Empfang
Jimmy zupfte nervös an seinem Kragen.
Brian deLacy, der Zeremonienmeister, klopfte mit dem Stock auf den Boden des Thronsaals, und der Junge richtete die Augen auf ihn.
Die zwischen vierzehn und achtzehn Jahre alten Jungen von Aruthas Hof wurden in ihre Pflichten während der bevorstehenden Vermählung von Anita und Arutha eingewiesen. Der bejahrte Meister, der immer tadellos gekleidet und dafür bekannt war, sehr langsam und bedächtig zu sprechen, ergriff das Wort: »Junker James, wenn Ihr Euch nicht ruhig halten könnt, werde ich mir etwas für Euch einfallen lassen müssen, wie beispielsweise Botschaften zwischen dem Schloß und den Außengebäuden hin- und herzutragen.«
Ein Junge stöhnte fast unmerklich. Er wußte, daß die bereits in Krondor eingetroffenen Edlen ständig irgendwelche unwichtigen Nachrichten zu übermitteln hatten, und manche waren bis zu einer dreiviertel Meile vom Schloß entfernt untergebracht. Als Bote für sie eingeteilt zu werden, bedeutete ein fast pausenloses Hin- und Herlaufen, und zwar zehn Stunden am Tag.
Meister deLacy wandte sich dem Jungen zu, der gestöhnt hatte.
»Junker Paul, vielleicht möchtet Ihr Euch Junker James anschließen?«
Als er keine Antwort erhielt, fuhr er fort: »Nun gut. Jene unter euch, deren Verwandte an den Festlichkeiten teilnehmen werden, sollten wissen, daß sie auch diese Pflicht zu übernehmen haben.« Bei diesen Worten stöhnten und fluchten alle Junker leise und verlagerten, mit den Füßen scharrend, ihr Gewicht. Wieder klopfte der Stock laut auf den Boden. »Ihr seid noch keine Herzöge, Grafen oder Barone! Es kann euch nicht schaden, wenn ihr ein paar Tage arbeiten müßt! Die Besucher sind zu zahlreich, als daß Diener, Träger und Pagen es ohne Hilfe schafften.«
Einer der Jungen, Junker Locklear, der jüngste Sohn des Barons von Landend, fragte: »Wer von uns darf an der Vermählung teilnehmen?«
»Alles zu seiner Zeit, Junge, alles zu seiner Zeit. Ein jeder von Euch wird Gäste zu ihren Plätzen im großen Saal und im Bankettsaal geleiten. Während der Vermählungsfeierlichkeiten habt ihr alle achtungsvoll am hinteren Ende des großen Saals zu stehen, und so werdet ihr alles sehen können.«
Ein Page kam hereingeeilt. Er händigte dem Zeremonienmeister eine Botschaft aus und hastete wieder davon, ohne auf eine Antwort zu warten. Meister deLacy las die Nachricht, dann sagte er: »Ich muß alles für den Empfang des Königs vorbereiten. Ihr wißt, was ihr heute zu tun habt. Findet euch am Nachmittag wieder hier ein, sobald der König und Seine Hoheit sich zu ihrer Besprechung zurückgezogen haben. Und jeder, der zu spät kommt, wird einen zusätzlichen Tag zum Botendienst zwischen dem Schloß und den Außengebäuden eingeteilt! So, das ist alles für jetzt.« Während er davoneilte, hörte man ihn murmeln: »So viel zu tun und so wenig Zeit!«
Die Jungen liefen auseinander. Auch Jimmy machte sich daran, den Saal zu verlassen, als jemand rief: »He, Neuer!«
Mit Jimmy drehten sich zwei andere um, doch der Rufende hatte den Blick nur auf ihn gerichtet. Jimmy wartete. Er wußte genau, was kommen würde. Jetzt sollte sein Platz in der Rangordnung der Junker festgelegt werden!
Als er sich nicht rührte, deutete Locklear, der ebenfalls stehengeblieben war, auf sich und machte einen zögernden Schritt auf den Sprecher zu. Dieser, ein großer grobschlächtiger Bursche von etwa sechzehn oder siebzehn Jahren, schnaubte: »Nicht du, Kleiner!
Ich meine den ändern!« Er deutete auf Jimmy.
Der Sprecher trug die gleiche braungrüne Uniform wie die anderen Junker, nur saß sie besser. Offenbar hatte er sie sich maßgeschneidert leisten können. Von seinem Gürtel hing ein edelsteinbesetzter Dolch, und seine Stiefel glänzten wie fleckenloses Metall. Sein strohfarbiges Haar war ordentlich geschnitten.
Nun hatte Jimmy keinen Zweifel mehr, daß das Bürschchen glaubte, alle müßten vor ihm kuschen. Offenbar hatte er die anderen Junker bereits eingeschüchtert. Ergeben richtete Jimmy den Blick himmelwärts und seufzte. Seine Uniform saß schlecht, die Stiefel waren zu eng, und die heilende Wunde in seiner Seite juckte ständig.
Da war es wohl am besten, er brachte es schnell hinter sich.
Langsam ging er auf den anderen Jungen zu, der, wie er wußte, Jerome hieß und dessen Vater der Edle von Ludland war, einer Stadt, die Küste aufwärts von Krondor lag. Sein Titel war zwar gering, brachte seinem Träger jedoch beträchtlichen Reichtum ein. Als Jimmy vor dem Bürschchen stand, sagte er: »Ja?«
Jerome rümpfte die Nase und erklärte von oben herab: »Es gibt so gut wie nichts an dir, was mir gefällt, Jüngelchen.«
Jimmy lächelte und stieß Jerome unerwartet die Faust in die Magengrube. Der größere Junge sackte auf den Boden. Einen Moment schlug er um sich, ehe er stöhnend auf die Beine kam.
»Was…«, begann er, hielt jedoch erschrocken inne, als er sah, daß Jimmy mit einem Dolch in der Hand vor ihm stand. Jerome tastete nach seinem eigenen, fand ihn aber nicht. Er starrte an sich hinunter und blickte danach verzweifelt um sich.
»Ich glaube, das ist es, was du suchst«, meinte Jimmy fast freundlich und hielt den Dolch nun so, daß der juwelenbesetzte Griff zu sehen war. Jeromes Augen weiteten sich. Mit einer knappen Drehung seines Handgelenks warf Jimmy den Dolch, und die Klinge steckte zitternd im Boden zwischen Jeromes Stiefeln. »Und mein Name ist nicht ›Jüngelchen‹, sondern Junker James. Fürst Aruthas Junker.«
Schnell verließ Jimmy den Saal. Locklear lief ihm nach und fiel in Schritt mit ihm. »Das war großartig, Junker James. Jerome hat es allen anderen schwergemacht, vor allem den Neuen.«
Jimmy hielt an. Er war jetzt nicht in der Stimmung, darauf einzugehen. »Das rührte nur daher, weil ihr es zugelassen habt.«
Locklear wich zurück und begann eine Entschuldigung zu stammeln.
Jimmy hob die Hand. »Warte, ich hatte nicht vor, dich zu kränken.
Es liegt daran, daß ich meine eigenen Sorgen habe. Hör zu, Locklear, so heißt du doch, oder?«
»Meine Freunde nennen mich Locky.«
Jimmy musterte den Jungen. Er war klein und sah noch eher wie ein Baby aus, das er gewesen war, als der Mann, der er sein würde.
