6. Kapitel
Wir erhalten Berichte über hitzige Gefechte zwischen sikanischen Streitkräften und angreifenden Chekut-Truppen auf der Sika-Heimatwelt. Die sikanische Verwaltung hat Streitkräfte der Galaktischen Allianz angefordert, um gegen diesen, wie sie es nennen, »Akt opportunistischer Aggression« einzuschreiten. Als Reaktion darauf haben die Aktienkurse aus Angst davor, dass die Invasion weitere Planeten in der Expansionsregion mit in den Konflikt hineinziehen könnte, deutlich nachgegeben.
- HNE-Eilmeldung
GALAKTISCHES
ALLIANZ-KRIEGSSCHIFF BOUNTY,
AUF WACHSTATION MIT ALLIANZ-FREGATTE
DARING, BOTHANISCHER SEKTOR
Es war ein stattlich aussehendes Schiff, das musste sie zugeben.
Die neue bothanische Fregatte war nicht einmal in ihrer Datenbank. Admiralin Niathal verfolgte auf dem Brückenschirm der Bounty, wie sie die Umlaufbahn von Bothawui in einem Bogen verließ, gefolgt von fünf kleinen unbewaffneten Begleitbooten. Das Profil und die Signatur der Fregatte wurden unverzüglich in den Erkennungssystemen des Schiffs gespeichert.
»Sieht so aus, als wären die Bothaner am Ende doch einkaufen gewesen«, sagte sie. »Zumindest damit hatte der Geheimdienst recht.«
»Außerdem sieht es so aus. als würden sie immer noch Nachbesserungen durchführen«, sagte Captain Piris. Das Kriegsschiff wurde von den Beibooten unterstützt, oder vielleicht ging es dabei auch bloß darum, Hilflosigkeit vorzutäuschen: Niathal nahm nichts, was Bothaner taten, für bare Münze. »Schauen wir mal. welche Spezifikationen wir ihnen zuordnen können, bevor wir an ihrem Lack kratzen. Ich hoffe, die haben ihre Quittungen aufgehoben ...«
»Eine KDY-Konstruktion, meinen Sie nicht?«
»Tallaanisch«, sagte Piris. »Wenn Kuat das gebaut hätte, wüssten wir davon.«
»Nun, mit diesen Dingern werden sie Coruscant nicht dem Erdboden gleichmachen, aber sie werden unsere Einheiten mit Sicherheit noch weiter auseinanderziehen, wenn sie so viele davon haben, wie der Geheimdienst schätzt.«
Admiralin Niathal teilte eine Reihe von Militärphilosophien mit Jacen Solo, und sich an der Frontlinie sehen zu lassen, war eine davon. Darüber hinaus nahm sie die Dinge gern persönlich in Augenschein, besonders, wenn der Geheimdienst der Galaktischen Allianz involviert war. Die gegenwärtige weite Streuung ihrer Schiffe gab ihr Anlass, sich zu fragen, was Cal Omas im Schilde führte - eine Beklommenheit, die die Brückenbesatzung ihr möglicherweise ansah, als sie auf und ab marschierte und über Schultern schaute, um Bildschirme und Anzeigen zu überprüfen.
»Wir brauchen jedes Schiff, das wir kriegen können, Admiralin.« Piris. der befehlshabende Offizier der Bounty, war schon viel zu lange auf der Brücke. Er war ein Quarren, entstanden aus einer amphibischen Lebensform, und die Atmosphäre an Bord war für ihn zu trocken, um Doppelschichten zu schieben; seine Uniform war an den Manschetten und am Kragen dicht versiegelt, doch er wischte sich in einem fort mit einem klammen Lappen das Gesicht ab. Er musste baldigst in seine feuchte Kabine, um sich auszuruhen. »Wenn die bothanische Flotte derzeit so rasant anwächst, wie der Geheimdienst glaubt, dann kann ich nicht erkennen, wie wir sie in Schach halten sollen, wenn wir außerdem auch noch Sika und jedes andere örtliche Geplänkel unterstützen müssen.«
»Sieht so aus, als wäre der Kem-Stor-Ai-Disput der nächste, der überkocht.« Einen flüchtigen Moment lang wünschte sich Niathal, sie hätte einen Planeten ins Visier nehmen und die Oberfläche vom Orbit aus zu Schlacke reduzieren können, einfach bloß, um deutlich zu machen, wie ernst es ihr war, und dann zu fragen, wer sonst noch etwas von dieser »Medizin« wollte. Doch der Augenblick ging vorüber. Das tat er immer. »Jeder Hinterwäldlerplanet mit einem Missstand lässt unter dem Vorwand angeblicher Loyalität gegenüber der Allianz alte Kämpfe wieder aufflammen und bittet uns, ihnen aber zur Hand zu sehen. Und Omas glaubt, er kann die Allianz zusammenhalten, indem er jedem Ruf nach einer Unterstützungs-flotte quer durch die Galaxis stattgibt.«
»Wann wird er zugeben, dass er das nicht kann?«
»Wenn ich ihm keine andere Wahl lasse, denke ich.«
Vielleicht waren die Bothaner ihrer Zeit voraus, Anstatt weitere große Schlachtschiffe in Betrieb zu nehmen - reizvolle, hochwertige Ziele im Kampf -, hatten sie sich für eine Flotte kleinerer, wendigerer Kriegsschiffe entschieden, die man horten konnte, ohne dass irgendjemand wegen der Aufstockung der Streitmacht in Panik verfiel.
»Dies ist eine andere Art von Krieg. Flexibilität und schnelles Reaktionsvermögen, das ist jetzt das A und 0.« Piris legte die Hand auf die Kommsteuerung des Schiffs. »Schauen wir mal aus welchem Holz die geschnitzt sind. Mothma-Geschwader - starten, wenn einsatzbereit. Qaresi-Geschwader - auf Alarmstufe fünf bleiben. Hindert sie daran, ihren eigenen Raum zu verlassen, aber greift nur an, wenn man auf euch feuert.«
Niathal fragte sich nach wie vor, wer die Bothaner ermordet und so diese Eskalation heraufbeschworen hatte. Hätten jetzt unsere Verbündeten sein können, hätten wir die Bothaner richtig ausgespielt. Irgendein Geheimdiensttrottel, entschied sie. Früher oder später würde sie der Sache auf den Grund gehen. Wenn sie eines Tages Staatschefin sein würde, würde sie die wandelnden Pulverfässer als Erstes aus dem Verkehr ziehen.
»Falls Sie unsere pelzigen Freunde dazu bringen könnten, uns eine Schiffstour zu gewähren, in einem Stück ...«. schlug sie vor. Doch die neue Fregatte unter diesen Umständen abzufangen und zu entern, war so gut wie unmöglich. Das Beste, was sie tun konnten, war, hinterher Trümmer für weitere Untersuchungen einzusammeln. »Ich wüsste zu gern ihre Höchstgeschwindigkeit.«
Irgendwie mochte Niathal die Bothaner, auch wenn sie ihnen nicht weiter traute, als sie spucken konnte, was um einiges weiter war, als so mancher geglaubt hätte.
Sie hatte auch nichts gegen Quarren, selbst wenn das von einer Mon Calamari fast schon erwartet wurde. Quarren waren auf Schiffen ein seltener Anblick; sie kannte Mon Cal-Offiziere. die alle Anstrengungen unternahmen, um zu verhindern, eines Quarren-Besatzung zugewiesen zu werden, und selbst in dieser Situation wollten nur wenige Quarren Seite an Seite mit Mon Calamari dienen. Aber wenn sie gut Waren, dann waren sie sehr, sehr gut. Piris war herausragend. Falls sie irgendeinen Mon Ca! ertappen sollte, der ihn als Tintenfischkopf bezeichnete, würden sie sich vor ihr verantworten müssen, und dabei scherte es sie nicht, wie viele dann tuscheln würden, sie wäre eine Fürsprecherin der Quarren.
Haben wir das Recht, ihre Kinder für irgendwelche Sozialtechnik-experimente zu missbrauchen - zu unserem Vorteil?
