18

 

 

 

Boyds Verstand schien einen Augenblick auszusetzen. Zuerst völliges Unverständnis, dann wurde ihm seine Lage voll bewußt. Ein kalter Knoten in seinem Magen schien all seine Gefühle aufzusaugen und hinterließ seinen Verstand fast leer. Ellen hatte sich umgedreht und nestelte an den Knöpfen ihres Kleides herum, während die Uniformierten geduldig warteten. Kein Hauch der Gewalt umgab sie – nur eine ruhige Sicherheit und ein Gefühl der Überlegenheit. Sie gaben sich keine Mühe, das Mädchen zur Eile anzutreiben.

Mort schluchzte, was er schon seit einer ganzen Weile zu tun schien. „… hätte es ihnen niemals gesagt. Schwesterchen, du mußt mir glauben, ich bin kein Verräter.“

„Ich glaube dir, Mort“, sagte sie. In ihrem Gesicht stand noch immer deutlich der Schock geschrieben. Man konnte sehen, welche Mühe es sie kostete, die Kontrolle über sich aufrechtzuerhalten, doch sie zeigte keine Furcht. Sie wandte sich um, küßte Boyd rasch, dann trat sie vor. Die Wachen traten beiseite, um die drei Gefangenen durchzulassen.

Mort murmelte unaufhörlich vor sich hin, der Angstschweiß stand auf seiner Stirn. Er ging zwischen den Wachen und den anderen beiden. Am Fuß der Treppe stolperte er und stieß gegen Boyd. Sein Flüstern war kaum hörbar. „Wenn ich einen Ausbruchsversuch unternehme, sehen Sie zu, daß sie entkommen kann.“

„Nein!“ flüsterte Boyd zurück. Sie hätten keine Chance. Doch Mort war bereits wieder zurückgefallen, er murmelte und winselte bei jedem Schritt.

Sie erreichten die Eingangshalle, wo Buckel-Pete sie mit schockierter Überraschung erwartete. Der kleine Mann duckte sich hastig in seine Eingangstür zurück, als die Wachen vorüberschritten. Doch weiter wich er nicht zurück. Als Boyd an ihm vorbeikam, griff er nach vorn und tippte ihm auf die Schulter. „Ich werde auf Ihre Zimmer aufpassen. Ich werde darauf aufpassen, bis die Hölle zufriert!“

Draußen wartete ein geschlossener Wagen auf der anderen Seite der Straße, der in sicherer Entfernung von einer wachsenden Menge umringt wurde, alle stießen einander gegenseitig beiseite, um einen besseren Blick auf das Spektakel zu bekommen. Morts Gejammere war immer undeutlicher geworden, nun wurde es lauter. Der Mann schien kaum mehr imstande zu laufen, eine der Wachen mußte ihn stützen.

Plötzlich bewegte Mort sich mit einer Geschwindigkeit, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Er schlug um sich und traf einen der Priester mit solcher Wucht, daß er vornüber kippte und frontal mit dem anderen zusammenstieß. Mit seinen dicken Beinen stieß er sich vom Boden ab, sprang an den beiden verdutzten Wachen vorbei und rannte direkt auf die gaffende Meute zu. Er wimmerte und weinte bei jedem Schritt.

Die beiden Wachen hatten sich fast augenblicklich wieder aufgerichtet und begannen ihre Waffen zu ziehen. Einen Augenblick lang sah es trotzdem so aus, als könnte Mort die Flucht gelingen. Dann tauchte aus dem Innern des Wagens ein dritter Priester mit gezogener Pistole auf. Mort sah ihn, beschleunigte sein Tempo aber nur noch. Er wollte sich auf den dritten Mann stürzen, und er war auch schon fast bei ihm, als der Schuß erklang. Mort taumelte noch fünf unsichere Schritte weiter, dann fiel er zuckend zu Boden. „Lassen Sie mich zu ihm“, bat Boyd. Der große Priester neben ihm zögerte, doch dann nickte er achselzuckend. Er trottete neben Boyd zu der am Boden liegenden Gestalt, während der andere mit Ellen zurückblieb.

Mort lag im Sterben, und noch immer fürchtete er sich. Sein Gesicht war eine Maske des Schreckens, er schrie laut, aber mehr vor Furcht als wegen der Schmerzen. Trotzdem versuchte er, seine Augen auf Boyd zu fokussieren und bewegte eine Hand in einer merkwürdigen, fragenden Geste. Boyd beugte sich über ihn. „Sie ist wohlauf, Mort!“ schrie er. „Sie ist entkommen!“

Mort nickte schwach, und der Ansatz eines Lächelns erschien auf seinem Gesicht, bevor er sein Leben aushauchte.