Er hatte große blaue Augen, und sein braunes Haar war von blonden Fäden durchzogen. Jimmy bezweifelte nicht, daß er noch vor wenigen Wochen mit den bürgerlichen Jungen am Strand nahe der ländlichen Burg seines Vaters gespielt hatte. »Locky«, sagte er, »wenn dieser Dummkopf sich mit dir anlegen will, dann tritt ihn dorthin, wo es am wehesten tut. Dadurch verschaffst du dir schnell Respekt bei ihm. Tut mir leid, daß ich mich jetzt nicht länger mit dir unterhalten kann, aber ich muß mich zum Empfang des Königs beeilen.«
Jimmy eilte weiter und ließ einen sehr erstaunten Jungen zurück.
Jimmy fühlte sich unbehaglich. Er steckte den Finger in den viel zu engen Kragen seines neuen Wappenrocks. Etwas hatte er von Jerome gelernt: Er brauchte sich nicht mit einer schlecht sitzenden Uniform abzufinden. Sobald wie möglich würde er sich für ein paar Stunden aus dem Schloß stehlen und seine drei Verstecke aufsuchen, die er gut in der Stadt verteilt hatte. Dort hatte er mehr Gold als ihn ein Dutzend neue, maßgeschneiderte Uniformen kosten würden. Ein Edelmann zu sein, hatte Nachteile, die er zuvor nicht bedacht hätte.
»Was hast du denn, Junge?«
Jimmy blickte auf und sah, daß ein hochgewachsener, älterer Mann mit dunklem Grauhaar ihn erfahrenen Blickes musterte. Jimmy erkannte ihn als Schwertmeister Fannon, ein Gefährte Aruthas aus Crydee. Er war mit der gestrigen Abendflut per Schiff angekommen.
»Es ist der verflixte Kragen, Schwertmeister. Und diese neuen Stiefel schmerzen ebenfalls.«
Fannon nickte. »Auch wenn man sich nicht wohl fühlt, muß man den Schein wahren. Ah, hier kommt der Fürst!«
Arutha trat aus dem Haupteingang des Schlosses und stellte sich in die Mitte der Höflinge, die sich hier zum Empfang des Königs versammelt hatten. Eine breite Freitreppe führte zum Paradeplatz.
Dahinter, außerhalb des eisernen Tors, war der große Platz von Marktbuden geräumt worden. Krondorianische Soldaten bildeten ein Ehrenspalier von der Stadt zum Schloß, und zu beiden Seiten davon drängten sich die Bürger, um einen Blick auf ihren König zu erhaschen. Erst vor einer Stunde war die Meldung eingetroffen, daß Lyams Zug sich der Stadt näherte, doch die Menge hatte schon vor dem Morgengrauen angefangen sich zu sammeln.
Jubelgeschrei kündete des Königs Herannahen an, und Lyam kam auch als erster in Sicht. Er ritt auf einem rotbraunen, kräftigen Streitroß und Gardan, als Stadtkommandant an seiner Seite. Ihnen folgten dicht auf Martin und die Edlen des östlichen Landesteils, dann eine Kompanie von Lyams Leibgarde, zwei prunkvolle Kutschen und hinter ihnen Aruthas Lanzer. Der Troß bildete die Nachhut.
Als Lyam sein Pferd vor der Freitreppe zügelte, schmetterten Fanfaren. Stallburschen griffen nach den Zügeln des Rosses, und Arutha eilte die Stufen hinunter, um seinen Bruder zu begrüßen.
Nach der Tradition war der Fürst von Krondor Zweithöchster, gleich nach dem König folgend, im Reich, doch ob nun Protokoll beim Empfang oder nicht, die Brüder umarmten sich herzlich.
Der nächste, der absaß, war Martin, und nun waren die drei Brüder wieder vereint.
Jimmy beobachtete aufmerksam, wie Lyam seine Begleiter vorstellte und die beiden Kutschen zu der Freitreppe rollten. Die Tür der ersten wurde aufgeschwungen, und Jimmy verrenkte sich fast den Hals. Eine atemberaubend schöne junge Frau stieg aus, und Jimmy bewunderte sie stumm. Wie sie Arutha begrüßte, konnte sie eigentlich nur die Prinzessin Carline sein. Jimmy warf einen schnellen Blick auf Laurie, der sich unbeobachtet fühlte und seine glühende Anbetung nicht verbergen konnte. Jimmy nickte, ja, dann war es ganz sicher Carline. Ihr folgte ein älterer Edelmann, vermutlich Lord Caldric, der Herzog von Rillanon.
Die Tür der zweiten Kutsche wurde geöffnet. Eine Frau mittleren Alters stieg aus und gleich hinter ihr eine vertraute Gestalt. Jimmy lächelte. Unwillkürlich verfärbten sich seine Wangen beim Anblick von Prinzessin Anita, denn er war einmal entsetzlich verliebt in sie gewesen. Die Ältere mußte demnach Prinzessin Alicia, ihre Mutter, sein. Während die beiden Damen Arutha begrüßten, wanderten Jimmys Gedanken zurück zu der Zeit, da Anita, Arutha und er sich gemeinsam versteckt gehalten hatten. Unwillkürlich lächelte er ein wenig schüchtern.
»Was hast du denn jetzt, Junker?«
Wieder war es Schwertmeister Fannon, der ihn beobachtet hatte.
Seine Verlegenheit unterdrückend, antwortete Jimmy. »Die Stiefel, mein Herr.«
»Ich verstehe, Junge, aber du solltest wirklich lernen, ein solches Ungemach unbewegter Miene zu ertragen. Ich will deinen Lehrern damit nicht zu nahe treten, aber für einen Junker scheinst du keine gute Ausbildung genossen zu haben.«
Jimmy nickte, den Blick wieder auf Anita gerichtet. »Ich bin noch nicht lange Junker, mein Herr. Im vergangenen Monat war ich noch Dieb.«
Ohne sich dessen bewußt zu sein, holte Schwertmeister Fannon laut Luft, und sein Mund blieb offen. Nach einem Augenblick gönnte Jimmy sich das Vergnügen, ihn leicht in die Rippen zu stupsen und zu sagen: »Der König kommt!«
Fannon richtete den Blick geradeaus. Die langen Jahre seiner militärischen Laufbahn hatten ihn gelehrt, sich nur mit dem Wichtigsten zu befassen und sich von nichts ablenken zu lassen.
Lyam kam mit Arutha an seiner Seite die Treppe hoch. Ihnen folgten Martin und Carline, danach die anderen, wie das Protokoll es vorschrieb. Brian deLacy stellte dem König die Edlen von Aruthas Hof vor, und Lyam mißachtete mehrmals das Protokoll und schüttelte einigen herzlich die Hände, ja umarmte sogar mehrere.
Viele der westlichen Lords waren Männer, mit denen er während des Spaltkriegs unter dem Oberbefehl seines Vaters gekämpft und die er seit seiner Krönung nicht mehr gesehen hatte. Es machte Graf Volney ganz offensichtlich verlegen, als Lyam ihm die Hand auf die Schulter legte und lobte: »Gut gemacht, Volney. Ihr habt während des vergangenen Jahres hervorragend für den Westen gesorgt.« Diese Vertrautheiten störten einige der Edlen, aber das Volk war begeistert davon. Es jubelte jedesmal, wenn Lyam einen alten Bekannten nicht als König, sondern als Freund begrüßte.
