5. Kapitel

Das hauptsächliche Hindernis, die Galaktische Allianz zur Vernunft zu bringen, ist Jacen Solo. Erführt Staatschef Omas an der Nase herum, und er macht Admiralin Niathal zu einer schlimmen Gegnerin, weil er sie in ihren Kurz-knapp-katastrophal-Neigungen ermutigt. Würde man ihn aus dem Weg schaffen, würde sich die Lage hinreichend genug beruhigen, dass wir Omas ausmanövrieren könnten. Ich glaube, ich sollte ein Von-Staatsmann-zu-Staatsmann-Gespräch mit ihm führen - unter vier Augen.

Dur Gejjen, Corellianischer Premierminister,

während einer privaten Unterredung

XJ7 DER GALAKTISCHEN ALLIANZ, IM NEUTRALEN
RAUM ZWISCHEN CORELLIA UND CORUSCANT

Mara fragte sich, ob sie sich damit aufhalten sollte, Jacen eine Nachricht zu schicken, um ihm zu erklären, warum sie sich einen XJ7 hatte nehmen müssen.

Hör mal, Jacen, die Sache sieht so aus: Seit Lumiya aufgetaucht ist, hast du dich in einen Schlägertypen verwandelt, und die Hexe versucht, meinen Sohn zu töten, also wie wär's damit, wenn ich das tue, was ich am besten kann, und sie zu unser aller Wohl umbringe?

Es wäre ihr eine Freude gewesen, das zu ihm zu sagen. Doch sie wusste immer noch nicht, wer Lumiyas Komplizen innerhalb der GGA waren, und Jacen mochte es gar nicht, wenn man Zweifel an seiner ach so wertvollen Geheimpolizei hegte. Er war keine Hilfe gewesen. Er schien nicht einmal zu glauben, dass Mara und Luke überzeugende Beweise für Lumiyas Verbindungen zur GGA gefunden hatten.

Jacen mochte vielleicht ein begnadeter Jedi sein, doch als sehr menschlicher Schwachkopf machte er sich nicht minder gut. Oder zumindest hätte sie vor der Katastrophe von Gilatter VIII in diesen eher freundlichen Begriffen gedacht. Sie hätte sich nie vorstellen können, dass Jacen seine Eltern im Angesicht des Todes im Stich lassen würde.

Mara versuchte es erneut über Leias Kommlink, wechselte von Frequenz zu Frequenz, für den Fall, dass sie abgehört wurde. Alte Gewohnheiten ließen sich nur schwer ablegen, und sie wollte nicht, dass die Verrückte Nummer zwei, Alema, sie oder Leia orten konnte.

Oder - vielleicht wollte sie das doch.

»Wir sollten aufhören, so umständlich Kontakt miteinander aufzunehmen«, sagte Leia und lachte, was unter den gegebenen Umständen ziemlich bemerkenswert war. Es gab nicht viel, worüber sie lachen konnte. »Muss ich dir ein Passwort geben?«

»Ich vertraue dir.« Mara überprüfte ihre Cockpitanzeige und sah zu, wie sich die Frequenz auf dem Monitor in Form bunter Lichtbalken änderte. »Bist du in Ordnung?«

»Für eine Frau auf der Flucht geht es mir großartig.«

»Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.«

»Versuchs mit: Hey, hat euer Sohn euch wirklich im Stich gelassen, damit ihr in den Leerraum gesaugt werdet? Denn das wäre meine erste Frage ...«

»Es tut mir so leid, Leia. wirklich. Aber ich werde dem ein Ende setzen. Ich werde Lumiya aus der Gleichung entfernen, und ich denke, dann werdet ihr eine deutliche Verbesserung in Jacens Verhalten erkennen.«

»Bist du deswegen unterwegs?«

»Ich versuche dahinterzukommen, wie Lumiya von A nach B gelangt. Vergiss diesen ganzen Lichtpeitschenmist. Ich werde ihr Schiff finden und das beenden, was Luke begonnen hat. Auf Reisen sind sie immer angreifbar.«

An Leias Ende der Verbindung wurde es einige Sekunden lang still. »Willst du, dass ich den Köder spiele?«

»Findest du nicht, dass du in letzter Zeit genug durchgemacht hast?«

»Ich kann dir garantieren, dass Alema auftaucht, wenn ich nett darum bitte«, sagte Leia. »Und möglicherweise wäre Lumiya dann nicht weit weg.«

»Soll ich dir was sagen? Warum bringe ich nicht Ben ins Spiel und gehe sicher, dass dem so ist?«

»Mara ...«

»Tut mir leid. Ich will dich keinen weiteren Risiken mehr aussetzen. Vielleicht fällt mir ja eine sichere Methode ein, wie ich es ausnutzen kann, dass sich keine von diesen Verrückten von uns fernhalten kann. Dann melde ich mich noch mal.«

»Wir werden diese Verbindung in Kürze unterbrechen müssen«, sagte Leia.

»Ich weiß. Hör zu. früher oder später werde ich mich mit Jacen treffen müssen. Willst du, dass ich ihn geradewegs darauf anspreche? Ihn frage, warum er abgehauen ist, obwohl ihr gekommen wart, um ihn zu retten?«

Mara fiel keine einzige plausibel klingende Erklärung dafür ein, die Jacen hätte vorbringen können, und sie wollte nicht, dass Leia sich noch schlechter fühlte, als sie es ohnehin schon tat. Ist sowieso alles meine Schuld. Ich habe ihn in Schutz genommen, als Luke mir sagte, dass er der Dunklen Seite verfällt. Hätte ich gesehen, was direkt vor meiner Nase war. und damals entsprechend gehandelt. wären die Dinge jetzt vielleicht anders.

Das hatte sie auch in Bezug auf Palpatine gedacht. Sie verschwendete zu viel Zeit darauf, zurückzublicken, statt mit dem Hier und Jetzt weiterzumachen. Die Vergangenheit konnte sie nicht ändern, die Zukunft schon.

»Was. wenn er dir die Antwort darauf gibt«, fragte Leia. »und ich sie gar nicht hören will?«

»Deine Entscheidung.« Wie viel schlimmer muss es noch werden. bevor du akzeptierst, dass er euch übler als Dreck behandelt? Mara versuchte sich vorzustellen, wie sie sich gefühlt hätte, würde Ben einen Haftbefehl für sie herausgeben oder sie auf einer Raumstation zurücklassen, aus der die Atmosphäre entwich. Sie wäre am Boden zerstört - und doch würde sie ihn ohne zu zögern zurücknehmen. Nein, sie konnte Leia keinen Ratschlag bezüglich ihres unberechen-baren Sohns geben. »Aber ich will es trotzdem wissen, weil Luke und ich ebenfalls dort waren, um ihm zu helfen, und damit unsere Zeit vergeudet haben.«

»Alles, was ich sagen kann, ist: Tu, was immer du glaubst, tun zu müssen, um Lumiya zu kriegen. Danach werden wir uns darum kümmern. Jacen wieder auf den rechten Weg zu bringen.«

»Wenn ich Alema finde, hebe ich sie für dich auf.«

»Das wäre schön.«

»Dachte ich mir.«

»Pass auf dich auf, Mara.«

Die Verbindung zu Leia brach ab. Mara nahm an, dass sie und Han auf Corellia waren, und das bedeutete, dass Alema nicht so leicht an sie herankommen konnte.

Auf mich aufpassen. Oh. das werde ich. Ich habe einen Vorteil, den du nicht hast, Leia, und das ist die Dunkelheit. Ich war einst so dunkel. Ich wurde von einem Sith-Lord ausgebildet. Ich kann wie sie

denken.

