak schulterte seine riesige Keule und ging auf die Felsspalte zu.

»Es liegt Weisheit im Zusammenhalten«, sagte er. »Wenn wir rechtzeitig hinkommen, um zu helfen und wenn wir die Jäger von den Gejagten unterscheiden können.« Er fiel in sein stolperndes Rennen; Dane eilte ihm nach. Dallith stand einen Moment wie erstarrt und rannte dann hinter ihnen her, und Rianna bildete widerstrebend die Nachhut. Aber als er sich seinen Weg durch die Spalte suchte, begann Danes Wut abzukühlen. Vielleicht war es verrückt! Sein ganzes Wesen wehrte sich dagegen, daneben zu stehen und sich nicht einzumischen, während eine Mitkreatur fast in Hörweite zu Tode gequält wurde; aber er setzte auch Arataks Leben aufs Spiel und die Leben der beiden Frauen, um jemandem zu helfen, den sie nicht kannten, dem sie nicht trauen konnten und den sie vielleicht nicht einmal retten konnten, und um jemanden töten zu wollen, der möglicherweise gar nicht getötet werden konnte Wir müssen immer noch vier oder fünf Tage durchhalten; wir sollten unsere Kräfte schonen, dachte er.

Er drängte sich durch die Spalte und sah auf ein kleines, rundes natürliches Amphitheater unter sich. Hinter ihm stieß Rianna einen leisen Schreckensruf aus.

Einer der Katzenmänner lag offensichtlich tot auf der Seite. Ein anderer, der etwas wie ein europäisches Zweihandschwert schwang, stand einem Spinnenmann gegenüber von der gleichen Rasse wie der Überlebende der letzten Jagd, wie jener eine, den sie im Wildreservat auf der Welt der Jäger gefeiert und geehrt gesehen hatten. Und jetzt war ihm klar, wie es dem spindeldürren, zerbrechlich aussehenden Wesen gelungen war, allein eine ganze Jagd zu überleben.

Das Spinnenwesen eilte auf vieren seiner eigenartig unterteilten Glieder vor und zurück und vermied dabei geschickt die aufblitzenden Schläge des Katzenmannes, während die anderen vier Glieder Dane starrte ihn an: ein Arm war immer damit beschäftigt, den kleinen Metallschild zu halten, mit dem er die Angriffe des Mekhar oder des Pseudo-Mekhar parierte. Die anderen drei Glieder wirbelten eine lange, scharfschneidige Lanze, deren Spitze fast die Länge eines Schwertes hatte. Und wenigstens einmal sah Dane, wie die Kreatur den Schild mit unglaublicher Behendigkeit von einem Arm zum andern wechselte. Das Wesen jonglierte mit seinen Waffen!

Und wie tödlich dieser Stil war, merkten sie fast im selben Augenblick. Noch ehe sie ganz aus dem Felsentor herausgetreten waren, sahen sie den Schaft des Speeres herunterschwingen, um den Pseudo-Mekhar hinter den Beinen zu erwischen und ihn zum Straucheln zu bringen. Als er fiel, zielte die Speerspitze schon auf seinen Kopf. Der Löwenmann fing den Schlag mit seinem schweren Schild ab, aber nur mit Mühe, und taumelte auf die Füße. Dann kam der Schaft wieder herab, und diesmal sah Dane das Katzenwesen zusammensacken, als das Holz es in der Körpermitte traf. Das Schild krachte gegen das Zweihandschwert und stieß es zur Seite, und dann schwenkte die Speerspitze herum, und der Löwenkopf rollte plötzlich über den Boden. Der Körper schwankte einen Augenblick Blut quoll aus dem durchtrennten Hals und fiel dann zu Boden, zuckte kurz und blieb dann still.

Hinter sich hörte er Dallith vor Entsetzen keuchen, aber Dane konnte ein Gefühl wilder Begeisterung nicht unterdrücken.