Er hatte gewußt, daß noch ein dritter Mann da war, und er war vorsätzlich in dessen Richtung gerannt, um das Feuer aller drei auf sich zu ziehen. Er hatte sich seinen Siegesruhm verdient, wenn er auch nicht gewonnen hatte. Mort hatte es nie richtig geschafft in seinem Leben. Sollte er wenigstens im Tod denken, seine letzten Bemühungen seien erfolgreich gewesen.

„Schlechter Schuß“, sagte die große Wache neben Boyd zu dem anderen Priester. „Dafür darfst du den Körper auch tragen.“

Dieser sah mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid auf den toten Mort hinab, dann beugte er sich hinunter und hob den Leichnam auf. „Ich bin kein so schlechter Schütze wie du“, sagte er. „Aber ich durfte es nicht riskieren, ihn nur zu verwunden.“

Ellen wich nicht von der Leiche ihres Bruders zurück. Sie stellte sich neben ihn und betrachtete ihn, dann betete sie. Der Priester wartete, bis sie damit fertig war, bevor er sie mit sanfter Gewalt in den Wagen drängte. Als sie einstieg, betrachtete er sie sorgfältig.

„Sind Sie schwanger, Mrs. Serkin?“ fragte er. Bei ihrem Nicken griff er nach einem Stapel Papier. „Das hatte ich schon vermutet. Ich werde eine Notiz machen, damit man Ihnen gegenüber eine gewisse Nachsicht übt.“

Boyd und Ellen wurden zu gegenüberliegenden Seiten des Wagens geführt, die Wachen saßen zwischen ihnen und der Tür. Boyd beobachtete sie, wie sie ihre Papiere in Ordnung brachten. Obenauf schien ein Haftbefehl zu liegen, Boyd streckte die Hand danach aus. Zu seiner Überraschung wurde ihm das Papier ohne Fragen ausgehändigt. Vielleicht wurde er damit belohnt, weil er keinen Fluchtversuch unternommen hatte, oder aber es spielte einfach keine Rolle, ob er wußte, was darin stand oder nicht. Das Blatt, auf dem sein Name stand, enthielt eine komplette Liste all seiner Verbrechen – Alchimie, Praktizierung von Hexerei, Handel mit verbotenen Drogen und noch ein paar weniger bedeutende Dinge, darunter Diebstahl von Kircheneigentum und Vertrauensbruch.

Sie wußten ganz akkurat über alles Bescheid. Er und Mort hatten von vornherein keine Chance gehabt. Er blätterte um und schlug die Seite auf, auf welcher Ellens Sünden verzeichnet waren. Dort fand er nur einen einzigen Eintrag: Ihr wurde vorgeworfen, mit Hexen unter einer Decke gesteckt zu haben. Sonst wurde nichts erwähnt, was seltsam war, wenn man seine eigene Liste betrachtete.

Sie fuhren in den Innenhof der Kathedrale der Barmherzigen Mutter, wo einer der Priester Ellen bedeutete, ihm zu folgen. „Sie nicht, Dr. Jensen“, sagte er.

Die beiden gingen schließlich kurz hinaus und gaben Boyd damit eine Chance, Ellen noch einmal in die Arme zu schließen und sie zu küssen, ein letztes Mal. Er wollte etwas sagen, doch sie legte einen Finger auf seine Lippen. Wahrscheinlich hatte sie recht damit. Es gab keine Worte, die geholfen hätten. Er sah ihr nach, wie sie hocherhobenen Kopfes von dem Wagen fortging, bevor der große Priester die Tür schloß und sie sich wieder in Bewegung setzten.

Dieses Mal war es eine lange Fahrt, und langsam begann er zu ahnen, welchem Ziel sie entgegenfuhren. Er war der Jurisdiktion Bonafortes direkt unterstellt worden, daher wurde er wahrscheinlich auch direkt in der großen Kathedrale verurteilt und nicht irgendwo in einer kleineren Diözese. Aus den Bewegungen des Wagens schloß er, daß sie zur Rückwand des Hauptgebäudes fuhren und dort dann eine Art Rampe hinunter, an irgendeinen unterirdischen Ort. Als sie schließlich anhielten und er ausstieg, mußten sie sich vor dem Eingang dessen befinden, was wohl der Kerker war.

Man führte ihn zu einem kleinen Zellenblock, dessen Zellen noch alle frei waren. Dort wurde er sorgfältigst durchsucht und durchleuchtet, bevor man ihn in eine dieser Zellen führte. Diese war fast luxuriös zu nennen: eine weiche, gepolsterte Liege und sanitäre Einrichtungen, die besser waren als diejenigen, an die Boyd sich in der Zwischenzeit hatte gewöhnen müssen. Die Wache, die ihn hergebracht hatte, überprüfte die Tür und schlug sie endlich mit einem dumpfen Knall zu.

