2 Coretta
Coretta Scott King, auch bekannt als Mrs. Martin Luther King jr., ist seit der Zeit des Montgomery Busboykotts zum Symbol für das neue Bild der afroamerikanischen Frauen geworden. Der Boykott begann am 1. Dezember 1955.
Ein Bus, in dem 24 Afroamerikaner hinter zwölf Weißen saßen, bewegte sich langsam durch den Court Square in Montgomery/Alabama. Obwohl es an diesem Tag ungewöhnlich warm war, lag eine weihnachtliche Stimmung über dem Platz – demselben Platz, wo vor dem Bürgerkrieg Sklaven versteigert worden waren.
Unter den 24 Afroamerikanern befand sich Rosa Parks, eine attraktive Frau, die eine randlose Brille trug. Nach einem anstrengenden Arbeitstag als Näherin für das Kaufhaus Flair war sie müde. Sie saß still da.
Der Bus hielt am Empire Theater. Sechs Weiße stiegen zu. Wie es nach den Segregationsregeln, die in Alabama und im Süden praktiziert wurden, üblich war, bat der Busfahrer die afroamerikanischen Fahrgäste, ihre Plätze für die Weißen zu räumen, die eben zugestiegen waren. Drei Menschen bewegten sich sofort, aber Rosa Parks blieb auf dem ersten Platz hinter dem für die Weißen reservierten Teil sitzen, obwohl alle anderen Plätze belegt waren. Ihren Platz aufzugeben hätte bedeutet, dass sie stehen musste, während ein Weißer sich auf ihren Platz setzen würde. Rosa Parks rührte sich nicht von der Stelle. Der Fahrer bat Mrs Parks noch einmal aufzustehen, aber sie weigerte sich. Man erzählt sich, dass Rosa Parks müde Füße hatte. Später sagte sie, sie könne sich nicht daran erinnern, jemandem etwas von müden Füßen gesagt zu haben. Ihr war selbst nicht richtig klar, warum sie so handelte, aber sie entschloss sich einfach, sich nicht zu bewegen.
Ein Polizeibeamter wurde herbeigerufen und Rosa Parks wurde verhaftet, weil sie die Segregationsgesetze der Stadt verletzt hatte.
Rosa hatte sich schon mehrfach gegen das System der Rassentrennung in den Bussen gewehrt, aber bis zum 1. Dezember 1955 war sie nie verhaftet worden.
Vier Jahre vor dieser Begebenheit hatte ein Busfahrer Rosa Parks mit körperlicher Gewalt aus dem Bus befördert. Rosa war an der vorderen Tür des Busses eingestiegen, hatte vorne bezahlt und war direkt zum Bereich „Nur für Schwarze“ durchgelaufen. Sie hatte sich geweigert, auszusteigen und den Bus durch die hintere Tür wieder zu betreten.
Afroamerikaner waren verpflichtet, sich vorne im Bus den Fahrschein zu holen, dann auszusteigen und den Bus durch die hintere Tür wieder zu betreten – und das bei jedem Wetter! Dies entsprach den Verordnungen der Segregationsgesetze der Südstaaten und sollte verhindern, dass Afroamerikaner zu dicht an Weißen vorbeiliefen.
Rosa sagte, dass sie diese Regel nie befolgte. Sie ging immer direkt nach hinten durch in den Bereich „Nur für Schwarze“.
Es kam oft vor, dass ein Busfahrer losfuhr, bevor ein Afroamerikaner am Bus entlanggehen und durch die hintere Tür wieder einsteigen konnte. Der Betroffene blieb dann zurück, musste auf den nächsten Bus warten und war gezwungen, einen zweiten Fahrschein zu lösen.
Nach diesem früheren Vorfall hatte Rosa beschlossen, die Busse nicht mehr zu benutzen. Stattdessen ging sie zu Fuß. An jenem Tag stieg sie aber doch in den Bus ein, weil sie unter Zeitdruck war. Sie musste das Essen für ihre kranke Mutter und ihren Mann zubereiten und später an einem Treffen für junge Leute der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP)5 teilnehmen. Als sie in den Bus stieg, bemerkte sie nicht, dass dort derselbe Fahrer saß, der sie vor vier Jahren gewaltsam aus dem Bus geworfen hatte.
Mrs Parks, eine sehr charmante Frau mit einwandfreiem Ruf und Charakter, gehörte in der afroamerikanischen Gemeinde zu den am meisten respektierten Personen. Es war irgendwie geheimnisvoll, dass diese scheue kleine Dame ins Gefängnis musste. Dies hatte große Auswirkungen auf die afroamerikanische Gemeinde.
