Den Finger am Drücker
von
J. F. BONE

 

Ge­ne­ral Alasta­ir French war in der Zeit von acht bis sech­zehn Uhr wohl der wich­tigs­te Mann der gan­zen west­li­chen He­mi­sphä­re. Den­noch be­stand sei­ne gan­ze Be­schäf­ti­gung dar­in, tief un­ter der Er­de in ei­nem fens­ter­lo­sen Raum zu sit­zen und ein Pult an der Wand an­zu­star­ren.

In die Wand selbst wa­ren ei­ne Un­men­ge Ar­ma­tu­ren ein­ge­baut. Ei­ne Rei­he von Uh­ren knapp un­ter der De­cke zeig­ten die ver­schie­de­nen Zei­ten in al­len Zeit­zo­nen der Er­de an. Dar­un­ter be­fan­den sich zwei rie­si­ge Bild­schir­me, die zu bei­den Sei­ten von Laut­spre­cher­an­la­gen flan­kiert wur­den.

Auf dem Pult selbst war nichts au­ßer drei Te­le­fo­nen in ver­schie­de­nen Far­ben – rot, blau und weiß – und ei­ner blitz­blan­ken Kunst­stoff­plat­te, aus der ei­ne Rei­he wei­ßer Tas­ten rag­ten. Sie grup­pier­ten sich um einen Knopf, des­sen ro­te Far­be an fri­sches Blut er­in­ner­te.

Ein di­cker Tep­pich, ein ei­gen­ar­tig kon­stru­ier­ter Stuhl mit brei­ten Arm­leh­nen und ein Aschen­be­cher ver­voll­stän­dig­ten die Ein­rich­tung. War­me, mit Feuch­tig­keit an­ge­rei­cher­te Luft ström­te aus ver­bor­ge­nen Git­tern in Bo­den­hö­he. Die Wän­de wa­ren in ei­nem ru­hi­gen, sanf­ten Grau ge­hal­ten, das die in­di­rek­te Be­leuch­tung dämpf­te. Die Tür be­stand aus Stahl und war mit ei­nem Zeit­schloß ver­se­hen.

Der ge­naue Ort, an dem sich die­ser Raum und sei­ne Ver­sor­gungs­zen­tra­le be­fan­den, war das best­ge­hü­te­te Ge­heim­nis der west­li­chen Welt. Der Rus­se hät­te einen gu­ten Teil sei­ner Steu­er­gel­der aus­ge­ge­ben, um mehr dar­über zu er­fah­ren, eben­so wie die west­li­che Welt al­les dar­an­setz­te, die La­ge des rus­si­schen Zen­trums aus­fin­dig zu ma­chen.

Ob­wohl der Ort sehr ab­ge­le­gen war, stand der Mann hin­ter dem Pult in en­ger Ver­bin­dung mit je­dem mi­li­tä­ri­schen Brenn­punkt des Wes­tens. Das ro­te Te­le­fon stell­te einen di­rek­ten Kon­takt zum Wei­ßen Haus her. Die blaue Lei­tung führ­te zum Haupt­quar­tier des Ge­ne­ral­stabs und zum Sitz der Aus­weich­re­gie­rung in den Ber­gen von West-Vir­gi­nia. Und das wei­ße Te­le­fon ver­band ihn mit je­dem mi­li­tä­ri­schen Punkt der Welt, der un­ter Al­li­ier­ten-Kon­trol­le stand.

Ge­ne­ral French war der ein­sa­me Mann, über den Fern­seh-Con­féren­ciers oft ih­re Wit­ze ris­sen, weil sie nicht wuß­ten, daß es ihn tat­säch­lich gab.

French kann­te sei­ne Ver­ant­wor­tung, und er nahm sie ernst. Er war von Na­tur aus ein erns­ter Mann, aber nach­dem er drei Jah­re lang mit die­ser höchs­ten Ver­ant­wor­tung ge­lebt hat­te, stell­te sie nicht mehr die er­drücken­de Last dar wie da­mals, als die Psy­cho­lo­gen ihn als einen der sta­bils­ten Cha­rak­tere der Er­de für die­se Auf­ga­be aus­ge­wählt hat­ten.

Er war sonst nicht ge­ra­de ein glück­li­cher Mensch. Da­für sorg­ten sei­ne Auf­ga­be und die im­mer be­droh­li­cher wer­den­de Welt­la­ge. Aber die­ser Tag bil­de­te ei­ne strah­len­de Aus­nah­me.

Der Win­ter­mor­gen war von be­son­de­rer Schön­heit ge­we­sen, und French lieb­te Schön­heit mit der Lei­den­schaft ei­nes Künst­lers. Ein flam­men­der Son­nen­auf­gang hat­te den gan­zen öst­li­chen Him­mel ver­gol­det, und die kal­te, pri­ckeln­de Luft be­leb­te sei­ne Sin­ne. Es war viel zu schön, um an Krieg oder Tod zu den­ken.