Er hat einen von den Teufeln erledigt nein! Zwei von ihnen! Ich möchte wissen, welchen Preis die Mekhar für diese Spinnenwesen bekommen

Laut sagte er: »Wenn wir ihn dazu kriegen, sich mit uns zu verbünden, wären wir nahezu unbesiegbar.« Er schaute hinunter und sah, wie der Spinnenmann seine Waffe abwischte. »Laßt uns hinuntergehen.«

»Denk daran, wie scheu diese Wesen sind«, sagte Aratak. »Laß mich erst allein hinuntergehen und ihn im Namen der Allumfassenden Weisheit begrüßen. Vielleicht fürchtet er sich nicht vor mir.«

Der riesige Echsenmann senkte seine Keule und begann, den Hügel hinabzusteigen, die Hände offen und leer vor sich ausgestreckt. Dane steckte sein Schwert in die Scheide. Rianna folgte ihm und stützte Dallith, die unter einem Schock zu stehen schien. Natürlich sie hatte den Tod des Jägers gespürt. Er drehte sich besorgt zu ihr um und nahm ihre Hände in die seinen. Sie waren kalt und kraftlos, und eine Minute lang dachte er, sie würde das Bewußtsein verlieren.

Während er sich um Dallith kümmerte, hörte er Arataks tiefe, rasselnde Stimme, und als er einen schnellen Blick über die Schulter warf, sah er, wie der Spinnenmann zurückwich, den Schild und die lange Lanze drohend erhoben.

»Hab keine Angst. Ich bin kein Jäger, sondern Wild wie du selbst«, hörten sie Aratak sagen. Dallith schüttelte ihren kurz geschorenen Kopf und schien wieder etwas zu sich zu kommen. Sie lauschte gespannt und aufmerksam seinen Worten.

»Ich begrüße dich im Namen der Allumfassenden Weisheit und des Friedens«, sagte Aratak. »Wenn wir uns gegen unsere Feinde verbünden können, wird unsere Überlebenschance erheblich größer sein. Kannst du verstehen, was ich sage? Kannst du mir antworten?«

Dallith kam in Bewegung. »Was tut er da unten?« fragte sie mit schwacher Stimme, und dann weiteten sich ihre Augen plötzlich. Sie machte sich von Dane und Rianna los und griff nach ihrer Schleuder.

»Aratak, paß auf!« schrie sie. »Das ist der Jäger!« Dane wirbelte herum und sah den Spinnenmann vorschnellen. Sein Speer zielte auf die ungeschützte Brust des Sauriers.

Dane rief ihm zu durchzuhalten und zog sein Schwert, während er den Hügel hinunterjagte. Arataks linker Arm fuhr in einer Karate-Blockierung, die ihm Dane gezeigt hatte, nach oben, und er schlug den Speer zur Seite, während seine andere Hand nach der Axt an seinem Gürtel griff.

Einer von Dalliths Schleudersteinen zischte durch die Luft und traf mit einem hörbaren Schlag auf den Unterleib des Spinnenwesens.

Der Spinnenmann wich zurück, unverletzt, aber überrascht. Er erholte sich sofort, aber Aratak hatte schon seine Axt in der Hand. Er brüllte, ein gewaltiges Donnern, das die Erde zittern ließ, und die monströse Axt krachte herunter, um unbeirrbar von dem Schild aufgefangen zu werden. Was für ein Metall es auch immer sein mochte, es war hart. Aber Aratak mußte zurückweichen, um einem Konterstoß mit dem Speer zu entgehen, und Dane wurde klar, daß der Schild allein dem Spinnenmann schon einen großen Vorteil verschaffte, auch ohne die tödliche Effizienz des dreiarmig wirbelnden Speeres. Es war, als wollte man versuchen, in die drehenden Propellerblätter eines Hubschraubers zu laufen. Durch das Drehen allein wäre die Waffe schon tödlich genug; sie könnte die Knochen eines jeden normalen Lebewesens brechen. Aber sie hat noch diese lange Klinge am Ende Dane rannte weiter den Hügel hinunter, nicht sicher, welche wirkliche Hilfe er seinem Freund leisten konnte, außer mit ihm zu sterben.

