21
Ich brauchte fast zwei Stunden, um den Recorder zu finden, der auf der Sonnenveranda versteckt war, die meine umgebaute Garage mit dem Haupthaus verband. Ich war mir nicht sicher, wie Daniel da hingelangt war. Vielleicht hatte er das Schloß aufgebrochen, wie ich es an seiner Stelle getan haben würde. Die Kassette war frisch. Das bedeutete, er mußte erst kürzlich hiergewesen sein, die alte Kassette herausgenommen und diese hier eingelegt haben. Ich konnte mich nicht einmal erinnern, wie das gewesen war, als er zum erstenmal hier auftauchte. Es war entsetzlich, wenn ich an all die Telefongespräche dachte, die er in den letzten paar Tagen mit angehört haben mußte. Sogar die Nachrichten, die auf meinem Anrufbeantworter eingegangen waren, mußten aufgezeichnet und weitergeleitet worden sein, ganz abgesehen von der ausführlichen Diskussion, die ich mit ihm selbst über diesen Fall geführt hatte. Er war so interessiert gewesen, hatte so geschickte Fragen gestellt. Ich war so dankbar für seine Aufmerksamkeit gewesen. Im nachhinein begriff ich jetzt, daß er auf seine Art versucht hatte, mich zu warnen. Dieses ganze Gerede darüber, welch ein Lügner er war. War jedes Wort, das er zu mir gesagt hatte, falsch gewesen? Ich hockte mich auf die Stufe meiner Hintertreppe und ging im Geiste die ganze Situation noch einmal durch. Wer hatte Daniel da hineingezogen? Lyda Case vielleicht oder auch Ebony. Die eine oder andere von ihnen war vielleicht zufällig mit Daniel zusammengetroffen, dem unmoralischen Frauenhelden, gelangweilt, ruhelos, des Lebens überdrüssig. Welchen Unterschied machte es schon für ihn, wen er verriet? Er hatte mich schon früher reingelegt. Einmal mehr konnte da nicht schaden. Es war entsetzlich, wenn ich an all die Informationen dachte, die auf diesem Kanal weitergeleitet worden waren, einfach durch Abhören, einfach dadurch, daß man meine Seite der Telefongespräche mithörte und sich einen Reim darauf machte. Vielleicht hatte Andy Motycka auf diese Weise herausgefunden, daß Darcy und ich ihm auf der Spur waren. Irgend etwas hatte ihn ja veranlaßt abzuhauen. Von Olives Tod hatten die Zeitungen erst am Tag nach seinem Verschwinden berichtet. Hatte er gewußt, was geschehen würde? Ich mußte Daniel finden.
Ich sammelte seine Gitarre, den Sender und den Kassettenrecorder ein, schob alles auf den Rücksitz meines Wagens und fing dann an, die Nachbarschaft abzusuchen, immer nach seiner Klapperkiste Ausschau haltend. Ich wohne nur einen Block vom Strand entfernt, in einer Gegend, die sich aus Motels und kleinen Bungalows zusammensetzt. Ich fing am Cabana Boulevard an und umkreiste jedes Karree, überprüfte die Wagen bei jedem Motel, suchte auf den Parkplätzen der Restaurants am Strand. Kein Zeichen von ihm. Wahrscheinlich hatte er auch gelogen, als er sagte, wo er wohnte, genau wie in allen anderen Punkten.
Um 17 Uhr gab ich es schließlich auf und fuhr heim. Wie immer war ich gezwungen, ein paar Häuser weiter zu parken. Die intensive Hitze des Tages ließ nach. Es war lau und sah nach einer milden Nacht aus. Die Sonne ging gerade unter, und die Kombination dieser Januardämmerung mit den sommerlichen Temperaturen machte mich irgendwie nervös; ich biß die Zähne zusammen. Als ich im Begriff war, in mein Tor einzubiegen, stieg mir dieser Geruch in die Nase. Ein toter Hund, dachte ich. Irgend etwas vergammelte. Ich sah die Straße entlang, rechnete damit, im Rinnstein ein armes Geschöpf zu entdecken. Statt dessen fiel mein Blick auf das Fahrzeug unter der blauen Plane gleich vor mir. Ich zögerte einen Augenblick und ging dann auf demselben Weg noch einmal zurück. Der Geruch wurde stärker. Unwillkürlich sammelte sich Speichel in meinem Mund. Ich schluckte, Tränen stiegen mir in die Augen, meine Reaktion auf Angst. Mit spitzen Fingern lüpfte ich die Plane, hob sie über die Motorhaube, bis ich durch die Windschutzscheibe ins Wageninnere spähen konnte.