Dass Mrs Parks die örtlichen Rassentrennungsgesetze missachtet hatte und verhaftet worden war, schweißte die afroamerikanische Gemeinde zu einer Einheit zusammen. Die Unzufriedenheit einer ganzen afroamerikanischen Gemeinde bewegte sich in eine einzige Richtung. Zum ersten Mal nach 300 Jahren Sklaverei zog eine versammelte Gemeinde los, um die Ehre einer Afroamerikanerin zu verteidigen. Afroamerikanische Frauen kannten keinen männlichen Schutz mehr, seit man sie aus Afrika geholt und versklavt hatte. Sie bekamen erst wieder ein Gefühl davon, was männlicher Schutz bedeutete, als sich die Anführer der Gemeinde zusammenschlossen, um etwas gegen diese Behandlung von Rosa Parks zu unternehmen.
Jahrelang waren die afroamerikanischen Männer vor den Augen ihrer Frauen bedroht und eingeschüchtert worden. Meist hatten die eigenen Frauen sie angefleht, sich ruhig zu verhalten, weil sie Angst davor hatten, ihre Männer würden im Gefängnis landen oder anderweitig zu Schaden kommen, wenn sie sich wehrten. Jetzt entdeckten die afroamerikanischen Frauen eine Männlichkeit an ihren Männern, die vorher unterdrückt worden war.
Rosa Parks Verhalten war der Auslöser einer Kettenreaktion, die die größte afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten in Gang setzte und wodurch ein 26-jähriger Mann, Martin Luther King jr., seine volle Größe entfaltete. Als Rosa sich weigerte, ihren Sitzplatz herzugeben, war die Familie King gerade ein Jahr und zwei Monate in Montgomery/Alabama, der ersten Hauptstadt der Konföderation.
Durch die neue Bedeutung, die King jetzt bekam, hatten die Afroamerikaner zum ersten Mal die Gelegenheit zu sehen, wie eine afroamerikanische Frau, Coretta King, sich vorbildlich um Heim und Herd kümmerte, während ihr Mann loszog, um für Gerechtigkeit zu kämpfen.
Die Erzählungen aus der amerikanischen Geschichte, die Kinofilme, sie alle zeigen Männer, die losziehen, um dafür zu sorgen, dass für ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Land Gerechtigkeit zur Realität wird. Afroamerikanische Frauen hatten miterlebt, wie ihre Männer in den Krieg zogen und oft genug dabei umkamen. Aber sie wussten, dass es für sie keine Gerechtigkeit geben würde, solange sie in einer Gesellschaft lebten, in der Afroamerikaner ungleich behandelt werden. Die Männer, die sich in den kommenden Jahren Kings Führung unterstellten, wurden mit Polizeihunden und Feuerwehrschläuchen bekämpft, und der mögliche Tod für die Gerechtigkeit stand ihnen vor Augen. Ihnen verdanken die Kinder der afroamerikanischen Frauen ein neues Bild von amerikanischen Helden.
Coretta war die erste Afroamerikanerin, die durch ihren Mann ins Rampenlicht rückte. Franklin Delano Roosevelt hatte seine Frau Eleanor ins Blickfeld der Öffentlichkeit gebracht, und John F. Kennedy hielt dies später auch so mit Jacqueline. Endlich tat ein Afroamerikaner, Martin Luther King jr., das Gleiche.
Vor Corettas Zeit lernten die afroamerikanischen Frauen, dass sie auf eigenen Füßen stehen mussten, wenn sie sich vor der Armut schützen wollten. Für die afroamerikanischen Männer war es schwer, eine gute Stelle zu finden und zu behalten, und in dieser Situation stand für die Afroamerikanerinnen fest, dass sie allein zurechtkommen mussten. Selbst heute ist es noch so, dass mehr afroamerikanische Frauen als Männer ein College besuchen, während es bei den Weißen umgekehrt ist.
Für die afroamerikanischen Mädchen war damals Mary McLeod Bethune das große Vorbild für eine Frau, die es aus eigener Kraft geschafft hatte. Mrs McLeod stammte aus einer Sklavenfamilie und gründete 1904 ein Mädcheninstitut in Daytona Beach/Florida. Dieses Institut vereinigte sich später mit dem Cookman Institute für Männer in Jacksonville/Florida, und dadurch entstand das Bethune-Cookman College in Daytona Beach. Mrs Bethune war regelmäßig im Weißen Haus. An der Gründungskonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 1945 nahm sie als Beobachterin der Vereinigten Staaten teil. Während des Zweiten Weltkriegs unterstützte sie den Kriegsminister bei der Auswahl der Kandidatinnen für den Offiziersdienst im Woman’s Auxiliary Army Corps. Mrs Bethune starb 1955. Niemand hatte ihr den Rang als herausragende Afroamerikanerin streitig machen können, bis das neue Bild von Mrs King zu Tage trat.