Mit seiner Keule hätte Aratak eine Chance haben können. Zumindest hätte er den Gegner erreichen können. So wie die Dinge lagen, gab die Länge des Speeres dem Jäger alle Vorteile in die Hand; der Echsenmann konnte mit seiner Axt nichts anfangen, wenn er nicht auf Armeslänge an seinen Feind herankam, aber überall im Umkreis von fünf Metern wäre er in der Reichweite des tödlich wirbelnden Speeres gewesen. Eine normale Lanzentechnik, die aus geraden Stößen besteht, hätte für Aratak einen Vorteil bedeutet, wenn er in den Stoßkreis des Speeres hätte vordringen können; aber mit all diesen Händen konnte die Spinne den Speer wahrscheinlich so herumdrehen, daß sie eine Fliege von ihrer Nase schneiden konnte, wenn sie wollte.

Ein weiterer Schleuderstein sauste durch die Luft und traf den Spinnenmann in der Mitte, auf dem grauen, haarigen Brustkasten. Die Spinne stolperte mit einem klagenden Schrei, nur für einen Augenblick, aber es unterbrach das gleichmäßige Drehen des Speeres.

Er wirbelte herunter und versetzte Aratak einen Schlag, der ihn zurücktaumeln ließ und jedem anderen als einem Protosaurier den Schädelknochen zertrümmert hätte –, aber es gelang Aratak, sich außer Reichweite zu rollen, bevor der Spinnenmann wieder die volle Kontrolle über seine Waffe gewonnen hatte. Dane hatte die beiden jetzt erreicht und schnellte auf eine Seite, um dem Spinnenmann in den Rücken zu fallen.

Der Jäger sah ihn. Die Lanze drehte sich bedrohlich in seine Richtung, und nur ein weiteres Geschoß gegen einen der grauen, zottigen Arme bewahrte Dane davor, ausgelöscht zu werden. Er tänzelte gerade noch rechtzeitig aus dem Weg. Seine Bewegung war ein reines Ablenkungsmanöver gewesen, von keinerlei Wert für einen Angriff. Aber es hatte diesmal funktioniert, denn Aratak kam unter Schmerzen auf die Füße.

Aber Ausweichen nützte nichts. Das Ding war zu schnell.

Ein weiterer Stein aus Dalliths Schlinge traf das Ding in die Seite. Diesmal mußte sie ihn verletzt haben, den er sprang zurück, von dem Stoß überrascht, und Dane eilte dicht heran und schlitzte dem Wesen die graue, zottige Haut des Unterleibes auf.

Es war, als würde er Käse schneiden. Die Klinge glitt leicht hindurch, aber es floß kein Blut. Die einzige Reaktion war der plötzliche Speerstoß, der in den Boden drang, als Dane, nur durch die geringere Schwerkraft gerettet, zur Seite sprang. Etwas Graues und Klebriges hing an Danes Klinge. Ein weiterer Stein schlug gegen die Seite der Kreatur, als Dane hastig vor einem zweiten Stoß zurückwich. Er rief Aratak zu: »Jetzt, während er betäubt ist bevor er wieder anfängt, den Speer herumzuwirbeln …« Aber der große Saurier schwankte von einer Seite zur anderen, während er versuchte, seine Axt herauszuziehen, noch immer benommen von dem Schlag, den er eingesteckt hatte.

Und plötzlich sah Dane Rianna, den Speer gesenkt und im Bajonettstil vor sich ausgestreckt, auf sich zurennen. Bravo, Mädchen, vielleicht ist das die Antwort o Gott, nein, ihr Speer ist nicht lang genug, und er hat den Schild! Sie ist verloren, wenn ich ihn nicht ablenke schnell!

Er rannte schreiend auf das Wesen zu, die Klinge in klassischem Schutz gegen Speerangriffe gegen die Schulter gedrückt. Was es gegen diesen verdammten Flugzeugpropeller nützen soll, weiß ich allerdings nicht. Und im selben Augenblick brüllte Aratak wieder auf und griff ein. Der wirbelnde Speer sah aus wie eine Scheide. Er zog eine rote Linie quer über Arataks Brust, schlug Rianna den Speer geringschätzig aus den Händen er flog zerbrochen in die Dunkelheit und senkte sich dann gegen ihre Beine.