Boyd ging zu der kleinen Öffnung. „Sie waren sehr freundlich“, rief er hinaus. „Vielen Dank.“

Die Augen des Mannes weiteten sich ein wenig. Er verbeugte sich. „Viel Glück, Dr. Jensen“, sagte er.

Er ließ Boyd allein mit seinen Gedanken zurück, und diese waren mehr als bitter. Er hatte noch nicht einmal die Befriedigung, sich selbst hassen zu können, weil er ein solcher Narr gewesen war. Er hatte getan, was unvermeidbar gewesen war, und er hatte mit den besten Informationen gearbeitet, derer er hatte habhaft werden können. Aber in dieser Welt war ganz offensichtlich nichts jemals richtig oder sicher. Mort hätte wissen müssen, wie man einer Entdeckung vorbeugte, wenn überhaupt jemand, dann er. Der Mann hatte schließlich sein ganzes Leben mit zwielichtigen Geschäften außerhalb des akzeptierten Kodexes zugebracht, und Boyd war noch vorsichtiger gewesen als er. Trotzdem hatten sie nie eine Chance gehabt. Irgendwie war die Nachricht von den neuen Drogen, die so gut waren, an die Ohren der Behörden gelangt, und die unglaubliche Effizienz der kirchlichen Organe lag weit über dem von Mort Vermuteten.

Es war keine Logik hinter dieser offensichtlichen Effizienz zu entdecken, wenn man andererseits keine Aufzeichnungen über Ellens Versuch, ihr Baby zu stehlen, hatte. Dieses Problem konnte zumindest Boyd durch Logik nicht lösen. Die Priester mußten wissen, was sie getan hatte, aber anscheinend hatten sie es weder als Sünde noch als Verbrechen eingestuft, während sie gegen ihn wirklich alles aufgelistet hatten, was man sich nur vorstellen konnte. Alle Widrigkeiten, die sie beide durchgemacht hatten, um Ellen vor einer Entdeckung durch die Behörden zu schützen, waren zwecklos gewesen.

Aber das hatte er nicht wissen können, und diese Tatsache vertiefte seine Bitterkeit nur noch. Sie war hier geboren worden und hatte ihr Leben vor dem Hintergrund des herrschenden Kodexes verbracht. Sie hatte angenommen, daß sie sich verstecken mußte; auch Mort hatte es als gegeben angesehen, daß sie sich in ernster Gefahr befand; und Boyd war gezwungen gewesen, beider Wort als bare Münze zu nehmen, weil er keinen Weg gesehen hatte, weiter nachzuforschen, ohne zuviel preiszugeben.

Kein Wunder, daß es nur ganz wenigen Verbannten des Mars auf der Erde gut ergangen war, wenn nicht einmal die Einheimischen die Basisfakten ihrer eigenen Existenz erfassen konnten.

 

 

Das Essen wurde ihm gebracht. Er aß, hungrig, überrascht, daß sein Appetit nicht beeinträchtigt war. Sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, daß er eigentlich durchaus besorgt sein sollte. Er hatte keine klare Vorstellung davon, was er als Strafmaß zu erwarten hatte, doch von den wenigen Hinweisen und Gerüchten, die er vom Hörensagen kannte, wußte er, er hatte keine Gnade zu erwarten. Er konnte nur hoffen, daß man Ellen nicht zu schlecht behandelte, denn er fühlte, er würde niemals mehr erfahren, ob dies so war oder nicht. Aber daran dachte er lieber nicht.

Zwei Wachen erschienen an der Tür und bedeuteten ihm, ihnen zu folgen. Beide waren Priester, aber nur schwerlich von einem höheren Kaliber. Der eine machte das Zeichen gegen den bösen Blick in seine Richtung, der andere befingerte unaufhörlich nervös sein Kruzifix. Ihre Gesichter waren aufgedunsen und nicht besonders intelligent.

Er folgte ihnen einen langen Korridor entlang, danach eine Stufenflucht hoch. Oben war eine offene Tür, durch die sie ihn hindurchführten. Dahinter befanden sich zwei kleine Räume. In dem inneren Raum warteten einige Männer auf ihn, zusammen mit einer Ausrüstung, deren Zweck er nicht erraten konnte. Tief einatmend, betrat er das Zimmer und studierte den schweren Mann hinter dem Pult. Dessen Gesicht war offen und freundlich, mit einem Unterton der Sorge, die Uniform, obwohl schwarz wie die eines Militärpriesters, war aus einem teuren Stoff und ausgezeichnet geschnitten. Der zweite Mann trug die blaue Robe eines Doktors. Der dritte war offensichtlich nur ein untergeordneter Beamter. Sein rauhes schwarzes Kostüm schien zu klein für seinen muskulösen Körper zu sein, sein Gesicht war ausdruckslos und dumm.

