Matthias Marquardt
Natural Running
Wer hat es erfunden?
Matthias Marquardt, Jahrgang 1977, ist Arzt, Triathlet, Trainer (Triathlon, B-Lizenz) und Marathonläufer. Schon während seiner Studienzeit beschäftigte er sich nach hartnäckigen Verletzungen ausführlich mit der Frage nach der besten Lauftechnik. Das von ihm entwickelte Konzept des Natural Running gibt der Spezialist für Bewegungsanalysen inzwischen an zahlreiche Sportler, in Seminaren und in Sachbüchern weiter. Anders als viele andere Trainer verfügt der Hannoveraner über breites medizinisches Wissen.
Wie funktionierts?
Während Lauf-Guru Hubert Beck aus seinen 18 Erfolgssäulen gleich die Akropolis nachstellt, gleicht das Marquardt-Prinzip eher dem Brandenburger Tor. Seine fünf wichtigsten Säulen sind: Schuhe und Einlagen, Kraft und Stretching, die richtige Ernährung, Trainingspläne mit Pausen und ganz wichtig: die Lauftechnik. Es geht Marquardt nicht um den schnellen Marathonerfolg, sondern um das gesunde Laufen. Denn viele Laufanfänger trainieren einfach drauf los, stürmen zu Bestzeiten und landen dann beim Orthopäden. Das will Marquardt vermeiden. Daher hat er das Prinzip des „Natural Running“ entwickelt, das sich am natürlichen Barfußlaufen orientiert.
Was ist das Besondere?
Matthias Marquardt hat sich mit den mächtigen Sportartikel-Herstellern angelegt, indem er behauptet hat, dass sie kaum ordentliche Schuhe für Läufer anbieten würden. Zu weich, mit zu viel Fersensprengung, zu viel Schnick-Schnack. Unverschämt, aber wahr. Nicht umsonst folgt die Schuhindustrie seit einiger Zeit dem Barfußlauf-Prinzip. Marquardt hat als einer der ersten in Deutschland laut ausgesprochen, was viele vermuteten: Laufen ist nicht gesund – zumindest nicht so, wie es viele praktizieren, und schuld daran sind häufig falsch gedämpfte Schuhe oder überflüssige Einlagen. Weniger ist mehr, zumindest beim Material.
Wichtigster Merksatz
„Verletzungsfreies Laufen hängt nicht vom Schuh ab, sondern von vernünftigem Training.“ (Matthias Marquardt)
Stärken
Die eindeutige Stärke von Matthias Marquardt ist: Er ist Athlet und Arzt. Sein sportlicher Ehrgeiz und sein scharfer medizinischer Verstand vereinigen sich zu dem perfekten Lauf-Ratgeber. Er kennt die speziellen Sorgen, Nöte und Wünsche der Sportler, kann aber auch deren Verletzungen kurieren. Zudem ist seine Ansprache klar und direkt („Millionen Läufer tragen die falschen Schuhe“), sein Konzept ist simpel und logisch. Die Natural-Running-Idee kam ihm, wie sollte es anders sein, beim Barfußlaufen. Als er merkte, dass er mit nackten Füßen natürlicher lief als auf Schuh-Sohlen, ließ er alle Absätze von seinen Schuhen entfernen. Seine Spreizfußbeschwerden verschwanden. „Der Fuß will sich frei bewegen. Wenn man ihn einsperrt und einen Absatz hinten dran macht, hat man viel mehr Druck im Vorfuß, weniger Beweglichkeit und kaum Muskeln. Der Fuß muss aber stark sein, damit Knie- oder Rückenprobleme wirklich aufhören.“
Marquardt ist angenehm undogmatisch – er empfiehlt Seitensprünge. Der Läufer sollte oder muss auch andere Sportarten ausprobieren, um seinen gesamten Körper zu kräftigen und die Koordination zu schulen. Mehr Abwechslung, weniger Verletzungen – Marquardts Ansatz passt in die Zeit, in der viele aus gesundheitlichen Gründen anfangen zu laufen und nicht, um Bestzeiten zu produzieren. Es spricht alles dafür, dass Marquardt der neue Laufpapst wird, die Laufbibel gibt es ja schon. Ein Trainingslauf mit ihm über den Trimm-Dich-Pfad der Eilenriede (Stadtpark in Hannover) ist ein bleibendes Erlebnis.
