Places to see before you die
Darßer Weststrand
Auch wenn ich aus dem Entdeckerland Mecklenburg-Vorpommern stamme, so entdeckte ich dort den schönsten aller Strände doch erst mit neunzehn Jahren, als ich endlich bereit war, einen etwa sechs Kilometer langen Fußmarsch durch den Darßwald in Kauf zu nehmen, um an einen Strand zu gelangen, dem ich nicht zutraute, mehr herzumachen, als all die anderen Strände links und rechts neben ihm. Der Darßer Weststrand ist ausschließlich zu Fuß, zu Pferd oder per Rad zu erreichen. Ich schwöre: Jeder, der sich nicht davon abschrecken lässt, wird belohnt. Ein unwirklicher, urwüchsiger, auch gespenstischer Wald ist der Darßwald, moosig, moorig, aus knorrigen Buchen und bizarr geformten Kiefern, zu den Seiten Blaubeerbüsche, Wacholdersträucher und riesengroße Ameisenhaufen, die wie dicke fette Gnome am Wegesrand hocken. Es riecht nach Totholz, es knarzt und knackt und vor allem summt es (Mücken!!). Angeblich ist dieser Wald voller Schätze, die ein angespülter skandinavischer Troll hier versteckt haben soll. Er soll in Robin Hood’scher Mission unterwegs gewesen sein und betuchte Leute bestohlen haben. Den Weg zu den Schätzen verraten nachts die Glühwürmchen. Ich konnte diese Angabe nicht überprüfen, weil ich mich nachts nicht in den Darßwald traue.
Wie aus einer verwunschenen Höhle tritt man am Ende aus dem Wald ins Licht an den vielleicht schönsten aller Strände in Vorpommern. Neben der Copacabana und dem Miami Beach wählte der französisch-deutsche Fernsehsender ARTE den Darßer Weststrand unter die Top Twenty der markantesten Strände weltweit. Was dem Copacabana Beach die Hochhäuser im Rücken, sind dem Weststrand die windschiefen und sturmzerzausten Bäume, die Windflüchter. Einige von ihnen liegen entwurzelt quer über den Strand, blank geputzt von der salzigen karibisch-blauen See. Ungestüm peitscht sie an das Land, wie ich es von der Ostsee nicht gewohnt bin, poliert die schwarzen Steine, die im Sommer matt und heiß zwischen Muscheln, Treibholz und rosa Krebsen in dem weißen Pulversand liegen. Die Welt befindet sich im Rohzustand. Meer und Wind haben die uneingeschränkte Entscheidungsgewalt. Und sie haben sich gegen Strandkörbe, Porträtmaler, Pommesbuden, Eisverkäufer und Überbevölkerung entschieden. Ungestüm und ungestört verändert der Darßer Weststrand täglich sein Aussehen und seinen Charakter. Mal zeigt er sich wie ein aufmüpfiger Teenager in zerrissenen Hosen, mal ist er laut und stürmisch wie eine ausgewachsene Furie, anderntags ist er sanft, wie ein zufriedenes Kind. Weststrand forever!
Ivenacker Eichen
Beständigkeit, ein Wort, welches ich in Verbindung mit Mecklenburg-Vorpommern nun schon einige Male benutzt habe. Ich setzte darauf, dass sich jeder in dieser schnelllebigen, modernen Welt nach ihr sehnt und nach Mecklenburg-Vorpommern kommt, um sie zu finden. In Berlin ist man schon voller Euphorie, wenn die Cafébesitzerin von einst fünf Jahre später noch an gleicher Stelle den Espresso serviert. Was aber sind fünf Jahre? Lächerlich in Anbetracht der Mecklenburgerin, die bereits seit eintausenddreihundert Jahren lebt und sich immer noch an der gleichen Stelle befindet. Wenn man vor ihr steht, misst die Dicke in Brusthöhe dreieinhalb Meter. Man braucht zwölf erwachsene Menschen, um sie zu umarmen. Sie lässt sich nicht künstlich am Leben erhalten. Umringt von ihren Freunden, die zwar noch nicht ein so hohes Alter wie sie erreicht haben, aber dennoch sehr alt sind, bezaubert sie ihre Gäste. Sie ist die älteste Eiche Mitteleuropas, zu finden in Ivenack (Landkreis Demmin). Die Süddeutsche titelte vor einigen Jahren: Die deutsche Eiche wankt – nicht so in Mecklenburg-Vorpommern, da stehen ein paar betagte Exemplare, und sie gehören zu den wichtigsten Kulturdenkmälern des Landes. Sieben von den dicken Damen waren früher Nonnen. Es heißt, dass es ein paar unglückliche Nonnen hinter den Mauern des Ivenacker Zisterzienserinnenkloster gegeben habe, die einen Pakt mit dem Teufel eingingen. Der versprach, ihnen bei der Flucht zu helfen, stellte aber die Bedingung, dass sie sich bis nach Stavenhagen, und das wären etwa vier Kilometer gewesen, nicht umdrehen durften. Aber die meck-pommersche, ungemein ausgeprägte Neugierde siegte und auf der Stelle verwandelten sich die Nonnen in Eichen. Auf den Grundmauern ihres ehemaligen Klosters, direkt am Seeufer, ist ein barockes Schloss errichtet worden. Später wurde die Anlage mit Kirche, Orangerie, Teehaus und Damwildgehege komplettiert. Wanderwege führen zwischen den Eichen durch das alte Gutsdorf. Wege, die nicht in Santiago de Compostela enden, sondern in Klockow. Und trotzdem hat man eine Unmenge an Kraft getankt, hat sich Gedanken gemacht und ist von dem befriedigenden Gefühl erfüllt, dass es Dinge gibt, die noch da sind, wenn man wiederkommt.
Kraniche
Wenn Sie das Gefühl haben, vom Glück verlassen worden zu sein, fahren Sie im Herbst nach Groß-Mohrdorf, 14 Kilometer nordwestlich von Stralsund. Dort kann man Ihnen in einer ehemaligen Molkerei weiterhelfen. Sie erhalten Auskunft über Plätze, an denen Sie dem Glück begegnen können.
Zwischen September und November wird Mecklenburg-Vorpommern vom Glück heimgesucht. Bis zu fünfzigtausend Kraniche machen mehrere Wochen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft Rast, um auf ihrem 6000 Kilometer langen Weg in die Winterquartiere Energie und Kraft zu sammeln. Und jeden Abend fliegen sie, immer zur gleichen Zeit, über das Haus meiner Eltern hinweg. Dann kehren die Glücksvögel von ihren Futterplätzen ins Nachtquartier zurück. Wenn ich zu Besuch bin, stehe ich vor der Tür, schaue in den Himmel und frage mich, wer zum Teufel denn nun heiraten muss!? Denn in Mecklenburg-Vorpommern heißt es: Fliegt ein Kranich über das Haus, steht eine Hochzeit bevor.
