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Was ist der wahre Weg zu Gott?

Ist es der Weg der Entsagung, wie manche Yogis glauben?

Und wie steht es mit dem, was man Leiden nennt? Sind Leiden und Dienen der Weg, der zu Gott führt, wie viele Asketen behaupten? Verdienen wir uns den Weg in den Himmel dadurch, daß wir »gut sind–, wie so viele Religionen lehren? Oder sind wir frei zu tun, wie es uns beliebt, können wir jede Regel brechen oder ignorieren, irgendwelche traditionellen Lehren beiseite lassen, uns hemmungslos in alles mögliche stürzen und ins Nirwana eingehen, wie viele New-Age-Anhänger meinen? Wie ist es nun?

Strenge moralische Prinzipien oder tu, wie dir beliebt? Traditionelle Werte oder schaff sie dir selbst, so wie es sich eben ergibt? Die Zehn Gebote oder die Sieben Schritte zur Erleuchtung?

DU HAST EIN großes Bedürfnis danach, daß es entweder so oder so sein soll, nicht wahr … Könnte es nicht alles das sein?

Ich weiß nicht. Ich frage dich.

DANN WILL ICH dir so antworten, wie du es am besten verstehen kannst, obwohl ich dir jetzt auch sage, daß die Antwort in deinem Innern liegt. Ich sage das allen Menschen, die meine Worte hören und meine Wahrheit suchen.

Jedem Herz, das ernsthaft die Frage nach dem Weg zu Gott stellt, wird die Antwort gezeigt. Ein jeder erhält eine tief im Herzen empfundene Wahrheit. Kommt zu mir auf dem Weg eures Herzens, nicht über eine Verstandesreise. Ihr werdet mich nie in eurem verstandesmäßigen Bewußtsein finden.

Um Gott wirklich zu erkennen und zu erfahren, müßt ihr euren Verstandesbereich verlassen?

Doch deine Frage verlangt eine Antwort, und ich werde mich der Vehemenz deiner Befragung nicht entziehen.

Ich werde mit einer Aussage beginnen, die dich bestürzen und vielleicht viele Menschen in ihren Empfindungen verletzen wird: So etwas wie die Zehn Gebote gibt es nicht.

Was, es gibt sie nicht?

NEIN. DENN WEM sollte ich gebieten? Mir selbst? Und warum wären solche Gebote erforderlich? Was immer ich will, das ist. Oder etwa nicht? Wie sollte es da also nötig sein, irgend jemandem zu gebieten?

Und würden Gebote, wenn ich sie erließe, nicht automatisch befolgt werden? Wie könnte ich so sehr wünschen, daß etwas so sein soll, daß ich es gebiete – um dann dazu-sitzen und mir anzusehen, daß es nicht so ist?

Welcher König würde das tun? Welcher Herrscher?

Und doch sage ich euch dies: Ich bin weder ein König noch ein Herrscher. Ich bin einfach – und ehrfurchtgebietend – der Schöpfer. Doch der Schöpfer herrscht nicht, er erschafft nur, erschafft und erschafft immerfort.

Ich habe euch erschaffen – euch gesegnet – nach meinem Ebenbild. Und ich habe euch gewisse Versprechen gegeben, bin euch gegenüber gewisse Verpflichtungen eingegangen.

Ich habe euch in einfachen und klaren Worten erklärt, wie es sich mit euch verhalten wird, wenn ihr mit mir eins werdet.

Du bist wie Moses ein ernsthaft Suchender. Auch Moses stand wie du jetzt vor mir und bat um Antworten. »O Gott meiner Väter!« rief er. »Gott meines Gottes, laß dich herab und zeig dich mir. Gib mir ein Zeichen, damit ich meinem Volk davon berichten kann! Woran können wir erkennen, daß wir auserwählt sind?«

Und ich kam zu Moses, so wie ich jetzt zu dir gekommen bin, mit einem göttlichen Bund – einem immerwährenden Versprechen – mit einer sicheren und gewissen Verpflichtung…Wie kann ich sicher sein?« fragte Moses klagend.

»Weil ich es dir gesagt habe«, antwortete ich. »Du hast das Wort Gottes.«

Und das Wort Gottes war kein Gebot, sondern ein Bund.

