6 Beständiger Glaube

Die große Kraft, die Coretta Scott King in ihrem Leben antrieb, war ihr tiefer Glaube an Gott. Dieser Glaube fand ständig Nahrung in den unvorstellbaren Dingen, die sich ereigneten. Coretta war davon überzeugt, dass Gott durch Menschen wirkt. Zum Beispiel sagte sie über John F. Kennedys Eingreifen, als Martin in Ketten ins Staatsgefängnis Reidsville gebracht worden war: „Das ist wieder ein Zeichen von Gottes Handeln – eins von etlichen Zeichen, die ich in meinem Leben erfahren habe. Es gab Momente, in denen mein Glaube sehr angefochten war und in denen ich fast verzweifelte. Aber irgendwie ist in diesen schwarzen Momenten immer wieder eine Hoffnung aufgetaucht, ein Lichtstrahl, der meinen Weg erhellte. Ich kann weitergehen, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass es eine gerechte Sache ist, der ich mein Leben geweiht habe, und weil ich fest daran glaube, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Wahrheit und Tugend werden den Triumph davontragen.“

„Wenn ich auf meine Lebensumstände und Erfahrungen zurückschaue, bin ich mir sicher, dass alles so kommen musste“, so Coretta. Sie sah ihren Dienst und die Bedeutung, die ihr Leben erhalten hatte, nicht als etwas an, das sie selbst angestrebt hatte, sondern als etwas, das „über sie gekommen war“.

Corettas Überzeugung war typisch für die gewaltfreie Bürgerrechtsbewegung der Südstaaten. Sie war nicht die Einzige von den frühen Mitgliedern der Bewegung, die spürte, dass ihr Leben ohne ihr Zutun in diese Richtung gelenkt worden war. Viele Bürgerrechtler haben den Eindruck, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und dass dies die Antwort auf die verzweifelten Gebete der Sklaven und Afroamerikaner in den Jahren ihrer Unterdrückung in Amerika war.

Natürlich spielten Pastoren als Führer in den Kämpfen der Südstaaten eine entscheidende Rolle, und deshalb war es kein Wunder, dass die ganze Bewegung religiös gefärbt war. Die afroamerikanischen Geistlichen waren oft die Einzigen, die die nötige Freiheit besaßen, um den Kampf der Bürgerrechtsbewegung anzuführen. Sie bezogen ihr Gehalt von der afroamerikanischen Gemeinde. Ein Lehrer, ein Hausmädchen oder jeder andere Arbeiter hätte einfach entlassen werden können.

Die Pastoren der Südstaaten waren, unabhängig von Martin Luther King jr., die führenden Köpfe der Bewegung, und das wäre auch ohne ihn so geblieben. Aber Martin besaß eine außergewöhnliche Begabung. Er konnte die Anführer leiten, und er war ein weiser Mann. Er konnte einen Menschen mit seinen Eigenschaften und Schwächen einschätzen und das vorhandene Potenzial bestmöglich einsetzen. Er war der Mittelpunkt einer Gruppe von Aktivisten, die ohne ihn wahrscheinlich nicht zusammengehalten hätten.

Mit der falschen Person an der Spitze der Afroamerikaner in den Südstaaten hätte es zu einem Massenmord an den Afroamerikanern kommen können, so wie es in Vicksburg/Mississippi am 7. Dezember 1874 geschehen war. Dort waren 35 Afroamerikaner von Weißen getötet worden. Es gab genügend Weiße, die keine Skrupel hatten, Gewalt und Waffen einzusetzen, um Afroamerikanern zu zeigen, an welchen Platz sie gehörten.

Martin nutzte seinen weisen Blick und seine gute Einschätzung der Mitstreiter, um einen Mann zu seiner Unterstützung auszuwählen, der die religiöse Stimmung der Bewegung zum Ausdruck bringen konnte und der ganz gut mit der Persönlichkeit der anderen Männer harmonierte: Ralph David Abernathy. Abernathy drängte sich nie in den Vordergrund, sondern war immer darauf bedacht, dass Martin als Leiter zum Zug kam. Er legte keinen Wert auf öffentliche Anerkennung, war sehr loyal und besaß viel Humor. Wenn es Ärger gab, reiste Abernathy voraus und glättete die Wogen, sodass Martin sich nicht mit zweitrangigen Problemen herumschlagen musste, wenn er dann eintraf.