Wie je­den Tag seit drei Jah­ren öff­ne­te er die Tür um Punkt acht Uhr. Er sah, wie der rund­li­che Mann mit den ro­si­gen Wan­gen sich von sei­nem Stuhl er­hob. Ihm kam der Ge­dan­ke, daß Klein­meis­ter we­der wie ein Ge­ne­ral noch wie der po­ten­ti­el­le Ver­nich­ter der hal­b­en Welt aus­sah. Eher wie Sankt Ni­ko­laus oh­ne Bart. Aber der Schein trog. Hans Klein­meis­ter konn­te oh­ne Be­dau­ern die hal­be Welt tö­ten, wenn er es für nö­tig hielt. Die bei­den Män­ner ga­ben sich die Hand, ei­ne all­mor­gend­li­che Ze­re­mo­nie, die die Wach­ab­lö­sung be­glei­te­te. Dann ließ sich French in den Stuhl vor dem Pult glei­ten.

»Es ist ein herr­li­cher Tag drau­ßen, Hans«, sag­te er, wäh­rend sich der Stuhl au­to­ma­tisch auf sei­ne Kör­per­for­men ein­stell­te. »Ich be­nei­de dich.«

»Ich dich nicht, AI«, sag­te Klein­meis­ter. »Ich bin froh, daß es wie­der für vier­und­zwan­zig Stun­den vor­bei ist. Das War­ten geht auf die Ner­ven.«

Klein­meis­ter grins­te, als er den Raum ver­ließ. Die Stahl­tür glitt zu, und das Zeit­schloß ras­te­te ein. Wäh­rend der nächs­ten acht Stun­den war French al­lein.

Er seufz­te. Es war zu scha­de, daß er an ei­nem Tag, wie es die­ser zu wer­den ver­sprach, hier ein­ge­sperrt war. Aber er konn­te es nicht än­dern. Er re­kel­te sich be­hag­lich in sei­nem Stuhl. Es war der be­quems­te Stuhl, den ein mensch­li­ches Ge­hirn er­fun­den hat­te. Er muß­te es sein. Der Mann, der ihn be­nutz­te, muß­te je­de Be­quem­lich­keit ha­ben. Es dürf­te ihm an nichts feh­len. Vor al­lem durf­te er sich nicht auf­re­gen oder är­gern. Sein Ge­hirn war ein­zig und al­lein da­zu da, die La­ge ab­zu­schät­zen und ei­ne Ent­schei­dung zu tref­fen. Nichts durf­te die­ses Ge­hirn ab­len­ken. Die Grund­la­ge da­zu war phy­si­sches Wohl­be­fin­den – und der Stuhl sorg­te da­für. French spür­te das wei­che An­schmie­gen der Pols­ter.

Als er die In­stru­men­te über­prüf­te, über­kam ihn wie­der die­ses Ge­fühl des Los­ge­löst­seins. Theo­re­tisch war er dem Prä­si­den­ten und dem Ge­ne­ral­stab ver­ant­wort­lich, aber prak­tisch konn­te er frei ent­schei­den. Nur sei­ne Hand konn­te die Ver­gel­tungs­ma­schi­ne­rie in Gang set­zen. Oh­ne sei­ne Er­laub­nis konn­te we­der ei­ne Lang­stre­cken- noch ei­ne Mit­tel­stre­cken­ra­ke­te die Ab­schuß­ram­pe ver­las­sen. Er war die letz­te Au­to­ri­tät, der höchs­te Rich­ter und der Hen­ker, wenn es sein muß­te – ei­ne Bür­de, die man ihm nach jah­re­lan­ger, ein­ge­hen­der Prü­fung auf­er­legt hat­te. In die­sem Raum war er ei­nem Gott nä­her als je­der an­de­re Mensch seit der Er­schaf­fung der Welt.

French zuck­te mit den Schul­tern und be­rühr­te ei­ne der wei­ßen Tas­ten auf dem Schalt­brett.

»Ja, Sir?« hör­te man ei­ne fra­gen­de Stim­me aus ei­nem der Laut­spre­cher.

»Ei­ne Zeit­schrift und ei­ne Tas­se Kaf­fee«, sag­te Ge­ne­ral French.

»Was für ei­ne Zeit­schrift, Sir?«

»Et­was Leich­tes – viel­leicht ei­ne Il­lus­trier­te. Ich ver­las­se mich auf Ih­re Wahl.«

»Ja­wohl, Sir.«

French grins­te. Jetzt wür­de man sich in der Zen­tra­le er­zäh­len, daß der Al­te heu­te gut ge­launt sei. Ei­ne Tas­se Kaf­fee kam aus ei­nem Schacht in der Arm­leh­ne, und die Zeit­schrift schob sich in einen Schlitz seit­lich des Stuhls.

French blät­ter­te in der Il­lus­trier­ten und schlürf­te sei­nen Kaf­fee. Ge­ne­ral Craig wür­de ihn in we­ni­ger als acht Stun­den ab­lö­sen. Dann konn­te er den Rest des Ta­ges ge­nie­ßen. Er hoff­te, daß der Son­nen­un­ter­gang eben­so schön war wie der Auf­gang.