Dane hörte durch die sich verfinsternde Scheibe ihren Schmerzensschrei. Er sprang auf eines der Beine des Spinnenwesens zu und hieb mit aller Kraft darauf ein.

Das half. Er hätte früher daran denken sollen. Der große Brocken brach nach hinten zusammen. Das Ding wandte seinen Speer gegen Dane und schlug mit seinen zwei hinteren Armen auf ihn ein, aber Dane konnte diesen Schlag parieren. Sein Schwert peitschte mit der vollen Kraft seiner Schultern gegen die grauen Glieder, und als der Speer unschädlich nach hinten glitt, schwenkte er es gegen das andere Bein auf dieser Seite. Mach ihn so zum Krüppel, daß er das Weite sucht Aber das Bein zog sich vor seinem Hieb mit blitzartiger Geschwindigkeit zurück. Über den zusammengekauerten Körper der Kreatur hinweg sah er plötzlich Aratak, die Axt gehoben für einen fürchterlichen Schlag gegen den Leib des Wesens.

Der Speer schnellte zurück. Der Schaft traf Aratak an der Schulter und stieß ihn zurück. Die Kreatur sprang auf ihren drei gesunden Beinen hoch in die Luft, landete in einiger Entfernung als Kugel und kam in einem geduckten, pulsierenden Knäuel auf die Füße. Große, rote Augen verdrehten sich, um sie zu beobachten.

Dane warf einen schnellen Blick zurück zu der Stelle, wo Rianna stöhnend am Boden lag. Sie war noch am Leben, aber ein Arm lag verdreht unter ihr, und die Seite ihrer Tunika war vom Blut rot gefärbt. Aratak schien unverletzt zu sein, obwohl er sich die Schulter hielt, wo der Lanzenschaft ihn getroffen hatte.

Wird es wegrennen? Oder wieder angreifen?

Das Spinnenwesen ließ ein hohes Klagen hören fast wie der Laut, den das Katzenwesen von sich gegeben hatte, als Dane seinen Arm erwischt hatte –, dem fast augenblicklich ein Aufschrei Dalliths vom Hügel folgte.

»Lauft weg, schnell! Er ruft um Hilfe paßt auf!«

Und der Spinnenmann griff an.

Er hatte einen seiner Arme zu Boden gelassen, der ihm jetzt das verwundete Bein ersetzte, und besaß damit vier Gliedmaßen, auf denen er gehen konnte. Er trippelte mit alarmierender Schnelligkeit auf sie zu und wirbelte den Speer mit zwei Armen, während er mit dem dritten den Kopf und den Oberkörper deckte. Aratak und Dane hatten zu nichts anderem Zeit, als mit gezogenen Waffen zusammenzurücken. Ein Schleudergeschoß traf ein Bein der Spinne; ein zweites fing er mit einer geschickten Bewegung seines Schildes ab. Aber sein Kopf muß verwundbar sein, sonst würde er das Schild nicht benötigen! dachte Dane. Dann war er über ihnen, und die wirbelnde Lanzenspitze zwang sie, ihm Boden zu lassen. Aber Dane zählte die Schläge und versuchte, die Umdrehungen abzuschätzen. Wenn er schnell genug hineinspringen und an den Kopf der Spinne gelangen konnte, ehe der Schaft ihn erwischte Dalliths Schleudersteine sausten immer noch um den Kopf der Kreatur, obwohl die meisten von ihnen mit einem metallenen Klang auf den Schild prallten.

Sie hat das mit dem Kopf begriffen oh, gutes Mädchen, dachte Dane.

Plötzlich gab es ein hartes Krachen! Das Ding erbebte, und seine Arme hingen schlaff herunter. Der Speerwirbel ließ nach und geriet außer Kontrolle.

Dane sprang.

Aber der lange, zottige Arm stieß ihm den Schild entgegen, und plötzlich wurde Danes Klinge gegen seinen Körper gedrückt, festgeklemmt durch den Druck des Schildes. Hilflos sah er, wie die Lanzenspitze sich seinem Hals näherte.