Zumindest hatte Leia keine spitzen Bemerkungen darüber gemacht, dass Luke die Gelegenheit nicht genutzt hatte, Lumiya zu erledigen. Manchmal, wenn sie über ihre Schwägerin nachdachte, bereute Mara ihr eigenes Temperament und wünschte, sie hätte sich etwas mehr von dieser stahlharten Diplomatie aneignen können.

Mara wendete den XJ7 und überprüfte erneut Bens Transponder. Immer noch auf Coruscant. Das garantierte zwar nicht seine Sicherheit, aber wenigstens konnte sie ihn so lokalisieren. Sie zoomte mit ihrem Schirm an das Signal heran, und die Koordinaten zerlegten sich in ein Gitter und dann in Viertel und Skylanes. Ben befand sich im GGA-Hauptquartier. Sie konnte seinen Aufenthaltsort bis auf drei Meter genau bestimmen.

Er mochte die Vibroklinge, die sie ihm geschenkt hatte. Sie fühlte sich schlecht, weil sie ihm nichts von dem passiven Lang-streckentransponder erzählt hatte, der sich darin befand, und dass der sie mehr als einmal gerettet hatte, weil sie ihn als Leuchtfeuer verwendet hatte. Aber das war nebensächlich. Es war eine hervorragende Waffe, also hatte sie in dieser Hinsicht nicht gelogen.

Die mit einem Peilsender versehene Vibroklinge stellte sicher, dass sie zu jeder Zeit genau wusste, wo Ben sich aufhielt.

Er würde nie dahinterkommen. Die GGA glaubte, sie würde in jedem Bereich über die bestmögliche Ausrüstung verfügen, aber sie hatte ein paar Geräte, mit denen sie ihre Abschirmung umgehen konnte, denn diese Geräte verwendeten ältere Technologie und Frequenzen, die sie nicht entdecken konnten. Ein Überwachungs-system, das auf fortschrittlichster Technik basierte, suchte nicht nach Apparaten, die fast so simpel waren wie ein Code, der sich mit einem Spiegel knacken ließ. Technik konnte blind sein. Wenn sie Ben scannten, würden sie lediglich auf seinen Kommlink-Code stoßen, nicht auf das Signal, das darin versteckt war, weil sie nicht das aktive Ende der Transponderverbindung hatten. Mara schon.

Sie hatte noch einen Transponder übrig, und den hob sie sich für eine Notsituation auf.

Tut mir leid, Liebling. Ich musste das tun.

Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Lumiya zu. Inzwischen tauchte sie bei Konfrontationen mit der Konföderation auf. Vielleicht suchten sie alle in der falschen Richtung, und Lumiya arbeitete in Wahrheit für Corellia.

Beim letzten Mal, als sie sie auf dem Urlaubstrabanten gesehen hatte, war Ben nicht einmal in der Nähe gewesen - aber Jacen. Hinter wem war Lumiya her, hinter Ben oder hinter Jacen? Wenn Lumiyas Gegenwart Jacen all das vergessen ließ, was es bedeutete, ein Jedi zu sein, dann musste Mara womöglich auch Jacen im Auge behalten.

Das war allerdings leichter gesagt als getan. In dieser Hinsicht musste sie es mit einer direkteren Herangehensweise versuchen, möglicherweise ausnahmsweise einmal mit ihm reden. Bislang war das noch niemandem gelungen. Es war schwierig. Jacen zum Zuhören zu bewegen, und noch schwerer, ihn zu fassen zu bekommen.

Dann verschwand etwas aus der Macht.

Ben...

Es war, als würde eine Gestalt in ihren Augenwinkeln vorbeihuschen und ein vertrautes Hintergrundgeräusch abrupt verstummen, um ein totes, lautloses Klingeln in ihren Ohren zu hinterlassen.

Ben ist fort...

Ben war aus der Macht verschwunden.

Maras Hand lag bereits auf den Kontrollen, um in den Hyperraum zu springen und mit Höchstgeschwindigkeit nach Coruscant zurückzukehren, als die Präsenz ihres Sohnes wieder in die Macht zurückströmte, als wäre der Ton wieder angeschaltet worden. Ihr Magen rollte.

Vielleicht liegt es an mir.

Als kleiner Junge hatte er das schon einmal gemacht, verängstigt durch den letzten Krieg, dem gegen die Yuuzhan Vong. Es passierte unkontrolliert und instinktiv. Doch was Mara gerade erlebt hatte, fühlte sich vorsätzlicher an. Als sie sich auf ihn konzentrierte, schien er sich gut zu fühlen - nein, mehr als gut: Er fühlte sich beschwingt.

Trotzdem plagte es sie weiter. Sie setzte Kurs auf Zuhause, und bevor sie sprang, gewahrte sie, wie er erneut verschwand und zurückkehrte.

Er wirkte ... begeistert. Und sie konnte tiefgehendes Erstaunen in ihm spüren. Also machte er es mit Absicht. Ihr Sohn würde dieses Spielchen nicht mit ihr spielen; es reichte ihr schon, dass Jacen das machte, ohne dass Ben ebenfalls lernte, wie man sich in der Macht verbarg. Sie würde zurückfliegen und nach ihm sehen, den Zeitpunkt, ihn wegen seiner neuen Fähigkeit zur Rede zu stellen, jedoch mit Bedacht wählen.

Vielleicht wird er es bei kurzen Schüben belassen.

Aber er war Ben. und Ben hatte bewiesen, dass er zu erstaunlichen Taten imstande war. Na schön, er würde diese Gabe beherrschen lernen. Sie wusste es einfach.

Mit einem Mal fühlte sie sich nicht mehr ganz so schuldig, weil sie ihm eine Vibroklinge mit Peilsender gegeben hatte. Als Mutter musste man der Konkurrenz irgendwie voraus sein.

SÜDSEITENLANDEZONE, KUAT CITY

»Also«, sagte der Klon. Er zog Mirta auf die Füße und klopfte ihr den Staub ab. und sie nahm es hin. Sein Tier beobachtete sie mit rot geränderten gelben Augen, während sie sich ihren Helm schnappte, den sie fallen gelassen hatte, in der Erwartung, dass die Kreatur sie anspringen würde. »Welchen Teil von Komm mir nicht in die Quere hast du nicht verstanden?«

Mirta öffnete den Mund, um ihn anzufahren, doch Fett kam ihr zuvor. »Nett von dir vorbeizuschauen, aber könnten wir diese Unterhaltung vielleicht woanders fortsetzen?«

»Ah, der allmächtige Mand'alor. Einen Gangboss mitten in der Stadt von einem Balkon baumeln zu lassen ... Ja, das ist sehr subtil.« Der Klon winkte das Tier in den Frachtraum, wo es sich hinlegte, unheilvoll grollend wie ein ferner Gewittersturm. Es war das hässlichste Ding, das Mirta je gesehen hatte: grobes goldenes Fett, das wirkte, als wäre ihm seine Haut mehrere Nummern zu groß, sechs Beine und ein wahrlich entsetzliches Maul voller Fangzähne. »Danke, dass ihr jedermanns Aufmerksamkeit erregt habt.«

»Ich habe nach dir gesucht «, sagte Fett. Er schloss die Luke. »Wir müssen verschwinden. Halt die Klappe, und schnall dich für den Start an.«

»Entführt ihr mich etwa?«

»Würdest du lieber bei einem Becher Kaff ein Schwätzchen halten, während wir darauf warten, dass die Kuat-Polizei und Fraigs ganzes Gesindel auftaucht?«

»In Ordnung, den Speeder hatte ich mir ohnehin bloß ausgeborgt. In gewisser Weise. Ich sag dir was: Setz uns auf Coruscant ab, und wir sind dabei.« Der Klon packte seinen Helm mit beiden Händen und nahm ihn ab. Ohne wirkte er kein bisschen weniger einschüchternd, doch nach ein paar Sekunden zeigte er ein unerwartetes Grinsen, das ihn vollkommen verwandelte. Er sah mehr wie Fetts Bruder als wie sein Zwilling aus. »Sie sagen, es gibt eine gewisse Familienähnlichkeit, aber ich selbst kann die nicht erkennen.«

Fett zögerte einen viel sagenden Moment und marschierte dann ins Cockpit. Mirta war sich nicht sicher, ob sie dem Klon einen Hieb verpassen oder ihm dafür danken sollte, dass er aufgetaucht war.