Er warf einen Blick auf die Zen­tral­uhr. Die Zei­ger stan­den auf acht Uhr sieb­zehn …

 

Auf Sta­ti­on Zwei der Ver­tei­di­gungs­li­nie stan­den die Uhr­zei­ger auf zwölf Uhr sieb­zehn. Es war Mit­tag. Den­noch herrsch­te drau­ßen Dun­kel­heit. Nur im Sü­den zeig­te ein schwa­ches Leuch­ten den Kampf der Win­ter­son­ne ge­gen die Dun­kel­heit. Die Luft war klar, und die Ster­ne leuch­te­ten aus dem blauschwar­zen Him­mel der Po­lar­ge­gend.

Ein Radar­tech­ni­ker beug­te sich über sei­nen Schirm und ver­steif­te sich. »Frem­der Flug­kör­per!« bell­te er. »Azi­mut 0200. Nä­hert sich sehr schnell.«

Der Flug­kör­per kam über den Nord­pol her­ein und drang schräg durch die zä­hen Schich­ten der obe­ren At­mo­sphä­re ein. Die Ga­se rie­ben an sei­nen me­tal­li­schen Flan­ken und ent­zün­de­ten sie. Flam­men spran­gen auf und bil­de­ten einen leuch­ten­den Schweif. Er kam mit ra­sen­der Ge­schwin­dig­keit nä­her und war über die Sta­ti­on hin­weg­ge­jagt, be­vor der Radar­tech­ni­ker den all­ge­mei­nen Alarm aus­lö­sen konn­te.

Ra­dar­such­ge­rä­te rich­te­ten sich auf das Ziel ein. Elek­tro­nen­rech­ner be­stimm­ten sei­ne Grö­ße, Ge­schwin­dig­keit und Flug­bahn und ga­ben die Da­ten an die Ab­fangra­ke­ten wei­ter, die in die­sem Sek­tor sta­tio­niert wa­ren.

»Ein­stel­lung fer­tig«, rief ei­ner der Schüt­zen ge­lang­weilt.

»Zwei­fa­cher Ab­schuß.« Er lä­chel­te. Der Rus­se ver­such­te es wie­der ein­mal. Die­ses Hin und Her von Lenk­waf­fen war schon et­was All­täg­li­ches ge­wor­den. Man tes­te­te das feind­li­che Ab­wehr­netz. Wenn es ei­ne Ra­ke­te schaff­te, folg­ten viel­leicht wei­te­re. Viel­leicht auch nicht. Es war ei­ne der vie­len Tak­ti­ken des kal­ten Krie­ges.

Mei­len ent­fernt jag­ten zwei Ge­schos­se mit flam­men­den An­trie­ben von ih­ren Ram­pen. Der Schüt­ze war­te­te einen Au­gen­blick. Dann be­gann er zu flu­chen.

»Da­ne­ben, ver­dammt! Sieht so aus, als hät­te der Rus­se was Neu­es.« Er be­tä­tig­te einen Schal­ter. »Re­ser­ve, Ach­tung! Flug­kör­per kommt vor­bei. Kurs 0200.«

»Wir ha­ben ihn im Schirm«, hör­te man ei­ne Stim­me im Laut­spre­cher. »Al­le Sek­tor­sta­tio­nen Feu­er!«

»Mein Gott, was ist denn in dem Ding? Re­gie­rung ver­stän­di­gen! Wei­ter­ge­ben!«

»An al­le Sta­tio­nen der Äu­ße­ren Küs­ten­ver­tei­di­gung! Flug­kör­per in Sicht.«

»Alarm! An al­le Sta­tio­nen!« bell­te ein Spre­cher in ein Mi­kro­phon. »Dies­mal hat der Rus­se ei­ne schar­fe Sa­che! All­ge­mei­ne Eva­ku­ie­rung Bo­ston-Rich­mond. Plan Eins. Wei­ter­ge­ben!«

»Äu­ße­rer Pe­ri­me­ter, Ver­tei­di­gungs­sys­tem B!«

»Zen­tra­le! Drin­gend, äu­ßerst drin­gend! Ge­ne­ral, ein Flug­kör­per kommt her­ein, öst­li­cher Küs­ten­sek­tor. Die vor­ge­scho­be­nen Li­ni­en konn­ten ihn nicht tref­fen. Das war noch nie da. Er ist für un­se­re Ab­fangra­ke­ten zu schnell. Ver­mut­li­ches Ziel­ge­biet Bo­ston-Rich­mond. Er­war­ten Be­feh­le …«

»Sek­tor­pe­ri­me­ter. Wir se­hen ihn.«

»Ver­tei­di­gungs­sys­tem C, zwan­zig!«

Über­all in Flug­bahn des Kör­pers jag­ten Män­ner die Ab­fang­ge­schos­se in den Him­mel. Man sah sie vor dem Ding auf­tau­chen, das jetzt grell im küh­len Licht des Nor­dens da­hin­ras­te. Ge­schos­se tra­fen, de­to­nier­ten. Aber die Flam­men wur­den von den Flam­men des Flug­kör­pers ver­schluckt, und er kam mit ra­sen­der Ge­schwin­dig­keit nä­her.