Ich riß die Hand zurück, gab einen dieser Laute von mir, die sich nicht in eine menschliche Sprache übertragen lassen.
An der Scheibe vor dem Beifahrersitz lehnte das aufgedunsene Gesicht von Lyda Case. Die Augen traten aus den Höhlen, die Zunge war dick, rund und dunkel wie bei einem Papagei ragte sie leicht zwischen verquollenen, dunkel angelaufenen Lippen hervor. Ein mit einem Surfing-Motiv grell bedruckter Schal verschwand fast in dem formlosen Fleisch ihres Halses. Ich zog die Plane wieder über die Scheibe und ging geradewegs zu meinem Telefon, wählte 911 und meldete die Leiche. Meine Stimme klang leise und gefühllos, aber meine Hände zitterten erbärmlich. Der Anblick von Lydas Gesicht tanzte noch vor mir in der Luft, eine Vision des Todes, verbunden mit dem Geruch von Verwesung. Man versicherte mir, daß bereits jemand auf dem Weg sei.
Ich ging wieder hinaus auf die Straße, hockte mich auf den Bordstein und wartete auf die Polizisten, bewachte Lydas Leiche wie ein armer, treuer alter Hund. Ich glaube, keine vier Minuten vergingen, als auch schon der schwarz-weiße Wagen um die Ecke bog. Ich stand auf und trat auf die Straße, hielt einen Arm hoch wie ein Schülerlotse.
Die beiden uniformierten Beamten, die ausstiegen, kannte ich. Pettigrew und Gutierrez, männlich und weiblich. Ich wußte, daß sie schon Schlimmeres als Lyda Case gesehen hatten... welcher Streifenpolizist hatte das nicht? ... Aber diese Tote hatte etwas Abstoßendes an sich. Sie sah aus, als wäre sie genau so hingesetzt worden, um das Entsetzen noch zu vergrößern. Diese Nachricht galt mir... zynische und makabre Arroganz, eine Eskalation zwischen diesem Mörder und mir. Olives Tod hatte ich noch nicht auf mich persönlich bezogen. Ich hatte ihn als Verlust empfunden, aber ich hatte nicht geglaubt, in irgendeiner Weise selbst gemeint gewesen zu sein. Meine Anwesenheit dort, als die Bombe losging, war rein zufällig gewesen. Das hier war etwas anderes. Das zielte auf mich ab. Jemand wußte, wo ich wohnte. Jemand hatte besondere Vorkehrungen getroffen, um die Tote hierherzubringen.
Die beiden nächsten Stunden waren angefüllt mit polizeilichen Routinemaßnahmen, trostreichen Prozeduren, so festgelegt wie ein Tanz. Jemand anderer mußte die ganze Verantwortung übernehmen. Lieutenant Dolan erschien. Ich beantwortete Fragen. Der Wagen stellte sich als ein weiterer Leihwagen heraus, diesmal Hertz anstelle von Rent-A-Ruin. Ich hatte ihn an diesem Morgen zum erstenmal bemerkt, wenn ich mich recht erinnerte. Nein, ich hatte ihn nie zuvor gesehen. Nein, mir waren keine Fremden in dieser Gegend aufgefallen. Ja, ich wußte, wer sie war, aber sie hatte sich nicht bei mir gemeldet. Nein, ich hatte keine Ahnung, wann oder warum sie in die Stadt gekommen war, abgesehen davon, daß sie Terry Kohler erzählt hatte, sie hätte Informationen für ihn. Dolan hatte mit uns am Bird Refuge gewartet, wußte also, daß sie nicht gekommen war. Wahrscheinlich war sie da schon tot gewesen, hatte ihr Fleisch angefangen, in diesem Ofen von einem verschlossenen Auto zu backen.
