Einleitung
Sie sind dabei, eine außergewöhnliche Erfahrung zu machen: Sie werden eine Unterhaltung mit Gott führen. Ja, ja, ich weiß – das ist unmöglich. Sie denken wahrscheinlich (oder es wurde Ihnen so beigebracht), daß dies nicht möglich ist. Sicher kann man zu Gott sprechen, aber nicht mit ihm. Ich meine, Gott wird sich seinerseits nicht auf ein Gespräch mit Ihnen einlassen – zumindest nicht in Form einer ganz gewöhnlichen und alltäglichen Unterhaltung, richtig?
Das dachte ich auch. Dann wurde mir dieses Buch zuteil.
Ich meine das wortwörtlich: Es wurde nicht von mir verfaßt, es ist mir widerfahren. Und das wird auch Ihnen geschehen, wenn Sie es lesen, denn wir alle werden zu der Wahrheit geführt, für die wir bereit sind.
Mein Leben wäre wahrscheinlich sehr viel leichter, wenn ich das Ganze für mich behalten hätte. Doch das war nicht der Grund, warum dies alles geschah. Und welche Unannehmlichkeiten auch immer mir dieses Buch bescheren mag (daß man mich zum Beispiel der Blasphemie bezichtigen, mich einen Betrüger, einen Heuchler nennen wird, weil ich in der Vergangenheit nicht nach diesen Wahrheiten gelebt habe, oder daß man mich – vielleicht noch schlimmer – für einen Heiligen hält), ich kann diesen Prozeß nun keinesfalls mehr aufhalten. Und ich will es auch nicht. Ich hatte die Chance, die ganze Sache fallenzulassen, und nahm sie nicht wahr. Ich habe mich entschlossen, mich an das zu halten, was mir mein Instinkt sagt, statt mich auf das Urteil des Großteils der Allgemeinheit über dieses Material zu verlassen.
Mein Instinkt sagt mir, daß dieses Buch kein Unsinn ist, nicht die Ausgeburt einer frustrierten spirituellen Phantasie oder einfach die Selbstrechtfertigung eines Mannes angesichts seines mißgeleiteten Lebens. Natürlich habe ich alle diese Aspekte ins Kalkül gezogen – jede einzelne dieser Möglichkeiten. Deshalb gab ich dieses Material noch in Manuskriptform einigen Leuten zu lesen. Sie waren bewegt.
Und sie weinten. Und sie lachten über die Freude und den Humor, die sich darin finden. Sie fühlten sich bestärkt, ermächtigt.
Viele sagten, es habe sie verwandelt.
Da wußte ich, daß dies ein für alle bestimmtes Buch war und veröffentlicht werden mußte; denn es ist ein wunderbares Geschenk für all jene, die wirklich Antworten haben wollen und denen wirklich an den Fragen liegt; für alle die, die sich ehrlichen Herzens, mit sehnsüchtiger Seele und aufgeschlossenem Geist auf die Suche nach der Wahrheit begeben haben. Und das sind ja wohl weitgehend alle von uns.
Dieses Buch geht auf die meisten – wenn nicht alle – Fragen ein, die wir uns über das Leben und die Liebe, den Sinn und Zweck, die Menschen und Beziehungen, Gut und Böse, Schuld und Sünde, Vergebung und Erlösung, den Weg zu Gott und die Straße zur Hölle gestellt haben. Es spricht direkt die Themen Sex, Macht, Kinder, Ehe, Scheidung, Lebensaufgabe, Gesundheit, das Danach und das Davor des Jetzt an. Es befaßt sich mit Krieg und Frieden, Wissen und Nichtwissen, Geben und Nehmen, Freude und Leid. Es wirft einen Blick auf das Konkrete und Abstrakte, das Sichtbare und das Unsichtbare, die Wahrheit und die Unwahrheit.
Man könnte sagen, dieses Buch enthält das »neueste Wort Gottes zu den Dingen«, obschon manche Leute gewisse Schwierigkeiten damit haben dürften, vor allem wenn sie glauben, daß Gott vor zweitausend Jahren zu sprechen aufgehört hat oder daß er, falls er doch weiterhin kommunizierte, dies nur mit heiligen Männern, Medizinfrauen oder Menschen tat, die dreißig oder immerhin zwanzig oder wenigstens halbwegs anstandshalber zehn Jahre meditiert haben (und keine dieser Voraussetzungen trifft auf mich zu).