»Wie ist dein Name?«, fragte sie.

»Jaing Skirata. Und deiner?«

»Mirta Gev.« Als die gewünschte Wirkung ausblieb, fügte sie hinzu: »Fetts Enkelin.«

Jaing hob die Augenbrauen und brach in Gelächter aus. Das Tier hob den Kopf und wimmerte. Mirta ging nach vorn ins Cockpit, um sich für den Start anzuschnallen, verärgert über das Gelächter, das noch immer hinter ihr zu vernehmen war.

»Du hast dich von ihm überrumpeln lassen«, sagte Fett.

Mirta kochte. »Ich habe ihn nicht mit meinen Sensoren registriert, und ich habe nicht einmal gesehen, wie er sich mir genähert hat. Er hatte mich am Boden, bevor ich ihn kaliken konnte.«

»Ihn erstechen?«

»Du lernst dazu.«

»Aber du nicht.« Fett aktivierte die Kontrollen, und Kuat schrumpfte unter ihnen zu einer Scheibe. »Du hast keine visuelle Überprüfung vorgenommen. Verlass dich nicht die ganze Zeit über auf die Helmtechnik.«

»Hey. du hast ihn auch nicht entdeckt. Das muss eine Tarnrüstung sein.«

»Er ist ein Null.« Dahinter steckte eine Geschichte, das konnte sie sehen. »Das waren Klone für Geheimoperationen. Der Versuch der Kaminoaner. das Genom meines Vaters für den Klonprozess zu verbessern. Wie du siehst, hat es nicht funk-tioniert.«

»Er sagt, sein Name sei Jaing. Und haben sie dich wirklich mit dem Kopf voran in die ...«

Fett drehte einfach bloß den Kopf. Er hatte immer noch seinen Helm auf, und obwohl Mirta nur noch wenige Dinge Angst einjagten, hatte er eine Art an sich, eisig und stumm zu sein, die beunruhigend war. Sie hatte bloß versucht, mit ihm zu reden, auf der Suche nach dem lange verschütteten Mann in seinem Innern. Es war vergebene Liebesmüh. Sie packte die Steuerung vor sich, als Fett die Koordinaten von Coruscant eintippte, und die Slave I sprang in den Hyperraum.

»Jaing ist nicht so schlecht, wie ich dachte«, sagte Mirta.

»Die waren alle ein Fall für den Psychiater.« Ungeachtet des Umstands, dass er sie vermutlich nicht mehr gesehen hatte, seil er ein Kind gewesen war, schienen Fetts Erinnerungen schmerzhaft lebendig. »Sie sagen, im Krieg hat Jaing Grievous ausgespäht. Meister-Attentäter, Scharfschütze und rundum eine Nervensäge. Unterschätz ihn nicht.«

»Du meinst den vorletzten Krieg.«

»Für mich ist das alles ein einziger langer Krieg.«

Sie beschloss, dass es an der Zeit war, den Mund zu halten. Fett stützte sich auf dem Pilotensessel ab und schaute unwohl drein. Der Sessel konnte eingefahren werden, damit der Pilot an den Kontrollen stehen konnte, oder ausgefahren, damit er sich setzen konnte. Normalerweise entschied er sich für Letzteres. Sie hatte das Gefühl, dass er zu große Schmerzen hatte, um sich hinzusetzen.

»Kurs gesetzt«, sagte er. »Gehen wir und reden mit ihm.«

Mirta holte ein weiteres Schmerzmittel hervor, packte seine Hand und klatschte die Kapsel in seine Handfläche. »Und nachdem wir ihn auf Coruscant abgesetzt haben, suchst du Dr. Beluine auf, In Ordnung?«

Fett grunzte. Das kam einer Zustimmung so nah, wie es nur ging. Sie konnte seine Furcht vor tödlicher Schwäche sehen.

»Noch verlasse ich mich nicht zur Gänze auf Medikamente«, sagte er. »Immer, wenn ich Schmerzen habe, weiß ich. wie weit es fortgeschritten ist.«

Jaing saß im Schneidersitz auf dem Boden des Frachtraums, von Angesicht zu Angesicht mit dem Tier, das ihm in die Augen blickte und winselnde, murrende Laute von sich gab, als wolle es ihm etwas begreiflich machen. Er schien den Gestank der Kreatur nicht wahrzunehmen. Beide schauten sich um, als Fett und Mirta durch das Schott kamen.

»Was ist er?«, fragte Mirta.

»Meinst du mich oder Lord Mirdalan?« Jaing hielt seine behandschuhten Finger vor dem Antlitz des Tieres hoch, irgendein Signal, das seine sofortige Aufmerksamkeit erregte und die Kreatur dazu brachte, sich flach auf den Boden zu legen. Jaing erhob sich. »Eigentlich ist er ein es. Strills sind Hermaphroditen. Ich habe Mirds letztem Besitzer versprochen, mich um ihn zu kümmern, nachdem er zu den Manda gegangen ist. Strills leben um einiges länger als wir.«

»Ich habe von ihnen gehört, aber noch nie einen gesehen.«

»Auf Mandalore sind sie beinahe ausgestorben. Mird ... nun, man könnte sagen, er ist auf verdeckte Operationen spezialisiert. Hat in den letzten Jahren einiges an Kommandoeinsätzen mitgemacht.«

Fett schob seine Daumen in dieser lch-hab's-satt-zuwarten—Pose in seinen Gürtel. »Falls ihr zwei so freundlich wärt, eure Biologie-stunde allmählich zu beenden ...«

Jaing hatte mehr Falten, weniger graue Haare und war kräftiger gebaut als Fett. Mirta konnte die Muskelstränge in seinem Nacken sehen. Und er hatte keine Narben. Er sah wie ein Mann aus, der ohne Helm viel Zeit in der Sonne verbracht hatte und viel lachte. Genetisch gesehen war es Fett, doch sie hätten nicht unterschiedlicher sein können.

»Bin ich nicht hinreißend?« Er grinste, und ihr wurde bewusst, dass sie ihn anstarrte.

»Einbildung«, sagte Fett säuerlich und nahm seinen Helm ab.

»Ich denke, ich bin besser gealtert, Bob'ika.«

»Die Tatsache, dass du dieses Alter überhaupt erreicht hast, interessiert mich.«

»Also, was willst du von mir? Brauchst du einen Kredit? Du hast wochenlang nach mir gesucht. Das weiß ich, weil ich da draußen alle möglichen Leute habe, die für mich die Ohren aufhalten ...«

»Ich sterbe«, sagte Fett.