In vielen Kulturen wird der Kranich verehrt. Man glaubte, dass die Seelen Verstorbener auf ihrem Rücken in den Himmel getragen würden. In Irland erhoffte man sich von Kranichhaut eine gute Saat und die Seefahrer eine gute Reise, in China steht dieser Vogel für ein langes Leben, in Japan, wo er noch immer in gefalteter Papierform zu Hochzeiten oder Geburten überreicht wird, gilt er als Friedensvogel und ist ein Symbol für Treue und Beständigkeit, beinahe so, wie man auch einen Meck-Pommer, wenn man ihn etwas faltet, als Symbol für Treue und Beständigkeit überreichen könnte. Vielleicht haben Kraniche inzwischen deshalb diese Region zwischen dem Fischland-Darß-Zingst und Rügen zu den bedeutendsten Kranichrastplätzen Mitteleuropas gemacht. Es heißt, die Theater Mecklenburg-Vorpommerns könnten im nationalen Vergleich nicht mithalten, aber wer einmal ein Naturschauspiel wie das der Kraniche erlebt hat, wird verstummen und nie diese Vorstellung mit einer anderen zu vergleichen wagen. Wer einmal im Frühnebel von einem der vielen Beobachtungsplätze aus den Ruf Tausender Kraniche vernommen hat, ein gewaltig anschwellender Schrei, wer sie tanzen gesehen hat, wie sie in Schleifen um sich herumlaufen, sich voreinander verbeugen und in die Höhe springen und wer Hunderte Vögel geräuschvoll aufsteigen gesehen hat, wie sie sich Gruppe für Gruppe in die Höhe schwingen, der wird sich später sehr wohl an eine Aufführung in Mecklenburg-Vorpommern erinnern können, auch wenn er eine Woche später Tschechow an den Münchener Kammerspielen oder an der Berliner Volksbühne sieht.
Ich erinnere mich an einen frühen Abend, an dem ich zusammen mit vierzehn fremden Menschen in einem Zeesboot vor der Boddenküste ankerte. Wir alle hatten diese Tour zu den Kranichen gebucht, die an diesem Tag laut Tourguide nichts für Frostköttel war. Also rüsteten wir uns nicht nur mit Ferngläsern und Fotoapparaten (die, als es drauf ankam, jeder vergaß), sondern auch mit Thermoskannen und wattierten Jacken. Während wir in der Abenddämmerung auf den Einfall der Kraniche warteten, spielten wir: Wer hatte den längsten Anreiseweg. Ich schummelte. Obwohl ich gerade bei meinen Eltern zu Besuch war und keine 40 Kilometer zurückgelegt hatte, gab ich Leipzig, meine Studienstadt, als Anreiseort an. Ich schaffte es mit 450 Kilometern trotzdem nur bis ins gute Mittelfeld. Heiner aus Heilbronn gewann, auf den nächsten Plätzen folgten Darmstadt, Erfurt und Hameln. Der Kranich-Guide erzählte, dass zur Zwischenrast zuerst die Junggesellen ankommen, danach die Paare und zuletzt die Familien. Wir lachten darüber, weil wir das so putzig (Erfurt) und typisch (Darmstadt) fanden. Der Guide mahnte uns immer wieder zur Ruhe, weshalb wir flüsterten und kicherten wie in einem Jugendheim-Schlafsaal. Jemand reichte eine Tüte Chips herum, und gerade als wir alle reichlich davon im Mund hatten, blieben sie uns buchstäblich im Halse stecken. Zuerst zehn, fünfzig, später Hunderte, Tausende Kraniche schwangen direkt über uns die Flügel. Vor der roten Abendsonne verdunkelte sich der Himmel, riss auf, flatterte. Wie Störche, sagte Heilbronn-Heiner. Des isch unbelievable, fasste er unser aller Gefühl zusammen. Unvergesslisch, ergänzte Erfurt. Nur ich hatte ein mulmiges Gefühl und fragte mich, wo Hitchcock sich eigentlich zu seinem Meisterwerk hatte inspirieren lassen.
Tipp: Im Kranich Informationszentrum Groß-Mohrdorf kann man Ihnen sagen, wo Sie die Vögel bei ihrer Nahrungssuche oder ihrem abendlichen Einfall in ihren Schlafplätzen optimal beobachten können. Für gewöhnlich hat man tagsüber vom Kranich Utkiek (eine ehemalige Kartoffellagerhalle) in Hohendorf einen phantastischen Blick auf Nahrung suchende Kraniche. Gute Beobachtungsposten für den Abend befinden sich bei Bisdorf an der südlichen Boddenküste, in Tankow auf der Insel Ummanz und am Pramort (Ostzingst).
Was den Anhängern amerikanischer Reiseart entgegenkommen mag: Am besten beobachtet man Kraniche aus dem Auto. Menschen gegenüber sind sie sehr misstrauisch. Ihre Fluchtdistanz liegt in Schweden zwar nur bei etwa 50 Metern, in Mecklenburg-Vorpommern, wo genervte Bauern schon mal einen Böller zünden, allerdings bei 300 Metern, und in Spanien, was auch immer dort geschehen mag, flüchten die Vögel schon, wenn ein Mensch sich auf nur einen Kilometer nähert. Ihre Vorsicht schützte die Glücksvögel bis heute vor dem Aussterben. Schon vor fünfzig Millionen Jahren gab es Kraniche. Da waren die Pferde kaum größer als Füchse und besaßen statt Hufen noch Pfoten.
Feldberger Seenlandschaft
Kleiner Mann, was nun, dachte sich Hans Fallada, als er dank seines schriftstellerischen Erfolges etwas Geld übrig hatte. Er entschloss sich, in der Feldberger Seenlandschaft ein Haus zu kaufen. Elf Jahre lang lebte Fallada in Carwitz, einem Dorf zwischen vier Seen.
Von allen Fenstern aus sehen wir Wasser, lebendiges Wasser, das Schönste auf Erden. Es blitzt auf zwischen den Wipfeln uralter Linden, es verliert sich in der Ferne, begleitet von schmächtigen Ellern; dickköpfige Weiden suchen es zu verstecken, hinter gelben und grünen Schilffeldern breitet es sich weit. (Hans Fallada in Heute bei uns zu Haus)
Glücklich und äußerst produktiv soll er dort gewesen sein. So entstanden hier Bücher wie Hoppelpoppel – wo bist du? Für eine kurze Zeit übte Fallada sogar das Amt des Bürgermeisters von Feldberg aus. Feldberg gehört, genau wie das nur fünf Kilometer entfernte Carwitz, zur amtsfreien Gemeinde Feldberger Seenlandschaft. Sie befindet sich an der Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs und besteht, wie der Name und Hans Fallada schon verraten, vornehmlich aus kristallklar glitzernden Seen. Zwischen den Seen finden sich weite Wiesen (Wiesen wie zu Großvaters Zeiten im Wiesenpark Feldberg), Buchenwälder, kleine Dörfer und laut Internetpräsenz des Jagdschlosses Hotel Hullerbusch auch ein mediterranes Flair. Dieses genießt man offenbar im kleinen Wald am Wacholderberg bei Cantnitz. Im 18. Jahrhundert wurden hier Schafe gezüchtet. Die Tiere fraßen die Bäume weg, verschmähten aber den Wacholder. So wandelt man bei Cantnitz heute durch Wacholderbüsche und -bäume und lässt sich von Mecklenburg-Vorpommerns mediterranem Flair umschmeicheln.