Als Fannon an der Reihe war und er sich verneigen wollte, verhinderte der König es, indem er die Hände auf die Schultern des alten Recken legte. »Nein«, sagte Lyam so leise, daß nur Fannon, Jimmy und Arutha es hören konnten. »Nicht Ihr, mein teurer Lehrer.« Dann umarmte er den Schwertmeister von Crydee und fragte laut: »Nun, Meister Fannon, wie sieht es zu Hause aus? Wie geht es Crydee?«
»Gut, Majestät, gut.« Jimmy bemerkte, daß die Augen des älteren Mannes feucht glänzten.
Dann erklärte Arutha: »Dieser junge Spitzbube ist der neueste Angehörige meines Hofes, Majestät. Darf ich Junker James von Krondor vorstellen?« Meister deLacy blickte himmelwärts, als Arutha sich in sein Amt mischte.
Jimmy verbeugte sich, wie man es ihn gelehrt hatte. Lyam schenkte dem Jungen ein herzliches Lächeln. »Ich habe von dir gehört, Jimmy, den man die Hand nannte.« Er ging weiter, doch nach einem Schritt blieb er unerwartet stehen. »Ich vergewissere mich wohl lieber, ob ich auch noch alles habe.« Auffällig tastete er nach dem Beutel, der von seinem Gürtel hing. Jimmys Gesicht lief tiefrot an. Als er sich am liebsten in ein Mauseloch verkrochen hätte, wandte Lyam den Kopf zu ihm um und blinzelte ihm vergnügt zu.
Da lachte Jimmy mit den anderen.
Kaum drehte der Junge sich um, schaute er in die blauesten Augen, die er je gesehen hatte, und eine weiche Frauenstimme tröstete: »Laß dich von Lyam nicht in Verlegenheit bringen, Jimmy.
Er hat schon immer gern seine harmlosen Späßchen getrieben.«
Völlig überrascht, nachdem der König ihm auf diese Weise seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, brachte der Junge kein Wort hervor, er verbeugte sich nur, so gut er es vermochte.
Martin nahm Jimmys Hand fest in seine. »Ich freue mich, dich wiederzusehen. Wir haben oft von dir gesprochen und uns gefragt, wie es dir geht.«
Er machte den Jungen nun formell mit seiner Schwester bekannt.
Prinzessin Carline nickte Jimmy zu und sagte: »Von meinen Brüdern und Prinzessin Anita habe ich viel Gutes über dich gehört. Es ist mir eine Freude, dich persönlich kennenzulernen.« Dann gingen die beiden weiter.
Jimmy starrte ihnen nach, überwältigt von ihren Worten. »Diese Wirkung hat sie seit über einem Jahr auf mich«, erklang eine Stimme hinter ihm. Laurie eilte hinter der königlichen Gesellschaft her, die sich dem Eingang näherte. Er zwinkerte im Vorüberlaufen Jimmy zu.
Er hatte dessen Erstaunen über Martins und Carlines Worte mißgedeutet und gedacht, es gelte der Schönheit der Prinzessin.
Jimmy wandte seinen Blick wieder den vorbeikommenden Edelleuten zu, und sein Gesicht erhellt sich. Anita blieb neben ihm stehen. »Hallo, Jimmy«, rief sie fröhlich.
Der Junge verbeugte sich tief. »Hallo, Prinzessin.«
Anita erwiderte Jimmys Lächeln und wandte sich an ihre Begleitung. »Mutter, mein Lord Caldric, darf ich euch meinen alten Freund, Jimmy, vorstellen?« Sie bemerkte seinen Wappenrock. »Ein Junker jetzt, wie ich sehe.«
Jimmy verbeugte sich nunmehr auch vor Prinzessin Alicia und dem Herzog von Rillanon. Anita gab ihm die Hand, und Jimmy nahm sie verlegen. »Ich wollte dir schon lange persönlich danken, Jimmy, denn ich weiß, wie sehr du meiner Tochter geholfen hast«, wandte sich Alicia an ihn.
Jimmy, der viele Augen auf sich gerichtet fühlte, mangelte es nun völlig an der Überheblichkeit, mit der er sich in seinem bisherigen, kurzen Leben schützend umgeben hatte. Er stand nur schüchtern da, während Alicia sagte: »Wir sehen uns später noch.« Anita, ihre Mutter und Caldric gingen weiter. Noch verblüffter als schon zuvor blieb Jimmy zurück.
Die weiteren Edelleute wurden nicht mehr vorgestellt, sondern folgten nur der königlichen Gesellschaft zum Thronsaal. Nach einer kurzen Zeremonie sollte Lyam sich in seine Gemächer zurückziehen.
Plötzlich wurden Trommelwirbel laut und Rufe aus der Menschenmenge, die zu einer der großen Seitenstraßen vom Schloß deuteten. Die königliche Gesellschaft kehrte zum Eingang zurück.
Lyam und Arutha schritten zum Kopfende der Freitreppe. Die anderen Edlen schauten sich erstaunt um, und die vom Protokoll vorgeschriebene Ordnung wurde zunichte.
König und Fürst näherten sich der Stelle, wo Jimmy und Fannon standen, da kamen ein Dutzend Reiter in Sicht, jeder mit Leopardenfell über Kopf und Schultern. Schweiß glitzerte auf ihrer dunklen Haut, während diese wild aussehenden Männer auf Trommeln schlugen, die zu beiden Seiten ihrer Sättel befestigt waren, und ihre Pferde mit den Knien lenkten. Ihnen folgte ein weiteres Dutzend Reiter in Leopardenfellen. Sie bliesen in große Messinghörner, deren Windungen über ihre Schultern reichten.
Trommler und Hornbläser formten nun eine Gasse, durch die Fußsoldaten marschierten. Jeder von diesen trug einen Spitzhelm mit Kettenhalsschutz und einen metallenen Harnisch. Weite Pluderhosen steckten in kniehohen schwarzen Stiefeln. Jeder hielt einen Rundschild mit Metallspitze, und in der Gürtelschärpe steckte ein langer Krummsäbel. Jemand hinter Jimmy murmelte:
»Hundesoldaten.«
»Weshalb nennt man sie so?« fragte Jimmy den Schwertmeister Fannon.
»Weil sie in früherer Zeit in Kesh wie Hunde behandelt wurden, getrennt von allen anderen, bis es Zeit war, sie auf jemanden zu hetzen. Jetzt behauptet man, daß sie sich wie eine Meute Hunde benehmen, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Sie sind zähe Kämpfer, aber wir besiegten sie mehr als einmal.«
Die Hundesoldaten marschierten auf den Platz und bildeten ihrerseits eine Gasse, um jemanden hindurchzulassen. Sie zogen ihre Krummsäbel und salutierten, als der vorderste Mann in Sicht kam.
Wie sie war er zu Fuß, ein Riese von Mann, größer als der König und mit noch breiteren Schultern. Die Sonne spiegelte sich auf seiner schwarzen Haut, denn außer den gleichen Pluderhosen und Stiefeln wie die Soldaten trug er nur eine ärmellose, metallbeschlagene Weste. Sein Kopf war unbedeckt, und bewaffnet war er mit einem eineinhalb mal so großen Krummschwert wie die Säbel seiner Leute.