In letzter Zeit stellte sie sich diese Frage häufiger als sonst, und die Antwort fiel jedes Mal negativ aus. Jacen Solo hätte sie für eine hoffnungslos weiche Liberale gehalten.
Sie fragte sich, wie sie ihn sich vom Hals schaffen sollte, wenn die Zeit dafür gekommen war. Das würde nicht einfach sein.
»Bounty, Daring - bereithalten.«
Zwölf Raumjäger schössen aus der Hangarbucht der Bounty, schraubten sich von dem Kriegsschiff weg in die Höhe und nahmen die Verfolgung der bothanischen Fregatte auf. Dann teilten sich die drei Staffeln. Überwachungskameras in jedem Cockpit übermittelten der Brücke und dem Gefechtsinformationszentrum der Bounty ein zusammengesetztes Bild der Schlacht. Die Daring löste sich vom Steuerbordbug der Bounty, bereit, jeden bothanischen Gegenangriff mit einer massiveren Attacke zurückzuschlagen.
»Wurden Sie je zur Pilotin ausgebildet, Ma'am?«, fragte Piris.
»Nein. Sie?«
»Ja, wurde ich. In Momenten wie diesem fehlt es mir.«
»Wenn wir noch mehr zu tun kriegen, Captain, werden Sie das Kommando über dieses Schiff einem Droiden übertragen, und dann fliegen Sie Einsätze. Ich weiß nicht, wohin uns das führt.«
»Dann wären Sie Staatschefin. Ma'am«, sagte Piris.
Das Schlimmste an Quarren war, dass ihr Humor nicht so einfach auszumachen war wie der von Menschen. Bei einem Menschen machten einem die zur Schau gestellten Zähne die Einschätzung leichter. Quarren-Gesichtstentakeln konnten eine Vielzahl von Emotionen verbergen.
»Das wird sich zeigen«, sagte sie, in der Hoffnung, weiteres Gerede über ihre Ambitionen zu vermeiden. In diesem Moment spielte es keine Rolle, ob sie jemals Staatschefin werden würde. Ihr stand eine Schlacht bevor, und ihre ganze Ausbildung und ihr Instinkt meldeten sich zu Wort, um ihr zu versichern, dass sie genau da war, wo sie sein wollte, nicht hinter einem Schreibtisch.
Die erste Staffel, die in Reichweite der bothanischen Fregatte kam, nahm das Schiff näher in Augenschein, schoss tausend Meter über seinem Kurs hin und her. Die zweite Gruppe folgte der Fregatte achtern, scannte die Außenhülle und schickte Daten zurück.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis die Bothaner reagierten: vielleicht waren einige ihrer Systeme immer noch außer Betrieb. Das Schiff beschleunigte und bewegte sich aus den Grenzen von Bothawui hinaus, die Beiboote, die der Fregatte folgten. Geleitfischen gleich im Schlepptau.
Also glaubten die Bothaner, sie hätten einen hübschen, neuen Aktivposten, um die Allianz zu überraschen, doch die Allianz hatte sie entdeckt. Niathal wartete auf die Reaktion, während die dritte Staffel des Mothma-Geschwaders die Situation überwachte, die Waffen einsatzbereit, ohne ein Ziel erfasst zu haben. Es gab keinen Grund, die Fregatte in Stücke zu schießen, bevor sie die Messwerte der neuen Klasse genommen hatten.
»Ziemlich dicke Hüllenpanzerung für eine Fregatte«, sagte Niathal, die sich die Aufklärungsdaten von den Raumjägern ansah. Auch Piris brütete über den Bildern und Radarscans. »Mindestens ein Dutzend Turbolaser und zwanzig Kanonen.«
»Nicht außergewöhnlich.«
»Hängt davon ab, wie viele Schiffe sie haben.«
Sie mussten nicht lange warten, um herauszufinden, wie viele Fregatten dort draußen waren. Der Waffenoffizier brüllte zur selben Zeit los. als das Sensorwarnsignal ertönte.
»Sir, Feindkontakt bei - korrigiere, mehrere Kontakte in Reichweite. Wir haben Gesellschaft.«
»Bounty, Daring - auf Gefechtsstation, Befehlsinformationen synchronisieren. Ruder - volle Kraft voraus. Qaresi-Geschwader - Start. Bronzium und übrige Lufteinheiten - starten, sobald bereit.«
Niemand sagte Hinterhalt. Das Cockpitgeplapper der Piloten war zu hören. »Verstanden ... Fünf, sechs ... korrigiere, zehn ... Registriere Aufladen von Kanonen, leite Angriff ein ...«
»Ziel erfassen.«
»Jetzt sind's schon neunzehn ...«
»Er hat mich im Visier.«
»Ich halte dir den Rücken frei. Feuere Täuschkörper ab.«
Piris' Gesichtstentakeln waren vollkommen reglos. Das verlieh ihm ein vorbildlich besonnenes Aussehen. »Kanonen - sämtliche bothanischen Schiffe in Reichweite anvisieren, Feuern nach eigenem Ermessen. Los geht's!«
Im einen Moment hatten sie eine einzelne nagelneue Fregatte beobachtet, und im nächsten tauchten in regelmäßigen Fünf-Sekunden-Abständen weitere aus dem Hyperraum auf. Das Mothma-Geschwader fing sie mit ihren Cockpitkameras ein: Alle hatten den gleichen bothanischen Anstrich, alle so neu, dass sie beinahe funkelten, und ohne irgendwelche Trümmernarben oder Schrammen.
Eine rote Lasereruption flammte auf den Bildschirmen auf, als eine XJ-Kamera erlosch und sich der Jäger in wirbelnde, glühendheiße Trümmer verwandelte. Im Hintergrund waren noch immer die Stimmen der Piloten zu hören, doch das Hauptaugenmerk auf der Brücke lag darauf, das Schiff zu bekämpfen, den Feind anzugreifen. Die Daring bewegte sich zwischen die Bounty und die bothanische Flottille. Ihre Kanonen und Laser zeigten sich auf dem synchronisierten Befehlsinformationsschirm als blinkende Symbole, voll aufgeladen und in Erwartung der Feuerfreigabe.
»Acht Kontakte feuern nicht, Sir, und keine Anzeichen für das Aufladen von Kanonen.« Die Bounty erzitterte, als die Deflektor-schilde Impulslaserfeuer abfingen. Niathal ging hinüber zur Schadenskontrollüberwachung, die bereits unter dem Befehl eines kompetenten Kommandanten stand, doch auf einem Schiff auf Gefechtsstation gab es nichts Schlimmeres als einen müßigen Admiral auf Besuch. Sie musste sich beschäftigen.
»Schaltet sie trotzdem aus.« Piris wandte sich an Niathal. »Wenn die uns außer Gefecht setzen, haben wir zumindest die Daten übermittelt, die wir bekommen haben. Gelingt ihnen das nicht, ist das eine ganze bothanische Flottille, die nie ihren Heimatplaneten verlassen hat.«
»Ich erwarte keinen taktischen Rückzug, Captain.« Drei weitere XJs wurden getroffen: Niathal verbuchte sie als verlorene Einheiten, ohne die Piloten persönlich zu kennen, und einen Moment lang missfiel ihr ihre Objektivität. Das war bei ihr immer so. »Wir sind hier. Lassen Sie uns so viel Schaden anrichten, wie wir können.«
Natürlich verfolgten die Bothaner die gleiche Absicht.
Zwei bothanische Fregatten befanden sich auf Rammkurs mit der Bounty. Von der verbliebenen Flotte schossen fünf auf die XJs. Die Daring eröffnete das Feuer. Die Brückenbesatzung verfolgte, wie der Achterbereich einer Fregatte von einer Abfolge von Explosionen erschüttert wurde, bevor Trümmer davon wegflogen und in eine XJ krachten. Das Gefecht dauerte kaum fünf Minuten, und der Luftverband der Bounty stand unter Beschuss. Die zweite Fregatte drehte unter dem Laserschwall der XJ-Jäger bei, einen glühendheißen Riss in der Außenhülle.