Aus dem Augenwinkel sah ich zu, wie der Arzt eine erste Untersuchung des Leichnams abschloß. Die Autotüren standen offen, die nähere Umgebung war erfüllt vom Gestank der Toten. Es war inzwischen völlig dunkel, und die Nachbarn machten einen großen Bogen um die Szene, beobachteten aber alles von den Veranden zu beiden Seiten der Straße aus. Einige von ihnen trugen noch Arbeitskleidung. Viele hielten sich Taschentücher vor die Nasen, um sich vor dem Geruch zu schützen. Die Beamten, die direkt mit der Toten zu tun hatten, trugen Gesichtsmasken. Lampen waren aufgestellt worden, die Fingerabdruckspezialisten untersuchten jeden Zentimeter des dunkelblauen Fahrzeugs mit weißem Pulver und Pinseln. Türgriffe, Fenster, Armaturenbrett, Lenkrad, Schalthebel, Kunststoffbezüge der Sitze. Da der Leihwagen zwischen den einzelnen Kunden wahrscheinlich gereinigt wurde, bestand eine gute Chance, wichtige Fingerabdrücke zu finden. Auf jeden Fall sollten sie leicht zuzuordnen sein.
Pettigrew war in meine Wohnung gegangen, um sich telefonisch mit dem Manager von Hertz in Verbindung zu setzen.
Lyda wurde in eine Hülle geschoben. Die Case, die sich unter ihrer Haut angesammelt hatten, ließen sie so aussehen, als hätte sie plötzlich fünfzig Pfund zugenommen, und einen Moment lang hatte ich die groteske Befürchtung, sie könnte platzen. Ich stand abrupt auf und ging hinein. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein und kippte es hinunter wie Wasser. Officer Pettigrew beendete sein Gespräch und legte auf.
»Ich werde jetzt duschen, wenn niemand etwas dagegen hat.« Ohne eine Antwort abzuwarten, holte ich mir eine Abfalltüte aus der Küche, schloß mich im Bad ein und zog mich aus; ließ alles, was ich getragen hatte, einschließlich meiner Schuhe, in die Plastiktüte fallen. Ich band sie fest zu und stellte sie vor die Badezimmertür. Dann duschte ich. Ich wusch mir das Haar. Als ich fertig war, wickelte ich mich in ein Handtuch und musterte mein Gesicht im Spiegel. Ich konnte die Bilder nicht abschütteln. Lydas Züge schoben sich vor meine eigenen, ihr Gestank lag im Wettstreit mit dem Geruch von Shampoo und Seife. Nie war mir meine eigene Sterblichkeit so bewußt gewesen. Mein Ich schien sich zusammenzuziehen. Es gibt nichts, was für einen Menschen so erstaunlich oder so beleidigend wäre wie die Vorstellung, eines Tages nicht mehr zu »sein«. Daraus entspringt Religion, aber deren Art von Trost kann ich nicht akzeptieren.
Um 21 Uhr war wieder alles beim alten in der Nachbarschaft. Ein paar Fingerabdrücke, darunter auch ein teilweiser Handabdruck, waren im Wagen gefunden worden, der inzwischen auf den Polizeiparkplatz geschleppt worden war. Der Manager von Hertz war gekommen, und der Spezialist hatte ihm die Fingerabdrücke ebenso abgenommen wie mir, des Vergleichs wegen. Die Beamten der Spurensicherung würden den Wagen noch einmal gründlich durchgehen und dann versuchen, Spuren zu verfolgen.
Zu Hause hielt ich es nicht aus. Jegliches Gefühl von Sicherheit und Zurückgezogenheit war mir durch Lydas Gesicht genommen worden, das so zu meiner Haustür hin gedreht worden war, daß es so aussah, als wollte sie diese beobachten. Ich schlüpfte in einen Blouson und schnappte mir die Handtasche. Dann stopfte ich auf meinem Weg nach draußen den Sack mit Kleidern in Henrys Mülltonne. Wieder suchte ich die Nachbarschaft nach Daniels Wagen ab, besuchte dieselben Restaurantparkplätze, dieselben Motels. Noch immer lag seine Gitarre hinten bei mir auf dem Rücksitz, und ich glaubte nicht, daß er die Stadt verlassen würde, ohne sie zu holen.