Der schwergewichtige Mann erhob sich und winkte Boyd herein. „Kommen Sie herein, Dr. Jensen. Ich bin Bischof Swartz. Ihren Verteidiger kennen Sie ja bereits.“

Den Namen kannte er – Swartz war der Kopf der gesamten Militärpolizei. Aber Boyd hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, als er die vierte Person sah, auf die Swartz deutete. Es war Vater Gordini.

„Guten Abend, Boyd. Scheint so, als müßte ich als Ihr Beschützer agieren, da ich mich dummerweise als Ihr Patron stark gemacht habe.“ Er grinste trocken und fächerte sich mit den Papieren, die er bei sich trug, Wind zu. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Kopie von Boyds Anklageschrift.

Einen Augenblick fühlte Boyd Hoffnung in sich aufkeimen. Gordini war einer der einflußreichsten jüngeren Männer in der Kirche, sein Vater war Senator, einer seiner Onkel Kardinal, und wenn man den Gerüchten glauben durfte, dann war er selbst sowohl ehrgeizig als auch tolerant gegenüber Verletzungen des Kodexes. Doch bei näherem Hinsehen sank seine Hoffnung wieder. Der Mann amüsierte sich offensichtlich. Er erfreute sich an der Situation, so wie er sich damals über die Gelegenheit gefreut hatte, einen lebenden marsianischen Heiden studieren zu können, als sie sich zum erstenmal getroffen hatten, oder wie er sich amüsiert hatte, als er O’Neill übers Ohr gehauen hatte. Er mußte sich bloß deshalb als sein Patron ernannt haben, weil sich damit die Chance ergab, daß einmal etwas außerhalb des gewöhnlichen Trotts seiner normalerweise eher hedonistischen Freuden passieren könnte. Das paßte genau zu dem, was man über ihn sagte. Es war ihm egal, was vor sich ging, solange es nur außerhalb der Norm lag.

Er mußte ein wenig von Boyds Reaktion verstanden haben, denn sein Lächeln vertiefte sich. „Oh, Sie können natürlich um jemand anders nachsuchen. Aber ich bin sicher, Ihre Rechte werden nicht verletzt werden, solange ich hier bin. Es würde ziemlich … äh … schwierig werden, sie zu verletzen, nehme ich an.“

„Setzen Sie sich, Dr. Jensen“, sagte Swartz. Er maß Gordini mit einem ärgerlichen Blick, offensichtlich erzürnt über jeden Beweis von Vertrautheit. „Ihre Rechte werden nicht verletzt werden, seien Sie dessen versichert. Aber wenn Sie lieber einen anderen Protektor wollen, dann können Sie ruhig um eine Umbesetzung dieses Amtes nachsuchen, wie Vater Gordini schon andeutete.“

Boyd schüttelte den Kopf. Was würde es schon für einen Unterschied machen? Sie hatten zweifellos Beweise für das, was er getan hatte, und alles, das einem Gerichtsverfahren ähnelte, würde zwangsläufig zur Farce werden. Wie viele der Kapitalverbrechen war das, was er getan hatte, ein Verbrechen an der Kirche, was es außerhalb des Zivilrechts stellte, wo er vielleicht eine gewisse legale Hilfe hätte erwarten können. In diesem Fall war die Kirche Ankläger, Richter, Verteidiger und Exekutive. Er war überrascht, daß sie sich überhaupt die Mühe gemacht hatten, so etwas wie einen Advokaten des Teufels kommen zu lassen – oder welche Funktion man Gordini auch immer zugedacht haben mochte.

Swartz nickte. „Nun gut.“ Er musterte Boyd seufzend. „Ich furchte, die Anschuldigungen, die gegen Sie vorgebracht werden, sind ernst, mein Sohn. Ihre Position ist sehr schwierig. Und so, glaube ich, ist es auch mit der unseren, da wir nicht nur eine angemessene Strafe finden müssen, sondern uns auch noch bemühen müssen, Ihre unsterbliche Seele zu retten.“

„Machen Sie sich keine Sorgen“, antwortete Boyd. „Ich bin ein Heide – haben Sie das noch nicht gewußt?“

Wieder nickte Swartz. „Darin liegen ja gerade die Schwierigkeiten. Nichtsdestotrotz, wir müssen es versuchen. Sie haben Ihre Sünden begangen, obwohl Sie ausreichend Zeit hatten, den wahren Glauben anzunehmen und seine Botschaft zu akzeptieren. Sie riskieren ewige Verdammnis. Beichten Sie jetzt Ihre Sünden und bereuen Sie, noch können wir Sie retten!“

Dem Mann war es ernst, das sah Boyd sofort. Er dachte einen Augenblick darüber nach. Die Geschichten über die uralte Inquisition gingen ihm durch den Kopf, der Einsatz von Folter, um Glauben und Bereuen zu erzwingen. Wahrscheinlich war es viel einfacher für ihn, wenn er nachgab. Oder würden sie ihn dann foltern, um die Festigkeit seines neugewonnenen Glaubens zu überprüfen?