Und dies nun sind die …

ZEHN VERPFLICHTUNGEN

Ihr werdet wissen, daß ihr den Weg zu Gott genommen habt, und ihr werdet wissen, daß ihr Gott gefunden habt, denn es wird diese Zeichen, diese Hinweise, diese Veränderungen in euch geben:

l. Ihr werdet Gott mit eurem ganzen Herzen, mit eurem ganzen Geist und mit eurer ganzen Seele lieben. Und ihr werdet keinen anderen Gott über mich stellen. Ihr werdet nicht länger menschliche Liebe oder Erfolg oder Macht oder irgendein Symbol davon anbeten. Ihr werdet alle diese Dinge aufgeben, so wie ein Kind sein Spielzeug ablegt. Nicht, weil diese Dinge nichts wert sind, sondern weil ihr ihnen entwachsen seid.

Und ihr werdet wissen, daß ihr den Weg zu Gott genommen habt, weil 2. ihr den Namen Gottes nicht mißbrauchen werdet. Und ihr werdet mich auch nicht um nichtiger Dinge willen anrufen. Ihr werdet die Macht des Wortes und der Gedanken verstehen und nicht daran denken, den Namen Gottes auf gottlose Weise auszusprechen. Ihr werdet meinen Namen nicht vergeblich gebrauchen, weil ihr es nicht könnt. Denn mein Name – das große »Ich Bin« – wird nicht und kann niemals vergeblich (das heißt ergebnislos) gebraucht werden. Und wenn ihr Gott gefunden habt, werdet ihr dies wissen.

Und ich will euch auch diese anderen Zeichen geben: 3. Ihr werdet daran denken, mir einen Tag vorzubehalten, und ihr werdet ihn heilig nennen. Das, damit ihr nicht lange in eurer Illusion verharrt, sondern euch dazu bringt, euch daran zu erinnern, wer und was ihr seid.

Und dann werdet ihr bald jeden Tag einen Sabbat und jeden Augenblick heilig nennen.

4. Ihr werdet eure Mutter und euren Vater ehren – und ihr werdet wissen, daß ihr Gotteskinder seid, wenn ihr euren Gottvater/eure Gottmutter in allem, was ihr sagt oder tut oder denkt, ehrt. Und so wie ihr Gottvater/Gottmutter und euren Vater und eure Mutter auf Erden ehrt (denn sie haben euch Leben gegeben), werdet ihr ein jedes Wesen ehren.

5. Ihr wißt, daß ihr Gott gefunden habt, wenn ihr darauf achtet, daß ihr nicht mordet (das heißt, willentlich ohne Grund tötet. Denn obgleich ihr versteht, daß ihr keinesfalls das Leben eines anderen beenden könnt (alles Leben ist ewig), werdet ihr euch doch nicht dazu entscheiden, ohne allerheiligsten, gerechtfertigtsten Grund irgendeiner bestimmten Inkarnation ein Ende zu setzen oder irgendeine Lebensenergie von einer Form in eine andere zu verwandeln. Eure neue Ehrfurcht vor dem Leben wird euch dazu veranlassen, alle Lebensformen – einschließlich der Pflanzen, Bäume und Tiere – zu achten und nur dann auf sie einzuwirken, wenn es dem höchsten Gut dient.

Und diese anderen Zeichen will ich euch auch schicken, damit ihr wißt, daß ihr auf dem Weg seid: 6. Ihr werdet die Reinheit der Liebe nicht durch Unehrlichkeit oder Täuschung entweihen, denn das ist ehebrecherisch. Ich verspreche euch, daß ihr, wenn ihr Gott gefunden habt, diesen Ehebruch (diese Unkeuschheit) nicht begehen werdet.

7. Ihr werdet kein Ding nehmen, das euch nicht gehört, noch werdet ihr betrügen, ein Komplott schmieden, einem anderen schaden, um etwas zu bekommen, denn das hieße stehlen. Ich verspreche euch, daß ihr, wenn ihr Gott gefunden habt, nicht stehlen werdet.

Noch werdet ihr …

8. … etwas Unwahres sagen und so falsches Zeugnis geben.

Noch werdet ihr …

9. eures Nächsten Gefährtin/Gefährten begehren, denn warum solltet ihr eures Nächsten Gefährtin/Gefährten haben wollen, wenn ihr wißt, daß alle anderen eure Seelengefährten sind?

Noch werdet ihr …

10. … eures Nächsten Güter begehren, denn warum solltet ihr eures Nächsten Güter haben wollen, wenn ihr wißt, daß alle Güter die euren sein können und alle eure Güter der Welt angehören?