In den Jahren der Kämpfe geschahen Dinge, die den Großteil der Amerikaner entsetzten und zum Nachdenken veranlassten, während sie bei den Gläubigen nur bewirkten, dass ihre Überzeugung und Entschlossenheit wuchsen. Sie gingen auf die Straße, um gegen die Diskriminierung zu protestieren und den Mythos zu zerstören, die Afroamerikaner wären mit ihrer gegenwärtigen Lage zufrieden.

1961 organisierte die Bürgerrechtsbewegung CORE (Congress of Racial Equality)9 einen so genannten Freedom Ride, eine Tour mit Bussen und Zügen in den Südstaaten. Als die ersten Busse des Freedom Ride in Jackson/Mississippi einrollten, war jeder an Bord bereit zu sterben, damit für andere die Freiheit möglich würde. „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für die Freunde hingibt“, heißt es im Johannesevangelium, und dieser Vers beschreibt die Hingabe, mit der die Teilnehmer des Freedom Ride erfüllt waren.

In Anniston/Alabama hatten die Weißen einen Bus zerstört und die Insassen zusammengeschlagen. Ein weißer Professor aus Detroit trug durch die Misshandlung eine lebenslange Lähmung davon. Die Weißen in den Südstaaten reagierten wesentlich aggressiver auf weiße Teilnehmer der Proteste als auf afroamerikanische. Es schien ihre Wut noch zu steigern, wenn ein Weißer sich für einen Afroamerikaner einsetzte. Wenn so ein Weißer nicht schon vorher verprügelt wurde, drohte ihm das spätestens im Gefängnis durch die anderen weißen Inhaftierten in den nach Rassen getrennten Zellen. Ein afroamerikanischer Demonstrant wurde dagegen zu den anderen Afroamerikanern gesperrt, und diese wussten, dass sie unabhängig von den näheren Umständen alle im selben Boot saßen.

Mississippi galt als der Staat, in dem Afroamerikaner am schlechtesten behandelt wurden. Die Bereitschaft, einen Afroamerikaner umzubringen, weil er sich angeblich zu dreist verhalten hatte, war wesentlich größer als in jedem anderen Bundesstaat. Als man die Flüsse in Mississippi auf der Suche nach drei ermordeten Bürgerrechtlern durchsuchte, wurden die Leichen etlicher anderer Afroamerikaner gefunden, die Mordopfer geworden waren.

Nachdem die Teilnehmer des Freedom Ride bereits mit so viel Aggression konfrontiert worden waren und der Staat Mississippi in dieser Hinsicht einen sehr schlechten Ruf hatte, zweifelte kaum jemand daran, dass die Leute in den Bussen alle umkommen würden. Zu Hause bereiteten die Ehefrauen sich und ihre Kinder schon darauf vor.

Als schließlich die Nachricht die Runde machte, die Demonstranten seien festgenommen worden, aber sie seien alle unverletzt, wurde allein die Tatsache, dass sie überlebt hatten, als Wunder gefeiert. Wieder war der Glaube gestärkt worden.

Die Freedom Rides bauten die Diskriminierung im zwischenstaatlichen Verkehr ab, obwohl einige Bürgerrechtler sehr schnell betonten, dass die erkämpften Rechte – das Recht, frei zu reisen, zu essen und Toiletten und Motels zu benutzen – nur deshalb gewährt wurden, weil Busse am interstaatlichen Verkehr beteiligt waren, und nicht etwa, weil Afroamerikaner plötzlich als menschliche Wesen angesehen wurden.