Zur Hölle mit ihnen allen! Er hatte bereits mehr Resultate ihrer irrsinnigen Regierung dieses verteufelten Planeten gesehen, als er ertragen konnte. Er hatte gesehen, was sie seinen Freunden angetan hatten. Buckel-Pete wurde langsam alt, doch es gab keine Altersversicherung für ihn. Harry hatte man die Arbeit verweigert, die seiner Begabung entsprochen hätte, und Harrys Schwester würde demnächst unweigerlich sterben, um ihres Geburtfetischs willen. Ellen hatte das Verbrechen des Diebstahls ihres eigenen Kindes eingehen müssen, das zu bekommen man sie mit dem elften Gebot gezwungen hatte. Und Mort war tot. Was hätte aus Mort in einer besseren Welt werden können? Er war zwar ein Feigling gewesen, und doch hatte er sein Leben aufs Spiel gesetzt, um jemanden zu retten, den er liebte.

„Meine Sünde“, sagte er bedächtig, „war, daß ich willig, wenn auch unwissend, die Chance einer Hungersnot beendete, die Ihr Gott Ihnen gerechterweise auferlegen wollte. Das bereue ich, mehr nicht. Die Milliarden armer Teufel, die leben, damit Sie sie schikanieren können, wären besser Hungers gestorben.“

Hinter sich hörte er, wie Gordini erstarrte und leise kicherte. Swartz hörte zu, lediglich der Ausdruck der Sorge in seinem Gesicht nahm zu. Ärger zeigte er nicht.

„Trotzdem“, sagte er. „Wir müssen versuchen, Sie zu retten.“

Sie versuchten es. Sie versuchten es mit jedem möglichen Angriff auf Vernunft oder Emotion. Sie benutzten sogar die alte Methode, ihn mit einem Scheinwerfer anzustrahlen, während der restliche Raum verdunkelt wurde. Sie bombardierten ihn mit Fragen, beschuldigten ihn wegen Dingen, die er sich nicht einmal hatte vorstellen können, und gaben sich dann gerade lange genug freundlich, um ihn vollkommen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Als Swartz müde wurde, nahm ein anderer Mann seinen Platz ein, wenn Boyd dies auch nur durch eine Veränderung der Stimme bewußt wurde. Die Temperatur in dem Raum war gestiegen, er konnte eine unüberschaubare Anzahl von Wassergläsern sehen, deren Inhalt schon konsumiert worden war. Als seine eigene Kehle zu ausgetrocknet war, um noch sinnvolle Laute bilden zu können, gab man ihm gerade soviel Flüssigkeit, daß das Sprechen wieder möglich wurde. Einmal, als er das Sprechen verweigerte, hoben sie ihm etwas Aromatisches unter die Nase. Einige Minuten später bemerkte er, wie er wie von Sinnen über seine Sorgen um das Schicksal von Ellen plapperte. Er kämpfte die Droge nieder, doch von da an machte er keinen Versuch mehr, sich zu widersetzen. Einmal ließen sie ihn ungefähr fünf Minuten lang schlafen, dann weckten sie ihn, und alles begann von vorn.

Sie hätten ein Wahrheitsserum verwenden können, aber das hätte für sie überhaupt nichts gebracht – sein Wort mußte schließlich bewußt und überzeugt gegeben werden, zumindest technisch rechtskräftig.

Er fürchtete sehr, bald an seine Grenzen zu stoßen und zusammenzubrechen, doch Stunde um Stunde verstrich, und im Laufe der Zeit verschwand diese Furcht. Irgendwo in seinem Inneren verfügte er über Kraftreserven, die er nicht erwartet hatte. Er konnte ihnen trotzen.

Swartz lehnte sich zurück, das Licht wurde wieder ein-, der Scheinwerfer ausgeschaltet. Der Geruch menschlicher Ausdünstungen hing schwer im Raum, die Echos der seit Stunden anhaltenden Spannung waren fast greifbar. Gordini hatte ein paarmal den Saal verlassen, auch im Augenblick war er abwesend. Boyd sah, wie die Augen des Bischofs sich anklagend auf den leeren Stuhl richteten, doch er gab keinen Kommentar. Einen Augenblick lang ruhten sie alle aus, keiner sprach. Es war die gesegnetste Stille, die Boyd jemals erlebt hatte.

Dann beugte Swartz sich wieder nach vorn. „In Ordnung, Dr. Villard“, sagte er.