Doch statt des Schildes hielt er einen reichverzierten Amtsstab. Vier Reiter, auf den kleinen, aber schnellen Pferden der Wüstensöhne von Jal-Pur, folgten ihm. Sie trugen auch die Gewandung der Wüstensöhne, wie man sie in Krondor selten sah: knielange, wallende Umhänge aus blauer Seide, vorne offen, so daß man die weißen Kittel und Beinkleider sehen konnte. Dazu trugen sie die Schaftstiefel der Reiter, und um den Kopf hatten sie blaue Stoffstreifen so gewunden, daß nur ihre Augen herausschauten. In der Gürtelschärpe steckte ein Zierdolch von beachtlicher Länge, dessen Griff und Scheide kunstvoll aus Elfenbein geschnitzt waren.
Als dieser große dunkle Mann die Treppe hinaufstieg, konnte Jimmy seine tiefe Stimme vernehmen: »…vor ihm, und die Berge erzittern. Die Sterne halten in ihrer Bahn inne, und die Sonne bittet um die Erlaubnis, aufgehen zu dürfen. Er ist das Reich, und aus seinen Nüstern wehen die vier Winde. Er ist der Drache des Tales der Sonne, der Adler der Gipfel der Ruhe, der Löwe von Jal-Pur…« Der Sprecher näherte sich der Stufe, auf der der König stand, Jimmy dahinter, und er wich ein wenig zur Seite, als die vier Reiter absaßen und ihm die Treppe hoch folgten. Einer davon schritt vor den anderen und war offenbar der, von dem der Riese sprach, der sich nunmehr tief vor dem König verneigte und sagte: »Eure Majestät, ich habe die große Ehre, Euch Seine Exzellenz Abdur Rachman Memo Hazara-Khan, Bei der Benni-Sherin, Lord von Jal-Pur, Prinz des Reiches und Botschafter von Groß-Kesh zum Königreich der Inseln vorstellen zu dürfen.«
Die vier Würdenträger verbeugten sich auf keshianische Weise, die drei hinter dem Botschafter knieten sich nieder und drückten flüchtig die Stirn auf den Steinboden. Der Botschafter legte die Rechte auf das Herz und verbeugte sich aus der Taille, während er die Linke nach hinten ausstreckte. Nachdem alle sich wieder aufgerichtet hatten, drückten sie kurz den Zeigefinger an Herz, Lippen und Stirn. Diese Geste versinnbildlichte: ein großzügiges Herz, eine ehrliche Zunge und einen Geist ohne betrügerische Absichten.
Lyam dankte: »Wir heißen den Lord von Jal-Pur an unserem Hof willkommen.«
Der Botschafter legte seine Gesichtsbedeckung ab und offenharte ein hageres, bärtiges und nicht mehr junges Gesicht, das zu einem schwachen Lächeln verzogen war. »Eure königliche Majestät, Ihre kaiserliche Majestät, Ihr Name sei gesegnet, schickt Ihrem Bruder von den Inseln Ihre Grüße.« Seine Stimme zu einem Flüstern senkend, fügte er hinzu: »Ich hätte einen weniger formellen Einzug vorgezogen, Majestät, aber…« Er zuckte mit den Schultern und wies mit einer leichten Neigung des Kopfes auf den keshianischen Zeremonienmeister, um anzudeuten, daß er keinen Einfluß auf das Protokoll habe. »Der Mann ist ein Tyrann.«
Lyam mußte lachen. »Wir erwidern die herzlichen Grüße an Groß-Kesh, möge es immer blühen und gedeihen.«
Der Botschafter neigte dankend den Kopf. »Wenn Eure Majestät gestatten, dürfte ich meine Begleiter vorstellen?« Lyam nickte, und der Keshianer zeigte auf den Mann ganz links. »Dieser Edle ist mein Stellvertreter und Ratgeber, Lord Kamal Mishwa Daoud-Khan, Scherif der Benni-Tular. Und diese anderen sind meine Söhne, Shandon und Jehansuz, Scherifen der Benni-Sherin, und außerdem meine Leibwächter.«
»Wir sind erfreut über euer Hiersein, meine Lords«, hieß Lyam sie willkommen.
Gerade als Meister deLacy sich bemühte, ein bißchen Ordnung in das Durcheinander zu bringen, war von einer anderen, zum Marktplatz führenden Straße Getöse zu vernehmen. König und Fürst wandten sich vom Zeremonienmeister ab, und deLacy hob die Hand.
»Was ist denn jetzt schon wieder?« fragte er laut, faßte sich jedoch schnell.
Ein noch stürmischeres Trommeln als das der Keshianer zuvor erfüllte die Luft, als farbenprächtige Gestalten ins Blickfeld kamen.
Paradierende Reiter führten grüngekleidete Fußsoldaten an. Jeder hielt einen Schild von leuchtender Farbe mit buntem Wappen. Laute Flöten trillerten eine melodiöse Weise, fremdartig, doch von anregendem Rhythmus, und so nahmen die umstehenden Bürger auch schnell den Takt auf, sie klatschten in die Hände und tanzten am Rand des Platzes sogar dazu.
Der erste Reiter erreichte den Schloßhof, und sein Banner flatterte im Wind. Arutha lachte und schlug Lyam auf die Schulter. »Es sind Vandros von Yabon und Kasumis Tsurani-Garnison von LaMut.«
Dann kamen die Fußsoldaten ins Blickfeld, und ihr Gesang dröhnte laut.
Als die Tsuranis aus LaMut die Keshianer erreichten, hielten sie an. »Seht sie euch an, sie mustern einander wie Kater«, murmelte Martin. »Ich wette, jede Seite wünscht sich sehnlichst einen Grund, die Kräfte mit der anderen messen zu dürfen.«
»Nicht in meiner Stadt«, entgegnete Arutha, dem diese Vorstellung offenbar aufs höchste mißfiel.
Lyam lachte. »Es wäre zumindest ein unüberbietbares Schauspiel. Hallo, Vandros!«
Der Herzog von Yabon ritt herbei und saß ab. Er eilte die Freitreppe hoch. »Verzeiht unsere Verspätung, Majestät. Wir wurden unterwegs aufgehalten. Wir stießen auf eine Bande Kobolde, die südlich von Zun eine Ortschaft überfallen hatte.«
»Wie viele waren es denn?« erkundigte sich Lyam.
»Etwa zweihundert.«
»Und das nennt Ihr noch Bande«, meinte Arutha gespielt entrüstet. »Vandros, Ihr habt ganz offenbar schon etwas von den Tsuranis angenommen.«
Lyam lachte. »Wo ist Graf Kasumi?«
»Hier kommt er soeben, Majestät.« Kutschen fuhren gerade auf den Platz.