Ihr werdet wissen, daß ihr den Weg zu Gott gefunden habt, wenn ihr diese Zeichen seht. Denn ich verspreche euch, daß keiner, der wahrhaft Gott sucht, noch länger diese Dinge tun wird. Es wäre unmöglich, solche Verhaltensweisen fortzusetzen.

Das sind eure Freiheiten, nicht eure Beschränkungen. Das sind meine Verpflichtungen, nicht meine Gebote. Denn Gott kommandiert nicht herum, was von ihm erschaffen worden ist – Gott sagt Gottes Kindern nur: Auf diese Weise werdet ihr wissen, daß ihr nach Hause kommt.

Moses fragte ernsthaft: »Wie kann ich wissen? Gib mir ein Zeichen.« Moses stellte die gleiche Frage wie du jetzt, jene Frage, die alle Menschen allerorten seit Anbeginn der Zeit gestellt haben.

Meine Antwort ist gleichermaßen ewig gültig. Aber es gab nie und wird nie ein Gebot geben. Denn wem soll ich gebieten? Und wen soll ich bestrafen, wenn meine Gebote nicht eingehalten werden?

Es gibt nur mich.

Also muß ich die Zehn Gebote nicht einhalten, um in den Himmel zu kommen.

SO ETWAS WIE »in den Himmel kommen« gibt es nicht. Es gibt nur ein Wissen, daß du schon dort bist. Es gibt ein Akzeptieren, ein Verstehen, es gibt kein dafür Arbeiten, kein Hinstreben.

Du kannst nicht dorthin gehen, wo du schon bist. Dazu müßtest du den Ort, wo du bist, verlassen, und das würde den ganzen Zweck der Reise zunichte machen.

Ironischerweise denken die meisten Menschen, daß sie von dort, wo sie sind, weggehen müssen, um dahin zu kommen, wo sie hinwollen. Und so verlassen sie den Himmel, um in den Himmel zu gelangen – und gehen durch die Hölle.

Erleuchtung ist das Verstehen, daß ihr nirgendwohin gehen müßt, nichts tun müßt und niemand sein müßt, außer genau der Mensch, der ihr jetzt seid.

Ihr seid auf einer Reise nach nirgendwohin.

Der Himmel – wie ihr ihn nennt – ist nirgendwo. Er ist jetzt, und er ist hier.

Alle Welt sagt das – jedermann! Es macht mich verrückt!

Wie kommt es, daß wenn der »Himmel jetzt und hier ist«, ich ihn nicht sehen kann? Warum fühle ich ihn nicht? Und warum ist die Welt ein solcher Schlamassel?

ICH VERSTEHE DEINE Frustration. Es ist fast ebenso frustrierend zu versuchen, all das zu verstehen, wie zu versuchen, jemanden dazu zu bringen, das zu verstehen.

Halt! Moment mal! Willst du mir zu verstehen geben, daß Gott frustriert sein kann?

WER, GLAUBST DU, hat die Frustration erfunden! Und bildest du dir ein, daß du etwas erfahren kannst, das ich nicht erfahren kann?

Ich sage euch dies: Jede Erfahrung, die ihr macht, mache ich auch. Seht ihr nicht, daß ich mein Selbst durch euch erfahre? Wozu sonst, denkt ihr, findet das alles statt?

Ich könnte mich ohne euch nicht selbst erfahren. Ich habe euch erschaffen, damit ich erfahren kann, Wer-Ich-Bin.

Nun will ich ja nicht alle deine Illusionen über mich in einem einzigen Kapitel zerstören, weshalb ich dir sage, daß ich in meiner erhabensten Form – also jener, die ihr Gott nennt – keine Frustration erfahre.

Na, das ist schon besser. Du hast mich für einen Moment ganz schön erschreckt.

ABER DAS IST nicht so, weil ich es nicht könnte. Es ist ganz einfach so, weil ich mich dagegen entscheide. Und diese Wahl könnt ihr übrigens ebenfalls treffen.

Nun, frustriert oder nicht – ich frage mich immer noch, wie es sein kann, daß der Himmel genau hier ist und ich ihn nicht erfahre.

IHR KÖNNT NICHT erfahren, was ihr nicht wißt. Und ihr wißt nicht, daß ihr hier und jetzt im »Himmel« seid, weil ihr ihn nicht erfahren habt. Für euch ist das ein Teufelskreis. Ihr könnt nicht erfahren – habt noch keinen Weg dorthin gefunden –, was ihr nicht wißt, und ihr wißt nicht, was ihr noch nicht erfahren habt.

