Herbert Steffny

Optimales Lauftraining

 

Wer hat es erfunden?
 

Wer sich fürs Laufen interessiert, kommt an Herbert Steffny, Jahrgang 1953, nicht vorbei. Der Mann war 16-facher Deutscher Meister, Olympiateilnehmer, EM-Bronzemedaillengewinner. Nach seiner aktiven Kariere arbeitete er als Trainer, Buchautor, TV-Experte und Redner. Die meisten verbinden ihn immer noch mit Joschka Fischer, da er dem Grünen-Politiker Ende der 1990er Jahre beim vielbeachteten Abspecken half.

 

Wie funktionierts?
 

Für Herbert Steffny ist das Freizeitjoggen gewissermaßen eine Ersatzhandlung für frühere bewegungsreichere Tage. In seiner Jugend, nach dem Krieg, sei Bewegung eine Notwendigkeit gewesen, sagt er. Heute lassen wir uns kutschieren, statt selber zu laufen. Auch noch nach Jahrzehnten im Geschäft merkt man Steffny an, wie sehr ihm das Laufen am Herzen liegt. Eins ist klar: Der Mann hat eine Mission. Und spätestens, seit er den übergewichtigen Außenminister zu einem sehnigen Marathonläufer transformiert hat, vertraut die Masse ihrem Laufpapst. "One Day hard, one easy", ist eine seiner Devisen. Nach einer schnellen Einheit sollte man immer eine ruhige Einheit setzen. Der Körper danke es einem langfristig.

 

Was ist das Besondere?
 

Die Trainingspläne von Herbert Steffny haben Standards gesetzt, an denen sich viele Trainer und Athleten orientieren. Steffny verbindet die alte mit der neuen Schule. Er verfügt einerseits über die Harte-Hund-Mentalität, andererseits plädiert er für einen behutsamen Umgang mit dem eigenen Körper. Steffny mag zwar zu den älteren aktiven Trainern im Geschäft gehören, aber aus der Zeit gefallen ist er trotzdem nicht. Im Gegenteil. Er ist immer noch nah an der Materie, entwickelt sich stetig weiter. Zudem hat er über einen langen Zeitraum einen praktischen und theoretischen Erfahrungsschatz gesammelt wie nur wenige Trainer in Deutschland.

 

Wichtigster Merksatz
 

„Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der richtigen Quantität und Qualität des Laufens.“ (Herbert Steffny)

 

Stärken
 

Steffny war Spitzenläufer in einer Zeit, als die Afrikaner den anderen noch nicht so schnell davongelaufen sind. Seine Ratschläge und Tipps richtet er aber nicht nur an Profiläufer oder ambitionierte Sportler. Ihm ist es vor allem ein Anliegen, mehr Menschen überhaupt zum Laufen zu bringen. Er ist der Allrounder der Laufszene, der erfahrene Lauf-Onkel, dem alle gerne zuhören. Seine Leidenschaft hat auch nach so vielen erfolgreichen Jahren nicht gelitten. Er wird nicht müde, gegen die allgemeine Bewegungsarmut und Fahrstuhl-Weichei-Kultur zu kämpfen. Steffny bemüht sich dabei, immer seriös, sachlich und motivierend zu wirken.

 

Schwächen
 

Viele ambitionierte Läufer klagen in Internetforen über die Trainingspläne von Steffny. Sie seien angeblich zu lasch. Mittlerweile spricht Steffny eben doch mehr Noch-nicht-Läufer an als ehrgeizige Bestzeiten-Jäger – was an sich keine Schwäche ist, aber die Zielgruppe etwas einschränkt. Steffny ist der Einstieg. Wer sich schnell stark verbessern will, greift zu anderen Trainingsplänen. Einige kommen auch mit der direkten, bisweilen etwas zynischen Art von Steffny nicht zurecht.

 

Typische Trainingswoche
 

4-Wochen-Plan „Der erste Wettkampf“

Woche 1 (36 km)

Montag:
frei

Dienstag:
ruhiger Dauerlauf 40 min / ca. 6 bis 7 km

Mittwoch:
frei

Donnerstag:
ruhiger Dauerlauf 40 min / ca. 6 bis 7 km

Freitag:
frei

Samstag:
Fahrtspiel 50 min / ca. 8 bis 9 km

Sonntag:
langsamer Dauerlauf 90 min / 13 bis 14 km

(Quelle: Herbert Steffny: Optimales Lauftraining.)

 

Wer machts?
 

Joschka Fischer hat mithilfe von Herbert Steffny abgespeckt, sein Image verbessert und ihm im Gegenzug zu einer einmaligen Aufmerksamkeit verholfen. Fischer war der Vorläufer, Steffny der Trainer der Nation. Noch immer gilt er als läuferischer Ziehvater vom ehemaligen Außenminister-Moppel und damit von einer neuen Läufer-Generation, die dem grünen Beispiel folgte. Umso bitterer war es für Steffny, dass Fischer sich danach gehen ließ, statt laufen zu gehen. Mittlerweile soll Fischer ja wieder auf der Strecke sein. Dass Steffny Sandra Wallenhorst zur Ironman-Europameisterin 2009 gecoacht hat, ist dagegen weniger bekannt.

 

Wer brauchts?
 

Lauf-Einsteiger, orientierungslose Läufer, Menschen, die keinen Klimbim wollen, sondern zuverlässige Ergebnisse.

 

Das sagt Achim Achilles
 

Herbert Steffny ist eine Koryphäe. Er läuft und läuft und läuft. Man findet vielleicht nicht alles immer gut, was er sagt; man hört ihm aber immer zu. Sein Wort hat Gewicht und das zu Recht. Der deutsche Laufsport hat Herbert Steffny viel zu verdanken – und das gleich auf mehreren Ebenen. Auch wenn er ab und an etwas onkelhaft rüberkommt, sich selber auch ganz dufte findet und die ironischen Bemerkungen gerade über die Bewegungsarmut im Land ins Zynisch-Verbitterte rutschen („Führerschein und das wars dann“) – er ist Vorbild und ein Gegen-den-Strom-Läufer. Die Welt wäre ein Stück besser und gesünder, wenn es mehr von seiner Sorte geben würde. Seine Beständigkeit und Ausdauer lassen sich auch an seiner wallenden Haarpracht ablesen. Die drahtigen Locken sind in Form wie eh und je und trotzen seit Jahren jedem Dauerlauf. Respekt auch dafür.

 

Mehr Infos gibts hier
 

Bücher:

Herbert Steffny: Das große Laufbuch.

Herbert Steffny: Optimales Lauftraining: Vom Einstieg bis zum Halbmarathon - Bewährte

Trainingspläne vom Profi – Motivation, Ausrüstung, Ernährung – Tipps, Technik, Taktik.

Herbert Steffny: Optimales Marathontraining.

 

Links:

www.herbertsteffny.de