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Ich würde gerne auf meine Fragenliste zurückkommen.
Und ich möchte auf alle diese Fragen noch sehr viel detaillierter eingehen. Wir könnten allein schon dem Thema Beziehung ein ganzes Buch widmen. Doch dann müßte ich auf meine anderen Fragen ein für allemal verzichten.
ES WIRD ANDERE Zeiten, andere Orte geben – sogar andere Bücher. Ich bin bei dir. Laß uns fortfahren. Wir kommen auch hier noch einmal darauf zurück, wenn wir Zeit haben.
Gut. Also, meine nächste Frage war: Warum scheine ich in meinem Leben nie über ausreichend Geld verfügen zu können? Ist es mein Schicksal, für den Rest meines Lebens knapsen und die Pfennige zusammenkratzen zu müssen?
Was hindert mich daran, in dieser Hinsicht mein ganzes Potential zu verwirklichen?
DIESER ZUSTAND MANIFESTIERT sich nicht nur durch dich, sondern durch sehr viele Menschen.
Jedermann sagt mir, es sei ein Problem des Selbstwertgefühls, ein Mangel an Selbstwertgefühl. Ich hatte ein Dutzend New-Age-Lehrer, die mir erklärten, daß sich jegliche Form von Mangel immer auf ein mangelndes Selbstwertgefühl zurückführen läßt.
DAS IST EINE sehr bequeme Vereinfachung der Dinge. In diesem Fall irren sich deine Lehrer. Du leidest nicht an mangelndem Selbstwertgefühl. In Wirklichkeit bestand die größte Herausforderung deines Lebens stets darin, dein Ego unter Kontrolle zu halten. Manche haben auch gesagt, es sei ein Fall von zuviel Selbstwertgefühl.
Da stehe ich nun wieder, beschämt und zerknirscht. Aber du hast recht.
JEDESMAL, WENN ICH dir die Wahrheit über dich sage, antwortest du, daß du beschämt und zerknirscht bist. Beschämung ist die Reaktion einer Person, die immer noch hinsichtlich ihres Status aus dem Blickwinkel anderer in ihr Ego investiert. Lade dich dazu ein, darüber hinauszugelangen. Versuch es mit einer neuen Reaktion. Versuch es mit Lachen.
In Ordnung.
SELBSTWERTGEFÜHL IST NICHT dein Problem. Du bist mit einer Menge davon gesegnet. Das gilt für die meisten Menschen. Ihr habt alle eine sehr hohe Meinung von euch, was euch auch rechtens zustehen soll. Das Selbstwertgefühl ist also für die große Masse der Menschen nicht das Problem.
Was dann?
DAS PROBLEM IST ein mangelndes Verständnis von den Prinzipien der Fülle, meist in Verbindung mit einem krassen Fehlurteil über das, was »gut« und »böse« oder »schlecht« ist. Laß mich dir ein Beispiel geben.
Ich bitte dich darum.
DU SCHLEPPST DEN Gedanken mit dir herum, daß Geld etwas Schlechtes ist. Und du trägst auch den Gedanken in dir, daß Gott gut ist. Sei gesegnet! Von daher sind innerhalb deines gedanklichen Systems Gott und Geld nicht miteinander vereinbar.
Nun, ich nehme an, in gewisser Hinsicht stimmt das. So denke ich jedenfalls.
DAS MACHT DIE Dinge interessant, weil du es dir auf diese Weise erschwerst, für irgend etwas Gutes Geld zu nehmen.
Ich meine, wenn du etwas als sehr »gut« beurteilst, erachtest du es hinsichtlich des Geldes als etwas Geringeres. Das heißt, je »besser« (sich im Wert steigernd) etwas ist, desto weniger Geld ist es wert.
Das geht nicht nur dir so. Eure ganze Gesellschaft glaubt das. So verdienen eure Lehrer einen Hungerlohn und eure Stripteasetänzerinnen sich goldene Nasen. Eure kommunalen Führer verdienen im Vergleich zu euren Sporthelden so wenig, daß sie das Gefühl haben, sich noch anderweitig bedienen zu müssen. Eure Priester und Rabbis leben nicht selten am Existenzminimum, während ihr euren TV-Entertainern das Geld hinterherwerft.
