Arthur Lydiard
Der Long Jog
Wer hat es erfunden?
Arthur Lydiard, Jahrgang 1917, ist der Vater des Joggings. Der Neuseeländer gründete 1961 den ersten offiziellen Joggingverein, den Auckland Joggers Club. Von da aus nahm der Amerikaner und spätere Nike-Mitgründer Bill Bowerman die Idee mit in die USA, von wo sich die Bewegung weiter in die ganze Welt verbreitete.
Zu seiner aktiven Zeit gewann Lydiard Mitte der 1950er Jahre zweimal den Titel des neuseeländischen Marathonmeisters. Seinen schnellsten Marathon lief er in 2:39:05 Stunden – selbst als 60-Jähriger blieb er noch unter drei Stunden.
Der Legende nach begann seine Trainerlaufbahn, als ihn, den ehemaligen Schuhmacher und Schulabbrecher, Jugendliche aus der Nachbarschaft fragten, ob er sie trainieren würde. Er prophezeite einigen von ihnen große sportliche Karrieren und sogar Weltrekorde – und sollte Recht behalten.
Lydiards Arbeit geriet schlagartig ins Rampenlicht, als zwei seiner Schützlinge bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom Gold über 800 und 5000 Meter für Neuseeland holten, ein weiterer Lydiard-Läufer gewann die Bronzemedaille im Marathonrennen.
Lydiards Arbeit war aber nicht auf sein eigenes Land begrenzt. Er war Olympiatrainer Dänemarks, Nationaltrainer in Venezuela und Mexiko und erfolgreich in Finnland tätig. Vor allem seine spätere Funktion als Trainerausbilder verhalf ihm zu internationaler Anerkennung. Dass Läufer aus der ganzen Welt heute aus gesundheitlichen Gründen durch Wälder, Parks und Straßen joggen, ist eine Errungenschaft von Arthur Lydiard, dem Urvater des Breitensports. 2004 starb Lydiard nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Houston, Texas.
Wie funktionierts?
Kern der Lydiard-Methode ist ein ausgewogener Mix aus intensiven Intervall-Einheiten und ruhigen Dauerläufen. Immer nach dem Motto: Hart – leicht – hart – leicht. Er setzte auf eine 28-wöchige Vorbereitung für einen Wettkampf und unterteilte das Training in vier Phasen:
1. Entwicklung der Ausdauerfähigkeit
2. Tempotraining und Kraftausdauer
3. Koordinationstraining und Wettkampfvorbereitung
4. Reduktion und Erholung
Was ist das Besondere?
Die Lydiard-Methode ist heute noch zeitgemäß. Der gesunde Mix aus hartem Intervalltraining und gemächlichen Dauerlaufeinheiten hat heute noch Bestand in den meisten ambitionierten Trainingsplänen. Auch die Periodisierung des Laufjahres in verschiedene Vorbereitungsphasen ist allgegenwärtig. Im Grunde trainiert heute jeder ein wenig nach Lydiard – bewusst oder unbewusst.
Von Lydiard stammt auch der Begriff des „Long Jog“, dem langen 35-Kilometer-Lauf, den jeder Marathoni in seine Wettkampfvorbereitung einstreut. Selbst ein 800-Meter-Läufer wie Peter Snell rann in der Woche bis zu 225 Kilometer – das Trainingspensum eines Marathonläufers.
Wichtigster Merksatz
„Es ist nicht der beste Athlet, der gewinnt, sondern derjenige, der am besten vorbereitet ist.“ (Arthur Lydiard)
Stärken
Arthur Lydiard war ein Autodidakt und Praktiker. Alles, was er später predigte, hatte er vorher an sich ausprobiert. Dieser lebensnahe, fast naive Ansatz zum Laufen machte auch die Faszination aus, die Lydiard auf andere ausübte. Garth Gilmour, einer seiner Schüler, sagte einmal: „Er war arglos, aber klug und hatte die Hartnäckigkeit einer Bulldogge.“
Lydiards Überlegungen waren so logisch wie schlicht. Es müsse immer ein langfristiges Ziel geben und dann ein in Phasen ausgerichtetes Training. 28 Wochen vorher, so Lydiard, müsse man mit dem Training beginnen. Dabei seien die ersten drei Monate die wichtigsten, hier lege man den Grundstein für die Ausdauer. Zum Frühling hin mischte er mehr und mehr Tempotraining und Hügelläufe in die Einheiten. Für optimal hielt Lydiard einen Wochenumfang von rund 160 Kilometern.
Der Neuseeländer hat im Laufe der Jahrzehnte kaum etwas an seinem Training geändert – warum auch? Es war seiner Zeit voraus. Lydiard hat eine ordentliche Balance aus Anstrengung und Entspannung gefunden, aus aeroben Dauerläufen und schnellen Tempoeinheiten, die in abgespeckter Version auch für viele Hobby-Athleten machbar ist. Das Training ist individuell auf die Wettbewerbsstrecke und auf die Jahreszeit abgestimmt. Ein bisschen Kraftbolzen am Berg; sogar motivationale und psychologische Faktoren hat er eingeflochten. Die richtige langfristige Zielsetzung und vor allem die langsame, sich allmählich steigernde Gewöhnung waren ihm ebenso wichtig wie die betont lockeren Einheiten zum Auffrischen zehn Tage vor dem Wettbewerb. Lydiard hat früher als andere verstanden, dass nur ein ausgewogenes, vielseitiges Training zum langfristigen Erfolg führt. Sein Einfluss auf die Lauf- und Joggingwelt ist bis heute enorm.