Jaing ließ sich diese Neuigkeit durch den Kopf gehen, den Kopf leicht zu einer Seite geneigt. »Tut mir leid, das zu hören. Du bist nicht der einzige Klon, dem ein vorzeitiges Ende zuteilwird.«

Normalerweise kam Fett gleich zur Sache. Diesmal stand er eine Weile schweigend da, doch seine Kiefermuskeln zuckten. Mirta fragte sich, ob ihn die Worte verletzt hatten. Sie nahm an. dass er sich dazu durchzuringen versuchte, das Schwierigste zu sagen, das er je sagen musste.

Dem war so. »Ich brauche deine Hilfe, Jaing.«

Jaing sah ihn einfach bloß an. Das Starren währte lange Zeit. Mirta fragte sich, wer als Erstes nachgeben würde. Dann zog es sich ein wenig zu sehr in die Länge.

»Oh, um Fierfeks willen!« Sie seufzte. »Es ist das Klonen. Sein Gewebe macht schlapp, und er hat Tumore. Er muss wissen, warum du nicht mehr mit doppelter Geschwindigkeit alterst, weil sein Arzt ihm nicht helfen kann, genauso wenig wie die Kaminoaner, ja, nicht einmal Taun We.«

Fett schürzte ein wenig die Lippen. »Es ist so, wie sie sagt.«

»So so, dann ist Taun We also immer noch am Leben, das alte Aiwhu-Luder. Nun. gut.« Jaing musterte Fett von oben bis unten.

»Wie ich hörte, hattest du Probleme mit deinem Bein. Musstest ein Transplantat kriegen. Ja?«

»Du bist sehr gut informiert.«

»Im Grunde meines Herzens bin ich immer noch ein Tipoca-Junge. Ich halte mich über die Vorgänge in der alten Heimat auf dem Laufenden.«

»Was muss ich dir zahlen, damit du deine Schadenfreude vergisst und mir sagst, was ich wissen will?«

»Nimm's mir nicht übel, aber du kannst dir deine Credits da hinschieben, wo nicht mal deine Rüstung hinreicht, Mand'alor.«

»Du weißt doch noch gar nicht, was ich brauche.«

»Ich kann's mir denken.«

»Ko Sais Forschungsunterlagen.« Fett warf einen demonstrativen Blick auf Jaings Handschuhe. »Denn ich weiß, dass du sie gefunden hast. Sie hast du mit Sicherheit gefunden.«

»Mit Honig kommt man weiter als mit Sauertran, Boba. Hast du denn gar nichts gelernt, als wir deinen Kopf in die Toilette gesteckt haben?«

Fett hatte keine Ahnung, wie man um Hilfe bat. Mirta war sich nicht sicher, ob das irgendeine männliche Draufgängersache war oder bloß daran lag, dass er das nie gelernt hatte, aber so würde er bei Jaing nicht weit kommen, der nicht minder hart und dickköpfig wirkte als er.

»Kannst du ihm helfen?«, fragte sie. »Gedet'ye? Mandalore braucht ihn lebend, genau wie ich.«

Der Klon starrte Fett immer noch direkt an. »Erinnerst du dich daran, wie du eine imperiale Streitmacht auf Kamino gegen Klonkrieger in die Schlacht geführt hast?«

Fett nickte vollkommen teilnahmslos. »Ja.«

»Damals hast du nicht das Gefühl gehabt, dass wir eine Familie sind.«

»Ich habe auch keinen von euch gesehen, der seine Brüder verteidigt hätte.«

»Und du hast Shysa seines Amtes beraubt, du hut'uun. Den Mann, der uns als Volk wieder nach oben gebracht hat. Wo warst du, als das Imperium uns ausgeblutet hat?«

Hut'uun war die schlimmste Beleidigung, die ein Mando einem anderen an den Kopf werfen konnte, doch Fett schien es nicht mal zu registrieren, oder es kümmerte ihn nicht. Mit jedem Tag fand Mirta mehr über die undurchsichtige Vergangenheit ihres Groß-vaters heraus. Offenbar waren ihre Mutter und ihre Großmutter nicht die Einzigen gewesen, die ihn missachteten: Er scherte sich einen Dreck um niemanden, abgesehen von seinem Vater, den er seit seinem Tode offenbar zu einem Sinnbild der Perfektion erhoben hatte. Also hatte Bahuir gegen seine eigenen Brüder gekämpft. Vielleicht war ihm die Ironie daran entgangen. Falls nicht, vermutete sie, hatte er vermutlich darauf geachtet, in die andere Richtung zu schauen.

»Ich bin nicht auf alles stolz, was ich getan habe«, sagte Fett ohne irgendeinen Hinweis von Gefühl in der Stimme. »Aber ich schäme mich auch für nichts. Ich tue einfach, was ich tun muss. Du weißt nicht, was zwischen Shysa und mir vorgefallen ist, und vermutlich wirst du das auch niemals erfahren.«

»Er war da. als wir ihn brauchten«, sagte Jaing. »Und du nicht. Das ist alles, was ich wissen muss.«

Fett verzog keine Miene. »Dann nehme ich an. dass du mir Ko Sais Daten nicht aushändigen wirst.«

Jaing warf Mirta einen Blick zu, als würde sie ihm leidtun. Sie fragte sich, wie anders ihr Leben wohl verlaufen wäre, hätte sie Sintas Vel anstelle von Boba Fett kennengelernt.

»Es gibt keine Daten«, sagte er schließlich. Er sah immer noch sie an, nicht Fett. »Tut mir leid. Mädchen.«

Fett blinzelte nicht einmal. »Dann musst du immer artig all deine Vitamine genommen haben, weil du inzwischen eigentlich tot sein müsstest.«

»Ich habe nicht gesagt, dass die Forschungsunterlagen nicht existieren. Ich sage nur, dass wir sie vernichtet haben, nachdem wir uns genommen hatten, was wir brauchten.«

Fett ließ das langsam sacken. Mirtas Herz sackte nach unten. Sie fühlte sich zwiespältig: Ein Teil von ihr wollte verzweifelt einen Grund dafür finden, ihren Ba'buir zu lieben, und ihre andere Hälfte wünschte, dass Leia Solo ihren Schuss nicht abgeblockt hätte, als sie versucht hatte, ihn zu töten.

Tu etwas, das mich dazu bringt, dir zu vergeben. Bitte, Irgendetwas.

»Du hättest ein Vermögen damit verdienen können«, sagte Fett.

»Wir wollten nicht, dass es noch einmal jemand benutzt. Nie wieder.«

»Du kannst das Klonen nicht aufhalten. Das kann niemand.«

»Nein, aber wir haben den Kaminoanern ein ordentliches Loch in die Kasse gerissen. Das ist besser als nichts. Ich mag keine Kaminoaner.«

»Kann ich verstehen.« Fett warf einen Blick auf Jaings feine graue Handschuhe. »Aber ich habe schon für Schlimmere gearbeitet.«

»Dich haben sie bezahlt. Uns haben sie gezüchtet wie Tiere.« Jaing sah aus, als wäre ihm gerade etwas Erfreuliches eingefallen. »Dann ist Taun We also noch am Leben. Das habe ich mich immer schon gefragt.«

»Lass sie in Ruhe, Jaing. Sie ist jetzt alt.«

»Genau wie ich. und das habe ich nicht ihr zu verdanken. Also, wie lange hast du noch zu leben?«

