Prolog
Irgendetwas stimmte nicht.
Er hatte schon ein seltsames Gefühl verspürt, als sie ihn langsam auszog und in den von Kerzen erhellten Raum führte. Dann legten sich schwere Ketten um seine Gelenke, und aus dem seltsamen Gefühl wurde Angst. Das Ganze passte nicht zu ihr.
Nun lag er da. Nackt. Gefesselt. Ihr ausgeliefert.
Langsam kam sie näher, der Klang ihrer harten Absätze hallte vom Boden wider. Sie betrachtete ihn, ehe sie eine Hand krümmte und wie eine Klaue nach ihm ausstreckte. Grob kratzten ihre langen Fingernägel über seine Brust und hinterließen rote Striemen. Dann glitten ihre Finger tiefer, streichelten seinen Unterleib und berührten wie zufällig seine Hoden.
Sein Penis richtete sich auf, reckte sich fordernd ihren Berührungen entgegen. Er stöhnte leise, spürte die Erregung in sich aufsteigen und alles andere an Bedeutung verlieren. Ihre warme Hand schloss sich um sein pochendes Glied und begann, es sanft zu massieren. Erst langsam, dann schneller und schneller. Er stöhnte vor Lust, schloss die Augen.
»Ich weiß von ihr.«
Ihre Bewegungen stoppten abrupt. Für einen kurzen Moment glaubte er, sein Herz hätte ebenfalls zu schlagen aufgehört.
»Wie bitte?«, stotterte er.
Aber sie antwortete nicht, sondern stand nur da und sah auf ihn herab. Der Schatten ihres schlanken Körpers verformte sich im flackernden Schein der Kerzen. Als grotesker Schemen fiel er auf sein Gesicht. Seine Gedanken begannen zu rasen. Hektisch bemühte er sich, klar zu denken und die richtigen Worte zu finden. Beides misslang.
»Es ist nicht so, wie du denkst«, krächzte er deshalb eben jene Floskel heraus, die ihm bei anderen immer so lächerlich erschienen war.
»Ich weiß«, sagte sie nur.
Mittlerweile rasten nicht nur seine Gedanken, sondern auch sein Atem und Herzschlag.
Er wusste nur zu gut, wozu betrogene Frauen in der Lage waren. Und er wusste, wozu sie in der Lage war. Nervös begann er, an den Ketten zu zerren, aber sie klirrten nur metallisch, ohne ihn freizugeben.
Ihre Hand griff nach hinten, holte etwas hervor. Seine Augen weiteten sich.
Eine der Kerzen flackerte hektisch und erlosch, wie von einer unsichtbaren Macht berührt.
»Ich weiß«, wiederholte sie, »ich weiß alles.«