»Mein Gott! Er kommt nä­her!« schrie ei­ne angst­vol­le Stim­me. »Ich sag­te doch im­mer, daß wir auch für den Nah­kampf ato­ma­re Spreng­köp­fe brau­chen!«

Es wur­den noch mehr Ge­schos­se hin­auf­ge­schickt, aber der Flug­kör­per war jetzt so nied­rig, daß die elek­tro­ni­schen Da­ten zu lang­sam ka­men. Das Ding jag­te mit ei­nem feu­ri­gen Schweif über das Land und ver­seng­te al­les, was ihm in den Weg kam. Hun­der­te von win­zi­gen Feu­ern bra­chen aus. Die meis­ten konn­ten schnell ge­löscht wer­den, aber ei­ni­ge brann­ten um so hef­ti­ger. Ei­ne Gas­raf­fi­ne­rie in Uti­ca ex­plo­dier­te. Klei­ne­re Schä­den ent­stan­den in Scran­ton und Wil­kes Bar­re. Die Be­rich­te wa­ren ver­mischt mit mi­li­tä­ri­schen Be­feh­len, dem Auf­zi­schen von Ge­schos­sen und dem Sperr­feu­er der Bo­den­ab­wehr. Al­les ver­geb­lich. Das Ziel be­weg­te sich so schnell, daß man es kaum sah, und bis die Ge­schos­se den Ab­fang­punkt er­reicht hat­ten, war es längst wei­ter­ge­rast. Es ent­zog sich den schnells­ten Ab­wehr­waf­fen mit ge­ra­de­zu ver­ächt­li­cher Leich­tig­keit.

 

Ge­ne­ral French hat­te sich auf­ge­rich­tet. Die fried­li­che Mie­ne war wie weg­ge­wischt. Wäh­rend sei­ne Bli­cke zwi­schen Pult und Fern­seh­schir­men hin und her gin­gen, wur­de sein Ge­sichts­aus­druck hart. Ei­ne Sta­ti­on nach der an­de­ren sand­te ih­re Be­rich­te und Bil­der in die Zen­tra­le. Ih­re Be­ob­ach­tun­gen ka­men in er­schre­ckend kur­z­en Ab­stän­den.

French starr­te auf den flam­men­den Punkt, der über die Schir­me ras­te. Es konn­te kei­ne Waf­fe sein, wenn nicht – und er zuck­te bei dem Ge­dan­ken zu­sam­men – die Rus­sen viel wei­ter wa­ren, als je­der­mann an­ge­nom­men hat­te. Wis­sen konn­te man es nicht. Schließ­lich hat­ten sie vor Jah­ren die Welt mit dem ers­ten Sput­nik über­rascht, und der Wes­ten muß­te al­le Kräf­te ein­set­zen, um mit ih­nen gleich­zu­zie­hen.

»Ziel­ge­biet be­rech­net«, er­tön­te ei­ne Stim­me aus dem Laut­spre­cher. Sie war un­na­tür­lich ru­hig. »Es ist Wa­shing­ton.«

Der Laut­spre­cher am lin­ken Bild­schirm be­gann zu knacken.

»Hier ist Co­nel­rad«, hör­te man ei­ne Stim­me. »Das ist kei­ne Übung – wie­der­ho­le – das ist kei­ne Übung!« Die Stim­me wur­de lei­ser. Ei­ne an­de­re Sta­ti­on mel­de­te sich. »Trans­po­la­res Ge­schoß nach Sü­den un­ter­wegs. Flug­bahn ent­lang der Ost­küs­te. Ziel Wa­shing­ton. Plan Eins. Eva­ku­ie­rungs­zeit drei­ßig Se­kun­den …«

Drei­ßig Se­kun­den! French zuck­te zu­sam­men. Wa­shing­ton war zum Un­ter­gang ver­ur­teilt. In drei­ßig Se­kun­den konn­te man nicht flie­hen. Sei­ne Hand be­weg­te sich auf den ro­ten Knopf zu. Das war es al­so.

Der Flug­kör­per flamm­te jetzt hel­ler auf. Er wirk­te wie ei­ne Mi­nia­tur­son­ne. Und er jag­te mit Krei­schen und Dröh­nen durch die At­mo­sphä­re.

»Er ist am En­de«, sag­te French lei­se. »Er wird ver­glü­hen.«

»Staats­ge­biet New York. Zwölf Uhr. Ge­schoß über uns. Mein Gott! Seht euch das an!«

Der gan­ze Schirm schi­en auf­zu­glü­hen.

Das blaue Te­le­fon läu­te­te.

