Es möch­te an der Zeit sein, die viel­fa­chen und be­dau­er­li­chen Irr­tü­mer, wel­che über die Na­tur der Ge­spens­ter ver­brei­tet sind, ein­mal nä­her zu be­leuch­ten. Ei­ne der ro­he­s­ten An­schau­un­gen lau­tet: Ein Ge­spenst ist ei­ne Ge­stalt in ei­nem wei­ßen Bett­la­ken, wel­che nachts zwi­schen zwölf und ein Uhr Un­fug treibt. Ich ver­mu­te, daß die­se Fa­bel von ei­nem Lieb­ha­ber er­fun­den ist, den sein Ne­ben­buh­ler des Nachts in die­ser Ver­mum­mung durch­ge­prü­gelt hat. Schon der all­ge­mei­ne Glau­be, daß ein Ge­spenst sich an ge­wis­se eng­um­schrie­be­ne Nacht­stun­den bin­det, zeugt von ei­ner be­trü­ben­den Un­kennt­nis der wirk­li­chen Ver­hält­nis­se. Ich glau­be des Dan­kes un­se­rer ver­stor­be­nen Mit­bür­ger, wel­che das Schick­sal ge­nö­tigt hat, sich die­sem we­nig be­frie­di­gen­den Be­ruf zu wid­men, ge­wiß zu sein, wenn ich die Er­geb­nis­se mei­nes ein­ge­hen­den Stu­di­ums über die Na­tur und die Ei­gen­schaf­ten der Ge­spens­ter zur all­ge­mei­nen Kennt­nis brin­ge. Viel­leicht ge­schieht dies am bes­ten, wenn ich ganz ein­fach in mei­ner Ge­schich­te fort­fah­re …

Hein­rich Sei­del