Der Doktor näherte sich Boyd, er hielt eine Spritze in der Hand. Boyd wich im ersten Moment zurück. Aber es spielte keine Rolle. Wenn sie nun ein Serum verwenden würden, das seine Zunge löste, dann wäre das ein Eingeständnis ihres eigenen Versagens. Er hielt den Arm hin, noch bevor der Assistent ihn zu fassen bekam, und spürte kurz darauf den Schmerz des Nadeleinstichs.

Es war kein Wahrheitsserum. Um den Einstich herum machte sich ein Gefühl der Taubheit breit. Diese breitete sich langsam seinen Arm hinauf bis in die Schulter aus, dann pulsierte sie weiter durch seinen Kreislauf. Er versuchte seinen Arm zu bewegen. Er spürte überhaupt nichts – und trotzdem hatte er ihn angehoben! Er hatte die normalen kinästhetischen Signale, die eine solche Bewegung normalerweise begleiten, ganz einfach nicht gespürt. Argwohn machte sich dunkel in ihm breit, er versuchte aufzustehen, doch er fühlte sich bereits am ganzen Körper so taub an, daß er keinerlei Kontrolle mehr über seine Muskeln hatte. Er wäre gestürzt, hätte der Assistent ihn nicht gestützt.

Er konnte keinen der normalen Eindrücke, an die er gewöhnt war, mehr feststellen. Er fühlte nicht, wie sein Körper sich in den Stuhl schmiegte, hatte keine Ahnung, wo seine Gliedmaßen waren, er spürte rein gar nichts. Er sah, wie die Hand des Arztes seinen Kopf bewegte, doch er fühlte sie nicht, alles schien irreal. Er wurde sich weder der Berührung noch der Bewegung bewußt. Seine Ohren teilten ihm mit, daß er mit etwas eingesprüht wurde, doch er spürte es nicht. Dann begann sein Geruchssinn zu verblassen. Der Geschmackssinn wurde ausgeschaltet. Dieser Verlust seiner Sinne war phantastisch – er hinterließ eine vollkommene Leere, wo normalerweise Tausende, meist unbewußte Botschaften hätten sein Gehirn bombardieren müssen.

Das war Gehirnwäsche! Er hatte darüber gelesen, aber niemals geglaubt, daß dies bei einem willensstarken Mann funktionieren könnte. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte er auch noch nie gespürt, wie ihn alle seine Sinne im Stich ließen.

Alles wurde schwarz. Er konnte nicht feststellen, weshalb, doch er vermutete, daß man ihm die Augen verbunden hatte. Der Hörsinn verschwand zuerst von einem Ohr, dann vom anderen, als man ihm die Ohren zustopfte, damit auch diese Möglichkeit der Wahrnehmung ausgeschaltet wurde.

Wie lange? Er konnte es nicht sagen. Kein Laut drang an seine Ohren, kein Gefühl des Atemholens war festzustellen.

Er war nicht da! Er war nirgendwo. Oder noch schlimmer, sein Verstand war von allem losgelöst. Er war von allen Verbindungen zum Universum abgeschnitten, auch von seinem eigenen Ich – und sogar sein Selbstgefühl schien allmählich zu verschwinden.

„Ich bin Boyd Allen Jensen. Ich bin Boyd Allen Jensen“, murmelte er unaufhörlich in seinem Geist.

Es half nichts. Ohne die kaum merklichen subvokalen Bewegungen seiner Sprechorgane, um die Botschaft in seinem Gehirn zu untermauern, gab es keine wirkliche Emphasis. Was hatte er …? Nein! Flackern, schweben, verblassen, immer tiefer … Ich …

Er kämpfte sich einen Weg zurück zum Selbst, herauf aus den Tiefen der beinahe totalen Losgelöstheit von allem. Er kämpfte, bis er wieder wußte, daß er existierte, bis er sich selbst wieder real war. Aber er konnte es nicht lange aushalten. Das Wissen begann bereits wieder zu verblassen …

Sich kräftig bemühen, denken, es war höchste Zeit. Was war Zeit? Die Ewigkeit war verschwunden. Trotzdem, weiter versuchen! Ich. Ich … Ich … Ich!

Ein leises Flüstern erreichte ihn. Worte. Irgendwie verschaffte die Wahrheit sich einen Weg in sein Gehirn. Es war die WAHRHEIT, denn sie fokussierte ihn zurück in die Existenz. Plötzlich spürte er grelles Licht in seinen Augen. Er hörte die Stimme von Swartz neben sich, leise sprechend fütterte sie Gedanken in seinen fast blanken Verstand. Er schrie, unterdrückte die Worte und machte sie bedeutungslos. Sie stoppten, um erneut zu beginnen, und wieder schrie er. Nun kehrten auch Geschmack und Geruchssinn zurück, er spürte den Stuhl unter sich. Sie mußten ihm eine andere Droge gegeben haben, die die Effekte der ersten ausschaltete.