Auch auf die Gefahr hin, dass es allzu bedeutungsschwanger klingt: Es war an Falladas Grab auf dem Dorffriedhof, wo ich mit einem Einheimischen ins Gespräch kam, der mir eine der trefflichsten Beschreibungen des Meck-Pommers geben sollte.
Noch nie was von Fallada gelesen, gab er preis.
Muss man vielleicht auch nicht, wollte ich ihn beruhigen.
Aber er hatte genug Selbstbewusstsein und brauchte gar nicht beruhigt zu werden. Ich wette, der hätte sich für meine Gedichte auch nicht interessiert.
Sie schreiben Gedichte?
Nee, aber wenn ich welche geschrieben hätte.
Hier traten der typisch meck-pommersche Gerechtigkeitssinn und Gleichbehandlungsdrang zutage. Es zählt unbedingt das Credo: Kein Denkmal. Für niemanden. Als ich ihn später fragte, wie denn die Menschen hier so seien, gab er zur Antwort:
Wir sind wie dieser Bauer, der auf dem Dach etwas Buntes sieht und hochklettert. Und wenn dann der Papagei sagt: Hey, was wollen Sie denn von mir?, dann sagt der Bauer: Entschuldigung, ich dacht Sie wär’n ’n Vogel.
Ich lachte, aber gleich verstanden hatte ich das nicht. Man muss ein Weilchen darüber nachdenken. Und wenn es klick macht, dann hat man den Meck-Pommer in seinem ganzen Wesen erfasst.
Tipp: Wer nicht der schönen und obendrein empfehlenswerten Wanderroute um den Schmalen Luzin folgen möchte, kann sich mit der selbst gebauten handbetriebenen Seilfähre auch übersetzen lassen. Die Fähre fährt im Halbstundentakt. Wenn Sie nicht warten wollen, rufen Sie laut: Fährmann hol över! (Können Sie ja das Kind machen lassen, wenn Sie eins dabeihaben, wahlweise verpflichten Sie den Mann.)
Naturpark Mecklenburgische Schweiz
Wer sich ehrlich und wahrhaftig für Mecklenburg-Vorpommern interessiert, der sollte auch zu seiner Mitte vordringen, zum Nabel, zu Mecklenburg-Vorpommerns pilatischem Powerhouse. Der Naturpark Mecklenburgische Schweiz erstreckt sich nördlich der Seenplatte auf circa 670 Quadratkilometern zwischen den Städten Dargun, Malchin, Teterow, Demmin und Waren. Hier herrscht ein munteres Auf und Ab der Landschaft. Die touristische Internetseite www.auf-nach-mv.de meint gar: Der Flecken gäbe eine vortreffliche Kulisse für Schneewittchen und die sieben Zwerge ab. Angesichts der zahlreichen Schlösser und Gutshäuser und deren besonderen Parkanlagen, vor allem aber angesichts intakter Natur, so weit das Auge reicht, hat die Region tatsächlich etwas Märchenhaftes. Zwischen den definitiv mehr als sieben Hügeln leben unter anderem Biber, Fischotter und Schreiadler. Der Kummerower und Malchiner See sind bedeutende Rastplätze für nordische Entenvögel. Zehntausende rasten hier jährlich. Die Mecklenburgische Schweiz ist wie die Mecklenburgische Seenplatte und die Vorpommersche Flusslandschaft inmitten des Bundeslandes für Fahrrad fahrende Geologen, wandernde Historiker oder paddelnde Biologen mit Sicherheit ein unfassbares Paradies. Für alle anderen immerhin a place to see. Man kann die vielfältige Natur Mecklenburg-Vorpommerns preisen, aber hinfahren müssen Sie selbst.
Vitt
Auch wenn ich persönlich immer nur bei Anlässen wie Neujahr, Weihnachten oder etwaigen Jahrestagen Vitt besucht habe, so bin ich sicher, dass das Dorf ohne die Aura eines besonderen Tages, einen Tag zu einem besonderen machen kann. Für mich ist das klitzekleine Fischerdorf das schönste Dorf auf Rügen.
Man findet es in der Nähe Kap Arkonas, am steinigen Ostseestrand. Zu sehen ist es aus der Ferne nicht, denn es duckt sich in einer kleinen Schlucht. Es besteht aus dreizehn Fischerkaten, die statt Hausnummern von runenartigen Symbolen gekennzeichnet sind, und dem historischen Dorfgasthof Zum goldenen Anker. Auf einem Hügel über dem Dorf leuchtet weiß eine achteckige Kapelle. Der Pastor Kosegarten hatte sie 1806 errichten lassen, als er es leid war, bei Wind und Wetter für Fischer und Reisende am Ufer zu predigen. Am Ufer des denkmalgeschützten Dorfes verkaufen noch heute die Fischer ihren Fang direkt vom Boot, frisch oder geräuchert. Vitten ist ein mittelalterliches Wort für Anlande- oder Handelsplätze. Im 10. Jahrhundert gehörte Vitts Hafen zur slawischen Jaromarsburg am Kap Arkona, von der immer wieder große Teile ins Meer stürzen.
Königsstuhl
Dies ist ein Ort, den Menschen in aller Welt zu kennen glauben, ein Ort, den es jedoch nicht gibt. Tag für Tag, Jahr für Jahr strömen Touristen aus aller Welt zur Stubbenkammer in die Umgebung der Kreidefelsen. Hier suchen sie nicht das Schloss Neuschwanstein, sondern die Chalk Cliffs on Rugen, die der Greifswalder Caspar David Friedrich seinerzeit so romantisch in Szene gesetzt hatte. Angekommen auf dem Bahnhof des staatlich anerkannten Erholungsortes Sassnitz, macht sich die Touristenmeute auf den Weg, um diesen einen berühmten Blick zu werfen. Am Nordende von Sassnitz steigen sie den Hochuferweg hinauf und wandern entlang der Kreidesteilküste. Sie wandern, und das Herz hüpft. Herrlich, diese Kreidefelsen, das Licht, die frische Luft, von der den Japanern ganz schwindelig wird, weil ihre Lungen in Tokio anderes gewöhnt sind. Nach etwa vierzig Minuten erreichen die Touristen die Wissower Klinken. Sie schießen Fotos in Unmengen. Schon viele von ihnen glaubten beim Anblick der Wissower Klinken den Ort entdeckt zu haben, an dem der vielleicht berühmteste Vertreter der Romantik saß, um sein vielleicht berühmtestes Bild zu malen. Allerdings waren die Wissower Klinken um 1800 noch nicht kreideweiß, sondern mit Gras bewachsen. Da der Touristikverband des Landes bisher nicht allzu viel tat, um diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen, nahm die Natur 2005 die Sache selbst in die Hand. Im Februar stürzte ein riesengroßer Zacken des berühmten Kreidefelsvorsprungs an den Strand und ins Meer und mit ihm der Trugschluss, dies wäre das Motiv, jenes welches.