Im September hatten die jungen Kings ihren ersten Pastorendienst in der Dexter Avenue Baptist Church begonnen. Die Gemeinde bestand hauptsächlich aus Fachkräften und Dozenten vom Alabama State College, einer staatlich geförderten Institution. Als der Boykott anfing, versuchte sich Coretta gerade an ihre Rolle als Pastorenfrau und an ihre neue Rolle als Mutter zu gewöhnen, nachdem sie nur zwei Wochen zuvor, am 17. November 1955, ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte.
E. D. Nixon, ein Mitglied der Gewerkschaft BSCP6, war einer der Ersten, die von Mrs Parks Verhaftung erfuhren. Er war früher einmal Vorsitzender der NAACP-Ortsgruppe von Montgomery gewesen, und Mrs Parks hatte als Sekretärin bei ihm gearbeitet. Sobald er hörte, dass sie verhaftet worden war, kümmerte er sich darum, eine Kaution für ihre Freilassung zu hinterlegen. E. D. Nixon machte sich die größten Sorgen wegen Mrs Parks Verhaftung.
Am nächsten Morgen rief Nixon Martin an und schlug vor, dass die Afroamerikaner aus Protest gegen die Verhaftung von Rosa Parks die Busse nicht mehr benutzen sollten. Martin war einverstanden.
An diesem Abend kamen Leiter und Pastoren zu einem Treffen in der Dexter Avenue Baptist Church zusammen. Die anwesenden Pastoren erklärten sich bereit, am Sonntag ihre Gemeinden über die geplante Aktion zu informieren. Als sie das Treffen verließen, wussten sie, wie ungeheuer wichtig es war, die Menschen zu diesem Boykott der Busse zu bewegen. Sie planten außerdem, 7.000 Flugblätter drucken und verteilen zu lassen, um die afroamerikanische Gemeinde von dem Boykott in Kenntnis zu setzen.
Ein Hausmädchen, das nicht lesen und schreiben konnte, bat ihre weiße Arbeitgeberin, ihr das Flugblatt vorzulesen. Die Arbeitgeberin traute ihren Augen nicht, als sie Folgendes las:
„Benutzt am Montag, dem 5. Dezember, keinen Bus, um zur Arbeit, in die Stadt, zur Schule oder sonst wohin zu kommen. Nehmt ein Taxi, lasst euch von jemandem mitnehmen oder geht zu Fuß, wenn ihr zur Arbeit müsst. Kommt zu einer Massenversammlung am Montag um 7 Uhr in die Holt Street Baptist Church, um weitere Anweisungen zu erhalten.“
Aufgebracht rief die Arbeitgeberin bei der Zeitung an. Am Samstagmorgen war der geplante Boykott auf der Titelseite. Die afroamerikanischen Leiter waren begeistert. Eine weiße Zeitung hatte weit ausführlicher über sie berichtet und mehr Notiz von ihnen genommen, als sie es erwartet hätten. Das Flugblatt war in vollem Wortlaut abgedruckt worden.
Am Vorabend des 5. Dezember 1955 wurde Coretta von ihrer Tochter Yolanda, die Martin liebevoll Yoki nannte, sehr in Anspruch genommen. Aus unerfindlichen Gründen war das Kind außergewöhnlich quengelig und fing an zu schreien. Yoki schrie und das Telefon klingelte immer wieder, und so wurde es nach Mitternacht, bis die Kings ins Bett kamen.
Am nächsten Morgen waren Coretta und Martin bereits um 5.30 Uhr wieder auf den Beinen und fertig angezogen. Sie wohnten nur ein paar Meter von der Bushaltestelle entfernt. Der erste Bus sollte gegen sechs Uhr vorbeikommen, und sie konnten es kaum erwarten zu sehen, ob es mit dem Boykott klappte oder ob er ein Fehlschlag wurde. Am Abend vorher hatten sie ausgerechnet, dass der Boykott ein Erfolg werden würde, wenn 60 Prozent der Menschen nicht mit dem Bus fahren würden.
Martin trank in der Küche seinen Kaffee aus, als Coretta ihn ans Fenster rief, weil der erste Bus gleich vorbeikommen würde. Die South Jackson-Linie, die an ihrem Haus vorbeifuhr, war eine Buslinie, die stärker als alle anderen von Afroamerikanern frequentiert wurde. Der erste Bus war normalerweise voll besetzt mit Leuten auf dem Weg zur Arbeit.
„Liebling, er ist leer!“, rief Coretta.
Der nächste Bus rollte 15 Minuten später vorbei. Er war leer. Der dritte Bus hatte nur zwei Fahrgäste, die beide Weiße waren. Im Laufe des Tages wurde offensichtlich, dass der Busboykott fast zu 100 Prozent ein Erfolg war. Überall sah man Studenten des Alabama State College, die zu Fuß oder per Anhalter zum College unterwegs waren. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung ging zu Fuß, während einige Menschen ein Taxi nahmen oder mit dem Auto fuhren. Es gab Männer, die auf Maultieren ritten, und sogar ein paar Pferdewagen wurden beobachtet.