Arutha nahm den Herzog von Yabon zur Seite und bat ihn: »Laßt Eure Männer in der Stadtgarnison einquartieren, Vandros. Ich hätte sie gern in der Nähe. Wenn Ihr sie untergebracht habt, dann kommt mit Brucal und Kasumi zu meinen Gemächern.«
Vandros entging der ernste Ton nicht. »Sobald ich die Männer eingewiesen habe, Hoheit.«
Die Kutschen aus Yabon hielten vor der Freitreppe an. Lord Brucal, Herzogin Felinah, Gräfin Megan und ihre Hofdamen stiegen aus. Graf Kasumi, ehemals ein Befehlshaber der tsuranischen Armee im Spaltkrieg, saß von seinem Pferd ab und eilte die Treppe hinauf.
Er verbeugte sich vor Lyam und Arutha. Vandros stellte seine Begleitung vor, und Lyam meinte: »Wenn nicht noch der König von Queg, dieser Pirat, in einer Kriegsgaleere von tausend Seepferdchen gezogen, ankommt, können wir uns jetzt zurückziehen.« Lachend schritt er an dem schon halbverzweifelten Zeremonienmeister deLacy vorüber, der vergebens versuchte, die protokollarische Ordnung wiederherzustellen.
Jimmy ließ sich Zeit. Zwar hatte er schon hin und wieder einen keshianischen Kaufmann gesehen, doch noch nie einen Hundesoldaten oder einen Tsurani. Trotz aller weltlichen Gewandtheit und seiner Erfahrung in allem, was das Leben in Krondor betraf, war er eben in anderen Dingen nicht anders als eben ein Fünfzehnjähriger.
Kasumis Unterführer erteilten die Anweisungen für die Unterbringung ihrer Männer, ebenso wie der keshianische Hauptmann. Jimmy saß ruhig auf der Treppe und bemühte sich mit Zehenübungen darum, seine Stiefel etwas auszuweiten. Eine Zeitlang beobachtete er die farbenprächtigen Keshianer, dann schaute er den Tsuranis zu, die sich in Reih und Glied aufs tellten, um anschließend abzumarschieren. Beide Trupps wirkten ganz ohne Zweifel exotisch und gleichermaßen wild, wie er fand.
Er wollte gerade ebenfalls aufbrechen, als ihm etwas hinter den Keshianern auffiel, nur wurde ihm nicht gleich klar, was es war. Er konnte nicht anders, als die Treppe hinunterzusteigen, bis er die Keshianer erreicht hatte, die einstweilen noch strammstanden. Da sah er, was das seltsame Gefühl in ihm geweckt hatte. In die Menge hinter den Keshianern zog sich ein Mann zurück, den er für tot gehalten hatte. Jimmy erschrak zutiefst: Der Mann war Lachjack!
Arutha stapfte unruhig hin und her. Um seinen Ratstisch saßen Laurie, Brucal, Vandros und Kasumi. Arutha hatte gerade von ihrem Überfall auf die Nachtgreifer erzählt. Jetzt hielt er eine Botschaft hoch. »Das ist von Baron von Hohenburg – seine Antwort auf meine Anfrage. Er bestätigt, daß es in seinem Gebiet zu ungewöhnlichen Nordwärtswanderungen gekommen ist.« Arutha legte das Schreiben auf den Tisch. »Er gibt die Einzelheiten an: die Anzahl der Gruppen, die Route und dergleichen.«
»Hoheit«, meldete sich Vandros zu Wort. »Auch in unserer Gegend kam es zu Kräfteverschiebungen, doch nichts von größerem Ausmaß. In Yabon ist es den klugen düsteren Brüdern und Kobolden leicht möglich, die Garnisonen zu umgehen, indem sie westwärts abbiegen, sobald sie die nördliche Grenze des Elbenwalds erreichen.
Indem sie sich westlich vom Himmelssee halten, entgehen sie unseren Patrouillen. Wir schicken nur wenige Kompanien in dieses Gebiet, denn die Elben und die Zwerge von Bergenstein sorgen dort für Ordnung.«
»Wenn hier nicht der Wunsch der Vater des Gedanken ist«, schnaubte Brucal. Der alte, ehemalige Herzog von Yabon hatte seines Amtes zugunsten von Vandros entsagt, als dieser seine Tochter geheiratet hatte. Aber er war, was Strategie und Taktik anbelangte, immer noch sehr bewandert, denn er hatte fast sein ganzes Leben lang gegen die Moredhel gekämpft. »Nein, wenn sie sich in kleineren Gruppen bewegen, kann die Bruderschaft unbemerkt die unwichtigeren Pässe benutzen. Uns reicht ja die Zahl der Männer kaum, den Handelsweg zu sichern, und er ist nicht das einzige, wo wir für Ordnung sorgen müssen. Wenn sie des Nachts marschieren und sich den Dörfern des Hadati-Clans fernhalten wie den Hauptstraßen, sieht kein Mensch sie. Machen wir uns also nichts vor.«
Arutha lächelte. »Genau deshalb wollte ich Euch hier haben!«
Kasumi gab zu bedenken: »Eure Hoheit, vielleicht ist es so, wie Lord Brucal meint. Wir selbst sahen in letzter Zeit wenig von den düsteren Brüdern. Könnte sein, daß sie unseren Stahl scheuen und sich jetzt nur in kleineren Trupps und verstohlen bewegen.«
Laurie zuckte mit den Schultern. Da er in Yabon geboren und aufgewachsen war, wußte der Sänger aus Tyr-Sog nicht weniger über die Moredhel als sonst jemand in der Ratskammer. »Wir sollten uns Gedanken darüber machen, daß wir alle von diesen merkwürdigen Bewegungen gen Norden gehört haben, und zwar zu einer Zeit, da es offenkundig ist, daß die Moredhel bei dem Anschlag auf Arutha ihre Hand im Spiel haben.«
»Ich würde mir weniger Sorgen machen«, ergriff nun Arutha wieder das Wort, »wenn ich wüßte, daß es genügte, sie in Krondor zu zermalmen. Bevor wir nicht mit Sicherheit wissen, wer hinter alldem steckt, sind wir auch mit den Nachtgreifern nicht fertig. Es mag Monate dauern, bis sie sich erholt haben und wieder zur Bedrohung werden, aber ich glaube, wir werden wieder mit ihnen rechnen müssen. Und ich bin sicher, daß es eine Verbindung zwischen den Nachtgreifern und den Geschehnissen im Norden gibt.«
Nach einem Klopfen an der Tür trat Gardan ein. »Ich habe überall nachgesehen, Hoheit, aber Junker James ist nicht auffindbar.«
»Als ich ihn zuletzt sah, stand er neben Schwertmeister Fannon auf der Freitreppe, als die Tsurani eintrafen«, vermeldete Laurie.
»Er saß auf der Treppe, als ich die Truppen entließ«, erklärte der Hauptmann nun.
»Und jetzt sitzt er über euch«, erklang eine Stimme von einem hohen Fenster.
Aller Augen wandten sich dem Jungen zu, der von einem Bogenfenster im oberen Wandteil in Aruthas Ratskammer herabblickte. Ehe noch jemand den Mund zu öffnen vermochte, sprang er behende herab.