»Zen­trum«, sag­te French.

Er war­te­te. Dann leg­te er den Hö­rer wie­der auf. Die Lei­tung war ver­stummt.

»Blitz­mel­dung!« sag­te Co­nel­rad. »Das feind­li­che Ge­schoß hat im Sü­den New Yorks ein­ge­schla­gen. Vor fünf­zehn Se­kun­den konn­ten Be­ob­ach­ter der zi­vi­len Ver­tei­di­gung ein ge­wal­ti­ges Auf­blit­zen se­hen. Bis jetzt kei­ne De­to­na­ti­on. Wei­te­re Nach­richt – Schall­mes­sun­gen er­ge­ben, daß die Haupt­stadt der Na­ti­on ge­trof­fen wur­de. Un­ser Re­gie­rungs­sitz ist zer­stört!« Ei­ne kur­ze Pau­se. Dann hör­te man ei­ne lei­se Stim­me. »Mein Gott – all die ar­men Teu­fel!«

Das ro­te Te­le­fon klin­gel­te. French nahm den Hö­rer ab.

»Zen­trum«, sag­te er.

Je­mand brüll­te in den Hö­rer.

»Wer sind Sie?« frag­te French ru­hig. Er war­te­te. Dann lief sein Ge­sicht rot an. »Haupt­mann, für wen hal­ten Sie sich ei­gent­lich? Ich neh­me vom Boß mei­ne Be­feh­le ent­ge­gen – von nie­man­dem sonst. Und jetzt ver­schwin­den Sie aus der Lei­tung. Ach so, ich ver­ste­he. Dann ha­be ich al­so die Ver­ant­wor­tung? Gut, ich über­neh­me sie – und nun las­sen Sie mich in Frie­den.«

Er leg­te den Hö­rer vor­sich­tig auf. Klei­ne Schweiß­trop­fen stan­den ihm auf der Stirn. Das war ei­ne Si­tua­ti­on, wie er sie nie er­träumt hat­te. Der Prä­si­dent war tot. Die Leu­te des Ge­ne­ral­stabs wa­ren tot. Er war auf sich selbst an­ge­wie­sen, bis ei­ne Über­gangs­re­gie­rung ge­bil­det war.

Soll­te er war­ten und die Rus­sen zu­erst han­deln las­sen? Oder soll­te er zu­schla­gen? Selt­sa­mer­wei­se kam ihm der Ge­dan­ke, was jetzt sein Ge­gen­über auf der rus­si­schen Sei­te mach­te. War er stolz auf sei­nen Schlag – oder hat­te er Angst? French lä­chel­te bit­ter. Wenn er in der Haut des Rus­sen steck­te, sä­ße ihm die Angst in den Kno­chen! Er zit­ter­te. Zum ers­ten­mal seit Jah­ren fühl­te er das gan­ze Ge­wicht sei­ner Ver­ant­wor­tung.

Das ro­te Te­le­fon klin­gel­te wie­der.

»Zen­trum – hier French. Wer ist am Ap­pa­rat? Ja na­tür­lich, Herr Prä­si­dent. Ja, Sir, es ist schreck­lich. Was ich ge­tan ha­be? Nichts, Sir. Ei­ne ein­zi­ge Ra­ke­te wie die­se – ich weiß nicht. Ich war­te noch, was nach­kommt … Ja, Sir, ich weiß – aber möch­ten Sie die Ver­ant­wor­tung ha­ben, wenn die gan­ze Welt ver­nich­tet wird? Was ist, wenn die Rus­sen un­schul­dig wa­ren? Ha­ben Sie dar­an schon ge­dacht? … Ja, Sir, mei­ner Mei­nung nach soll­ten wir noch war­ten … Nein, Sir, ich glau­be nicht. Wenn es der Rus­se war, wird er wei­ter­ma­chen, und dann hand­le ich so­fort. Nein, Sir, das neh­me ich nicht auf mich … Ja, ich weiß, daß Wa­shing­ton zer­stört ist, aber wir ha­ben kei­nen Be­weis von der Schuld der Rus­sen. Un­se­re Lang­stre­cken­auf­klä­rer ha­ben nichts von ei­ner rus­si­schen Ak­ti­vi­tät ge­se­hen. Tut mir leid, Sir, ich kann Ih­nen nicht beipflich­ten – und Sie kön­nen mich erst um sech­zehn Uhr ab­lö­sen. Ja, Sir, ich weiß ge­nau, was ich tue. Gut, Sir, wenn Sie wol­len, dan­ke ich um sech­zehn Uhr ab. Bis spä­ter.«

French ließ den Hö­rer auf die Ga­bel fal­len und wisch­te sich über die Stirn. Er hat­te so­eben sei­ne Kar­rie­re aus dem Fens­ter ge­wor­fen, aber auch das konn­te man nicht än­dern. Der Prä­si­dent war jetzt hys­te­risch. Viel­leicht be­ru­hig­te er sich spä­ter.