Um 9.30 Uhr an diesem Morgen wurde Rosa Parks vor Gericht gestellt, weil sie gegen die städtischen Segregationsverordnungen verstoßen hatte. Fred Gray, ein hervorragender junger afroamerikanischer Anwalt, verteidigte Mrs Parks. Mr Gray wurde später der führende Anwalt der Protestbewegung. Mrs Parks wurde schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von zehn Dollar plus vier Dollar Gerichtskosten verurteilt. Mrs Parks legte Berufung ein. Normalerweise wurde niemand wegen eines Verstoßes gegen die Segregationsverordnungen angeklagt. Die Anklage lautete dann höchstens auf ordnungswidriges Verhalten, oder die Klage wurde abgewiesen. Mrs Parks Verurteilung war der erste eindeutige Fall eines Schuldspruchs wegen des Verstoßes gegen die Rassentrennungsgesetze, und dadurch wurde er zu einem Fall, der die Gültigkeit des Segregationsgesetzes selbst auf den Prüfstand stellte.
Nach der Gerichtsverhandlung kamen die Pastoren zusammen und berieten sich über die Frage, in welcher Form sie sich organisieren könnten, um die Protestbewegung zu steuern und zu lenken. Für 15 Uhr wurde ein Treffen geplant, bei dem die Massenversammlung am Abend in der Holt Street Baptist Church vorbereitet werden sollte. Die Gruppe kam zusammen und einigte sich darüber, wie ihre Organisation aussehen sollte. Ämter wurden verteilt. Pastor L. Roy Bennett leitete die Sitzung. Rufus Lewis schlug Martin als Vorsitzenden für die Gruppe vor. Sein Antrag wurde unterstützt, und innerhalb weniger Minuten wurde Martin Luther King jr. einstimmig gewählt.
Von Seiten der weißen Bevölkerung in Montgomery hieß es, die Weigerung von Rosa Parks, ihren Sitzplatz frei zu machen, sei ein Plan der NAACP gewesen, aber in Wirklichkeit hatte sich Rosa Parks ganz allein dazu entschieden. Allerdings waren einen Monat vor dem Boykott einige NAACP-Mitglieder auf Martin zugekommen und hatten ihn gebeten, sich als Kandidat für den Vorsitz ihrer Organisation aufstellen zu lassen. Für Martin sprach nichts dagegen, aber Coretta hatte ihn gebeten, darauf zu verzichten, denn er war schon ständig bei irgendwelchen Besprechungen, Tag und Nacht. Sie meinte, es würde einfach zu viel werden. Martin ließ sich von ihr überzeugen, und als er sich später an die Begebenheit erinnerte, sagte er: „Corettas Einspruch führte zu einer der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn als die Protestbewegung mit dem Busboykott losging, hätte ich den Vorsitz der Montgomery Improvement Association (MIA)7 kaum annehmen können, ohne bei den Weißen Öl ins Feuer zu gießen, die immer wieder behaupteten, dass die ganze Sache ein Komplott der NAACP war.“
Vor dem Abendessen ruhte sich Coretta von einem langen Tag mit vielen Telefonaten aus, als Martin nach Hause kam. Seit er am Morgen um sieben Uhr aus dem Haus gegangen war, hatten sie sich nicht mehr gesehen. Ein bisschen unsicher erzählte Martin seiner Frau, in welches neue Amt er gewählt worden war. Er wusste nicht, wie sie reagieren würde. Coretta war überrascht, aber sie wusste, welche Verantwortung sie in der afroamerikanischen Gemeinde hatten. Deshalb war sie der Ansicht, dass es für Martin unmöglich gewesen wäre, diese Aufgabe abzulehnen. „Du hast meine volle Unterstützung für alles, was du tust“, sagte sie zu ihm.
King sagte oft, dass ihm Corettas Optimismus und ihre ausgleichende Art in den folgenden Tagen einen festen Halt gaben. „Sie sah die Möglichkeiten und die Herausforderung, als Christ zu dienen, und darauf vertraute sie“, sagte er. Coretta war sich im Klaren darüber, dass sie als Eheleute weniger gemeinsame Zeit haben würden und dass sie und Yoki durch Martins neue Position in Gefahr geraten konnten. Sie ließ sich offenbar durch die drohende Gefahr nicht verunsichern.
Wenn Martin auf der Kanzel stand und sagte: „Manchmal fühle ich mich in Birmingham mutlos, manchmal fühle ich mich in Chicago mutlos“, dann wurde den Menschen bewusst, was Coretta zu leisten hatte. Sie sprachen davon, welch ungeheure Stärke und was für ein tiefes Verständnis Coretta besitzen musste, um ihren Mann immer wieder aufzubauen und zu unterstützen, wenn er mit seiner schweren Last, die er in seiner Rolle als afroamerikanischer Führer zu tragen hatte, allein zurechtkommen musste.