Ich gelangte auf die Ocean View, von der aus man in Wirklichkeit nur einen Blick auf die Rückseite des Motels dort hatte. Daniels alter Wagen parkte vor Zimmer 16, Erdgeschoß. Daneben stand ein kleines, rotes Alfa-Romeo-Cabrio. Ungläubig starrte ich es an, als ich auf den Parkplatz einbog. Ich schloß meinen Wagen ab, blieb kurz stehen und schaute im Handschuhfach des Alfas nach, auf wen er zugelassen war. Es überraschte mich nicht mehr, daß er Ashley Wood gehörte. O Mann!
Ich klopfte an Daniels Tür. Drinnen brannte Licht, aber ich mußte dennoch lange warten. Ich dachte schon, sie wären vielleicht irgendwohin zum Essen gegangen, als sich die Tür öffnete und Daniel heraussah. Er war barfuß und ohne Hemd, hatte nur verblichene Jeans angezogen. Schmalhüftig und sonnengebräunt stand er vor mir, das blonde Haar zerzaust, als hätte er geschlafen. Seine Wangen waren gerötet, die Falten um seine Augen verschwunden. Er sah zehn Jahre jünger aus. Wenn er überrascht war, mich zu sehen, so ließ er es sich nicht anmerken.
»Hast du etwas dagegen, daß ich reinkomme?« fragte ich.
Er zögerte nur leicht und trat dann beiseite. Ich betrat das Zimmer und bemerkte mit grimmigem Amüsement, daß die Badezimmertür geschlossen war. Der Geruch von Sex hing noch in der Luft wie Ozon nach einem Gewitter.
»Ich habe deine Gitarre im Auto.«
»Das wäre nicht nötig gewesen. Ich habe dir doch gesagt, ich würde sie abholen.«
»Kein Problem. Ich wollte sowieso noch einmal mit dir reden.« Ich schleuderte durchs Zimmer, bemerkte den Stummel eines Joints im Aschenbecher. »Großer Gott, du hast wohl keine Zeit verloren, was?« bemerkte ich.
Sein Blick war wachsam. Er kannte mich gut genug, um zu bemerken, daß ich schlecht gelaunt war. »Was hast du? Ich bin im Augenblick nicht frei«, erklärte er.
Ich lächelte, fragte mich, ob er das wörtlich meinte. Fesseln waren nie Teil seines sexuellen Programms gewesen, aber wer wußte, wohin Ashs Vorlieben zielten? »Ich habe den Sender gefunden. Der Kassettenrecorder ist zusammen mit der Gitarre im Auto. Ich wollte es alles vom Pier werfen, aber ich bin wohl zu nett. Ich muß sagen, Daniel, du hast Mut. Es gehört schon eine ganze Portion Nerven dazu, wieder in mein Leben zu tanzen und mich noch einmal zu verraten.«
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, aber wenigstens verfügte er über genug Anstand, um nichts abzustreiten.
Ich ging zum Bad und öffnete die Tür.
Bass stand drin. Etwas wie Schmerz durchfuhr mich, gefolgt von dem Verlust jeglichen Gefühls. In diesem Augenblick der Erkenntnis konnte ich nicht einmal mehr Wut empfinden. Ich dachte an das letztemal, als ich die beiden zusammen gesehen hatte... bei Bass’ Feier zu seinem einundzwanzigsten Geburtstag, drüben im Country Club. Daniels Jazz-Combo hatte bei diesem Anlaß gespielt, und ich war auch eingeladen, weil ich Ash kannte. Zwei Wochen später war Daniel verschwunden, ohne auch nur »auf Wiedersehen« zu sagen. Jetzt sah ich mich dem Grund gegenüber. Wer hatte hier wen verführt, fragte ich mich. Daniel war dreizehn Jahre älter als Bass, aber das war irrelevant. Nicht, daß überhaupt etwas wichtig gewesen wäre. Die Leidenschaft hatte die Luft hier im Zimmer in Ionen zerlegt. Mir wurde fast schwindlig, als ich sie einatmete.
Bass hatte sich ein Tuch um die Taille geschlungen. Ich ertappte mich dabei, daß ich diesen Körper prüfte, den Daniel dem meinen vorgezogen hatte. Bass war blaß, schmal in der Brust, aber er hielt sich perfekt, als er an mir vorbeiging.
»Hallo, Kinsey.« Er blieb am Aschenbecher stehen und holte den Joint heraus. Er legte den Kopf schräg und zündete den Stummel mit einem Einwegfeuerzeug an. Er zog einmal und hielt ihn dann Daniel hin, der mit einem leichten Kopfschütteln ablehnte. Die Blicke der beiden Männer tauchten ineinander, so voller Zärtlichkeit, daß ich die Augen niederschlug.