In Wahrheit spricht Gott zu jedermann: zu den Guten und den Schlechten, zu den Heiligen und den Schurken. Und sicherlich zu allen, die sich zwischen solchen Extremen bewegen. Nehmen Sie zum Beispiel sich selbst. Gott trat auf vielen Wegen in Ihr Leben, und dies ist nur noch ein weiterer davon. Wie oft haben Sie diesen alten Grundsatz gehört: Wenn der Schüler bereit ist, tritt der Lehrer in Erscheinung? Dieses Buch ist unser Lehrer.
Kurz nachdem mir dieses Material zuteil wurde, wußte ich, daß ich mit Gott sprach – direkt, persönlich, unwiderlegbar. Und daß Gott auf meine Fragen genau in dem Maße antwortete, wie es meiner Verständnisfähigkeit entsprach.
Das heißt, mir wurde auf eine Weise und in einer Sprache geantwortet, die ich, wie Gott wußte, verstand. Das erklärt den weitgehend umgangssprachlichen Stil des Textes und die gelegentlichen Hinweise auf Material, das ich aus anderen Quellen und aufgrund früherer Erfahrungen meines Lebens gesammelt hatte. Ich weiß jetzt, daß ich alles, was mir je in meinem Leben widerfuhr, Gott zu verdanken habe, und daß dies nun samt und sonders zu einer großartigen, vollständigen Antwort auf alle Fragen, die mich je beschäftigten, zusammengezogen, zusammengeführt wurde.
Und irgendwann im Verlauf dieses Prozesses fing ich an zu begreifen, daß hier ein Buch zustande kam – ein Buch, das zur Veröffentlichung gedacht war. Das heißt, es wurde mir im letzten Teil des Dialogs (Februar 1993) ausdrücklich gesagt, daß tatsächlich drei Bücher entstehen würden – in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils von Ostersonntag bis Ostersonntag – und daß
- das erste sich hauptsächlich mit persönlichen Themen befassen, sich auf die Herausforderungen und Möglichkeiten des persönlichen Lebens konzentrieren würde;
- das zweite Buch sich mit globaleren Themen des geopolitischen und metaphysischen Lebens auf dem Planeten und mit den Herausforderungen, welche die Welt nun zu bewältigen hat, befassen würde;
- das dritte Buch sich den universellen Wahrheiten der höchsten Ordnung und den Herausforderungen und Möglichkeiten der Seele widmen würde.
Dies ist das erste dieser Bücher, das im Februar 1993
abgeschlossen wurde. Um der Klarheit willen sollte ich erläutern, daß ich diesen Dialog mit der Hand schrieb und Worte und Sätze, die mir mit besonderer Nachdrücklichkeit kamen – so als verkündete sie Gott mit erhobener Stimme –, unterstrich oder einkringelte, die dann später kursiv gesetzt wurden.
Nun muß ich noch sagen, daß, nachdem ich diesen Text mit seiner darin enthaltenen Weisheit immer wieder durchgelesen habe, ich mich für mein Leben fürchterlich schäme, das sich durch ständige Fehler und Vergehen auszeichnet, durch ein paar sehr schändliche Verhaltensweisen und einige Entscheidungen und Entschlüsse, die andere mit Sicherheit verletzend und unverzeihlich finden. Es reut mich zutiefst, daß es durch das Leid anderer geschah, doch ich bin auch unaussprechlich dankbar für alles, was ich gelernt habe und immer noch, um der Menschen in meinem Leben willen, zu lernen habe. Ich entschuldige mich bei allen für mein langsames Lernen. Doch Gott hat mich ermuntert, mir auch Vergebung für meine Fehler und mein Versagen zuzugestehen und nicht in Furcht und mit Schuldgefühlen zu leben, sondern immer weiter und unentwegt danach zu streben, eine erhabenere Vision zu erlangen.
Und ich weiß, daß Gott dies für uns alle will.
Neale Donald Walsch
Central Point, Oregon