»Täuschkörpermaßnahmen zeigen bei ihrer Zielerfassung keine Wirkung, Sir.« Die Stimme des Piloten klang atemlos vor Anstrengung. »Sie verwenden Kurzstrecken-Hitzesuchraketen. In Zukunft müssen wir ...«
Und er war verschwunden, seine Cockpitkamera weiß und flackernd.
»Luftgruppe - zurückziehen!«, bellte Piris. »Kanonen - feuern auf sämtliche Ziele, sofort!«
Im Kampf nahmen verschiedene Spezies die Zeit unterschiedlich wahr. Bei Menschen verlangsamte sie sich, weil ihre Gehirne wesentlich detailliertere Informationen über die Bedrohung aufnahmen, aber das bedeutete auch, dass sie Dinge mit geringerer Priorität nicht wahrnahmen. Aber Mon Calamari - und Quarren - sahen alles und registrierten jedes Husten und Knistern. Das war es, was sie zu so guten Kommandanten machte. Niathals Instinkt riet ihr, sich zur Wehr zu setzen, und einen Moment lang konnte sie sich nicht vorstellen, warum sie je Interesse an Spitzenämtern gehabt hatte. Sie sah die Taktikschirme und hörte das Kommgeschnatter, und das dreidimensionale Echtzeitbild in ihrem Verstand zeigte ihr das gesamte Schlachtfeld - und sie wollte hart zuschlagen.
Neun bothanische Fregatten waren mittlerweile außer Gefecht gesetzt, trieben entweder ohne Anzeichen von Energie dahin, waren zu kalten Trümmern reduziert worden oder stießen kurze Flammenschübe in das Vakuum, während sie auseinanderbrachen. Einige der verbliebenen zehn erwiderten weitere dreißig Sekunden lang das Feuer, dann fuhren sie ihre Kanonen runter.
»Aufgabe?«, fragte der Wachoffizier.
»Sie bereiten sich auf den Sprung vor«, sagte Piris.»Ausschalten, ausschalten, ausschalten ...«
Sieben Fregatten sprangen in rascher Folge; drei waren nicht so schnell und mussten ein wildes Sperrfeuer von Lasern und Kanonen über sich ergehen lassen.
Piris schenkte Niathal ein erleichtertes Nicken und beugte sich über die Befehlskonsole. «Lufteinheiten - ist irgendjemand zu schwer beschädigt, um es zum Treffpunkt zu schaffen?«
»Mothma Fünf-null. Sir. Langsamer Hüllenbruch.«
»Qarisa Acht, Sir.«
Die Brückenbesatzung wartete einige Sekunden, vollkommen still, die Kanonen immer noch ausgerichtet, während XJ-Jäger zurück zum Hangar rasten und draußen von Bergungseinheiten passiert wurden, die beschädigte Jäger reinschleppen würden.
»Schotten sichern, wenn bereit, und zum Sprung vorbereiten«, sagte Piris. »Auf den Langstreckenscans irgendwelche Anzeichen dafür, dass die bothanische Kavallerie anrückt? Nein? Gut.« Er schaute auf das Chrono, das aus einer Uhrentasche seines Waffenrocks hing. »Nicht ganz zwanzig Minuten, Admiralin. Also, war das jetzt ein geplanter Hinterhalt, in den wir getappt sind, oder machen die Bothaner das Beste aus einem unglücklich abgepassten Eintreffen? Der Punktestand ist zwölf zu null für uns, zerstörte Raumjäger nicht mitgerechnet. Aber haben wir gewonnen oder verloren?«
»Ich lasse es Sie wissen, sobald unsere Kollegen von der Öffentlichkeitsarbeit es mir gesagt haben«, meinte Niathal. »Allerdings bestätigt das einmal mehr meinen Standpunkt. Wenn wir mit den Ressourcen, über die wir verfügen, auskommen müssen, dann müssen wir uns auf Corellia, Commenor und jetzt Bothawui konzentrieren. Wenn der Staatschef jedes Buschfeuer löschen will, das irgendwo aufflammt, muss er uns mindestens eine weitere Flotte geben, und selbst, wenn die Allianz die Credits dafür hat - woher sollen wir das Personal bekommen?«
Piris zuckte mit den Schultern. »Alle Imperien werden irgendwann zu groß und brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen.«
»Vielleicht machen wir das gerade durch.«
Ihr Körper sagte ihr, dass es ganz vorüber war. Ihr wurde heiß, als ihre biochemischen Schutzmechanismen auf der Suche nach Schäden, die es zu reparieren galt, durch ihre Adern rauschten und keine fanden. Die Nachwirkungen einer Schlacht bestanden für sie stets in ein oder zwei ruhelosen Stunden, also beschäftigte sie sich damit, auf der Brücke umherzuwandern. Besatzungsmitgliedern auf den Rücken zu klopfen und ihnen zu sagen, was für großartige Arbeit sie geleistet hatten. Ein junger Menschenmann wischte mit dem Handrücken seine Tränen fort, seine Aufmerksamkeit unnatürlich auf den Sensorschirm vor sich fixiert: er hatte an diesem Tag einen Freund verloren, vielleicht mehr als einen. Es gab nichts, was man dazu sagen konnte. Sie legte ihm einfach eine Hand auf die Schulter und stand eine Weile schweigend da, bis die Steuermannschaft mit ihren Checks vor dem Hyperraumsprung begann.
»Ich bin in meiner Tageskabine«, sagte sie und blieb stehen, um Piris' Hand zu schütteln. »Gut gemacht, Captain.«
Sie wusste, was sie sagen würden, sobald sich die Brückenschotts hinter ihr schlossen. Sie würden ihre Überraschung darüber zum Ausdruck bringen, dass das alte Eisberggesicht herumgehen, Leuten auf den Rücken klopfen und Mitgefühl zeigen konnte. Das brachten Schlachten bei ihr so mit sich: Sie hatte stets eine kurze Phase, in der sie ihre Deckung fallen ließ, und dann war sie wieder ganz die Alte, eine Politikerin, die einst eine kompetente Marineoffizierin gewesen war und die Action in der Flotte nach wie vor vermisste.
Die Hyperraumaussicht jenseits ihres Kabinenfensters wirkte beruhigend. Manchmal suchte sie sich einen Streifen Sternenlicht aus, der sich zu einer Linie hinzog, und versuchte, ihn sich als Stern vorzustellen, der von Planeten voller Leben umkreist wurde, und malte sich aus, was dort gerade vorging. Auch diesmal tat sie das, um einen klaren Kopf zu bekommen, bevor sie entschied, was sie Cal Omas berichten würde.
Sie wusste, dass sie ihm ein Ultimatum stellen musste. Und damit es Wirkung zeigte, brauchte sie Jacen Solo an ihrer Seite.
GGA-HAUPTQUARTIER, CORUSCANT
Captain Heol Girdun lächelte und winkte Ben in ein dunkles Büro. Irgendwie vereinten sich diese beiden Elemente zur am wenigsten angenehmen Art und Weise, wie Ben einen Nachmittag verbringen wollte.
