NACHWORT

 

Glück ist, wenn der Mensch aufhört zu sein, was er ohnehin nie war.

Erasmus von Rotterdam

Wenn etwas geschehen soll, wirst du es mit keiner Macht verhindern können; und wenn etwas nicht geschehen soll, wirst du es mit keiner Macht zu Wege bringen.

Ramana Maharshi

Nun, das war´s und ich denke, wir sind uns in einem einig: Dieses Buch ist scharf, böse, bitter und gemein. Ich hoffe, Sie sehen das ebenso. Falls es so ist, gratuliere ich Ihnen und mir. Sie zeigen, dass die Welt nicht nur so ist, wie ich sie hier beschrieben habe, sondern dass sie auch noch eine andere Seite hat. Man kann es nur hoffen.

Aber ich denke, Sie haben sich dieses Buch nicht ohne Grund gekauft. Waren Sie nur neugierig? Oder aber habe ich einen Nerv bei Ihnen getroffen? Etwas, das Sie schon länger beschäftigte? Haben Sie sich vielleicht auch in letzter Zeit gefragt: Was ist eigentlich hier los? Wenn das so ist, dann freue ich mich, dass Sie bis zum Nachwort durchgehalten haben. Und ich hoffe wirklich, Sie haben das ganze Buch gelesen.

Handle ich nach meinem eigenen Buch? Tue ich das, was ich Ihnen rate? Tatsächlich fragt man mich das öfter. Ich gebe zu, es fällt mir schwer. Sehr schwer. Ich lächle zum Beispiel oft und begründe mein Verhalten sehr gerne. Und wissen Sie was? Verdammt oft fliege ich damit auf die Schnauze. Big Time.

Zu lernen, dass das, was uns nicht gefällt, uns oft am meisten gut tut, ist eine lebenslange Aufgabe.

Ich wünschte, das, was ich hier zusammengetragen haben, wäre nicht wirklich wahr. Aber glauben Sie mir, ich habe in meinem Beruf oft die Möglichkeit, es auf Herzen und Nieren zu testen. Und immer, wenn ich mich zwinge, mich an meine Regeln zu halten, werde ich belohnt. Und wenn ich gegen sie verstoße, dann habe ich meist ein paar Problemchen, die sich nur mit ein paar guten Freunden und ein paar sehr guten Weinfalschen lösen lassen.

Aber vielleicht ist das die Essenz des Lebens: Wir scheitern, wir siegen, wir kämpfen, wir verlieren, nur eins dürfen wir nicht tun: Aufhören, zu versuchen, das Beste aus dem zu machen, was uns gegeben ist.

Und wenn Sie ein paar Mal auf die Schnauze fliegen, und wenn Sie sich wie ein Arschloch und Idiot verhalten, und wenn Sie sich bis auf die Knochen blamieren – solange Sie das tun, haben Sie meinen Respekt. Hören Sie nie auf zu werden, was Sie werden wollten! Dann können Sie sich alles erlauben.

Ob Sie mir zustimmen oder nicht, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Wir sollten nur eines bedenken: Es gibt viele Menschen, die sich so verhalten, wie ich es beschrieben habe. Und zwar ohne darüber nachzudenken, ob sie sich richtig oder falsch verhalten. Sie tun es einfach. Und es werden täglich mehr. „Die Empathie ist auf den Rückzug aus unserer Gesellschaft.“ Das liest man immer häufiger. Meine Erfahrung sagt mir, dass da etwas dran ist. Vielleicht bewegt sich die Menschheit in Kreisläufen und wir erleben ein neues Zeitalter der Verschwendung und der Dekadenz, eine Zeit, wie es sie schon zu Neros Zeiten und zur Französischen Revolution gegeben hat.

Nun, wenn es so ist, dann sollten wir besser vorbereitet sein. Ich muss ein naheliegendes Missverständnis aus dem Weg räumen: Ich will nicht, dass Sie sich immer so verhalten, wie es Ihnen der Ratgeber vorführt. Es gelingt mir ja selbst nicht. Ich will aber, dass Ihnen bewusst ist, dass sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht, der alles oben Beschriebene miteinbezieht.

Menschen passen sich unbewusst der Welt an und schaffen sie so. Meistens geschieht dies ohne große Selbstreflexion.

Sie können es den Menschen also nicht übel nehmen, dass sie sich so verhalten. Wir sollten es nur wissen. Unser Wissen kann uns schützen. Wenn Sie dieses Buch aufmerksam gelesen haben, werden Sie gemerkt haben, dass ich Sie vor allem zu einem auffordere: Üben Sie sich in Zurückhaltung und Beobachtung. Es ist das, was uns heute am meisten fehlt.

Nichts fordert uns mehr ab, nichts zu tun, als die Geduld. Doch die Geduld wird Sie überall dort hin bringen, wohin Sie wollen.

Geduld, Zurückhaltung und Beobachtung sind das Klügste, was Sie momentan tun können. Sie werden dadurch mehr lernen, als Sie denken und Sie werden sich mehr entwickeln, als Sie jemals gehofft haben. Das ist es, worauf es jetzt ankommt. So bitter es auch klingt: Niemand interessiert sich wirklich für unsere Äußerungen. Und ausgerechnet jetzt können wir sie in die ganze Welt hinauspusten. Das muss doch schief gehen.

Aber Sie können etwas bewegen, wenn Sie gerade dann glauben, dass Sie nichts bewegen. Schon lange glauben wir nicht mehr den Worten. Ausgerechnet jetzt haben wir es nur noch nicht realisiert und huldigen den Sprechblasen wie Göttern, von denen wir uns Ruhm und Reichtum erhoffen.

Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich endlich Taten sehn!

In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen alles Gute. Und wenn Sie mich mal treffen, versuchen Sie nur, sich wie ein Arschloch zu verhalten - solange Sie keins sind, bin ich auf Ihrer Seite …

Arian Devell

Im November 2012

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