Andreas Oschmann

Der go-Coach!

 

Wer hat es erfunden?
 

Andreas Oschmann, Jahrgang 1951, hat Violine in Kassel studiert, auf internationaler Ebene Unterwasserrugby gespielt und sich schließlich in die Trainingslehre und Sportmedizin vertieft. Der Marathonläufer (Bestzeit 2:36:58 Stunden) und Triathlet stellte Anfang der 1980er Jahre sein „Individuelles-Computer-Lauf-Programm“ (ICLP) vor. Seit 2000 bietet er sein Trainingskonzept im Internet an. Der als „go-coach!“ bekannte Oschmann ist einer der prominentesten Lauf- und Triathlontrainer im Netz und spielt seit mehr als drei Jahrzehnten Violine im Philharmonischen Orchester Hagen.

 

Wie funktionierts?
 

Die meisten Lauftrainer im Internet haben den Anspruch, möglichst individuelle Trainingspläne zu entwickeln und ein Mindestmaß an persönlicher Betreuung zu garantieren. Wer keine Lust auf einen Lauftreff hat, keinen Personal Trainer will und Buch-Ratgeber scheut, der ist im Netz womöglich an der richtigen Adresse. Nur wo? Auf Oschmanns go-Coach-Seite ist die Mindestanforderung niedrig: „Die Voraussetzung für einen Einstieg ist die Fähigkeit, zwei Minuten langsam und ohne Pause joggen zu können.“ Das ist für die meisten locker zu schaffen, außer für Walker. Das go-Trainingssystem wendet sich an Anfänger, Marathonis und Triathleten gleichermaßen. Nach der Anmeldung und einigen persönlichen und leistungsspezifischen Angaben wie Gewicht, Alter, Maximalpuls bekommt der User einen individuellen Wochen-Trainingsplan per E-Mail. Das Training wird an Pulswerten ausgerichtet und die Wochenkilometer anhand von Bestzeiten eingestuft. Läufer haben die Möglichkeit, ihre Trainingsleistungen in einem Online-Tagebuch festzuhalten. Bunte Smileys bewerten den Umfang (zu viel, zu wenig). Eine Formkurve illustriert die Entwicklung

 

Was ist das Besondere?
 

Das Wichtigste bei einem PC-/Internettrainer ist die einfache Bedienbarkeit des Programms. Andreas Oschmanns Trainingspläne sind vergleichsweise günstig, maximal 10 Euro im Monat sind okay. Die Anmeldung geht zügig vonstatten, die Pläne kommen nach kurzer Zeit in die Mailbox geflattert. Der go-Coach steuert die Belastungsintensität nicht über Zielzeiten, sondern über Pulswerte. Das mag einige bestzeitenorientierte Läufer abschrecken, ist aber sinnvoll. „Die Intensität nur über Strecken- und Zeitvorgaben steuern zu wollen, kann nicht funktionieren. Hierbei werden weder Streckenbeschaffenheit, Trainingszustand, Tagesform oder Wetterverhältnisse berücksichtigt“, sagt Oschmann. Trainiert wird in vier unterschiedlichen Belastungsintensitäten, immer im Wechsel von harten und leichten Einheiten.

 

Wichtigster Merksatz
 

„Training ohne Trainingsplan ist wie Fahren ohne Führerschein.“ (Slogan go-Coach)

 

Stärken
 

Die Hemmschwelle ist niedrig gehalten. Für die ersten zwei Wochen sind die Trainingspläne kostenlos. Sehr positiv ist die Tatsache, dass es keine Kündigungsfristen gibt. Man kann also jederzeit aufhören, eine formlose E-Mail reicht. Die Aufbereitung der Website ist kleinteilig, aber einigermaßen übersichtlich. Der go-Coach fragt genügend Angaben zum Gesundheits- und Leistungsstand ab, um einen individuellen Plan erstellen zu können. Mit Unter- beziehungsweise Überforderungsmails kann der sogenannte „Coachee“ interaktiv in die Planung eingreifen und mehr oder weniger Kilometer einfordern. Die Smileys sind Geschmackssache, können aber durchaus motivierend wirken. Gegen das grundsätzliche Trainingsprinzip nach dem bekannten Hart-Leicht-Grundsatz ist nichts einzuwenden, sogar die eigenen Hausstrecken kann der Läufer angeben. Insgesamt ist das Angebot ein ordentliches, dynamisches, flexibles, auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Trainingsprogramm.