Sein Verstand schnappte in den Fokus zurück oder zumindest fast in den Fokus. Er war geschockt worden, und zwar weit über jedes in seiner Erfahrung verankerte Maß hinaus, weit mehr, als er das jemals für möglich gehalten hätte. Er zitterte. Doch die dunkle Kälte in seinem Innern zog sich zusammen und wurde stärker, bis er seinen Verstand wieder in seine üblichen Kanäle zwingen konnte. In diesem kurzen Augenblick fragte er sich, ob er beichten sollte. Da war ein Flüstern des Zwanges wie ein hauchdünner, hypnotischer Nebel, doch die Antwort zerriß ihn. Zur Hölle mit ihnen! Sie hatten keinen Erfolg gehabt! Vielleicht hatten sie nicht erwartet, daß er im richtigen Moment würde schreien und damit die hypnotischen Worte Swartz’ im kritischen Moment unwirksam machen können.

„Sie sind ein außergewöhnlich störrischer und verblendeter Mann“, sagte Swartz. Er wirkte noch eine Spur besorgter. „Pharao selbst hätte kein härteres Herz haben können. Trotzdem, im Endeffekt wird es Ihnen nichts einbringen. Es wäre besser, wenn Sie Ihren Kampf aufgeben würden. Manchmal kommen Menschen nicht zurück aus den Schatten.“

Da Boyd störrisch schwieg, zuckte der Bischof die Achseln. „Nun gut, Sie ruhen nun besser eine Weile aus, Dr. Jensen. Ich möchte nicht, daß Sie bei unserem nächsten Verhör in einer schlechten physischen Verfassung sind.“

Er ging aus dem Zimmer, gefolgt von dem Arzt und dem Assistenten. Durch die offene Tür konnte Boyd sehen, wie sie den Korridor betraten und sich entfernten. Nun waren nur noch die beiden gewöhnlichen Priester anwesend, die Boyd hergebracht hatten; sie saßen im anderen Raum und paßten auf. Einer von ihnen sah auf, als Boyd die Tür schloß, doch er sagte nichts. Der Raum hatte keine andere Tür, auch kein Fenster, daher war es nicht nötig, ihn direkt zu beobachten.

Er fand Essen und Wasser, das man für ihn zurückgelassen hatte. Beides schlang er gierig hinunter und genoß den Geruch und den Geschmack. Der Verstand, das erkannte er nun voll und ganz, war lediglich eine Reaktion auf äußerliche Stimuli. Ohne diese Stimuli konnte es keine Reaktion geben – und ohne Reaktion konnte der Verstand nicht existieren. Dieses Mal hatte er gewonnen. Doch das Ganze würde wieder und wieder geschehen. Und irgendwann einmal würde er entweder so geschwächt sein, daß er die Ideen von Swartz als seine eigenen akzeptieren würde, oder aber es würde ihm nicht mehr gelingen, die Realität wieder in den Griff zu bekommen. Auf längere Sicht konnte er das alles nicht durchstehen, und das Wissen darum schwächte ihn zusätzlich, was auch ein Bestandteil ihrer Pläne war. Je intelligenter er war, desto mehr mußte er einsehen, wie hoffnungslos sein Widerstand war, und desto leichter wurde es für ihn nachzugeben. Für diese spezielle Situation wäre es besser für ihn gewesen, wenn er dumm geboren worden und als ignoranter, vom Aberglauben besessener Dummkopf wie die beiden Wächter vor seiner Tür aufgewachsen wäre.

Plötzlich lachte er. Nun hatte er nichts mehr zu verlieren. Er hatte sich lange genug an die Regeln gehalten, die jemand anders diktiert hatte. Dieses Mal würde er seine Taten seinem eigenen Diktat folgen lassen.

Der Boden des Tellers ergab einen akzeptablen Spiegel. Er begann vorsichtig, sich in Gesicht und Nacken zu kneifen, dann in die Hände. Er mußte das wieder und wieder tun, doch schließlich war er so übersät von Wundmalen, wie er es gewollt hatte.

Der Stoff seiner Robe war, um einen Finger gewickelt, rauh genug, die bereits angegriffene Haut zum Bluten zu bringen, wenn man fest genug rieb. Zusätzlich biß er sich auf die Lippen, bis noch mehr Blut floß. Es war nicht allzu schwer, ein Nasenbluten vorzutäuschen, wenn man es nicht näher in Augenschein nahm.

Er stieß einen Schrei aus, und danach brachte er, so gut er es vermochte, vollkommene Verzweiflung zum Ausdruck. Als die Tür geöffnet wurde, kauerte er sich in die entfernteste Ecke, die Hände vor sein Gesicht geschlagen. Er stöhnte erneut und blinzelte zwischen seinen Fingern hindurch. Der zweite Priester gesellte sich zu dem ersten, beide starrten sie ihn an. Dann schluckte einer und deutete auf Boyds Hände.

