9

Das Hub ist eine Bar mit dem Ambiente eines umgebauten Warenhauses. Sie ist zu geräumig für Kameradschaft, die Luft zu kühl für Entspannung. Die Decke ist hoch, schwarz gestrichen und von einem Netzwerk aus Rohren und elektrischen Leitungen überzogen. Die Tische im Hauptraum sind spärlich verteilt, an den Wänden hängen alte Schwarzweißaufnahmen der Bar und ihrer wechselnden Kunden aus den vergangenen Jahren. Durch einen breiten Torbogen gelangt man in einen kleineren Raum mit vier Billardtischen. Die Musicbox ist massig, mit gelben, grünen und kirschroten Streifen und blinkenden Lichtern. Für einen Samstagabend war die Bar erstaunlich leer. Eine Willie-Nelson-Platte lief, aber es war keine, die ich kannte.

Ich war die einzige Lrau in der Bar und konnte spüren, wie die Aufmerksamkeit der Männer sich voll spröder Vorsicht mir zuwandte. Ich blieb stehen, kam mir vor, als würde ich beschnuppert, als wäre ich ein Hund in einer fremden Nachbarschaft. Zigarettendunst hing in der Luft, und man sah in dem trüben Licht die Silhouetten der Männer, die sich mit ihren Queues über die Billardtische beugten. Ich erkannte Billy Polo an dem großen Wust von Haaren um seinen Kopf. Auf gerichtet war er größer, als ich es mir vorgestellt hatte, mit breiten, harten Schultern und schmalen Hüften. Er spielte mit einem mexikanischen Jugendlichen von vielleicht zweiundzwanzig Jahren, der ein hageres Gesicht, tätowierte Arme und eine kümmerliche Brust hatte, von der man einen Streifen sehen konnte, da er sein Hawaiihemd bis zur Taille offen trug. Er präsentierte stolz ungefähr sechs Brusthaare in einer seichten Vertiefung in der Mitte seines Brustbeins.

Ich ging zum Tisch hinüber, stand da und wartete, daß Billy sein Spiel beendete. Er warf einen kurzen, desinteressierten Blick zu mir herüber und brachte den Spielball auf eine Linie mit dem Sechserball, den er geschickt in eine Seitentasche spielte. Ohne eine Pause einzulegen, ging er um den Tisch herum und feuerte den Zweierball wie eine Kugel in die Ecktasche. Er rieb seinen Queue mit Kreide ein und betrachtete den Dreierball. Er prüfte einen Winkel, verwarf ihn und stieß schließlich so zu, daß der Dreierball wie eine Rakete in die Seitentasche schoß, während der Fünferball zur Seite bis kurz vor die Ecktasche rollte, dort hing und schließlich hineinfiel. Die Spur eines Lächelns zeigte sich auf Billys Gesicht, aber er blickte nicht auf.

Währenddessen stand der kleine Mexikaner auf sein Queue gestützt da und grinste mich an. Er formte mit den Lippen die Worte »Ich liebe dich«. Einer seiner Schneidezähne war in Gold gefaßt wie in einen Bilderrahmen, und an seinem Kinn prangte ein blauer Kreidefleck. Hinter ihm räumte Billy den Tisch ab und stellte sein Queue zurück in das Regal an der Wand. Im Vorbeigehen zupfte er einen 20-Dollar-Schein aus der Hemdtasche des Jünglings und stopfte ihn in seine eigene. Mit abgewandtem Gesicht meinte er dann: »Sind Sie die Braut, die mich vorhin bei meiner Mom gesucht hat?«

»Richtig. Ich bin eine Freundin von John Daggett.«

Er legte den Kopf schief, kniff die Augen zusammen und legte eine Hand hinter sein Ohr. »Von wem?«

Ich lächelte nur. Wir spielten scheinbar Scharade. Ich wurde lauter, als ich erneut verkündete: »Daggett. John.«

»Ach so, der. Wie geht’s dem so?« Er fing an, leicht mit den Fingern im Takt der Musik zu schnippen, die von Willie Nelson zu George Benson gewechselt hatte.