»Ein Jahr. Vielleicht zwei, wenn ich Glück habe.«

»Wie lange noch, bis du das Kommando abgeben musst?«

»Ich weiß es nicht.«

»Das Letzte, was Mandalore im Augenblick braucht, ist ein Machtvakuum.«

Mirta sah einen Schimmer der Hoffnung. »Dann hilf ihm, Jaing.«

»Das Beste, was ich tun kann, ist, euch eine Blutprobe zu geben«, sagte er. »Aber ich denke, du wirst sie den Kaminoanern übergeben, Boba. oder deine Ärzte werden das tun. und das würde uns ganz und gar nicht freuen. Nicht im Geringsten.«

»Uns?« Mirta hatte das Gefühl, dass sie bei Jaing bessere Chancen hatte. Sie würde ihren Vorteil der harmlosen, tragischen Enkeltochter ausspielen. Falls Jaing nicht kooperierte, gelang es ihr vielleicht, einen ihrer Brüder aufzuspüren, der es tat. »Wie viele von euch sind denn noch übrig?«

»Das brauchst du nicht zu wissen. Hör zu, ich habe auch Enkel. Boba, und Urenkel. Ich habe Familie auf Mandalore. Also mache ich mir Gedanken darüber, was geschehen wird, wenn du nicht mehr bist.« Als er das sagte, wurde diese Möglichkeit für sie zur schrecklichen Realität, und sie fragte sich, ob diese Worte auf ihren Großvater die gleiche Wirkung hatten. Der große Boba Fett ist dabei, abzutreten. »Sosehr es mich auch schmerzt, aber die bu'ad hier hat recht - für die nächste Zukunft braucht Mandalore dich.«

Fett gelang es ausgezeichnet, gelangweilt zu wirken. Vielleicht war er das tatsächlich. Aber Mirta bezweifelte es. Er verhandelte hier um sein Leben, und wenn Fett eines war, dann ein Überlebenskünstler. Er wusste nicht, wie man in Würde starb.

»Dann bekomme ich also das Blut, wenn ich die Kaminoaner aus der Sache raushalte.«

»Ganz so einfach ist es nicht«, schränkte Jaing ein.

»Das ist es nie.«

»Du gibst mir Blut-und Gewebeproben, und ich werde sehen, was ich für dich tun kann. Falls ich etwas für dich tun kann.«

»Und ich soll dir vertrauen.«

»Genauso, wie ich dir vertrauen soll. Und denk nicht mal daran, dir von mir eine Probe auf die harte Tour zu holen.«

»In Ordnung.« Fetts Kiefer mahlten wieder. »Vielen Dank.«

Bei ihm klang das wie eine fremde Sprache, etwas, das ihm ungeschickt und unvertraut über die Lippen kam. Mirta widerstand dem Drang, etwas darauf zu erwidern. Gut gemacht, Ba'buir. War das jetzt so schwer?

Doch Jaing war noch nicht fertig. »Natürlich gibt es eine Bedingung.«

»Die gibt es immer.« Fett verschränkte die Arme. »Worum geht's?«

»Schaff deinen shebs zurück nach Mandalore, hör auf Kad'ikas Rat und errichte einen starken, vereinten, stabilen Staat. Beweis, dass du auch nur halb so viel Mann bist, wie Jaster Mereel und Fenn Shysa es waren. Alles, was du tun willst, ist, deinem Vater nachzueifern, Boba. Aber du hast Angst davor, ihn zu übertreffen, nicht wahr? Du kannst nicht besser als Jango sein. Das geht einfach nicht.«

Mirta zuckte zusammen. Seinen Vater ohne den gebotenen Respekt zu erwähnen, schien das Einzige zu sein, das Fett wirklich verärgerte. Seine Stimme veränderte sich nicht, doch er entfaltete seine Arme mit langsamer Bedächtigkeit.

»Mein Vater«, sagte er, »hat am Ende die Death Watch vernichtet. Das ist sein Vermächtnis an Mandalore.«

»Eine Konfessionsfehde. Unerheblich für das Leben der meisten Mandoade. Also, wirst du mir jetzt eine Blutprobe geben oder nicht?

»Was für Wissenschaftler stehen dir zur Verfügung, die ich nicht kenne?«

»Einige Dinge«, sagte Jaing leise, »kann man sich nicht erkaufen. Ich habe meine Quellen, glaub mir. Hast du ein Medipack mit einer Spritze darin?«

»Ja.«

»Dann nimm dir etwas Blut ab.«

»Ich mache das«, sagte Mirta.

Bei Fett war es nicht damit getan, einfach die Ärmel hoch zurollen. Flr hatte so viel Ausrüstung an seinen Unterarmen, dass Jaing am Ende den Flammenwerferaufsatz, die Peitschen Vorrichtung und verschiedene Geschosse in Händen hielt. Fett war eine wandelnde Waffenkammer. Mirta erwartete nicht, dass er auch nur mit der Wimper zucken würde, als sie schließlich die Vene fand, und das tat er auch nicht. Die paar Sekunden, in denen sie mit ihrem Daumen Druck auf das Blutgefäß ausübte, um anschließend die Blutung zu stoppen, waren die längsten ihres Lebens, weil er ihr nicht in die Augen sah, und das erinnerte sie daran, dass sie ihn zwar berühren, aber trotzdem nicht erreichen konnte.

Jaing hielt die Ampulle mit rotschwarzem Blut hoch ins Licht und betrachtete sie. »Das wird reichen. Gib ihm etwas zu naschen, weil er so ein tapferer Junge war, Mirta.«

»Was jetzt?«, fragte Fett ungerührt.

»Ihr setzt mich ab, und ich lasse euch wissen, was wir kriegen.«

»Wie?«

»Ich werde es persönlich nach Keldabe bringen.«

»Dann solltest du dich besser beeilen. Oder du kommst gerade rechtzeitig zu meiner Beerdigung.«

»Oh, ich werde zurückkommen, genau wie jede Menge anderer Mando'ade auch. Du hast uns darum gebeten, schon vergessen? Du hast uns darum gebeten, nach Hause zu kommen.« Er wandte sich an Mirta. »Wenn der alte chakaar stirbt und sie seine Rüstung unter sich aufteilen, sorg dafür, dass du den Flammenwerfer kriegst. Denn seine Panzerplatten sind duse. Nicht einmal aus ordentlichem Beskar.«

Also war Jaing über die Vorgänge auf Mandalore auf dem Laufenden, und er glaubte, dass Fetts Durastahlrüstung Schrott war. Der Strill trabte näher an Jaing heran und gähnte überschwänglich, mit einem Ausdruck, der besagte, dass das Vieh von der Unterhaltung alles andere als begeistert war. Mirta konnte seinen Atem riechen, der - seltsamerweise - überhaupt nicht unangenehm war.

»Wie kann dieses Ding jagen, wenn es so sehr stinkt?«, fragte Fett.

Jaing beugte sich vor und kraulte Mirds Nackenfalten. »Bloß Humanoide können das riechen. Und geh nicht zu hart mit Mirta ins Gericht, weil sie von uns überrumpelt wurde, Bob'ika. Bloß wenige Leute kommen mit einem voll ausgewachsenen Strill klar, der nach ihnen schnappt. Diese Dinger können fliegen, weißt du.«

»Ich halte mir keine Haustiere.« Fett schien am Rande eines Zugeständnisses zu stehen. »Falls du etwas essen möchtest, zur Kombüse geht's durch dieses Schott.«

Jaing öffnete ein Fach seines Gürtels und holte etwas Dunkles und Getrocknetes daraus hervor, das wie Lederriemen aussah. Er warf Mird einen Streifen zu und kaute selbst auf einem herum. »Wir sind versorgt, danke.«

Mirta brauchte ein paar Sekunden, um dahinterzukommen, was vorging. Er will keinerlei DNA zurücklassen. Er ist sogar noch ausgefuchster als du, Ba'buir.