Aruthas Miene verriet Unglauben mit Belustigung gemischt. »Als ich dich bat, auf den Dächern nachzusehen, nahm ich an, du würdest Leitern brauchen – und Hilfe…«
Sehr ernst entgegnete Jimmy: »Ich hielt es nicht für richtig, noch länger zu warten, Hoheit. Außerdem, welcher Einbrecher braucht Leitern oder Hilfe, um eine Wand emporzuklettern?« Er kam näher heran. »Dieses Schloß ist ein wahrer Irrgarten mit versteckten Winkeln, Ecken und Nischen. Hier ist es leicht, sich zu verbergen.«
»Doch dazu muß man erst innerhalb der Schloßmauern sein«, gab Gardan zu bedenken. Jimmy bedachte den Hauptmann lediglich mit einem Blick, der keinen Zweifel daran ließ, wie leicht das zu bewerkstelligen sei. Gardan schwieg.
Laurie nahm den Gesprächsfaden wieder auf. »Zwar wissen wir nicht, wer hinter den Nachtgreifern steckt, aber zumindest sind sie hier in Krondor am Ende.«
»Das dachte ich bisher auch«, warf Jimmy ein und schaute sich in der Ratskammer um. »Doch heute nachmittag, als die Menge sich auflöste, sah ich einen alten Freund auf dem Marktplatz: den Lachjack!«
Arutha blickte Jimmy scharf an. »Ich dachte, als du ihn verließt, sei er tot gewesen!«
»So tot, wie einer mit einem Sechszoll- Loch in der Brust von einem Stahlbolzen sein kann. Es dürfte schwierig sein, herumzukrauchen, wenn einem die halbe Lunge fehlt, aber nach allem, was wir in dem Hurenhaus erlebten, würde es mich nicht mehr wundern, wenn meine liebe Mama, die schon lange tot ist, mich heute abend ins Bett steckte.« Jimmys Stimme klang ein wenig abwesend, während er wie suchend durch die Ratskammer schlich.
»Aha!« rief er plötzlich theatralisch und drückte auf etwas hinter einem Prunkschild an der Wand. Knarrend schwang ein zwei Fuß breiter und drei Fuß hoher Teil der Wand auf. Arutha eilte darauf zu und spähte hindurch.
»Was ist das?« fragte er Jimmy.
»Einer der vielen Geheimgänge im Schloß. Als wir uns gemeinsam verstecken mußten, Hoheit, erzählte Prinzessin Anita, wie sie mit Hilfe einer Leibmagd aus dem Schloß floh. Sie erwähnte, sie seien durch einen ›Gang‹ entkommen. Ich dachte mir damals nichts dabei – erst heute.«
Brucal schaute sich um. »Vielleicht gehörte dieser Raum zur früheren Burg oder war einer der ersten Anbauten. In unserer Burg zu Hause hatten wir einen Ausschlupf in den Wald. Es gibt wohl keine Burg oder Festung ohne dergleichen.« Nachdenklich fügte er hinzu. »Möglicherweise ist dieser Gang nicht der einzige.«
»Ganz bestimmt nicht.« Jimmy lächelte. »Es gibt Dutzende und mehr. Wenn man sich so auf dem Dach umsieht, fallen einem sehr dicke Wände und seltsame Biegungen der Gänge auf.«
Arutha wandte sich an den Hauptmann: »Gardan, ich möchte, daß jeder Fuß dieser Gänge untersucht und auf einer Karte eingezeichnet wird. Nehmt Euch eine Handvoll Männer und stellt fest, wohin dieser führt und wo es noch Zugänge zu ihm gibt. Und erkundigt Euch bei dem Hofbaumeister, ob er eine Ahnung hat, daß es Hinweise zu diesen Gängen auf alten Plänen gibt.«
Gardan salutierte und verließ die Ratskammer. Vandros wirkte ungemein besorgt. »Arutha, ich hatte noch wenig Zeit, mich mit den Gedanken an die Assassinen und ihre heimliche Verbindung zu den düsteren Brüdern zu befassen.«
»Deshalb wollte ich noch vor den Festlichkeiten darüber mit euch allen sprechen.« Arutha setzte sich. »Im Schloß wimmelt es von Fremden. Jeder Edle, der zur Vermählung hier eintraf, hat ein Gefolge von wenigstens einem Dutzend Leute. Kasumi, ich sähe Eure Tsurani gern an jeder Schlüsselstellung. Jemanden bei ihnen einzuschleusen ist unmöglich, außerdem sind sie unbestechlich und über jeden Verdacht erhaben. Stimmt alles mit Gardan ab, und wenn nötig, nehmen wir im Innern des Schlosses nur Tsuranis, dazu Männer aus Crydee, die ich persönlich kenne, und meine Leibgardisten.«
Nun wandte er sich an Jimmy: »Von Rechts wegen müßte ich dir für deinen selbständigen Ausflug den Hintern versohlen lassen.«
Jimmy erstarrte, bis er Aruthas Lächeln bemerkte. »Aber ich fürchte, jeder, der es versuchte, würde einen Dolch in die Rippen bekommen.
Ich hörte übrigens von deiner Auseinandersetzung mit Junker Jerome.«
»Dieser Rotzlöffel bildet sich ein, alle müßten nach seiner Pfeife tanzen.«
»Nun, sein Vater war jedenfalls sehr erregt. Zwar ist er kein sehr bedeutender Lehnsmann, aber lauter. Hör zu, Jimmy, laß du Jerome die anderen herumkommandieren, wenn sie es sich gefallen lassen.
Bleib du möglichst in meiner Nähe. Ich werde Meister deLacy wissen lassen, daß du bis auf weiteres von den üblichen Pflichten eines Junkers entbunden bist. Aber halt deine Ausflüge in Grenzen und gib Gardan oder mir Bescheid, bevor du wieder auf dem Dach herumturnst. Ein übereifriger Bogenschütze könnte dich leicht mit Pfeilen spicken, ehe er dich erkannt hat. Die Stimmung hier ist etwas an gespannt, falls du es nicht selbst schon bemerkt hast.«
Jimmy achtete nicht auf den Sarkasmus in seinen Worten. »Der Bursche müßte mich erst mal sehen, Hoheit.«
Brucal hieb mit der Faust auf den Tisch. »Das Bürschchen hat nicht nur eine Zunge im Kopf«, sagte er lachend und nickte beifällig.
Arutha lächelte. Es fiel ihm schwer, streng zu Jimmy zu sein.
»Genug! Wir haben während der ganzen nächsten Woche Empfänge und Bankette. Vielleicht machen wir uns unnötig Sorgen, und es gibt die Nachtgreifer schon nicht mehr.«
»Hoffen wir es«, murmelte Laurie.
Ohne viele weitere Worte zogen Arutha und seine Gäste sich in ihre Gemächer zurück.
»Jimmy!«
Der Junge drehte sich um und sah Prinzessin Anita in seine Richtung den Korridor entlangkommen, begleitet von Gardans Wachen und zwei Hofdamen. Als sie ihn erreichte, verbeugte er sich.
»Du bist ja ein richtiger junger Höfling geworden«, bemerkte sie, während sie neben ihm weiterging.
»Es sieht ganz so aus, als hätte das Schicksal ein Auge auf mich geworfen, Prinzessin. Ich besaß nie größeren Ehrgeiz, als es bei den Spöttern weit zu bringen, ja vielleicht gar der nächste Aufrechte zu werden. Doch nun stelle ich fest, daß mein Leben einen viel weiteren Horizont hat.«
Sie lächelte, während ihre Hofdamen hinter vorgehaltenen Händen flüsterten. Jimmy hatte die Prinzessin seit ihrer gestrigen Ankunft nicht mehr gesehen, und jetzt verspürte er wieder das seltsame aufwühlende Gefühl wie im vergangenen Jahr. Er hatte zwar seine jungenhafte Verliebtheit in sie überwunden, aber er mochte sie noch immer sehr.