Zu Beginn des Jahres 1961, als dort gerade Streikaktionen im Gange waren, wurde ein Bombenanschlag auf das Haus des Anwalts Alexander Z. Looby in Nashville verübt. Die Explosion verwüstete das Haus und zerstörte die Fensterscheiben der Fisk University und der Meharry Medical School. Eine lokale Zeitung schrieb später, dass der ganze Block zertrümmert worden wäre, wenn die Bombe ihr Ziel richtig getroffen hätte. Aber sie war nicht direkt im Haus gelandet, sondern war zu niedrig geworfen worden und war am Sockel des Hauses aufgeschlagen. Wer sich dort in der Gegend nicht auskannte, wusste nicht, dass der Block, der der Vernichtung knapp entgangen war, aus der Fisk University, der Meharry Medical School, Studentenwohnheimen, Mietshäusern, Gasthäusern und privaten Häusern bestand. Außerdem war die Meharry Medical School im Hubbard Hospital untergebracht, und dort wimmelte es von Patienten und Personal.

Ein direkter Treffer wäre eine Katastrophe gewesen und hätte verheerende Folgen für Amerika gehabt. Mr und Mrs Looby kamen ohne Verletzung davon. Dass die Bombe ihr Ziel auf diese Weise verfehlt hatte, war tatsächlich ein eindrücklicher Beweis dafür, dass jemand Böses im Sinn gehabt hatte, während Gott Gutes im Sinn hatte (siehe l.Mose 50,20). Die Afroamerikaner in Nashville spürten, dass sie einen guten Grund hatten, „dankbar für die eigenen Feinde zu sein, weil es einem hilft zu sehen, wie gut Gott es mit ihnen meint“.

Nach dem Bombenanschlag marschierten 5.000 Menschen zum Amtssitz des Bürgermeisters. Der Marsch und die Konfrontation bewirkten, dass sich das Gewissen der Weißen regte. Die Streikaktionen gingen zu Ende, und in allen Gaststätten in Nashville wurden von da an sowohl weiße als auch farbige Mitbürger bedient.

Viele Menschen wurden durch einen äußerst ungewöhnlichen Vorfall in ihrem Glauben bestärkt. Er ereignete sich in Birmingham nach dem Bombenanschlag auf die Sixteenth Street Baptist Church, bei der vier Sonntagsschulmädchen getötet worden waren.

Pastor Charles Billups führte einen Protestmarsch an. Immer wenn die Menschen auf die Straße gingen, wurden sie von Polizisten aufgehalten, die von Feuerwehrmännern mit ihren Schläuchen unterstützt wurden. Man erzählte sich, dass der Strahl aus den Feuerwehrschläuchen stark genug war, um die Rinde von einem Baum abzureißen. Gut gekleidete Menschen, die gerade aus dem Gottesdienst gekommen waren, schlossen sich Billups Marsch an. Die Gruppe wurde unterwegs wie üblich von der Polizei und den Feuerwehrmännern unter der Leitung des Polizeichefs Bull Connor aufgehalten. Der Polizeichef rief: „Im Namen des Gesetzes: Halt!“

„Im Namen des Herrn: Geht weiter!“, sagte Billups.

„Im Namen des Gesetzes: Halt!“, befahl die Polizei.

Billups ließ sich auf die Knie fallen und begann laut zu beten. Die anderen Demonstranten knieten sich ebenfalls hin. Als Billups sein Gebet beendete, liefen allen die Tränen übers Gesicht: den Demonstranten, den Feuerwehrleuten und den Polizisten. Billups stand auf und sagte: „Im Namen des Herrn: Geht weiter!“

„Dreht die Schläuche auf!“, kam der Befehl. Die Feuerwehrleute sahen auf die Polizisten und dann auf die Menschen vor ihnen.

„Dreht die Schläuche auf!“, hieß es noch einmal.

Die Feuerwehrmänner ließen ihre Schläuche fallen und gingen davon. Die Menschen marschierten mit Billups weiter im Namen des Herrn.

Wer an diesem Tag die Nachrichten im Fernsehen anschaute, konnte den Sprecher sagen hören: „Aus unbekannten Gründen wurden die Demonstranten heute nicht von den Feuerwehrschläuchen durchnässt.“ Aber diejenigen, deren Glaube durch dieses Ereignis gestärkt worden war, wussten, dass Gott sich wieder einmal auf ihre Seite gestellt hatte. Als später über den seltsamen Vorfall gesprochen wurde, konnte Billups sich nicht erinnern, wie oder was er gebetet hatte, und auch sonst konnte niemand etwas dazu sagen.