Eine viertel Stunde später erreichen die Touristen einen Aussichtspunkt, der einen kilometerlangen Blick auf die Kreideküste freigibt – schön, schön, denken sie, aber das ist nicht der Grund, weshalb wir hierhergekommen sind. Sie schleppen sich weiter und erreichen die Viktoriasicht – hier halten sie inne und schauen auf die weißen Felsnasen: Könnte das vielleicht …? Nein, nein, nein, da ist irgendwas anders, irgendwas stimmt nicht, hier ist es nicht. Es sieht ein bisschen so aus, aber nein. Die Sicht auf das tiefblaue, mit grünen Flecken durchzogene Meer und den kreideweißen Königsstuhl ist atemberaubend, und die Amerikaner haben kaum noch Puste, aber diese Farben, das dämmert auch ihnen, sind göttlich. Man quält sich auf Holzstegen und Treppen durch den Kiefernwald bis hin zu den Granitstufen des Königsstuhls. Hier zahlen alle sechs Euro, erklimmen die Stufen und stehen schließlich auf einer 200 Quadratmeter großen Plattform, 118 Meter über dem Meer. Sie wenden den Kopf hin und her auf diesem Aussichtspunkt, so wie all die anderen Touristen auch. Ohh, ahh, aber wo zum Teufel hat der Friedrich gesessen? Erschöpft sinkt der ein oder andere vor das fest montierte Fernglas. Putzdirmaldienase, sagt ein Mann zu seiner Tochter, die durch dieses Fernglas schaut, aber die 50 Cent nicht bekommt, um auch etwas dadurch zu sehen. Eine alte kleine Japanerin nimmt sich fest vor, wenigstens ein deutsches Wort mit in ihre Heimat zu nehmen: Puzdimadinas, heiße es, was es wolle.
Die Amerikaner essen die norddeutsche Variante ihres heiß geliebten Hamburgers, ein Matjesbrötchen, und die Japaner, die ebenfalls Matjesbrötchen essen, glauben, das sei German Sushi.
Selbstverständlich nahmen alle an, das wäre eine regionale Spezialität, aber das ist der Tag der Täuschungen – Rollmops ist eine binnenländische Erfindung. Gestärkt, kommt nun den ersten Touristen das alles spanisch vor. Und tatsächlich werden sie nach der Heimkehr vor ihren Fotos sitzen, sie neben das Gemälde halten, hin und her drehen, stundenlang, tagelang und das Gefühl haben, ganz nah dran gewesen zu sein, aber mehr nicht. Mehr nicht und dafür der ganze Aufriss. Und die Moral von der Geschicht: Die Chalk Cliffs on Rugen gibt es nicht.
Wer die circa sieben Kilometer von Sassnitz über den Hochuferweg zum Königsstuhl nicht laufen möchte oder kann, obwohl diese Wanderung unbedingt empfehlenswert ist, sondern wer nur mal für sechs Euro einen Blick vom Königsstuhl werfen will, der fahre nach Hagen/Lohme, parke dort und schlendere die drei, für den öffentlichen Verkehr gesperrten, Kilometer durch die Buchenwälder der Stubbenkammer, passiere einen kleinen See und eine alte slawische Wallanlage. Wem auch das noch zu umständlich ist, der nehme bitte den Shuttlebus! Und wer auch diesen Aufwand scheut, googelt einfach Chalk Cliffs on Rugen. So ähnlich sieht das da bei der Stubbenkammer nämlich aus.
Prora
Das Schöne an Mecklenburg-Vorpommern ist, dass man all den Kitsch, den die Natur für einen bereithält, nicht ungebrochen hinnehmen muss. Wenn im knallblauen Sommerhimmel die weißen Möwen kreisen, sich am Horizont zwei Segelboote begegnen und schon zu erahnen ist, dass am Ende des Tages wieder eine blutrote Sonne hinter einer schwarzen Bootssilhouette ins Meer plumpsen wird, dann hält Mecklenburg-Vorpommern noch immer Möglichkeiten für Sie bereit, sich vor einer fiesen, durch derart kitschige Bilder ausgelösten Melancholie zu schützen. Und gemeint sind nicht nur die paar Wellen, die sich nicht an die Kitsch-Abmachung halten und Disharmonie stiften, indem sie über die Sandburg eines Kindes schwappen und dat lütte Ding so zum Weinen bringen. Da ist zum Beispiel der Koloss von Prora. Herr Klotz ließ selbigen auf einer Strecke von 4,5 Kilometern errichten. Das monströse Gebäude war der Nazis bitterer Ernst. Sie hatten es sich ganz hübsch vorgestellt: zehntausend Zimmer mit Meerblick für ihre Kraft durch Freude Organisation (KdF). In Prora auf Rügen sollte das weltgrößte Seebad entstehen. Die Idee des Seebades ist vom Führer selbst. Da der deutsche Arbeiter sich in den vorhandenen Bädern nicht vollständig wohlfühlt, soll hier ein neues Riesenbad mit 20 000 Betten errichtet werden. Diese Anlage müsse das Schönste werden, was man sich denken könne, und der schöpferischen Phantasie des Baukünstlers würden bei dieser Aufgabe keine Grenzen gesetzt. Clemens Klotz legte sich ins Zeug und erhielt auf der Weltausstellung in Paris für den Entwurf seines Koloss’ prompt einen Grand Prix. Fünf aneinandergebaute Blöcke, sechs Stockwerke hoch und jedes der rund zehntausend Zimmer mit 12,5 Quadratmetern. 1936 wurde mit dem Bau begonnen. Luftwaffenhelferinnen wurden hier unter anderem ausgebildet, ein Teil diente als Lazarett und auch mal als Unterkunft für ausgebombte Hamburger. Später wurde der Koloss von der Nationalen Volksarmee genutzt. Ihren Angehörigen stand der südlichste Teil der Anlage als Erholungsheim, Kinderferienlager und Ferienort zur Verfügung und erfreute sich großer Beliebtheit.
Nach der Wende übernahm die Bundeswehr, verließ Prora jedoch Anfang der Neunzigerjahre wieder. Seit 1993 ist das geschichtsträchtige Gebiet frei zugänglich. Immer wieder erschien ein Investor wie die heilige Madonna und verkündete den Traum eines Hotels oder einer Jugendherberge, plante Mietwohnungen oder eine Sportanlage. Derweil bröckelte das Baudenkmal munter vor sich hin, wurde grauer und gelbgrauer, die Fenster stumpf und stumpfer und gingen schließlich zu Bruch. In den umliegenden Ostseebädern störte man sich daran wenig, so blieben wenigstens die gefürchteten Dumping-Touristen den schnieken Binzer Cafés und Stränden fern. Block I und II sind 2006 an den Sohn Ernst Buschs und dessen Partner verkauft worden, die seither von Balkonen, Wellness und Eigentumswohnungen reden. Block III beherbergte noch vor wenigen Jahren eine Museumsmeile (ähnlich der Berliner Museumsinsel oder dem Wiener Museumsquartier, nur ganz anders), die unter anderem aus dem NVA- und dem KdF-Museum bestand. Derzeit wird dieser Block zur Freizeit- und Hotelanlage umgebaut. Block V wird zur Jugendherberge umfunktioniert, der sich daran anschließende Jugendcampingplatz existiert bereits. Und solange in Prora noch das Tauziehen um die tatsächliche Nutzung und Finanzierung andauert, hat man auf circa vier Hektar derweil einen Waldseilgarten gebaut: Ein Klettererlebnis für die ganze Familie! Für Familien, denen das bloße Herumliegen am nahen Strand, das Eisgekleckere, das Meeresrauschen und das Beobachten der weißen Möwen am hellblauen Sommerhimmel und der weißen Segel am Horizont einfach zu kitschig ist.