»Er ist tot.«

Ich mußte ihm ein Kompliment machen. Er brachte, ohne zu übertreiben, eine hübsche Imitation leichter Überraschung zustande. »Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen. Daggett und tot? Zu schade. Was ist dem Kerl denn passiert, Herzanfall?«

»Ertrunken. Ist erst gestern nacht passiert, unten im Jachthafen.« Ich wies mit dem Daumen über die Schulter in Richtung auf den Strand, damit er wußte, welchen Jachthafen ich meinte.

»Hier in der Stadt? He, das ist hart. Das hab ich nicht gewußt. Das letzte, was ich hörte, war, daß er in L. A. ist.«

»Ich bin überrascht, daß Sie es nicht in den Nachrichten gehört haben.«

»Na ja, ich achte nie auf diesen Blödsinn, wissen Sie. Regt mich bloß auf. Ich kann mit meiner Zeit was Besseres anfangen.«

Sein Blick wanderte überall herum, den Körper hatte er halb abgewandt. Ich mußte vermuten, daß er damit beschäftigt war, herauszufinden, wer ich war und was ich wollte. Er warf mir einen flüchtigen Blick zu. »Tut mir leid. Ich hab Ihren Namen nicht mitbekommen.«

»Kinsey Millhone.«

Er musterte mich oberflächlich. »Ich dachte, meine Mom hätte gesagt, Sie heißen Charlene.«

Ich schüttelte den Kopf. »Wie kommt sie denn darauf.«

»Und was tun Sie?«

»Nachforschungen betreiben. Freiberuflich. Warum?«

»Sie sehen nicht aus wie ‘ne Freundin von Daggett. Der war, wie soll ich sagen, Unterschicht. Sie haben zu viel Klasse für Abschaum wie den.«

»Ich habe nicht gesagt, daß wir uns nahestanden. Ich habe ihn kürzlich durch den Freund einer Freundin kennengelernt.«

»Warum erzählen Sie das mir? Das kümmert mich einen Dreck.«

»Tut mir leid, das zu hören. Daggett hat gesagt, wenn ihm irgendwas passiert, soll ich mit Ihnen reden.«

»Mit mir? Nee«, staunte er. »Das ist wirklich komisch. Sie müssen mich mit jemand anderem verwechseln. Ich meine, ich kannte Daggett, aber ich habe ihn nicht richtig gekannt, verstehn Sie?«

»Seltsam. Er hat mir erzählt, Sie wären die besten Freunde gewesen.«

Er lächelte und schüttelte den Kopf. »Da hat der alte Daggett Ihnen einen Bären aufgebunden, Süße. Ich hab keine Ahnung. Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, wann ich ihn das letzte Mal gesehn hab. Ist lange her.«

»Bei welcher Gelegenheit war das?«

Er schaute zu dem mexikanischen Jüngling hinüber, der schamlos die Ohren spitzte. »Dich krieg ich später, Mann«, sagte er zu ihm. Dann leise und voller Abscheu: »Paco.« Scheinbar war das eine generelle Beleidigung, die für alle hispanischen Bürger galt.

Er berührte mich am Ellbogen und steuerte mich in den anderen Raum.

»Diese Bohnenfresser sind doch alle gleich«, vertraute er mir an. »Glauben, sie wüßten, wie man Billard spielt, und dabei haben sie keine Ahnung. Ich red nicht gern vor Mexen über persönliche Dinge. Darf ich Sie zu ‘nem Bier einladen?«

»Klar.«

Er wies auf einen leeren Tisch und rückte einen Stuhl für mich zurecht. Ich hängte meinen Regenmantel über die Lehne und setzte mich. Er fing den Blick des Barkeepers auf und hielt zwei Finger hoch. Der Mann zog zwei Bierflaschen hervor, öffnete sie und stellte sie auf die Bar.

»Wollen Sie sonst noch was? Kartoffelchips? Die machen hier auch wirklich gute Pommes. Bißchen fett, aber gut.«

Ich schüttelte den Kopf und beobachtete ihn mit Interesse. Aus der Nähe strahlte er merkwürdig viel Charisma aus... eine grobe Sinnlichkeit, deren er sich wahrscheinlich nicht einmal bewußt war. Ich treffe manchmal solche Männer, und dieses Phänomen überrascht mich immer wieder.