»Blitz­mel­dung«, kam ei­ne Stim­me aus dem Laut­spre­cher. »Ra­dio Mos­kau be­strei­tet, daß die Waf­fe, die Wa­shing­ton zer­stör­te, rus­si­scher Her­kunft sei. Man be­haup­tet, es sei ein Trick der Im­pe­ria­lis­ten, um Ruß­land für den drit­ten Welt­krieg ver­ant­wort­lich zu ma­chen. Der Staats­chef be­schul­digt die Ver­ei­nig­ten Staa­ten – hal­lo! Einen Au­gen­blick – be­schul­digt die Ver­ei­nig­ten Staa­ten der Kriegs­trei­be­rei, doch um den gu­ten Wil­len der So­wje­tu­ni­on zu be­wei­sen, er­klärt er sich be­reit, ei­ne In­spek­ti­ons­grup­pe der UNO ins Land zu las­sen. Dar­über hin­aus schlägt er vor, daß der Scha­den in Wa­shing­ton un­ter­sucht wer­den soll, um fest­zu­stel­len, ob die Zer­stö­rung wirk­lich durch ein Ge­schoß ent­stand. Ver­dammt, was soll es denn sonst ge­we­sen sein?«

French lä­chel­te dünn. Sol­che Wor­te hör­te man bei Kom­men­ta­to­ren nicht oft. Die Leu­te muß­ten ziem­lich auf­ge­bracht sein. In je­dem Be­richt, der das Zen­trum er­reich­te, spie­gel­te sich die Hys­te­rie wi­der. Er hat­te sich bis jetzt nicht da­von an­ste­cken las­sen. Sein Fin­ger hat­te den ro­ten Knopf noch nicht be­rührt.

Er nahm das wei­ße Te­le­fon in die Hand.

»Ge­ben Sie mir das Haupt­quar­tier der ers­ten Ver­tei­di­gungs­li­nie«, sag­te er.

»Hal­lo, hier ist French, Zen­trum. Wei­te­re Flug­kör­per? – Nein? – Das ist gut … Nein, wir war­ten noch … Wes­halb? … Über­legt euch das selbst, ihr Nar­ren!«

Er knall­te den Hö­rer auf die Ga­bel. Ver­damm­te Ban­de! Sie woll­ten Krieg. Wer soll­te ihn ih­rer Mei­nung nach ge­win­nen?

Ge­wiß, es war nicht schwer, die Sa­che ins Rol­len zu brin­gen. Ein ein­fa­cher Druck auf den Knopf. Er sah den ro­ten Punkt fas­zi­niert an. Drei Mil­li­ar­den Men­schen konn­ten durch ihn aus­ge­löscht wer­den.

»Sir?« frag­te ei­ne Stim­me im Laut­spre­cher. »Wie steht es – fan­gen wir an?«

»Noch nicht, Jim­my.«

»Gott sei Dank!« Die Stim­me klang er­leich­tert. »Las­sen Sie sich nicht klein­krie­gen, Sir. Wir wis­sen, daß man Sie un­ter Druck setzt. Aber sie wer­den auf­hö­ren, nach Blut zu schrei­en, wenn sie erst mal zum Den­ken kom­men.«

»Hof­fent­lich, Jim­my.«

French lach­te tro­cken. Das Per­so­nal des Zen­trums wuß­te, was ein Atom­krieg be­deu­te­te. Die meis­ten hat­ten ih­re Er­fah­run­gen. Und sie woll­ten nicht schuld sein, wenn es sich ir­gend­wie ver­mei­den ließ. Er auch nicht.

 

Die Stun­den zo­gen sich da­hin. Die Te­le­fo­ne klin­gel­ten, und Co­nel­rad be­rich­te­te wei­ter. Zu­meist wa­ren es Ratschlä­ge und An­wei­sun­gen für die Eva­ku­ie­rung der Städ­te. Das Land er­leb­te die schlimms­ten Ver­kehrs­sto­ckun­gen sei­ner Ge­schich­te. Ei­ni­ges si­cker­te na­tür­lich trotz Zen­sur durch. Ge­fah­ren ent­stan­den im­mer, wenn das Gleich­ge­wicht der Kräf­te nicht be­ach­tet wur­de. Und of­fen­sicht­lich war das Land zu sehr in­dus­tria­li­siert.

Jetzt war French si­cher, daß Ruß­land un­schul­dig war. Wenn nicht, hät­te die Haupt­macht schon längst zu­ge­schla­gen. Er frag­te sich, wie sein Part­ner in Ruß­land die Sa­che auf­nahm. Saß der Mann über sei­nem Kon­troll­pult, und war­te­te er auf den Schwärm der geg­ne­ri­schen Ra­ke­ten? Oder sah er eben­falls den ro­ten Knopf an und über­leg­te, ob er ihn be­tä­ti­gen soll­te, be­vor es zu spät war?

»Blitz­mel­dung!« sag­te der Rund­funk­spre­cher. »Ra­dio Mos­kau er­klärt, daß je­der von der Ge­ne­ral­ver­samm­lung er­mäch­tig­te Un­ter­su­chungs­aus­schuß so­for­ti­ge Ein­rei­se­ge­neh­mi­gung er­hält. Das Prä­si­di­um ist zu­sam­men­ge­tre­ten und er­klärt, daß Ruß­land un­ter kei­nen Um­stän­den an­grei­fen wird. Man be­tont noch­mals, daß das Ge­schoß nicht rus­si­scher Her­kunft ist und er­wägt, ob es von ei­ner der Na­tio­nen stam­men könn­te, die einen Krieg zwi­schen den Großen gern se­hen wür­den … So ein Un­sinn!«

»Das kommt fast ei­ner Ka­pi­tu­la­ti­on gleich«, sag­te French lei­se. »Die ha­ben vor Angst wei­che Knie­keh­len. Aber das ist ver­ständ­lich.« Er sah auf die Uhr. Vier­zehn Uhr zehn. Nicht ein­mal zwei Stun­den, bis sich das Zeit­schloß öff­net und der phan­ta­sie­lo­se Jim Craig ihn ab­lös­te. Wenn der Prä­si­dent Craig an­rief, hat­te er wahr­schein­lich mehr Er­folg. French nahm das wei­ße Te­le­fon in die Hand.

»Ich brau­che den Kom­man­die­ren­den Ge­ne­ral der Zwei­ten Ar­mee«, sag­te er. Er war­te­te einen Au­gen­blick. »Hal­lo, Ge­or­ge, hier spricht AI vom Zen­trum. Schlecht, was? Nein, wir war­ten – hör auf, Ge­or­ge. Des­halb ha­be ich nicht an­ge­ru­fen. Ich brau­che kei­ne mo­ra­li­sche Un­ter­stüt­zung, son­dern ei­ne In­for­ma­ti­on. Ha­ben dei­ne Strah­lungs­ex­per­ten das Wa­shing­ton-Ge­biet schon ab­ge­sucht? Noch nicht! Wes­halb nicht? Bring sie mal in Schwung. Der Rus­se be­haup­tet steif und fest, daß er nichts mit der Sa­che zu tun hat, und dies­mal scheint er so­gar die Wahr­heit zu sa­gen. Aber wenn er es nicht be­wei­sen kann, fliegt die gu­te Er­de in die Luft. Ich brau­che An­ga­ben über die Stahl­ungs­do­sis in dem Ge­biet – und zwar schnell! Wenn du kei­nen Be­fehl ge­ben willst, ru­fe Frei­wil­li­ge auf … Du meinst, es könn­te töd­lich sein? Und? Bie­te ih­nen ei­ne Me­dail­le an. Es gibt im­mer ein paar, die für ei­ne Me­dail­le bis in die Höl­le ge­hen. Und jetzt mach Dampf da­hin­ter. Ja, das ist ein Be­fehl.«

Der Ra­dio­spre­cher mel­de­te sich wie­der. »Ers­te Be­rich­te über das Aus­maß des Scha­dens in Wa­shing­ton«, sag­te er. »Ein ab­ge­schirm­ter Auf­klä­rer der Air For­ce hat das zer­stör­te Ge­biet über­flo­gen und Auf­nah­men ge­macht. Das Ka­pi­tol ist ein Trüm­mer­hau­fen. Der Ein­schlags­ort war et­wa in der Penn­syl­va­nia Ave­nue. Man sieht einen Kra­ter von ei­ner hal­b­en Mei­le Durch­mes­ser. Im Um­kreis von zwei Mei­len ist nichts mehr üb­rig­ge­blie­ben. Achtund­neun­zig Pro­zent der Stadt sind zer­stört. In Alex­an­dria und den Au­ßen­be­zir­ken wü­ten rie­si­ge Feu­er. Die Brücken des Po­to­mac sind ein­ge­stürzt. Die Ver­nich­tung ist un­faß­bar. Das Wahr­zei­chen un­se­rer …«

French griff nach dem wei­ßen Te­le­fon. »Brin­gen Sie her­aus, wer den Auf­klä­rer in die Luft ge­schickt hat«, bell­te er. »Ich weiß nicht, wer es war – aber ich brau­che ihn so­fort!« Er war­te­te drei Mi­nu­ten. »Sie wa­ren es al­so, Wil­lough­by! Ich dach­te es mir fast. Hier spricht French vom Zen­trum. Was hat der Auf­klä­rer fest­ge­stellt? … Was? … Das ist ja wun­der­bar. Mensch, Sie re­kla­me­süch­ti­ger Idi­ot! Was den­ken Sie sich da­bei, so wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen zu­rück­zu­hal­ten? Wis­sen Sie, daß ich hier sit­ze und den Fin­ger am Drücker ha­be, wäh­rend Sie mit den Re­por­tern schä­kern? … Ach, Blöd­sinn, da­für gibt es kei­ne Ent­schul­di­gung. Sie soll­ten sich aus­zah­len las­sen – und wenn ich mor­gen noch ir­gend­wel­chen Ein­fluß be­sit­ze, wer­de ich da­für sor­gen. Für den Au­gen­blick sind Sie Ih­rer Pflich­ten ent­ho­ben … Wie­so kann ich das nicht? … Le­sen Sie Ih­re Sat­zun­gen noch ein­mal durch, und dann ver­schwin­den Sie aus Ih­rem Bü­ro und be­ge­ben sich selbst in Mi­li­tär­haft. Ober­ge­ben Sie das Kom­man­do an den rang­höchs­ten Of­fi­zier. So ei­ne Nie­te – aach!«

French knall­te den Hö­rer auf die Ga­bel.