Er sprang auf die Beine und versuchte, noch weiter in die Ecke zu kriechen, wobei er sie seine blutenden Lippen und die Nase sehen ließ. „Blut!“ schrie er. „Vorsicht! Blut!“

Er bewegte sich auf die Tür zu und taumelte dabei ein wenig. Noch einmal schrie er seine Warnung hinaus. Dann begann er zu rennen.

Sie stürzten davon, in ihren Gesichtern war die nackte Panik zu lesen. Sie hatten jene entsetzliche Angst vor Blutern, mit der er gerechnet hatte. Alles was sie wollten, war, aus seiner Nähe entkommen. Es war ihnen noch nie in den Sinn gekommen, daß ein Bluter sie angreifen könnte – was wahrscheinlich auch kein wirklicher Bluter getan hätte, denn bei ihnen gab es eben diese tiefe, ihnen eingehämmerte Ethik, die sie zwang, den Normalen aus dem Weg zu gehen.

Die äußere Tür hielt sie auf. Boyd schnellte zu ihnen hinüber und schlug wild ihre beiden Köpfe gegeneinander, ohne Rücksicht darauf, ob er sie tötete oder nicht. Trotzdem erleichterte es ihn herauszufinden, daß sie nur das Bewußtsein verloren hatten. Einer von ihnen hatte eine kleine Pistole, die er einsteckte, bevor er sich durch den Korridor entfernte.

Wahrscheinlich würden die beiden Männer, wenn sie das Bewußtsein wiedererlangten, ihn noch immer für einen Bluter halten. Auf jeden Fall würde eine Suchaktion nach ihm auf der Annahme beruhen, daß er versuchen würde, die Kathedrale zu verlassen. Statt dessen aber folgte er den Hinweisschildern, die weiter ins Innere des Bauwerks wiesen, bis er eine Wendeltreppe fast im Herzen des großen Gebäudes fand. Das Glück war auf seiner Seite, denn zu dieser schienen nur wenige Leute unterwegs zu sein. Er befand sich schon weit über dem Erdgeschoß, als er endlich auf einen Mann traf, der ebenfalls die Treppe benutzte – es war ein alter Mann im Gewand eines Bischofs. Er hastete weiter hoch, um den anderen einzuholen.

„Vater“, rief er leise. „Vater, Sie wollen doch sicher nicht Selbstmord begehen!“

Das Wort hatte die erforderliche Schockwirkung. Der Mann blieb erschrocken stehen, bis Boyd ihm die Pistole entgegenhielt. „Ziehen Sie Ihre Kleider aus, Vater.“

Langsam stieg die Röte in das alte Gesicht. Dann kehrten Ruhe und Entschlossenheit wieder darauf zurück. „Aber sicherlich nicht hier. Auf diesem Stockwerk ist ein Schrank. Ich gebe Ihnen mein Wort, dort werde ich keinen Widerstand leisten.“

Es war ein kleiner Besenschrank, wo der Mann wahrscheinlich Stunden verbringen mußte, um seine Nacktheit zu verbergen, bevor er Hilfe von einem Vorbeigehenden erwarten durfte. Boyd wartete stumm, bis die Kleider herausgereicht wurden. Um die Last, die er damit zusätzlich seinen Sünden hinzufügte, kümmerte er sich nicht. Dann entkleidete er sich selbst hastig und vertauschte die Anzüge. Seine eigenen Kleider warf er in einen Müllschlucker.

Er hatte tatsächlich Glück, erkannte er, während er weiter nach oben ging und das schwere goldene Kruzifix gegen seine Robe baumelte. Der Hut verbarg seinen Kopf gut genug, das Abzeichen auf dem Gewand wies den Bischof als Verwalter der Aufzeichnungen oder als Aufseher aus. Für Boyds Zwecke hätte es gar nicht besser sein können.

Diese Robe sollte es ihm ermöglichen, in die Halle der Geheimnisse zu gelangen, wo sich seiner Ansicht nach die geheimen Aufzeichnungen der Kirche befinden mußten. Jede Gruppe wie die Herrschenden hier mußte viele Geheimnisse haben, deren Enthüllung sie unbedingt vermeiden wollte. Mit etwas Glück fand er etwas, das wichtig genug war, daß er damit Ellens Freiheit erzwingen konnte, wenn schon nicht seine eigene. Und im schlimmsten Fall befand er sich dann noch immer in großer Nähe zu den Mächtigen der Kirche. Früher oder später würden sie ihn erwischen, aber er konnte wenigstens ein paar von ihnen mit sich nehmen. Sein Leben war nicht vollkommen vergeblich gewesen, wenn er die Erde von einigen Leuten befreien konnte, die mitverantwortlich für die Situation des Planeten waren!