»Und hast du neuen Ehrgeiz entwickelt, Jimmy die Hand?«
In vorgetäuscht rügendem Ton verbesserte er sie: »Junker James von Krondor, Eure Hoheit.« Dann lachten sie beide. »Nun, Ihr müßt wissen, Prinzessin, daß im Königreich eine Zeit der Veränderungen angebrochen ist. Der lange Krieg mit den Tsuranis beraubte uns so mancher Männer von hoher Stellung. Graf Volney ist stellvertretender Kanzler, weder in Salador noch in Bas-Tyra gibt es einen Herzog. Drei Herzogtümer ohne Führer! Mir scheint, ein kluger und geschickter Mann kann es in einer solchen Zeit weit bringen.«
»Hast du einen Plan?« Ihre strahlenden grünen Augen und ihr Lächeln verrieten ihre Freude, daß er sein Ziel so hoch steckte.
»Noch nicht. Jedenfalls noch keinen festen. Aber ich sehe Möglichkeiten, die über den Titel eines Junkers hinausreichen.
Vielleicht werde ich sogar – Graf von Krondor.«
»Erster Ratgeber des Fürsten von Krondor?« fragte Anita mit gespieltem Erstaunen.
Jimmy blinzelte verschmitzt. »Ich habe ausgezeichnete Beziehungen. Ich bin ein guter Bekannter seiner Verlobten.« Wieder lachten beide.
Anita legte flüchtig eine Hand auf seinen Arm. »Es ist schön, dich bei uns zu haben. Ich freue mich, daß Arutha dich so schnell gefunden hat. Er fürchtete, daß es nicht leicht sein würde, dich aufzuspüren.«
Jimmy stockte mitten im Schritt. Er war gar nicht auf den Gedanken gekommen, daß Arutha Anita nichts von dem Assassinen erzählen würde. Nun war ihm natürlich klar, daß er es nicht getan hatte. Und er verstand auch den Grund. Er würde doch nicht unnötig einen Schatten über die bevorstehende Vermählung werfen. Schnell fing er sich. »Es war mehr ein Zufall als sonst etwas. Seine Hoheit erwähnte gar nicht, daß er mich suchte.«
»Du kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie Arutha und ich uns Sorgen um dich machten, nachdem wir Krondor verlassen hatten. Als wir dich das letzte Mal sahen, flohst du vor Guys Männern durch den Hafen. Wir hörten nichts von dir. Und auf unserem Weg zu Lyams Krönung kamen wir nur so kurz durch Krondor, daß wir keine Möglichkeit hatten zu erfahren, was aus dir geworden war. Lyam schickte Begnadigungsurkunden für Trevor Hull und seine Leute und Ernennungen, weil sie uns geholfen hatten, aber niemand wußte, wo unser Jimmy war. Arutha mußte mir versprechen, sofort die Suche nach dir einzuleiten. Ich dachte zwar nicht, daß er dich gleich zum Junker machen würde, wohl aber, daß er Pläne mit dir verfolgte.«
Jimmy fühlte sich tief bewegt. Diese Eröffnung verlieh Aruthas Bemerkung, daß er Jimmy als Freund betrachtete, doppelte Bedeutung.
Anita blieb vor einer Tür stehen. »Ich muß zu einer Anprobe.
Mein Hochzeitsgewand traf heute morgen von Rillanon ein.« Sie hauchte einen Kuß auf seine Wange. »Bis später, Jimmy.«
Er kämpfte gegen eine erschreckend starke Gefühlsregung an.
»Hoheit – ich freue mich, hier sein zu dürfen! Es wird sehr schön werden!«
Sie lachte und ging mit ihren Hofdamen durch die Tür. Die Gardisten bezogen davor Posten. Jimmy wartete, bis die Tür sich geschlossen hatte, dann ging er vergnügt vor sich hinpfeifend weiter.
Er dachte über die letzten Wochen nach und schätzte sich glücklich trotz Assassinen und zu engen Stiefeln.
Als er um eine Ecke in einen weniger häufig benutzten Gang bog, blieb er unvermittelt stehen und hielt auch schon den Dolch in der Hand. Im Halbdunkel funkelte ihn ein fremdartiges Augenpaar an, und gleich darauf watschelte der Besitzer dieser fast glühenden roten Augen herbei. Das seltsame Wesen von der Größe eines kleinen Hundes war ganz mit grünen Schuppen gepanzert. Sein Schädel glich dem eines Krokodils, doch mit runderer Schnauze, und große Schwingen lagen gefaltet an den Seiten. Ein langer geschmeidiger Hals gestattete dem Tier rückwärts zu blicken, vorbei an einem ebenso langen Schwanz, als eine kindliche Stimme »Fantus!« rief.
Ein kleiner Junge, nicht älter als sechs, kam herbeigerannt und warf die Arme um den Hals des Tieres. Mit ernsten dunklen Augen blickte er zu Jimmy auf. »Er tut Euch nichts, mein Herr«, versicherte er ihm.
Jimmy kam sich plötzlich komisch vor mit dem Dolch in der Hand. Er steckte ihn schnell weg. Das kleine Ungeheuer war offenbar ein Haustier. »Wie hast du es genannt?«
»Ihn? Fantus. Er ist mein Freund und sehr klug. Er weiß sehr viel.«
»Das glaube ich.« Jimmy fühlte sich unter dem Blick des merkwürdigen Wesens noch immer unbehaglich. »Was ist er eigentlich?«
Der kleine Junge schaute Jimmy an, als sei er die leibhafte Unwissenheit, antwortete jedoch höflich: »Ein Feuerdrache. Wir sind gerade erst angekommen, und er folgte uns von zu Hause. Er kann fliegen, wißt Ihr.« Jimmy nickte bloß. »Wir müssen schnell zurück.
Mama wird ärgerlich, wenn wir nicht in unserem Zimmer sind.« Er drehte das Tier herum und führte es ohne ein weiteres Wort fort.
Jimmy rührte sich eine ganze Weile nicht, dann erst schaute er sich um, wie nach jemandem, der ihm bestätigen könnte, daß er nicht geträumt hatte. Nach einer Weile hörte er Lautengeklimpere.
Jimmy folgte den Tönen und gelangte in einen großen Garten, wo Laurie seine Laute stimmte. Der Junge setzte sich auf den Rand eines großen Pflanzenkübels und sagte: »Für einen Minnesänger bietest du einen traurigen Anblick.«
»Ich bin auch ein trauriger Sänger.« Tatsächlich wirkte Laurie niedergeschlagen. Wieder zupfte er an den Saiten und begann eine schwermütige Weise.
Nach ein paar Minuten brummte Jimmy: »Genug dieses Klagelieds. Es müßte doch jetzt eine Zeit der Hochstimmung sein!
