Karen Travis

Bonusstory

Boba Fett:

EIN PRAGMATIKER

Aus dem Englischen

von Andreas Kasprzak

Im Gedenken an

Feldwebel 1. Klasse Daniel Crabtree, B-Kompanie,

2. Bataillon, 19. Special-Forces-Regiment (Luftwaffe) –

Vater, Ehemann, Soldat, Polizeibeamter und Star Wars-Fan:

Einer von uns.

Dramatis Personae

BOBA FETT; Mandalorianischer Mand'alor und Kopfgeldjäger

(Mensch)

BRIIKA JEBAN; Mandalorianische Kopfgeldjägerin und

Söldnerin (Menschenfrau)

CHAM DETTA; Mandalorianischer Kopfgeldjäger und Söldner

(Mensch)

DINUA JEBAN; Mandalorianische Kopfgeldjägerin und

Söldnerin (Menschenfrau)

GORAN BEVIIN; Mandalorianischer Kopfgeldjäger und

Söldner (Mensch)

KUBARIET; Jedi-Ritter (Humanoide)

NOM ANOR; Vollstrecker und Spion (männlicher Yuuzhan Vong)

SUVAR DETTA; Mandalorianischer Kopfgeldjäger und Söldner

(Mensch)

TIROC VHON; Mandalorianischer Kopfgeldjäger und Söldner

(Mensch)

Bonusstory

Kriegsherr, wir denken zu häufig in Begriffen des Dualismus: Jedi oder Sith, hell oder dunkel, richtig oder falsch. Aber diese Klinge hat drei Schneiden, nicht zwei, die einander entgehenstehen und sich zugleich doch ähnlich sind. Die dritte Schneide sind die Mandalorianer. Alle drei Schneiden scheren sich nicht um Kasten oder Rassen, sondern sind einzig einem Kodex verbunden, der sie vereint Die Mandalorianer sind nach wie vor der Respekt einflößendste Feind der Jedi, doch die Sith sind nicht immer ihre Verbündeten. Die Mandalorianer huldigten einst dem Krieg selbst, dann kehrten sie ihrem Gott einfach den Rücken. Eines Tages beginnt Ihr womöglich, sie zu verstehen.

- Vergere erklärt den Yuuzhan Vong die galaktische Politik, kurz vor ihrer Invasion der Galaxis, 25. A. B. Y.

CORUSCANT, 24 A. B. Y.: IN DER UNTERSTEN EBENE, WO SICH NIEMAND, DER KLAREN VERSTANDES IST, NACHTS HINWAGEN WÜRDE.

Boba Fett senkte den Blaster und legte an.

»Du kannst weglaufen«, sagte er. »Aber dann stirbst du bloß erschöpft.«

Seine Stimme drang rau aus dem Audioverstärker. Er musste nie brüllen, es gelang ihm stets auch so. sich Gehör zu verschaffen. Seine Zielperson - ein rodianischer Fälscher namens Wac Bur, der für seine Rasse ungewöhnlich übergewichtig war - hatte ihm seine Zurückhaltung damit gedankt, dass er in zunehmend verzweifelteren labyrinthartigen Kreisen in die Tiefen des Viertels gerannt war und sich nun in einer Sackgasse befand.

Wac bedeutete Glück auf Rodianisch. Doch Wac Bur war kein Musterbeispiel für das Glück seiner Spezies - nicht im Geringsten.

»Lebend oder tot«, erinnerte ihn Fett. Die Thermalanzeige seines Blaster-Zielsensors hatte Wac gefunden. Der hatte sich unter einem Haufen weggeworfener Packkisten verkrochen und strahlte dankenswerterweise Wärme aus. »Tot ist einfacher. Komm da raus. Ich bin ein vielbeschäftigter Mann.«

Die Stimme drang gedämpft und bedauernswert unter den Kisten hervor. »Warum tun Sie mir das an? Ich bin Ihnen nie irgendwie in die Quere gekommen, Fett.«

»Ich weiß«, sagte Fett. »Aber du hast Gebbu gefälschte Kunstwerke verhökert. Die Hutten sind in dieser Hinsicht ziemlich empfindlich.«

Es war genau wie in alten Zeiten. Sein geklontes Bein, eine Aufmerksamkeit seiner ehemaligen kaminoanischen Mentorin Taun We, hatte sich bei der Verfolgungsjagd hervorragend bewährt. Fett empfand bei sich selten irgendwelche Stimmung, gut oder schlecht, doch im Moment war er so gut gelaunt, wie es bei ihm nur ging, und das zum ersten Mal seit langer Zeit. Er hatte beinahe das Gefühl, als könne die Zukunft irgendetwas Positives für ihn bereithalten. Dieses Gefühl genereller Zuversicht hatte er schon seit der Kindheit nicht mehr gehabt.

Die Gasse war fünfzehn Meter breit, erstreckte sich zwanzig Meter vor ihm und hatte keine anderen Ausgänge: Es war bloß ein Käfig mit einem verängstigten Rodianer, der darin in der Falle saß. Ein rascher Scan nach Waffen - es gab keinen Grund, in dieser Hinsicht unvorsichtig zu sein - zeigte, dass Wac einen Miniblaster bei sich trug, der Fett allerdings keinen Arger machen würde. Er ging langsam auf die rostigen, bebenden Kisten zu.

»Komm in die Gänge«, sagte Fett und warf einen Blick auf die Zeitanzeige in seinem HUD.

»Sie haben nicht einen Funken Anstand in sich.« Für einen kriminellen Fälscher war Wacs Beschimpfung ziemlich gewagt. »Es ist ja nicht so, als wäre Gebbu dadurch irgendein nennenswerter Schaden entstanden. Warum machen Sie nicht Jagd auf richtige Verbrecher?«

»Weil Gebbu glaubt, dass du etwas Besonderes bist. Kommst du jetzt mit mir oder nicht?«

Die Packkisten knirschten und kratzten gegeneinander. Wac tauchte nicht auf. in gewisser Weise war das auch eine Antwort.

»In Ordnung, das ist jetzt nichts Persönliches«, sagte Fett und hob den Blaster, um sich auf das Ziel in der Thermalanzeige zu konzentrieren. Er hielt den Atem an, wie er es schon so viele Male zuvor getan hatte, und drückte ab ...

BAR JARANIZ, NAR SHADDAA: HUTTISCHER RAUM, 24 A. B. Y.

Die Ungläubigen nennen es, das Schlachtfeld bereiten.

Damit ist das sorgsame, gründliche Werk vor einem Angriff gemeint, um der Armee der Gläubigen, die nachfolgt, den Weg zu ebnen. Ich bereite alles gewissenhaft vor: ich überlasse nichts dem Zufall. Ich bin Nom Anor, Vollstrecker, und meine Aufgabe ist es, zu infiltrieren und zu destabilisieren.

Und an diesem verdreckten Ort suche ich nach Verbündeten.

Brauchen Yuuzhan Vong in dieser Abscheulichkeit von einer Galaxis überhaupt Verbündete? Nein. Früher oder später werden uns die großen Götter dafür preisen, dass wir diese Welten von ihren Maschinen und ihren verderbten Geschöpfen gereinigt haben, die sich so bereitwillig von uns versklaven lassen. Gleichwohl, ich bin Pragmatiker und Pragmatiker lassen nie einen Vorteil ungenutzt verstreichen, noch überlassen wir unserem Feind eine mächtige Armee, auf dass er sie in seine Dienste stellen möge.

Vergere sagt, eine Gruppe von Kriegern, die man die Mandalorianer nennt, seien abgesehen von den Sith die hartnäckigsten Gegner, denen die Jedi je die Stirn geboten haben. Da ich Pragmatiker bin, wüsste ich sie deshalb lieber auf meiner Seite als in meinem Rücken. Und wie all diese Entartungen verkaufen auch diese Mandalorianer ihre Loyalität und ihre geheiligte Kriegskunst gegen Credits. Sie kämpfen nicht für Götter - sie scheinen in dieser Hinsicht nicht gläubiger, als ich es bin -, sondern für Reichtum.

Doch was glauben sie, sich damit erkaufen zu können, das wichtiger ist als Ehre? Warum beflecke ich mich allein schon dadurch. Kontakt zu ihnen aufzunehmen?

Es muss getan werden, auch wenn es mehr Schmerz birgt, als ich zu ertragen vermag.

Weil die Mandalorianer ihre Fähigkeiten so günstig verschachern, weil sie keine Ehre haben, kann ich sie anheuern und für meine Zwecke einspannen.

Dies ist also ein Tapcafé. Hier werde ich vorgehen, ein Ungläubiger zu sein, und mit Entartungen sprechen. Ich kann wie sie aussehen, und ich kann wie sie reden - doch ich darf niemals einer von ihnen werden. Ich verstecke mich nun schon seit so vielen Jahren unter ihnen, dass ich fürchte, es könne geschehen. Ich flehe Yun-Harla an, mich zu führen, damit mein Leben des Blendens am Ende nicht auch mich selbst täuscht - nur für den Fall, dass sie tatsächlich existiert.

Unter dem Tisch, wo kein Ungläubiger es sehen kann, ramme ich mein Messer durch meine Handfläche. Der Schmerz ist eine Huldigung, doch er dient auch der Konzentration. Ich muss bloß noch ein einziges weiteres Jahr erdulden, bevor die Flotte eintrifft.

Ich glaube nicht an die Großen Götter, aber womöglich liege ich damit falsch. Und ich bin Pragmatiker, also halte ich mir alle Möglichkeiten offen.

Und so werde ich jetzt bestellen ... ein Bier. Und ich werde hier sitzen und warten.

BAR JARANIZ, NAR SHADDAA:
ZWEI-ZUM-PREIS-VON-EINEM-NACHT, FÜNFTER MONAT, 24 A. B. Y.

Das Schild über dem von Blasterfeuer versengten Türrahmen verkündete, dass das Jara´ niemals schloss, und ungeachtet unzähliger Bandenkriege, Schießereien und unbedeutenderer bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen Geschäftspartnern war es bislang tatsächlich noch nicht dazu gekommen.

Goran Beviin trat durch die weit geöffneten Türen des Jara´ die aus Gründen, die allein der Inhaber kannte, offen festgeschweißt waren - und blieb stehen, um die ungewöhnlich volle Bar zu scannen.

»Dort drüben.« Der Barkeeper, der gerade damit beschäftigt War, einen aufwendigen Cocktail zu mixen, drehte den Kopf mit einem Ruck in Richtung der nur schwach erhellten Nischen in der hinteren Ecke. Er hielt Fruchtstückchen. Spieße und eine himmel-blaue Spiralflasche mit 200-prozentigem Vosh in seinen Händen. »Der Hübsche in dem schwarzen Anzug. Sucht nach Mando Hilfe.«

Beviin wandte diskret den Kopf, um eine altmodische visuelle Überprüfung mit bloßem Auge durchzuführen. Shab, war der Mann hässlich. Richtig hässlich: ein Gesicht wie ein Speeder-Unfall, aber nur halb so ansehnlich. Beviin dachte daran, ihm zum Wohl der anderen Gäste einen überschüssigen Helm anzubieten. Allerdings waren die ebenso intensiv beschäftigt wie der Barkeeper, studierten die Schaumkronen ihrer Biere oder die Bröckchen in ihren Vosh-Gläsern, von denen feine Dampfschwaden aufstiegen. Es war die Art von Bar, in der die Gäste angestrengt versuchten, einander nicht anzusehen, denn das brachte einem normalerweise eine Vibroklinge ein.

Beviin streckte seine behandschuhte Hand nach einer Flasche Bier aus, in der Absicht, es später zu trinken. Er würde seinen Helm liier nicht abnehmen.

»Wir führen keine Schönheitsbehandlungen durch«, sagte der Barkeeper. »Den Kerl schon mal gesehen?«

»Nein.«

»Kein Gesicht, das man so schnell vergisst.« Auf der anderen Seite der Bar ertönte das laute Jauchzen von Frauenstimmen und Gelächter, und Beviin bemerkte eine Menschenfrau und ein junges Mädchen, beide in vollständigen, stilechten beskar'gam—mandalorianischen Kampfrüstungen -, die dicht aneinander gedrängt über einem Tisch hingen, als würden sie sich einen Jux miteinander machen. Auf dem Tisch standen jede Menge leerer Gläser neben ihren dort abgelegten Blastern. »Mal wieder Ladies Night, wie ich sehe.«

»Hören Sie, ich will hier keinen Ärger.«

»Hab auch keinen im Sinn.«

»Ich meinte die da.« Der Barkeeper legte letzte Hand an den Cocktail. »Euer Weibsvolk neigt dazu, ziemlich außer Kontrolle zu geraten.«

Beviin kannte die beiden nicht. Sie schienen sich gut zu amüsieren. und sie machten sich offensichtlich keine Gedanken darüber, dass sie die einzigen Frauen in der Bar waren, die nicht dort beschäftigt waren. Es gab kleine mandalorianische Gemeinschaften in diesem Sektor, doch das Jara´ war einer der Orte, an dem Söldner und Kopfgeldjäger Arbeit suchten, daher konnten die Frauen von überallher stammen. Ihre Rüstungen - dunkelrot. mit dem gleichen Säbelemblem, das in schwarz ihre Brustpanzer zierte - ließ erkennen, dass sie demselben Clan angehörten. und sie sahen wie Mutter und Tochter aus. Ihre Helme hatten sie auf dem Boden aufeinandergestapelt.

»Es gibt nur eins, das einem Mando—Mann Angst macht«, sagte Beviin, »und das ist eine Mando—Frau. Pass bloß auf, dass du ihre Servietten nicht vergisst.«

Sie heulten immer noch vor Lachen, als er sich quer durch die Bar seinen Weg zu den Nischen bahnte. Er hörte das Wort verd'goten. Also hatte das Mädchen endlich ihre Ausbildung zur Kriegerin abgeschlossen: Seit sie dreizehn und damit nach Mando-Verständnis zu einer erwachsenen Frau geworden war, hatte man sie für den Kampf trainiert, so wie man es auch bei Jungen machte. Sie feierten, dass sie jetzt ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft war. Er sollte zumindest ein Bier auf ihren Tisch stellen oder sich der oya manda anschließen, doch zunächst hatte er etwas Geschäftliches zu erledigen. Vielleicht später. Das Mädchen - und sie sah so ungeheuer jung aus, selbst mit diesem undefinierbaren getrockneten Skalp, der von einer ihrer Schulterplatten baumelte - ließ ihn daran denken, dass es höchste Zeit wurde, sich einen Sohn oder eine Tochter zuzulegen, um sie auszubilden.

Vielleicht später.

Der Mann in dem schwarzen Anzug verfolgte ungerührt, wie Beviin näher kam: Die Menge teilte sich wortlos und ohne neugierige Blicke, um ihn durchzulassen. Selbst die Gangsterklientel hier würde das Risiko nicht eingehen, einen Mandalorianer gegen sich aufzubringen. Beviin glitt in die Nische, nahm am Tisch gegenüber seines potentiellen Klienten Platz und legte seine Waffe auf den Tisch. Mit seinem Umgebungssensor fing er den schwachen metallischen Geruch von Blut auf. Früher am Tage musste es in der Bar zu einer Schlägerei gekommen sein.

»Wie ich höre, ist Ihr Volk sehr gut darin, Probleme zu lösen«, sagte der Mann. Er hatte wässrige blaue Augen und eine Visage, die wie der erste Versuch eines Bildhauers wirkte, aus einem Granitbrocken Gesichtszüge herauszumeißeln. Sein Gesicht war nicht etwa von Narben gezeichnet, bloß grob, roh und ohne jegliche Lebenswärme. Er legte beide behandschuhten Hände flach auf die Tischplatte, eine auf jede Seite eines Glases mit einer farblosen Flüssigkeit. »Ich habe ein Problem, das gelöst werden muss.«

»Ich bin Goran Beviin. Und Sie sind?«

»Ich dachte, Kopfgeldjäger wären diskret.«

»Diskret, ja. Dämlich, nein.« Die Angelegenheiten eines Klienten vertraulich zu behandeln, war eine Sache; nicht zu wissen, mit wem man es zu tun hatte, war etwas vollkommen anderes. »Nachdem Sie erst einmal das Risiko eingegangen sind, mir zu sagen, was Sie wollen, bezahlen Sie entweder komplett im Voraus oder geben mir genügend Informationen, um zu überprüfen, dass Sie bezahlen können.«

»Welche Ironie, das von einem Mann zu hören, der sich hinter einem Helm versteckt.«

»Ich bin Mandalorianer.« Beviin gewahrte Bewegungen hinter sich, und die Weitwinkelperspektive seines Helms zeigte ihm die Frau in der roten Rüstung, die an den Nischen vorbei in Richtung der Toiletten ging. »Den meisten Kunden genügt das normalerweise an guten Referenzen.«

Beviin konnte den Akzent des anderen nicht einordnen. Er war vierzig, vielleicht fünfundvierzig, und er war offensichtlich frustriert darüber, dass er Beviins Augen nicht sehen konnte. Die Leute suchten immer nach etwas Aussagekräftigem - ihre Blicke glitten über das Visier, von oben nach unten, von links nach rechts -, hielten instinktiv nach Gesichtsausdrücken Ausschau, die schlicht-weg nicht da waren. Manchmal war es schwieriger, Geschäfte mit Humanoiden zu tätigen als mit anderen Spezies, einfach weil sie ein Gesicht vor sich haben mussten. Wo kam dieser Kerl her? Jedenfalls aus keiner Gegend, wo man an Mando gewöhnt war, das war mal sicher.

Shab, er war wirklich ein grimmig aussehendes Stück Fleisch.

Und dann beging der Mann den Fehler, unter Tischhöhe zu greifen.

Ein Adrenalinstoß ließ Beviins Mund trocken werden, und sofort zielte sein Miniblaster auf das Gesicht des Mannes. Die Anzeige war rot und zeigte an, dass der Blaster entsichert war. Es war ein reiner Reflex, von der Art, wie man sie sich in Jahren des Krieges und des Mordens und des bloßen Bemühens, am Leben zu bleiben, aneignete. Er hatte nicht einmal darüber nachgedacht. Seine Hand hatte es einfach getan.

Der Mann blinzelte und schaute zur Seite, doch er schien sich keine übermäßig großen Sorgen darüber zu machen, dass Beviins Blaster nicht der einzige war, der auf ihn zielte. Die Frau in der roten Rüstung hatte ihren ebenfalls gezogen und stand reglos da, als würde sie auf den Befehl zu schießen warten. Wie üblich in Momenten wie diesem war es in der Bar schlagartig bedächtig still, während sämtliche Gäste ganz bewusst vollkommenes, eigen-nütziges Desinteresse an den Tag legten.

»Copaanigaan, burc'ya?«, fragte sie. Brauchst du Hilfe, Kumpel?

Trotz des ausgelassenen Gelages an ihrem Tisch wirkte sie überraschend nüchtern. Sie hatte braunes Haar, zu einem schmalen Zopf geflochten, haselnussbraune Augen, in denen eigentlich ein Funkeln liegen sollte, die jedoch kalt wie die eines

Raubtiers waren. Unter einem komplizierten Muster blauer Tätowierungen zeichnete sich unter den Knöcheln ihrer rechten Hand weiße Haut ab.

Der Mann, mit dem Beviin am Tisch saß, musterte die Tätowierungen auf seltsame Weise, als hätten sie für ihn irgendeine Bedeutung.

Beviin schüttelte den Kopf. »Naysh a'vor'e, vod.« Danke, Schwester, aber nein. »Ich bin in letzter Zeit bloß ein bisschen angespannt.«

Sie wartete zwei Sekunden, bevor sie den Blaster ins Halfter schob und ihren Weg fortsetzte. Sie war einem Bruder zu Hilfe gekommen, auch wenn er ein vollkommen Fremder für sie war. Das lag in der Mando-Natur. Beviin senkte seine Waffe und lehnte sich gegen die Wand der Nische zurück, um auf eine Antwort zu warten.

»Mein Name ist Udelen«, sagte der Mann. Die Stimme klang ruhig, und er schien mehr Interesse an der Frau zu haben, beobachtete sie, bis sie außer Sicht war. Nein, so leicht ließ er sich keine Angst machen. Sein Blick richtete sich wieder auf Beviin. »Ich muss jemanden aus dem Verkehr ziehen.«

»Wie nachhaltig?«

»Dauerhaft.«

»Schulden? Rivalität?«

»Das brauchen Sie nicht zu wissen.«

»Ohne ein paar Einzelheiten kann ich Ihnen keinen Preis für den Job nennen.«

»Nun. dann eben Rivalität.«

»Wollen Sie das näher ausführen?«

»Nein.«

»Das geht dann extra.«

»Sind Sie mit der Politik von Ter Abbes vertraut?«

Mit einer Reihe rascher Blinzler aktivierte Beviin die Bedien—Oberfläche in seinem Helm, und an einer Seite seines Blickfelds ergoss sich eine Kaskade von Symbolen nach unten. »Ter Abbes«, wiederholte er. Der Audiosensor nahm die Worte auf und analysierte sie, um einen Strom GalaxSat-Bilder und polizeiliche Daten auszuspucken, auf die er keinen Zugriff hätte haben dürfen. Ein trostloser Industrieplanet abseits der perlemianischen Haupthandelsroute. Hin und wieder verirrten sich ein paar böse Jungs dorthin, aber auf der Hutten-Kriminalitätsskala war er nicht gerade eine glatte zehn.

Was führte dieser Kerl dann im Schilde? Politik. Mit einem Mal klang das Ganze nicht mehr so sonderlich attraktiv. Gangster, flüchtige Schuldner und die verschiedensten hut´uune waren Freiwild, doch bei Politikern war das etwas anderes.

Gleichwohl, bislang war dieses Jahr eher dürftig gewesen. Er musste etwas essen. Die Kopfgeldjagd war nicht unbedingt die Art von Geschäft, bei der man einen Fünf-Jahres-Plan aufstellte. Es hieß, fressen oder gefressen werden - und dafür musste man nehmen, was man kriegen konnte.

»Was haben Sie genau im Sinn?«, fragte Beviin.

»Ich will, dass ein Politiker verschwindet«, sagte Udelen.

»Einer an der Macht oder nicht?«

»Spielt das eine Rolle? Ich will ihn tot sehen.«

Nun, das war eine Komplikation, die ihm nicht gefiel. Beviin machte es Spaß, Leute festzunehmen, und wenn es sich bei der Festnahme ergab, dass der-oder diejenige ins Gras biss, dann hatte er auch damit kein Problem. Allerdings mochte er es nicht, gewählte Regierungen zu attackieren, nicht, solange sie ihm oder den Mandalorianern im Allgemeinen nichts getan hatten. Das war etwas für Spione. Er hatte seine Grenzen.

Allerdings machte seine Farm zu Hause auf Mandalore ein schweres Jahr durch. Ein existenzbedrohendes Von-der-Hand-in-den-Mund-null-Profit—Jahr.

»Was hat er getan?«

»Er lässt sich bestechen.«

»Nein, ich meine, was hat er getan, das all die anderen nicht tun?«

»Er hat seine Versprechen nicht eingehalten.« Udelen bewegte eine Hand langsam und bedächtig zum Aufschlag seines Jacketts - offensichtlich hatte er seine Lektion gelernt - und holte einen Datenchip hervor. Er schob ihn über den Tisch zu Beviin hinüber und verschmierte dabei einige Tropfen Flüssigkeit, bei dem es sich um Kondenswasser von einem vormals gefrosteten Glas handeln konnte. »Darauf finden Sie, wie ich diese Angelegenheit gehandhabt haben möchte. Ich möchte, dass er bis zu den Wahlen nächsten Monat nicht mehr als Politiker tätig ist.«

Beviin schob den Chip in die Buchse in seinem Unterarmpanzer, und der Datenstrom lief geradewegs über sein HUD. Das Display rollte nach unten. Die Daten – Nummern, Buchstaben, simple ein-oder zweifarbige Symbole - fügten sich mühelos in sein Blickfeld ein, wohingegen sich das vollfarbige Holobild, das vor seinen Augen entstand, als äußerst ablenkend erwies. Es gab hier jede Menge Details, die seine Aufmerksamkeit verlangten, und - das war die wirkliche Schwierigkeit daran - es war nicht leicht, durch ein Gesicht hindurchzuschauen und seinerseits dem prüfenden Blick seines Gegenübers standzuhalten, während sich sein menschliches Gehirn automatisch auf diese Hologesichtszüge konzentrierte. Er ertappte sich bei dem Gedanken, in die Augen eines Mannes zu starren, der ihn geradewegs anschaute, ohne dass er ihn je sehen würde.

»Osik...« Nein, dieses Gesicht hatte er überhaupt nicht erwartet. Das war keine gewöhnliche Zielperson, keine Parteidrohne, die in raucherfüllten Tapcafés zwielichtige Geschäfte machte. »Das ist der Anführer der Opposition, Tholote B'Leph. In Ordnung, als er noch an der Macht war, war er für die ungewöhnliche Generosität bekannt, mit der er Mordaufträge auf Regierungsangehörige vergab, doch ihn zu töten, wird auf dem ganzen Planeten Aufstände hervorrufen. Wollen Sie nicht lieber, dass ich ihm die Finger breche oder etwas in der Art? Normalerweise funktioniert das.«

Udelens grimmiges Gesicht bekam einen leichten Sprung. »Was immer die Folgen sind, ist nicht Ihr, sondern Ter Abbes' Problem.« Er hielt Beviin die Handfläche hin, um den Datenchip wieder entgegenzunehmen. »100000 Credits. Der übliche Deal - die Hälfte im Voraus, wenn Sie akzeptieren, die andere bei Abschluss, was einige Tage vor der Wahl sein muss.«

Ein so enger Zeitplan bedeutete, dass es bei der Sache nicht um vergeudete Bestechungsgelder gehen konnte. Doch 100ooo Credits waren eine Menge. Das genügte, damit er sich die nächsten paar Jahre keine Gedanken mehr über die Ernte machen brauchte und darüber, wo er den nächsten Kopfgeldauftrag herbekam.

Doch zudem bedeutete das Ganze einigen Ärger, vielleicht sogar mehr, als dass er im Alleingang damit fertig wurde.

»Möglicherweise muss ich Verstärkung anheuern. Wie lange habe ich Zeit, es mir zu überlegen?«

»Bis die Schicht unseres Wirts zu Ende ist«, sagte Udelen. »Also bis zur Morgendämmerung. Solange werde ich hier sein.«

»Ich werde schon früher wieder zurück sein.«

Die verd'goten-Feier war noch immer in vollem Gange, als Beviin ging, und mit dem 360-Grad-Sensor seines Helmvisiers behielt er die tätowierte Frau in der roten Rüstung im Auge. Sie schien ihn ebenfalls im Blick zu haben.

Er hätte stehen bleiben und ihrem Kind seine Glückwünsche aussprechen sollen. Falls sie immer noch feierten, nachdem er mit dem Mand'alor gesprochen hatte, würde er das einfach machen.

Ja, dieser Auftrag musste von Boba Fett abgesegnet werden.

NOM ANOR: TAGESBERICHT

Beinahe achtzig Jahre. Ich war zu lange von meinem eigenen Volk getrennt. Gleichwohl, wir schaffen uns überall dort ein Zuhause, wo wir gerade sind, weil wir gegenwärtig keinen Heimatplaneten haben. Wie ich höre, waren auch die Mandalorianer Wanderer, und wie wir waren auch sie Eroberer, und ihr Gott war der Krieg selbst. Und jetzt - jetzt sind sie das nicht mehr, und die Zeiten, in denen sie den Krieg an sich angebetet haben, sind vergangen, weil einer ihrer Anführer wollte, dass die Dinge zivilisierter verlaufen. Für Geld führen sie die Kriege anderer Nationen, wenn sie. überhaupt kämpfen.

Als ich die Tätowierungen auf der Hand dieser Frau sah, glaubte ich einen Moment lang, dass in den Mandalorianern womöglich doch noch eine Spur wahrer Krieger steckt, dass sie vielleicht wie wir sind, in der Hinsicht, dass sie ihren eigenen Schmerz und Tod zu schätzen wissen. Aber nein, das ist Eitelkeit, Zierde, sonst nichts. Sie haben keine Kasten, keine Ordnung, keinen Anspruch, das Universum zu verbessern oder es zu retten. Sie scheren sich lediglich darum, einen Tag nach dem anderen zu überstehen. Man hat sie ihrer Kultur beraubt., und sie streben nicht länger danach, sie anderen aufzuzwingen. Also können sie auch keinen Glauben daran haben.

Wenn man etwas wertschätzt und respektiert, muss man auch dafür sorgen, dass andere davor Respekt haben. Aber das spielt keine Rolle. Sie werden sich dennoch als nützlich erweisen.

NAR SHADDAA: KAMPFSCHIFF BEROYA,
>GLADIATOR-KLASSE, LUFTSPEEDER-PARKPLATZ

»Verlierst du die Nerven?«, fragte Fett.

Der Mandalore, der Herrscher der Clans, war ein schimmerndes blaues Holobild, das über der Konsole von Beviins Angriffsjäger schwebte und gerade seinen Blaster putzte.

»Das gehört nicht zu meinen üblichen Aufträgen - einen Politiker der Gegenseite zu eliminieren«, sagte Beviin.

»Was daran gibt dir zu denken?«

»Die Bürgerunruhen, die es auslösen wird.«

»Es gibt immer Bürgerunruhen«, sagte Fett. »An dem Tag, an dem du anfängst zu überlegen, ob das Ganze moralisch richtig ist, bevor du ein Kopfgeld akzeptierst, kannst du dich ebenso gut der Armee der Neuen Republik anschließen. Und auch da lassen sie dich deine Schlachten nicht selbst aussuchen.«

Beviin unterdrückte seine Verärgerung. Fett hatte recht: Ja, womöglich war er übermäßig pingelig mit seinen Kontrakten und machte sich vermutlich viel zu viele Gedanken darüber, welche Attentate und Exekutionen in Ordnung waren und welche nicht. »Aber das Ganze erscheint mir dennoch so, als ginge es dabei um mehr, als bloß um die Bestrafung von jemandem, der es versäumt hat, die Dinge mit seinem Zahlmeister im Guten zu regeln.«

»Sprich weiter.«

»Es ist zu strategisch. Der Zeitplan ist sehr eng.«

»Es geht um 100000 Credits. Wann hast du das letzte Mal so viel Geld gesehen?«

»In Ordnung, gehen wir die Sache mal durch.« Vom Cockpit der Gladiator aus bemerkte Beviin die nervösen Blicke, mit denen Passanten verstohlen zur schwach erhellten Kanzel des

Jägers aufschauten und nicht bloß erkannten, dass sie eine Gladiator vor sich hatten, sondern dass sich überdies auch jemand darin befand. Als er seinen Kopf drehte, flitzten sie rasch davon. Selbst in einer Verbrechenshochburg wie Nar Shaddaa war ein kanonenstarrendes Angriffsschiff auf einem Parkplatz und mit einem Mando—Piloten an Bord ein seltener Anblick. »Er will nicht einfach nur. dass ich dem Kerl ein wenig die Beine breche oder ihn aufmische. Er will, dass ein politischer Rivale unmittelbar vor der Wahl ausgeschaltet wird. Das ist keine Erinnerung daran, dass er mit dem Begleichen seiner Rechnung überfällig ist.«

»Dann ist es eben was Politisches. Das sind Geschäfte mit Hutten auch.«

»Nein, es ist alles sehr ... unpersönlich.« Beviin, ein Auge noch immer auf die Schar von Abschaum gerichtet, der die Gladiator mit offenen Mündern anstarrte, ließ kurz die Navigationsleuchten aufblitzen, damit sich die Schaulustigen verzogen. »Ich werde ... Vernunft walten lassen.«

Fett drehte noch immer das Zielfernrohr der EE-3 in einer Hand, eindeutig verwirrt. »Aber du brauchst diese Credits.«

Beviin wurde klar, dass er geklungen haben musste, als würde er um Hilfe bitten. »Ich hatte nicht unbedingt das beste Jahr.«

»Ich bekomme mehr Aufträge angeboten, als ich in meinem Alter erledigen kann.« Der holografische Fett begann, das Zielfernrohr wieder auf den Lauf des Blasters zu montieren. »Nimm mir doch beizeiten ein paar davon ab.«

»Mand'alor...«

»Fett Ende.«

Als Beviin zum Jarda` zurückging, um das Geschäft mit Udelen zu besiegeln, dachte er über Fett nach. Einerseits lehnte er jegliche Bindungen ab. andererseits tat er Dinge, die jeder andere Mann als seltene Akte purer Sentimentalität angesehen hätte.

Mehr Aufträge, als er in seinem Alter erledigen konnte? Er war noch immer ganz obenauf. Das Angebot, Beviin Arbeit zukommen zu lassen, hatte nichts mit dem Umstand zu tun, dass Fett ein Vermögen besaß und Beviin die meisten Jahre darum kämpfte, über die Runden zu kommen. Nein. Sir. Fett hatte schon einige Male sehr selbstlos gehandelt - auch wenn er es niemals zugegeben hätte, so machten doch genügend Gerüchte darüber die Runde weil er der Ansicht gewesen war, dass diese Dinge getan werden mussten.

Weil es richtig war. Fett hatte seine Momente. Und im nächsten blies er einem den Schädel weg, weil alles rein geschäftlich war.

Beviin kehrte ins Jara' zurück. Udelen war immer noch da, fast so, als hätte er sich überhaupt nicht gerührt. Beviin warf einen Blick zu den Tischen auf der anderen Seite der Bar; auch die Mutter und die Tochter in den roten Rüstungen waren nach wie vor zugegen.

»Abgemacht«, sagte er zu Udelen.

Vor dem Mann stand immer noch ein volles Glas mit einer klaren Flüssigkeit, das ebenfalls nicht bewegt war, wie es schien. Er griff in sein Jackett - langsam und bedächtig - und holte einen Creditchip hervor.

»Informieren Sie mich, sobald der Auftrag erledigt ist«, sagte er. »Und geben Sie mir Bescheid, wie ich wieder mit Ihnen in Kontakt treten kann, um Ihnen die andere Hälfte zu zahlen. Wenn mir Ihre Arbeit gefällt, habe ich jede Menge Arbeit für Sie und Ihre Kameraden.«

Beviin fand, dass sich das gut anhörte. Er nahm den Chip und stöpselte ihn in die Datenbuchse an seinem Unterarmpanzer, um zu prüfen, ob er gültig war: 50000 Credits. genug, um das Leben seiner Familie für eine Weile zu ändern. Das stecknadelkopfgroße blaue Licht bestätigte es.

»Ein Vergnügen, mit Ihnen Geschäfte zu machen«, sagte er.

Udelen neigte den Kopf um eine Winzigkeit, dann verließ er die Bar mit der steifen Würde eines Bestattungsunternehmers. Seine Gangart bestärkte Beviin noch in seinem Gefühl, dass es bei der Sache um mehr ging, als dass nur ein Mistkerl den anderen ausknipsen wollte. Da steckte mehr dahinter.

Ein Putsch. Es musste ein Putsch sein. Eine komische Art. die Sache anzugehen, aber manchmal war der einfachste Weg, sich an die Macht zu bringen, der am wenigsten direkte. Udelen wirkte nicht wie ein Mann, der bereit war. sich dem Wohl und Wehe einer Wahlurne unterzuordnen. Beviin verfolgte, wie er davonging, und in einem Moment der Neugierde streifte eisernen kraftverstärkten Crushgaunt-Handschuh ab und tauchte vorsichtig einen Finger in Udelens offenkundig unangetasteten Drink. Es fühlte sich wie Wasser an. Fr nahm einen Schluck.

Es war Wasser.

Alkohol und Geschäfte vertrugen sich nicht. Allerdings hatte Beviin sein Geschäft abgeschlossen, also bestellte er Getränke für die Frauen in den roten Rüstungen und spazierte zu ihrem Tisch hinüber, um die Gläser vor sie hinzustellen. Das hatte lediglich etwas mit guten Manieren zu tun. Einige der Gäste, die die Theke säumten, beobachteten Beviin, als würde er es mit einem Anmachspruch versuchen, doch das waren aruetiise, Außenseiter, die keine Ahnung von Mando-Gepflogenheiten hatten.

»Oya, vo'ika«, sagte er zu dem Mädchen. Nicht-Mandalorianer glaubten, dass das bloß eine Möglichkeit war, Prost zu sagen, doch es war noch viel mehr als das: Überlebe, kleine Schwester: Jage, genieße das Leben, mach deinem Volk Ehre. »Oya manda.«

»Oya«, sagte das Mädchen. »Ich bin Dinua.«

»Und mein Name ist Briika«. sagte ihre kaltäugige Mutter. Ihr Name war von dem Wort für »lächeln« abgeleitet, und Beviin gefiel diese Art von Ironie. Mit diesem Blick konnte sie jeden in Grund und Boden starren. »Diese Crushgaunts sind illegal. Aber das weißt du ja.«

»Ich finde einfach Gefallen an Antiquitäten«, sagte Beviin. Er tätschelte die Schwertscheide an seinem Gürtel und ließ den alten Säbel darin rasseln. »Ich habe auch ein traditionelles Beskad. Seid ihr aus einem bestimmten Grund hier?«

»Müssen unseren Lebensunterhalt verdienen, jetzt, da mein Alter tot ist.«

Kein Mando überließ jemals eine Witwe oder eine Waise ohne finanzielle Mittel sich selbst. Sie teilten ihr Glück miteinander, wenn es ihnen hold war, weil das Leben hart war und man nicht zu sagen vermochte, wann man selbst einmal auf Hilfe angewiesen war. »Vielleicht könnte ich euch ein wenig unter die Arme greifen.«

Beviin hatte bereits genügend Credits in der Tasche, um sich und Medrit durch das kommende Jahr zu bringen. Wenn Udelen in den folgenden Wochen noch mehr Arbeit anzubieten hatte, würde für Briika und Dinua jede Menge dabei herausspringen.

Genau wie Fett, konnte auch er manchmal nicht alle Aufträge erledigen, die ihm womöglich angeboten wurden.

NOM ANOR: GEHEIMDIENSTBERICHT AN PRÄFEKT DA'GARA, YUUZHAN-VONG-FLOTTE. ZEIT BIS ZUR INVASION: ACHT STANDARDWOCHEN, 25 A. B. Y
LAUT DES KALENDERS DER UNGLÄUBIGEN

Die Mandalorianer scheinen für Infiltration. Wiederbeschaffung, Attentate und Sabotage bestens geeignet zu sein. In dem Jahr, die ich sie mir nun schon zunutze mache, haben sie sich als verlässlich erwiesen. Obgleich ihre geringe Zahl sie als Armee bedeutungslos macht, könnten sie sich zu einem späteren Zeitpunkt als ausgezeichnete Sklavendivision erweisen.

Goran Beviin hat bei der Beseitigung von B'Leph ganze Arbeit geleistet, und noch immer tobt ein Bürgerkrieg. Er rekrutiert ähnlich effiziente Kameraden: Selbst ihre Kinder sind bereits schonungslose Kämpfer.

Als ich mit ihrem Anführer sprach, dem, den sie den Mandalore nennen - Boba Fett -, fürchtete ich eine Weile, dass er womöglich mehr Antworten verlangen würde, als ich ihm geben konnte, Gleichwohl, die Art von Destabilisierung und Exekutionen, bei denen sie sich so hervortun, ist in dieser verderbten Galaxis ein normaler, alltäglicher Vorgang: er hat keinen Anlass, sich zu fragen, warum ich seinem Volk diese Aufträge erteile.

Er hat schon viele Kriege gesehen und in vielen gekämpft. Wie ich ist er Realist. Ein Pragmatiker. Ich freue mich beinahe darauf ihn persönlich zu treffen.

Mandalore ist auf meiner Liste bereits als Planet verzeichnet, der schwer zu unterjochen sein wird.

KELDABE, HAUPTSTADT VON MANDALORE:
RANDGEBIET DER STADT

Keldabe wirkte wie eine heruntergekommene Fabrikanlage, die jemand im Wald abgeladen und zurückgelassen hatte, weil es zu viele Probleme bereitete, sie auf angemessene Weise aus der Welt zu schaffen.

Nicht einmal ich lebe hier. Und ich bin das Staatsoberhaupt.

Fett steuerte die Slave I 45 Grad nördlich des Äquators im Tiefflug über die Wälder von Mandalore und erinnerte sich daran, dass sich dieser Planet zumindest gut verteidigen ließ, wenn es hart auf hart kam. Die ansässige Bevölkerung belief sich auf bescheidene vier Millionen; auf Coruscant gab es kleine Stadtviertel mit mehr Einwohnern. Genau wie Concord Dawn und der Rest des Sektors war dies unwirtliches Grenzland, bloß Dschungel, Wald, Wüste und Ebenen, die für die Farmer nicht viel hergaben. In galaktischen Maßstäben gemessen war Mandalore eine kleine Stadt, die Fremde irrtümlich für eine Welt hielten.

Das passt. Immerhin bilden eine Handvoll Mandalorianer auch eine Armee.