Denk darüber nach. Ihr beharrt darauf, daß euch alles, dem ihr einen inhärenten hohen Wert zumeßt, billig zukommen muß. Der einsame Wissenschaftler, der nach einer Heilungsmethode für Aids forscht, sucht verzweifelt nach Sponsoren, während die Frau, die ein Buch über hundert neue Sexualpraktiken schreibt und dazu Tonbandkassetten produziert und Wochenendseminare abhält, ein Vermögen scheffelt.
Ihr habt diese Neigung, alles verkehrt herum zu betrachten, und diese wiederum entspringt einem falschen Gedanken.
Der falsche Gedanke betrifft eure Vorstellung vom Geld.
Ihr liebt es, und doch behauptet ihr, es sei die Wurzel allen Übels. Ihr betet es an, und doch sprecht ihr vom »schmutzigen Profit«. Ihr sagt, daß eine Person »stinkreich« ist.
Und wenn besagte Person tatsächlich dadurch vermögend geworden ist, daß sie »gute« Dinge tut, werdet ihr sofort mißtrauisch. Ihr vermutet sogleich etwas »Unrechtes« dahinter.
Ein Arzt sollte also lieber nicht zuviel Geld verdienen oder aber lernen, die Sache für sich zu behalten. Und erst eine Geistliche! Die sollte nun wirklich besser nicht ein Spitzeneinkommen haben (vorausgesetzt, ihr laßt überhaupt eine »Sie« Geistliche werden), sonst gerät sie mit Sicherheit in Schwierigkeiten.
Siehst du, in eurer geistigen Vorstellung sollte eine Person, welche die höchste Berufung erwählt, den niedrigsten Lohn erhalten …
Hmm.
JA, »HMM« IST richtig. Ihr solltet darüber nachdenken. Denn es ist wirklich ein sehr falscher Gedanke.
Ich dachte, so etwas wie »falsch« oder »richtig« gibt es nicht.
GIBT ES AUCH nicht. Es gibt nur das, was euch dient und was euch nicht dient. »Richtig« und »falsch« sind relative Begriffe, und in diesem Sinn benutze ich sie, falls überhaupt.
In diesem Fall sind deine Gedanken über das Geld in Relation zu dem, was dir dient – in Relation zu dem, was du deiner Aussage nach haben willst –, falsche Gedanken.
Denk daran: Gedanken sind schöpferisch. Wenn du also glaubst, daß Geld etwas Schlechtes ist, du dich selbst aber für gut hältst … na, du wirst schon sehen, welch ein Konflikt sich daraus ergibt.
Besonders du, mein Sohn, agierst das diesbezügliche kollektive Bewußtsein in großem Stil aus. Für die meisten Menschen stellt dies keinen auch nur annähernd so enormen Konflikt dar wie für dich. Sie üben ungeliebte Tätigkeiten aus, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und so macht es ihnen auch nichts aus, Geld dafür zu nehmen.
»Schlechtes« für »Schlechtes« sozusagen. Aber du liebst das, was du mit den Tagen und Zeiten deines Lebens anfängst. Du liebst die Aktivitäten, mit denen du sie vollstopfst.
Wenn du große Geldsummen für das erhieltest, was du tust, so hieße das nach deinem Selbstverständnis, »Schlechtes« für »Gutes« nehmen, und das ist für dich inakzeptabel. Du würdest lieber Hunger leiden, als »schmutzigen Profit« aus »sauberer Dienstleistung« zu schlagen … so als würde die Dienstleistung irgendwie ihre Lauterkeit verlieren, wenn du Geld dafür nimmst.
Wir haben es hier also konkret mit einer Ambivalenz hinsichtlich des Geldes zu tun. Ein Teil von dir lehnt es ab, und ein Teil grollt, weil du es nicht hast. Das Universum weiß nun nicht, was es mit dem Widerspruch anfangen soll, weil es zwei verschiedene Gedanken von dir empfängt. Also geht es in deinem Leben in finanziellen Dingen immer ruckweise zu, weil du diesbezüglich ruckweise agierst.