Putbus
Dieses Städtchen auf Rügen ist wahrlich absonderlich. Vor weißen Häusern wachsen apart zurechtgemachte Rosenstöcke. Den Mittelpunkt dieser Stadt Putbus (epod boz – hinter dem Holunderstrauch) bildet der Circus, ein Platz, der von sechzehn klassizistischen Häusern umstanden ist. Wie eine Torte, eine Spieluhr oder ein umgekipptes Riesenrad sieht der Circus von oben aus. (Geschäftsidee: eine Drehleiter kaufen und Touristen für fünf Euro mitten auf dem Platz nach oben fahren lassen.) Der Tourist schlurft von Haus zu Haus und stellt fest: Hübsch restauriert, aber irgendwas stimmt hier nicht. Putbus ist für mich eine Hüllenstadt. Die Hülle ist bezaubernd, das Innere leer. Man möchte diesem kleinen, aus der Zeit gefallenen Ort, der putzig und nicht zu knapp exzentrisch ist, durch manche Fensterritzen etwas mehr Leben einhauchen. Wenn ich hauchen dürfte, dann zuerst dem wunderbar absurden und leer stehenden Hotel du Nord.
Fürst Wilhelm Malte I. erfüllte sich vor etwa zweihundert Jahren seinen Traum. Von seinen Reisen nach England und Italien inspiriert, machte er aus seinem Provinznest ein klassizistisches Seebad, nur ohne See, denn das Meer befindet sich einige Kilometer entfernt. Die sogenannte, womöglich selbsternannte heimliche Hauptstadt Rügens (man darf auch Weiße Stadt oder Rosenstadt sagen) ist die jüngste Residenzstadt Deutschlands; rasant gewachsen wie Las Vegas, nur einen Tick reduzierter.
Innerhalb von nur vier Jahrzehnten entstanden in Putbus Gast- und Logierhäuser, ein Theater, Bäckereien, Schulen, Hotels, Straßen, Handwerker- und Beamtenwohnungen, Badehäuser, ein Musikpavillon. Von weniger als hundert schnellte die Zahl der Einwohner zwischen 1817 und 1850 auf eintausendvierhundert. Wenn man also sagt, Putbus sei eine junge Stadt, so meint man das sicher nicht in der Art, wie man sagt, Tel Aviv oder Madrid seien junge Städte.
Die Putbuser Einwohner erkennt man daran, dass man ihnen nicht begegnet. So selten wie Sternschnuppen tauchen sie irgendwo kurz auf, um schnell wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Putbus ist vielleicht die einzige Stadt, in der mehr weiße Hirsche zu sehen sind als Einwohner.
Nachdem die Touristen im Circus herumgelaufen oder -gefahren sind wie Rummelpferdchen, fangen nicht wenige von ihnen an, das Schloss zu suchen. Sie schleichen im Park herum, erst noch auf die entspannte Spaziergängertour, später forschen Schrittes und dann in großer Hektik. Sie suchen und wundern sich und finden es nicht, das Putbuser Schloss. Jedenfalls geht es denjenigen so, die ihren Reiseführer im Antiquariat gekauft haben. Für alle Sparfüchse: Das Putbuser Schloss wurde 1962 gesprengt. Ich will nicht wissen, wie oft Bratwurst-Ursel im Rondell darüber Auskunft geben musste. Erschöpft stehen die Touristen dann vor dem Wildgehege und füttern die weißen Hirsche. Und die Hirsche wundern sich, warum die Touristen einen so desolaten Eindruck machen, schließlich haben die soeben einen der schönsten Parks Norddeutschlands durchschritten. 1725 als barocker Lustgarten angelegt, gestaltete Fürst Malte den Park im Stil eines englischen Landschaftsparks um. Der Park ist größer als hundert Fußballfelder, auf denen man zwar das berühmte Schloss nicht mehr findet, dafür eine Orangerie (mit dabei: vier Grabsteine von einem Hundefriedhof aus dem 19. Jahrhundert), den Marstall, ein Affenhaus, ein Wildgehege und ein Mausoleum, libanesische Zedern, kalifornische Mammutbäume, asiatische Ginkos und weitere seltene und seltsame Arten.
Apropos seltsame Arten: Schauspieler und Theaterpublikum. Was mir persönlich in Putbus am besten gefällt, ist sein Theater. Ich verdanke ihm meine ersten Kabaretterfahrungen, und ganz abgesehen davon, ist der klassizistische Bau für mich mit Abstand das schönste Theater Mecklenburg-Vorpommerns. Es gibt nur Gastspiele und kein festes Ensemble und also auch nicht das Klischee vom trostlosen Kleinstadttheater mit seinen desillusionierten Schauspielerinnen und Schauspielern. Das sicherlich interessanteste Theater dagegen ist das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin. Ansonsten habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass Theater und Mecklenburg-Vorpommern nicht die beste Mischkultur ist. Möhren und Zwiebeln vertragen sich wohl besser. Dennoch: Der älteste gedruckte Theaterzettel Deutschlands stammt nachweislich aus Rostock (1520).
Zu schulischen Wanderzeitzeiten war das in Lauterbach befindliche Badehaus Goor (etwa zwei Kilometer von Putbus entfernt) noch ein ziemlich verfallener Haufen, das Gruselhaus mit den Marmorsäulen, so dick und groß wie die bösen Lehrerinnen. Heute verbirgt sich hinter den achtzehn weißen Marmorsäulen ein Viersternehotel, das zu seinem Wellnessangebot unter anderem ein Cesarbad und eine Cleopatrapackung zählt. Auch wenn man nicht vorhat, in diesem neuerlich aufgemotzten Ding zu nächtigen, so lohnt sich ein Spaziergang um es herum allemal. Hinter dem Badehaus befindet sich der Goor-Wald (goor ist das slawische Wort für Berg). Der Pfad der Muße und Erkenntnis führt durch diesen Küstenwald, der in naher Zukunft zum Urwald werden soll. Man lässt ihn gedeihen und vergehen, ganz so, wie es ihm gefällt, und wünscht, dass entwurzelte Städter dort Ruhe finden. Nur selten braust ein Motorboot auf dem nebenliegenden Greifswalder Bodden vorbei. Sonst ist die Natur ganz im Zeichen der Stille. Der Greifswalder Bodden blubbert hier so schön und rauscht nicht so fies (Feststellung meiner Mutter beim Spaziergang durch den Goor-Wald). Und wie kaum ein Waldstück auf Rügen, kommt auch der Goor-Wald nicht ohne etliche Hügelgräber aus. Die uralten Bestattungsplätze zeugen von einer ehemals ungewöhnlich hohen Besiedlung.