Er schlenderte hinüber und holte die Flaschen, ließ ein paar zerknitterte Geldscheine auf die Bar fallen. Dann sagte er etwas zu dem Barkeeper und wartete, während der Knabe ein Glas auf jede Flasche hängte und dabei ein schiefes Lächeln in meine Richtung schickte.

Billy kam zum Tisch zurück und setzte sich. »Himmel, wenn man in dieser Kneipe nach ‘nem Glas fragt, behandeln die einen, als wär man plötzlich hochnäsig. Primitive Typen das. Ich häng nur hier herum, weil meine Schwester dreimal die Woche hier arbeitet.«

Aha, dachte ich, die Frau aus dem Wohnwagen.

Er schenkte ein Bier ein, schob das Glas zu mir herüber und ließ sich Zeit damit, sein eigenes einzuschenken. Seine Augen lagen tief in den Höhlen, und er hatte Grübchen, die zu beiden Seiten seines Mundes eine Falte bildeten.

»Hören Sie, ich seh Ihnen an, daß Sie entschieden haben, ich wüßte was, was ich wirklich nicht weiß. Die Wahrheit ist, ich mochte Daggett nicht sonderlich, und ich glaube, er mochte mich auch nicht. Ich hab keine Ahnung, woher Sie diesen Blödsinn haben, ich wäre ‘n Freund von ihm gewesen, aber von ihm bestimmt nicht.«

»Sie haben ihn doch Montag morgen angerufen, oder?«

»Hmhm. Ich nicht. Warum sollte ich ihn anrufen?«

Ich fuhr fort, als hätte er überhaupt nichts gesagt. »Ich weiß nicht, was Sie ihm erzählt haben, aber er hatte Angst.«

»Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen. Muß jemand anders gewesen sein. Was hat er überhaupt hier gemacht?«

»Ich weiß nicht. Seine Leiche wurde heute morgen mit der Brandung angespült. Ich dachte, den Rest könnten Sie mir vielleicht erzählen. Haben Sie eine Ahnung, wo er gestern abend war?«

»Nee, überhaupt nicht.« Er interessierte sich für ein Staubkorn im Schaum auf seinem Bier, und das mußte er jetzt herauspicken.

»Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen? Ich glaube, das haben Sie mir noch nicht gesagt.«

Sein Ton wurde witzig. »Oje, ich hab meinen Terminkalender nicht bei mir. Andernfalls könnte ich es nachschlagen. Wir könnten zusammen gegessen haben, in einem kleinen, etwas abseits gelegenen Ort, nur er und ich.«

»San Luis vielleicht?«

Eine kurze Pause entstand, und sein Lächeln wurde um ein paar Watt dunkler. »Ich war zusammen mit ihm in San Luis«, sagte er vorsichtig. »Ich und dreitausendsiebenhundert andere. Also?«

»Ich dachte, Sie wären vielleicht in Verbindung geblieben.«

»Ich sagte doch schon, ich kannte Daggett nicht so gut. Mit ihm zusammenzusein ist genauso, als wenn Sie mit Hundescheiße am Schuh rumlaufen, verstehn Sie? Nicht grade das, was man sich wünscht.«

»Wen kannte er sonst noch hier in der Stadt?«

»Da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Nicht meine Aufgabe, jemandem auf der Spur zu bleiben.«

»Was ist mit Ihrer Schwester? Kannte er sie?«

»Coral? Wirklich nicht. Die treibt sich nicht mit solchen Nichtsnutzen rum. Ich würd ihr den Hals umdrehen. Ich begreife nicht, warum Sie immer weiterbohren müssen. Ich hab Ihnen doch gesagt, ich weiß überhaupt nichts. Ich hab ihn nicht gesehen, nichts von ihm gehört. Warum glauben Sie mir nicht einfach?«