Dir mangelt es an einer klaren Strategie; du bist dir nicht wirklich sicher, was für dich richtig ist. Und das Universum ist lediglich eine große Kopiermaschine. Es vervielfältigt deine Gedanken.
Da gibt es nur einen Weg, um aus dem Dilemma herauszukommen: Du mußt deine diesbezüglichen Gedanken ändern.
Wie kann ich denn ändern, wie ich denke! So wie ich über etwas denke, so denke ich eben darüber. Meine Gedanken, meine Ansichten, meine Ideen sind doch nicht das Resultat eines einminütigen Prozesses. Ich darf doch annehmen, daß sie das Resultat von Jahren der Erfahrung, eines ganzen Lebens der Begegnungen sind. Du hast recht, was meine Denkweise über das Geld angeht, doch wie kann ich sie ändern?
DAS KÖNNTE DIE interessanteste Frage des ganzen Buches sein. Die meisten Menschen bedienen sich beim Erschaffungsprozeß gewöhnlich einer Methode, die drei Schritte beinhaltet: nämlich Gedanke, Wort und Tat oder Handlung.
Zuerst entwickelt sich der Gedanke, die formgebende Idee, das anfängliche Konzept. Ihm folgt das Wort. Die meisten Gedanken formen sich letztlich zu Worten, die dann oft ausgesprochen oder aufgeschrieben werden. Das verleiht dem Gedanken zusätzliche Energie, stößt ihn hinaus in die Welt, wo er von anderen wahrgenommen werden kann.
Schließlich werden in manchen Fällen die Worte in Taten umgesetzt, und ihr gelangt zu dem, was ihr ein Resultat nennt; eine Manifestation in der physischen Welt von all dem, was mit einem Gedanken begann.
Alles in der von euch Menschen geschaffenen Welt gelangte auf diese Weise zum Sein – oder zu einer Variation davon. Alle drei Schöpfungszentren wurden genutzt.
Aber nun stellt sich die Frage: wie den »urheberischen Gedanken« ändern?
Ja, das ist eine sehr gute Frage, und eine sehr wichtige noch dazu. Denn wenn die Menschen nicht einige ihrer urheberischen Gedanken umwandeln, könnte sich die Menschheit zum Untergang verdammen.
Der schnellste Weg, einen Grundgedanken oder eine urheberische Idee zu verändern, ist der, daß der Prozeß Gedanke-Wort-Tat umgekehrt wird.
Erkläre das bitte.
VOLLFÜHRE ZUERST DIE Tat, die der neue Gedanke deinem Willen nach beinhalten soll. Sprich dann die Worte, die der neue Gedanke deinem Willen nach beinhalten soll. Wiederhole dies so oft wie möglich, und du trainierst deinen Geist, auf eine neue Weise zu denken.
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Anmerkung:
Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch auch indem ich dieses niederschreibe, Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! auf einmal seh ich Rat Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!
(Faust: Zeile 1225 bis 1238)
Johann Wolfgang von Goethe XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
Den Geist trainieren? Entspricht das nicht der Mind-Control-Methode? Ist das nicht lediglich mentale Manipulation?
HAST DU IRGENDEINE Ahnung, wie dein Geist zu den Gedanken kam, die er jetzt hat? Weißt du nicht, daß eure Welt deinen Geist so manipuliert hat, daß er so denkt, wie er denkt? Wäre es nicht besser, wenn du deinen Geist manipuliertest, statt dies der Welt zu überlassen?
Stündest du nicht besser da, wenn du die Gedanken denkst, die du denken willst, statt die der anderen? Bist du nicht besser ausgerüstet, wenn du kreative statt reaktive Gedanken hast?
Doch euer Geist ist voll mit reaktivem Denken – Gedanken, die der Erfahrung anderer entspringen. Sehr wenige eurer Gedanken sind das Ergebnis selbstproduzierter Daten und Informationen, von selbstproduzierten Vorlieben ganz zu schweigen.