Am 5. Dezember verabschiedete sich Coretta um zehn vor sieben abends von Martin, der zur Massenversammlung in der Holt Street Baptist Church aufbrach. Fünf Blocks vor der Kirche gab es einen Stau, und auf beiden Straßenseiten standen die Autos Schlange. Martin stellte seinen Wagen vier Blocks vor der Kirche ab und ging zu Fuß weiter. Seit 17 Uhr hatte sich die Kirche mit Menschen gefüllt. Drei- oder viertausend Leute standen außerhalb der Kirche. Sie blieben dort und spendeten den ganzen Abend Beifall, während sie über Lautsprecher mithörten, was in der Kirche geschah.
Martin erzählte den Menschen von Rosa Parks’ Verhaftung und sprach dann weiter: „Aber es kommt eine Zeit, in der die Leute genug haben. Wir sind heute Abend hier, um denen, die uns so lang misshandelt haben, zu sagen, dass wir genug haben – genug davon, abgesondert und gedemütigt zu werden, genug davon, getreten zu werden von den brutalen Füßen der Unterdrückung.“
Sowohl aus moralischer als auch aus rechtlicher Sicht sei der Boykott gerechtfertigt, erklärte Martin, und wies darauf hin, dass die Krone der Demokratie das Recht sei, für das eigene Recht einzutreten. Er sagte, einige Menschen verglichen den Boykott mit dem Weißen Bürgerrat und dem Ku-Klux-Klan, doch bei dieser Methode des gewaltfreien Widerstands würde es keine Gesetzwidrigkeit geben. Kein Weißer würde durch einen mit Kapuzen verhüllten Mob aus seinem Haus geholt und brutal ermordet werden. Es würde keine Einschüchterung geben. Martin ermahnte die Zuhörer, Überzeugungskraft einzusetzen und keinen Zwang. Er bat dringend darum, die Menschen nicht mit Gewalt davon abzuhalten, einen Bus zu benutzen, sondern den anderen zu sagen: „Lass dich von deinem Gewissen leiten.“
„Unser Handeln muss von den grundlegendsten Prinzipien unseres christlichen Glaubens geleitet sein“, so Martin in seiner Ansprache. „Die Liebe muss das Ideal sein, das uns bestimmt. Wieder einmal hören wir die Worte von Jesus durch die Jahrhunderte schallen: ,Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, und bittet für die, die euch beleidigen.‘“
Mrs Parks wurde auf der Rednerbühne vorgestellt und erhielt stehenden Applaus von den Anwesenden. Ein neuer Geist war ins Leben gerufen worden. Eine neue Liebe war ins Leben gerufen worden. Eine neue Vorgehensweise war ins Leben gerufen worden.
Die Anhänger des Boykotts hatten drei Forderungen: Sie wollten von den Busfahrern höflich behandelt werden; die Sitzplätze sollten in der Reihenfolge, in der die Menschen zustiegen, eingenommen werden, und auf den Routen, die überwiegend von Afroamerikanern frequentiert wurden, sollten afroamerikanische Fahrer eingesetzt werden. Die Busunternehmen und die Beamten der Stadtverwaltung lehnten diese Forderungen ab.
Die Beamten der Stadt entschieden sich für eine Politik der Härte. Fahrer von Fahrgemeinschaften wurden angehalten und mussten ihren Führerschein und ihre Versicherungspapiere zeigen. Die minimalsten Verstöße wurden mit Strafzetteln geahndet. Wer als Mitfahrer an der Straße auf seinen Fahrer wartete, dem wurde angedroht, dass er als Anhalter verhaftet werden konnte. Die meisten Fahrer machten trotzdem weiter, aber einige sprangen ab, weil sie fürchteten, sie könnten ihren Führerschein verlieren oder aus der Versicherung ausgeschlossen werden. Manche gaben auch deshalb auf, weil sie spürten, dass sie angesichts der ungerechten polizeilichen Maßnahmen nicht für Gewaltfreiheit garantieren konnten.
Der vierundsiebzigste Tag des Boykotts war der 26. Januar 1956. An diesem Donnerstagnachmittag war Martin auf dem Heimweg von seinem Büro in der Kirche. Er hatte einen Freund, Robert Williams, und die Gemeindesekretärin Lilie Thomas im Auto. Unterwegs nahmen sie drei Leute mit, die in die gleiche Richtung mussten. Martin wurde von einem Polizisten angehalten und zeigte seinen Führerschein. Ein weiterer Polizeibeamter, der auf der anderen Straßenseite stand, sagte: „Das ist doch der verdammte King-Typ.“ Martin durfte weiterfahren, aber zwei Polizisten folgten ihm auf ihren Motorrädern. Drei Blocks weiter war einer davon immer noch hinter ihnen. Robert Williams mahnte Martin, vorsichtig zu fahren und sich an alle Verkehrsregeln zu halten. Martin fuhr langsam und behutsam. Als Martin anhielt, um die drei Mitfahrer aussteigen zu lassen, nahm ihn der Polizeibeamte fest, weil er angeblich 50 km/h in einer 40 km/h-Zone gefahren war. Ganz selbstverständlich stieg Martin aus dem Auto. Er bat Robert und Mrs Thomas, Coretta zu informieren.