Bass sah mich an. »Was bringt dich hierher?«
»Lyda Case ist tot.«
»Wer?«
»Komm schon, Bass, hör auf mit dem Quatsch. Sie war mit Hugh Case verheiratet, der für Wood/Warren gearbeitet hat. So schnell hast du ihn bestimmt nicht vergessen.«
Bass legte den Joint hin und ging zum Bett. Er streckte sich aus, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Das Haar in seinen Achselhöhlen war seidig und schwarz, und ich konnte Bißspuren an seinem Hals entdecken. Wenn er sprach, dann in sanftem, entspanntem Ton. »Kein Grund, gemein zu werden. Ich bin seit Jahren nicht mehr hier gewesen. Das hat überhaupt nichts mit mir zu tun. Das geht um dich.«
»Um mich? Blödsinn! Ich bin nur wegen California Fidelity bei dieser Sache gelandet.«
»Das habe ich gehört. Das Büro des Distriktstaatsanwalts hat sich mit Mutter in Verbindung gesetzt. Man wirft dir Versicherungsbetrug vor.«
»Und du glaubst das.«
»He, ich kann es verstehen. Lance saß in der Patsche und brauchte dringend Geld. Das Lagerhaus abzubrennen war besser als ein Bankkredit. Er brauchte nur ein bißchen Hilfe von dir.«
»Ach, wirklich? Für jemanden, der nicht hier gewesen ist, scheinst du ja gut informiert zu sein. Wer hat dir das alles erzählt?«
»Was geht das dich an?«
»Du kannst nicht einfach alles glauben, was du hörst, Bass. Manchmal kann man seinen eigenen Augen nicht trauen. Hier geht irgend etwas vor, und keiner von uns war klug genug, herauszufinden, was.«
»Ich bin sicher, du findest noch etwas. Ich habe gehört, du wärest sehr gut auf deinem Gebiet.«
Ich sah zu Daniel hinüber. »Wie bist du in diese Sache hineingeraten?«
Daniel schien unsicher, was er antworten sollte, und so erledigte Bass das für ihn. »Wir mußten wissen, was hier vorging. Offensichtlich wolltest du es uns nicht erzählen, also mußten wir andere Wege einschlagen.« Er machte eine kurze Pause, ehe er achselzuckend fortfuhr: »Wir übergeben die Kassetten natürlich dem Distriktstaatsanwalt.«
»Jaja, natürlich. Wer wir?«
»Darüber möchte ich lieber nicht reden, für den Fall, daß du dazu neigst, es weiterzuerzählen. Tatsache ist, ich kannte Daniel, und er kannte dich, und es schien die logsiche Art, Informationen zu sammeln.«
»Und Andy Motycka? Was hat er damit zu tun?«
»Ich kenne da keine Einzelheiten. Warum sagst du es mir nicht?«
»Nun, ich kenne auch keine Einzelheiten, Bass. Ich vermute, daß jemand Andy erpreßt hat. Vielleicht wurde er nervös, als er herausfand, daß Darcy und ich ihm auf den Fersen waren. Oder aber er hat Wind von Olives Tod bekommen und hatte das Gefühl, daß das mehr war, als er haben wollte. Auf jeden Fall sieht es so aus, als hätte er die Stadt verlassen — außer, er ist auch umgebracht worden. Beunruhigt es dich nicht, daß Lyda Case gestorben ist? Macht es dir nichts aus, daß Olive tot ist?«
»Warum sollte es? Ich kannte die Dame nicht persönlich. Klar tut es mir leid, daß sie tot ist, aber ich hatte nicht das geringste damit zu tun.«
»Woher weißt du, daß du nicht der Nächste bist, Bass? Oder vielleicht der liebe Daniel hier? Wenn du dir keine Kopfschmerzen wegen Olive machst, dann denk wenigstens einmal über deine eigene Verwundbarkeit nach. Du hast es mit jemandem zu tun, der immer weniger zu verlieren hat.«
»Wie kommst du darauf, er wüßte, wer es gewesen ist?« fragte Daniel.
»Wie kommst du darauf, er wüßte es nicht?« gab ich zurück.