 

Schwächen
 

Das go-Coach-Prinzip funktioniert nur mit Pulsfrequenz. Wer nicht dauernd auf seine Uhr starren will, beziehungsweise keine hat, der kann nicht mitmachen. Gerade Einsteiger aber pflegen ein quasi-emotionales Verhältnis zum Messgerät. Zudem erfährt man auf der Homepage nicht, nach welchen theoretischen Prinzipien die Trainingseinheiten errechnet werden. Einige Coachees klagen zudem über Langeweile und wenig Trainingsvarianten. Stabilisationsübungen oder detaillierte Empfehlungen zur Ernährung sucht man vergeblich.

 

Typische Trainingswoche
 

Beispiel: Mann, 35 Jahre, 178 Zentimeter, kann 50 Minuten am Stück laufen, keine Beschwerden, 3- bis 4-mal Training möglich, Maximalpuls: 188, Ruhepuls (geschätzt): 60.

1. Einheit:
Lauftraining normal, 7,3 km, 3 x 5 min in der nächsthöheren Belastungsstufe (BST), Puls 149 – 161, Belastungsstufe 2 (von 4), Belastungseinheit (BE): 12

2. Einheit:
Lauftraining zügig, 9,2 km, Belastungsstufe 3, Belastungseinheit: 17,5.

3. Einheit:
Lauftraining normal, 9,2 km, 2 x 5 min in der nächsthöheren Belastungsstufe, Puls

149 – 161, 2. Belastungsstufe 2 (von 4), Belastungseinheit: 14,5.

4. Einheit:
Lauftraining zügig, 9,2 km, Belastungsstufe 3, Belastungseinheit: 17,5.

Zur Erläuterung:

1 km in der 1. BST ergibt 1,0 BE

1 km in der 2. BST ergibt 1,5 BE

1 km in der 3. BST ergibt 2,0 BE

1 km in der 4. BST ergibt 2,5 BE

(Errechnet nach den Trainingsplänen von Andreas Oschmann, erhältlich auf www.go-coach.com.)

 

Wer machts?
 

Laut Oschmann sind leistungsorientierte Ausdauersportler überrepräsentiert. Tatsächlich eilt dem go-Portal der Ruf voraus, dass es nur was für Profis sei. Zu Unrecht. Auch Anfänger können die Trainingspläne nutzen, allerdings schreckt der trockene, rechnerbasierte, pulsorientierte Ansatz viele Laufeinsteiger ab.

 

Wer brauchts?
 

Pulsuhren-Fans; Menschen, die sich von Smileys motivieren lassen; Tabellen-Grafiken-Freaks; Individualisten.

 

Das sagt Achim Achilles
 

Ab und zu informieren sich ja selbst die sportverweigernden Kollegen und fragen nach. „Wie ist das so, was läufst du denn in der Woche?“ Go-Coachees antworten dann lässig: „Ich muss heute noch 9,2 km mit einem BST-Puls von 149 bis 161 laufen, damit ich meinen BE-Soll von 17,5 erfülle.“ Da ziehen die lauffaulen Arbeitskameraden vor lauter Ehrfurcht die Augenbrauen hoch. Und spätestens dann hat sich die Anmeldung bei go-Coach gelohnt. Gegen das Portal an sich ist wenig einzuwenden, es präsentiert genügend Zahlen und Abkürzungen, damit echte Läufer auf ihre Kosten kommen und ist trotzdem nicht so konfus wie viele andere Trainingspläne. Man fühlt sich persönlich betreut – viel mehr Individualität kann ein Internetcoach nicht vermitteln. Oschmann selbst beantwortet Fragen im Forum oder per Mail. Die Anrede „Hallo Sportfreund Achim“ liegt irgendwo zwischen Jürgen Fliege und Jürgen Vogel – das ist durchaus akzeptabel. Leider sieht die Internetseite aus wie von 1995, und das Gegrinse der Smileys nervt auf Dauer.

 

Mehr Infos gibts hier
 

Links:

www.go-coach.com