Martin war noch nicht lange im Gefängnis, als ein Wärter ihn in einen kleinen Raum im vorderen Teil der Anstalt brachte. Dort wurden Fingerabdrücke von Martin genommen.
Als die Neuigkeit von Dr. Kings Verhaftung die Runde machte, traf Martins guter Freund Ralph David Abernathy als Erster im Gefängnis ein. Er versuchte, Martin auf Kaution freizubekommen, doch die Beamten sagten ihm, dass dazu eine beglaubigte Erklärung des Gerichts nötig sei, aus der hervorging, dass er genügend Eigentum besaß, um für die Kaution aufzukommen. Ralph wies darauf hin, dass das Gericht geschlossen war, und man sagte ihm, dann würde er eben bis zum Morgen warten müssen. Ralph fragte, ob er Martin sehen könne, und bekam zur Antwort, dass vor zehn Uhr am nächsten Morgen niemand zu Martin gelassen werden könne. Ralph, der für seine unerschütterliche Hartnäckigkeit bekannt war, fragte, ob es möglich wäre, die Kaution in bar zu bezahlen. Widerwillig bestätigte der Gefängniswärter, dass es diese Möglichkeit gab. Ralph flitzte zu seiner Kirche, um jemanden anzurufen, der das nötige Bargeld aufbringen konnte.
In der Zwischenzeit versammelte sich eine Gruppe von Afroamerikanern vor dem Gefängnis. Von allen Seiten kamen Menschen dazu, und die Menge wurde bald so groß, dass der Gefängniswärter nervös wurde. Er eilte in den Raum, in dem die Fingerabdrücke genommen wurden, sagte zu Martin, er könne gehen und brachte ihn zur Tür. Martin wurde aufgrund seines eigenen Schuldanerkenntnisses freigelassen. Der Gefängniswärter händigte ihm seine Besitztümer aus und kündigte an, dass Martins Verhandlung am Montagmorgen um 8.30 Uhr stattfinden würde. Martin wurde von einem Diakon aus seiner Kirche nach Hause gefahren, wo Coretta ihn mit einem erleichterten Kuss empfing.
Dieses Erlebnis bewirkte bei Martin eine noch größere Entschlossenheit, sich dem Freiheitskampf zu widmen. Coretta versicherte ihm, dass sie hinter ihm stand.
Tag und Nacht wurden die Kings vom Klingeln des Telefons belästigt. Mit den meisten dieser Drohanrufe und obszönen Mitteilungen musste Coretta fertig werden, da sie sehr oft mit Yoki allein zu Hause war. Jeden Tag brachte die Post beleidigende Briefe und Postkarten ins Haus.
Vier Tage nach Martins Verhaftung, am 30. Januar, saßen Coretta und Roscoe Williams im Wohnzimmer und unterhielten sich. Da hörten sie ein Geräusch. Coretta glaubte zuerst, jemand hätte einen Ziegelstein auf die Veranda geworfen, aber instinktiv dachte sie an die zweieinhalb Monate alte Yoki, die im hinteren Teil des Hauses schlief. Auf halbem Weg zu ihrer Tochter begriff Coretta, dass eine Bombe explodiert war. Für sie hörte es sich an, als sei die gesamte Vorderfront des Hauses weggerissen worden. Sie konnte die kalte Luft fühlen, die durchs Haus zog. „Jetzt ist es passiert“, sagte sie sich.
Sie dachte an Yoki, die immer noch schlief, aber dann zögerte sie einen Moment und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie überlegte, wen sie anrufen könnte. Schließlich traf sie zusammen mit Mrs Williams die Entscheidung, ins Schlafzimmer zu gehen. In dem Moment klingelte es an der Tür. Coretta wurde starr vor Angst. In diesem schrecklichen Augenblick glaubte sie, der oder die Täter würden ins Haus kommen. Sie hatte keine Ahnung, was sie mit dem Baby machen sollte. Eine Stimme rief: „Ist jemand verletzt?“ Da wusste Coretta, dass es Freunde waren, die vor der Tür standen. Sie ging ins Wohnzimmer und sah, dass einige Bekannte sich vor dem Haus versammelten.