»Sieh dich um«, sagte er, und Bens Augen passten sich an das schwache Licht an. Es gab keine Fenster. Die einzige Helligkeit stammte von Reihen von Holoschirmen und Monitoren. Ben erkannte, dass GGA-Soldaten an den Konsolen saßen, mit diesem Blick defokussierter Konzentration, der wie ausdruckslose Langeweile wirkte. »Die Augen und Ohren der Garde. Willkommen in der Überwachungszentrale. Dem Nonplusultra in Sachen Kontrolle.«
»Sir«, flüsterte einer der Leutnants, »seien Sie bitte leise, ja?«
Girduns Grinsen wurde vom Schein eines Frequenzanalysators bläulich hervorgehoben. »Die sind alle Künstler.« Er dirigierte Ben mit der Schulter und führte ihn zu einer Nische, weg von den aktiven Konsolen. Girdun war vermutlich nicht klar, wie gut sich ein Jedi im Dunkeln zurechtfinden konnte, doch Ben spielte einfach mit. »Von hier aus behalten wir Senatoren und andere gesellschaftliche Sonderlinge im Auge - zu ihrer eigenen Sicherheit.«
»Wessen Kommlink-Verbindungen hören Sie ab?« Ben hatte ein ungutes Gefühl bei alldem. »Ich wette, es ist nicht besonders aufregend.«
»Die des gesamten Regierungsstabs, unsere spezielle Liste mutmaßlicher und erwiesener Drecksäcke, und Politiker«, sagte Girdun. »Und in Anbetracht der Anzahl von Senatoren und der Menge an heißer Luft, die sie von sich geben, lassen wir das von automatisierten Stimmerkennungsprogrammen erledigen, sonst würden wir noch die nächsten tausend Jahre hier hocken. Wenn der Droide irgendein Schlüsselwort von Interesse aufschnappt. hört er die Unterhaltung mit und alarmiert uns. Dann müssen wir uns hinsetzen und tatsächlich selbst zuhören.«
Einer der Soldaten - Zavirk - gab Süßstoff in einen Becher Kaff. Er nippte vorsichtig daran und sah mit dem aus seinem Ohr baumelnden Audiohörer ein bisschen drollig aus. »Ich bin zur Armee gegangen, um die Galaxis zu sehen«, flüsterte er. »aber alles, was ich tue, ist in Acht-Stunden-Schichten verrückten Politikern dabei zuzuhören, wie sie sich mit irgendwelchen Nut...«
»Ben ist vierzehn«, sagte Girdun.
»Nun, wenn Sie wollen, dass er für die Überwachung arbeitet, dann wird er Sachen zu hören bekommen, dass sich ihm die Haare aufstellen. Sir.«
Ben hatte noch nie darüber nachgedacht, was es tatsächlich alles mit sich brachte, die Kommlinks von Verdächtigen und Leuten in wichtigen Ämtern abzuhören. »Ich werde schon nicht in Ohnmacht fallen«, sagte er. »Und wenn ich alt genug bin. dass man auf mich schießt, bin ich auch alt genug, um ... Sachen zu hören.«
»Dieser Logik kann ich nicht widersprechen.« Girdun ließ ihn bei einer Konsole Platz nehmen und gab ihm einen Ohrhörer. »In Ordnung, der Bildschirm hier zeigt dir die Audiodateien an. die der Droide für wert befunden hat, sie sich anzuhören, ebenso wie Holokamera-Aufnahmen. Du arbeitest dich einfach durch und machst dir Notizen, wenn irgendetwas den Anschein macht, als sollte man der Sache nachgehen. Du suchst nach jedem, der vielleicht versucht, Kontakt zu Senatoren aufzunehmen, und ein bisschen seltsam wirkt, nach Unterhaltungen über Senatoren oder Regierungsdinge ... Sieh mal, du bist ein Jedi. Vermutlich hast du in Bezug auf dieses Zeug einen sechsten Sinn, genau wie bei verstecktem Sprengstoff.«
»Den haben Nek-Kampfhunde auch«, sagte Zavirk. »Aber Leutnant Skywalker riecht besser, und er kann Kunststückchen.«
Ben gelangte zu dem Schluss, dass es ihm hier für eine Weile gefallen konnte. Das alles machte auf ihn gar nicht den Eindruck eines Spionagehauptquartiers - das war bloß ein Haufen Soldaten, die er gut kannte und die in Kriegszeiten einen routinemäßigen Überwachungsjob erledigten. Ben wurde bewusst, dass er seine Gefühle in den Hintergrund schieben musste, damit er Dur Gejjen nicht als Person betrachtete. Der Mann hatte Frau und Kind. Aber Tenel Ka hatte ebenfalls ein Kind, und Gejjen hatte fröhlich jemanden angeheuert, um sie zu ermorden. Ben hatte die moralischen Aspekte seiner Mission abgewogen und war sich nicht sicher, ob er sich nicht bloß etwas einredete, um die Sache so zu sehen, wie er sie sehen wollte.
Es gab niemanden, mit dem er darüber sprechen konnte.
Er machte es sich in seinem Sitz bequem, um mit dem Überprüfen der Aufnahmen zu beginnen, und versuchte, nicht an Gejjen zu denken. Die Gespräche - größtenteils langweilig, einige bizarr, ein paar unverständlich - lullten ihn in einen beinahe meditativen Zustand. Es kostete ihn Mühe, nicht erneut zu versuchen, sich in der Macht zu verbergen, etwas, das er übte, wann immer er konnte.
In der Überwachungszentrale roch es intensiv nach Kaff. Nach einigen Stunden hatte Ben das Gefühl, er könne ebenfalls einen vertragen, und er verlor sich in einer Unterhaltung zwischen zwei Regierungsmitarbeitern über die reguläre Route, die eine gewisse Senatorin vom Senat zu ihrem Apartment nahm. Allerdings wurde er vom Rascheln von Stoff und leiser, intensiver Aktivität bei einer anderen Konsole aus seiner Konzentration gerissen. Zavirk hatte Girdun zu sich gerufen, und sie schauten beide grimmig drein.
»Sind Sie sicher?«, fragte Girdun.
»Lassen Sie ein Stimmprofil laufen, falls Sie mir nicht glauben«, schlug Zavirk vor. »Das ist der corellianische Premierminister.«
Im Raum hielten sich zehn Leute auf. und sie alle verharrten, um zu lauschen. Gejjen sagte mit seiner besänftigend-überzeugenden Stimme mit schwachem Akzent zu jemandem, dass es keinen Anlass gab, dies über die üblichen Kanäle abzuwickeln, weil niemand sonst in Verhandlungsstimmung sei.
»... Sie und ich wissen, dass wir dieses Problem durch das Entfernen einiger Hitzköpfe lösen können... Einige Ihrer Militärs brauchen einen Dämpfer, genau wie einige von unseren. Ich würde eine sofortige Waffenruhe ausrufen, würde man mir ein paar Dinge zusichern.«
»Die da wären?«, vernahm Ben die unverwechselbare Stimme von Staatschef Omas. Sie hörten die sichere Kommverbindung des Staatschefs ab. Ben war sich nicht sicher, ob sie dafür die notwendige Genehmigung hatten.
»Wir einigen uns darauf dass Corellia seine Militäreinheiten mit der GA zusammenlegt, haben aber das Recht, unsere Truppen bei dringendem Bedarf zurückzuziehen. Niathal muss gehen. Jacen Solo muss gehen. Sobald das alles geklärt ist. befinden wir uns wieder im Normalzustand, und Sie haben, was Sie wollen.«
»Centerpoint?«
»Nun, wir haben ohnehin Schwierigkeiten, die Station zu reparieren.«
»Centerpoint muss funktionsunfähig gemacht werden.«
Eine Pause. Zu kurz, als dass sie den meisten Leuten aufgefallen wäre, aber Ben schon. »Das ist sie bereits. Aber falls Sie eine multiplanetare Streitmacht oder Beobachter dorthin schicken wollen, fein.«
»Was ist mit den Bothanern und den anderen Planeten, die ihre eigenen Kriege ausfechten?«
»Die Commenorianer kann ich mit ins Boot holen, und die Bothaner... Nun, sobald wir alle wieder in der sind, wird Bothawui sich ebenfalls fügen. Und wenn bei den kleinen Völkern die Gefechte außer Kontrolle geraten. werden wir Truppen entsenden, die dem ein Ende setzen.«
»Der Senat wird dem nicht zustimmen.«
»Entfernen Sie als Erstes Niathal und Solo aus der Gleichung, und sie werden sich beruhigen. Jedenfalls das, was vom Senat noch übrig ist.«
»Sie entfernen? Sie werden nicht einfach so gehen. Möglicherweise spaltet das den Senat. G'Sil ist vollkommen auf ihrer Seite, und er hat großen Einfluss.«
»Nun, man kann Leute so oder so entfernen.«
Omas antwortete nicht.