»Weil ich nicht glaube, daß Sie die Wahrheit sagen.«

»Wer sagt das? Ich meine, Sie sind doch hierhergekommen und haben mich gesucht, oder? Ich muß nicht mit Ihnen reden. Ich tue Ihnen einen Gefallen. Ich weiß nicht, wer Sie sind. Ich weiß nicht mal, was Sie überhaupt vorhaben.«

Ich schüttelte den Kopf und lächelte leicht. »Großer Gott, Billy. So ein Unsinn. Ich hätte nicht gedacht, daß Sie mit Frauen so umgehen. Ich bin entsetzt.«

»Jetzt machen Sie sich wohl über mich lustig, was?« Er musterte mein Gesicht. »Sind Sie bei der Polizei?«

Ich fuhr mit dem Daumennagel an der Flasche entlang, riß einen Streifen des Etiketts dabei ab. »Bin ich tatsächlich.«

Er schnaubte. Jetzt hatte er genug gehört. »Ach, kommen Sie.«

»Ich bin Privatdetektiv.«

»Quatsch.«

»Tatsache.«

Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, amüsiert, weil ich versuchte, ihm eine solche Lüge aufzutischen. »Himmel, das ist zuviel. Was glauben Sie eigentlich, mit wem Sie reden? Ich mag blind und taub sein, aber ich bin nicht von gestern. Ich kenne die Privatdetektive in der Stadt, und Sie sind keiner davon, also versuchen Sie’s mit was anderem.«

Ich lachte. »Also schön, bin ich nicht. Vielleicht bin ich einfach bloß ein neugieriges Huhn, das mehr vom Tod eines Mannes erfahren will, den ich einmal getroffen habe.«

»Also, das würd ich Ihnen ja noch abnehmen, aber es erklärt auch nicht, warum Sie sich in meinen Fall verbeißen.«

»Sie haben ihn doch mit Lovella bekannt gemacht, nicht wahr?«

Das ließ ihn momentan verstummen. »Sie kennen Lovella?«

»Klar doch. Hab sie in L. A. kennengelernt. Sie hat eine Wohnung in der Sawtelle Street.«

»Wann war das?«

»Vorgestern.«

»So was. Und die hat Ihnen gesagt, Sie sollten zu mir kommen?«

»Woher sollte ich sonst wissen, wo Sie waren?«

Er starrte mich an, kämpfte innerlich mit sich.

Ich dachte, etwas List und Tücke könnte vielleicht seine Zunge lösen. »Sind Sie sich im klaren darüber, daß Daggett sie halbtot geprügelt hat?«

Das machte ihn unruhig, und er schlug die Augen nieder. »Äh, nun, Lovella ist ein großes Mädchen. Sie muß lernen, selbst für sich zu sorgen.«

»Warum helfen Sie ihr nicht?«

Er lächelte bitter. »Ich kenne Leute, die würden bei der Vorstellung lachen, daß ich jemand helfen soll«, meinte er. »Außerdem ist die hart im Nehmen. Die sollten Sie nicht unterschätzen.«

»Kennen Sie sie schon lange?«

Sein Knie hatte zu zucken angefangen. »Sieben, acht Jahre vielleicht. Hab sie kennengelernt, als sie siebzehn war. Wir haben ‘ne Weile zusammengelebt, aber das ging nicht gut. Sind uns zu oft in die Haare geraten. Sie ist echt stur, aber ich hab sie geliebt. Dann flog ich auf, Diebstahl, und sie und ich, Himmel, ich weiß nicht, was es war. Wir haben uns noch ‘ne Weile geschrieben, aber man kann so was nicht wieder aufleben lassen, wenn es erst mal tot ist, nicht wahr? Auf jeden Fall sind wir jetzt wohl Freunde. Zumindest mag ich sie. Ich weiß nicht, wie sie über mich denkt.«

»Haben Sie sie in letzter Zeit gesehen?«

Das Knie beruhigte sich. »Nein. Aber was ist mit Ihnen? Warum sind Sie dahin gefahren?«

»Hab nach Daggett gesucht. Das Telefon war abgeschaltet.«

»Was hat sie genau gesagt?«

Ich zuckte die Achseln. »Nicht viel. Ich war nicht lange da, und sie hat sich nicht so gut gefühlt. Hatte ein dickes, blaues Auge.«