Weshalb machst du ein so langes Gesicht?«
Laurie seufzte und wiegte den Kopf bedächtig. »Du bist noch ein bißchen zu jung, es zu verstehen…«
»Ha!« unterbrach ihn Jimmy. »Das bildest du dir ein.« Laurie legte seine Laute zur Seite. »Es geht um Prinzessin Carline.«
»Sie will dich also immer noch heiraten?«
Lauries Kinn klappte hinab. »Woher…?«
Jimmy lachte. »Du bist schon zu lange unter dem Edelvolk, Sänger. Ich dagegen nicht. Ich verstehe es noch immer, mich mit dem Gesinde zu unterhalten. Und was wichtiger ist, ich kann zuhören. Der Prinzessin Leibmägde aus Rillanon konnten es kaum erwarten, den Mägden hier alles über dich und Prinzessin Carline zu erzählen. Du bist mir so einer!«
Laurie war offensichtlich nicht erbaut über Jimmys Erheiterung.
»Ich nehme an, du hast die ganze Geschichte gehört?«
Gleichmütig antwortete der Junge: »Die Prinzessin ist ein Kleinod. Aber ich bin in einem Hurenhaus aufgewachsen und sehe Frauen deshalb weniger – eh, verklärt.« Als er an Anita dachte, änderte sein Ton sich. »Aber ich muß zugeben, daß Prinzessinnen doch anders sind.«
»Wie schön, daß dir das aufgefallen ist«, bemerkte Laurie trocken.
»Nun, ich kann sagen: Deine Prinzessin ist die schönste Frau, die ich je gesehen habe, und, glaub mir, ich habe viele gesehen, die hochbezahlten Kurtisanen eingeschlossen, von denen einige schon etwas ganz Besonderes sind. Die meisten Männer, die ich kenne, würden selbst ihre geliebten Mütter verkaufen, wenn sie so ihre Gunst gewinnen könnten. Also frage ich dich: Wo liegt dein Problem?«
Laurie blickte den Jungen eine Weile stumm an. »Mein Problem ist, daß ich Edler werden müßte.«
Jimmy lachte aufrichtig belustigt. »Problem nennst du das? Als Edler brauchst du bloß herumzukommandieren und Fehler anderen in die Schuhe zu schieben.«
Nun mußte auch Laurie lachen. »Ich bezweifle, daß Arutha und Lyam dir da beipflichten würden.«
»Na ja, Könige und Fürsten sind wieder etwas anderes, aber die meisten Edlen hier sind nicht so, daß ich mir an ihnen ein Beispiel nehmen möchte. Der alte Volney hat ja so allerhand, das für ihn spricht, aber er ist nicht gerade gern hier. Und der Rest will sich bloß wichtig machen. Ehrlich, Spielmann, du solltest sie heiraten, dann bringst du vielleicht frischen Wind herein.«
Laurie schlug lachend nach Jimmy, und der Junge wich nicht weniger lachend aus. Das Lachen eines dritten veranlaßte Laurie sich umzudrehen.
Ein mittelgroßer, schlanker dunkelhaariger Herr in feiner Gewandung von einfachem Schnitt blickte auf die zwei. »Pug!« rief Laurie. Er sprang auf, um den Neuankömmling stürmisch zu umarmen. »Wann bist du denn eingetroffen?«
»Vor etwa zwei Stunden. Ich hatte ein kurzes Gespräch mit Arutha und dem König. Die beiden besprechen jetzt mit Graf Volney die Vorbereitungen für das Willkommensbankett heute abend. Aber Arutha deutete seltsame Vorkommnisse an und meinte, ich sollte dich aufsuchen.«
Laurie bat Pug sich zu setzen und ließ sich selbst neben Jimmy auf dem Pflanzkübelrand nieder. Jetzt erst machte er Pug und Jimmy miteinander bekannt, dann sagte er: »Ja, ich habe dir viel zu erzählen, doch zunächst: Wie geht es Katala und dem Kleinen?«
»Gut. Katala tauscht gerade den neusten Klatsch mit Carline aus.«
Bei der Erwähnung der Prinzessin blickte Laurie wieder bedrückt drein. »William ist irgendwo hinter Fantus her.«
»Das Tier gehört Euch?« entfuhr es Jimmy.
»Fantus?« Pug lachte. »Ah, dann hast du ihn also gesehen. Nein, Fantus gehört niemandem. Er kommt und geht oder vielmehr fliegt, wie es ihm gefällt. Deshalb ist er jetzt auch ohne Erlaubnis hier.«
Laurie grinste. »Ich könnte mir auch nicht vorstellen, daß deLacy ihn auf seiner Gästeliste hat. Gib acht, ich weihe dich schnell in das Wichtigste ein.« Pug warf einen Blick auf Jimmy, und Laurie erklärte: »Jimmy war von Anfang an mit dabei. Er wird also nichts hören, was er nicht bereits weiß.«
Laurie berichtete, und der Junge flocht da und dort etwas ein, wenn der Sänger es versehentlich ausgelassen hatte. Als sie geendet hatten, sagte Pug: »Diese Totenbelebung ist schlimm. Selbst, wenn sonst nichts anderes für finstere Kräfte spräche, das tut es ganz sicher. Das Ganze fällt zwar mehr in den Bereich der Priesterschaft als der Magier, aber Kulgan und ich werden euch unterstützen.«
»Ah, dann ist auch Kulgan von Stardock gekommen?«
»Nichts hätte ihn halten können. Schließlich war Arutha sein Lieblingsschüler. Außerdem, glaube ich, fehlen ihm die Streitgespräche mit Pater Tully, selbst wenn er es nicht einmal sich selbst zugibt. Und es bestand kein Zweifel, daß Tully Arutha und Anita trauen würde. Kulgan dürfte gerade bei Tully sein.«
»Ich habe Tully noch nicht gesehen«, sagte Laurie. »Aber er müßte heute morgen mit der Gruppe von Rillanon angekommen sein, die sich etwas mehr Zeit als die um den König ließ. In seinem Alter zieht er Gemächlichkeit vor.«
»Er dürfte bereits über achtzig sein, nicht wahr?«
»Schon eher beinahe neunzig, aber an seiner Lebhaftigkeit hat sich nichts geändert. Du solltest ihn im Schloß in Rillanon hören!
Wenn ein Junker oder Page in seinem Unterricht nicht aufpaßt oder sich dumm anstellt, hat der Arme nichts zu lachen!«
Pug schmunzelte. Dann fiel ihm plötzlich ein zu fragen: »Laurie, wie steht es mit dir und Carline?«
Der Sänger seufzte, und Jimmy unterdrückte ein freches Grinsen.
»Davon sprachen wir, als du dazukamst. Gut, schlecht, ich weiß es nicht.«
Mitgefühl sprach aus Pugs dunklen Augen. »Ich kenne das, Freund. Als wir noch Kinder waren im guten Crydee… Aber vergiß nicht, du bestandest darauf, daß ich dir verspreche, dich mit Carline bekannt zu machen, falls wir je von Kelewan nach Midkemia zurückkehrten.« Er schüttelte den Kopf und fügte lachend hinzu:
»Wie gut, daß es einiges gibt, das sich nie ändert.« Jimmy sprang auf. »Ich muß mich beeilen. Hat mich gefreut, Eure Bekanntschaft zu machen, Magier. Und Kopf hoch, Sänger. Du wirst die Prinzessin entweder heiraten oder nicht.« Er rannte davon und ließ Laurie über die Logik dieser Bemerkung nachdenkend zurück, während Pug lauthals lachte.