Gejjen unterbrach das Schweigen. »Sie wissen, dass wir eine Aufgabe zu erledigen haben, bevor das hier auf die ganze Galaxis überschwappt.«
»In Ordnung. In Ordnung.«
»Wir müssen uns treffen. Können Sie nach Vulpter kommen?«
Eine lange Pause. »Ich werde einen Vorwand dafür finden. Schicken Sie mir die Einzelheiten ...«
Girdun starrte den Bildschirm an, als könne er alldem einen Sinn abgewinnen, wenn er nur lange genug hinstarrte. Zavirk saß da, das Kinn in die Hand gestützt, und schaute in der Erwartung von Befehlen zu seinem Captain auf.
»Lassen Sie Colonel Solo unverzüglich eine Abschrift davon zukommen.«
Ben war sich immer noch nicht sicher, was vor sich ging, obwohl er fand, dass Omas den Sicherheitsrat davon hätte unterrichten müssen. »Darf der Staatschef nicht mit dem corellianischen Premierminister sprechen?«
»Hängt davon ab, worüber er redet«, sagte Girdun. »Und was er in Bezug auf Colonel Solo und Admiralin Niathal im Sinn hat.«
Wenn Gejjen die Ermordung der Königinmutter von Hapes planen und Thrackan Sal-Solo töten lassen konnte, machte es ihm auch keine Mühe. Jacen und Niathal verschwinden zu lassen, das wurde Ben mit einem Mal klar.
Girdun beugte sich über Zavirk und drückte eine Taste auf der Konsole. »Diese Unterhaltung fand vor vier Stunden statt. Überprüfen Sie lieber die Reisearrangements des Staatschefs, denn er hat uns nicht darüber informiert, dass er den Planeten verlassen wird. Er wird einen Schutztrupp brauchen, der ihm nicht von der Seite weicht.«
»Glauben Sie wirklich?«, fragte Ben.
»Bei Gejjen? Da braucht er zwei.«
Ben wusste nicht, ob er Tenel Ka erwähnen durfte. Es war immer schwer zu sagen, wer innerhalb der GGA über was Bescheid wusste. »Würde er wirklich versuchen, Staatschef Omas etwas anzutun?«
»Ich glaube, er macht das aus Gewohnheit, so wie ich Nerf-stangen kaue.«
Ben hatte keine Ahnung, ob Cal Omas den Senat illegalerweise umging, um einen persönlichen Handel mit dem Feind abzuschließen, oder ob er in eine Falle tappte, wie die, die Gejjen Tenel Ka gestellt hatte - und Onkel Hans verblichenem, unbewein-tem Cousin Thrackan.
Wie immer hatte Jacen recht. Gejjen musste aufgehalten werden.
BÜRO DER OBERBEFEHLSHABERIN DER STREITKRÄFTE, SENATSGEBÄUDE, CORUSCANT
Jacen las die Abschrift ein drittes Mal und legte sein Datenpad dann auf Niathals Schreibtisch.
An der Wand hinter ihr befand sich ein Hologramm von Mon Cals schimmernden blauen Ozeanen und gewundenen Gebäuden, die in Form schwimmender Städte aus den Wellen hervorragten. Er fragte sich, ob sie Heimweh hatte. Gerade erst war sie aus einer Schlacht zurückgekehrt, die nicht wie geplant verlaufen war, und wartete ungeduldig darauf, deswegen mit Cal Omas zusammenzutreffen.
Das bedeutete, dass sie empfänglich für Vorschläge war. Er unterließ es, sie bewusst beeinflussen zu wollen, zumal sie ohnehin nicht zu denen gehörte, die für Jedi-Tricks empfänglich waren. Das hätte sie bloß provoziert.
»In Kriegszeiten geht doch nichts über eine vereinte Front.« Er lehnte sich im Sessel zurück, die Finger hinter seinem Kopf verschränkt. »Dann sind wir wohl nicht die Lieblinge des Monats. Unser glorreicher Anführer ist nicht gerade in die Bresche gesprungen, um uns zu verteidigen.«
Niathals weiße Uniform sah nicht zerknittert aus, obwohl sie eben erst gelandet war, mit einem Kriegsschiff, das frisch aus dem Gefecht kam. »Riecht nach Undank, würde ich sagen.«
Sie war nicht zu Scherzen aufgelegt. Jacen wusste mittlerweile genug über Mon-Cal-Körpersprache, um zu erkennen, dass sie wütend war. Die ganze Zeit über rollte sie leicht mit dem Kopf, als wäre ihr heiß und als würde ihr Kragen ihr in den Hals kneifen. Ihre Nasenlöcher waren geweitet. Das bedeutete, dass sie bereit war für einige radikale Vorschläge in Bezug auf Omas.
Er warf den Köder aus. »Ihnen ist schon klar, dass Gejjen.
als er sagte, dass jemand abtreten müsse, damit keinen goldenen Handschlag und eine gerahmte Urkunde für unsere loyalen Dienste meinte?«
»Spucken Sie's aus, Jacen.«
»Er steckt hinter Sal-Solos vorzeitigem Ableben ...«
Sie kniff die Augen zusammen, voller Sarkasmus. »Ich bin schockiert, sage ich Ihnen. Schockiert.«
»... und hinter dem Anschlag auf das Leben der hapanischen Königinmutter.« Meiner Geliebten. Der Mutter meiner Tochter, meines kleinen Lieblings. Ich wünschte, ich könnte sie sehen. »Und wir sind die Nächsten.«
Für eine Sekunde schlossen sich Niathals Nasenlöcher. Das war bei Mon Calamari ein verräterisches Zeichen, ein kleiner Hinweis darauf, der besagte, dass sie überrascht waren, und das nicht in positiver Hinsicht.
»Er wäre töricht, das zu versuchen.«
»Momentan bin ich mir nicht sicher, dass er es nicht versuchen würde.«
»Omas ist kein Narr«, sagte sie. »Er muss sich ziemlich genau darüber im Klaren sein, worauf er sich dabei einlässt.«
»Und was, glauben Sie, hat er sonst vor?«
»Alles, was er will, ist, die Allianz zusammenzuhalten. Er denkt, ein paar Schläge auf die Finger könnten unartige Regierungen wieder auf Kurs bringen. Nun, bei Corellia hat das nicht funktioniert, und jetzt muss er mit ansehen, wie die Allianz um einen Planeten nach dem anderen schrumpft.« Sie sah weiterhin auf die Uhr auf ihrem Tisch. »Laut Vorschrift müssten wir den Vorsitzenden des Sicherheitsrats über das Treffen informieren. So, wie die Dinge liegen, fühlt er sich allmählich ausgegrenzt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, was dabei herauskommen wird.«
Jacen hielt G'Sil bei Laune, indem er Resultate im Kampf gegen den Terrorismus lieferte und ihm nichts erzählte, von dem er später jede Kenntnis würde leugnen müssen. Wenn G'Sil ernsthafte Ambitionen in Bezug auf Omas' Posten hatte, hatte er das nicht erkennen lassen - noch nicht.
»Senator G'Sil würde mich einfach anweisen, mich darum zu kümmern«, sagte Jacen. »Ich erspare ihm das Problem, zu viel zu wissen.«
»Gefällt Ihnen die Ironie daran?«
»Woran?«
»Dem Senat zu verschweigen, was unser Staatsoberhaupt dem Senat verschweigt. Übrigens gute Arbeit mit der Beschaffungs-gesetzesänderung. Ist durchgegangen wie ein geölter Aal.« Niathal stand auf und wanderte in ihrem Büro umher, die langen schwimmhäutigen, knochigen Finger hinter ihrem Rücken zusammengelegt. Sie hatte die aufrechte Haltung, die allen GA-Militärs eigen war, ungeachtet ihrer Rasse oder der Form ihres Rückgrats. »Wir beide sind nun also in der Lage, innerhalb der Etatgrenzen Gesetze zu ändern - jedes beliebige Gesetz. Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich über das Potential dieser Möglichkeit bereits jede Menge Gedanken gemacht haben.«
Jacen wollte, dass sie stehen blieb und ihn ansah, doch sie setzte ihre langsame Wanderung durch das Büro fort.