»Herrje.« Er kippte mit seinem Stuhl nach hinten. »Verraten Sie mir eins. Wieso machen Frauen so was? Lassen es zu, daß die Jungs ihnen eine reinhau’n?«

»Keine Ahnung.«

Er trank sein Glas leer und stellte es hin. »Ich wette, Sie lassen sich von niemandem so was gefallen. Stimmt’s?«

»Wir lassen uns alle von irgend jemandem was gefallen.«

Billy stand auf. »Tut mir leid, daß ich das Gespräch beenden muß, aber ich muß gehen.« Er drehte sich um und stopfte sein Hemd fester in seine Hose. Seine Körpersprache sagte aus, daß er bereits gegangen war und hoffte, daß seine Kleider ihn einholen würden, bis er auf die Straße trat.

Ich stand auf und griff nach meinem Regenmantel. »Sie verlassen doch nicht die Stadt, oder?«

»Was geht das Sie an?«

»Scheint mir keine gute Idee zu sein, wo Daggett tot ist. Wenn die Cops jetzt mit Ihnen reden wollen.«

»Worüber?«

»Zum Beispiel, wo Sie gestern abend waren.«

Seine Stimme wurde schrill. »Wo ich war? Wovon reden Sie überhaupt?«

»Sie könnten was über die Verbindung zwischen Ihnen und Daggett wissen wollen.«

»Welche Verbindung? So ‘ne Scheiße! Ich weiß wirklich nicht, wo Sie das hernehmen.«

»Meinetwegen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Auf die Cops kommt es an.«

»Welche Cops?«

Ich schüttelte den Kopf. »Sie wissen, wie Ihre freundlichen Cops sind. Wenn jemand denen Flausen in den Kopf setzt, braten Sie bald auf dem elektrischen Stuhl.«

Er war nur noch wütend. »Warum sollten Sie mir das antun?«

»Weil Sie nicht offen mit mir sind, William.«

»Doch bin ich das! Ich hab Ihnen alles gesagt, was ich weiß.«

»Das glaube ich nicht. Ich denke, Sie wußten von Daggetts Tod. Und ich glaube, Sie haben ihn noch diese Woche gesehen.«

Er stemmte die Hände in die Hüften und schaute durch den Raum, schüttelte den Kopf. »Mann, das hat mir gerade noch gefehlt. Das ist keine Lüge. Ich bin ehrlich gewesen. Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten und tue, was man mir sagt. Ich wußte nicht mal, daß der Kerl hier ist.«

»Wenn Sie wollen, können Sie bei diesem Märchen bleiben«, sagte ich. »Aber ich gebe Ihnen einen guten Rat: Ich habe die Zulassungsnummer von dem Wagen, den Sie gekauft haben. Wenn Sie abhauen, rufe ich sofort Lieutenant Dolan von der Mordkommission an.«

Er schien gleichermaßen verwirrt und bestürzt zu sein. »Was soll das denn? Erpressung? Geht es darum?«

»Was gibt es da zu erpressen? Sie haben keinen Cent. Ich will Informationen, das ist alles.«

»Ich habe keine Informationen. Wie oft soll ich das noch sagen?«

»Hören Sie«, meinte ich geduldig, »denken Sie noch mal in Ruhe über alles nach, und dann unterhalten wir uns noch einmal.«

»Ach, lecken Sie mich am Arsch!«

Ich zog meinen Regenmantel an, hängte mir die Tasche über die Schulter. »Danke für das Bier. Das nächste Mal geht es auf meine Rechnung.«

Er machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand, zu wütend, um zu antworten. Er ging zur Tür, und ich sah ihm nach. Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Es war schon weit nach Mitternacht, und ich war müde. Mein Kopf fing an zu schmerzen, und ich wußte, daß alles an mir nach abgestandenem Zigarettenrauch stank. Ich wollte heim, wollte mich ausziehen und duschen und dann unter meine Steppdecke kriechen. Statt dessen holte ich tief Luft und ging ihm nach.