Das Komm an der Konsole piepste. »Mand´alor. Udelens Schiff ist soeben auf dem Raumhafen gelandet.«

»Ich bin direkt hinter ihm«, antwortete Fett. »Behaltet ihn in der Zwischenzeit im Auge.«

»Wir behalten jeden im Auge.«

Die Slave I verfügte über Autopilot, doch Keldabe war ein Ort, den selbst ein Anfänger auf Sicht durchfliegen konnte. Im Grunde handelte es sich um eine sehr große Festung auf einem Hügel, der sich in eine Biegung des Kelita-Flusses schmiegte, und das Waldland dahinter war mit Siedlungen gespickt. Die verstreuten Gebäude, die MandalMotors bildeten, waren das augenfälligste Merkmal der Landschaft, und wenn Fett den hundert Meter hohen Turm der Anlage als Wegweiser zum Kommunikationsmast des Raumhafens benutzte, konnte er auf Kurs gehen, um mühelos auf dem Landestreifen aufzusetzen.

In gewisser Weise bestand Mandalore aus MandalMotors, Tausenden winzigen Werkstätten, bescheidenen Farmen, Erz-förderanlagen und schrecklich vielen Bäumen - und das war's unterm Strich auch schon. Abgesehen von den Beskar-Vorkommen, dem einzigartigen mandalorianischen Eisenerz, hatte der Ort außer seinen Bewohnern nichts Bemerkenswertes an sich. Und das Imperium hatte das Beskar bereits zu einem Gutteil abgebaut.

Vielleicht, wenn sie besser organisiert wären ... Nein, Fett tat den Gedanken mit einem Kopfschütteln ab. Mandos waren so organisiert, wie sie sein mussten, um zu überleben.

Und da sie Mandos waren, rollten sie auch keinen roten Teppich aus und ließen eine Musikkapelle aufmarschieren, um ihren Anführer willkommen zu heißen. Fett landete die Slave I in der ihm zugewiesenen Bucht auf ihren Dämpfern wie jeder andere und marschierte über den Landestreifen.

Er aktivierte sein Kommlink, um eine Verbindung zum Tower herzustellen. »Welches Schiff?«

»Das blaue, das wie ein T-77 aussieht.« Es folgte eine Pause, als hätte sich der Leiter des Kontrollraums außer Hörweite gelehnt, um sich mit jemand anderem zu besprechen. »Das Schiff ist mit einem Granatwerfer versehen, ret'lini - nur für den Fall.«

Fett nahm es niemandem übel, der glaubte, er würde Rückendeckung brauchen. Er hatte noch nie jemanden gebraucht, der ihm den Rücken freihielt, doch Mandalorianer hatten immer einen Plan B - »nur für den Fall«. Das war beinahe so etwas wie ein Reflex, wie sie in einer militarisierten Gesellschaft tief verwurzelt waren.

Fett fand, dass das eine höfliche Warnung war, selbst wenn es ihrer nicht bedurft hätte. Mittels seiner Helmverbindung aktivierte er die Waffensteuerung der Slave I, berechnete die Koordinaten von Udelens Schiff und ließ sein eigenes den Rest erledigen. Das Symbol in seinem HUD verriet ihm. dass die Backbordlaserkanone zur vorderen Position geschwenkt war, um den blauen Luftspeeder ins Visier zu nehmen. Sein Raketenrucksack war bestens für Ausweich-manöver geeignet. Nur für den Fall - das war auch in Fett tief verwurzelt.

Er blieb in vernünftiger Entfernung vor dem Gefährt stehen und wartete, bis sein potentieller Klient die Rampe herunterkam.

»Ich hatte nicht erwartet, dass Mandalore so ... unberührt ist«, sagte Udelen. »Irgendwie habe ich geglaubt, der Planet wäre stärker industrialisiert. Ihr habt hier sogar einige Baumhäuser.«

»Wir haben alle möglichen Arten von Behausungen«, sagte Fett. Was ist er, ein Tourist? »Einige Einheimische ziehen die Bäume dem Erdboden allerdings noch immer vor.«

»Wer führt eure Regierung? Wer sind die Verwalter?«

Was kümmert dich das? »Mandalorianer mögen die Dinge zwanglos und freundlich. Was wollten Sie mit mir besprechen?«

Udelen zögerte für den Bruchteil eines Herzschlags, so unmerklich, dass es selbst Fett beinahe entging. Möglicherweise gefiel es ihm nicht, dass seine Fragen so abgetan wurden. Doch er hatte sich sofort wieder unter Kontrolle. »Ich kam, um Ihnen zu sagen, dass Ihr Volk in den nächsten paar Monaten gut beschäftigt sein wird. Ein Krieg steht bevor.«

»Sie müssen neu in dieser Galaxis sein«, sagte Fett. »Irgendwo herrscht immer Krieg. Das war schon immer so, das wird immer so sein. Das ist der Grund, warum Mandalorianer niemals arbeitslos werden.«

»Dieser könnte eskalieren.«

»Wird das Einfluss auf den Mandalore-Sektor haben?«

Udelen zögerte, und Fett ließ sich von seinem plötzlich selbstzufriedenen Gesichtsausdruck nicht beeindrucken. »Wollen wir hoffen, dass das nicht passiert.«

Treib keine Spielchen mit mir. Ich merke, wenn jemand versucht, mich zu erpressen. »Wer auch immer in Erwägung zieht, hier gegen uns zu kämpfen, sollte besser ebenfalls darauf hoffen.«

Fett fand nicht, dass Udelen ganz so hässlich war, wie Beviin ihn beschrieben hatte; ihm haftete allerdings ein zwar vager, aber markanter Geruch an. der Fett an die Gischt des Meeres erinnerte, das in seiner Kindheit von den Stürmen auf Kamino aufgewühlt worden war. Gerüche konnten einem derlei stets wieder ins Gedächtnis bringen.

»Dann nehme ich an, unsere Übereinkunft schließt Söldnerarbeit mit ein«, sagte Udelen. »Die üblichen Konditionen.«

»Nicht alle Mandalorianer sind Söldner. Sie suchen sich die Aufträge aus, die sie übernehmen.«

»Dann bitte ich Sie, sich mit einigen Truppen Ihrer Wahl in zwei Wochen für ein Treffen zur Verfügung zu halten.«

»Besser, Sie verraten mir. was uns erwartet, damit ich die richtigen Leute für den Job mitbringe.« Ich bin nicht dein Handlanger, Freundchen. Ich bin mein eigener Herr. »Wie immer behalten wir uns das Recht vor, Ihr Angebot abzulehnen.«

»Sie haben sich nicht danach erkundigt, wer die Gegner sein werden.«

»Sie würden es mir ohnehin nicht sagen.«

»Stimmt.«

»Darum rechne ich mit dem Schlimmsten.«

Udelen lächelte beinahe. Auch das gefiel Fett nicht. Auch wenn die Credits weiter flossen, entschied er, der Großzügigkeit seines Klienten mit Argwohn zu begegnen.

Dem Kern der mandalorianischen Kopfgeldjäger und Truppen, die Udelen offenbar gern auf Abruf bereit haben wollte, ging es finanziell solide. Das war gut - solange Udelen verstand, dass die legendäre mandalorianische Disziplin nicht in blindem Gehorsam bestand.

Fett verfolgte, wie der Luftspeeder abhob, und deaktivierte mittels seiner Helmverbindung die Kanone der Slave I.

Doch er wusste, dass der Kontrolltower des Raumhafens den Speeder verfolgen würde, bis er die Umlaufbahn von Mandalore verließ. Nur für den Fall.

NOM ANORS AUFZEICHNUNGEN:
FINALE GEHEIMDIENSTEINSCHÄTZUNG.
VORAUSSICHTLICHE ANKUNFTSZEIT DER VORHUT
DER YUUZHAN-VONG-FLOTTE: ZWEI TAGE

An einigen Tagen empfinde ich beinahe so etwas wie Blutsverwandtschaft zu den Mandalorianern. Einige von ihnen ziehen lebende Häuser vor, keine gebauten wie andere Ungläubige. Sie errichten sich ihr Zuhause auf Plattformen in den Ästen von Bäumen. Und dann sehe ich sie wieder so, wie sie sind, mit ihrer Leidenschaft für gänzlich künstliche Technologie. Ja, in Bezug auf sie bin ich unbeständig, wie die Ungläubigen das ausdrücken. Gleichwohl, ich muss sie nicht mögen, um zu begreifen, wie nützlich sie für die raffinierten Aspekte des Krieges sind, für die die schiere Macht unserer Flotte nicht immer taugt. Sie haben mir dabei geholfen, das Schlachtfeld zu bereiten: Jetzt wird sich zeigen, wie sie im Angesicht der Schlacht selbst reagieren werden.

Ich habe Fett gebeten, sich innerhalb unserer Invasionsroute mit mir zu treffen. Ich will, dass die Mandalorianer zu den Ersten gehören, die ihrer neuen Herrscher ansichtig werden, wenn wir in diese Galaxis eintreten.

Die Flotte ist beinahe hier. Ich muss mich nicht länger verstellen und verstecken.

TREFFPUNKT MIT UDELENS STREITKRÄFTEN, STÄRKE
UND TYPUS UNBESTIMMT, ZUM ZWECKE EINER EINSATZBESPRECHUNG IM OUTER RIM: 25 A. B. Y.

»Falls mir irgendetwas zustößt, wirst du dich dann um Dinua kümmern?«

Briika Jebans Stimme brach das Schweigen auf der gemeinsamen Kommfrequenz, während das Geschwader auf das Erscheinen von Udelen wartete. Beviin, der von der Warterei die Nase voll hatte und es dabei beließ, durch die Kanzel der Gladiator auf die Sternenschleier und die Gaswolken hinauszublicken, wurde abrupt in die Gegenwart zurückgerissen.

»Ja«, sagte er. »Aber niemandem wird irgendetwas zustoßen. Jedenfalls... ja.«

»Habe ich da vielleicht auch noch ein Wörtchen mitzureden?«, fragte Dinua. Beviin war sich nicht sicher, ob sie sie einfach nur daran erinnern wollte, dass sie eine vierzehn Jahre alte Erwachsene war. die für sich selbst sprechen konnte - vielen Dank auch -, oder ob ihr die Vorstellung der gai bal manda - der Adoption von Leib und Seele - durch jemand anderen mehr zusagte. Normalerweise war Ersteres der Fall. »Und nein, niemandem wird irgendetwas zustoßen.«

In diesem Geschäft war der Tod eine stets gegenwärtige Möglichkeit. Beviin wusste, dass Dinua ihren Vater vermisste, und selbst, wenn er für Briika nie mehr sein konnte als ein Freund und Bruder, war es seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihre Tochter - selbst noch als Erwachsene - niemals eine Waise sein würde. Wäre Fett doch nur ein richtiger Teil der mandalorianischen Gesellschaft gewesen, dachte Beviin, dann hätte ihn jemand adoptiert, damit er stets eine Familie hatte, ob er sie nun brauchte oder nicht. Doch niemand hatte das Thema ihm gegenüber zur Sprache gebracht. Vermutlich würden sie das auch nie. Er war kein Familienmensch, und abgesehen von Jangos Geist war in seinem Leben nach wie vor kein Platz für irgendjemand anderen.

»Ich werte das als Zustimmung«, sagte Beviin. »Und ich verspreche dir, wenn ich dich jemals adoptieren sollte, werde ich dich nicht dazu nötigen, rüschenbesetzte Kleidchen zu tragen.«

Lautes Gelächter, einschließlich dem von Dinua, schallte durch seine Audioverbindung, nur Fett schwieg. Fr sprach nicht mal einen Rüffel aus. Um ihn herum auf Position, um die Slave I formiert, saßen die beiden Frauen in ihren Aggressor-Raumjägern und die Detta-Brüder - Cham und Suvar - mit Tiroc Vhon alle in Gladiators.

»Das Einzige, an dem heute irgendwer sterben wird, ist Langeweile«, sagte Cham. »Wir haben das Zeitfenster doch nicht verpasst, oder?«

»Nein«, schaltete sich Fetts Stimme ein. »Haben wir nicht. Er aber - fast.«

Beviin gab Energie auf seine Schubdüsen. »Ich werde mich mal ein bisschen umsehen.«

Die Gladiator drehte um 180 Grad bei und schoss kernwärts in einem Bogen davon, ehe sie mit einer Kehrtwende zurückkam. Obwohl nichts passierte, konnte von Langeweile keine Rede sein. Die anderen hatten es vielleicht nicht zur Sprache gebracht, doch alle hatten diesen Moment des Zweifels, wenn man bedachte, wie wenig sie mit Gewissheit über ihren Klienten wussten, und - wichtiger noch - wie wenig sie über die Situation wussten, in die ihr Klient sie hineinzuziehen gedachte. Das Treffen diente allein einer Einsatzbesprechung. Das war der springende Punkt: kein Kampf, weitab vom Schuss, der Gegner unbekannt; stattdessen eine Einsatzbesprechung, damit sie sich mit ihren neuen Informationen zusammensetzen und sich angemessen vorbereiten konnten. Beviin nahm an. wenn man sieh auf Söldnerarbeit einließ, akzeptierte man damit, dass man auf der Need-to-know-Liste seiner Klienten manchmal weit unter ihren regulären Truppen stand.

Ja, ich würde Dinua adoptieren. Medrit wäre damit einverstanden.

Doch dazu würde es nicht kommen. Beviin flog entlang der Route zurück, die er eingeschlagen hatte, und überprüfte seine Lang-streckenscanner nach sich schnell bewegenden Objekten oder Schiffen, die den Hyperraum verließen.

Gai bal manda: Wie alle mandalorianischen Zeremonien war sie kurz und schnörkellos. Niemand hatte die Zeit. Geduld oder Credits, um sie für üppige Festivitäten zu vergeuden. Bring die Sache hinter dich, und hoff darauf, dass du später noch am Leben bist, um dir ein paar Flaschen Narkoleth oder net 'ra gai zu gönnen ...

Der Annäherungssensor blinkte auf, und Beviin wandte seine Aufmerksamkeit von seinem HUD der transparenten Kuppel der Gladiator zu.

Er zog Sichtkontakt grundsätzlich vor. Einen Moment lang dachte er, der Scanner würde verrückt spielen, weil das unbekannte Schiff - und es musste ein Schiff sein, wenn man die Geschwindigkeit bedachte, mit der es sich bewegte - vom Profil her eher einem Asteroiden ähnelte, einer Ansammlung mineralischer Messwerte, und es war riesig, weit über tausend Meter groß, vielleicht sogar zweitausend. Doch das hier war kein Asteroidengürtel. Shab, die Instrumente der Gladiator mussten wieder einmal neu kalibriert werden. Einige seiner jüngst verdienten Credits sickerten ihm bereits wieder aus der Tasche.

Das Schiff schien sich hinter ihm zu befinden, und er vertraute nicht darauf, dass der Scan ihn aus Schwierigkeiten heraushielt. Mit einem raschen Schubstoß drehte er nach Steuerbord bei und flog in einem weiten Bogen herum, um Sichtkontakt zu dem zu bekommen, was auch immer an seinem Heck hing.

Und da wäre in großes Objekt in Reichweite. Das war so ziemlich das Einzige, das er mit Bestimmtheit sagen konnte.

Was er sah, ergab keinen Sinn. Dort, wo das helle weiße Licht des Sterns darauf fiel, glitzerte das Ding und ... Nein, es war doch ein Asteroid. Die Form war gleichmäßiger und ovaler als die üblichen Trümmerbrocken, und er rotierte und drehte sich nicht so, wie die großen es normalerweise taten, aber er ...

O nein, das kann nicht sein.

Auf jene sonderbare Art und Weise, wie man manchmal aus dem Zusammenhang gerissen einen flüchtigen Blick auf etwas erhascht, glaubte Beviin einen Sekundenbruchteil lang, einer völlig unlogischen Täuschung zu erliegen: Sein Gehirn sagte ihm Explosion, Trümmer, Bereitmachen für den Aufprall. Er duckte sich beinahe, bevor ihm klar wurde, dass der gewaltige Felsbrocken mit der ganzen Zielstrebigkeit eines Kriegsschiffs einem bestimmten Kurs folgte. Fast ohne darüber nachzudenken, schaltete er sein Visier auf maximale Vergrößerung und sah einen zerklüfteten grauen Felsen mit ungewöhnlich regelmäßigen Ansammlungen von schwarzem, glänzendem Material, wie irgendein freiliegendes Mineral oder Tektit. Aus den Krümmungen des Dings ragten funkelnde scharlachrote und blaue, zweigähnliche Auswüchse hervor, fast wie die Barteln eines Eisflussvabans; an einigen waren beutelartige, kegelförmige lila »Schoten« zu erkennen.

Die »Schoten« schienen ungefähr die Größe eines X-Flüglers zu haben.

Beviin aktivierte mit einem Blinzeln das Kommlink in seinem Helm. »Mand'alor«, sagte er. »Klink dich mal in meinen Videokanal ein, ja?«

»Ich kann es auch von hier aus gut erkennen.« Boba Fetts

Stimme war vollkommen ruhig. »Tatsächlich kann ich sogar noch mehr davon sehen ...«

»Das Ding navigiert.« Jetzt drang Briikas Stimme über den Kommlink. Ihre Helme und Systeme waren allesamt auf gemeinsame Datennutzung eingestellt. »Das ist eine Flotte.«

»Wir haben schon häufiger Flotten zu Gesicht bekommen.«

»Aber keine wie diese, Mand'alor.«

»Wir wissen nicht, ob sie feindlich ist oder bloß Fracht durch diesen Sektor befördert ...« Beviin tat, wozu er gedrillt worden war, was er ohne Widerworte oder Fragen zu stellen sein ganzes Leben lang getan hatte, und ging mit den anderen Raumjägern in Formation, um die Slave I zu flankieren. »Soweit ich das sehe, stehen die Dinger allerdings nicht in Mandos großem Buch verbündeter Kriegsschiffe, also sollten wir uns lieber nicht mit runtergelassenen kut 'ike erwischen lassen, oder?«

Eine Kampfformation bestand normalerweise aus vier Gladiators, die sich um einen Verfolger gruppierten, doch dieses bunt zusammengewürfelte Geschwader flog dicht beieinander, automatisch und wortlos. Beviin verfolgte, wie die Waffensystem-symbole seiner Kameraden beinahe zeitgleich in seinem HUD aufleuchteten. Die Slave I hatte das Schiff, das die Vorhut bildete, bereits mit Raketen, Kanonen und Torpedos erfasst. Nein, Fett würde sich auch nicht mit um die Knöchel schlackernden Hosen erwischen lassen.

Die anderen Asteroidenschiffe waren jetzt auszumachen, an achtern aufgereiht, sowohl auf den Scannern als auch mit bloßem Blick. Eins drehte nach Backbord bei und brach aus der Linie aus, um Kurs auf die Mandalorianer-Staffel zu nehmen.

»Ruhig bleiben«, sagte Fett. »Wartet, bis ihr das Weiß in ihren Augen seht...«

Chams Schnauben war zu hören. »Die sollten besser Augen haben.«

Das Führungsschiff - sofern es sich tatsächlich darum handelte - war so groß, dass es sich von einem Ende von Beviins Farmland bis zum anderen erstreckt hätte. Es war in jedem Sinne des Wortes monströs und zu allem Überfluss auch noch kaum als Schiff zu erkennen. Die Audioverbindung in seinem Helm klickte, als Fett sendete.

»Unidentifizierte Raumschiffe, hier spricht die Slave I.« Beviin fand, dass Fett eigentlich besorgt hätte klingen müssen, doch in seiner Stimme lag nicht die geringste Spur von Beunruhigung. Vielleicht konnte einem nichts mehr wirklich Angst einjagen, nachdem man den Sarlacc überlebt hatte. »Ich empfange kein Transpondersignal von Ihnen. Identifizieren Sie sich.«

Es folgte leise zischendes Schweigen, und irgendwie hatte Beviin auch nichts anderes erwartet. Welches Schiff würde darauf reagieren? Seine Aufmerksamkeit glitt von seinen Cockpitanzeigen zu der Leere jenseits seiner Kanzel, die jetzt beide gleichermaßen voller Ziele waren, bei denen es sich bloß um eine Flotte von Raumschiffen handeln konnte. Kein natürliches Phänomen bewegte sich mit einer solchen Entschlossenheit. Er schloss seine Finger fester um den Steuerknüppel und ließ seinen Daumen über die Kippkugel streichen, die eine oder alle vier Laserkanonen des Jägers abfeuern würde. Vermutlich würde er der Flotte damit allenfalls einen Kratzer zufügen, aber er war entschlossen, so viel Schaden anzurichten, wie er konnte, falls es hart auf hart kam.

Warum nehme ich automatisch an, dass sie feindselig sind?

Warum habe ich nicht zu Hause angerufen und mit Medrit gesprochen, als ich die Chance dazu hatte?