Fett drehte sich um und ging durch das Schott. Mirta hatte gehofft, die beiden Männer würden noch ein anderes Thema finden, über das sie sich unterhalten konnten, doch die Tatsache, dass sie dasselbe Genom benutzten, hatte offensichtlich nichts zu bedeuten. Trotzdem war das ein Verwandter. Dies war ein Verwandter von ihr, ein Großonkel, auch wenn Mandos sich nicht halb so viel aus Blutlinien machten wie die meisten anderen Spezies. Die Kiffar-Hälfte von ihr machte sich eine Menge daraus.

»Es tut mir leid für dich. Mädchen«, sagte Jaing. »Ich meine, für ihn tut es mir ebenfalls leid. Aber abgesehen von einer gewissen Bewunderung für seine Fähigkeiten, ist er meiner Ansicht nach das schlechteste Beispiel für einen Mando´ade diesseits des Kerns.

Andererseits ist er ein Gewinnertyp, und wir brauchen Gewinner. Und mein Dad hätte zweifellos von mir erwartet, dass ich ihm helfe.«

Jaing sprach, als würde er aus einer vollkommen anderen Familie stammen, nicht aus einem Bottich, der die duplizierten Chromosomen von Jango Fett enthalten hatte. Er ließ ein dreischneidiges Messer aus seinem Unterarmpanzer gleiten und zerteilte das getrocknete Fleisch in kleinere Stücke, absolut ungezwungen.

»Mit Dad hast du nicht Jango gemeint, oder?«, sagte Mirta.

»Nein.« Einen Moment lang lächelte Jaing wehmütig. »Gene spielen keine Rolle. Das solltest du inzwischen eigentlich wissen. Der Mann, der mich adoptiert hat, war mein Ausbildungs-Sergeant. Der beste Mann, den es je gab.«

Jaing klang, als würde er aus einer wesentlich glücklicheren Familie stammen, eine sonderbare Sache für einen Klonkrieger.

»Was diese Tradition treu ergebener Kinder angeht, scheine ich aus der Art zu schlagen«, sagte Mirta. »Ich habe versucht, meinen Großvater umzubringen.«

»Genau wie deine Mutter, wie ich gehört habe. Boba hat offenbar ein magisches Händchen, was Frauen angeht.«

»Du scheinst alles über mich zu wissen, aber ich weiß nicht besonders viel über dich.«

Jaing grinste bloß. »Das ist mein Job. Süße.«

»Also, warum hast du dich wegen der Twi'leks mit Cherits Gang angelegt?«

»Ein anderes Versprechen, das ich vor langer Zeit gegeben habe.« Er kaute und schaute an ihr vorbei, in Erinnerungen versunken. »Ich neige dazu, meine zu halten.«

Er kaute weiter, während er Mird gelegentlich Stücke zuwarf. Und das war's. Es herrschte Schweigen. Sie dachte, dass er vielleicht über seine Familie auf Mandalore sprechen würde, über all ihre bislang unbekannten Verwandten, von denen sie erst kürzlich erfahren hatte, aber das tat er nicht.

Mirta wurde klar, dass sie nichts mehr aus ihm herausbekommen würde, und sie wollte nicht aufdringlich oder hilfsbedürftig wirken. Sie ging ins Cockpit, nahm im Kopilotensessel Platz und drückte das Feuerherz gegen ihre Brustplatte. Selbst wenn es ihr nichts verriet, war es immer noch eine Verbindung zu ihrer Mutter und ihrer Großmutter.

»Hast du schon die Nase von ihm voll?«, fragte Fett.

Sie wollte sich einreden, dass Jaing ihm etwas Hoffnung gemacht und seine Stimmung verbessert hatte, aber das war schwer zu sagen. »Ist deine Rüstung wirklich Schrott? Warum benutzt du kein anständiges mandalorianisches Eisen, wie Beviin sagt?«

»Treib's nicht zu weit. Ich habe zugelassen, dass du eine Nadel in mich stichst. Damit hast du deinen Spaß für heute gehabt.«

Es hatte ihn aufgemuntert. Mirta konnte es merken. Sie hoffte, dass Jaings nicht näher spezifizierte »Quellen« etwas brachten.

GGA-HAUPTQUARTIER, CORUSCANT

Jacen wollte nicht zu interessiert an den Beratungen des Verfahrens-und Betriebsmittelausschusses wirken, Wenn er bei der Sitzung auftauchte und auf der Galerie saß, die für jene abgehärteten Bürger reserviert war, die sich tatsächlich um die Einzelheiten des Regierungswesens scherten, hätte das womöglich Fragen aufgeworfen.

Andererseits hätte man ihn vielleicht auch bloß als enga gierten, vermittelnden Colonel betrachtet, der das Wohl seiner Truppen über Schulen, Gesundheit und Transport stellte.

So war es zwar tatsächlich, doch er wollte sich dennoch bedeckt halten, und so blieb er im GGA-Hauptquartier und schaltete auf den HoloNetz-Kanal um, der die Senatssitzungen übertrug. Lumiya musste mittlerweile dort sein. Er wartete darauf, dass die Holokamera über die Besuchergalerie schwenkte, und sah wie erwartet eine Frau in einem einfachen Geschäftsanzug und mit einer mit einem Schleier versehenen Kopfbedeckung. Damit war sie nicht die Einzige. Schleier galten in diesem Jahr als sehr schick. Sie zog keine Aufmerksamkeit auf sich.

HM3S Gesetzesänderung der Beschaffungsbestimmungen war Punkt 357 auf einer Tagesordnung mit 563 unglaublich langweiligen Umformulierungen und Änderungen von Gesetzen, von denen Jacen nicht einmal wusste, dass sie überhaupt in den Gesetzesbüchern standen.

Ich werde eine Menge delegieren müssen, wenn ich... das Sagen habe. Ein handverlesenes Team von Verwaltern. Geleitet von HM-3. denke ich.

Die Sitzung hatte bereits begonnen, und Senatoren, die froh darüber waren, die kleinen Routinearbeiten zu erledigen - und nicht weiter aufzufallen berieten über Punkt 24, um sich einen besonders undurchsichtigen Abschnitt der Giftmüllbestimmungen näher erläutern zu lassen. Jacen schaltete den Ton aus und stellte den Bildschirm so ein. dass er ihn informieren würde, wenn Punkt 357 an die Reihe kam. Er las weitere Geheimdienstberichte, während die Türen zu seinem Büro weit offen standen.

Er ließ die Türen fast immer offen. Das ermutigte die Soldaten. Es sagte ihnen, dass er ein für sie erreichbarer Offizier war, stets gewillt, ihnen zuzuhören.

Trotzdem spähte Jori Lekauf zunächst vorsichtig herein, die Stiefel noch immer draußen auf der Korridorseite der Türen, als wäre da eine Schranke, die mit OFFIZIERSTERRITORIUM - ZUTRITT VERBOTEN beschriftet war.

»An der Eingangsschleuse ist eine Frau, die darum bittet, Sie sehen zu dürfen, Sir.«

Jacen konzentrierte sich auf die Macht, um zu erkennen, um wen es sich dabei handeln mochte. »Mara Skywalker.«

Lekauf grinste. »Ist wirklich toll, wie Sie das machen, Sir.«

»Es kommen nicht viele Frauen, um mich zu sehen, also hätte ich ebenso gut raten können ...« Jaina würde ihm keinen Besuch abstatten, und wenn, würde er ihre Feindseligkeit und ihr Misstrauen sogleich wahrnehmen, denn die eilten ihr wie eine Vorhut voraus. Und mit Sicherheit war es auch nicht Tenel Ka. Er vermisste sie, und Allana vermisste er sogar noch mehr. Ich muss sie nicht umbringen. Wenn ich das miisste, wüsste ich das doch, oder nicht? »Führen Sie sie rein.«

»Ja, Sir.« Lekauf wandte sich um, um zu gehen.