Tipp: Nach dem Waldspaziergang im Hafen Lauterbach auf dem Räucherschiff Berta sitzen, ein Fischbrötchen essen, dazu ein Schwarzbier trinken (dort keinen Kaffee!!). Für den größeren Hunger alternativ Neuenkamp in die Navigation tippen und stilecht im Restaurant Nautilus essen. Hier speisen Sie in Kapitän Nemos bis ins kleinste Detail nachempfundenem Unterseeboot aus dem Roman 20 000 Meilen unter dem Meer.
Feuersteinfelder
Wenn ich zwei Dinge benennen müsste, die für Mecklenburg-Vorpommern charakteristisch sind, würde ich mich für Vögel und Steine entscheiden. Erstens kommen hier sowohl Vögel als auch Steine zahlreich und in vielen Variationen vor. Zweitens ist der Meck-Pommer selbst eine Mischung aus beidem: freiheitsliebend wie ein Vogel und hart wie ein Gesteinsbrocken. Und drittens werden Vögel und Steine unbedingt gebraucht, um ein im Meck-Pommer tief verwurzeltes Bedürfnis zu befriedigen: die Pflege seines Aberglaubens. Der Aberglaube ist in Mecklenburg-Vorpommern schon im Mittelalter so stark ausgeprägt gewesen, dass Mecklenburg als eine der Kernzonen der Hexenverfolgung gilt. Auf Rostocks Marktplatz kam es zu zahllosen Hexenverbrennungen.
Ich bin damit aufgewachsen, dass ich, sobald ein Hühnerauge auftauchte oder der Zahn schmerzte, vor eine alte Frau gesetzt wurde, die ein paar Mal flüsternd und nuschelnd um mich herumschlich. Am nächsten Morgen klatschte dann meine Familie in die Hände, weil Hühnerauge oder Zahnweh wie von Zauberhand verschwunden war. Das hatte nichts mit fehlenden Medikamenten in der DDR zu tun, sondern mit der, zumindest in Vorpommern verbreiteten Sitte, bei jeglichen Krankheiten eine Besprecherin oder einen Besprecher aufzusuchen. Das Vertrauen in die Heilkraft des Besprechens ist lange erhalten geblieben. Bis heute, zumal die genuschelten Formeln und Sprüche noch immer nicht mit ins Grab genommen werden dürfen, sondern von Generation zu Generation weitergegeben werden müssen. Leider liegt diese Gabe nicht in meiner Familie, aber ich hätte sie zeitweilig unglaublich gerne gehabt, und so versuchte ich die Sprüche wenigstens zu verstehen, was aber durch das schnelle nuschelnde Flüstern des Besprechers kaum möglich war. Mein Bruder behauptete damals, dass ein Familienmitglied sterben würde, sobald ich einen der Sprüche verstehen könne, dass es ein großes Unglück gäbe. Fortan gab ich mir die größte Mühe, nie genau hinzuhören, und prompt verstand ich vieles. Ein Spruch gegen Warzen zum Beispiel geht so: De Wratt und de Wied, de leden to striet. De Wratten verschwunn, de Wied gewunn (Die Warze und die Weide, die lagen im Streit. Die Warzen verschwanden, die Weide gewann).
Diese Heimlichtuerei, das beschützte Weitergeben von vertraulichen Informationen, ist in Mecklenburg-Vorpommern gang und gäbe. Nie hätte mein Großvater, solange er lebte, seine Fischrezepte verraten. Wo der goldene Sarg mit dem Leichnam Störtebekers vergraben ist, das weiß immer nur ein einziger Fischer. Es ist ihm verboten, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Erst kurz vor seinem Tod muss er sein Wissen weitergeben, sodass immer einer, aber nur einer, über den Ort des Grabes Bescheid weiß.
Versteinerte Seeigel werden in Bienenstöcke gelegt, auf Koteletts wird uriniert, um sie anschließend zu vergraben (soll gegen Asthma helfen), und wenn eine schwarze Katze von links nach rechts läuft, erstarren alle Meck-Pommer zur Salzsäule. Mein Schatz an Sprichwörtern und Aberglaube ist größer als mein Repertoire an Weihnachtsgedichten.
Der Kranich bringt Glück, der Kormoran Pech, der Storch die Kinder – es ist so schön einfach. Und an irgendwas muss man ja glauben, wenn man’s hier schon nicht so mit dem lieben Herrn hat. Wer nicht im Himmel bei den Vögeln sein Glück sucht, sondern auf Erden, muss statt einen Kranich zu sehen, einen Hühnergott finden, den meck-pommerschen Glücksbringer schlechthin. Jeder Meck-Pommer hat einen auf dem Fensterbrett, vor der Eingangstür oder in seinem Regal liegen, einen schwarz-weißen Feuerstein mit einem Loch. Hühnergötter sind seit den Sechzigern in der ehemaligen DDR populär, im gesamtdeutschen Duden erschien das Wort jedoch erstmals im Jahr 2000.
Ganz viel von diesem Glück auf Erden findet sich zwischen Mukran und Prora, im Nordteil der Schmalen Heide auf Rügen. Ein beliebtes Ausflugsziel ist dort das etwa zwei Kilometer lange und 200 Meter breite Steinerne Meer. Eine große Ansammlung von Feuersteinen, die vor dreitausendfünfhundert bis viertausend Jahren aus den Kreidefelsen gespült worden sind. Im Herbst blüht zwischen den vielen Steinen violettes Heidekraut und links und rechts davon stehen die Wacholderbüsche tiefgrün. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, ist das Mitnehmen der Feuersteine, und also auch der Hühnergötter, untersagt. Man halte sich besser daran, um die Götter nicht zu entzürnen. Wer dennoch einen dieser Steine mitnimmt, wird sehen, was er davon hat: PECH!
Ebenfalls auf jeder Fensterbank eines Meck-Pommers: der Donnerkeil, auch Teufelsfinger genannt. Dabei handelt es sich um ein versteinertes Skelettteil von urweltlichen Kopffüßlern. Die alten Mönchguter von Rügen behaupteten, dass zur Zeit ihrer Großeltern nach großen Gewittern Tausende von diesen fingerartigen Gebilden auf den Äckern gelegen hätten. Das deckt sich mit dem einst verbreiteten Volksglauben, sie entstünden durch Blitzschlag. Den Teufelsfingern werden die wunderbarsten Heilkräfte zugeschrieben.
Die Wochentage im Aberglauben oder: Erklärungen und Ausreden für meck-pommersches Verhalten:
Montags sollte man weder ein Geschäft beginnen noch verreisen. Beides geht an diesem Tag schief. Und: Rauer Montag, glatte Woche.
Dienstags ändert sich das Wetter.
Mittwochs darf man an keinem Flachs arbeiten (ich sag’s nur, falls Sie gern am Flachs arbeiten), ist aber wenigstens ein guter Pflanztag.
Wenn donnerstags das Korn blüht, sollte der Bauer nach Sonnenuntergang schweigend mit Handschuhen auf das Feld gehen und rückwärts gegen den Lauf der Sonne schreiten. An jeder Ecke sollte er dabei einen Halm pflücken, daraus ein Bündel binden und es unter dem Dach aufbewahren, damit weder Sonne noch Mond darauf scheinen kann – und dann fressen die Vögel nicht von den Ähren. Außerdem bitte nur donnerstags Erbsen essen. (Keine Ahnung warum. Weil das eben so ist.)