Ich wusste, dass ich nie friedlich im Schlaf sterben würde, aber so hatte ich es mir auch nicht vorgestellt.

Mittlerweile hatte er den Versuch aufgegeben, die Kolosse zu zählen. Sein Scanschirm war so voller Lichtpunkte, die mit UNIDENTIFIZIERT markiert waren, dass keine Stecknadel dazwischen gepasst hätte. Die Leere des Weltraums, die die transparente Kanzel füllte, war gesprenkelt mit Sternen reflektierten Lichts, als wäre mit einem Mal eine neue Galaxis entstanden.

Die Wolke der Objekte - der Schiffe - war auf Kurs nach Belkadan.

»Mandalorianer«. sagte eine vertraute Stimme über den Kommlink. »Wir sind gekommen, um euch und eure gesamte Galaxis von eurem Irrglauben an die Technologie zu befreien und euch Respekt für die Großen Götter zu lehren.«

»Udelen...«, sagte Beviin.

»Ich bin Nom Anor, der Vollstrecker, und was ihr hier seht, ist die Vorhut der Yuuzhan-Vong-Flotte. Es hat Jahrzehnte gedauert, um hierherzugelangen, und jetzt wird eure Galaxis von uns verbessert werden. Verwandelt.«

Beviin hörte, wie Fett leise Atem holte. Für seine Verhältnisse kam das einem überraschten Aufheulen gleich.

»Ich nehme an, einige Leute werden darüber erst einmal reden wollen.« Fetts Waffen waren immer noch feuerbereit. »Je nachdem, was ihr mit verbessern meint.«

»Ihr würdet dies eine Invasion nennen. Und ihr genießt das Privileg, zu den ersten Ungläubigen zu gehören, die Zeugen unserer Ankunft werden.«

Beviin zögerte eine endlose Sekunde, nicht sicher, ob er das Feuer eröffnen oder auf Fetts Anweisungen warten sollte. Ja. es war tatsächlich eine neue Galaxis, die auf einen Sprung vorbeigekommen war. Er hatte Mühe, das zu begreifen. Über den aktivierten Kommlink war das Atmen aller zu hören, und es klang gepresst, flach - ängstlich.

»Fett, folgen Sie diesen Koordinaten, und kommen Sie an

Bord meines Schiffs. Wir werden euch die Zukunft eurer Galaxis zeigen und welche Rolle ihr beim Erreichen dieser dringend erforderlichen Verwandlung spielen werdet.«

Normalerweise hätte Fetts Reaktion auf derlei in einer wohl gezielten Ionenkanonensalve und einer raschen Flucht bestanden. Doch auf dem allgemeinen HUD-Schirm veränderte sich nichts, und keine Systeme wurden aufgeladen. Beviin hörte, wie er schluckte, ehe er antwortete.

»Dann werde ich meine Truppen hierlassen, damit sie auf meine sichere Rückkehr warten.«

»Ich bin einverstanden: es gibt keinen Anlass, dass ihr alle an Bord kommt. Und Sie werden sich für Ihre Männer verbürgen.«

»Angesichts der Größe Ihrer Flotte, was könnten ein paar kleine Schiffe da überhaupt anrichten?«

»Mand'alor, ich begleite dich«, unterbrach Beviin. Planung und durchdachtes Vorgehen hatten damit nichts zu tun. Er hörte sich einfach reagieren. Wir scharen uns um den Mandalore. Auf diese Art überleben wir. »Ich folge dir hinein.«

»Sobald ich in Erfahrung gebracht habe, wo es hinein geht«, sagte Fett, »dann nur zu.«

Beviin fuhr seine Waffensysteme herunter und schwenkte mit der Gladiator hinter der Slave I ein, als das Schiff auf den riesigen, zerklüfteten Felsen von einem Kriegsschiff zuglitt. »Ke'pare«, flüsterte er in das Kommlink. Fett sprach kein Mando´a, aber das taten diese Yuuzhan-wer-auch-immer-die-waren auch nicht. Kaum ein aruetii konnte das. »Ke baslana meh mhi Kyrayc.«

Haltet euch bereit, und verschwindet, falls wir es nicht schaffen.

Sie würden wissen, was sie zu tun hatten, und wann. Das war durch hartes Training tief in ihnen allen verankert.

Der graue Asteroid wurde zu einem Gebirgskamm, der sein gesamtes Blickfeld ausfüllte, als er in sicherer Entfernung hinter den Schubdüsen der Slave I in eine schlundartige Öffnung des Kriegsschiffs flog.

»Oya«, entgegnete Suvar. Schnappt sie euch. Und bleibt am Leben. Ein komisches Wort, dieses oya. Es passte in jeder Situation. Oya. Beviin verstand darunter Tapferkeit.

Er hatte das Gefühl, dass er bislang noch gar nichts gesehen hatte.

NOM ANOR: ANDOCKBUCHT DER MIIT RO'IK

Die Krieger wollen wissen, ob die Mandalorianer die Droiden sind, derer sich die Ungläubigen bedienen. Sie drängen sich dicht um das kleine Kampfschiff und starren die metallenen Gestalten an. die daraus herausklettern. Ebenso gut könnte dem wirklich so sein, da für professionelle Soldaten überraschend wenig Kampfgeist in ihnen zu stecken scheint.

Allerdings sind die Mandalorianer ausgezeichnete Saboteure.

Ich hoffe, Fett verzichtet darauf seinen Raketenrucksack einzusetzen. Künstlich erzeugte Flammen sind für sie eine Abscheulichkeit, und dieser Anblick würde die Krieger erzürnen. Sie sind bereits darüber erregt, dass ich zulasse, dass diese ungläubigen Mandalorianer mit ihren Maschinen in dieses miit, ro'ik gekommen sind, und es missfällt ihnen, dass ich das Kommlink der Ungläubigen benutze, aber ich bin ein Vollstrecker, und sie wagen es nicht, mein Wort in Frage zu stellen.

Ich kann die Gesichter dieser Ungläubigen nicht sehen, aber ich weiß, dass sie verblüfft über die Perfektion sind, die sich ihren Blicken darbietet. Seinen Kopfbewegungen nach schaut Fett überall hin, studiert alles. Wie ich höre, besitzt er beeindruckende Narben, die allerdings bloß die Folgen eines Unfalls sind. Sein Handlanger. Beviin ... Er folgt seinem Meister.

Am Ende fügen sie sich womöglich doch gut in die natürliche Ordnung der Dinge ein.

YUUZHAN-VONG-MIIT RO'IK-KRIEGSSCHIFF

Obwohl man außerhalb seines Helms nichts davon hören konnte. flüsterte Beviin noch immer vor sich hin, als er hinter Fett durch den lebendigen Korridor ins Herz des Schiffs ging.

»Woher hätte ich denn wissen sollen, was er ist?«

»Das konntest du nicht.« Diese elende Barve Udelen - alias Nom Anor - hatte alle getäuscht. Wie es ihm gelungen war, ein derart verstümmeltes Gesicht zu maskieren, war ein Rätsel. Nun kannte Fett sein wahres Antlitz. »Und wir sollten besser herausfinden, womit wir es hier zu tun haben, bevor wir wie der Rest der Galaxis eine böse Überraschung erleben.«

»Das hier wird nicht laufen wie das gute alte Sith-und-Jedi-Puppentheater, oder?«

»Ich weiß es nicht. Alles, worauf es ankommt, ist, ob dabei irgendwas für uns Mandalorianer rausspringt.«

Fett ging nicht weiter darauf ein, noch nicht. Er hatte die Nase seines Vaters, wenn es um Ärger ging, und diesmal roch er ihn so stark wie niemals zuvor. Das Schiff an sich war schon schlimm genug: Trotz all der leuchtenden Farben, die jede Oberfläche und jedes Mannschaftsmitglied zierten, hatte man das Gefühl, sich in einer stinkenden Höhle zu befinden, die von fremdartigem Ungeziefer befallen war. Es gab keine einzige glatte, makellose Durastahlschottwand oder irgendein anderes beruhigendes Stück normaler, ordentlich ölverschmierter Maschinen zu sehen.

Ja, es lag ein eigenartiger Geruch in der Luft, der Gestank von feuchten Wäldern und Gras, das über Ästen trocknete, und eine Andeutung von Blut.

Es war, als befände man sich in irgendjemandes Eingeweiden. Es war, wie wieder im Innern des Sarlacc zu sein.

Und es war derselbe Geruch, der Udelen angehaftet hatte, als er ihn damals zum ersten Mal im Keldabe-Raumhafen getroffen hatte. Das habe ich nicht kommen sehen. Ich hätte es tun sollen. Doch jetzt weiß ich es - nun, vielleicht ist dies die beste Position, in der man sein kann.

Fett ließ jedes Aufnahme-und Analysegerät in seinem Helm mitlaufen, während er durch das Schiff ging, vom Durchdringungsradar bis hin zum Thermalscanner. Gelegentlich blieb er stehen und berührte - nein, keine Schotten, Wände. Er konnte den Gedanken an Magenwände nicht abschütteln. Er fuhr mit seinen Fingern darüber, täuschte Ehrfurcht und Neugierde vor und verstaute die Organspuren, die er mit seinen Handschuhen aufgenommen hatte, diskret in einem der Fächer in seinem Gürtel.

»Proben«, sagte er leise. »Alles, was klein ist. Jedes Fitzelchen von diesem Ding, das du dir unauffällig schnappen kannst. Steck es ein. In Ordnung?«

»Verstanden«, sagte Beviin.

Doch was er am meisten von allem brauchte, war ein Stück des Yuuzhan-Vong-Invasoren, der vor ihnen herging, ein schlangenartiges Ding um einen Arm geschlungen, das lebte.

»Ein Haustier?«, fragte er. Jabba hatte sich stets mit irgendwelchen seltsamen Wildtieren umgeben, die ihn amüsiert hatten. Womöglich taten die Yuuzhan Vong das auch. »Etwas Bekanntes?«

»Eine Waffe«, sagte Nom Anor. Er schüttelte das Ding mit einer eleganten Geste von seinem Arm: es versteifte sich augenblicklich zu einem Stab, ehe es sich zu Schlaufen zusammenzog und den Arm des Vollstreckers wieder hinaufglitt. »Eine lebendige Waffe, die Amphistab genannt wird.«

Fett hatte schon mit den schlimmsten Lebensformen zu tun gehabt, und so oder so schien es stets egal zu sein, wer die Galaxis beherrschte. Im sozialen Untergrund ging das Leben im Kleinen weiter, ein täglicher, grimmiger Überlebenskampf, und die Macht verteilte sich nach oben und wurde zum eigenen Vorteil missbraucht und ausgesaugt. Fett nahm sich einfach seinen Teil vom Kuchen und begnügte sich damit, nach seinem eigenen Kodex zu leben, denn er war ein Pragmatiker und wusste, was er in der Galaxis verändern konnte und was nicht.

Die Yuuzhan Vong allerdings schienen zu glauben, dass es nichts gab. das sie daran nicht verändern konnten.

Nom Anor - seiner menschlichen Tarnung und des schwarzen Geschäftsanzugs entledigt - spazierte mit ausgreifenden Schritten voraus und deutete mit einem Stolz auf die organische Technologie, der an Arroganz grenzte, bevor er auch diese Grenze deutlich überschritt.

»Ich habe mich achtzehn Jahre lang unter euch Ungläubige gemischt«, sagte er. »Kein einziges Mal bin ich dabei auf eine reine Kultur mit komplett organischer Technologie gestoßen.«

Beviin murmelte etwas, das nur Fett hören konnte. »Aruetii. Dann sind wir wohl nicht mehr länger seine besten Freunde.«

»Wir tun unser Bestes«, sagte Fett zu Nom Anor. »Ihr müsst uns lehren, wie man die Dinge richtig macht.«

Während sie durch das Schiff schlenderten, schien Beviin von Zeit zu Zeit zu stolpern und sich an einer Wand abzustützen, oder er hob etwas Belangloses vom Boden auf. Guter Mann.

»Das werden wir«, sagte Nom Anor.

»Dann sind Sie also ein befehlshabender Offizier.« Erkunden, aufzeichnen, begreifen. Früher oder später retten einem Informationen das Leben. »So etwas wie ein Kommandant?«

»Wir haben eine Kastengesellschaft«, sagte Nom Anor. »Ich bin Vollstrecker. Ich gehöre zur Kaste der Verwalter. Das stellt mich in der Hierarchie über einen Krieger.«

Es war beinahe, als hätten sich die Yuuzhan Vong bemüht, eine Liste der Dinge zusammenzustellen, die Mandalorianer abstoßend fanden, um sie ihnen dann um die Ohren zu hauen und so deutlich zu machen, wie fremdartig sie wirklich waren. Ein Bürokrat und Spion, der über einen Soldaten gebot, mit gerümpfter Nase auf ihn herabblickte ...

Fierfek, die elende Barve hatte nicht einmal eine Nase.

Fett musterte die Krieger, an denen er vorbeikam. Sie trugen die unpraktischsten Rüstungen, die er je gesehen hatte, waren praktisch von Kopf bis Fuß umhüllt, mit großen, brutalen, klauenartigen Fortsätzen an den Schultern, an den Knien, an den Handgelenken und sogar hinten an ihren Beinen. Im Dienst setzten sie sich nie hin, das war mal sicher. Als ein Soldat vorbeiging, bewegte sich das glänzende, polierte, scharlachrote Ehrenabzeichen auf seiner Brust plötzlich. Es war ein Käfer, ein großer Käfer.

Fett schaltete auf Stimmübertragung um. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken über kulturelle Unterschiede zu machen. »Woraus ist diese Rüstung angefertigt?«

»Nicht angefertigt«, sagte Nom Anor. »Biogenetisch gezüchtet. Eine lebende Vonduun-Krabbe, mit der eure Technik es nicht im Mindesten aufnehmen kann. Blasterfeuer kann den Panzer nicht durchdringen.«

Sprich weiter, verrate mir all eure Betriebsgeheimnisse. Falls ich es lebend wieder hier rausschaffe... »Dafür würde man einen guten Preis bekommen.«

»Und sie töten jeden, abgesehen von dem Krieger, für den sie gezüchtet wurden.«

»Dann seid ihr nicht auf einem Verkaufstrip hier.«

Womöglich lächelte Nom Anor, als er den Kopf wandte, um Fett anzusehen, aber bei einem so schwer verstümmelten Gesicht war das schwer zu sagen. Sein Mund war zu einem dauerhaften, steifen, humorlosen Grinsen erstarrt, denn ihm fehlten beide Lippen.

»Wir sind gekommen, um diese Galaxis zu erobern und zu kolonisieren. Ich sagte doch, dass dies eine Invasion ist, nicht wahr?«

Es gab Millionen von Planeten in der Galaxis, und irgendjemand fiel stets irgendwo ein und besiedelte irgendetwas. Das war unvermeidlich. Doch Fett war noch nie zuvor jemandem begegnet, der plante, die gesamte Galaxis zu übernehmen, sofern man Palpatine mal außen vor ließ. »Und Sie glauben, wir helfen Ihnen dabei.«

»Ihr habt kaum eine Wahl.«

»Sie werden sich Ihren Weg quer durch diese Galaxis erkämpfen müssen, Welt für Welt, und das wissen Sie. Sie hätten uns nicht angeheuert, würden Sie glauben, Sie könnten das allein hinbekommen.«

»Fordert ihr weitere Credits?«

Wenn diese Dinger Erfolg haben, würden die Credits uns viel Gutes bringen. »Vielleicht.«

»Versucht ihr, mich zu erpressen?«

»Ich sage Ihnen nur, dass es einfacher ist, die Sache mit uns an Ihrer Seite durchzuziehen als ohne uns.«

»Ihr werdet für eure Hilfe bezahlt.«

»Das genügt nicht.«

»Ihr seid nicht in der Position zu feilschen.«

»Ich glaube, doch.«

Beviin klang, als würde er den Atem anhalten. Fett konnte sehen, dass er die Arme leicht von seinen Seiten weg hielt, und das entsprechende Symbol, das von ihrem internen Netzwerk an sein HUD übermittelt wurde, zeigte ihm auch, worauf seine Aufmerksamkeit gerichtet war: Beviin kundschaftete die Decke des Schiffs aus. Fett schaltete wieder auf das interne Kommlink um. »Denk nicht mal daran.«

»Ich schaue mich bloß um.«

»Klär einfach nur auf.«

Es gab Zeiten, in denen man sich seinen Weg bei Schwierigkeiten freischoss, und andere, in denen man seine Flucht überlegt in Angriff nahm. Häufig hing das eigene Überleben davon ab, so viel über den Feind herauszufinden, wie man konnte.

Abgesehen davon: Waren diese Kreaturen eine größere Bedrohung als ein Sith-Imperium oder eine Jedi-Republik? Er hatte schon mit wesentlich übleren Gesellen Geschäfte gemacht. Momentan waren sie immer noch Kunden - wenn auch nur gerade so eben. Er konnte etwas aus ihnen herausholen.

»Ich will genau wissen, was Sie von uns erwarten«, sagte Fett und bewegte seinen Blick beim Gehen langsam von links nach rechts und wieder zurück. Mit jeder dieser Bewegungen erstellten die Sensoren seines Helms und das Durchdringungsradar einen detaillierteren dreidimensionalen Plan ihrer Umgebung. Ein Mediscanner und eine Probensonde hätten diese Aufgabe vermutlich besser erledigt. »Und was wollt ihr von der Galaxis?«

Nom Anor blieb bei einer zackigen Öffnung in der Wand stehen und winkte sie mit einer Geste hindurch. »Ich dachte, das hätte ich deutlich gemacht. Unterwerfung und Gehorsam.«

Träum weiter, Barve. »Präziser, bitte.«

»Wir werden eure Galaxis von aller Technologie säubern und sie durch unsere eigene ersetzen. Durch organische Technologie. Lebendige Technologie. Keine Maschinen, keine künstliche Verbrennung, keine Artefakte. All das sind, wie ihr noch erkennen werdet, Abscheulichkeiten und eine Beleidigung der Großen Götter höchstpersönlich.«

Mit einem Mal hatte Fett ein Bild von sich selbst in einer Krabbenrüstung vor Augen. Nein danke. Das würde nicht passieren. »Und worin besteht unsere Rolle in diesem großen Plan?«

»In der Informationsbeschaffung und dem Erledigen der subtileren Arbeit, die getan werden muss.«

Fett verstand noch immer nicht recht, was Nom Anor mit organischer Technologie meinte. Einige Spezies machten sich diese Art der Technik in begrenztem Maße zunutze, doch nichts davon erinnerte an das, was er gerade sah, roch und hörte: groteske Männer, die von lebenden Krabbenpanzern umhüllt waren, Waffen, die eigentlich Tiere waren. Raumschiffe, bei denen es sich in Wahrheit um Miniaturplaneten handelte.

»Zeigen Sie's mir«, forderte Fett.

Wie nannte man einen geschlossenen Raum in einem Yuuzhan-Vong-Schiff? Eine Kabine, ein Abteil, einen Hangar? Sie betraten eine Kammer, die in Fett das Gefühl weckte, sich in einem Magen zu befinden. Zwar waren die Wände mit glühenden, sich bewegenden käferartigen Klumpen versehen, doch es gelang ihm nicht, diesen Gedanken abzuschütteln. Eine weitere bizarre Gestalt – wahrscheinlich ein Krieger, dem Fehlen der klauenversehenen Rüstung nach zu urteilen, vielleicht aber auch mit einem anderen Fachgebiet oder aus einer anderen Kaste - kauerte am Boden, die Arme über den Kopf geschlagen. Als er sich bewegte, sah man eine Art Rüstungs-ringkragen am Ansatz seiner Kehle.

Das Problem dabei, etwas anzusehen, von dem man nicht genau wusste, worum es sich dabei eigentlich handelte, bestand darin, dass es mit einem Mal in die richtige Perspektive und einen Kontext rückte, und dann erkannte man mit schockierender Klarheit, welchem Sinn und Zweck es diente. Fett wurde bewusst, dass er keinen Yuuzhan Vong vor sich hatte.

»Was, zum shab, haben die ihm angetan?«, fragte Beviin.

Es war ein Menschenmann - mehr oder weniger.

Die Haut in seinem Nacken war mit schleimigen rosa Klumpen bedeckt, die auf den ersten Blick wie knotige Rückenknöchel wirkten, die unter einem groben grauen Hemd verschwanden, doch bei näherem Hinsehen sahen sie eher wie Stein aus. Es war schwer zu sagen, wie alt er war oder woher er stammte. Die sichtbare Haut war olivgrün und glatt, sein Schädel kahl rasiert. Doch er war in jedem Fall menschlich oder zumindest humanoid.