»Lekauf...«

»Sir?«

»Haben Sie je über eine Beförderung nachgedacht?«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Offizier gut wäre, Sir.«

»Ich denke, dass Sie das sind. Ich will Sie zu nichts zwingen, aber wir brauchen gute Offiziere, die aus dem Glied kommen, da wir in den nächsten Jahren eine schwierige Rolle spielen werden.«

Lekauf wirkte zweifelnd. »Ich bin bereit, es zu versuchen, Sir.«

»Ausgezeichnet. Ich lasse den Adjutanten den Papierkram erledigen. Vermutlich müssen wir die Generalstabsakademie verschieben, bis die Sicherheitssituation stabiler ist, aber ich bin sicher, Shevu oder Girdun werden Sie gern anleiten. Und Sie wären in der Lage, ein Auge auf Ben zu haben. Er vertraut Ihnen.«

Lekauf blinzelte, doch seine Miene blieb ausdruckslos. »Captain Shevu kümmert sich sehr gut um mich. Ich lerne viel von ihm.«

Manchmal verrieten einem Dinge, die nicht gesagt wurden, am meisten. Lekauf war nicht naiv, trotz seines ganzen heiteren Schuljungenauftretens. Seine sorgsame Vermeidung von Captain Girduns Namen bestätigte Jacens Beobachtungen, dass der ehemalige Geheimdienstler bei den Soldaten vom Militär und CSK kein besonders beliebter Offizier war. Spione hatten diese Wirkung. Shevu kam vom CSK - bekannte, präsente, verlässliche Leute, die man in einer Krise gern auf seiner Seite hatte.

Jacen konnte sich keine Gräben innerhalb der GGA leisten. »Vielleicht tun Sie Captain Girdun ja auch gut. Es ist interessant, wie ein guter Schüler einen besseren Lehrer aus jemandem macht.«

»Vielen Dank, Sir.« Lekauf zeigte nicht die geringste Reaktion. »Ich werde Ihren Gast hereinführen.«

Jacen behielt mit einem Auge den stummen Holoschirm im Blick, während er die Berichte durchsah, von denen er einen zur sofortigen Kenntnisnahme an Niathal weiterleitete - die Bothaner hatten eine neue Fregattenklasse, die sie in ein paar Tagen in Dienst stellen würden. Unterdessen war die V & B-Sitzung bei Punkt 102 angelangt. Ein geschäftiger Tag: Alles Mögliche wurde ohne vorherige Prüfung bewilligt. Er aktivierte sein Kommlink und schaltete das Signal auf die kleine Erbse tief in seinem Ohr um. Lumiya hatte einen versteckten Empfänger in ihren kybernetischen Implantaten und würde ihn in den Tiefen ihres Schädels hören, so leise wie einen Gedanken.

Er benutzte ihren Decknamen, den, den er Ben gegenüber verwendet hatte. Der war gewöhnlich genug. Außerdem half es, versehentliche Ausrutscher zu vermeiden. »Hilfst du ihnen dabei. Entscheidungen zu treffen. Shira?«

»Ich vermittle ihnen bloß ein Gefühl von Dringlichkeit, das ist alles. Nicht, dass sie nicht ohnehin bloß teure Abendessen im Sinn hätten.«

»Sieht es so aus. als hätte irgendjemand, der Ärger machen könnte, die Unterlagen, die auf der Tagesordnung stehen, im Vorfeld gelesen?«

»Nicht, soweit ich das sagen kann. Aber keine Sorge. Damit werde ich schon fertig.«

Jacen fühlte, wie sich Mara durch den Korridor näherte, ein kleiner Tornado der Entschlossenheit. Im Gegensatz zu Lekauf marschierte sie geradewegs herein. Jacen projizierte eine Fassade guter Laune in die Macht und lächelte sie an.

Sie warf einen Blick auf den Holoschirm. »Das sieht spannend aus.«

»Ich achte bloß darauf, dass unsere Versorgungsprobleme aus der Welt geschafft werden.« Jacen fand, dass es immer am besten war, sich direkt vor den Augen seines Feindes zu verstecken. »Eine Gesetzesänderung, damit wir den Verwaltungskram umgehen und unsere Leute mit der richtigen Ausrüstung versehen können. Das war ein Anliegen der Truppen.«

»Meinen Segen habt ihr.« Mara setzte sich in den klapprigen Stuhl auf der anderen Seite seines Schreibtisches - Jacen wollte, dass man sah, dass er nichts vom Etat für sich selbst ausgab - und schlug die Beine übereinander. Sie trug eine graue Jacke, die eher nach einem Kampfanzug aussah, ein Hinweis auf ihre Gemütslage in letzter Zeit. »Ich komme wegen Ben.«

»Er macht sich gut. Tatsächlich macht er sich sogar sehr gut.«

»Du hast ihn zweifellos aufgerüttelt. Mittlerweile ist er ein ziemlich verantwortungsbewusster junger Mann.« Mara warf einen Blick auf die offenen Türen, als würden sie sie stören. »Kommen wir gleich zur Sache. Ich weiß, dass Lumiya versuch!, ihn zu töten. Was auch immer er getan oder nicht getan hat, Lumiya glaubt, er habe ihre Tochter umgebracht. Und im Hinblick darauf, dass wir außerdem Beweise dafür gefunden haben, dass Lumiya einen Maulwurf bei der GGA hat, bin ich doch etwas besorgt. Mehr als nur etwas. Falls meinem Jungen von innerhalb der GGA irgendetwas zustoßen sollte, würde ich das ziemlich schlecht aufnehmen, denke ich.«

Ah, ist sie dahintergekommen? Hat Mara tatsächlich gesehen, was kommen wird? Jacen überkam ein Moment der leisen Bestürzung. Sie war Palpatines Hand. Wenn irgendwer im Jedi-Rat imstande ist zu erkennen, was bevorsteht, dann sie.

Jacen schaffte es, aufrichtige Besorgnis auszustrahlen. Seine Verbindung war noch immer aktiv: Lumiya konnte alles mithören. »Ich bin dem nachgegangen, und ich kann dir versichern, dass ich nichts gefunden habe, das diese Theorie untermauern würde.«

»Ist Ben hier? Ich sehe ihn momentan nicht besonders häufig.«

Ben war unterwegs auf Patrouille, bei routinemäßigen Durchsuchungsaktionen nach illegalen Waffen. Das brauchte Mara nicht zu wissen. »Er stellt einige Nachforschungen für mich an.«

»In Ordnung«, sagte Mara. »Ich bitte dich bloß, im Hinterkopf zu behalten, dass es nicht die Konföderation ist, die sein Leben am meisten bedroht, und selbst, wenn du nicht glaubst, dass Lumiya einen Insider in deinen Reihen hat, ich fürchte es dennoch, und zwar solange, bis ich vom Gegenteil überzeugt werde.« Sie stand langsam auf, und Jacen glaubte fast, dass sie durchschaute, was vor sich ging. »Frag dich einfach, welches Mitglied der GGA sich mit Lumiya verbünden würde. Ich bin mir nicht sicher, ob du einen Verräter in deinen Reihen überhaupt erkennen kannst, weil du alldem so nahestehst.«

Jacen erwartete, ein Seufzen oder eine andere Reaktion von Lumiya zu hören, doch entweder war sie zu sehr damit beschäftigt«

die Gesetzesänderung durchzukriegen, oder sie bekam das alles hier aus irgendeinem Grund doch nicht mit.