Erleuchtung verlangt von euch, etwas zu wissen, was ihr nicht erfahren habt, und es somit zu erfahren. Wissen öffnet die Tür zur Erfahrung – und ihr stellt euch vor, daß es andersherum ist.

Tatsächlich wißt ihr sehr viel mehr, als ihr erfahren habt.

Ihr wißt einfach nicht, daß ihr wißt.

Ihr wißt zum Beispiel, daß ein Gott existiert. Aber unter Umständen wißt ihr nicht, daß ihr dies wißt. Also wartet ihr weiterhin auf die Erfahrung. Doch die ganze Zeit über habt ihr sie schon. Ihr habt sie, ohne es zu wissen – was damit gleichbedeutend ist, sie gar nicht zu haben.

Jetzt bewegen wir uns aber im Kreis.

JA. UND STATT ständig im Kreis herumzugehen, sollten wir vielleicht der Kreis selbst sein. Dies muß kein Teufelskreis sein. Es kann ein sublimer Kreis sein.

Gehört Entsagung zu einem wahrhaft spirituellen Leben?

JA, WEIL LETZTLICH jeglicher reine Geist dem entsagt, was nicht wirklich ist; und nichts im Leben, das ihr führt, ist wirklich – außer eurer Beziehung zu mir. Doch die Entsagung im klassischen Sinn von Selbstverleugnung ist nicht erforderlich.

Ein wahrer Meister »gibt nicht irgend etwas auf«. Er legt es nur beiseite, wie er mit allem verfahren würde, das er nicht länger brauchen kann.

Da gibt es jene, die sagen, daß ihr alle eure Begierden und Wünsche überwinden müßt. Ich sage, ihr müßt sie einfach ändern. Erstere Praxis nimmt sich wie eine rigorose Disziplin aus, die zweite ist eine freudvolle Übung.

Da gibt es jene, die sagen, daß ihr alle irdischen Leidenschaften überwinden müßt, um Gott zu erkennen. Doch es reicht aus, sie zu verstehen und zu akzeptieren. Etwas, dem ihr euch widersetzt, das bleibt bestehen. Das, was ihr anschaut, das verschwindet.

Diejenigen, die ernsthaft versuchen, alle irdischen Leidenschaften zu überwinden, arbeiten oft so hart daran, daß man sagen könnte, dies sei zu ihrer Leidenschaft geworden.

Sie leben in einer »Leidenschaft für Gott«; einer Leidenschaft, ihn zu erfahren. Aber Leidenschaft ist Leidenschaft, die nicht dadurch ausgelöscht wird, daß ihr die eine durch die andere ersetzt.

Deshalb sollt ihr nicht über das richten, wofür ihr eine Leidenschaft empfindet. Nehmt es lediglich zur Kenntnis und schaut euch dann an, ob es euch gemessen an dem, wer und was ihr zu sein wünscht, dienlich ist.

Denkt daran, daß ihr euch ständig selbst erschafft. Ihr entscheidet in jedem Moment, wer und was ihr seid. Ihr entscheidet das weitgehend durch die Wahl, die ihr hinsichtlich derjenigen und jener Dinge trefft, für die ihr eine Leidenschaft verspürt.

Oft sieht es so aus, als hätte eine Person, die sich auf dem sogenannten spirituellen Weg befindet, aller irdischen Leidenschaften entsagt, allem menschlichen Begehren. Doch sie verstand zwar, erkannte die Illusion und legte die ihr nicht dienlichen Leidenschaften ab, liebt aber weiterhin die Illusion für das, was sie ihr gab: die Chance, völlig frei zu sein.

Leidenschaft ist die Liebe, das Sein in Handlung zu verwandeln. Sie treibt die Maschine der Schöpfung an. Sie verwandelt Vorstellungen in Erfahrung.

Leidenschaft ist das Feuer, das uns beflügelt, dem Ausdruck zu geben, wer wir wirklich sind. Verweigere dich nie der Leidenschaft, denn das heißt, dich dem verweigern, wer-du-bist und wer-du-wirklich-sein-willst.

Entsagung verwehrt sich nie der Leidenschaft – Entsagung verweigert sich einfach dem Anhaften an Resultaten. Leidenschaft ist eine Liebe zum Tun. Tun ist erfahrenes Sein.