Nom Anor blickte mit unbeteiligtem Interesse auf die Gestalt herab. »Wir haben diesen Gefangenen auf Ter Abbes gemacht. Das Yorik-kul-Implantat ist ein Experiment, eine neue Züchtung.«

Er packte den Mann mit einer Hand an der Schulter und riss ihn halb in die Höhe, wobei dessen Kopf nach hinten rollte, als wäre er betrunken. Der Gegenstand, den Fett für einen Ringkragen gehalten hatte, für einen gepanzerten Halsschutz, bestand aus derselben knochenartigen rosa Masse wie die Höcker im Nacken des Gefangenen. Auswüchse von dem Zeug waren mit den Höckern verbunden. Mit einem Mal erkannte Fett, das es sich bei den Knoten um das Ende der Wucherungen handelte, die von dem Ringkragen ausgingen und im Hals des Gefangenen steckten, und das war eins jener Bilder, die er bereits in dem Moment aus seinem Verstand verdrängte, in dem sie sich seinem Blick darboten.

Der Mann schien keine Schmerzen zu leiden. Seine Augen waren glasig, ihr Blick in weite Ferne gerichtet. Fett bemühte sich, gleichgültig zu wirken, obwohl sein animalischer Kern rebellierte und ihn ermahnte, von hier zu verschwinden.

»Wollen Sie das näher erklären?«

»Es ist eine Koralle«, sagte Nom Anor. »Sie kolonisiert den Körper und ermöglicht es uns, Gefangene zu kontrollieren und sie zu produktiven Sklaven zu machen. Dieses Exemplar war ein wenig anders, deshalb studieren unsere Gestalter, wie sich das Yorik-kul an ihn anpasst. Der Prozess ist... unvollständig.«

»Und das haben Sie mit der ganzen Galaxis vor, nicht wahr?« Sag kein Wort, Beviin. »Mit uns allen.«

Nom Anors Blick schoss über Fetts Visier. Seine Augen wirkten immer noch wie die gefangenen Überbleibsel eines Menschen, und Fett dachte an einen Cyborg und wie ironisch das für eine Spezies sein musste, die Maschinen als Abscheulichkeiten betrachtete.

»Nicht notwendigerweise als Sklaven«, antwortete ihm Nom Anor.

»Gut. Denn das ließe sich nur schwer in die Tat umsetzen.«

»Einige werden die Wahrheit erkennen und zu Yuuzhan Vong werden.«

»Und die, die das nicht tun? Lassen Sie mich raten.«

»Entweder werden sie zu Yuuzhan Vong, oder sie sterben.«

Das war der Moment, in dem Nom Anor aufhörte, einfach nur ein widerlicher Geschäftspartner zu sein, und zu etwas wurde, das Fett vorher noch nicht wirklich untergekommen war: zu einer Gefahr, mit der er möglicherweise nicht fertig werden würde.

Es war, als würde sich der Vollstrecker vor seinen Augen verändern, als würde sich sein bloß abscheulich entstelltes Gesicht, das durch seine wenigen Spuren von Normalität noch schrecklicher wirkte, auf subtile Weise in etwas vollkommen Fremdartiges verwandeln, das er töten musste. Einen Moment wurde das Ganze zu einer echt persönlichen Angelegenheit, und das war ihm ein Gräuel. Der Trick bestand darin, den Gegner zu verstehen, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Nun wusste er, worin sein höherer Preis bestand. Er wusste genau, was er zu verlangen hatte.

»Solange wir für euch arbeiten«, sagte Fett, »haltet ihr euch aus dem Mandalore-Sektor raus.«

Nom Anor starrte in Fetts Visier, und Fett starrte zurück: seine

Helmkamera zeichnete alles auf, was der Vollstrecker offenbar nicht mitbekam. Die Fratze der Kreatur war ein Alptraum, wie ein Leichnam auf einem Schlachtfeld: Nase und Lippen fehlten, hatten in der Mitte seines Gesichts ein Loch hinterlassen, doch seine Zähne waren mindestens ebenso menschlich wie seine. Seine Haut war eine Ansammlung runzeliger, aber gleichmäßiger Narben und verschachtelter Tätowierungen. Ein dicker Knochenkamm oder Narbengewebe - Fett war sich nicht sicher, was davon - verlief von unter seinen eingesunkenen Augenhöhlen bis zur Rückseite seines haarlosen, vernarbten, tätowierten Schädels.

Es waren allein die Augen und die Zähne, die waren absolut menschlich, als würde jemand in einem monströsen Kostüm stecken und versuchen, sich daraus zu befreien. Das Bild fügte sich in Fetts Denken ein, fast wie eine Einblendung auf einer Holokarte. Mit einem Mal malte Fett sich aus, wie Nom Anor ausgesehen haben mochte, als er noch eine Nase und einen Mund und normale Haut gehabt hatte. Er stellte sich vor, wie die Krieger aussehen mussten, weil diese Invasoren alle die gleichen schrecklichen Fratzen hatten. Sie verstümmelten sich absichtlich selbst.

Fierfek. Wenn sie sich so was schon selbst antun ...

»Du versuchst immer noch, mit mir zu feilschen«, sagte Nom Anor.

»Das ist mein Preis. Und wenn ich herausfinde, dass ein Klient nicht vollkommen offen zu mir war, steigt er noch.« Wie etwa, wenn man eine galaktische Invasion verschweigt. Gleichwohl, jetzt war Fett derjenige, der sich etwas erkaufte: Er erkaufte sich Zeit. »Ihr werdet hier um jeden Meter Boden kämpfen müssen. Tausende empfindungsfähiger Rassen, unzählige Welten, und jede einzelne davon wird sich zur Wehr setzen. Ihr braucht uns. Und wenn auch bloß, um mit den Jedi fertig zu werden.«

»Und ich könnte dich jetzt auf der Stelle töten.«

»Ich bin bloß ein Mann. Die Clans werden sich unverzüglich einen neuen Mandalore suchen, und dann werden sie kämpfen. Ihre Entscheidung.«

Beviin murmelte gereizt: »Danke. ´Alor.«

Der Gefangene begann, zusammenhanglos zu stöhnen, und sackte auf dem Boden zusammen: er zuckte unter Krämpfen, seine Augen in den Höhlen nach oben gerollt. Nom Anor betrachtete ihn mit offensichtlicher Faszination, ohne den Versuch zu unternehmen, ihm zu helfen, und eine Sekunde lang erwog Fett allen Ernstes, seinen Blaster zu ziehen und den bedauernswerten Mann von seinem Elend zu erlösen. Zwar beschloss er, dass das nicht seine Angelegenheit war, doch er wusste auch, dass er für den Rest seines Lebens bereuen würde, es nicht getan zu haben.

Ein weiterer Yuuzhan Vong betrat die Kammer, ebenso tätowiert und verstümmelt wie Nom Anor, doch mit einem drapierten, holzkohlegrauen Gewand - wenn man es so nennen durfte - bekleidet, das an sein Fleisch geheftet schien, von den Schultern bis hoch zur Kopfhaut. Diese Leute fanden Gefallen an Schmerz. Fett konnte die Zähne zusammenbeißen und ihn ertragen, aber das hatte etwas mit Zähigkeit zu tun und war keine krankhafte, verstörende Vorliebe dafür. Hingegen hatte es den Anschein, als wäre Schmerz ein zentraler Bestandteil der Lebensweise der Yuuzhan Vong.

Er hatte genug gesehen. Oder zumindest dachte er das.

Der neu hinzugekommene Yuuzhan Vong beugte sich über den am Boden zusammengesunkenen Gefangenen und packte den Korallenkragen mit festem Griff, um ihn aus seinem Hals zu reißen. Der Gefangene sah tot aus: mittlerweile war Fett ziemlich gut darin. Tote als solche zu erkennen.

Beviin, der mit in die Hüften gestemmten Fäusten dastand und nach außen hin teilnahmslos wirkte, fluchte wütend in der Intimsphäre, die ihnen das Helmkommlink bot. »Ich will jeden einzelnen Krabbenbengel in der Galaxis zur Strecke bringen«, murmelte er. Normalerweise war Beviin der Unbekümmertste überhaupt, und das Gift in seiner Stimme überraschte Fett. »Ganz egal, ob du einen Handel mit ihnen hast oder nicht. Mand'alor.«

Zwei sonderbare Geschöpfe mit wesentlich weniger exotischen Narben und Tätowierungen als Nom Anor trafen mit einem neuen Gefangenen ein, einem dürren Twi'lek-Mann in fortgeschrittenem mittlerem Alter, und er war verängstigt, wehrte sich, schrie. Fett war nicht zimperlich, doch sein Ehrenkodex gebot ihm, sauber zu töten, und Schmerz war allenfalls ein Nebeneffekt davon, keine Freizeitbeschäftigung. Es ging schnell: Die verdingten Helfer hielten den Twi'lek zu Boden, und die Kreatur in dem angehefteten Gewand rammte das Yorik-kul, das dem toten Opfer aus dem Hals gerissen worden war, einfach ins Brustbein des neuen Gefangenen, so fest, dass die Knoten durch die Haut seines Nackens stießen, um ihn gurgeln und würgen zu lassen. Das Trauma hätte ihn töten müssen, aber irgendwie gelang es den Krabbenbengeln - Beviin hatte ein Talent für wohlfeile Beleidigungen ihn am Leben zu erhalten.

Fett verzichtete absichtlich darauf, Beviin anzusehen, um ihn nicht noch mehr aufzubringen. Er konnte hören, wie er mit den Zähnen knirschte und schwer schluckte. Falls Beviin seinem Verlangen nachgab, eins der Opfer mit seinem Blaster zu rächen, würden entsetzlich viele andere im Mandalore-System den Preis dafür bezahlen müssen.

»Ganz ruhig, Goran«, flüsterte er in das HUD-Kommlink. Fierfek, ich habe ihn noch nie hei seinem Vornamen genannt. »Dafür ist später noch Zeit.«

Fett konnte sich den Schmerz nicht einmal vorstellen, den der Twi'lek erleiden musste. Er wusste jetzt, dass er die Yuuzhan Vong verachtete, nicht für ihre offenkundige Selbstkasteiung und ihre Brutalität, sondern für die Gier, mit der sie sich an einer solchen Perversion ergötzten. Auf gewisse Weise war das ein ebensolches Laster wie Trunksucht und Glitterstim-Abhängigkeit. Außerdem verachtete er Nom Anor für die plumpe Theatralik. die ihm zeigen sollte, was Mandalore bevorstand, falls er nicht einwilligte.

Eure Drohungen motivieren mich nur noch mehr.

Nom Anor tat so, als würde er lange über Fetts Preis nachdenken müssen. »Der Mandalore-Sektor bleibt unangetastet«, versprach er schließlich.

Lügner. Ihr werdet über die Galaxis herfallen wie ein Insekten-schwarm, und wenn es euch in den Kram passt, werdet ihr euch um uns kümmern. Du hast achtzehn Jahre lang als wandelnde Lüge unter uns gelebt, was schert dich da schon eine weitere Unwahrheit, die dir über die. Zunge kommt...

Fett schluckte seinen Abscheu hinunter. »Unter dieser Bedingung sind wir uns dann also einig.«

Und ich bin ein ebensolcher Lügner, weil wir das nicht sind.

Nein, Fett würde sein Wort halten. Es war ihm wichtig, seine Einwilligung sorgfältig zu formulieren, damit er diesen Ungeheuern bei jedem Schritt ihres Weges Knüppel zwischen die Beine werfen und sein Ehrgefühl bewahren konnte. Mein Wort bindet mich, und du hast mich angelogen.

Beviin griff nach unten und hob ein Fragment der lebenden Koralle auf, die von dem toten Gefangenen abgebrochen war, so beiläufig wie ein Mann, der Feuerholz sammelt.

»Eure nächste Aufgabe besteht darin, auf Birgis eine Landezone für uns zu sichern«, sagte Nom Anor. Er reichte Fett einen Datenchip, und das musste ungeheuer an ihm nagen: verderbte Technologie. »Hier sind die Aufklärungsdaten, die wir kürzlich erhielten, in einem Format, mit dem ihr arbeiten könnt. Wir könnten die Oberfläche auch einfach vom Orbit aus vernichten, da der Planet ohnehin umgebildet und neu gestaltet werden wird, um unseren Bedürfnissen zu entsprechen, aber wir möchten die Bewohner am Leben lassen, damit sie für uns arbeiten.«

»Wann?«, fragte Fett.

»In fünf Tagen.«

»Dann sollten wir uns lieber an die Arbeit machen.«

Es war schwer, nicht einfach durch diesen Schlund von einem Korridor zu rennen. Beviin ging mit großen Schritten neben ihm her, eine Hand auf seine Gürteltaschen gelegt, wie um ihren Inhalt zu schützen. Im Andockbereich trennten sie sich und gingen zu ihren jeweiligen Schiffen, beobachtet von schweigenden Yuuzhan-Vong-Kriegern, einem Wald grotesker Dornenbäume, an die sich Schlangen schmiegten, die kalte schwarze Zukunft der Galaxis und mit einem Mal alles, das Fett verabscheute.

Beviin fuhr das Ionentriebwerk der Gladiator hoch. Gepanzerte Krieger traten zurück; nur einer blieb stehen und sah zu, die Arme vor der Brust verschränkt. Fett aktivierte die Kontrollkonsole der Slave I, und die Firespray erwachte mit einem anschwellenden Heulen zum Leben, das zu einem durchgängigen Ton wurde. Die Gladiator hob ein paar Meter vom Boden ab und hielt sich im Hintergrund. Beviin wartete darauf, dass Fett die Führung übernahm.

»Du zuerst«, sagte Fett. »Wir müssen einiges an Planungsarbeit erledigen.«

»Du kannst nicht wirklich glauben, dass es ihnen mit diesem Deal ernst ist.« Beviin war seinem Mandalore treu ergeben, ganz der traditionelle Mando´ade, doch das bedeutete auch, dass er das Recht hatte, dem Mandalore zu sagen, er solle sich gefälligst allein um seinen Kram kümmern, falls der eine Entscheidung traf, die einem Selbstmord gleichkam. »Nicht nach dem. was wir gerade gesehen haben.«

Fett dirigierte die Slave I manuell auf die unregelmäßige Öffnung zu, die als Hauptschott diente. »Nein. Und mir ist es damit ebenso wenig ernst, und wir müssen davon ausgehen, dass er das zumindest ahnt.«

»Wenn er auch nur das Geringste über Mando weiß, muss ihm klar sein, dass wir das vollkommene Gegenteil der Krabbenburschen sind.« Beviin verließ den Hangar, und seine Triebwerke flackerten schwachviolett auf, während er an Geschwindigkeit gewann. Die Gladiator wirkte wie ein abgeflachtes Oval, bis sie steil höherstieg und unvermittelt die charakteristische Form eines durch einen Schild gestoßenen Säbels annahm. »Sklaven, Kastensysteme, verrückte Götter ... Der shabuir hat gesagt, dass man entweder ein Yuuzhan Vong wird oder stirbt.«

»Mir gefällt meine Rüstung so, wie sie ist. Aus kaltem Metall.«

Beviin hörte sich an, als bemühte er sich, eher desillusioniert zu wirken als von Abscheu zerfressen. »Credits spielen keine Bolle mehr. In einer vong'yc Galaxis gibt es ohnehin nichts mehr, das sich zu kaufen lohnen würde.«

»Das weiß ich. Deshalb werden wir ihnen auch einen Strich durch ihren großartigen Plan machen.«

Kein Mandalorianer hätte die Credits der Yuuzhan Vong angenommen, hätten sie gewusst, wofür man sie in Wirklichkeit bezahlte. Doch Fett hatte sich auf das Geschäft eingelassen, und jetzt hatte er die Wahl: entweder sich gegen sie zu wenden und zu kämpfen, wie es der Best der Galaxis auch tun würde, oder sich die heikle Insiderposition zunutze zu machen, die sie innehatten, um den Invasoren soviel Schaden wie möglich zuzufügen.

»Was hast du im Sinn? Es wird einige Zeit dauern, um auf Mandalore eine ganze Armee zu mobilisieren.«

»Und wir würden massive Verluste erleiden, wenn wir unseren Zug machen, bevor wir genau wissen, womit wir es hier zu tun haben. Eine derartige Technologie haben wir noch nie zuvor gesehen.«

»Rumsitzen und abwarten? Du musst völlig ...«

»Sie haben uns zum Narren gehalten. Jetzt halten wir sie zum Narren. Wir spielen das Spiel hübsch artig mit und tun so. als stünden wir auf ihrer Seite, während wir so lange Informationen sammeln, bis wir genug haben, um ihnen einen schweren Schlag versetzen zu können. Wir geben vor, des Geldes wegen mitzu-machen.«

Fett wusste nicht, wie viel Zeit sie hatten. Letzten Endes würden die Yuuzhan Vong nach Mandalore kommen, um die Welt mit lebenden Maschinen und von Parasiten befallenen Sklaven neu zu bevölkern wie jeden anderen Planeten auch. Die einzige Frage war, wann es so weit sein würde. Fett streifte seinen linken Handschuh ab und ließ seine Fingerspitzen über die glatte Struktur der Konsole der Slave I gleiten, einem der wenigen Originalteile des Schiffs, die noch aus der Zeit seines Vaters stammten. Eine Überholung nach der anderen hatten die Fähigkeiten der Firespray beinahe bis zur Unkenntlichkeit verändert, doch wäre Jango Fett jetzt zurückgekehrt, hätte er den Pilotensessel in Sitzposition gebracht, die Konsole auf Staub und Verschmutzungen hin abgesucht, wie er es gewöhnlich tat, und sich sofort ganz wie zu Hause gefühlt. In einer versklavten Galaxis, die von einer brutalen Zivilisation beherrscht wurde, die jede Spur von Jaster Mereels Vermächtnis ausgemerzt hatte, würde er sich nicht zu Hause fühlen.

Fett untersuchte seine Fingerspitzen nach Staub. Die Slave I war makellos sauber. Auch das Schiff sah nicht nach dem aus, was es in Wirklichkeit war. Dies würde ein kleiner Krieg der Täuschungen werden. Er hoffte, dass Nom Anor die Ironie daran zu schätzen wusste.

Beviin brütete vor sich hin, »Trotzdem können wir die Krabben nicht allein bekämpfen. Was ist mit der Neuen Republik? Die werden alle Informationen brauchen, die wir beschaffen können.«

»Denen können wir nicht trauen. Wir haben Nom Anor nicht durchschaut, und das bedeutet, dass sich ein getarnter Yuuzhan Vong hinter jedem Wesen dieser Galaxie verbergen könnte.«

»Vielleicht müssen wir ihnen vertrauen.«

»Wir könnten ihnen die Daten zuspielen, die wir schon haben.«

»Und wenn die Neue Republik unsere Deckung auffliegen lässt, aus welchen Gründen auch immer, und die Vongese sich dafür an Mandalore rächen ...«

»... dann kämpfen wir bis zum letzten Mann, oder wir ziehen los und suchen nach diesen anderen Galaxien, von denen die Yuuzhan Vong sagen, dass sie dort draußen sind.«

»Bis dorthin ist es zu weit.«

»Und der Tod ist zu endgültig. Deshalb sollten wir besser gewinnen.«

»Dein Vater wäre stolz auf dich, Bob'ika.« Beviin war jünger als Fett, doch er redete ihn immer noch mit der Kinderform seines Namens an. Manchmal ärgerte das Fett, und manchmal tat es das nicht. In diesem Moment war es in Ordnung. »Für einen Mann, der behauptet, dass ihm alle anderen egal sind, bist du immer für die Mando'ade da, wenn du gebraucht wirst.«

»Ich bin der Mandalore. Es ist meine Aufgabe. Nichts weiter.«

»Natürlich ist es das«, sagte Beviin. »Ich glaube dir.«

Die Aggressors und Gladiators, die beim Treffpunkt die Stellung hielten, wirkten mitleiderregend klein. Hinter ihnen sprenkelten die Wogen der Yuuzhan-Vong-Schiffe die Leere. Der Anblick war die eindrucksvollste Zusammenfassung ihrer Chancen, die Fett je gesehen hatte: Sie standen schlecht und waren nicht einmal der Rede wert.

Doch Jango Fett hätte sich davon nicht beeindrucken lassen. Und darum würde er sich davon ebenfalls nicht beeindrucken lassen.

NOM ANORS AUFZEICHNUNGEN ÜBER
DEN ANGRIFF AUF BIRGIS

Fett weigert sich, Villips zu benutzen, und besteht darauf, weiterhin seine eigenen Kommunikationsgeräte zu verwenden. Ich bedaure. dass somit auch ich diese Ungläubigen-Technologie beibehalten muss.