Schwächen
Wirkliche Schwächen an Arthur Lydiards Methoden sind fachlich schwer auszumachen, aber vor allem moralisch schwer zu rechtfertigen. Der Mann ist schließlich eine Legende, und die haben bekanntermaßen immer Recht. Hier und da ist aber schon mal die Kritik laut geworden, dass die Trainingspläne von A. L. zwar wohl dosiert aber eben auch sehr anspruchsvoll seien. Einige behaupten sogar, er hätte mehr Athleten verschlissen als gefördert. Aber selbst diese Argumente treffen im Grunde daneben, da Lydiard selbst immer wieder betont hat, dass Körpergefühl und Selbsteinschätzung wichtiger seien als vorgefertigte Trainingspläne von der Stange.
Der größte Irrtum, zumindest gemessen am heutigen Wissensstand, ist Lydiards Meinung über Höhentraining. Er war der Meinung, dass Training in der Höhe nichts bewirke. Er pflegte zu sagen: „It’s attitude, not altitude“ – es ist die Einstellung, nicht die Höhe. Viele Ärzte, Trainer und Wissenschaftler sind heute der Meinung, Höhentraining habe sehr wohl einen positiven Einfluss auf die Leistung.
Typische Trainingswoche
Für Marathon-Anfänger (4 Wochen lang)
•Montag:
Jogging, 30 bis 45 min
•Dienstag:
Jogging 45 bis 60 min
•Mittwoch:
Jogging 30 bis 45 min
•Donnerstag:
Jogging 45 bis 60 min
•Freitag:
Jogging 30 min
•Samstag:
Jogging 45 min
•Sonntag:
Jogging 60 min
(Quelle: Arthur Lydiard: Running to the Top)
Wer machts?
Die Olympischen Sommerspiele in Rom waren ein Fest für Arthur Lydiard. Seine Schützlinge Peter Snell und Murray Halberg gewannen Gold über 800 und 5000 Meter, Barry Magee wurde Dritter auf der Marathonstrecke. Der Fakt, dass die meisten seiner Läufer aus seiner neuseeländischen Heimat um Auckland kamen, und nun internationale Titel sowie Weltrekorde sammelten, ließ die Sportszene aufhorchen. Vor allem der begnadete Snell galt als Aushängeschild von Lydiards Methoden. Der Mittelstreckler gewann vier Jahre später in Tokio gleich zweimal olympisches Gold und lief in seiner Karriere zu mehreren Weltrekorden.
John Davies, Jeff Julian, Ray Puckett, Bill Baillie, John Robinson, Paul Ballinger, John Walker – die Liste von Lydiard-Schülern liest sich wie ein Who is Who der damaligen Läuferszene. Doch Lydiard hatte sich ja nicht nur den Eliteläufern verschrieben, sein Anstoß zur Joggingbewegung hält bis heute an. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass Lydiards Methoden mehrere Millionen Menschen schneller gemacht haben. Selbst Sportler anderer Disziplinen haben sich von seinen Prinzipien inspirieren lassen.
Lydiard war in Dänemark, Finnland, Venezuela und Mexiko tätig, gab seine Ideen in unzähligen Vorträgen an andere Trainer weiter. In Südafrika ist ein Arthur-Lydiard-Laufclub aktiv, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dessen Trainingsmethoden weiterzugeben. Während der Neuseeländer vor mehr als 30 Jahren aufgehört hat, Läufer zu coachen, trainieren immer noch Millionen Sportler nach seinen Prinzipen.
Wer brauchts?
Laufanfänger, Sportjournalisten, Neuseelandfans, Senioren, Marathon-Einsteiger
Das sagt Achim Achilles
Laut Legendenschreibern hat Lydiard seine Methoden zunächst an sich selbst getestet. Er soll bis zu 400 Kilometer in der Woche zurückgelegt haben. Betrachtet man seine Lebensleistung im Nachhinein, kann man sagen: Die vielen Kilometer haben sich ausgezahlt. Zugegeben, wenn Läufer heute in Lydiards Buch blättern, finden sie wenig Spektakuläres. Eindrucksvoll ist eher die Tatsache, dass Arthur Lydiard seine Trainingsmethoden in den 1950er Jahren entwickelt hat und sie immer noch topmodern wirken. Lydiard war ein Genie. Was viele nicht wissen: Der gewitzte Neuseeländer hatte sogar seine Schuhe selbst hergestellt. Anfang der 1970er Jahre entwickelte Lydiard zusammen mit der deutschen Schuhfirma „E.B. Sport International“ (früher Brütting) Laufschuhmodelle. Sein „Roadrunner“ genoss aufgrund seiner innovativen Passform einen hervorragenden Ruf. Später arbeitete Lydiard mit Converse zusammen, die damals den „Lydiard Equinox“ und den „Lydiard Thunderbolt“ auf den Markt brachten, auch „Auckland Racer“ genannt.
Mehr Infos gibts hier
Bücher:
Arthur Lydiard: Running to the Top.
Arthur Lydiard: Mittel- und Langstreckentraining im Jugendbereich.
Arthur Lydiard: Mittel- und Langstreckentraining für Frauen.
Arthur Lydiard: Jogging mit Lydiard.
Arthur Lydiard, Garth Gilmour: Mittel- und Langstreckentraining für Senioren.
Arthur Lydiard: Laufen mit Lydiard.
Links: