
Wasserwahn
Achtung, folgende Zeilen sind
bösartig, gemein und medizinisch zweifelhaft. Aber sie stimmen
trotzdem. Die Sauferei ist meistens überflüssig.
Nehmen wir einen Fast-100-Kilogramm-Klops wie Achim
Achilles, der zur unangenehmen Spezies der Power-Schwitzer gehört.
Schon das Aussteigen aus einem klimatisierten Auto lässt ihn das
erste Hemd durchweichen. Wenn er pro Stunde tatsächlich zwei Liter
Schweiß verliert, wären das bei einem 90-Minuten-Lauf etwa drei
Prozent seines Köpergewichts. In diesem Moment fängt es langsam an,
die Leistung zu beeinträchtigen; die Gesundheit allerdings nicht.
Mit ein paar Schlucken Wasser sollten die größten Verluste auch
wieder ausgeglichen sein, bei Normal- oder Wenigschwitzern
allemal.
Die Unsitte, auf jeden 20-Minuten-Auslauf einen
Hektoliter Isotonisches mitzunehmen, greift dennoch unaufhaltsam um
sich. Die Getränke-Industrie hat es geschafft, Menschen, die sonst
keine Probleme haben, die Panik vor dem Flüssigkeitsverlust
einzubimsen.
Dazu sollte man Folgendes wissen: Am wichtigsten
ist der reine Flüssigkeitsausgleich. Mineralstoffe,
wie etwa Magnesium, nimmt der Körper während des Laufens gar nicht
mehr auf. Wenn es tatsächlich an etwas mangelt, dann ist es
meistens Salz. Aber wer mag das unterwegs schon. Nachher gleicht
ein Brett Fritten den Salzmangel locker wieder aus. Drittens sind
die ersten Fälle von Flüssigkeitsübersättigung aufgetreten, die
mindestens so gefährlich sind wie Dehydrierung. Merke: Ein
ordentlicher Durst am Ende des Trainings ist das beste Argument für
ein ehrliches Bier.