Und dann explodierte der Kopf des Spinnenwesens in einer Fontäne herausschießenden Blutes, als einer der Schleudersteine direkt auf seinen Schädel krachte; im selben Moment hackte Arataks Axt den Arm ab, der den Speer hielt. Das Wesen brach zusammen, Blut strömte immer noch aus seinem zerschmetterten Kopf.

Dane taumelte zurück. War es wirklich tot? Aratak teilte offensichtlich seine Zweifel, denn er hob die große Axt und trennte die Verbindung zwischen dem Oberkörper und dem Unterleib durch. Noch mehr Blut quoll heraus, wurde zu einem Rinnsal, dann zu einem Tröpfchen und versiegte schließlich ganz.

»Beeilt euch!« schrie Dallith ihnen zu. »Sie kommen! Hier entlang, schnell!« Und tatsächlich erschienen Gestalten über dem entfernten Berggipfel.

Während er sein Schwert in die Scheide steckte, rannte Dane zu Rianna hinüber. Sie schrie auf vor Schmerz, als er sie hochhob, legte aber ihren unverletzten Arm um seine Schulter. Er sah, daß sie sich auf die Lippen biß, um nicht laut aufzuschreien, als er sie aufhob und mit ihr zu der Felsspalte rannte, Aratak dicht auf seinen Fersen.

Sie rannten auf den Durchgang zu, wo Dallith sie erwartete. Die Schleuder wirbelte immer noch um ihren Kopf, ein über das andere Mal zum Einlegen eines neuen Steins verharrend. Aratak bückte sich, um seine Keule aufzuheben, und Dane sah, daß er auch den Speer des toten Jägers mitgenommen hatte.

»Wohin jetzt?«

»Die Ruinen. Wir haben keine andere Wahl. Wir können nicht weit laufen und Rianna tragen«, sagte Dane, nach Luft ringend, »aber wir können uns dort verstecken.« Rianna war eine zierliche Frau, aber sie schien eine Tonne zu wiegen; er vermutete, daß er sie bei normaler Schwerkraft gar nicht hätte tragen können.

»Hier.« Aratak schwang die Keule über seine Schulter und beugte sich herunter, um Rianna von Danes Armen zu nehmen. »Nimm den Speer«, sagte er und fiel mit Rianna in den Armen, in einen schwerfälligen Trab, Dane und Dallith dicht hinter ihm. Er schaute kurz zurück, als sie unter den Schatten der Stadtmauern ankamen. Aratak hatte offensichtlich recht gehabt. Eine Anzahl Jäger es mußten Jäger sein kletterten hinter ihnen den Hang hinauf. Es war ein Katzenmann vom Mekhar-Typus dabei. Dann gab es eine oder zwei Gestalten, die menschlich aussahen. Und Dane hatte das Gefühl, als stünden seine Haare senkrecht zu Berge, als er eine der Spinnenkreaturen sah.

Mein Gott, wir haben diesen einen getötet! Ich war mir sicher, daß wir ihn getötet haben! Oder gab es noch einen anderen? Ich dachte, sie seien selten

Die Beutegruppe wurde durch Riannas Transport aufgehalten, und hinter ihnen holten die Jäger auf. Aratak lief an den zerfallenen Mauern entlang und hielt nach einem Durchschlupf Ausschau. Rianna lag schlaff in seinen Armen tot oder bewußtlos, Dane konnte es nicht einmal erraten –, und Dallith taumelte.

»Hier«, sagte Aratak. Sein Atem ging in keuchenden Stößen. Er legte Rianna auf den Boden und warf sich gegen einen heruntergefallenen Stein, der ein Loch in der Mauer versperrte. Dallith stolperte hindurch. Dane hob Riannas anscheinend leblosen Körper auf und folgte Dallith in das Halbdunkel. Hinter ihnen wuchtete Aratak den Stein an seinen Platz zurück. Und hinter ihnen ging die Sonne unter und war verschwunden.

Aratak ließ sich hechelnd zu Boden fallen. »Sonnenuntergang«, sagte er grimmig. »Schau. Sie entfernen sich.«

»Mit dem Glockenschlag gerettet, könnte man sagen«, stimmte Dane zu.