Sie beherrscht dieses Spiel in Vollendung. Ich muss aufpassen.
»Es ist eine Notfallmaßnahme«, sagte er. »Wenn wir müssen, können wir jedes geringfügigere Gesetz ändern, und wenn wir es geschickt anstellen, auch jedes große.« Wir. Nicht ich. Er fand es wichtig, hervorzuheben, dass sie Partner waren. »Wenn HM-3 beispielsweise die Notstandsverordnung abändern müsste, um die Streitkräfte der GGA dazu zu ermächtigen. Staatsoberhäupter, Politiker und alle anderen Individuen zu verhaften, von denen angenommen werden muss, dass sie ein konkretes Risiko für die Sicherheit der Galaktischen Allianz darstellen, und ihre Besitztümer im Rahmen des Schatzamtsbeschlagnahmegesetzes zu konfiszieren, dann, so vermute ich, würden die Leute ihr Augenmerk eher auf Premierminister Gejjen richten und zustimmend nicken.«
»Jetzt reden Sie sogar schon wie ein Gesetzgeber ...«
»Aber habe ich nicht recht?«
Niathal drehte sich um. Sie konnte nicht wie ein Mensch lächeln. doch in Form eines leichten Zusammenpressens ihrer Lippen stand ihr die Erheiterung ins Gesicht geschrieben. Jacen fühlte, wie sich ihre ständige Skepsis und Ungeduld für einen kurzen Moment in zufriedene Herzlichkeit - sogar in Triumph - verwandelte.
»Dass sich niemand fragen wird, ob diese Gesetzesänderung auch für den Staatschef der GA gilt? Ja, Jacen, da haben Sie recht.«
»Falls ich das Gefühl bekomme ... handeln zu müssen, um Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen, werden Sie dann zu mir stehen?«
Werden Sie einen Putsch mit mir planen ? Habe ich das wirklich gerade gesagt ?
Niathal zögerte. Aber es war nicht das verdutzte Zögern von jemandem, der schockiert über einen ungeheuerlichen Vorschlag war. Sie nutzte bloß den Moment, um Jacen Solo von Kopf bis Fuß zu mustern.
»Sie haben vielleicht die GGA hinter sich. Jacen, aber Sie brauchen die Flotte ebenfalls, nicht wahr? Und den Rest der Armee.«
»Ist das ein Ja?«
»Es ist ein >Wenn sich die Lage weiter verschlechtert, werde ich meinen Treueschwur gegenüber der GA vor meinen Treueschwur für ein Individuum stellen.<«
»Ich bin ... gespannt zu sehen, ob das Militär die Linie überschreiten wird, maßgeblich zum politischen Kurs beizutragen, anstatt bloß den Willen der Regierung auszuführen.«
»Für den Fall, dass Sie es vergessen haben«, sagte Niathal sanft, »das Büro des Oberbefehlshabers der Streitkräfte vereint effektiv die Rollen des Verteidigungsministers und die des Vorsitzenden der vereinigten Generalstabschefs. Ich bin Politikerin. Außerdem bin ich zufällig auch die ranghöchste Militäroffizierin.«
Wenn es darum ging, Fäden zu ziehen, war sie ihm ebenbürtig, aber sie verfügte über keine Machtkräfte. Er hoffte, dass er niemals gezwungen sein würde, sie darauf aufmerksam zu machen.
»Dann ist es an der Zeit, dass wir ein Schwätzchen mit Omas halten.« Jacen stand auf und strich mit den Händen seinen schwarzen GGA-Anzug glatt. »Bloß, um sicherzugehen. Nach allem, was wir wissen, könnte er sich ebenso gut mit Gejjen treffen. um unversehens einen Blaster zu zücken und einen weiteren corellianischen Regimewechsel herbeizuführen.«
Niathal folgte ihm in den Korridor, der zu den Büros des Staatschefs führte. In den Wänden aus blauem und goldenem Marmor gab es Nischen, in denen prächtige Statuen aus allen feilen der Galaxis standen. Jacens Herz hämmerte. Obwohl er seinen Puls kontrollieren konnte, ließ er es rasen, weil er sich dann lebendig und menschlich fühlte. Dies waren folgenschwere Zeiten, und wenn er sich selbst komplett von der Normalität abkapselte, verlor er womöglich die Größenordnung seiner Aufgabe aus den Augen - und was auf dem Spiel stand.
Wie könnte ich je vergessen, dass Ben sterben muss?
Wenn Jacen über seine Worte nachdachte, wenn er sich selbst in seinem Verstand hörte, wurde ihm klar, wie sich seine Sprache veränderte. Er distanzierte sich zusehends von der Wirklichkeit. Ben muss sterben. Das klang ganz anders als Ich muss ihn töten. Womöglich versuchte die Macht ihm zu sagen, dass es nicht um einen simplen Vertrauensverrat an Ben ging, ausgeführt mit einem Lichtschwert. sondern dass er auf andere Weise sterben würde.
Wenn es geschehen muss ... dann vielleicht nicht durch meine Hand.
Die Türen zu den Büroräumen des Staatschefs glitten auf, und er betrat das ruhige, mit einem dicken Teppich ausgelegte Empfangs-zimmer, mit Niathal an seiner Seite; nicht hinter ihm. nicht vor ihm, sondern genau neben sich, auf einer Höhe. Omas hatte sich über den Tisch seines Referenten gebeugt und sprach mit gedämpfter Stimme mit ihm.
»Es tut mir leid, dass ich Sie warten ließ«, sagte er und schaute auf. »Kommen Sie herein.«
Jacen rückte seinen Stuhl so zurecht, dass er nicht gezwungen war, Omas im Licht, das durch das Fenster hereinfiel, anzublinzeln. Genau wie Niathal. Es war eine eloquente, stillschweigende Aussage dazu, wer hier die Oberhand haben würde, dabei hatten sie sich gar nicht abgesprochen. Omas, ein Mann, der ein großartiges Gespür für die Feinheiten der Körpersprache und für psychologische Vorteile hatte, strahlte Vorsicht in die Macht aus. Er wusste, dass er es mit einer vereinten Front zu tun hatte.
»Ich nehme an. Sie haben den Bericht über die Schlacht gelesen«, sagte Niathal.
»Ja.« Omas griff nach einem Datenpad, wie um ihr zu versichern, dass er das getan hatte. »Ganz egal, ob es nun glückliches Timing auf bothanischer Seite oder eine clevere Falle war, die wahre Frage lautet, wie wir mit einem Bothawui umgehen sollen, das sich zunehmend besser bewaffnet und immer aggressiver wird.«
»Tatsächlich spielt es sehr wohl eine Rolle, ob es Glück war oder nicht«, sagte Jacen. »Weil es dabei um die grundlegende Qualität unseres Geheimdienstes geht. Ich bin mit der Arbeit des GA-Geheimdienstes nicht zufrieden, was. wie Sie sich vielleicht erinnern, der Grund dafür war, warum ich die GGA aus selbst ausgewählten Leuten zusammenstellen wollte. Der Geheimdienst ist der Aufgabe nicht gewachsen, der wir uns jetzt gegenübersehen.«
Omas wirkte abgespannt. »In Ordnung, Sie haben beide eine Beschwerde vorzubringen. Wer zuerst?«
Niathal neigte höflich den Kopf, aber Jacen konnte spüren, wie ihre Entschlossenheit einen Käfig um sie herum bildete, beinahe wie Durastahl. »Ich werde mich kurz fassen«, sagte sie. »Wir können uns nicht in jedes kleine Scharmützel verwickeln lassen, um undurchsichtige Senatoren und starrköpfige Staatsoberhäupter innerhalb der Allianz zu halten. Wir übernehmen uns damit. Wir konnten die corellianische Blockade nicht aufrechterhalten, und jetzt haben wir die Bothaner, die aufrüsten. Suchen Sie sich Ihre Schlachten mit Bedacht aus, Staatschef. Ich kann nämlich nicht alle führen.«
Omas tat sein Übliches, das Problem zu verdrängen, und goss sich aus einer Kanne auf seinem Tisch einen Becher Kaff ein. Es gab bloß einen Becher, und er bot ihnen nichts an.