Doch was wird oft als Bestandteil des Tuns erschaffen? Erwartung.

Dein Leben ohne Erwartung zu leben – ohne Bedürfnis nach bestimmten Resultaten –, das ist Freiheit. Das ist Göttlichkeit. Das ist, wie ich lebe.

Du bist nicht irgendwelchen Resultaten verhaftet?

ABSOLUT NICHT. MEINE Freude liegt im Erschaffen, nicht in den Nachwirkungen. Entsagung ist nicht die Entscheidung, sich dem Handeln zu verweigern. Entsagung ist eine Entscheidung, sich dem Bedürfnis nach einem bestimmten Resultat zu verweigern. Das ist ein riesengroßer Unterschied.

Könntest du erklären, was du mit der Aussage meinst: »Leidenschaft ist die Liebe, das Sein in Handlung zu verwandeln«?

DAS REINE SEIN ist die höchste Daseinsform von Existenz, reinste Essenz. Es ist der »Jetzt-/Nicht-Jetzt-«, der »Alles-/Nicht-Alles-«, der »Immer-/Niemals«-Aspekt Gottes.

Reines Sein ist reines Gottsein.

Doch es war uns nie genug, nur einfach zu sein. Wir haben uns immer danach gesehnt, zu erfahren, was-wir-sind – und das verlangt einen ganz anderen Aspekt der Göttlichkeit, genannt das Tun.

Sagen wir, ihr seid im Kern eures wunderbaren Selbst der Aspekt der Göttlichkeit, der Liebe genannt wird (was übrigens der Wahrheit über euch entspricht).

Nun ist es eine Sache, Liebe zu sein – und eine ganz andere, eine Liebestat zu vollbringen. Die Seele verlangt danach, etwas mit dem, was sie ist, zu tun, um sich selbst im Kontext ihrer eigenen Erfahrung kennenlernen zu können. Also ist sie bestrebt, ihre höchste gedankliche Vorstellung durch die Handlung zu verwirklichen.

Dieser Drang zum Tun wird Leidenschaft genannt. Töte die Leidenschaft, und du tötest Gott. Leidenschaft ist Gott, der »hallo« sagen möchte.

Aber schaut, wenn Gott (oder Gott-in-euch) erst einmal diese Liebestat vollbracht hat, hat Gott sich selbst verwirklicht und braucht nichts weiter.

Der Mensch hingegen hat oft das Gefühl, daß sich seine Investition auszahlen sollte. Wenn wir jemanden lieben, schön – aber wir sollten doch etwas Liebe zurückbekommen. So oder ähnlich sähe das aus.

Das ist nicht Leidenschaft. Das ist Erwartung.

Und das ist eine der größten Ursachen für das Unglücklichsein des Menschen. Es ist das, was den Menschen von Gott trennt.

Der Entsagende strebt danach, dieser Trennung durch eine Erfahrung ein Ende zu setzen, die manche östlichen Mystiker Samadhi nannten. Das heißt Einssein und Vereinigung mit Gott, ein Verschmelzen mit und ein Aufgehen in der Göttlichkeit.

Der Entsagende entsagt daher den Resultaten, aber niemals der Leidenschaft. Tatsächlich weiß ein Meister intuitiv, daß die Leidenschaft der Weg ist – der Weg der Selbst-Verwirklichung.

Sogar in irdischer Hinsicht kann gesagt werden, daß ihr, wenn ihr für nichts Leidenschaft empfindet, gar kein Leben habt.

Du hast gesagt: »Etwas, dem ihr euch widersetzt, das bleibt bestehen. Das, was ihr anschaut, das verschwindet.«

Kannst du das erläutern?

DU KANNST DICH nicht einer Sache widersetzen, der du keine Realität beimißt. Wenn du dich einer Sache widersetzt, ist dies ein Akt, mit dem du ihr Leben verleihst. Wenn du dich einer Energie widersetzt, dann weist du ihr einen Platz zu. Und je stärker du dich widersetzt, desto mehr Realität verleihst du ihr – ganz gleich, was es ist, dem du dich widersetzt.

Das, wofür du deine Augen öffnest, das, was du wirklich anschaust, das verschwindet. Das heißt, es hört auf, seine illusorische Form aufrechtzuerhalten.