Dallith murmelte: »Ich bin überrascht. Ich dachte, sie werden uns folgen so nah …« Jetzt, als alles vorüber war, weinte sie.

Dane war ebenfalls überrascht es schien, daß die Jäger nahe genug waren, um sie zu erledigen, Sonnenuntergang oder nicht. Ihm war grimmig zumute. Er beugte sich über Rianna und war darauf gefaßt festzustellen, daß sie tot war.

Aber sie atmete, und er untersuchte ihre Wunden, während Dallith an seiner Seite kniete.

Ihr Arm hing schlaff herunter, und sie stöhnte, als er ihre Schulter berührte. Er vermutete, daß der Arm gebrochen oder zumindest verrenkt war. Das Blut auf ihrer Tunika stammte von einem langen, schlimmen Schnitt, der hoch an der Hüfte begann und bis zum Schenkel verlief. Er war fast bis auf den Knochen gedrungen, aber als Dane ihn im verblassenden Licht untersuchte, schien es hauptsächlich eine Fleischwunde zu sein, denn das Blut war bereits dickflüssig geronnen.

Aratak riß einige lange Streifen von seiner Tunika ab und sagte ruhig: »Ich kann sie besser entbehren. Meine Haut hat weniger Schutz nötig als eure.« Das war so einleuchtend, daß weder Dane noch Dallith etwas dagegen einwandten. Aratak trug normalerweise überhaupt keine Kleidung, und er hatte die Tunika nur angezogen, weil Diener darauf bestanden hatte. Er verband Riannas Beinwunde und untersuchte den verletzten Arm. »Eine Sehne in der Schulter ist gezerrt«, sagte er. »Sie wird ihren Arm für eine Weile nicht gebrauchen können. Aber besser der Arm als das Bein. Sie kann immer noch laufen, wenn sie muß.«

Dallith entfernte sich, um Wasser zu suchen, und sagte, als sie zurückkam, daß in der Nähe ein Steinbecken mit fließendem Wasser gäbe, das offensichtlich früher einmal ein Brunnen gewesen sei. Sie trugen Rianna im letzten Tageslicht dorthin und legten sie auf ihren eigenen und Arataks Umhang. Dann setzten sie sich auf den Rand des Steinbeckens, ruhten sich aus und aßen einen Teil ihres übrig gebliebenen Proviants.

»Bis Mitternacht sind wir in Sicherheit«, sagte Dane, »aber danach gibt es nichts, was sie daran hindern kann, diese Mauer einzureißen und über uns herzufallen. Ich weiß nicht, warum sie es nicht schon getan haben.«

Aratak sagte nachdenklich: »Ich glaube, ich weiß es. Denkt daran, welchen großen Wert sie auf Mut und Geschicklichkeit legen. Wir sind offensichtlich etwas Besonderes, und sie werden sich gerade darum an die Regeln halten. Denkt auch daran, daß sie wahrscheinlich glauben, sie hätten Rianna getötet.«

»Wir scheinen auch ein bißchen getötet zu haben«, sagte Dane. »Wenn diese Dinger überhaupt getötet werden können«, fügte er hinzu. »Erwachen sie wieder zum Leben? Ich schaute zurück und sah dasselbe Spinnending oder seinen Zwillingsbruder, wie es uns folgte.«

»Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen«, sagte Aratak. »Sie haben ganz sicher keine mir bekannte Lebensform.«

Dane dachte darüber nach. Er hatte einen Jäger getötet, der wie ein Mekhar aussah, und das Ding war mit aufgerissener Kehle davongelaufen. Sie hätten den Kopf des Spinnenmannes vom Körper abtrennen müssen, um ihn zu töten. »Du sagtest, daß es mehr als eine Spezies sei«, grübelte er. »Haben die Jäger vielleicht gelernt, ihren Rekruten die Macht zu geben, verlorene Körperteile zu regenerieren?«