Das Telefon klingelte. Eine Frau am anderen Ende der Leitung sagte: „Ja, ich hab es getan, und es tut mir nur leid, dass ich euch Bastarde nicht alle getötet habe!“
Der Schaden war nicht so groß, wie Coretta es zuerst befürchtet hatte. Die Bombe hatte einen Stützbalken auf der Terrasse gespalten und die Vorderfenster zerstört. Im Wohnzimmer war alles voller Scherben und Rauch.
Die Explosion war viele Blocks weiter zu hören gewesen, deshalb verbreitete sich die Nachricht von dem Anschlag sehr schnell bis zu der Massenversammlung, auf der Martin sprach. Martin fiel auf, dass die Leute ihn anschauten. Menschen kamen in die Kirche gerannt und eilten wieder hinaus. Ralph Abernathy wirkte beunruhigt. Was immer da los war, es hatte mit ihm zu tun, davon war Martin überzeugt. Er rief Abernathy, S.S. Seay und E.N. French zu sich herüber und fragte, was passiert sei. Schonend, aber ohne Umschweife teilte Abernathy ihm mit, dass eine Bombe auf sein Haus geworfen worden war. Bis zu dem Moment, als er zu Hause ankam, wusste Martin nicht, dass Coretta und Yoki nichts geschehen war. Er beruhigte sich wieder, so sagte er später, als er sah, dass seine Frau nicht verbittert, sondern völlig gefasst war. Yoki schlief während der ganzen Aufregung.
Die Menschen vor dem Haus waren sehr aufgebracht. Martin ging zu ihnen und bat sie, ihre Stöcke, Steine und Waffen wegzulegen. Er erinnerte sie daran, dass sie einen gewaltfreien Kampf führen wollten. Die Menschen gingen nach Hause.
Der Bombenanschlag bewirkte, dass Coretta ihr Gewissen sehr intensiv erforschte. Ihr Vater tauchte mitten in der Nacht auf und wollte sie und Yoki abholen, damit sie in Sicherheit wären, „bis das Ganze hier vorbei ist“, wie er sich ausdrückte.
„Ich hätte wirklich kein gutes Gefühl, wenn ich jetzt weggehen würde“, erklärte Coretta, „ich möchte lieber hier bei Martin bleiben.“
Mr. Scott hatte die Befürchtung, dass die Gegenseite bewaffnet war, und er fand, Martin solle sich etwas zurückziehen und die Leitung eine Weile lang einem anderen überlassen.
Auch Martins Vater kam und bat Coretta eindringlich, mit ihrem Vater mitzugehen. Besser ein lebendiger Hund als ein toter Löwe, argumentierte er, aber Coretta erwiderte ihm, dass ihr Platz bei Martin war.
In dieser Nacht verlor Coretta ihre Angst vor dem Sterben. Sie verschrieb sich dem Freiheitskampf noch entschiedener, als Martin es vier Tage zuvor getan hatte, nachdem er zum erste Mal in seinem Leben ins Gefängnis eingeliefert worden war.
Für Martin war diese Nacht besonders schwer. Mit Ausnahme seiner Schwester Christine riefen ihn sämtliche Familienmitglieder und Freunde dazu auf, seine Position noch einmal zu überdenken. Dass seine Frau und sein Kind dem Anschlag nur knapp entgangen waren, hatte ihn sichtlich erschüttert, aber er und Coretta beharrten auf ihrem Entschluss. Sie waren sich beide vollkommen im Klaren darüber, dass sie Angriffen und Gewalt ausgesetzt sein könnten und würden. Aber sie glaubten, dass Gott bei ihnen war. Und sie waren davon überzeugt, dass es richtig war, für diese Sache einzutreten und notfalls sogar dafür zu sterben, und so blieben sie fest.
Coretta sagte später: „Mir wurde das erste Mal klar, wie viel es Martin bedeutete, dass ich ihn bei seinen Aktionen unterstützte, als er mir am Morgen nach dem Bombenanschlag auf unser Haus beim Frühstück sagte: ,Coretta, du bist ein echter Soldat gewesen. Du warst die Einzige, die an meiner Seite stand.‘ Da wurde mir bewusst, dass ich Martin durch mein Verhalten Rückendeckung gegeben hatte, genau in dem Moment, wo er es am nötigsten gebraucht hatte.“
Trotz ihrer Entscheidung machte sich Coretta eine Weile lang große Sorgen. Auch Martin war zeitweilig frustriert. Der Gedanke, dass jemand ihn, seine Frau und sein Kind vernichten könnte, stellte ihn hart auf die Probe. Böse Ahnungen plagten ihn, als er sich zwei Wochen später auf eine auswärtige Rede vorbereitete, die er vor dem Bombenanschlag zugesagt hatte.