Dein persönlicher Grundgedanke über das Geld ist ein vorrangiges Beispiel dafür. Deine Vorstellung von Geld (Geld ist schlecht) läuft deiner Erfahrung direkt zuwider (es ist großartig, Geld zu haben!). Also läßt du dich treiben und mußt dich hinsichtlich deiner eigenen Erfahrung belügen, um deinen Grundgedanken rechtfertigen zu können.
Du bist dieser fixen Idee so ausgeliefert, daß du nie auf den Gedanken kommst, daß deine Vorstellung vom Geld unkorrekt sein könnte.
Deshalb ist es nun unser Bestreben, mit ein paar selbstproduzierten Informationen aufzuwarten. Und so verändern wir einen Grundgedanken und bringen ihn dazu, dein Grundgedanke zu sein und nicht der eines anderen. Du wirst übrigens von einem weiteren Gedanken hinsichtlich des Geldes beherrscht, den ich noch erwähnen muß.
Und der ist?
DASS NICHT GENUG vorhanden ist. In Wirklichkeit bezieht sich dieser Grundgedanke nahezu auf alles in deinem Leben: Es gibt nicht genug Geld, nicht genug Zeit, nicht genug Liebe, nicht genug Essen, Wasser, Mitgefühl in der Welt…
Was immer an Gutem vorhanden ist, es gibt einfach nicht genug davon.
Dieses kollektive Bewußtsein vom »Nicht-genug-vorhanden-Sein« erschafft und wiedererschafft die Welt, wie ihr sie seht.
Gut, ich habe also zwei Grundgedanken – urheberische Gedanken – in bezug aufs Geld, die ich verändern muß.
OH, MINDESTENS ZWEI – wahrscheinlich sehr viel mehr. Laß uns mal sehen: Geld ist schlecht… Geld ist knapp … Man sollte kein Geld dafür erhalten, daß man Gottes Werke tut (bei dir ein sehr ausgeprägter Gedanke)… Geld ist niemals umsonst erhältlich … Geld wächst nicht auf Bäumen (wo es das doch tatsächlich tut) … Geld korrumpiert …
Ich sehe schon, ich habe eine Menge Arbeit zu leisten.
JA, DAS HAST DU, wenn du mit deiner gegenwärtigen finanziellen Situation nicht glücklich bist. Andererseits ist es wichtig für dich zu begreifen, daß du mit deiner gegenwärtigen finanziellen Situation nicht glücklich bist, weil du mit deiner gegenwärtigen finanziellen Situation nicht glücklich bist.
Manchmal fällt es mir schwer, dir zu folgen.
MANCHMAL FÄLLT ES mir schwer, dich zu führen.
Hör mal, du bist hier der Gott. Warum machst du es nicht leicht verständlich?
ICH HABE ES leicht verständlich gemacht.
Warum bringst du mich dann nicht dazu, daß ich es verstehe, falls du das wirklich willst?
ICH WILL WIRKLICH, was du wirklich willst – nichts anderes und nicht mehr. Siehst du denn nicht, daß das mein größtes Geschenk für euch ist? Wenn ich für euch etwas anderes wollte, als ihr für euch wollt, und dann so weit ginge, euch dazu zu bringen, daß ihr es habt – wo bliebe dann euer freier Wille? Wie könntet ihr schöpferische Wesen sein, wenn ich euch diktierte, was ihr sein, tun und haben sollt?
Meine Freude liegt in eurer Freiheit, nicht in eurer Willfährigkeit oder Unterwerfung.
Schon gut. Was hast du also damit gemeint: Ich bin mit meiner finanziellen Situation nicht glücklich, weil ich mit meiner finanziellen Situation nicht glücklich bin?
DU BIST, WAS du denkst, daß du bist. Das ist ein Teufelskreis, wenn es sich um einen negativen Gedanken handelt.
Du mußt eine Möglichkeit finden, diesen Kreis zu durchbrechen.
Ein Großteil deiner gegenwärtigen Erfahrung gründet sich auf dein vorangegangenes Denken. Der Gedanke führt zur Erfahrung, die zum Gedanken führt, der zur Erfahrung führt. Das kann zu ständiger Freude führen, wenn der urheberische Gedanke ein freudiger ist. Das kann eine fortwährende Hölle zur Folge haben und tut es auch, wenn der urheberische Gedanke »höllisch« ist.