»Wenn wir den Mitgliedsplaneten der Allianz nicht unsere Unterstützung zukommen lassen, verlieren wir sie«, sagte er. »Wir sind das bereits alles durchgegangen. Wenn noch mehr abtrünnig werden, haben wir verloren. Dann wird die Frage, wie wir die vereinigte Verteidigungsarmee der Allianz aufrechterhalten sollen - womit dies alles angefangen hat, wie wir nicht vergessen sollten -, akademisch.«
»Wenn wir unsere Streitkräfte nicht auf die Welten konzentrieren, die die unmittelbarste und größte Bedrohung darstellen. dann werden wir ein Schiff nach dem anderen verlieren, bis wir vielleicht nicht einmal mehr in der Lage sind, Coruscant zu verteidigen, wenn es zum Schlimmsten kommt.«
»Denken Sie, es könnte dazu kommen?« Omas schien nicht überzeugt. Er warf Jacen einen Blick zu, aber Jacen hielt sich bedeckt. »Geht es hierbei am Ende um Coruscant?«
»Natürlich tut es das«, sagte Niathal. »Das tut es immer. Die Allianz und Coruscant sind untrennbar miteinander verbunden, und für all die anderen Welten ist das die Hälfte des Problems.«
Omas wandte sich an Jacen. »Sie sind dran, Colonel.«
»Ich teile die Ängste der Admiralin bezüglich der zu weiten Auffächerung unserer Einheiten.« Jacen versuchte auf subtile Weise, Omas die Chance zu geben, sich reinzuwaschen, und ertappte sich dabei, dass er hoffte, dass Omas sie nicht nutzen würde. »Corellia ist immer noch der Dreh-und Angelpunkt bei alldem. Ich sage, war nutzen zum nächstmöglichen Zeitpunkt all unsere Ressourcen für einen massiven Angriff auf Corellia - für eine Invasion, um genau zu sein. Wir zerstören ihre industrielle Basis und ziehen Gejjen und seine Kumpane aus dem Verkehr. Der Mann hat bereits seinen Vorgänger umbringen lassen und einen Mordanschlag auf die hapanische Königinmutter angeordnet.« Jacen hielt einen Augenblick inne, weil Timing jetzt alles war. »Ich hege keinen Zweifel daran, dass Sie der Nächste sein werden.«
Jacen spürte Niathals Reaktion, auch wenn ihr Gesichtsausdruck völlig neutral blieb: Belustigung plus ein wenig angespannte Aufregung, als würde sie sich auf eine Schlacht vorbereiten. Omas war schlagartig argwöhnisch - aber Jacen vermochte nicht zu sagen, ob das ihm galt oder dem Gedanken, dass Gejjen Omas möglicherweise eine Falle stellte.
»Haben Sie Geheimdienstinformationen, die darauf hinweisen?«, fragte Omas.
Jacen schüttelte den Kopf. »Nein, und die brauche ich auch nicht, ebenso wenig wie die Hilfe der Macht, um zu diesem Schluss zu gelangen. So regelt Gejjen nun mal seine Angelegenheiten.«
»Wenn wir einen derartigen Angriff auf Corellia starten, sollte ich das zunächst dem Sicherheitsrat vortragen. Und selbst, wenn der sich damit einverstanden erklärte ...«
»Wir befinden uns im Krieg. Sie verfügen über sämtliche rechtlichen Befugnisse, um gemeinsam mit Admiralin Niathal die Entscheidungen zur Vorgehensweise in diesem Krieg zu treffen.«
»Bis das Ganze weitere Credits kostet«, sagte Omas. »Und sobald wir uns augenfällig auf Corellia konzentriert haben, was werden Bothawui und Commenor dann tun? Die Antworten darauf passen auf einen sehr kleinen Zettel. Ich bitte Sie ...«
Damit hatte Omas den perfekten Vorwand, um das Treffen mit Gejjen von sich aus zur Sprache zu bringen. Er hätte sagen können, dass er den Friedensverhandlungen eine letzte Chance geben wolle. Er hätte irgendetwas sagen können, das daraufhindeutete, dass er vorhatte, mit einem Staat über die Bedingungen für einen Waffenstillstand zu verhandeln, der das Wort Gemeinwohl noch nie gehört zu haben schien und dessen abgebrühter, mörderischer Anführer selbst einem Hutten-Bandenboss Angst eingejagt hätte.
Und, dachte Jacen, jeder kluge Politiker hätte geahnt, dass ihr eigener Geheimdienst ihn ausspionierte, genauso wie sie all die anderen Senatoren ausspionierten. Omas hätte eine entsprechende Andeutung machen und Jacens Reaktion beobachten können, hätte unverfroren austesten können, ob seine heimliche Unterredung abgehört worden war.
Doch das tat er nicht. Und seine Zukunft - und sein Schicksal - waren damit besiegelt.
»Also, was sollen wir jetzt machen?«, fragte Niathal. »Dieselbe Strategie wie gehabt? Splitten wir die Flotte weiter auf, bis wir bloß noch ein Schiff pro Schauplatz haben?«
»Ich denke, ein Frontalangriff auf Corellia ist Wahnsinn«, gab sich Omas überzeugt. »Vielleicht müssen wir diese Möglichkeit zwar dennoch in Betracht ziehen, dann allerdings erst viel später. Bis dahin ist es mein Hauptanliegen, zu verhindern, dass die Abwander-ungen aus der Allianz den Umkipppunkt erreichen.«
Jacen beschränkte sich darauf, unterdrückte Verärgerung und Enttäuschung zu heucheln. Es musste subtil sein, weil Omas um Jacens Fähigkeit lächelnder Selbstbeherrschung wusste. Dennoch musste Omas für einige Sekunden einen schwachen Hauch von Unstimmigkeit wahrnehmen und ihn auskosten; es hätte seinen Argwohn geweckt, wenn Jacen zu bereitwillig eingeknickt wäre.
Jacen stützte seine Hände unverwandt auf die Arme des Apocia-holzstuhls und erhob sich.
»Nur für die Akten: Ich denke, das ist ein großer Fehler, Sir«, sagte er. »Und mir wäre wohler dabei, wenn die GGA unsere Geheimdienstgemeinschaft in ihren Bemühungen jenseits von Coruscant unterstützen könnten.«
»Ich habe Ihren Standpunkt zur Kenntnis genommen, Colonel Solo, und ich bin Ihnen dankbar für die strategischen Beiträge, die Sie bislang geleistet haben.« Omas verschränkte seine Finger und lehnte sich auf den Tisch, eine Geste, die eher Abwehr ausdrückte, als Entschlossenheit. »Doch der Aufgabenbereich der GGA beschränkt sich auf innerstaatliche Angelegenheiten. Dennoch weiß ich Ihre Besorgnis bezüglich der Qualität unseres Geheimdienstes zu schätzen.«
Jacen suchte nicht Niathals Blick. Er ging hinaus, dicht gefolgt von ihr, und sagte nichts, bis sie wieder in ihrem Büro waren.