Sie vereinbarten, dass Coretta einige Tage bei ihren Eltern in Marion/Alabama verbringen und von dort aus zu Martins Familie nach Atlanta fahren würde. Martin wollte sie dann in Atlanta treffen und zusammen mit ihr und Yoki nach Montgomery zurückkehren. In dieser Woche, die sie bei ihren Eltern und Schwiegereltern verbrachte, war Coretta von Menschen umgeben, die alle große Angst hatten. Das bedrückte sie sehr. Die Ängstlichkeit ergriff auch von ihr Besitz.
Später erzählte sie, wie sie mit der erdrückenden Besorgnis zurechtkam, die sich in ihr breit machen wollte: „Ich konnte so nicht weiterleben. Ich wehrte mich gegen den Gedanken, mich damit zu arrangieren.“
Sie beschloss: „Ich weiß, dass wir im Recht sind, und es ist unsere Aufgabe, für das einzutreten, was wir glauben.“ Sie verbrachte sehr viel Zeit im Gebet. Schließlich kam sie an den Punkt, an dem sie sagen konnte: „Herr, hilf mir, deinen Willen zu tun und nicht meinen.“
Am 21. Februar, als der Busboykott schon drei Monate lang im Gange war, kam ein Schwurgericht zusammen und erklärte den Boykott für rechtswidrig. 100 Teilnehmer und Anführer des Boykotts wurden verhaftet. Martin hielt in Nashville/Tennessee eine Rede, als er erfuhr, dass ein Haftbefehl auf ihn ausgestellt war. Er eilte nach Atlanta, um Coretta und Yoki abzuholen. Er wollte sofort nach Montgomery fahren, um bei seinen Freunden zu sein.
Martin traf in Atlanta ein. Jetzt war für Coretta der Zeitpunkt gekommen, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren. Martins Familie versammelte sich in der Küche. Martins Mutter war sehr aufgebracht und Martins Vater wollte seinem Sohn sagen, was er zu tun hatte. Es entbrannte eine hitzige Auseinandersetzung über die Frage, ob Martin nach Montgomery zurückkehren sollte. Weil sie dachte, dass dieser Lärm Yoki Angst einjagen würde, verließ Coretta die Küche und brachte ihre Tochter in einen anderen Teil des Hauses.
Martin, der Corettas Flucht falsch interpretiert hatte, warf ihr vor, sie hätte ihn im Stich gelassen. Coretta erklärte ihm ihre Sorge um das Kind. Dann sagte sie: „Ich habe dich nicht im Stich gelassen. Und ich will dir sagen, dass für jeden Mann eine Zeit kommt, in der er seine Entscheidungen selbst treffen muss, und niemand kann ihm das abnehmen. Es kann sein, dass er ganz allein dasteht. Aber du sollst wissen, dass ich an deiner Seite sein werde, egal wie du dich entscheidest.“
Coretta und Martin kehrten nach Montgomery zurück. Martin stellte sich freiwillig.
Am 19. März fand der Prozess statt. Er dauerte vier Tage. Martin wurde für schuldig befunden, gegen das staatliche Anti-Boykott-Gesetz verstoßen zu haben. Er wurde zu einer Geldstrafe von 500 Dollar oder 386 Tagen Zwangsarbeit im Bezirksgefängnis verurteilt. Martin legte Berufung ein, und zusammen mit anderen Verurteilten wurde er gegen Kaution entlassen. Coretta und Martin verließen lächelnd den Gerichtssaal. Eine große Menschenmenge jubelte ihnen zu.
Zwei Monate später, am 11. Mai, kam es zur Revisionsanhörung beim Bundesdistriktgericht. Drei Richter hörten sich den Fall an. Sie brauchten drei Wochen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Diese Entscheidung lautete, dass die Segregationsgesetze für den Busverkehr in Montgomery gegen die Verfassung verstießen.
Die Anwälte der Stadt Montgomery trugen den Fall vor das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten. Erneut war Montgomery der Verlierer. Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof Alabamas Segregationsgesetze in Bussen für verfassungswidrig.
Nach 382 Tagen Fußmarsch für die Freiheit hatten sich 50.000 Menschen in Montgomery gegen die Ungerechtigkeit durchgesetzt.
Über ihre Erfahrungen in Montgomery sagte Coretta: „Wir konnten weder Erfolg noch Niederlage vorhersagen. Unser Glaube leitete uns, und über die Zukunft konnten wir nur spekulieren. Ich bin dankbar, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu leben und ein Leben zu haben, das anderen dient und einen Sinn hat. Nur wenige Menschen haben das Glück, dass sie ihr Leben ganz in den Dienst einer guten Sache stellen können.“
Der errungene Sieg in Montgomery und Corettas und Martins Fähigkeit, sich durch nichts von diesem Kampf abbringen zu lassen, veränderte die Sichtweise der Afroamerikaner. Coretta eroberte sich einen festen Platz in den Herzen vieler Menschen, weil sie in kritischen Momenten so viel Ruhe und Stärke bewiesen hatte. Sie war ein leuchtendes Vorbild für ihre Rasse.