Billups war ein echtes Original und hatte sich schon für afroamerikanische Rechte eingesetzt, bevor Martin Luther King die führende Rolle in diesem Kampf übernahm. Billups wurde im November 1968 von einem unbekannten Angreifer in Chicago getötet. Seine Ermordung wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Wenn Coretta gefragt wurde, wie sie es schaffte, mit dem Druck und der Angst zu leben, antwortete sie: „Ich lebe nicht in Angst. Ich mache mir keine Gedanken darüber. In Zeiten der Anspannung denkt man mehr an die drohende Gefahr, aber dann macht man weiter, und irgendwie gewöhnt man sich daran, so zu leben.“

Coretta war froh, dass sie die Anfänge in Montgomery miterlebt hatte. „Ich finde“, sagte sie, „es ist großartig, in dieser Zeit zu leben, und ich bin Gott dankbar, dass es ihm gefallen hat, mich aktiv in diesen gewaltigen Geschehnissen zu gebrauchen.“

Zu Beginn der Protestbewegung meldeten sich einige Mitglieder der Dexter Avenue Church freiwillig dazu, abwechselnd die Nacht im Haus der Kings zu verbringen. Jemand kaufte ein Gewehr und gab es Martin. Es blieb ungefähr eine Woche im Haus, dann schaffte Martin es weg.

Bob Williams, ein Professor vom Alabama State College, war mit den Kings befreundet und übernachtete eine Zeit lang bei ihnen im Haus, nachdem der Bombenanschlag passiert war. Er schlief mit seinem Gewehr neben dem Bett. Jedes Mal, wenn draußen ein Auto anhielt, machte Bob einen Satz. Martin verfügte schließlich, dass keine Waffen mehr in sein Haus gebracht werden durften. Er erlaubte auch nicht mehr, dass irgendjemand ihn bewachte.

Trotzdem kam Coretta 1964 langsam zu der Überzeugung, Martin solle jemand haben, der ihn auf seinen Reisen begleitete, „und wenn auch nur als Zeuge, falls ihm etwas passiert“.

Martin war einverstanden. Corettas Wunsch war durch mehrere Begebenheiten veranlasst worden. Bei einer Tagung in Birmingham wurde Martin von einem Weißen ins Gesicht geschlagen. Kurze Zeit später war Martin als Redner beim Sunday Evening Club in Chicago; die Veranstaltung sollte im Fernsehen übertragen werden. Sekunden vor Beginn der Veranstaltung entdeckte Martin den Mann, der ihn geohrfeigt hatte, unter den Zuschauern. Er saß zusammen mit fünf anderen Weißen in der ersten Reihe. Es war niemand da, den Martin zu den Polizisten hätte schicken können, die im Saal waren, um für Ordnung zu sorgen.

Martin hielt seine Rede und es passierte nichts. Nachdem die Veranstaltung vorbei war, wurde Martin glücklicherweise von den Polizisten umringt. Der Mann, der Martin angegriffen hatte, näherte sich. Martin rief ihm etwas zu und dem Mann wurde klar, dass man ihn erkannt hatte. Er zog sich zurück.

Auf dem Heimweg von Selma, Alabama, wurde Martin einmal im Flugzeug von einem Weißen erkannt.

„Was machen Sie, King, lesen Sie ein Buch über sich selbst?“, spottete der Mann.

„Nein“, erwiderte Martin. „Ich lese etwas über den Steuerbescheid des Präsidenten.“

Der Mann erhob sich und fing an zu fluchen. Ein Flugbegleiter sorgte höflich dafür, dass er sich wieder hinsetzte. Doch der Mann sprang erneut auf. Da packte ihn der Flugbegleiter und schubste ihn unsanft in seinen Sitz zurück, wo er schließlich blieb.

Zufälligerweise hatte Martin diese Reise zusammen mit Bernard Lee gemacht, und von da an begleitete Bernard ihn immer bei seinen Reisen. Im Flugzeug saß Martin am Fenster und Bernard am Gang.