»Nun?«
»Nicht gut«, sagte sie. Sie ging zum Fenster, um den Verkehr zu betrachten, der in geordneten Linien über die Skylanes rings um den Senatsdistrikt floss. »Er ist, nicht besonders offen zu uns, oder?«
»Ich habe ihm nie erzählt, dass wir GGA-Mitarbeiter haben, die auf Corellia operieren, also sind wir quitt.«
»Ich kann die gegenwärtige Strategie nicht unterstützen. Vielleicht sollte ich mit Senator G'Sil reden und die Angelegenheit dem Sicherheitsrat übertrafen.«
»Und dann verschwenden wir unsere Energien für einen internen Machtkampf mit Omas, während wir einen Krieg aus-zufechten haben. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, dass man, wenn man auf jemanden schießt, solange weiterfeuern muss, bis dieser Jemand das Feuer nicht mehr erwidern kann. Verwundet man ihn bloß, hat man einen wütenden Gegner, der weiß, wo er einen findet.«
»Ich weiß, worauf Sie damit hinauswollen, Jacen.«
»Sie wissen, dass ich recht habe.«
»Das macht es kein bisschen einfacher.«
»Wenn er sich auf einen Deal mit Gejjen einlässt, sind wir nicht bloß wieder bei null angelangt. Die Allianz ist dann in einer schlechteren Position als zu Anfang.«
»Und wir wären aus dem Spiel.«
»Zumindest theoretisch.« Jacen hätte Niathal fast gefragt, ob sie Kinder hatte, und dann wurde ihm klar, dass er beinahe das denkbar Dämlichste getan hätte: seine ständigen Ängste um die Zukunft seiner eigenen Tochter zu enthüllen, eines Kindes, von dem niemand je erfahren durfte, wer ihr Vater war. Er fing sich schnell wieder, verwundert über seine Schwäche. »Weil die Sache auf immer wiederkehrende Kriege hinauslaufen wird.«
»Oder Omas endet mit einer Vibroklinge in der Kehle.«
»Er ist ohnehin verrückt, sich von Angesicht zu Angesicht mit Gejjen ohne Personenschutz zu treffen. Uns hat er nicht darum gebeten. Und auch beim CSK hat er deswegen nicht angefragt...«
»Beim GA-Geheimdienst?«
»Nein. Wir hören auch deren Kommunikation ab.«
»Sie sind eine Quelle fortwährender Enthüllungen, Jacen Solo...«
»Sind Sie dabei?«
»Wobei?«
Jacen sah sich im Raum um und versuchte zu wirken, als würde er einfach bloß nachdenken, doch in Wahrheit argwöhnte er, dass jemand anderes womöglich das mit ihm machte, was er mit ihnen machte - sie elektronisch abzuhören. Lockte Niathal ihn in eine Falle? Nein, er war sicher, dass er Wanzen im Raum wahrgenommen hätte. Hier waren keine. »Sie wissen, was ich vorschlagen will.«
»Um ehrlich zu sein, nicht. Nicht im Detail. Sagen Sie's.«
»Ein Regimewechsel.« Jetzt war es raus. Doch er konnte keine damit verbundenen Gefahren spüren. Was ihn beunruhigte, war seine innere paranoid flüsternde Stimme, nicht seine Machtsinne. Ihm wurde bewusst, dass er weniger instinktgesteuert und dafür rationaler geworden war, und das war das Problem. Du denkst zu viel, und du fühlst zu wenig, genau wie Lumiya sagt. »Wir entheben ihn lange genug seines Amtes, um diesen Krieg zu gewinnen, dann soll Senator G'Sil, sobald die Situation stabil genug ist, Neuwahlen anordnen.«
Seine Worte kamen wie die eines Fremden über seine Lippen, und er konnte selbst nicht glauben, was er da sagte. Niathal gab ein kleines Prusten von sich, das Gelächter hätte sein können.
»Das mit der Absetzung verstehe ich. Es ist die Lücke zwischen Absetzen und Wahlen, die mich fasziniert.«
»In der Zwischenzeit führen wir die GA als Duumvirat. Keine Diktatur. Gemeinsame Kontrolle.«
Niathal deutete auf ihre Uniform und streckte dann die Hand aus, um einen knochigen Finger auf das Rangabzeichen auf seiner Schulter zu legen. »Ein Militärputsch. So nennt man so was. Verdrehen wir nicht die Tatsachen.«
»In Ordnung, ich setze ihn ab. und Sie übernehmen seinen Posten - allein.«
»Ich glaube nicht. Duumvirat ist dafür meiner Meinung nach besser geeignet.«
Jacen mochte die Zahl Zwei. Sie stand symbolisch für den Weg der Sith. In dem Wissen um Niathals Ambitionen auf das Amt des Staatschefs hatte er sich mit ihr den gleichen Machtkampf geliefert wie ein Sith-Meister mit seinem Schüler, von dem man erwartete und der dazu ermutigt wurde. Pläne zu schmieden, um seinen Meister zu stürzen.
Doch zu gegebener Zeit würde er als Sith-Lord herrschen, wenn die GA und Wahlen hinfällig geworden waren, und dann würde sie den Staat führen. Das würde sie zufrieden stellen.
»Ich werde mich übrigens um Gejjen kümmern«, sagte er. »Er hat großen destabilisierenden Einfluss, und ihn aus dem Verkehr zu ziehen, wird Corellia in Unruhe stürzen.«
»Wie wollen Sie mit Omas verfahren?«
»Ich stelle ihn unter Hausarrest und enthebe ihn seines Amtes.«
»Abgesetzte Staatsoberhäupter neigen dazu, zu Märtyrern zu werden.«
»Man darf uns nicht dabei erwischen, wie wir unsere eigenen Leute umbringen, deshalb habe ich daran gedacht, die Sache Gejjen in die Schuhe zu schieben, aber das ist nicht notwendig. Wir müssen uns als zivilisierte Leute zeigen, die im Rahmen der Gesetze arbeiten.«
»Durch einen Putsch.«
»Nach dem Gesetz - das heißt, so wie das Gesetz dann sein wird -, wird es das nicht sein.«
»Ah, ich vergaß.« Nein, das hatte sie nicht, das wusste er. »Ihre Gesetzesänderung.«
»Ich werde die entsprechende Änderung nächste Woche durch HM-3 einbringen lassen.«
»Und in der Zwischenzeit?«
»Überlassen Sie das mir. Ich werde jemanden vor Ort haben, wenn sich Omas mit Gejjen trifft.« Jacen überprüfte sein Datenpad. »Er braucht bloß einen Tag, um seinen Deal mit Gejjen unter Dach und Fach zu bringen, nicht mehr, also ... Meine Leute behalten ihn im Auge, bereit loszuschlagen. Dann haben wir Beweise, die wir G'Sil vorlegen können.«
»Und dann verhaften Sie ihn.«
»Ich dachte mir, ich verhafte ihn exakt dann, wenn Sie G'Sil die Beweise präsentieren. Wenn wir zuschlagen, dann schnell. Wir dürfen uns nicht ausmanövrieren lassen.«
Niathal stieß einen langen Atemzug aus. Jacen wartete.
»Ich werde mich bereithalten, um auf Ihr Signal hin aktiv zu werden. Achten Sie darauf, mich über alles, was vorgeht, auf dem Laufenden zu halten, in Ordnung?«
Es war vollbracht. Jacens Machtübernahme war beschlossene Sache. Die GGA stand hinter ihm, und Niathal würde sowohl die Flotte, als auch die Armee beisteuern. Wenn man Omas, der die GA an die Corellianer verschacherte, richtig präsentierte, würde der Putsch ziemlich friedlich über die Bühne gehen.
Es gab keinen Anlass für unnötiges Blutvergießen. Genau darum ging es bei alldem: um ein Ende der Gewalt, des Chaos und der Instabilität .
Das war all das wert, was er aufs Spiel setzte.
Jacen nahm ein Lufttaxi zurück zu einem Platz ein paar Gehminuten vom GGA-Hauptquartier entfernt, als wäre er bloß ein gewöhnlicher Bürger. Kein schnittiger schwarzer GA-Transporter, keine Privilegien. Entweder erkannte der Fahrer die Uniform nicht, oder er zögerte zu sagen: Hey. Sie sind doch der Chef der Geheimpolizei. nicht wahr? Es war eine schweigsame, grüblerische Fahrt. Es war an der Zeit sicherzustellen, dass nichts falschlief, sofern beim sinnfälligen Schicksal überhaupt etwas schieflaufen konnte. Er aktivierte sein Kommlink und rief Lumiya an.
»Shira«, sagte er, sich des Pilots vor sich wohl bewusst. »Du musst einen Auftrag für mich erledigen.«