6

Und wie steht es mit dem Leiden? Ist Leiden der Weg zu Gott? Manche sagen, es sei der einzige Weg.

MICH ERFREUT DAS Leiden nicht, und wer immer solches behauptet, kennt mich nicht.

Leiden ist ein unnötiger Aspekt menschlicher Erfahrung.

Es ist nicht nur überflüssig, sondern auch unklug, unangenehm und gefährlich für eure Gesundheit.

Warum gibt es dann soviel Leiden? Warum machst du, wenn du Gott bist, ihm nicht ein Ende, wenn du eine solche Abneigung dagegen hast?

ICH HABE IHM ein Ende gemacht. Ihr weigert euch einfach nur, die Mittel zur Verwirklichung, die ich euch gegeben habe, zu benutzen.

Siehst du, das Leiden hat nichts mit den Ereignissen zu tun, sondern lediglich mit eurer Reaktion darauf. Was geschieht, ist nur das, was geschieht. Wie ihr darüber fühlt, ist eine andere Sache. Ich habe euch mit den Mitteln ausgestattet, mit denen ihr auf Ereignisse in einer Weise reagieren könnt, die den Schmerz mindern – ja tatsächlich ausschalten –, aber ihr dachtet nicht daran, sie zu benutzen.

Entschuldige bitte, aber warum nicht die Ereignisse ausschalten?

EIN SEHR GUTER Vorschlag. Leider habe ich über sie keine Kontrolle.

Du hast keine Kontrolle über die Ereignisse?

NATÜRLICH NICHT. EREIGNISSE sind Begebenheiten in Zeit und Raum, die ihr gemäß eurer Wahl produziert, und ich werde mich niemals in eure Wahl einmischen. Wenn ich das täte, würde sich genau der Grund erübrigen, aus dem ihr von mir erschaffen wurdet. Aber das habe ich doch alles bereits erklärt.

Manche Ereignisse bewirkt ihr vorsätzlich, andere zieht ihr – mehr oder weniger unbewußt – an. Manche Ereignisse – größere Naturkatastrophen rechnet ihr dieser Kategorie zu – werden dem »Schicksal« angelastet.

Doch selbst das »Schicksal« kann als Kürzel für »aus allen Gedanken allerorten hervorgehend« stehen. Mit anderen Worten, für das Bewußtsein des Planeten.

Das »kollektive Bewußtsein».

GENAU.

Manche sagen, unsere Welt geht zugrunde. Unsere Ökologie ist am Sterben. Unserem Planeten stehen große geophysische Katastrophen bevor: Erdbeben, Vulkanausbrüche – vielleicht sogar eine Verschiebung der Erdachse. Und andere sagen wiederum, daß das kollektive Bewußtsein dies alles noch zu ändern in der Lage wäre; wir könnten die Erde mit unseren Gedanken retten.

IN HANDLUNG UMGESETZTE Gedanken. Wenn überall eine ausreichende Anzahl Menschen glauben, daß etwas getan werden muß, um der Umwelt zu helfen, dann werdet ihr die Erde retten. Aber ihr müßt schnell handeln. Es ist bereits über einen langen Zeitraum hinweg soviel Schaden angerichtet worden. Es bedarf einer größeren Einstellungsveränderung.

Du meinst, wenn wir nichts tun, werden wir es erleben, daß die Erde und ihre Bewohner zerstört werden?

ICH HABE DIE Gesetze des physikalischen Universums so klar erklärt, daß jedermann sie verstehen kann. Es gibt Gesetze von Ursache und Wirkung, die euren Wissenschaftlern, Physikern und, durch diese, euren Führern in der Welt ausreichend dargelegt wurden. Diese Gesetze müssen hier nicht noch einmal erläutert werden.

Um auf das Leiden zurückzukommen: woher stammt der Gedanke, daß Leiden gut ist? Daß die Heiligen »still leiden«?

DIE HEILIGEN LEIDEN »still«, aber das heißt nicht, daß Leiden gut ist. Die Schüler in den Schulen der Meisterschaft leiden still, weil sie verstehen, daß das Leiden nicht der Weg Gottes ist, sondern ein sicheres Zeichen, daß es noch etwas über den Weg Gottes zu lernen gibt, noch etwas zu erinnern.

Der wahre Meister leidet überhaupt nicht still, sondern anscheinend nur klaglos. Der Grund, warum der wahre Meister sich nicht beklagt, ist der, daß er nicht leidet, sondern lediglich gewisse Umstände erfährt, die ihr als unerträglich bezeichnen würdet.

Ein praktizierender Meister spricht deshalb nicht vom Leiden, weil er ganz klar die Macht des Wortes versteht und sich dazu entscheidet, einfach kein Wort darüber zu sagen.

Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das bringen wir zur Realität. Die Meister wissen das. Ein Meister läßt sich die Wahl in bezug auf das, was er zur Realität bringen möchte.

Ihr habt das alle selbst von Zeit zu Zeit getan. Es gibt keinen unter euch, der nicht durch eine diesbezügliche Entscheidung einmal Kopfschmerzen verschwinden oder eine zahnärztliche Behandlung erträglicher werden ließ.

Die Meister treffen einfach in bezug auf größere Dinge die gleiche Entscheidung.

Aber warum überhaupt leiden? Warum überhaupt die Möglichkeit des Leidens?

WIE ICH BEREITS erklärte, könnt ihr in der Abwesenheit dessen, was ihr nicht seid, nicht erkennen und werden, was ihr seid.

Ich begreife immer noch nicht, wie wir je auf die Idee kamen, daß Leiden gut ist.

ES ZEUGT VON Klugheit, wenn du darauf bestehst, in dieser Sache nachzuhaken. Die ursprüngliche Weisheit, die im stillen Leiden liegt, wurde so pervertiert, daß nun viele glauben (und manche Religionen tatsächlich lehren), daß Leiden gut und Freude schlecht ist. Deshalb habt ihr entschieden, daß ein Mensch, der Krebs hat und dies für sich behält, ein Heiliger ist, wohingegen eine Frau (um ein heißes Eisen aufzugreifen), die ihre vitale Sexualität in aller Öffentlichkeit feiert, eine Sünderin ist.

Das ist fürwahr ein heißes Eisen. Und du wechseltest intelligenterweise vom männlichen zum weiblichen Geschlecht über. Wolltest du damit auf etwas hinweisen?

DAMIT WOLLTE ICH euch eure Vorurteile vor Augen führen.

Der Gedanke, daß Frauen eine vitale Sexualität haben, gefällt euch nicht, und noch weniger der, daß sie sie ganz offen zeigen.

Gefällt er dir etwa?

ICH FÄLLE WEDER über das eine noch über das andere ein Urteil. Aber ihr versteigt euch zu allen möglichen Urteilen – und ich weise darauf hin, daß euch eure Aburteilungen von der Freude abhalten, und eure Erwartungen davon, glücklich zu sein.

Alles zusammengenommen verursacht euch Unbehagen, einen ungesunden Zustand, und damit beginnt euer Leiden.

Wie weiß ich, daß das wahr ist, was du sagst? Wie weiß ich, daß es Gott ist, der hier spricht, und nicht meine überbordende Phantasie?

DAS HAST DU schon mal gefragt. Meine Antwort bleibt die gleiche. Was für einen Unterschied macht das? Kannst du dir, selbst wenn alles »falsch« wäre, was ich gesagt habe, eine bessere Art zu leben vorstellen?

Nein.

DANN IST »FALSCH« richtig und »richtig« falsch!

Doch ich sage euch dies, um euch aus eurem Dilemma her-auszuhelfen: Glaubt nichts, was ich sage. Lebt es einfach.

Erfahrt es. Und lebt dann jedwelches andere Paradigma, das ihr aufbauen wollt. Und seht euch danach eure Erfahrungen an, um eure Wahrheit zu finden.

Eines Tages werdet ihr, wenn ihr sehr viel Mut habt, eine Welt erfahren, in der die Liebe mehr zählt als Krieg.