Ich muss zugeben, ich hatte nicht erwartet, dass er und seine Söldner einwilligen würden. Die Versklavung der Yorik-kul scheint die Mandalorianer besonders abzustoßen, was seltsam ist für eine Hasse, deren Historie voll von Plünderungen, Besatzungen und Gemetzel ist. Doch Sklaverei ist etwas, das ihnen zutiefst zuwider ist: vermutlich liegt das an ihrer eigenen Vergangenheit. Offensichtlich haben sie Angst davor.

Doch den Tod fürchten sie nicht. Sie heißen ihn nicht mit offenen Armen willkommen, aber sie sagen, dass man so lange lebt, wie sich jemand an deinen Namen erinnert. Sie nehmen ihre Helme nie ab, daher kann ich dies nicht anhand ihrer Mienen beurteilen, aber der Tonfall ihrer Stimmen verrät mir, dass die. Auslöschung ihrer Kultur durch unsereins für sie schlimmer als der Tod sein wird.

Ich vermute, dass das der Schlüssel ist, um sich weiterhin ihre Loyalität zu sichern. Mandalore wird so lange unbehelligt bleiben, wie ich sie brauche. Am Ende jedoch wird Versklavung die einzige Art und Weise sein, auf die mit ihnen verfahren werden kann.

BIRGIS: GRENZBEREICH DES RAUMHAFENS, EINE STANDARDWOCHE NACH DER INVASION VON HELSKA 4

Beviin musste zugeben, dass die Vongese wussten. was sie taten, wenn es darum ging. Galaxien zu überrennen, doch mit List und Verschlagenheit schienen sie nicht viel am Hut zu haben.

Der Hauptraumhafen von Birgis - der auf diesem kleinen Planeten sowohl von zivilen als auch von militärischen Schiffen benutzt wurde - war das offensichtlichste Ziel, das sie ins Visier hätten nehmen können. Von seinem Überwachungspunkt am Außenbereich, versteckt im hohen Gras, konnte er die Speeder sehen, die in einem Wirrwarr blinkender Lichter auf den Landestreifen patrouillierten. Andere hatten überhaupt kein Licht eingeschaltet, waren in seinem Nachtsichtvisier aber dennoch als grüne Ziele zu erkennen. Die Militärschiffe und -fahrzeuge waren eine vielseitige Mischung des hier stationierten Geschwaders und den Überbleibseln anderer, die der erbarmungslosen Invasionsflotte entkommen waren und sich auf dem Planeten neu formiert hatten.

Diese Einheiten auf dem Boden zu zerstören, würde die schwerste Aufgabe sein, die Beviin sich vorstellen konnte. Den Doppelagenten zu spielen, war so lange in Ordnung, bis man gezwungen war, der eigenen Seite einen überzeugenden - tödlichen - Schlag zu versetzen, um die Illusion aufrechtzuerhalten.

Und die Neue Republik wusste nicht einmal, dass die Mandalorianer auf einmal ihre Verbündeten waren.

»Ich sage immer noch, wie hätten das zivile Hauptkraftwerk ausschalten sollen, um für eine Ablenkung zu sorgen«, murmelte Cham, auf einen Ellbogen gestützt, während er in der Deckung des Grases lag und einen tragbaren Raketenwerfer kalibrierte. »Wie auch immer, sie bezahlen dafür. Ihre Entscheidung.«

Fett tätschelte ein Fach an seinem Gürtel. »Eine gute Gelegenheit. diese Daten zu übergeben. Besonders jetzt, da unsere nächsten beiden Einsatzbefehle auf dem Chip sind. Da kann die Neue Republik dann eingreifen.«

»Offenbar habe ich da irgendwas verpasst. Die Leute hier sind momentan nicht unbedingt in der Stimmung für Diskussionen.«

»Hast du eine bessere Idee, mit der Neuen Republik in Kontakt zu treten, während uns die Vong im Nacken sitzen?«

»Nein, Mand'alor.«

»Dann lasst uns loslegen und wie ein Kommandotrupp aussehen.« Fett bedeutete ihnen, ihre Positionen einzunehmen. »Versucht, nicht jeden zu töten, bis wir wissen, ob hier irgendwo ein Offizier ist. zu dem wir Verbindung aufnehmen können, und lasst einen oder zwei Raumjäger intakt. Haben das alle verstanden? Jemand muss von hier entkommen können, um die Daten weiterzugeben.«

Beviin hielt einen Kanal seines Kommlinks offen, um den Funkverkehr der Neuen Republik abzuhören. Aus nahe liegenden Gründen rechneten sie mit einer Yuuzhan-Vong-Landung von der Art, mit der die Invasoren durchs Outer Rim gebrochen waren: ein gewaltiges Luftbombardement aus Magma und brennenden Felsbrocken, gefolgt von Truppen, die von etwas ausgespien wurden, das man bloß als riesige Würmer bezeichnen konnte. Der psychologische Faktor - Gefährte und Waffen, die wie abnorm deformierte Organe wirkten - kam beinahe ebenso schwer zu tragen wie die schiere Zerstörungskraft der Vongese-Flotte.

Er konnte hören, dass die Einsatzleitung Frühwarnschiffe und Jäger über fünf Städten in der nördlichen Hemisphäre in Stellung brachte, Berichte über die Sichtungen feindlicher Kriegsschiffe sammelte - und dass Basen auf anderen Planeten dichter beim Rand der Galaxis plötzlich nicht mehr auf Signale reagierten. Man konnte den Vorstoß der Yuuzhan Vong anhand des Kielwassers verstummter Kommstationen verfolgen, die sie zurückließen.

Die Besatzung hier rechnete allerdings mit Sicherheit nicht damit, dass Mandalorianer ihren Raumhafen infiltrieren und den Kontrollknotenpunkt außer Gefecht setzen würden.

Fett verglich die Anzeige seiner Uhr mit denen der sechs anderen und lehnte sich auf seinen Fersen nach hinten, während er gelegentlich eine Taste an seiner Unterarmrüstung betätigte. Dinua observierte den Kontrollturm. Als sie langsam ihren Kopf bewegte, um die Umgebung zu scannen, konnte Beviin die grün leuchtende Kamerafahrt in der Reihe der Symbole auf einer Seite seines Blickfelds mitverfolgen.

Briika hatte bei der Ausbildung ihrer Tochter gute Arbeit geleistet. Das Mädchen durchlebte momentan diese heikle Phase zwischen dem Erwachsenwerden mit dreizehn und dem Zur-Frau-werden mit sechzehn, doch sie war zweifellos bereits eine ausgesprochen fähige Soldatin. In der Mando-Gesellschaft war das immer schon so gewesen. Doch manchmal sah sich Beviin aruetii—Kinder im selben Alter an und fand, dass dreizehn viel zu jung war, um eine so große Verantwortung zu übernehmen.

Hätte er ihr das gesagt, da war er sicher, hätte sie ihm eine verpasst. ohne eine Sekunde zu zögern. Sie war so hart wie ihre Mutter. Er fragte sich, was ihrem Vater zugestoßen sein mochte, und beschloss, dass sie es ihm von sich aus erzählen sollte.

Zumindest war er imstande gewesen, eine Nachricht für Medrit zu hinterlassen. Mach dir keine Sorgen. Es ist nicht so, wie es aussieht. Warte ah.

»Vergesst nicht«, sagte Fett, »ich will gute Schauspielerei sehen. Schlagt hart genug zu, um überzeugend zu wirken, aber mäht nicht alle nieder, weil wir mindestens einen Überlebenden brauchen.« Er hielt inne, und Beviin hörte ihn schlucken. »Dreißig Sekunden.«

Auf dem synchronisierten Timer, der auf ihre HUDs projiziert wurde, lief der Countdown ab. Bei fünfzehn Sekunden sank Cham auf ein Knie und balancierte den Raketenwerfer auf der rechten Schulter, drückte seine gepanzerte Wange gegen das Rohr und stützte mit der linken Hand die Mündung.

Er hatte die Angewohnheit, leicht mit dem Kopf zu wippen, wenn er im Stillen mitzählte, doch das wirkte sich nie auf sein Zielen aus. Schließlich hörte sein Kopf für drei Sekunden auf zu wippen, und eine Stichflamme gelben Feuers schoss mit dem Fwuuusch von entweichendem Gas nach hinten. Sekunden später explodierte die Spitze des Raumhafen-Towers in einem weißen Feuerball, der in den Nachthimmel aufstieg, um den Landestreifen schlagartig vorübergehend in Tageslicht zu tauchen.

Fett brauchte kein einziges Wort zu sagen. Während Trümmer herabregneten und sich Fahrzeuge und Personal verstreuten, nahmen die Mandalorianer den Hundert-Meter-Sprint zum Hauptgebäude in Angriff; jeder agierte mit ein paar Sekunden Unterschied und schlug eine andere Route ein, derweil Cham das Luftabwehrgeschütz einige weitere Augenblicke lang beschäftigte, und zwar mit einer willkürlich abgefeuerten Rakete, die einen Wasserturm zerfetzte und eine Sturzflut auf die Kanzeln der geparkten Speeder niedergehen ließ.

Es war schwieriger, als man annehmen würde, einen Angriff vorzutäuschen, wenn das ganze Leben, das man zuvor geführt hatte, von skrupellosem, effizientem Töten bestimmt gewesen war. Besonders schwer war es, wenn die Zielpersonen tatsächlich glaubten, dass man sie töten wollte, und verzweifelte Gegenwehr leisteten. Beviin sprengte eine Sicherheitstür in den hell erleuchteten Hauptkomplex auf und folgte Fett mit Briika und Dinua im Schlepptau hindurch. Suvar und Tiroc deckten den Ausgang und einen Korridor, der davon wegführte, um ihre Fluchtroute zu sichern. Sie liefen den Hauptgang zu einer Doppeltür hinunter, die mit HOCHSPANNUNG-Gefahrenschildern versehen war.

Normalerweise wäre es am einleuchtendsten gewesen, hineinzugehen und im Generatorraum so viel Schaden wie möglich anzurichten. Diesmal liefen die Dinge anders. Fett rannte weiter, und sie erreichten eine Gabelung des Korridors, wo ihnen Blasterfeuer entgegenschlug.

Beviin sprang zurück und nutzte die Gelegenheit, um nachzuladen. »Gut. Da ist jemand zu Hause.«

»Jetzt müssen wir sie bloß noch dazu bringen, lange genug das Feuer einzustellen, damit wir ihnen erklären können, dass wir einen Botengang für sie haben.«

Fett und Briika lehnten sich aus der Deckung hervor und schossen. Eine weitere Salve heißer, blauweißer Bolzen zuckte über die Spitze von Fetts Helm hinweg, um der grünen Farbe einen weiteren schwarzen Streifen hinzuzufügen.

»Wenn die nicht freiwillig mit uns reden wollen, müssen wir sie eben dazu zwingen.«

»Darin sind wir gut.«

»Ohne alle zu töten.«

»Das ist weniger einfach.« Beviin zog eine Holosonde aus der Ärmeltasche und schob sie vorsichtig um die Ecke der Wand. Das Bild, das die Sonde auf ihre HUDs übertrug, zeigte einen Küchenbereich: Tische, Stapel mit Metalltabletts, ein paar hochkant gestellte Stühle, vergessene Teller. Die Leute hatten sich verteilt. Möglicherweise hatte hier gerade eine Schiffsbesatzung eine Essenspause eingelegt, ehe sie zurück zum Startfeld gelaufen waren, um die Raumjäger in die Luft zu bekommen.

Einige waren allerdings noch da. Er sah das Aufblitzen einer orangefarbenen Bewegung. Ein Fliegeroverall. Ein Pilot. Piloten konnten die Informationen von hier wegbringen. Piloten durften nicht zu schwer verletzt oder betäubt werden, damit sie beim Angriff der Vong immer noch hier wegfliegen konnten. »Bob'ika, lass mich mit ihm reden.«

»Das kann ich allein.«

»Wer trägt die Durastahlrüstung, und wer hat die Beskar-Version? Die fast Lichtschwert-sichere Bestar-Version?«

»Wenn er einen Glückstreffer landet, wird diese schicke Antiquität dich auch nicht retten.«

»Ich habe nie verstanden, warum du dich nicht auch für Beskar entscheidest«, sagte Beviin. »Aber heben wir uns das für später auf. In drei...«

Beviin sprang auf die Füße und rannte so schnell, wie er irgend konnte, auf das Blasterfeuer zu. Einen losgelösten Moment lang dachte er daran, dass Medrit durchdrehen würde, wenn sie wüsste, dass er ein solches Risiko einging, und das bereitete ihm mehr Sorge als der Blasterbolzen, der seine Brustplatte traf und sengendheiße Luft durch das Atemgerät seines Visiers sandte. Adrenalin war eine wundervolle Sache. Das schoss ihm just in dem Moment durch den Kopf, als er sich auf das Gewirr orange gekleideter Gliedmaßen warf und halb taub von seiner eigenen Stimme wurde, als er brüllte: »Fallen lassen! Klappe halten und zuhören!«

Rüstungen krachten gegen seine. Dinua und Briika landeten oben auf ihm. Er befand sich beinahe am Boden eines schweren Haufens von Leibern, die einen Piloten bändigten.

»Runter von mir, wir zerdrücken ihn ja ...«

»Hast du seinen Blaster?«

»Ich hab ihn.«

»Hast du seine Arme?«

Der Pilot jaulte auf. Dinua hatte zweifellos etwas gepackt. Das war ein Trick, den er schon seit einer ganzen Weile nicht mehr erlebt hatte. Beviin wich zurück und zog den Piloten in eine sitzende Position, um festzustellen, dass es sich in Wahrheit um eine sie handelte, eine wütend aussehende Blondine mit kurz

geschorenem Haar und einer Beule am rechten Jochbein, die sich in ein blaues Auge verwandelte.

»Mando´ade«, stieß sie hervor. »Ihr kämpft für diese Dinger? Ihr dreckigen ...«

»Ja, wir haben dich auch lieb. Jetzt hör zu. was der Mandalore zu sagen hat.« Beviin riss sie herum, damit sie Fett ansah. »Wo ist dein Helm? Du musst ein bisschen rumfliegen.«

»Warum?« Auf einem Tisch dichtbei war ein Helm, und er würde ihr passen, ob ihr das nun gefiel oder nicht. »Für euch?«

»Bring diese Daten zu eurem nächsten Kommandoposten«, sagte Fett. Er zog den Datenchip aus seinem Gürtel und hielt ihn vor ihr Gesicht, nah genug, dass sie sich darauf fokussieren konnte. »Ihr braucht diese Daten über die Vong. Schiffsgrundrisse, einige Biodaten und zwei Missionspläne, die zeigen, wohin sie als Nächstes fliegen, mitsamt ihrer Einsatzbefehle. Das ist alles, was wir beschaffen konnten. Bring es einfach zu jemandem, der etwas Sinnvolles damit anfangen kann. Und wir haben keine Zeit für dieses theatralische, von verblüfftem Schweigen begleitete Gaffen. Also spar dir das. Sofort.«

Fett half ihr auf, und sie verstaute den Chip in der Tasche am Oberschenkel ihres Anzugs, ihre Augen groß und argwöhnisch. »Also, auf welcher Seite steht ihr eigentlich?«

»Auf unserer«, sagte Briika. »Ich will, dass meine Tochter selbst Töchter haben kann. Wenn die Vongese in dieser Galaxis das Sagen haben, wird das nicht passieren.«

»Cham, bring sie zu ihrem Raumjäger oder was immer noch fliegt, und sieh zu, dass sie an den Vong vorbeikommt«, sagte Fett und wies mit seinem Blaster auf den Ausgang. »Falls auf dem Flugfeld nichts Flugtaugliches mehr zu finden ist. lösch die Sicherungsdaten deiner Gladiator, und gib ihr die Codes. Ich kaufe dir eine neue.«

»Dann sollten wir es lieber so aussehen lassen, als würden wir sie verfolgen.« Cham reichte der Pilotin den Helm und schob sie vor sich her. »Und diesmal will ich eine gelbe, die zu meiner Rüstung passt. Eine Sonderanfertigung.«

Es gab nichts mehr weiter zu tun. als von hier zu verschwinden. Die Krabbenbengel hatten keine Möglichkeit festzustellen, ob man sie zurückgeschlagen hatte oder nicht; die Aufgabe des Teams bestand lediglich darin, den Tower auszuschalten und irgendwie für Ablenkung zu sorgen. Das hatten sie getan. Dinua sprintete davon, das Gewehr in beiden Händen, und als sie das Gebäude verließen, sahen sie, warum sie drinnen auf keinerlei Widerstand gestoßen waren.

Die Bodentruppen der Yuuzhan Vong schwärmten auf den Raumhafen zu; über ihnen flogen kleine Schiffe, die wie körperlose Organe wirkten. Am Rande des Raumhafens befand sich eine Mauer aus zerstörten Speedern, Repulsortrucks und allem Möglichen, das bewegt werden konnte, um eine Verteidigungsbarriere zu errichten. Flottenpersonal in einer Vielzahl unterschiedlicher Uniformen - selbst vom Verpflegungskorps - bezog neben Zivilisten Stellung, bewaffnet mit einer Waffenauswahl, die an Verzweiflung grenzte.

In den grünen Bildern von Beviins Nachtsichtvisier wirkten die klauenbewehrten Rüstungen der vorrückenden Vongese—Krieger wie ein wandelnder Wald. Es gab nichts mehr, das er und seine Kameraden hier ausrichten konnten. Aber Seite an Seite mit diesen Truppen der Neuen Republik zu kämpfen - ja, sein Bauchgefühl wollte nicht bloß, dass er das machte, es verlangte von ihm, dass er es tat. Stattdessen wandte er sich ab, um den anderen zurück zu ihren Raumjägern zu folgen, und hasste sich selbst dafür.

»Und was geschieht, wenn die Neue Republik ihren tapferen Mando-Verbündeten dafür dankt, ihnen diese Informationen zugespielt zu haben?«, fragte er Fett. »Das wird passieren. Und ein >Uups< wird dann nicht genügen, um die Vong zu besänftigen.«

»Dann schlucke ich meinen Brechreiz runter, und unsere Arbeit für die Vong ist vorbei.« Fett legte seinen Handschuh auf sein Visier, und eine Sekunde lang glaubte Beviin, er würde tatsächlich seinen Helm abnehmen. Stattdessen wischte er bloß einen Trümmerfetzen fort. »Doch wir werden so viele Chancen nutzen, wie wir können, um sie zu schlagen. Nach und nach.«

»Zumindest kann die Neue Republik das nächste Ziel evakuieren, bevor sie dort auftauchen.«

»Ja«, sagte Fett. »Schauen wir mal, was auf Neu-Holgha passiert.«

»Wenn die Krabbenbengel schließlich entscheiden, Mandalore umzuwandeln, werden wir es als Letzte erfahren.«

»Das denken die auch«, sagte Fett. »Jetzt lasst uns sehen, ob Cham diese Pilotin sicher auf den Weg gebracht hat.«

Die Pilotin war unterwegs, und einige Stunden später trafen sie sich mit Cham. Doch Beviin konnte nicht anders, als sich über die Lage auf Birgis zu informieren. Ihm war klar, dass er das besser nicht tun sollte, aber er musste es einfach wissen.

Er erfuhr das, was er insgeheim ohnehin bereits wusste. Es gab keine Überlebenden.

NOM ANOR: EINSCHÄTZUNG DER REAKTION
DER NEUEN REPUBLIK AUF DIE INVASION

Mir war nicht bewusst, wie sehr die Neue Republik die Mandalorianer verabscheut.

Einer Nachricht nach zu urteilen, die wir abgefangen haben, weiß das Oberkommando der Neuen Republik um ihre Rolle beim

Angriff auf Birgis, und die Ungläubigen scheinen ihre eigene Art noch mehr zu hassen als uns. Allerdings denken sie offenbar, dass es sich dabei bloß um einen weiteren beliebigen Söldnertrupp handelt. Sie wissen nicht, dass Fett sie anführt. Vielleicht ist das eine zusätzliche psychologische Waffe, die ich später noch zum Einsatz bringen kann.

SHIRB-SYSTEM, OUTER RIM: NEU-HOLGHA,
DRITTER STANDARDMONAT DER INVASION

Die Fünf Heiligen Städte von Neu-Holgha hätten inzwischen evakuiert sein müssen, doch es war offensichtlich, dass die Neue Republik nicht auf ihre Warnung reagiert hatte, auch wenn sie ihre Quelle nicht preisgegeben hatten.

Hätte schlimmer kommen können, dachte Fett. Sie hätten uns als Helden der Republik lobpreisen und uns den ganzen Spaß verderben können.

Aufgrund des Umstands, dass das Langstrecken-Planeten- verteidigungsradar der Welt letzte Nacht sabotiert worden war. war Neu-Holgha beinahe ohne Widerstand an die Yuuzhan Vong gefallen. Seine Truppen waren anderswo hinversetzt worden, doch Fett hatte das Gefühl, dass das letzten Endes kaum einen Unterschied gemacht hätte.

