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Das Leben ist so furchterregend – und so verwirrend. Ich wollte, die Verhältnisse könnten etwas klarer sein.
DAS LEBEN HAT nichts Furchterregendes an sich, wenn ihr den Resultaten nicht verhaftet bleibt.
Du meinst, wenn wir nichts haben wollen?
DAS IST RICHTIG. Wählt, aber verzichtet auf das Habenwollen.
Das ist für Menschen leicht, die nicht für von ihnen abhängige Personen sorgen müssen. Was ist, wenn du Frau und Kinder hast?
DER WEG DES/DER Familienfürsorgenden war schon immer ein Weg großer Herausforderungen – vielleicht der mit den größten. Wie du sagst, ist es einfach, »nichts zu wollen«, wenn du es nur mit dir zu tun hast. Und es ist nur natürlich, daß du, wenn du andere hast, die du liebst und für die du sorgen mußt, das Beste willst.
Es tut weh, wenn du ihnen nicht all das geben kannst, das ihnen deinem Wunsch nach zusteht: ein schönes Zuhause, ein paar anständige Kleider, genügend zu essen. Ich habe das Gefühl, zwanzig Jahre lang gekämpft zu haben, um gerade mal so über die Runden zu kommen, und kann immer noch nichts vorweisen.
ICH VERSTEHE. DU betrachtest es als deine Aufgabe im Leben, für all diese Dinge zu sorgen. Ist es das, worum es deiner Vorstellung nach in deinem Leben geht?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es so ausdrücken würde.
Darum geht es in meinem Leben an sich nicht, aber es wäre gewiß schön, wenn es zumindest als Nebenprodukt abfallen könnte.
GUT, DANN KOMMEN wir auf diese Frage zurück. Worum geht es deines Erachtens in deinem Leben?
Das ist eine gute Frage. Im Lauf der Jahre hatte ich eine Menge verschiedener Antworten darauf.
UND WIE LAUTET die Antwort jetzt?
Meinem Gefühl nach gibt es zwei Antworten: die Antwort, die ich gerne sehen würde, und die Antwort, die ich sehe.
WELCHE ANTWORT WÜRDEST du gerne sehen?
Ich würde gerne sehen, daß es in meinem Leben um die Evolution meiner Seele geht. Ich würde gerne sehen, daß es in meinem Leben darum geht, daß ich den Teil von mir, den ich am meisten liebe, zum Ausdruck bringe und erfahre. Den Teil von mir, der Mitgefühl und Geduld und Geben und Helfen ist. Den Teil von mir, der wissend und weise ist, vergebend und – Liebe.
DAS KLINGT SO, als hättest du dieses Buch gelesen!
Ja. Nun, es ist ein schönes Buch auf esoterischer Ebene, aber ich versuche herauszufinden, wie ich das »praktisch umsetzen« kann. Die Antwort auf die Frage, worum es aus meiner Sicht real in meinem Leben geht, lautet: ums tag-tägliche Überleben.
OH, UND DU denkst, das eine schließt das andere aus?
Nun …
DU DENKST, DIE esoterischen Dinge verhindern das Überleben?
Die Wahrheit ist, daß ich mehr als nur überleben möchte.
Ich habe all diese Jahre überlebt. Ich stelle fest, daß ich immer noch da bin. Aber mir wäre sehr daran gelegen, wenn dieser Kampf ums Überleben ein Ende hätte. Ich stelle fest, daß es immer noch ein Kampf ist, Tag für Tag über die Runden zu kommen. Ich möchte mehr als nur überleben. Ich möchte gerne florieren.
UND WAS VERSTEHST du unter florieren?
Genug zu haben, um mir nicht Sorgen machen zu müssen, Wo die nächste Mark herkommt; nicht ständig unter Streß und Anspannung zu stehen, nur um die nächste Miete oder Telefonrechnung bezahlen zu können. Ich meine, ich hasse es, so profan zu werden, aber wir sprechen hier vom realen Leben, nicht von einem abgehobenen, spirituell romantisierten Bild des Daseins, das du in diesem ganzen Buch zeichnest.
HÖRE ICH DA eine gewisse Verärgerung heraus?
Nicht so sehr Verärgerung als vielmehr Frustration. Ich bin nun seit über zwanzig Jahren in diesem spirituellen Spiel – und schau, wohin es mich gebracht hat. Ein Gehaltsscheck, einen Schritt vom Armenhaus entfernt! Und jetzt habe ich gerade meine Arbeit verloren, und es sieht so aus, als ob wieder kein Geld mehr hereinkäme. Ich habe diesen Kampf wirklich satt. Ich bin neunundvierzig Jahre alt, und ich hätte gerne eine gewisse Sicherheit im Leben, so daß ich mehr Zeit habe, mich dem »Gotteszeug«, der »Seelenentwicklung« und dergleichen widmen zu können. Das liegt mir am Herzen, aber mein Leben gestattet es mir nicht, dorthin zu gelangen …
NUN, DA HAST du den Mund ganz schön voll genommen, und ich vermute, du sprichst für eine Menge anderer Leute, wenn du hier deine Erfahrungen mitteilst.
Ich werde auf deine Wahrheit Satz für Satz eingehen, so daß wir die Antwort leicht nachverfolgen und auseinandernehmen können.
Du bist nicht seit zwanzig Jahren »in diesem spirituellen Spiel«, du hast es noch kaum am Rande berührt. (Das ist übrigens keine »Schelte«, sondern nur eine Aussage über die Wahrheit.) Ich räume ein, daß du es dir zwei Jahrzehnte lang angeschaut, damit kokettiert, ab und zu experimentiert hast … Doch bis vor kurzem konnte ich bei dir kein wahres – kein wahrhaftigstes – Engagement für das Spiel erkennen.
Stellen wir klar, daß »im spirituellen Spiel sein« bedeutet, daß ihr euch mit ganzem Geist, ganzem Körper, ganzer Seele dem Prozeß der Erschaffung des Selbst nach dem Ebenbild Gottes widmet.
Dies ist der Prozeß der Selbst-Verwirklichung, über den Mystiker des Ostens geschrieben haben. Dies ist der Prozeß der Erlösung, dem sich ein Großteil der Theologie des Westens gewidmet hat.
Dies ist ein Tag um Tag, Stunde um Stunde, Augenblick um Augenblick stattfindender Akt des höchsten Bewußtseins. Er bedeutet Wählen und neuerliches Wählen in jedem Moment. Dies ist fortwährende, bewußte Schöpfung.
Schöpfung mit einem Zweck. Es bedeutet den Einsatz der Instrumente der Schöpfung, über die wir gesprochen haben, deren Anwendung mit Bewußtsein und sublimer Absicht.
Das heißt: »dieses spirituelle Spiel spielen«. Nun, wie lange hast du dies schon betrieben?
Ich habe noch nicht einmal angefangen.
FALL NICHT GLEICH von einem Extrem ins andere, und geh nicht so hart mit dir ins Gericht. Du hast dich diesem Prozeß gewidmet und dich tatsächlich länger darauf eingelassen, als du dir selbst zugestehst. Aber du bist nicht einmal annähernd zwanzig Jahre dabei. Doch in Wahrheit ist es unwichtig, wie lange du schon ernsthaft damit befaßt bist.
Bist du es jetzt? Das ist alles, was zählt.
Gehen wir nun weiter auf deine Aussage ein. Du bittest uns, uns »anzuschauen, wohin dich das gebracht hat«, und beschreibst dich selbst als »einen Schritt vom Armenhaus entfernt«. Ich schaue dich an und sehe etwas ganz anderes: nämlich jemanden, der sich bis auf einen Schritt dem Haus des Reichtums genähert hat! Du hast das Gefühl, daß dich lediglich ein einziger Gehaltsscheck vom Nichts trennt, und ich sehe dich nur einen Gehaltsscheck vom Nirwana entfernt. Nun hängt natürlich viel davon ab, was du als deinen »Lohn« betrachtest – und worin das Ziel deiner Arbeit besteht.
Wenn das Ziel deines Lebens darin besteht, das zu erlangen, was du Sicherheit nennst, dann sehe und begreife ich, warum du dich nur als »einen Schritt vom Armenhaus entfernt« betrachtest. Doch selbst dies könnte korrigiert werden. Denn mit meinem Lohn werden dir alle guten Dinge zuteil, einschließlich der Erfahrung, dich in der physischen Welt sicher zu fühlen.
Meine Entlohnung – der Lohn, den du erhältst, wenn du »für mich arbeitest« – beinhaltet sehr viel mehr als spirituellen Trost. Du kannst auch physischen Komfort haben.
Doch ironischerweise wird, wenn du die Art von spirituellem Trost erfährst, den meine Entlohnung bietet, der physische Komfort das letzte sein, worum du dich sorgst.
Selbst um das physische Wohl deiner Familienangehörigen wirst du dir keine Sorgen mehr machen, denn wenn du dich erst einmal auf eine Ebene des Gottesbewußtseins erhoben hast, wirst du verstehen, daß du für keine menschliche Seele verantwortlich bist. Und obwohl es empfehlenswert ist, sich zu wünschen, daß alle Seelen unter komfortablen Um-ständen leben mögen, muß doch eine jede von ihnen ihr eigenes Schicksal – in diesem Moment – wählen, und tut es auch.
Ganz klar ist es keine ideale Handlungsweise, wenn du ab-sichtlich eine andere Person mißbrauchst oder sie zerstörst.
Und ebenso unangemessen ist es, die Bedürfnisse derer, die du dazu gebracht hast, von dir abhängig zu sein, zu vernachlässigen.
Deine Aufgabe besteht darin, sie unabhängig zu machen, – ihnen so schnell und umfassend wie möglich beizubringen, wie sie ohne dich zurechtkommen. Denn du bist für sie kein Segen, solange sie dich brauchen, um zu überleben, sondern wirst sie erst wahrhaft in dem Moment segnen, da sie begreifen, daß sie dich nicht nötig haben.
Im gleichen Sinn ist Gottes größter Moment der Augenblick, in dem ihr erkennt, daß ihr keinen Gott braucht.
Ich weiß, ich weiß – das ist die Antithese all dessen, was euch jemals gelehrt wurde. Doch eure Lehrer haben euch von einem zornigen, einem eifersüchtigen Gott, von einem Gott, der es braucht, gebraucht zu werden, erzählt. Und das ist überhaupt kein Gott, sondern ein neurotischer Ersatz für etwas, was eine Gottheit wäre.
Der wahre Meister ist nicht der mit den meisten Schülern, sondern jener, der die meisten Meister hervorbringt.
Der wahre Führer ist nicht der mit den meisten Anhängern, sondern jener, der die meisten Führer hervorbringt.
Der wahre König ist nicht der mit den meisten Untertanen, sondern jener, der die meisten zum Königtum führt.
Der wahre Lehrer ist nicht der mit dem meisten Wissen, sondern jener, der die meisten anderen dazu bringt, über Wissen zu verfügen.
Und ein wahrer Gott ist nicht der mit den meisten Dienern, sondern einer, der am meisten dient und so aus allen anderen Götter macht.
Denn beides ist das Ziel und die Herrlichkeit Gottes: daß er keine Diener mehr hat und daß alle Gott nicht als das Unerreichbare, sondern als das Unausweichliche erkennen.
Ich wollte, du könntest das verstehen: Dein letztendliches Glück ist unausweichlich. Du kannst nicht nicht »erlöst« werden. Es gibt keine Hölle außer der, daß du dies nicht weißt.
Was nun die Eltern, die Lebensgefährten, die Geliebten angeht, so trachte nicht danach, aus deiner Liebe einen Klebstoff zu machen, der sie an dich bindet, sondern danach, ein Magnet zu sein, der erst anzieht, dann umgekehrt abstößt, damit die, die angezogen sind, nicht anfangen zu glauben, daß sie an dir kleben müssen, um zu überleben. Nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Nichts könnte einem anderen mehr schaden.
Laß deine Geliebten durch deine Liebe in die Welt gedrängt werden – und in die Fülle der Erfahrung dessen, wer sie sind. Auf diese Weise wirst du wahrhaft geliebt haben.
Der Weg des oder der Familienfürsorgenden bedeutet eine große Herausforderung. Da gibt es viele Ablenkungen, viele weltliche Sorgen. Der Asket bleibt von all dem unbehelligt.
Man bringt ihm sein Brot und Wasser, er bekommt seine einfache Matte, auf die er sich legt, und er kann seine ganze Zeit dem Gebet, der Meditation und der Kontemplation des Göttlichen widmen. Wie leicht, unter solchen Umständen das Göttliche zu schauen! Was für eine einfache Aufgabe!
Aber gebt einem eine Gefährtin und Kinder! Seht das Göttliche in einem Baby, dem um drei Uhr morgens die Windeln gewechselt werden müssen. Seht das Göttliche in der Rechnung, die am Ersten jedes Monats bezahlt werden muß. Erkennt die Hand Gottes in der Krankheit, welche die Ehefrau oder den Ehemann dahinrafft, in der Arbeit, die verlorengeht, im Fieber des Kindes, im Schmerz der Eltern.
Jetzt sprechen wir von Heiligkeit.
Ich verstehe deinen Überdruß. Ich weiß, daß du des Kämpfens müde bist. Doch ich sage dir dies: Wenn du mir folgst, endet der Kampf. Lebe in deinem Gottes-Raum, und die Ereignisse werden allesamt zu einem Segen.
Wie kann ich zu meinem Gottes-Raum gelangen, wenn ich meine Arbeit verloren habe, die Miete bezahlt werden muß, die Kinder zum Zahnarzt müssen? Und dadurch, daß ich mich in meinen abgehobenen philosophischen Elfenbeinturm zurückziehe, scheinen sich diese Probleme am wenigsten wahrscheinlich lösen zu lassen.
GIB MICH NICHT auf, wenn du mich am meisten brauchst.
Dies ist die Stunde deiner größten Prüfung. Dies ist die Zeit deiner größten Chance. Es bietet sich dir die Möglichkeit, alles zu beweisen, was hier geschrieben steht.
Wenn ich sage: »Gib mich nicht auf«, höre ich mich an wie der bedürftige, neurotische Gott, über den wir sprachen.
Aber das bin ich nicht. Du kannst »mich aufgeben«, soviel du willst. Das ist mir gleich, es wird zwischen uns keinen Deut ändern. Ich sage das nur in Antwort auf all deine Fragen. Wenn es hart wird, vergeßt ihr so oft, wer-ihr-seid, und die Mittel, die ich euch an die Hand gegeben habe, damit ihr das Leben eurer Wahl erschaffen könnt.
Jetzt ist es an der Zeit, daß du dich mehr als je zuvor in deinen Gottes-Raum begibst. Erstens wird dir das großen inneren Frieden bringen, und einem friedlichen Geist entströmen großartige Ideen – Ideen, welche die Lösungen für die größten Probleme sein könnten, mit denen zu kämpfen du dir einbildest.
Zweitens ist es dein Gottes-Raum, wo du dein Selbst verwirklichst; und das ist das Ziel – das einzige Ziel – deiner Seele.
Wenn du dich in deinem Gottes-Raum befindest, weißt und verstehst du, daß alles, was du jetzt erlebst, vorübergehender Natur ist. Ich sage dir, daß Himmel und Erde vergehen werden, aber ihr werdet nicht vergehen. Diese Perspektive des Ewigen hilft dir, die Dinge im richtigen Licht zu sehen.
Du kannst diese gegenwärtigen Bedingungen und Umstände als das definieren, was sie in Wirklichkeit sind: vorläufig und vorübergehend. Du kannst sie als Instrumente – denn es sind zeitweilige Instrumente – für das Erschaffen deiner gegenwärtigen Erfahrung nutzen.
Wer glaubst du denn zu sein? Wer glaubst du in bezug auf die Erfahrung, die man Arbeitsverlust nennt, zu sein? Und vielleicht noch mehr auf den Punkt gebracht: Wer, glaubst du, bin ich? Meinst du, dies wäre ein zu großes Problem für mich, um es lösen zu können? Ist die Befreiung aus diesem Dilemma ein zu großes Wunder, als daß ich es bewerkstelligen könnte? Ich verstehe, daß du vielleicht denkst, daß es selbst bei allen Mitteln, mit denen ich dich versah, für dich zu groß ist, um damit fertig zu werden – aber glaubst du wirklich, es sei zu groß für mich?
Vom intellektuellen Standpunkt aus weiß ich, daß für Gott keine Aufgabe zu groß ist. Aber aus emotionaler Sichtweise bin ich mir wohl nicht sicher. Nicht, ob du es tun kannst, sondern ob du es tun willst.
ICH VERSTEHE. ALSO ist es eine Sache des Glaubens.
Ja.
DU STELLST NICHT meine Fähigkeit in Frage, du zweifelst nur an meinem Wunsch.
Schau, ich lebe immer noch in der theologischen Vorstellung, die besagt, daß es hier für mich vielleicht irgendwo eine Lektion zu lernen gilt. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich denn eine Lösung erhalten soll. Vielleicht verdiene ich das Problem. Möglicherweise handelt es sich dabei um »Prüfungen«, von denen in meiner Theologie immer wieder die Rede ist. Und deshalb mache ich mir Sorgen, daß dieses Problem vielleicht nicht gelöst wird. Daß es eine dieser Schwierigkeiten ist, bei denen du mich hängen lassen wirst …
VIELLEICH IST DIES eine gute Gelegenheit, noch einmal darüber zu sprechen, wie ich mit dir interagiere. Denn du glaubst, es sei eine Frage meines Wunsches,- und ich sage dir immer wieder, es ist eine Frage deines Wunsches.
Ich will für dich das, was du für dich willst – nicht mehr und nicht weniger. Ich sitze nicht hier herum und beurteile Bitte um Bitte dahingehend, daß sie dir gewährt werden soll oder nicht.
Mein Gesetz beruht auf Ursache und Wirkung und nicht auf »Wir werden mal sehen«. Es gibt nichts, was du nicht haben kannst, wenn du dich dazu entscheidest. Selbst bevor du darum gebeten hast, habe ich es dir schon gegeben.
Glaubst du das?
Nein, tut mir leid. Ich habe schon zu oft erlebt, daß ein Gebet unbeantwortet blieb.
ES BRAUCHT DIR nicht leid zu tun. Bleib nur immer bei der Wahrheit – der Wahrheit deiner Erfahrung. Ich verstehe und achte das. Es ist schon in Ordnung so.
Gut, denn ich glaube nicht, daß ich bekomme, worum immer ich bitte. Mein Leben ist kein Beweis dafür. Tatsache ist, daß ich selten das kriege, was ich mir erbitte. Wenn es doch einmal passiert, erachte ich mich als verdammt glücklich.
DAS IST EINE interessante Wortwahl. Anscheinend hast du hier eine Option. Du kannst in deinem Leben entweder verdammt glücklich oder gesegnet glücklich sein. Ich möchte lieber, daß du gesegnet glücklich bist, aber natürlich werde ich mich auf keinen Fall in deine Entscheidungen einmischen.
Ich sage dir dies: Du bekommst immer, was du erschaffst, und du bist immer am Erschaffen.
Ich fälle kein Urteil über die Schöpfungen, die du herbeibeschwörst; ich befähige dich einfach nur, mehr herbeizubeschwören – und mehr und mehr und mehr. Wenn es dir nicht gefällt, was du gerade erschaffen hast, triff eine neue Wahl. Meine Aufgabe als Gott ist es, dir immer diese Gelegenheit zu geben.
Nun sagst du mir, daß du nicht immer bekommen hast, was du wolltest. Ich bin hier, um dir zu sagen, daß du immer bekamst, was du herbeigerufen hast.
Dein Leben ist immer ein Resultat deiner Gedanken darüber – einschließlich deines offensichtlich schöpferischen Gedankens, daß du selten das bekommst, was du wählst.
Nun, im gegenwärtigen Moment siehst du dich als Opfer des Umstands, daß du deine Arbeit verloren hast. Doch die Wahrheit ist, daß du diese Arbeit nicht länger gewählt hast.
Du hast aufgehört, morgens voller Erwartung aufzustehen, und damit begonnen, dich mit bangem Gefühl zu erheben.
Du hast dich mit deiner Arbeit nicht mehr glücklich gefühlt und angefangen, Unmut zu empfinden. Du hast dir sogar schon im Geiste ausgemalt, etwas anderes zu tun.
Glaubst du, daß diese Dinge nichts bedeuten? Du mißverstehst deine Macht. Ich sage dir dies: Dein Leben geht aus deinen Absichten bezüglich deines Lebens hervor.
Was hast du also jetzt vor? Möchtest du die Theorie beweisen, daß das Leben dir selten das bringt, was du wählst?
Oder beabsichtigst du zu demonstrieren, wer-du-wirklich-bist und wer-ich-bin?
Ich bin zutiefst zerknirscht. Ich fühle mich gezüchtigt. Ich schäme mich.
IST DIR DAS dienlich? Warum erkennst du die Wahrheit nicht einfach an, wenn du sie hörst, und gehst auf sie zu?
Es ist nicht nötig, daß du dir Vorwürfe machst. Stell nur einfach fest, was du gewählt hast, und wähle erneut.
Aber warum wähle ich immer so bereitwillig das Negative?
Und erteile mir dann dafür Ohrfeigen?
WAS KANNST DU erwarten? Euch wird von frühesten Tagen an gesagt, daß ihr »schlecht« seid. Ihr akzeptiert, daß ihr in »Sünde« geboren seid. Schuldgefühle sind eine erlernte Reaktion. Euch sind Schuldgefühle wegen begangener Taten eingeredet worden, noch bevor ihr überhaupt in der Lage wart, irgend etwas zu tun. Euch ist beigebracht worden, daß ihr euch dafür schämen sollt, nicht ganz vollkommen auf die Welt gekommen zu sein.
Dieser angebliche Zustand der Unvollkommenheit, in dem ihr, wie es heißt, das Licht der Welt erblickt, ist der, den eure religiösen Eiferer in ihrer Unverschämtheit als die »Erbsünde« bezeichnen. Und es ist eine Sünde – aber nicht die eure. Es ist die erste Sünde, die von einer Welt an euch begangen wird, die nichts von Gott weiß, wenn sie denkt, daß Gott irgend etwas Unvollkommenes erschaffen würde oder könnte.
Manche eurer Religionen haben ganze theologische Gebäude um diese gedankliche Mißgeburt errichtet. Eine Mißgeburt ganz buchstäblich: Denn alles, was ich erdenke, gedanklich empfange – alles, dem ich Leben gebe –, ist vollkommen; eine vollkommene Widerspiegelung der Vollkommenheit selbst, geschaffen nach meinem Ebenbild.
Doch zur Rechtfertigung der Vorstellung von einem strafenden Gott mußten die Religionen etwas erschaffen, worüber ich wütend werden könnte. Weil selbst für jene Menschen, die ein vorbildliches Leben führen, irgendwie die Notwendigkeit besteht, errettet zu werden. Wenn sie nicht vor sich selbst gerettet werden müssen, dann müssen sie von ihrer implantierten Unvollkommenheit errettet werden. Also (so behaupten diese Religionen) solltet ihr besser etwas unternehmen – und zwar schnell –, oder ihr werdet geradewegs zur Hölle fahren.
Doch dies wird möglicherweise nichts helfen, um einen verschrobenen, rachelüsternen, zornigen Gott zu besänftigen, aber es verhilft verschrobenen, rachelüsternen und zornigen Religionen zum Leben. So pflanzen Religionen sich selbst fort. So bleibt die Macht in den Händen weniger konzentriert, statt durch die Hände vieler erfahren zu werden.
Natürlich wählt ihr ständig den geringeren Gedanken, die kleinere Idee, die winzigste Vorstellung von euch selbst und eurer Macht, von mir und meiner Macht gar nicht zu reden. Es wurde euch beigebracht.
Mein Gott, wie kann ich diese Lehren in mir wieder rückgängig machen?
EINE GUTE FRAGE, und genau an die richtige Person gerichtet!
Du kannst sie wieder in dir rückgängig machen, indem du dieses Buch immer und immer wieder liest. Lies es, bis du jede Passage verstehst. Bis du mit jedem Wort vertraut bist.
Wenn du seine Passagen anderen vortragen, wenn du dir seine Sätze inmitten deiner dunkelsten Stunden ins Gedächtnis rufen kannst, dann wirst du »diese Lehren wieder in dir rückgängig« gemacht haben.
Es gibt immer noch soviel, was ich dich fragen möchte; immer noch soviel, was ich wissen will.
IN DER TAT. Du hast mit einer sehr langen Liste von Fragen begonnen. Sollen wir darauf zurückkommen?