Fridag hett sin eegen lun (Freitag hat seine eigene Laune). Alle freitags um zwölf Uhr Geborenen können mehr sehen als andere. Und es ist natürlich der klassische Unglückstag. Supertipp: Wer jeden Freitag seine Nägel still (natürlich) beschneidet, bekommt keine Zahnschmerzen. Nicht verreisen am Freitag, keine Wäsche waschen, bringt alles nur Pech, dafür gelingt die Butter, wenn man sie freitags macht.
Spinnt einer am Sonnabendabend, steht der Teufel hinter ihm.
Sonntagskinder sind Glückskinder, die die Gabe besitzen, Geister zu sehen. Und wer in die Hölle will, der kämme sich beim sonntäglichen Gottesdienst die Haare.
Zaubertrank der Hexen laut alten Schriftstücken zur Zeit der Hexenverfolgung:
Zerstoßenen Schlangen, Asseln und Kröten werden Milch und Blut zugemischt. Später kommen Katzenhirn, Viehhaar, Spinnen, Hornissen Kaulquappen und Hundekot dazu.
Heiligendamm
A place to see, but für die, denen ein schnödes Hotelzimmer mit Meerblick reicht, nicht unbedingt a place to stay. Als Heiligendamm sein prachtvoll weißes Gesicht im Jahr 2007 in sämtliche Kameras der ganzen Welt hielt, staunte man über das Antlitz Mecklenburg-Western Pomeranias nicht schlecht. Pompös, mondän, schick und – weiß.
1793 geschah dort etwas, an das später die Mondlandung erinnerte. Ein kleiner Schritt für Herzog Friedrich Franz I., aber ein großer für die badenden Deutschen. Der Herzog hatte sich auf sein Ross geschwungen und ward auf der Suche nach einer geeigneten Badestelle zum Heiligen Damm bei Bad Doberan galoppiert. Dort tauchte er den großen Zeh ins Wasser und entschied: Hier entstehe Deutschlands erstes Seebad. Sein Leibarzt Samuel Gottlieb Vogel hatte ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt, denn Baden in der See galt in manch fortschrittlicher Region Europas längst als heilsam und erquicklich. Warum hat Deutschland noch kein öffentliches Seebad?, fragte 1792 ein öffentlicher Aufsatz. Ein Jahr später hatte Deutschland dann dank Friedrich Franz I. endlich eines, und damit das auch so aussah wie woanders, ließ der Herzog nach den englischen Vorbildern in Brighton und Bath weiße Häuser in schlichter, zeitloser Eleganz entlang des Heiligen Dammes erbauen. Das klassizistische Gesamtkunstwerk aus Bade- und Logierhäusern lockte Herrschaften an, die in schwarzen, korrekt sitzenden Anzügen, Gehröcken, Schleppkleidern und Spazierstöcken Erholung suchten. Wer in den Gründerjahren zu Besitz gekommen war, versuchte, es der Aristokratie zu zeigen. Als es in den Städten zu dampfen begann, sehnte man sich nach sauberer Luft. Seebäder wurden zu angesagten Urlaubszielen, auch wenn sich der Anfang schwierig gestaltete. Es fehlte an Geld für Badeeinrichtungen, und die, die Geld hatten, glaubten auf die fremden Besucher verzichten zu können. Die Anfahrtswege der fremden Besucher waren noch weniger bequem und unkompliziert als die heutigen, zuweilen undurchdacht wirkenden Verbindungen der Deutschen Bahn. Man schaffte gerade mal 40 Kilometer am Tag, und Achsenbrüche dehnten das Ganze um etliche Stunden mehr. Während Heiligendamm anfangs eintausendfünfhundert Besucher zählte, kamen nach Boltenhagen nur fünfzig. 1870 wurden siebentausend Gäste entlang der gesamten Ostseeküste gezählt. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren es schließlich eine viertel Million. Sassnitz, Binz, Warnemünde und Ahlbeck waren die damaligen Spitzenreiter. Deutschlands erstes Seebad erlebte um den Jahrhundertwechsel eine Renaissance. Aus den edlen Anzügen der Gäste sind inzwischen teure Fleecejacken, aus den Spazierstöcken Nordic-Walking-Accessoires geworden, aber die Einheimischen schauen die reichen Fremden noch genauso skeptisch an wie damals.
Hic te laetitia invitat post balnea sanum – Hier lädt dich, nach dem Bade geheilt, die Freude ein. So versprechen noch immer die goldenen Lettern auf dem Kurhaus Heiligendamms, die wieder schön gülden leuchten, seitdem die Kölner Investorengruppe FUNDUS 1996 die historischen Villen erwarb und ein Grand Hotel erschuf.
Das, was Heiligendamm und allen anderen Seebädern ihren Schick und ihre Mondänität verleiht, das Markenzeichen der Ostseebäder, ist die Bäderarchitektur. Die neue Architektur des Strandhotels entspricht in ihrem billigen Pomp mit zahllosen Türmchen schlechter Zeichnungen, mit ihren ungefühlten Verhältnissen und grausam banalen Ornamenten dem Zustand unserer heutigen Kultur, so empfand es 1905 der Direktor der Kunsthalle Hamburg. Die über sechshundert, oft zwei- bis dreigeschossigen Bädervillen gehören wissenschaftlich keiner spezifischen Stilrichtung oder Baugattung an. Es ist ein wirrer Mix, mit architektonischen Anleihen aus der Schweiz, Russland, China, dem Neobarock, der Neogotik, Neorenaissance, dem Klassizismus, Jugendstil, aus Erkern, Holzveranden, Simsen, Balustraden, Säulen …
Tipp: Wer sich einmal fühlen will wie ein illustrer Badegast aus dem letzten Jahrhundert, kann sich auf Mollis rote Samtpolster oder an Rolands Öfchen setzen. Die beiden uralten Schmalspurbahnen (Spurweite Roland: 750 und Molli: 900 Millimeter) schnaufen und bimmeln (Molli) oder pfeifen (Rasender Roland) sich mit viel Dampf durch die Landschaft. Molli von Bad Doberan (hier bitte zuvor das Doberaner Münster besichtigen) über Heiligendamm nach Kühlungsborn, entlang einer traumhaft schönen Lindenallee, vorbei an Europas ältester Galopprennbahn, und Roland auf Rügen von Putbus über Binz, Sellin, Baabe nach Göhren.
Vineta
Sonntagskinder, die ein Osterwochenende auf Usedom verbringen, sollten sich die größte, schönste und reichste Stadt Europas anschauen. Größer als Konstantinopel und schöner als Rom ist diese Stadt, bewohnt von allerlei Völkern, die gastfreundlicher und höflicher gegenüber Fremden kaum sein könnten. (Nur Christen sollten ihre Religion inmitten der vielen Heiden nicht zu öffentlich machen.) In den Geschäften der Einwohner dieser Stadt findet man die wertvollsten und seltensten und selbstverständlich kostbarsten Waren. Ständig legen Schiffe aus aller Welt an. Das Leben hier ist bunt und lustig. Die Bewohner sind so reich, dass ihre Kinder mit Geld auf der Straße spielen und ihnen der Hintern mit Semmeln abgewischt wird. Allerdings sollten Sie diese Stadt nicht in der Nacht oder bei stürmischem Wetter besuchen, denn dann werden Sie in den Ostseewellen rettungslos ertrinken.