Er beobachtete das Yuuzhan-Vong-Kriegsschiff - noch eins vom miit ro'ik—Typ -, das sich über die zerstörte Silhouette der Stadt bewegte, und es sah so aus, als würde es ... fressen.

»Das ist shab«, sagte Beviin, als habe er unangenehmerweise seine Gedanken gelesen. »Das ist es wirklich.«

Ein riesiger, dunkel gefleckter Schlauch - mindestens doppelt so lang wie das Schiff selbst - hing von der Außenhülle des Gefährts herab und glitt durch die Stadt darunter, um alles aufzusaugen, was ihm in die Quere kam. Fett fühlte sich an einen Tornado erinnert. Durch die Makrofernglasfunktion seines Visiers verfolgte er, wie der Schlauch Gebäude und Bäume verschlang - und Leute. Je länger er hinsah, desto weniger konnte er es ertragen. In einer Galaxis voller absonderlicher Wege, zu sterben, war dies eine völlig neue Ebene des Grotesken.

»Sie tanken auf.« Beviin war wie gelähmt. »Das Ding verarbeitet wirklich alles. Widerlich.«

Die Parallelen zum Sarlacc waren gewaltig. Fett war davon überzeugt gewesen, den Alptraum, bei lebendigem Leib verdaut zu werden, abgeschüttelt zu haben. Jetzt war er sich dessen nicht mehr so sicher. Aber wenn ihn das, was er sah, in irgendeiner Form erschütterte, vermutete er, dass es ihm dabei mehr um sich selbst ging als um die Neu-Holghaner.

»Die Neue Republik hat uns nicht geglaubt. Nun, vielleicht glauben sie uns jetzt.«

»Sie haben Truppen abkommandiert, um Pedd Vier zu verteidigen«, sagte Beviin. Er trug seinen Helm unter einem Arm und rieb sich mit dem Rücken seines Handschuhs die Stirn. Er sah müde aus, was vermutlich daher rührte, dass er zu viel Zeit damit verbrachte, zwischen den Missionen nach Mandalore und zurück zu fliegen, wo er Vorbereitungen für den schlimmsten Fall zu treffen schien - dass die »Krabbenbengel«, die er rasch zu hassen gelernt hatte, ihr Wort, den Sektor in Ruhe zu lassen, eher früher als später brechen würden. »Also glauben sie, wir hätten sie mit Fehlinformationen versorgt.«

Fett wurde bewusst, dass die Neue Republik nicht so viel über Mandalorianer wusste, wie sie glaubten. Man schätzte sie falsch ein. »Und sie werden denken, dass ein paar zutreffende Informationen eingestreut wurden, damit alles authentischer wirkt.« Er überprüfte den Ladestatus seines Blasters. »Ich werde mir einen besseren Weg überlegen, sie zu überzeugen. Ich bin noch nicht bereit, mich diesen elenden Barven geschlagen zu geben ...«

»Wie lange dauert es eigentlich, einen Planeten zu evakuieren? Können wir überhaupt etwas für die Welten tun, die schon in einigen Wochen dran sind?«

»Wenn du glaubst, dass ich mich jetzt besser fühle, dann hast du dich geirrt.«

»Ich sage nur, dass es zahlenmäßig keinen großen Unterschied gemacht hätte, wenn die Republik den Informationen geglaubt hätte, die wir ihnen gegeben haben. So oder so werden noch Millionen sterben.«

Fett dachte an die anderen Daten, die er der Neuen Republik hatte zukommen lassen, an die Pläne des Kriegsschiffs und die Analysen und willkürlichen Proben biologischen Materials, die Beviin und er gesammelt hatten. Die Republik hätte längst an Möglichkeiten arbeiten können, der organischen Technologie der Yuuzhan Vong etwas entgegenzuhalten. Doch sie hatten sie ignoriert. Irgendwie war ihm insgeheim klar gewesen, dass sie so reagieren würden.

»Wir werden ihnen weiter Informationen zuspielen, bis sie es schließlich kapieren.«

»Solange unser Schönling Nom nicht dahinterkommt«, sagte Beviin. »Früher oder später wird ihm klar werden, dass unser Vorgehen effizienter sein sollte und dass es eigentlich mehr von uns geben müsste.«

Fett grübelte immer noch über eine bessere Methode nach, der Neuen Republik Aufklärungsinformationen zukommen zu lassen, als sein Kommlink piepte.

»Ungläubiger! Hier spricht Untergebener Bur'lorr. Ich benötige eure Unterstützung. Ich jage einen Jeedai.«

»Einen Jedi?« Fett ignorierte die Stichelei des Kriegers und klammerte sich an das eine Wort, von dem er nie geglaubt hatte, dass es ihm je Hoffnung schenken würde. »Sind Sie sich da sicher?«

»Er hat eine Lichtwaffe. Er sprang von einem hoch aufragenden Ding, verletzte sich dabei aber nicht.«

»Überlassen Sie ihn mir«, sagte Fett. »Jedi sind meine Spezialität. Sie haben meinen Vater getötet.«

Beviin setzte seinen Helm wieder auf und rückte den Gürtel zurecht; sein Säbel und die Schneide rasselten. »Oya. Ja, wirklich, oya ...«

»Ich werde ihn auf euch zutreiben«, sagte der Untergebene. »Seine Lichtwaffe konnte meiner Rüstung nichts anhaben, was ihn zu überraschen schien.«

Darauf wette ich. »Schicken Sie mir die Koordinaten.«

»Lassen Sie ihn von Ihren Einheiten in die Enge treiben. Unsere Gestalter wollen einen lebenden Jeedai, um ihn zu untersuchen.«

Fett leitete die Koordinaten an den Rest des Teams weiter und schaltete auf den sicheren Kommlinkkanal um. »Wir brauchen ihn dringender lebend als die. Ein Jedi kann erkennen, dass wir nicht lügen, und er kann die Daten von hier wegbringen.«

»Ich habe noch nie einen Jedi gesehen«, sagte Dinua.

Beviin meldete sich zu Wort, spielte seine Vaterrolle. Er schien Gefallen daran zu finden. »Er wird nicht übermäßig erfreut sein, uns zu sehen, also nimm dich vor seinem Lichtschwert in Acht.«

»Was macht ein Jedi hier überhaupt?«

»Er ist hier. Das genügt. Jetzt lasst uns zu ihm gelangen, bevor die es tun.«

Die Koordinaten des Untergebenen führten sie zu einer langen Straße, die von dem abzweigte, worum es sich um den Hauptmarktplatz der Fünf Städte zu handeln schien. Große Teile davon waren bis zum Erdboden geschliffen, als wären die Gebäude und Bäume nie dort gewesen, ein Beleg dafür, dass die »Vernichtungswaffe« - wie die Yuuzhan Vong den Plünderungsschlauch des Kriegsschiffs nannten - hier entlanggekommen war. Fetts Durchdringungsradar und seine Sensoren registrierten sprunghafte Bewegungen und ein organisches Ziel mit menschlicher Körpertemperatur, das sich zwischen einer Reihe bombardierter Häuser bewegte, die noch immer von den durch Magmawaffen entfachten Feuern rauchten.

»In Ordnung, wir können ihm folgen, aber vergesst nicht, dass er um fühlen kann«, sagte Fett. Er dirigierte die Detta-Brüder mit Handbewegungen zum Südende der Gasse und Briika und Dinua zu dem kaputten Dach, von dem man sie überschaute. »Beviin, geh und halte den Untergebenen hin. Verschaff uns etwas Zeit. Tiroc, du kommst mit mir.«

Der Jedi befand sich in einem etwa zehn Meter langen Abschnitt der Gasse, die an der Rückseite der Gebäude entlang verlief und teilweise von Trümmern versperrt war; Fett verfolgte ihn mit seinem Bewegungssensor fast bis zum Ende der Gasse. Dann hörte die Bewegung auf.

»Briika?«

Sie schaltete ihre Ansicht der Umgebung zu Fetts HUD durch. Dem Blickwinkel nach zu urteilen lag sie flach auf dem Dach, während ihr Kopf über die Kante in die Gasse hing. »Siehst du ihn? Er ist in schlechter Verfassung.«

Der Jedi war ein kräftiger, vierschrötiger Mann in mittleren Jahren, mit dunkelgrauen Zivilhosen und einer ramponierten blauen Jacke. Er war gegen eine Wand gesunken, die Augen geschlossen, das Gesicht geschwärzt und verbrannt. Mit einer Hand umklammerte er das Heft seines Lichtschwerts.

Fett aktivierte seinen Raketenrucksack und schob ein Betäubungsgeschoss in den Pfeilwerfer an seinem Handgelenk. Mit etwas Glück würde der Schock genügen, um den Jedi außer Gefecht zu setzen, ohne ihn zu töten. Fett brauchte den Mann fit genug, um es zurück in die Reihen der Neuen Republik zu schaffen.

Fett bediente die Schubkontrollen und stieg über der versengten Mauer auf, als der Jedi aufschaute und seine Waffe zündete. Für einen Verletzten waren seine Reflexe erstaunlich: Sein Lichtschwert summte einen Herzschlag, bevor Fett in die Gasse sank und das Betäubungsgeschoss abfeuerte. Das Projektil zischte am zuschlagen-den Lichtschwert des Jedi vorbei und traf ihn in die Brust, um eine elektrische Ladung durch seinen Körper zu schicken, die ihn unverzüglich zu Fall brachte. Sein Lichtschwert fiel zu Boden, doch er mühte sich noch immer, nach seiner Waffe zu greifen, die Finger gespreizt, die Hand unkontrolliert zitternd.

»Lass es nicht darauf ankommen«, sagte Fett. Er trat das Heft des Lichtschwerts mit der stachelversehenen Spitze seines Stiefels in die Luft und fing es mit einer Hand auf. »Ein grünes fehlt mir noch in meiner Sammlung.«

Der Jedi war momentan ohnehin nicht in der Verfassung, es einzusetzen. Fett winkte Cham herüber, damit er ihm Erste Hilfe leistet e, doch der Jedi versuchte, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen. Es brauchte Suvar und Tiroc, um ihn zu bändigen, während Cham Bakta auf sein Gesicht und seine Hände sprühte. Dankbarkeit war nicht gerade seine starke Seite: Er rammte sein Knie fest in Suvars Leistengegend. Briika griff ein, um ihn in den Schwitzkasten zu nehmen und zur Raison zu bringen.

»Zeig etwas Respekt«, sagte sie durch zusammengebissene Zähne. »Der Mandalore redet mit dir.«

Das verbrannte Gesicht des Jedi verzog sich zu einem Hohnlächeln. »Dann bist du Boba Fett. Und ich wollte nicht glauben, dass Manda...«

»Ausnahmsweise brauche ich einen lebenden Jedi«, unterbrach Fett. »Du wirst genügen müssen. Also spar dir das Gerede und hör zu.«

»Erschieß mich. Du weißt, was die Vong mir antun werden.«

»Ich sagte: Halt den Mund.« Fett hockte sich über ihn. »Wir haben euch vor diesem Angriff und der Vong-Technologie gewarnt, aber eure Leute haben uns ignoriert. Trotzdem bieten wir euch erneut unsere Hilfe an. Richtet ein sicheres Nachrichtensystem ein, und wir versorgen euch mit internen Informationen, bis uns das Glück nicht länger hold ist.«

Cham, der noch immer Erste Hilfe leistete, rammte eine Einwegspritze Schmerzmittel in den entblößten Hals des Mannes. Eins musste Fett dem Jedi lassen: Er zuckte nicht einmal zusammen.

»Du lässt nach, Fett«, sagte er heiser. »Uns mit Fehlinformationen zu füttern, ist stümperhaft.«

»Ich setze das Leben jedes einzelnen Mandalorianers aufs Spiel, um dir das hier zu beschaffen, Barvenfresse.« Fett war so verärgert, dass er die Jacke des Jedi aufriss und den jüngsten Datenchip einfach in seinen Gürtel stopfte. »Na los, wirk deine Zaubertricks. Mal sehen, was deine kostbare Macht dir über unsere Absichten verrät. Und jetzt nimm das und verschwinde. Wir werden die Vong hinhalten, aber du musst es zurück zu euren Geheimdienstleuten schaffen, ohne unsere Tarnung auffliegen zu lassen. Wir sind Verräter, in Ordnung? Und solange wir Verräter sind, können wir Informationen beschaffen. Haltet eure Quelle geheim.«

Der Jedi richtete sich mühsam auf die Ellbogen auf. Seine Nase war nur Millimeter von Fetts Visier entfernt. Fett mochte die Jedi immer noch nicht, nicht einmal richtige Soldaten wie diesen hier. »Aber ihr setzt uns zu. Ihr tötet Leute. Warum kämpft ihr nicht einfach?«

»Weil das selbstlose, heldenhafte letzte Gefecht eine tolle Sache für Holovideos ist, aber so funktioniert Krieg nun mal nicht.« Fett zog den Jedi auf die Füße. Er war ein robuster Mann, mit vollem grauem Haar in der Art derer, die einst pechschwarze Locken hatten. Fett drückte ihm das Lichtschwert in die Hand. »Die Krabben müssen glauben, dass wir es ernst meinen. Ein paar Leben für die ganze Galaxis, einschließlich der Chance, sie vom Mandalore-Sektor fernzuhalten. Rechne dir eins und eins zusammen.«

Der Jedi starrte seine Waffe an. »Hast du am Ende etwa so was wie ein Gewissen?«

»Nein. Ich habe die Aufgabe übernommen, Mandalore zu beschützen, und eine Abmachung ist eine Abmachung. Wenn die Vong die Macht übernehmen, gibt es für niemanden von uns eine Zukunft.«

»Ich hätte niemals...«

»Keine Ansprachen. Beweg dich. Wir schaffen dich an den Vong vorbei.«

Tiroc stieß ihn an. »Krabbe im Anmarsch, Mand'alor. Überprüf dein HUD.«

»Ich sehe ihn. Hast du ein Schiff, Jedi?«

»Ich war gerade dorthin unterwegs.«

»Tiroc, sieh zu, dass er dorthin gelangt, und begleite ihn aus dem Sektor.«

Im schmalen Ausgang der Gasse blieb der Jedi abrupt stehen, sodass Tiroc fast in ihn hineinlief. Er wandte Fett sein Gesicht zu.

»Kubariet«, sagte er. »Ich bin ein Jedi-Ritter. Kubariet. Bloß der eine Name.« Dann stieß Tiroc ihm in den Rücken, und sie waren verschwunden.

So weit, so gut. Doch das konnte nicht von Dauer sein, und das war es auch nicht. In der nächsten Sekunde kam Beviin mit übertriebener Langsamkeit durch den trümmerübersäten Durchbruch in der Mauer, einen modifizierten schweren Merr-Sonn-Blaster in einer Faust und den Yuuzhan-Vong-Untergebenen im Schlepptau. Die Kreatur drängte sich an Beviin vorbei, und eine der Klauen, die aus seiner Rüstung hervorragten, fing sich in seiner Schulterplatte, um eine Linie in die blaue Farbe zu kratzen.

Die Klaue hätte Beviin aufreißen können wie eine Blechbüchse. Doch seine Rüstung war aus Beskar gefertigt, echtem mandalorianischem Eisen, das selbst Yuuzhan-Vong-Waffen nicht zu durchdringen vermochten. Er griff in seinen Gürtel und zog seinen alten Beskad, einen kurzen, rasiermesserscharfen Säbel, der aus demselben Eisen geschmiedet war wie seine Rüstung.

Das hier wird gleich ziemlich hässlich werden. Es würde eine Leiche geben, und er würde die Leiche verstecken müssen. Fetts verlinkte HUD-Symbole zeigten ihm, dass Cham und die beiden Frauen die gleiche Entscheidung getroffen hatten und ihre an den Rüstungen montierten Waffen aufluden.

»Wo ist der Jedi?«, verlangte der Krieger zu wissen. Sein Kopf schwang von einer Seite zur anderen, und sein Amphistab schlängelte sich um seinen Unterarm. »Er ist hier reingelaufen. Ich habe ihn bis hierher verfolgt.«

»Nicht hier, Kumpel.« Briika trat zwischen ihn und Dinua. »Wollen Sie, dass wir losgehen und nach ihm suchen?«

»Was habt ihr mit ihm gemacht? Sagt es mir!«

Der Krieger wirbelte herum und erwischte Beviin beinahe erneut mit seinem klauenbewehrten Arm. Der Kopfgeldjäger ließ seinen Blaster vorsichtig ins Halfter gleiten und packte den lederum-wickelten Griff des Beskad.

»Ganz ruhig jetzt«, sagte er. »Du hättest jemandem mit dem Ding das Auge ausstechen können.«

Villips waren nicht wie Kommlinks, die aktiviert und bedient werden mussten. Villips vermittelten den anderen das Gefühl, selbst vor Ort zu sein, immer in Betrieb, immer wachsam.

Der Krieger musste zum Schweigen gebracht werden, und das schnell.

Fett musste nicht einmal das Zeichen dafür geben.

Beviin kümmerte sich um das Villip, das sich in die Schulter des Kriegers verhakt hatte, und schlitzte das Ding mit einem einzigen Streich längs seiner Basis auf, um es in einer Wolke aus Flüssigkeit zu Boden fallen zu lassen. Für einen Sekundenbruchteil starrte der Krieger es bloß mit klaffenden Kiefern an - sein lippenloser Mund schien permanent offen zu stehen -, und dann verwandelte sich die schmale Gasse in ein Tollhaus.

»Verrät...«

Das war das letzte Wort, das der Krieger von sich gab. Die lebende Rüstung veränderte sich vor ihren Augen, um seinen Hals und seinen Kopf zu schützen, doch es gelang Beviin, ihn mit seinem Rückschwung an der Wange zu erwischen, und das Beskad war eine schwere Waffe. Die Klinge grub sich wie von selbst in den Kiefer des Kriegers, ließ ihn gurgelnd um sich schlagen, während sich sein Amphistab flüchtig von einer Schlange in eine Eisenstange verwandelte. Als der Krieger auf die Knie fiel, löste sich der Amphistab von ihm, und Fett stürzte sich instinktiv darauf, um seine am Handschuh angebrachte Vibroklinge hindurchzustoßen und die Kreatur am Boden festzunageln. Der Schwanz schlug aus. Suvar eilte hinüber, um ihn mit seiner eigenen Klinge abzutrennen.

Es waren nur wenige Sekunden, die sich wie Stunden anfühlten. Der Untergebene schrie noch immer und wand sich, während Beviin sich bemühte, seinen Säbel herauszuziehen. Briika sprang zwischen den sensengleichen Klauen des Kriegers hindurch, um ihre Vibroklinge tief in ihn zu graben, doch sie rutschte an der Vonduun-Krabbenrüstung ab. Sie gab ein Grunzen von sich und stieß erneut zu. Und noch immer kämpfte der Vong.

»Bringt ihn zum Schweigen, um Fierfeks willen ...«

»Shabla Klauen. Passt auf.«

Beviin ließ den Säbel los und packte die gepanzerte Kehle des Kriegers mit seinen Crushgaunts.

»Lass uns ein Spiel spielen, shabuir.« Er drückte zu, die Augen des Untergegeben starrten ihn an, und sein Mund öffnete sich weit. »Es heißt: Beskar schlägt Krabbenpanzer.«

Crushgaunts waren seit Jahrhunderten verboten. Durch das mikronisierte Beskar darin konnten sie genügend Druck erzeugen, um dicke Knochen und möglicherweise noch mehr zu zerquetschen. Die Krabbenrüstung schien die Herausforderung anzunehmen, doch Beviin - Fetts Erfahrung nach die meiste Zeit über ein sanfter Mann - machte weiter und fluchte in vollkommen unverständlichem Mando'a, bis ein Geräusch wie von knackendem Eis zu vernehmen war und der Krieger ein langgezogenes Gurgeln ausstieß. Die Rüstung zuckte, und die Klauen schnappten ein paar Mal kraftlos, bevor sie erstarrten.

Sekundenlanges Schweigen folgte.

Beviin, leicht außer Atem, blickte mit einem abwesenden Lächeln auf seine Handschuhe hinab. »Wir waren wirklich dämlich. die zu verbieten.«

»Erinner mich daran, das zu widerrufen, sobald ich zurück bin«, sagte Fett.

Kanonentrommelfeuer in der Nähe hatte die Schreie übertönt. Beviin mühte sich, den Säbel aus dem Leichnam zu ziehen, und musste schließlich einen Fuß gegen die Brust des Kriegers stemmen, um ihn freizubekommen.