Aratak sagte grimmig: »Vielleicht ist dies der Ewige Jagdgrund. Es gibt eine Legende in der Überlieferung der Salamander wie bei den meisten kriegerischen Rassen –, daß es irgendwo einen Jagdgrund gibt, in den jeder gute Jäger nach seinem Tode kommt, um in ewiger Schlacht zu leben jeden Tag zu kämpfen und in der Nacht zu feiern, während die Wunden wieder heilen für den Kampf am nächsten Tag. Überflüssig zu sagen, daß es nicht meine Vorstellung vom Himmel ist, aber die Salamander schienen damit zufrieden zu sein.«

Dane sagte: »Bei uns gibt es diese Legende auch. Wir nennen den Ort Walhalla.« Seine Haut prickelte, aber er sagte fest: »Ich weigere mich zu glauben, daß alle toten Helden der Galaxis hierher kommen, um sich hier in alle Ewigkeit am Kämpfen zu erfreuen.«

»Ich habe nicht gesagt, daß ich es glaube«, entgegnete Aratak. »Aber wir scheinen einer ähnlichen Situation gegenüberzustehen. Vielleicht ist es Hypnose die Jäger sind alle von einer Gestalt, können aber unsere Vorstellung so beeinflussen, daß wir sie in der Form sehen, die wir am meisten fürchten.«

Dallith sagte: »Das glaube ich nicht. Wenn sie Furcht in unsere Gedanken übertragen, um uns in der einen oder anderen Art zu erscheinen, warum sehen wir sie dann alle genauso? Cliff hatte keine Angst vor dem Mekhar im Gegenteil, er freute sich, ihn zu sehen. Er hat diese Gestalt angenommen, um Cliff eine Falle zu stellen!«

Dane fragte: »Willst du mir ernsthaft erzählen, du glaubst, diese Dinger ändern ihre Erscheinung?«

»Ich kann es nicht beweisen«, entgegnete sie. Sie kaute auf einem Stück Trockenfrucht, schluckte es hinunter und spuckte den Kern aus. »Aber ich glaube es.«

»Es ist möglich«, sagte Aratak, »daß sie überhaupt nicht getötet werden können daß am Ende das Spiel für uns einfach darin besteht, sie weiter zu bekämpfen, bis die Finsternis uns erlöst. Wenn wir dann noch am Leben sind, haben wir das Spiel gewonnen.«

»Nein. Man kann sie töten«, sagte Dane. »Erinnert ihr euch an das Fest? Neunzehn sind heimgegangen zu ihren berühmten Vorfahren Es ist nicht leicht, sie zu töten, aber ich wette, daß einer, gegen den wir gekämpft haben, tot ist.«

Dallith sagte zögernd: »Als sie uns folgten, hatte ich das Gefühl, daß eine furchtbare Katastrophe abgewendet worden ist für sie, meine ich. Daß sie irgendwie schreckliche Angst vor etwas hatten, das wir ihnen antun könnten.«

»Zum Teufel, ich wünschte, ich wüßte, was es ist«, sagte Dane mürrisch. »Ich würde es liebend gerne tun.« Aber bevor sie weiterreden konnten, stöhnte Rianna leise, öffnete die Augen und versuchte, sich aufzusetzen. Dallith ging schnell zu ihr.

»Beweg dich nicht«, sagte sie. »Es wird alles wieder gut. Aber versuche, dich auszuruhen, solange du kannst.«

Riannas Stimme klang leise und benommen. »Ich war sicher, daß ihr alle tot sein würdet«, sagte sie, »und daß ich allein aufwachen würde mit euren Leichen um mich herum was ist geschehen? Habt ihr das Ding getötet?«

Gemeinsam gaben sie ihr eine knappe Schilderung des Kampfausgangs. Sie sah sich in den schattenhaften Ruinen um. Die ziegelrote Welt der Jäger ging gerade über ihnen auf.

»Hier bin ich nun in der Stadt«, sagte sie. »Ich wollte mehr darüber wissen. Und ich bin überhaupt nicht in der Verfassung, auf Entdeckungsreise zu gehen. Pech!« Vorsichtig bewegte sie ihren Arm und das Bein. »Ich scheine noch einigermaßen intakt zu sein, bin aber halb tot vor Durst. Ich höre Wasser fließen; kann ich etwas zu trinken haben?«