Schwächen
Matthias Marquardt ist kein Freund von gefährlichem Halbwissen. Wer sich auf ihn einlässt, muss sich darauf gefasst machen, dass das Training auf allen Ebenen fordernd wird. Dem einen oder anderen ist das vielleicht zu viel Aufhebens um ein bisschen Laufen, eine Spur zu akademisch. Aber eine echte Schwäche ist das nicht.
Typische Trainingswoche
Beispiel für Vorbereitungsperiode I
•Montag:
frei
•Dienstag:
Ausgleichssport – 1 h Fußball oder ähnliches
•Mittwoch:
Rumpfstabilisation – 1 h Rumpfübungen
•Donnerstag:
Techniktraining mit Schnelligkeitsentwicklung – 10 min
einlaufen,
10 min Technikübungen, 30 min Lauf-Abc, 10 x 50 m Steigerungsläufe,
10 x 100 m
wettkampfspezifisches Ausdauertraining, 5 min auslaufen
•Freitag:
frei
•Samstag:
Krafttraining – 1 h Krafttraining an Geräten
•Sonntag:
langer Dauerlauf – 1 h bis 1,5 h Grundlagen-Ausdauer
(Quelle: Matthias Marquardt: Die Laufbibel.)
Wer machts?
Kenianer, Kinder, Clemens Coenen, in guten Wochen sogar der Achim.
Auch wenn die Kenianer sicher nicht „Die Laufbibel“ von Matthias Marquardt studiert haben, sind sie doch Vorbild des „natürlichen Läufers“. Nicht, weil sie erfolgreich und schnell sind, sondern weil sie besonderen Wert auf einen effizienten und natürlichen Laufstil legen.
Auch Kinder müssen eigentlich nichts mehr dazu lernen; sie nutzen die genetische Programmierung zum optimalen Laufen. Die Frage ist eher: Wie schaffen wir es, den ursprünglichen Laufstil vom Kindesalter an beizubehalten?
Clemens Coenen ist Triathlet und war bereits Altersklassensieger (30 bis 34 Jahre) beim Ironman Hawaii. Auch nicht so schlecht.
Wer brauchts?
Alle Läufer, die über Verletzungen und Wehwehchen klagen; Läufer mit mehr als fünf Paar Schuhen.
Das sagt Achim Achilles
"MM" ist gnadenlos. Der gute Mann liebt es, einem mit dem Filzstift schwarze Kreuze auf den Körper zu malen und all das aus unappetitlichen Positionen zu filmen. Seine detaillierte Bewegungs- und Laufanalyse ist das Ende jeden Selbstbetrugs. Wenn die fiese Körpermessmaschine namens „Tanita“ dann noch zeigt, dass Achilles, der Wunderläufer, 14 (vierzehn!) Kilogramm vom Idealgewicht entfernt sein soll, will man Apparat samt Herrchen am liebsten einen ordentlichen Armhub verpassen. Doch MM ist ein bemerkenswerter Psychologe. Er überbringt niederschmetternde Nachrichten fast so nonchalant wie Steffen Seibert. Der Laufstil zum Beispiel sei wirklich „…, also echt ..., nee, da könne man nichts ... oder kaum was sagen“. Ja ja.
Natürliches Laufen klingt super, sieht aber leider bei vielen Sportlern eine Spur zu natürlich aus. Einigen Barfußläufern würde man angesichts der krumpeligen Hautflappen gerne ein Paar Neutralschuhe spendieren. Kurzum: Bei Marquardt muss man sich erst mal überwinden. Man muss, so paradox es klingt, zunächst einen Schritt zurück machen: Schuhe ausziehen, neu laufen lernen, Körper stabilisieren – das ist erschreckend entblößend, dauert manchen zu lang, ist aber wichtig. Und am allerwichtigsten: Stabis, Stabis, Stabis.
Mehr Infos gibts hier
Bücher:
Matthias Marquardt: Die Laufbibel – Das Standardwerk zum gesunden Laufen.
Matthias Marquardt: Natural Running: Schneller, leichter, schmerzfrei.
Matthias Marquardt: Warum Laufen erfolgreich macht und Grünkernbratlinge nicht:
Gesund, glücklich und erfolgreich mit dem 16-Wochen-Programm von Natural Running.
Matthias Marquardt: 77 Dinge, die ein Läufer wissen muss.
Matthias Marquardt: Halbmarathon & Marathon: Das beste Training für jeden Lauftyp.
Links: