Das ge­heim­nis­vol­le Te­le­gramm
von
Anonymus

 

 

Der eng­li­sche Au­tor die­ses Ge­heim­nis­vol­len Te­legramms‹ ist un­be­kannt; es wä­re in­des scha­de, wenn sei­ne klei­ne Ge­spens­ter­ge­schich­te das­sel­be Schick­sal er­eil­te. Es ist näm­lich ei­ne Ge­schich­te für all je­ne Le­ser, die sich für völ­lig nor­mal hal­ten und da mei­nen, sie könn­ten über Geis­ter, Spi­ri­tis­mus und der­glei­chen ganz und gar nicht nor­ma­le Er­schei­nun­gen la­chen … Dem Te­le­gra­fis­ten Da­vi­son, un­se­rem glaub­wür­di­gen Be­richt­er­stat­ter, ist je­den­falls das La­chen ver­gan­gen.

 

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Ge­gen­über der West­front des Haupt­post­am­tes in Lon­don steht ein klei­nes Haus, in dem die Be­am­ten des Te­le­gra­fen­bü­ros ein­mal wö­chent­lich ih­ren Kluba­bend ab­hiel­ten.

An ei­nem sol­chen Abend war es, als uns un­ser al­ter Kol­le­ge, der Te­le­gra­fist Da­vi­son, ei­ne selt­sa­me Be­ge­ben­heit aus sei­nem Le­ben mit­teil­te.

Doch ich will ihn selbst er­zäh­len las­sen …

Wie ihr wißt, be­gann er, bin ich seit drei­zehn Jah­ren Te­le­gra­fist. Ich bin kein ner­vö­ser oder über­spann­ter Mensch. Im Ge­gen­teil: ich ha­be stets ge­lacht über Geis­ter­ge­schich­ten, Spi­ri­tis­mus, Er­schei­nun­gen und der­glei­chen, und die­je­ni­gen, die dar­an wirk­lich glau­ben, als geis­tig nicht nor­mal be­dau­ert.

Die­se Mei­nung hielt ich auf­recht, bis ich selbst et­was er­leb­te, das über die Gren­zen des Na­tür­li­chen ging. Mei­ne Dienst­zeit in dem Lon­do­ner Bü­ro, in dem ich seit vier Jah­ren an­ge­stellt war, be­gann abends 7 ½ Uhr und dau­erte bis 2 ½ Uhr nachts.

Ei­nes Abends fühl­te ich mich nicht ganz wohl und er­bat mir da­her die Er­laub­nis, et­was frü­her nach Hau­se ge­hen zu dür­fen. Kurz vor mei­nem Fort­ge­hen hat­te ich noch ein Te­le­gramm aus­zu­fer­ti­gen. Es war an einen in Whi­techa­pel woh­nen­den Mann adres­siert, ent­hielt nur die Wor­te ›Sieh Dich vor‹, und war un­ter­zeich­net mit ›H‹.

Ich be­för­der­te das Te­le­gramm, übergab mei­nen Dienst ei­nem Kol­le­gen und ging heim.

Be­vor ich mich schla­fen leg­te, trat ich zu­fäl­lig noch ein­mal auf den Kor­ri­dor hin­aus und be­merk­te, daß im Ba­de­zim­mer, des­sen Tür halb of­fen stand, Licht brann­te. Dies kam mir son­der­bar vor; denn es war nie­mand im Zim­mer, und ich selbst hat­te das Licht nicht an­ge­zün­det.

Ich ging hin­ein, um die Lam­pe aus­zu­lö­schen. Da sah ich, daß der ei­ne Was­ser­hahn nicht voll­stän­dig ge­schlos­sen war; in be­stimm­ten Zwi­schen­räu­men fie­len Trop­fen auf den Bo­den der Ba­de­wan­ne. Das Ge­räusch, das sie her­vor­rie­fen, ir­ri­tier­te mich. Auf­hor­chend blieb ich ste­hen. Wahr­haf­tig, die Trop­fen schie­nen mir in ei­ner selt­sam un­re­gel­mä­ßi­gen Wei­se zu fal­len.

Auf­merk­sam lausch­te ich und sag­te dann bei­na­he me­cha­nisch zu mir selbst: »Das klingt ja wie ein Te­le­gramm!«

Tropp-tropp, tropp-tropp-tropp … es war tat­säch­lich ein Te­le­gramm!

Deut­lich hör­te ich, wie ver­schie­de­ne Ma­le wie­der­holt wur­de: ›Sieh Dich vor!‹, und dann folg­te nach ei­ner kur­z­en Pau­se das Zei­chen ›H‹.

Ich trau­te mei­nen Oh­ren nicht: es war das Te­le­gramm, das ich zu­letzt ex­pe­diert hat­te. Ver­blüfft setz­te ich mich auf den Rand der Ba­de­wan­ne, lausch­te, be­ob­ach­te­te den Was­ser­hahn, aber – kein Zwei­fel, es war das Te­le­gramm: ›Sieh Dich vor!‹

Im höchs­ten Gra­de er­staunt, ging ich zu ei­nem Kol­le­gen, der ei­ne Eta­ge un­ter mir wohn­te, und bat ihn, zu mir her­auf­zu­kom­men. Auch er soll­te sich von der ei­gen­tüm­li­chen Er­schei­nung über­zeu­gen.

Es war in­zwi­schen spät ge­wor­den, und der Kol­le­ge hat­te sich schon zu Bett be­ge­ben. Er war über die Stö­rung nicht ge­ra­de er­freut, er­klär­te sich je­doch schließ­lich be­reit, mir zu fol­gen.

Von dem Te­le­gramm er­zähl­te ich ihm nichts. Ich wollte se­hen, ob auch er es hö­ren wür­de. Er lausch­te und sag­te dann er­staunt: »Das ist ja ein Te­le­gramm! ›Sieh Dich vor!‹, un­ter­zeich­net ›H‹.«

Ich sag­te ihm, daß auch ich es so hö­re.

Wir horch­ten und be­ob­ach­te­ten dann noch ei­ne Wei­le. Er­klä­ren konn­te auch er sich die Sa­che nicht. Schließ­lich ver­ließ er mich und ging wie­der auf sein Zim­mer, nicht oh­ne vor­her noch weid­lich über die Ge­schich­te ge­lacht und sie für Un­sinn er­klärt zu ha­ben.

Dann ging auch ich auf mein Zim­mer und setz­te mich an den Tisch, um noch über die Sa­che nach­zu­den­ken; zum Schla­fen war ich doch zu auf­ge­regt.

End­lich er­hob ich mich, ging zum Wasch­tisch, um mich aus­zu­klei­den, und sah, noch im­mer über das Te­le­gramm nach­den­kend, in den Spie­gel.

Ich war starr! Auf dem Platz, den ich eben noch ein­ge­nom­men hat­te, saß ein Mann und schrieb!

Das Blut stock­te mir in den Adern. Es war mir un­mög­lich, mich um­zu­wen­den und der Er­schei­nung di­rekt ins An­ge­sicht zu se­hen. Mei­ne Au­gen wa­ren wie ge­bannt an das Bild im Spie­gel!

Es war ein großer, schlan­ker Mann. Sein Ge­sicht war farb­los, weiß wie Kalk, und un­ter den Au­gen sah ich große, dunkle Rin­ge. Ein ähn­li­ches Ge­sicht hat­te ich einst in der Morgue, der Pa­ri­ser Lei­chen­hal­le, ge­se­hen. Der grün­li­che Schat­ten un­ter den Au­gen je­nes To­ten hat­te ge­nau die­sel­be Far­be wie die dunklen Rin­ge un­ter den Au­gen die­ses Man­nes.

Ich be­ob­ach­te­te sei­ne Hand – sie mal­te ein großes ›S‹. Dann kam ein ›i‹, ein ›e‹ und ›h‹. Dann schrieb sie ein großes ›D‹ und so fort. – »Sieh Dich vor!‹ Ich wuß­te ge­nau, wie der nächs­te Buch­sta­be lau­ten wür­de – es war ein ›H‹.

Der Mann stand auf. Von mei­ner An­we­sen­heit schi­en er nichts zu wis­sen. Er sah we­der nach mir, noch wen­de­te er über­haupt sein Ge­sicht. Laut­los ging er durch die of­fe­ne Tür hin­aus auf den Kor­ri­dor.

Ich stand und sah in den Spie­gel, nicht im­stan­de, mich zu be­we­gen. Je­den Au­gen­blick er­war­te­te ich die Rück­kehr der Er­schei­nung aus dem Dun­kel des Kor­ri­dors. Aber sie kam nicht zu­rück, und ich fand schließ­lich den Mut, an den Tisch zu tre­ten, um zu se­hen, was dort ge­schrie­ben stand. Wie groß aber war mein Er­stau­nen, als ich nicht ein ein­zi­ges Wort fand.

Ich ging zur Tür, schloß sie lei­se und nahm Platz. Hat­te ich ge­träumt? Was war ei­gent­lich ge­sche­hen?

Wie lan­ge ich in die­ser Ver­fas­sung ge­ses­sen ha­be, weiß ich nicht; aber plötz­lich hör­te ich das lus­ti­ge Zwit­schern der Vö­gel aus dem na­hen Gar­ten zu mir drin­gen.

An Schlaf war bei mei­nem auf­ge­reg­ten Zu­stand nicht zu den­ken. Mein Kopf glüh­te fie­ber­haft, ich ging des­halb an das Fens­ter, um die küh­le Mor­gen­luft zu at­men.

Ei­ne Zeit­lang sah ich hin­un­ter in die Stra­ßen, die um die­se Zeit gänz­lich ver­ein­samt la­gen. Da, wie aus der Er­de auf­tau­chend, er­schi­en auf dem Geh­steig drü­ben plötz­lich ein Mann. Er ver­ur­sach­te nicht das ge­rings­te Ge­räusch; geis­ter­haft schi­en er über das Pflas­ter da­hin­zu­schwe­ben.

Als er sich mei­nem Fens­ter ge­gen­über be­fand, blieb er ste­hen. Er dreh­te mir an­fangs den Rücken zu; plötz­lich aber wand­te er sich zu mir um und sah mir ins Ge­sicht.

Un­se­re Bli­cke tra­fen sich. Ein angst­vol­ler Aus­druck war in sei­nen Zü­gen, und er zeig­te mit dem Arm nach Os­ten.

Es war der Frem­de, der mich in der Nacht be­sucht hat­te!

Be­stürzt von all die­sem Ge­heim­nis­vol­len lehn­te ich mich weit aus dem Fens­ter und rief den Frem­den, als er sich zum Ge­hen wand­te, mit lau­ter Stim­me an.

Ob er mich nicht hör­te oder nicht hö­ren woll­te, – ich weiß es nicht. Je­den­falls be­ach­te­te er we­der mein Ru­fen, noch blick­te er sich um; ich be­merk­te nur noch, daß er um die nächs­te Stra­ßen­e­cke ver­schwand.

So rasch ich konn­te, lief ich die Trep­pe hin­un­ter und auf die Stra­ße, um ihm zu fol­gen. Ich er­reich­te die Ecke, um die er ge­gan­gen war, noch be­vor er bei der nächs­ten Ecke an­ge­langt sein konn­te. Aber kei­ne Spur mehr von ihm war zu se­hen. Auch wenn er ge­lau­fen wä­re, hät­te er mir nicht so schnell aus den Au­gen kom­men kön­nen.

Nach Hau­se zu gehn und zu ru­hen, hat­te kei­nen Sinn. Un­will­kür­lich schlug ich die Rich­tung nach mei­nem Bü­ro ein.

Als ich dort an­kam, war na­tür­lich je­der er­staunt, mich zu se­hen. Ich er­klär­te, ich sei ner­vös und kön­ne nicht schla­fen, such­te aus den Te­le­gramm­fä­chern die Ab­schrift des Te­le­gramms her­aus, das mit ›H‹ ge­zeich­net war, und fand auch die Adres­se. Ich no­tier­te sie mir in der Ab­sicht, den Adres­sa­ten auf­zu­su­chen. Ob­gleich ich mir sag­te, daß es auf­dring­lich und un­be­rech­tigt von mir sein wür­de, dem Emp­fän­ger des Te­le­gramms ir­gend wel­che Fra­gen zu stel­len, woll­te ich hin.

Ich ging dann schnell durch die Stra­ßen, in der et­was ban­gen Er­war­tung, den Mann, der mich zwei­mal in we­ni­gen Stun­den wie ein Ge­spenst ge­narrt hat­te, wie­der­zu­se­hen.

Vor dem be­zeich­ne­ten Hau­se stieß ich auf ei­ne große Men­schen­men­ge. Ich ver­such­te mich durch­zu­drän­gen, wur­de aber an­ge­hal­ten und mit Fra­gen be­stürmt; man hielt mich für einen De­tek­tiv.

Erst nach mei­ner ge­gen­tei­li­gen Ver­si­che­rung ließ man mich los, und es ge­lang mir, durch den Hau­fen der auf­ge­reg­ten Leu­te hin­durch­zu­kom­men. Ich frag­te einen an der Tür pos­tier­ten Schutz­mann, den ich kann­te, was denn pas­siert sei.

»Ein schreck­li­cher Mord ist in die­sem Hau­se ver­übt wor­den«, ant­wor­te­te er. »Wenn Sie wol­len, kön­nen Sie hin­ein­ge­hen.«

Ich ging hin­ein und wur­de von ei­nem zwei­ten Schutz­mann in ein klei­nes Zim­mer ge­führt.

Es war ein schreck­li­cher An­blick, der sich mir bot. Der Kör­per ei­nes Man­nes lag auf dem Bo­den in ei­ner Blut­la­che. Blut über­all – und ne­ben dem Kör­per ei­ne Axt.

Ich muß­te mich mit Ge­walt ab­wen­den; et­was in den Zü­gen des Man­nes aber zog mei­ne Bli­cke im­mer wie­der an. Die­ses Ge­sicht hat­te ich schon ein­mal ge­se­hen; doch konn­te ich mir über die Per­sön­lich­keit, der es ge­hör­te, nicht klar wer­den.

Der Be­am­te durch­such­te die Ta­schen des To­ten nach et­wai­gen Pa­pie­ren. In sei­ner Wes­ten­ta­sche fand er ein Te­le­gramm. Er ent­fal­te­te es und las: »Sieh Dich vor! H.«

Es war das Te­le­gramm, das ich zu­letzt ex­pe­diert hat­te.

Ganz ver­stört von dem Er­leb­ten ging ich hin­aus, nahm ei­ne Drosch­ke und fuhr nach dem Amt, wo ich die Ge­schich­te ei­nem Kol­le­gen er­zähl­te. Der sah mich nur zweif­le­risch an; er schi­en zu glau­ben, mein Ge­hirn ha­be wohl et­was ge­lit­ten.

 

Sechs Mo­na­te wa­ren ver­gan­gen, und der Mör­der war noch nicht er­grif­fen. Al­le Re­cher­chen der Po­li­zei wa­ren er­geb­nis­los ge­blie­ben. Es gab auch nicht einen ein­zi­gen An­halts­punkt, wo die Er­mitt­lun­gen hät­ten ein­set­zen kön­nen.

Aber die Er­schei­nung, die ich in je­ner Nacht ge­habt hat­te, kam mir nicht aus dem Sinn.

Ei­nes Abends, als ich wie ge­wöhn­lich an mei­nem Schal­ter saß, be­trat ein großer, kräf­tig ge­bau­ter Mann das Bü­ro, ging zu dem Pult am Fens­ter, nahm ein Te­le­gramm­for­mu­lar und be­gann zu schrei­ben. Als es fer­tig war, kam er auf mei­nen Schal­ter zu, um das Te­le­gramm bei mir auf­zu­ge­ben.

Ich sah ihm ins Ge­sicht; es war die Er­schei­nung aus je­ner Nacht! Und doch, die­ser Mann sah an­ders aus. Sein Ge­sicht war flei­schi­ger, sei­ne Stirn nied­ri­ger; es hat­te einen Aus­druck des Bru­ta­len, Ro­hen. Und auch die dunklen Rin­ge un­ter den Au­gen fehl­ten.

So ru­hig wie mög­lich nahm ich das Te­le­gramm ent­ge­gen. Grad als ich die Wor­te zähl­te, kam ei­ner mei­ner Mit­ar­bei­ter her­ein. Ich ging zu ihm und sag­te zu ihm, so lei­se es mei­ne Er­re­gung zuließ, die­ser Mann sei der Mör­der von Whi­techa­pel, wir müß­ten ihn ver­haf­ten las­sen.

Der Mann sah uns be­ob­ach­tend von der Sei­te an. So­bald wir dies be­merk­ten, hiel­ten wir mit Spre­chen in­ne. Ich ging zum Schal­ter zu­rück. Wäh­rend ich so lang­sam wie mög­lich die Sen­dung fer­tig mach­te, ver­ließ mein Kol­le­ge das Bü­ro, um einen Schutz­mann her­bei­zu­ho­len.

Um Zeit zu ge­win­nen, ver­such­te ich mei­nen Part­ner in ei­ne Un­ter­hal­tung zu ver­stri­cken; aber das Spre­chen be­hag­te ihm nicht. Als er be­zahlt hat­te, wand­te er sich zum Ge­hen.

Es war nun für mich höchs­te Zeit, zu han­deln. Ich be­rühr­te sei­nen Arm und sag­te: »Ent­schul­di­gen Sie …«

Es war der schlech­tes­te Ge­dan­ke, der mir kom­men konn­te; denn der Frem­de durch­schau­te mei­ne Ab­sicht so­fort. Mit ei­nem Fluch warf er sich auf mich und pack­te mich blitz­schnell bei der Keh­le.

»Du Schuft, du willst mich fan­gen!« zisch­te er.

Er preß­te sei­nen Dau­men tief in mei­nen Hals und drück­te mir so die Luft ab. Mir schwan­den die Sin­ne.

Als ich wie­der zu mir kam, be­fand ich mich in ei­nem Hos­pi­tal­zim­mer. Man er­zähl­te mir, der Frem­de hät­te mich bei­na­he ge­tö­tet, aber zur rech­ten Zeit sei­en die Schutz­leu­te er­schie­nen und hät­ten mich be­freit.

Vor dem Un­ter­su­chungs­rich­ter be­kann­te der Ge­fan­ge­ne, daß er der Mör­der von Whi­techa­pel­hou­se sei. Spä­ter wur­de er zum To­de ver­ur­teilt.

Der Mör­der hat­te einen Be­kann­ten in Louth, na­mens An­thony Usi­na. Er ver­lor einst ge­gen die­sen im Spiel ei­ne grö­ße­re Sum­me. Durch den Ver­lust und durch reich­lich ge­nos­se­nen Al­ko­hol er­regt, fing er mit ihm Hän­del an, die je­doch zu sei­nen Un­guns­ten aus­fie­len. Er schwor sei­nem Freun­de Ra­che; und als Usi­na nach Lon­don ging, folg­te er ihm.

Des Mör­ders Bru­der, ein in Louth hoch­an­ge­se­he­ner Mann, der sei­ne Ab­sicht er­riet, be­müh­te sich ver­ge­bens, ihn zu­rück­zu­hal­ten. Er woll­te nicht in­di­rekt den Tod ei­nes Men­schen ver­schul­den; und des­halb schick­te er das Te­le­gramm an Usi­na, um ihn zu war­nen. Ei­ni­ge Stun­den spä­ter er­lag er plötz­lich ei­nem Schlag­an­fall.

Die­ser plötz­li­che Tod ist mei­ner An­sicht nach die un­mit­tel­ba­re Ur­sa­che der Er­schei­nung und des ei­gen­tüm­li­chen Tröp­felns ge­we­sen. Die Ge­dan­ken des Man­nes hat­ten sich un­aus­ge­setzt mit der Ver­hin­de­rung des ge­plan­ten Ver­bre­chens be­schäf­tigt. Sein Tod aber mach­te es ihm un­mög­lich, dem Mor­de vor­zu­beu­gen. Der Kör­per war tot, der Geist je­doch leb­te wei­ter und ver­such­te, al­ler ir­di­schen Fes­seln le­dig, mich als den ein­zi­gen, der von dem Te­le­gramm wuß­te, zu be­we­gen, den Er­mor­de­ten zu war­nen.

Ich kam zu spät. Doch wenn ich auch nicht das un­glück­li­che Op­fer vor dem To­de be­wah­ren konn­te, so wur­de ich doch in je­ner Nacht zum Werk­zeug des Schick­sals, das den Mör­der er­eil­te, als er sich am si­chers­ten fühl­te.