Es be­gann so­fort wie­der zu klin­geln.

»Hier French – ja, Ge­or­ge … Du hast tat­säch­lich? Nichts ge­fun­den? Das dach­te ich mir. Wir ha­ben den falschen Baum an­ge­bellt. Es war ein Streich Got­tes. … Ja, ich sag­te Gott. Er­in­nerst du dich an den Kra­ter in Ari­zo­na? Ja, es ist der glei­che Fall. Ein Me­te­or. Ja, die Rus­sen hal­ten sich im­mer noch still. Wie die Mäus­chen. Von den vor­ders­ten Li­ni­en wird nichts be­rich­tet.«

Das blaue Te­le­fon klin­gel­te. French sah es an. »Al­so gut, Ge­or­ge, es soll ver­ges­sen sein. Ich kann mir dei­ne Ge­füh­le vor­stel­len.«

Er leg­te auf und hob den Hö­rer des blau­en Ap­pa­rats ab.

»Ja, Herr Prä­si­dent«, sag­te er. »Ja, Sir. Sie ha­ben es ver­mut­lich schon ge­hört … Sie ha­ben die Be­stä­ti­gung vom Lick-Ob­ser­va­to­ri­um? … Ja, Sir, ich blei­be hier, wenn Sie wol­len. Nein, Sir, ich wür­de im Not­fall wirk­lich han­deln. Nur sah mir die Sa­che von An­fang an ver­däch­tig aus … Ein Glück, daß Sie et­was von Astro­no­mie ver­ste­hen, Sir. Na­tür­lich blei­be ich, bis die Kri­se vor­über ist, aber Sie müs­sen Ge­ne­ral Craig Be­scheid sa­gen … Wer Craig ist? Mei­ne Ab­lö­sung, Sir.« French sah auf die Uhr. »Er kommt in zwan­zig Mi­nu­ten … Vie­len Dank, Sir. Ich hät­te nie ge­glaubt, daß man für ei­ne Be­fehls­ver­wei­ge­rung be­för­dert wird.«

French seufz­te und leg­te auf.

All­mäh­lich sieg­te die Ver­nunft über den Schock. Die Men­schen be­gan­nen wie­der zu den­ken. Er seufz­te. Es soll­te ei­ne Leh­re sein. Wenn er in Zu­kunft et­was über den Auf­bau des Zen­trums zu sa­gen hat­te, dann muß­te ein Astro­nom in den Stab auf­ge­nom­men wer­den. Auch an den Au­ßen­pos­ten konn­ten ein paar Astro­no­men nichts scha­den.

Es stand jetzt prak­tisch fest, daß das Ka­pi­tol von ei­nem Me­te­or ge­trof­fen wor­den war. Man konn­te kei­ne Ra­dio­ak­ti­vi­tät fest­stel­len.

Es war hö­he­re Ge­walt und kei­ne Kriegs­hand­lung. Die Zer­stö­rung war schreck­lich, aber sie hät­te noch schlim­mer sein kön­nen, wenn er oder sein Part­ner in Ruß­land die Ner­ven ver­lo­ren und auf den Knopf ge­drückt hät­ten. Er über­leg­te, daß es nett sein müß­te, den Mann von der an­de­ren Sei­te ken­nen­zu­ler­nen.

Der Spre­cher un­ter­brach ihn in sei­nen Ge­dan­ken.

»Die UN hat die Vor­schlä­ge der So­wje­tu­ni­on ak­zep­tiert. Ein Un­ter­su­chungs­aus­schuß ist nach Ruß­land un­ter­wegs. Ihm sol­len so bald wie mög­lich an­de­re fol­gen. In­zwi­schen hat die UN von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ei­ne Waf­fen­still­stands­ver­si­che­rung ge­for­dert. Sie be­schwört, daß ein Atom­krieg der An­fang vom En­de wä­re.« In der Stim­me des Spre­chers war ein grim­mi­ger Hu­mor. »Bis jetzt hat sich Wa­shing­ton noch nicht zu die­sen Vor­schlä­gen ge­äu­ßert.«

French lach­te vor sich hin. Es war viel­leicht nicht son­der­lich ge­schmack­voll, und man konn­te es Gal­gen­hu­mor nen­nen – aber es war ein gu­tes Zei­chen.