Wenn du etwas ansiehst – es wirklich anschaust –, wirst du durch es und durch alle Illusion, die es in dir bewirkt, hindurchsehen; und es wird nichts übrigbleiben als die letztliche Wirklichkeit in deinen Augen. Angesichts der letztlichen Wirklichkeit hat deine unbedeutende Illusion keine Macht. Sie kann dich nicht lange in ihrem immer schwächer werdenden Griff halten. Du wirst die Wahrheit sehen, und die Wahrheit setzt dich frei.

Aber was ist, wenn du gar nicht willst, daß das, was du anschaust, verschwindet?

DAS SOLLTEST DU immer wollen! Es gibt nichts in eurer Realität, an dem festzuhalten sich lohnt. Doch wenn du dich dazu entscheidest, die Illusion deines Lebens über die letztliche Wirklichkeit aufrechtzuerhalten, kannst du sie ganz einfach wiedererschaffen, so wie du sie ja schon von Anfang an erschaffen hast. Auf diese Weise kannst du in deinem Leben haben, was du deiner Wahl nach haben möchtest, und das aus deinem Leben verbannen, was du nicht mehr zu erfahren wünschst.

Doch widersetze dich nie irgend etwas, um es auszuschalten. Wenn du denkst, daß du es durch deinen Widerstand ausschalten kannst, dann denk noch einmal. Du festigst es nur noch mehr. Habe ich euch nicht gesagt, daß alles Denken schöpferisch ist?

Auch ein Gedanke, der besagt, daß ich etwas nicht will?

WARUM SOLLTEST DU über etwas nachdenken, das du nicht willst? Verschwende keine weiteren Gedanken darüber.

Doch wenn du daran denken mußt, das heißt, wenn du nicht nicht daran denken kannst – dann widersetze dich nicht. Schau es, was immer es ist, lieber direkt an, akzeptiere diese Realität als deine Schöpfung, und triff dann die Wahl, ob du es behalten willst oder nicht.

Wodurch wird diese Wahl diktiert?

DURCH DAS, WAS du denkst, wer-und-was-du-bist. Und wer-und-was-zu-sein du wählst.

Dies diktiert alle Entscheidungen – jede Wahl, die du in deinem Leben getroffen hast und jemals treffen wirst.

Und somit ist das Leben der Entsagung ein unrichtiger Weg?

DAS IST KEINE Wahrheit. Das Wort »entsagen« beinhaltet sehr mißverständliche Mitbedeutungen. In Wahrheit gibt es nichts, dem du entsagen kannst – weil das, dem du dich widersetzt, bestehen bleibt. Wahre Entsagung entsagt nicht, sondern trifft einfach eine andere Wahl. Dies ist ein Akt des Sichzubewegens auf etwas, nicht des Sichwegbewegens von etwas.

Du kannst dich nicht von etwas wegbewegen, weil es dich bis zur Hölle und wieder zurück jagen wird. Deshalb widersetze dich nicht der Versuchung – sondern wende dich einfach von ihr ab. Wende dich mir zu und von allem, das mir nicht gleicht, ab.

Doch ihr solltest dies wissen: Einen unrichtigen Weg gibt es nicht – denn ihr könnt nicht auf dieser Reise »nicht dorthin gelangen«, wohin ihr euch aufgemacht habt.

Es ist einfach eine Sache der Geschwindigkeit, nur eine Frage, wann ihr dort ankommt. Doch auch das ist eine Illusion, denn es gibt kein »Wann« und auch kein »Davor« oder »Danach«. Es gibt nur ein Jetzt; einen ewigen Moment des Jederzeit, in dem ihr euch selbst erfahrt.

Was ist dann der Punkt? Worum geht es dann im Leben, wenn es keine Möglichkeit gibt, nicht »dort anzukommen«? Warum sollten wir uns dann überhaupt um irgend etwas, was wir tun, Sorgen machen?

NUN, DAS SOLLTET ihr natürlich auch nicht. Aber es würde euch guttun, achtsam zu sein. Achtet einfach darauf, wer und was ihr seid, was ihr tut und habt, und schaut, ob es euch dienlich ist.

Es geht im Leben nicht darum, irgendwohin zu gelangen – es geht darum, daß ihr bemerkt, daß ihr schon dort seid und bereits immer dort war. Ihr existiert immer und ewig im Augenblick reiner Schöpfung. Im Leben geht es daher darum zu erschaffen – zu erschaffen, wer und was ihr seid, und dies dann zu erfahren.