Nachwort: Visionen
Mecklenburg-Vorpommern hat bereits einige Grundsteine für eine solide Zukunft gelegt. Es hat den kompletten Provinzflughafen Parchim an chinesische Investoren verkauft, das Bio- und Gesundheitshotel Gutshaus Stellshagen eröffnet, Kooperationen mit chinesischen Medizinfakultäten begonnen, eine Schule gegründet für die Ausbildung in Ayurveda, Shiatsu und was sonst auf diesem Gebiet in ist; es ist Vorbild und Vorreiter der Ökobranche und der Energiegewinnung und hängt in Lubmin an der Ostseepipeline. Sie sehen: Wir sind unglaublich fortschrittlich.
Zentral in Europa gelegen, in einer Zeit, in der Coca Cola mit grünem Wellness-Tee angereichert ist, in einer Zeit, da man nicht weiß, wohin, wenn man alt ist, in einer Zeit, in der Kinder Tiere und Pflanzen nur noch zweidimensional kennen, in einer Zeit, in der das degenerierte Auge nur noch gerade Linien verarbeiten will und sich von den natürlichen Formen der Natur verunsichern lässt, wird mein Bundesland in Zukunft enorm, ich sage enorm, an Bedeutung gewinnen. Der frühere Wirtschaftsminister Ebnet redete vom Sanatorium der Republik. Gesundheitswirtschaft heißt das Zauberwort. Einen nationalen Ruhesitz, ähnlich dem Bundesstaat Florida, wollte der ehemalige Ministerpräsident Ringstorff erschaffen, seine Vision: Ein Florida des Nordens.
Was die Vögel längst begriffen haben, soll den Menschen auch verständlich gemacht und Mecklenburg-Vorpommern als Kur- und Wellnessland etabliert werden.
Meine Vision: Angela Merkel hat ihren Job an den Nagel gehängt und kellnert nun im Restaurant auf der Selliner Seebrücke, um nicht den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern zu verlieren, oder sie ist in die Fußstapfen ihres Vaters gestiegen und Pfarrerin in der kleinen Kirche in Middelhagen geworden, wo sie weiterhin für die Probleme ihrer Mitmenschen ein offenes Ohr hat, zum Beispiel für Gerhard Schröder, der hin und wieder vorbeikommt und über Probleme der Ostseepipeline im nahen Lubmin klagt, wo das Kohlekraftwerk nicht gebaut worden ist.
Steinmeier und Obama wälzen ihre Weltsorgen am Kap Arkona und sich selbst im Sand am Fuße des Kreidefelsens, denn dieses Naturkreidepeeling ist unglaublich en vogue.
Es gibt natürlich keine Fische mehr, die lebenden Exponate im Ozeaneum sind Millionen wert und machen Mecklenburg-Vorpommern reich wie zur Hansezeit. Zweite Einnahmequelle: Vineta taucht in regelmäßigen Abständen wieder auf (natürlich vor Usedom, da, wo es hingehört) und drückt in Polen den Preis einer Stange Zigaretten auf 2,50 Euro.
Straffe, glatte Haut von Achtzig- bis Hundertjährigen wird in schneeweißen Ferienanlagen gebräunt – noch immer hilft Quark gegen Sonnenbrand.
Menschen unter dreißig sitzen stundenlang fasziniert vor einem Laubfrosch oder einer Lachmöwe. Solch merkwürdige Wesen haben sie nie zuvor gesehen.
Ich selbst bin Villenbesitzerin in Göhren und Gutsherrin an der Mecklenburger Seenplatte. Die Chinesen erlassen mir die Flughafensteuer auf ihrem Parchimer Flughafen, weil ich stets so viel und so weit wegfliege … und immer wiederkomme.