Der Trick besteht darin, den urheberischen Gedanken zu verändern. Ich war dabei zu erläutern, wie sich das bewerkstelligen läßt.
Fahr bitte fort.
DANKE.
Als erstes müßt ihr dieses Paradigma von Gedanke-Wort-Tat umdrehen. Erinnerst du dich an den alten Spruch »Denk nach, bevor du etwas tust«?
Ja.
DEN VERGISS MAL. Wenn du einen Grundgedanken verändern willst, mußt du handeln, bevor du denkst.
Beispiel: Du gehst die Straße entlang und triffst auf eine alte Dame, die dich um etwas Geld anbettelt. Du merkst, daß sie obdachlos ist und nur von einem Tag auf den anderen lebt. Du weißt sofort, daß du selbst zwar nur wenig Geld hast, aber doch genug, um auf etwas davon zu verzichten. Dein erster Impuls ist, ihr ein paar Münzen zu schenken. Ein Teil von dir wäre auch bereit, ihr mehr zu geben – fünf oder sogar zehn Mark. Was soll’s, mach’s zum Glückstag für sie. Heitere sie auf.
Dann setzt das Denken ein. Was, bist du verrückt? Wir haben selbst nur zwanzig Mark, um uns über die Runden zu bringen! Und du willst ihr zehn Mark geben? Du suchst nach dem Zehner.
Dann denkst du wieder: Hör mal, du hast wirklich nicht soviel, daß du das einfach weggeben kannst! Gib ihr um Himmels willen ein paar Münzen und schau, daß du wegkommst.
Du grabschst im Portemonnaie nach den Münzen. Du bist verlegen. Da stehst du, ordentlich gekleidet, satt, und die arme Frau, die nichts hat, willst du nur mit ein paar Münzen abspeisen.
Du fummelst weiter, versuchst vergeblich, fünfzig Pfennig oder eine Mark zu finden. Ah, da ist was. Aber inzwischen bist du schon, verlegen lächelnd, an ihr vorbeigegangen, und es ist zu spät, um noch mal zurückzugehen. Sie bekommt nichts, du ebenfalls nichts. Und statt der Freude, die dir das Wissen um deine Fülle und das Teilen mit ihr gibt, fühlst du dich nun ebenso arm wie die Frau.
Warum hast du ihr nicht einfach doch die fünf oder zehn Mark gegeben! Es war dein erster Impuls, aber deine Gedanken kamen dir in die Quere.
Beschließe, daß du das nächste Mal handelst, bevor du denkst. Trenn dich von dem Geld. Mach’s! Du hast es, und es existiert eine Quelle, wo es noch mehr davon gibt. Das ist der einzige Gedanke, der dich von der Obdachlosen unterscheidet. Dir ist klar, daß es da, wo es herkam, noch mehr gibt, und sie weiß es nicht.
Wenn du einen Grundgedanken ändern willst, dann handle in Übereinstimmung mit dem neuen Gedanken. Aber dabei mußt du schnell sein, oder dein Geist wird diesen Gedanken abtöten, noch bevor du es merkst. Das meine ich ganz buchstäblich. Der Gedanke, die neue Wahrheit, wird in dir tot sein, noch bevor du auch nur die Chance hattest, ihn zu verinnerlichen.
Handle also umgehend, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und wenn das oft genug geschieht, wird dein Geist bald die Idee erfassen. Es wird dein neuer Gedanke sein.
Oh, ich habe gerade was kapiert! Ist das mit der Bewegung des Neuen Denkens gemeint?
WENN NICHT, DANN sollte es so sein. Neues Denken ist eure einzige Chance. Es ist eure einzige wirkliche Gelegenheit zur Weiterentwicklung, zum Wachstum, um jene zu werden, die-ihr-wirklich-seid.
Euer Geist ist gegenwärtig mit alten Gedanken erfüllt – und nicht nur damit, sondern auch meist noch mit den alten Fremdgedanken von anderen. Es ist wichtig, ist jetzt an der Zeit, daß ihr eure Gesinnung, eure Meinung über einige Dinge ändert. Darum geht es in der Evolution.