»Diese Frage werde ich mir mit Sicherheit stellen. Tante Mara«, sagte er. »Vergiss aber nicht, dass Ben auch lernen muss. auf sich selbst aufzupassen.«

»Und tust du das auch?«

»Wie meinst du das?«

»Nun. wenn sonst niemand bereit ist, dir das ins Gesicht zu sagen, dann tue ich es eben: Was passiert mit dir, Jacen? Warum hast du deine Eltern im Stich gelassen? In Ordnung, sie werden per Haftbefehl gesucht, aber ...«

Jacen fragte sich, warum es so lange gedauert hatte, bis irgendjemand ihn damit konfrontierte. Er hatte erwartet, dass Jaina die Erste sein würde, immerhin war sie ja fortwährend sauer auf ihn, aber vermutlich fühlte sich Mara ziemlich dämlich, weil sie ihn so lange in Schutz genommen hatte.

»Meine Schuld«, sagte er. »Ich nahm an, sie wären in Ordnung und könnten sich allein in Sicherheit bringen, also beschloss ich, mich dorthin zu begeben, wo ich Einfluss auf die Schlacht nehmen konnte - auf mein Schiff.«

»Richtig«, sagte Mara. »Bloß eine Fehleinschätzung.«

»Ich bin auch nur ein Mensch.«

»Wir alle haben Momente, in denen uns unser Urteilsvermögen hängen lässt. Ich mit Sicherheit.« Mara schenkte ihm ein wenig überzeugendes Lächeln und wandte sich zu den Türen um. »Danke für deine Zeit.«

Sie weiß es.

Sie weiß es, weil es unvermeidlich ist. und das beweist, dass es Ben sein muss.

Es waren nicht seine Eltern oder Tenel Ka oder Allana. Es war Ben. Er fragte sich, wie lange er dem Jungen in diesem Wissen noch gegenübertreten konnte. Wie würde es passieren? Würde er ihn kaltblütig ermorden müssen? Oder würde es am Ende auf eine gewaltsame Auseinandersetzung hinauslaufen, bei der es so viel leichter war, jemanden zu töten?

Lumiyas Stimme war wie ein Hauch in seinem Ohr. Falls jemand zufällig mitbekam, was sie sagte, klang sie wie eine Bürokratin, die eine diskrete Kommlinkunterhaltung führte, nicht wie eine Sith, die den größten Putsch aller Zeiten plante. »Ich denke, meine ehemalige Kollegin wird jetzt alle Kraft darauf verwenden, mich ausfindig zu machen.«

Jacen schloss die Türen mit der Fernbedienung. »Du warst es, die diesen Angriff auf Ben auf Ziost in die Wege geleitet hat, nicht wahr?

»Er wird niemals Euer Nachfolger werden. Er hat nicht, was es braucht, um Euer Schüler zu sein. Es ist meine Pflicht, die Ungeeigneten aus dem Rennen zu nehmen.«

»Halt dich von jetzt an von ihm fern. Du bist zu weit gegangen, und ich glaube, Mara ahnt, was vorgeht.«

»Meine ehemalige Kollegin kann Euch nichts anhaben, falls... Wartet, das Gremium kommt außer der Reihe auf Eure Gesetzesänderung zu sprechen. Jemand hat darum gebeten, etwas dazu vorbringen zu dürfen.«

»Wer?«

»Leute auf der Zuschauergalerie. Sie beharren auf ihr Recht, sich an das Gremium wenden zu dürfen, und bezeichnen sich selbst als die Bürgerwacht.«

Es war interessant, wie schnell gewisse Dinge enträtselt wurden. Die Zivilrechtslobby war durch die jüngsten Ereignisse größtenteils übertönt worden. Dennoch bestand die Gefahr, dass nun ans Licht kam. was er in seiner Gesetzesänderung versteckt hatte. »Du weißt, was du zu tun hast.«

»Ja, das weiß ich.« Lumiya wurde sehr leise, ihre Stimme fast unhörbar. »Ich denke ... dass sie sich danach erkundigen werden ... dass sie wissen möchten, ob dieses Gesetz rückwirkend in Kraft tritt ... Ja, genau. Wie aufmerksam.«

Wenn sie glaubte, damit hätte sie sich in seinen Augen reingewaschen, irrte sie sich. Sie wurde zunehmend zu einem Risiko. Doch das war schon immer der Weg der Sith - der Kampf zwischen zwei ebenbürtigen Gegnern.

Er schaltete den Ton wieder ein. während die Gesetzesänderung diskutiert wurde. HM-3 hatte recht: Die Senatoren kauten die Summen durch, um die es dabei ging, und überzeugten sich davon, dass der Etat nicht ohne die Genehmigung des Schatzamts überzogen werden konnte. Niemand schien zu erkennen, dass HM-3S sorgsam abgestimmte Formulierung Jacen in die Lage versetzte, auch andere Gesetze zu ändern.

Sobald ich Ben Skywalker getötet habe, sobald Mara und Luke herausfinden, dass ich es war - und dieser Tag wird kommen -, werden sie Jagd auf mich machen. Der gesamte Jedi-Orden wird hinter mir her sein.

Wer aber sollte dann sein Schüler werden?

»Punkt drei siebenundfünfzig, bewilligt. Nächster Punkt: Die Änderung der Bestimmungen für die Lizenzvergabe für Lufttaxis.«

Und das war's.

Die Gesetzesänderung war durch, und sobald das überarbeitete Gesetz um Mitternacht in Kraft trat, würde Colonel Jacen Solo - und natürlich Admiralin Cha Niathal, weil sie ebenfalls die Anforderungen dafür erfüllte - imstande sein, zu ordern, was immer die Verteidigungsstreitklüfte brauchten, und es schnell zu bekommen.

Und innerhalb der Etatgrenzen jedes andere Verwaltungsgesetz zu ändern, ohne dafür den Senat in Anspruch nehmen zu müssen.

Sie hatten ihn mit außerordentlicher Macht versehen, mit einer, die er dazu verwenden würde, die Art und Weise zu andern, wie die Galaxis regiert wurde. Er würde sie benutzen, um Staatschef Omas abzusetzen. Er hatte sich noch keine Gedanken über die Details gemacht, aber er war dazu imstande, und zwar schon sehr bald. Die Galaktische Allianz würde fallen, nicht durch das Surren von Lichtschwertklingen oder abgefeuerte Ionenkanonen oder Truppen, die den Senat umstellten, sondern durch ein Stück Papier und ein Kopfnicken.

»Gut gemacht«, sagte er leise. »Hübsch beeinflusst.«

»Ich hatte nichts damit zu tun«, sagte Lumiya. Er konnte ihr Lächeln in ihrer Stimme hören. »Sie sind selbst zu dieser Entscheidung gelangt, ohne dass ich irgendwie nachhelfen musste.«

Manchmal war die Ironie all dessen einfach zu köstlich. Jacen wusste nicht, ob er mit dem Ergebnis zufrieden sein oder sich darüber ärgern sollte, dass die Senatoren so dämlich waren, dass sie ihn damit hatten durchkommen lassen.

Sie verdienten es, von den Sith beherrscht zu werden.

Sie brauchten es.