»Dann stirbt die Rüstung also, wenn der Soldat stirbt?« Suvar packte den toten Amphistab, schnitt Stücke von dem Untergebenen und seiner Rüstung ab und stopfte die Überreste in seine Fächer und Taschen, bis sie sich wölbten. »Bioproben, keine Trophäen, okay? Wir müssen so viele Informationen über diese ... Dinger sammeln, wie wir können.«

Beviin streckte die Hand aus und säbelte etwas Kopfhaut ab, komplett mit dünnem schwarzem Haar. »Eine Trophäe. Jetzt lasst uns verschwinden, in Ordnung?«

Diesmal waren fünf Mando´ade nötig gewesen, um einen Yuuzhan Vong zur Strecke zu bringen. Allerdings hatten sie in diesem einen kurzen Gefecht eine Menge darüber erfahren, wie man sie töten konnte. In dieser Hinsicht würden sie noch wesentlich mehr in Erfahrung bringen.

Briika rappelte sich auf, ein wenig unsicher. Die Explosionen kamen näher. »Alles, was wir machen müssen, ist, eine Crushgaunt-Fabrik aufzumachen. Ein Kinderspiel. Ich meine ... oh...«

Sie wirkte atemlos. Sie blickte an sich selbst herab, und dann sank sie wieder auf die Knie, die Hände gegen ihre Brustplatte gepresst.

»Buir? Buir!« Dinua packte ihre Mutter an den Schultern, als das dunkle Blut von ihren Armen tropfte, das mit einem Mal unter der Rüstungsplatte hervorsickerte. Es sammelte sich zwischen ihren Knien und war überall auf dem toten Untergebenen. »Sie hat eine Stichwunde. Der Stachel der Krabbenrüstung ist geradewegs durch ihre Rüstung geglitten. Nehmt ihr die Platten ab!«

»Nein, vielleicht halten die sie am Leben«, sagte Cham. »Bringt sie zur Slave I zurück - schnell!«

»Sie verblutet!«

Beviin hob sie scheinbar ohne Anstrengung in seinen Armen hoch.

»Du hast es versprochen ...«, sagte sie.

Fett war drauf und dran, etwas brutal Pragmatisches zu sagen, doch das wäre falsch gewesen, und er wusste es. »Es geht schneller, wenn wir sie mit unseren Raketenrucksäcken transportieren.«

»Das wird nicht einfach.«

»Tun wir's trotzdem. Dinua, verbrenn diese Leiche. Falls die Vong ihn finden, werden sie erkennen, dass er nicht von einem Lichtschwert aufgeschlitzt wurde.«

Dinua sah aus, als wolle sie widersprechen. Dann jedoch nickte sie und justierte den Flammenwerfer an ihrem Handgelenk, ehe sie wieder zurück zu ihrer Mutter schaute.

»K'ovacyi, Buir.« Halte durch. Mama.

Es war eine Sache, einen verwundeten Kameraden zwischen sich zu tragen - natürlich konnte Fett sich nicht daran entsinnen, das jemals zuvor getan zu haben -, aber gleichzeitig noch einen Raketenrucksack zu bedienen, war schwierig. Er war sich sicher, dass sie sterben würde, bevor sie landeten. Sie sagte immer wieder »Du hast es versprochen ...« Mit jedem Mal wurden ihre Worte schwächer, und als sie die Slave I erreichten, war sie kaum noch bei Bewusstsein.

Beviin nahm ihr den Helm ab, während Fett den Notfall-Me- didroiden aktivierte, den er an Bord hatte und noch nie selbst benutzen musste. Die Einheit, ein Zylinder mit abgerundeten Ecken von der Länge seines Arms, wuselte wie ein Insekt um sie herum, brachte Sensoren an.

»Bluttransfusion erforderlich«, verkündete er. »Hypovolämischer Schock. Stabilisierung nötig, Blutgefäße abklemmen im...«

»Führ eine Transfusion durch, du hut'uun«, schrie Beviin. Droiden wussten einfach nicht, wie man richtig mit Verwundeten umging. »Ich bin hier, Briika, alles in Ordnung. Du kommst wieder auf die Beine.«

»Du hast es versprochen«, sagte sie, plötzlich sehr deutlich. »Dinua. Gai bal manda.«

»Das habe ich«, sagte er. Er setzte seinen Helm ab. »Ich schwöre es. Mach dir darüber keine Gedanken. K'oyacyi. Halte durch.«

Der Medidroide führte Katheter in Briikas Arm und ihren Hals ein, und Beviin sah zur Einstiegsluke hinüber, als würde er wollen, dass Dinua auftauchte. Fett dachte über die verschiedenen Arten von Stichwunden nach und wie unzuverlässig Erstechen als Methode war, einen Gegner aufzuhalten. Beviin stand bei der Luke, blinzelte hektisch und schüttelte gelegentlich den Kopf, als wäre er mit sich selbst im Zwiestreit.

Der Medidroide begann zu piepsen.

»Kein Puls«, sagte er. »Wiederbelebung nicht möglich.«

Der Droide hatte nicht einmal mit dem Eingriff begonnen. Beviin sagte kein Wort; er stieß sich einfach von der Luke ab und fing an, das Blut wegzuwischen, das in dunklen Flecken auf dem penibel sauberen Boden der Slave I trocknete. Dinua kam angelaufen, ihre Stiefel klapperten auf der Rampe, um eine Minute zu spät.

»Dinua ...« Beviin hielt stets sein Wort. Er fasste sie am Arm, bevor sie zu dem Leichnam gelangte. »Ni kyr'taylgai sa'ad.« Er warf Fett einen kurzen Blick zu. und seine Übersetzung galt ihm. nicht ihr. »Ich erkenne dich als mein Kind an.«

Er musste ihr nicht sagen, dass ihre Mutter tot war oder dass es ihm leid tat. Die sofortige Adoption verriet dem Mädchen alles, was sie wissen musste.

Dinua hielt ihren Helm umgedreht in beiden Händen und blickte hinein, die Augen starr und glasig, als hätte sie ihn gerade aufsetzen wollen und wäre mitten in der Bewegung erstarrt. Und mit einem Mal konnte Fett festes Metall in seinen eigenen Händen spüren: Zusammengekauert in den Schatten, starrte er auf seinen silber-blauen Helm hinab, während ihm knochentrockener roter Staub in die Augen stach und er - vollkommen am Boden zerstört und gleichzeitig total empfindungslos - erkannte, dass sein Vater für immer fort war. Er wusste besser als jeder andere, wie sie sich fühlte, und einen flüchtigen Moment lang empfand er eine seltene Verbindung zu ihr.

»Es ist in Ordnung zu weinen«, sagte Beviin leise. »Wir alle weinen hin und wieder. Ich habe es getan, das ist gewiss.«

Er sprach mit Dinua, und dennoch zuckte Fett zurück. Sie schniefte laut und drehte ihren Helm zwischen den gespreizten Fingern, bis er aufrecht zwischen ihren Handflächen lag.

»Ich bin bereit«, sagte sie.

»Das ist mein Mädchen.«

In der mandalorianischen Gesellschaft gab es keine Waisen - zumindest nicht für lange.

Abgesehen von mir. Fett machte das nichts aus. Niemand würde seinen Vater jemals ersetzen können. Es war besser, dass sie es gar nicht erst versucht hatten.

NOM ANOR: BETRACHTUNGEN

Es scheint, als seien die Mandalorianer genau wie alle anderen Ungläubigen. Sie sind ebenso schwach und verdorben, haben ihre gesamte Galaxis gegen ein paar Jahre der Immunität für ihren jämmerlichen kleinen Sektor eingetauscht. In gewisser Weise, bin ich ... enttäuscht. Ich hatte größere Hoffnungen in sie gesetzt.

Ein paar Jahre? Womöglich weniger als das. Womöglich ein paar Monate.

Ich muss zugeben, ich hatte erwartet, dass sie bessere Krieger sind. Nach allem, was ich von ihnen in diesem Krieg gesehen habe, werden sie ihrem grausamen Ruf nicht gerecht. Doch zumindest sind sie nach wie vor sehr nützlich, was Informationsbeschaffung und Sabotage betrifft, und ich sollte sie selbst unseren eigenen Kriegern gegenüber unter Verschluss halten. Sie glauben, ihre Zivilisation wäre unsterblich, aber sobald ich keine weitere Verwendung mehr für sie habe, werden sie ausgelöscht. Je näher ich sie in Augenschein nehme, desto mehr Schwäche erkenne ich.

Rüstungen. Eisenrüstungen. Leblose Hüllen.

Wie... schwach.

SLAVE I: BEIM DURCHQUEREN DES MANDALORE-SEKTORS,
ZWEI STANDARDWOCHEN SPÄTER

Fett war beeindruckt von der Fähigkeit gewöhnlicher Mando, die Ruhe zu bewahren und die Reihen geschlossen zu halten, ohne dass man sie auch nur dazu auffordern musste.

Die regelmäßige nächtliche Aufklärungszusammenfassung, die an die Slave I übertragen wurde, verzeichnete zwei Kontakte zwischen mandalorianischen Schiffen und der Neuen Republik. bei denen nicht angreifende Mando´ade wie Feinde behandelt worden waren, genau wie es Fett zupasskam. Beide Piloten hatten sich dazu verpflichtet gefühlt, den Schein aufrechtzuhalten, und erwiderten das Feuer, wobei der Raumjäger der Neuen Republik in einem Fall zerstört worden war.

»Hasst uns ruhig weiter«, sagte Fett laut. »Ab sofort werden wir die Informationen, die wir bekommen, für uns behalten und uns selbst zunutze machen.«

Mandalorianische Ingenieure arbeiteten bereits daran, verbesserte Waffen zu entwickeln, die speziell für den Einsatz gegen die Yuuzhan Vong bestimmt waren. Innerhalb der Mando—Gemeinschaft hatte sich die wahre Natur des Handels mit den Invasoren herumgesprochen, aber dabei blieb es dann auch. Natürlich ging das niemand anderen etwas an; Außenseiter würden es ohnehin nicht verstehen. Aruetiise. Er sah keinen Anlass dafür, die Sprache zu lernen, aber dieses seltsame Wort war zutreffend.

Die Invasoren setzten ihren Vorstoß durch die Galaxis fort, wenn auch langsamer, als er erwartet hatte. Falls - wenn - sie sich den Mandalore-Sektor vornahmen, würde er auf sie vorbereitet sein. Kr entschied sich, bis zum nächsten Einsatz oder zur nächsten Gelegenheit, Informationen zu sammeln, der Boba Fett zu bleiben, den jeder in ihm sah - mehr Kopfgeldjäger als Mandalore weil das Leben dort, wo die Yuuzhan Vong noch nicht angelangt waren, immer noch weiterging.

Narren. Euer Leben wird nicht mehr lange so bleiben.

Einige der mandalorianischen Clans hatten ihm erklärt, dass sie sich verschanzen wollten, um den Yuuzhan Vong Widerstand zu leisten, und einige planten, etwas zu tun. das ba'slan shev'la genannt wurde, was Beviin mit »strategischem Verschwinden« übersetzt hatte. Es war schwer, ein Volk auszurotten, das über Jahre unter-und dann als Rachearmee wieder auftauchen konnte, alles ohne die führende Hand einer konventionellen Regierung.

Ja, sie werden wieder auftauchen. Daran besteht kein Zweifel.

Fett respektierte ihre Fähigkeit, sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Er grübelte gerade über die Natur der persönlichen Identität nach, ein Auge auf die Schwankungen der Aktienpreise gerichtet, die auf der Konsole angezeigt wurden, als die Slave I ein Schiff auf Abfangkurs registrierte.

Es war ein X-Flügler der Neuen Republik, genau wie in alten Zeiten. Ausnahmsweise jedoch fand sich dieser nicht in seiner Datenbank wie jedes andere individuelle Raumschiff, das mitsamt Thermalsignatur, elektromagnetischem Profil und anderen charakteristischen Merkmalen katalogisiert war, die ihm dabei halfen, es zu identifizieren. Dieses hier war tatsächlich unbekannt. Der Pilot des Jägers stand nicht auf seiner Liste.

Lud der Geschwindigkeit nach, mit der der X-Flügler näher kam. bedeutete das Arbeit. Er überprüfte das automatische Verteidigungssystem der Slave I und bremste ab, um die Reaktion des Jägers auf dem Scanschirm zu verfolgen. Als er bis auf tausend Kilometer herangekommen war, wurde er langsamer, und die Kommkonsole der Slave I piepte, um seine Aufmerksamkeit zu erregen; auch die Quelle und die Verteiler, über die der Anruf kam, wurden angezeigt.

Aha. Die Nachricht kam über einen der Knotenpunkte herein, die er auf dem Datenchip mit den Geheimdienstinformationen gespeichert hatte. Fett stellte die Verbindung her.

»Zielübungen, oder hast du vor, zu reden?«, fragte er.

Die Stimme überraschte ihn nicht. Allerdings hätte er auch nie zugegeben, dass er erleichtert war. sie zu hören.

»Hier spricht Kubariet«, sagte der Pilot. »Ich würde niemals auf einen Verbündeten feuern.«

»Dann betrachte dich als Feind meines Feindes.«

»Das genügt mir. Treffpunkt?«

»Flieg weiter, und folge mir nach Vorpa´ya.«

»Concord Dawn liegt näher.«

»Dorthin kann ich nicht zurückkehren. Du brauchst nicht zu

wissen, warum.«

»Ist schon in Ordnung, Fett, denn das tue ich bereits. Ich arbeite mit dem Geheimdienst der Neuen Republik zusammen.«

»Und trotzdem hast du den Weg hierher gefunden. Alle Achtung.«

Der Jedi lachte nicht; das taten sie nie. Doch er folgte Fett.

Vorpa´ya war eine Müllkippe. Es gab keine andere zutreffende Beschreibung dafür. Nerfzucht und die schlechte Bewirtschaftung des Landes hatten den Planeten zu einem zukünftigen Tatooine verkommen lassen. Die beiden Schiffe landeten mit Sicherheitsabstand zueinander auf einer überweideten Ebene, von der Wolken grobkörnigen Staubs aufstiegen. und Fett wartete darauf, dass Kubariet seine Kanzel öffnete und heraussprang. Als er das tat. trug er keine Jedi-Gewänder, sondern einen gewöhnlichen Piloten-Overall.

»Wir sind im Geschäft«, sagte Kubariet.

Fett konnte sich an keinen Jedi erinnern, der so redete. »Wurde auch Zeit.«

»Das waren nützliche Informationen. Es tut mir leid, dass wir nicht sofort darauf reagiert haben.«

»Schon in Ordnung.«

»Also, was ist dein Preis?«

»Ich will eure Credits nicht. Bloß noch mehr Vong töten.«

Kubariet wirkte bewusst unbeeindruckt. »Es tut mir leid, das wird nicht möglich sein. Aber zumindest können war euch jetzt unsere Flotte aus dem Rücken halten und sie gegen die Vong ins Spiel bringen.«

»Nein.«

»Aber...«

»Jedes Mai, wenn wir auf die Neue Republik stoßen, werden sie sich daran erinnern müssen, dass wir für die Vong kämpfen. Das muss so sein, damit dieser Plan aufgeht.«

»Aber ihr kämpft zwei Kriege auf einmal. Ihr kämpft für die Neue Republik und setzt euch gleichzeitig gegen uns zur Wehr.«

»Damit kommen wir klar.«

»Zu stolz, zuzugeben, dass ihr unsere Verbündeten seid?«

»Nein, misstrauisch gegenüber Lecks in eurer Organisation, die unsere Tarnung auffliegen lassen könnten. Nom Anor war ganze achtzehn Jahre hier, ohne dass wir ihm auf die Schliche gekommen sind.« Fett beschloss, dass er zumindest mit diesem Jedi ins Geschäft kommen konnte. »Und wir sind nicht auf eurer Seite. Wir sind auf unserer Seite. Je länger die Vong denken, dass ich zu ihnen gehöre, desto mehr Zeit verschaffe ich Mandalore.«

»Am Ende werden sie auch zu euch kommen.«

»Das weiß ich.«

»Dann werdet ihr Farbe bekennen müssen.«

»Auch das weiß ich, und falls und wenn das passiert, werden wir ihnen zeigen, wozu Mando´ade wirklich imstande sind. Das wird eine nette Überraschung für sie sein. Sie werden uns kaum wiedererkennen.«

Das wir rutschte ihm einfach so heraus. Einen Moment lang dachte Fett an all die Male, bei denen er ich gesagt, und an die sehr wenigen Gelegenheiten, als er wir gesagt hatte, und er akzeptierte, dass er jetzt eine Zugehörigkeit und eine Verantwortung für Mandalore verspürte und für alle, die als Mandalorianer durchgingen.

»Kann ich dich bitten, eine Sache zu überdenken, Fett?«

»Das kostet nichts, aber fasse dich kurz.«

»Einst hat dein Vater etwas getan, von dem wir hoffen, dass du jetzt womöglich in der Lage bist, es für uns zu tun.«

Erspar mir die Amateurpsychologenspielchen. »Worum geht 's?«

»Er hat eine Gruppe ausgebildeter Soldaten für die Kommandostreitkräfte der Alten Republik rekrutiert - die Cuy'val Dar. Vielleicht könnten wir einige eurer erfahrenen Kommandos einsetzen, um die Planetenmilizen für den Kampf gegen die Yuuzhan Vong zu trainieren.«

Fett erinnerte sich an die Cuy'val Dar, keine Frage: Er war auf Kamino in ihrer Mitte aufgewachsen. »Der Multiplikator-Effekt.« Er hielt einen Moment lang inne. Das war eine gute Idee, aber er wollte nicht zu enthusiastisch wirken. »Ich werde sehen, wer interessiert ist.«

Kubariet griff in seinen Overall und holte einen Datenchip hervor. »Benutz das, um sichere Verbindungen von deinem Kommlink-system zu meinem zu konfigurieren. Ich bin sozusagen euer Sprachrohr. Niemand weiß, dass das von euch kommt.«

»Lass uns tauschen. Ich habe einen Beutel mit Vong-Teilen im Konservator, falls ihr sie gebrauchen könnt.«

»Ich nehme, was immer du hast.« Kubariet schien drauf und dran, Fetts Hand zu ergreifen oder ihm auf die Schulter zu klopfen oder irgendein anderes Zeichen der Kameradschaft zu zeigen, das Fett zurückzucken ließ. Doch Kubariet wollte seine »Schuld« nicht einfach im Raum stehen lassen. Spionagemeister hin oder her. »Fett, macht es dir gar nichts aus, dass all diese Leute euch als Verräter verachten? Kommt ihr wirklich damit klar, wenn die Neue Republik versucht, euch zu töten, während ihr euren Hals für uns riskiert?«

Fett versuchte sich daran zu entsinnen, was für ein Gefühl es war, ein Held zu sein, aber es gelang ihm nicht. Er konnte nicht für seine Truppen oder die Clans im Allgemeinen sprechen, doch was ihn anging, bescherte ihm das keine schlaflosen Nächte. Er hatte seinen eigenen Ehrenkodex, und sich daran zu halten, bedeutete nicht bloß, dass er sich selbst genug war, sondern zugleich auch dem stets prüfenden Blick seines Vaters gerecht wurde.

»Wir werden es überleben«, sagte er.

»Wenn dir irgendetwas einfällt, das ich tun kann, um euch das Leben einfacher zu machen, lässt du es mich wissen, in Ordnung?«

Fett konnte sich nicht vorstellen, dass die Neue Republik Mandalore anderes Gutes tun konnte, als einen großen Bogen um den Sektor zu machen, wenn der Krieg vorüber war. Er drehte sich um, um zurück zur Slave I zu gehen und die Proben zu holen. Die Ironie des Angebots, das der Jedi ihm unterbreitet hatte, war ihm nicht entgangen, doch jetzt war der Zeitpunkt gekommen, seinen lebenslangen Hass zu unterdrücken und etwas Pragmatisches, Praktisches zu tun - sich so zu verhalten, wie Jango Fett es getan hätte.

Erledige den Auftrag. Gib dich keinen Gefühlen hin.

Fett fiel keine einzige Sache mehr ein, die jemand für ihn tun konnte.

Vielleicht war das der springende Punkt. Er wandte sich auf einem Absatz um.

»Jedi, es gibt eine Sache, die du tun kannst.«

»In Ordnung. Raus damit.«

»Sorg dafür, dass jedermann erfährt, dass eine Mandalorianerin namens Briika Jeban bei dem Versuch starb, einen Bürger der Neuen

Republik zu retten.«

»Natürlich. Wer war sie? Kannst du mir mehr darüber erzählen? Wen hat sie gerettet?«

Fett legte den Kopf leicht zur Seite, dann ging er weiter auf sein Schiff zu.

»Dich, Jedi«, sagte er. »Dich.«