Corettas Glaube wurde manchmal sehr heftig geprüft. Als ihr Mann in New York mit einem spitzen Brieföffner verwundet wurde, überfiel sie zeitweilig eine große Angst. Ihr erster Gedanke war, dass er an der Verletzung sterben würde. Sie saß neben seinem Bett und betete: „Herr, wenn er auf diese Weise sterben soll, dann hilf mir, das anzunehmen.“ In der Stille ihres Zimmers weinte Coretta ihre Tränen vor Gott. Danach trat sie völlig gefasst auf.

Auch die Ermordung von Präsident Kennedy war ein schwerer Angriff auf Corettas Glauben. Sie fühlte tiefe Verzweiflung. Kennedy, der Mann, der ihr geholfen hatte, ihren Glauben zu bewahren, war tot. In diesem Moment kam es ihr vor, als wäre sein Verlust schwerer zu ertragen, als wenn jemand aus ihrer Familie gestorben wäre.

Als Coretta miterlebte, wie Martin den Friedensnobelpreis erhielt, wurde ihr klar: „Irgendwie sah ich in diesem Ereignis einen Sinn, es war, als würde alles nach einem Plan ablaufen. Da kam ich zu der Überzeugung, dass jede Erfahrung auf einer anderen aufbaut.

Die Verleihung des Preises hatte eine besondere Bedeutung für mich – dieses Erlebnis baute mich auf und stärkte mich.

Es war so, dass mir unser Engagement zunehmend Angst machte. Aber dann wurde mir klar, dass das, was ich jetzt erlebte, auch mit der Protestbewegung zusammenhing, und ich begriff, dass die Ereignisse nicht einfach einzelne Vorfälle auf der Bühne der Geschichte waren, sondern dass es einen Plan und einen Sinn für das Ganze gab.

Ich spürte, dass Gott in allem wirkte und dass er Menschen und Situationen benutzte, um durch sie seinen Plan zu erfüllen und eine bessere Welt zu erschaffen.“

In einem Artikel im New Lady Magazine, einer Zeitschrift für Schwarze, schrieb Coretta 1966: „Viele Menschen fragen mich, wie es für mich ist, dass Martin so viel durchmachen muss. Ich dachte, ich könnte mit diesen Dingen rechnen und sie so realistisch wie möglich betrachten, ohne tatsächlich mit der Erfahrung konfrontiert zu sein. Für mich war dies etwas, mit dem ich von einem Tag zum anderen leben musste. Es ist immer gegenwärtig. Eines Tages fing ich an, mir Sorgen zu machen und mich entsprechend zu verhalten. Ich wurde schwach und niedergeschlagen. Ich fragte mich, was mit mir los war, und ich wusste, ich konnte so nicht leben. Ich muss meinen Weg deutlich vor Augen haben. Ich brauche eine Art Antwort für mich. Ich kam schließlich zu der Erkenntnis, dass man Zeiten der Entwicklung durchmacht, und dann erreicht man eine Anhöhe, über die man eine Weile lang nicht hinauskommt. Ich musste meinen Mut, meine Kraft und meinen Glauben erneuern, um die zusätzliche Strecke vor mir zu schaffen. Ich musste mich auf die Tage vorbereiten, die vor mir lagen, weil ich nicht wusste, was sie mir bringen würden. Es dauerte ungefähr eine Woche, bis es mir wieder besser ging. Jetzt im Moment weiß ich nicht, wo ich stehe, aber ich glaube daran, dass Gott sein Werk tut. Wir sind Mitarbeiter Gottes und versuchen, das Königreich der Bruderliebe und des Friedens zu verwirklichen. Wenn es ihm gefällt, uns zu gebrauchen, müssen wir seinen Willen annehmen; denn wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Aus diesem Glauben gewinne ich Trost und die Kraft, weiterzumachen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Mensch seine ganze Hingabe in das setzen muss, woran er glaubt. Wenn man sich entscheidet, sich einer großen Sache zu weihen, muss man an einen Punkt kommen, an dem kein Opfer zu groß ist. Das ist die wichtigste Anforderung, die in unserem großen Kampf für die Bürgerrechte an uns gestellt wird. Ich werde mit Martin Luther King jr., meinem Ehemann, zusammenstehen, wenn er sich diesem Kampf stellt.“