An der nördlichen Küste der Insel Usedom befindet sich diese unglaubliche Stadt, ungefähr auf Höhe des Dorfes Damerow, etwa sechs Kilometer von Zinnowitz entfernt. Dort hat an einem Ostermorgen ein Schäferjunge diese Stadt betreten. Plötzlich sah er sie aus dem Wasser emporsteigen, das goldbeschlagene Stadttor geradewegs vor ihm. Später wusste er zu berichten, dass die Männer lange pelzbesetzte Mäntel und federgeschmückte Barette trugen. Die Frauen wären kostbar in Samt und Seide gekleidet gewesen. Aber alles geschah ohne den geringsten Laut. Stumm breiteten die Kaufleute ihre Waren aus. Einer winkte den Jungen heran. Er zeigte auf ein kleines Geldstück und wies auf den Tisch voll Ware. Aber weil der Junge kein Geld bei sich hatte und ihn alle so traurig und enttäuscht ansahen, lief er schnell durch das Tor zurück an den Strand.
Außerhalb der Osterfeiertage haben Sie bei stiller See die Chance Vineta, so ihr Name, zu sehen, indem Sie mit dem Boot hinausfahren. Wenn Sie die richtige Stelle erwischen, können Sie bis 400 Meter tief ins Meer hinabschauen.
Dort werden Sie eine Vielzahl großer Steine sehen, marmorne Säulen und Fundamente – die Trümmer Vinetas. Noch immer herrscht dort ein wundersames Leben. In langen Kleidern wandeln Gestalten durch die Straßen oder sitzen in goldenen Wagen oder auf großen schwarzen Pferden.
Natürlich konnte ein solcher Reichtum, und erst recht nicht von Heiden, ewig fortbestehen. Die Einwohner Vinetas verfielen den Lastern der Wollust und Üppigkeit, und dafür traf sie die Strafe Gottes. Die Stadt wurde zwischen Karfreitag und Ostermontag von riesigen Wellen ins Meer gerissen. Angeblich kamen dann die Schweden und fischten all die Reichtümer der Stadt aus dem Wasser.
Warum nur konnten die Einwohner Vinetas nicht bescheiden und bodenständig wie alle Meck-Pommer sein? Was hätte aus Mecklenburg-Vorpommern mithilfe dieser Metropole werden können? Was hätten wir für marmorne Ozeaneums und goldene Rügenbrücken bauen können, hätten die Schweden nicht alles geklaut!? Jetzt müssen wir uns mit Vineta-Festspielen über Wasser halten, und die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns beginnen sich gegenseitig auszuspielen. Unterstützt werden die einen dabei von der Zeitschrift Geo. 1998 behaupteten darin zwei Wissenschaftler, dass Vineta gar nicht vor der Küste Usedoms, sondern vor Barth (Stadt auf dem Darß) versunken sei. Seither liefern sich beide Regionen einen Machtkampf, der unter anderem dazu führte, dass Vineta mittlerweile ein geschütztes Markenzeichen ist.
Die silbernen Glocken der Stadt kann man noch jeden Abend, wenn kein Sturm auf der See ist, hören, wie sie tief unter den Wellen die Vesper läuten, erzählt die Sage.
Wer die Glocken läuten hört, wo auch immer, wird gebeten, sich bei der örtlichen Behörde zu melden, damit sich die Frage nach Vinetas tatsächlicher Lage ein für alle Mal klärt.
Griese Gegend
In Mecklenburg-Vorpommern dem Florida des Nordens (laut Harald Ringstorff) finden Sie nicht nur das Nizza des Nordens (Binz), die Pommersche Riviera (Usedom), die Zitrone des Nordens (Sanddorn; siebenmal mehr Vitamin-C-Gehalt als eine Zitrone), das Soja des Nordens (Blaue Lupine), das Interlaken des Nordens (Waren) und den Amazonas des Nordens (die Peene), sondern auch – wie könnte es anders sein – das Versailles des Nordens. Das Versailles des Nordens steht in einer Griesen Gegend, in einer Stadt, die den anrüchigen Namen Ludwigslust (auch: Lulu) trägt.
Ihre Durchlaucht Herzog Christian Ludwig II. hatte Lust zu Jagen und ließ zu diesem Zweck zwischen dunkle Wälder und Torfmoore ein Jagdhaus setzen, das zwischen 1772 und 1776 durch ein prächtiges Residenzschloss ergänzt wurde, wo fortan die Herzöge Mecklenburg-Schwerins residierten. 1837 zogen sie zurück nach Schwerin, aber die barocke ludwigsluster Schlossanlage mit dem größten Schlossgarten Deutschlands steht Ihnen für Ihr Touristenprogramm weiterhin gerne zur Verfügung. Beeindrucken Sie andere Touristen, indem Sie dort im Goldenen Saal folgende wagemutige Behauptung lauthals verkünden: Ich denke, hier ist nicht alles Gold, was glänzt! Und Sie haben recht! Unter vielen edlen Oberflächen aus Marmor, Porzellan oder Elfenbein ist nichts weiter als Pappmaschee, ein getrockneter Papierbrei. Ornamente an Decken und Türen, Möbel, Reliefbilder, Säulen – vieles aus gewöhnlichem Papier. Da der Herzog aufs Geld achten musste, recycelte er alte Akten. Und dafür, mögen Sie denken, bin ich extra durch diese Griese Gegend gefahren, von der ich noch nicht einmal weiß, warum sie so heißt, wie sie heißt!? Ihren Namen verdankt sie vielleicht dem hiesigen grauen Sandboden (grau – gries) oder den Griesen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es kaum größere Höfe hier, deshalb zogen viele junge Männer in bessere Gegenden Mecklenburgs. Als Erntehelfer trugen sie eine einheitliche Kleidung in Grau, mit der sie sich von den anderen Bewohnern der Gegend unterschieden. Man nannte sie die Griesen (die Grauen).
Auch heute noch ist die Griese Gegend sehr dünn besiedelt, ein weißer Fleck auf der Wanderkarte. Und trotzdem könnte es sich lohnen. Geht wandern! Sammelt Pilze und Blaubeeren, von denen es hier tonnenweise gibt. Spaziert entlang des Flusses, die sandigen Wege hinunter, durch Nadelwälder, Dörfer, durch diese eintönige Landschaft aus Sand, Sumpf und Mücken. Durchstreift die leuchtenden Heidekrautflächen, die dunkelgrünen Wiesen, atmet die Luft der Griesen Gegend, die schon Thomas Manns Vorfahren geatmet haben. Seine Vorfahren stammen aus dem von Ludwigslust 30 Kilometer entfernten Grabow, da, wo auch die Küsschen herkommen, die ostdeutsche Variante der Super Dickmanns.