Eileen langweilte sich. Sie hatte sich nach dem Treffen mit Maleko am Strand zurückgezogen, um sich ein wenig zu sammeln, aber nachdem sie eine heiße Dusche genommen hatte, war sie unruhig geworden. Sie kannte den Grund für diese Unruhe genau, konnte ihn sogar benennen, aber sie weigerte sich, genauer darüber nachzudenken. Es war eine Sache, Morgan in ihr Bett locken zu wollen, aber eine ganz andere, sich von ihm nervös machen zu lassen. Seine flüchtige Berührung spürte sie noch deutlich auf ihrer Haut, wie ein Brandmal, das sie nicht loswurde und das sie ständig an ihn erinnerte.

Eileen kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum. Sie hatte sich nach dem Duschen nur ein Handtuch um den Körper geschlungen und stand nun auf der Veranda, in der Hoffnung, dass der Anblick des Ozeans sie ablenken würde. Es konnte doch nicht so schwer sein …

Ein lautes Klingeln riss sie aus den Gedanken. Eileen brauchte einen Moment, um zu verstehen, was es war – ihr Handy. Sie hasste die Musikklingeltöne, die einige Menschen sich auf ihre Handys luden, und bevorzugte ein einfaches Klingeln, aber in dieser märchenhaften Idylle wirkte das Geräusch so deplatziert, dass sie es zunächst nicht hatte zuordnen können.

Sie lief in die Hütte und griff verärgert nach ihrem Mobiltelefon; sie hatte im Büro strenge Anweisungen gegeben, sie unter keinen Umständen anzurufen. Wehe, es hatte sich jemand nicht an diese Vorschrift gehalten!

Sie sah auf das Display, und ihre Wut verrauchte augenblicklich. Alan. Er und sie verstanden sich hervorragend, wenn es um Sex ging. Sie waren vor ein paar Monaten miteinander ausgegangen, und nachdem Alan gemerkt hatte, dass es Eileen weder um seine millionenschwere Geldbörse noch um Haus, Kind und Ehe ging, hatten sie beide immer wieder Nächte voller Ekstase erlebt. Die Fronten waren klar abgesteckt – wenn Eileen anrief, sorgte Alan auf die eine oder andere Weise dafür, dass sie zum Orgasmus kam, und wenn Alan ein neues erotisches Spiel eingefallen war, das er unbedingt ausprobieren wollte, fand er in Eileen jederzeit eine willige Spielpartnerin.

Die Treffen fanden nur sporadisch statt, so dass Eileen die Möglichkeit, Alan würde sie anrufen, gar nicht einkalkuliert hatte. Ein wenig bedauernd drückte sie also auf das leuchtende Zeichen mit dem grünen Telefonhörer. »Hallo Alan«, schnurrte sie. »Leider passt es mir gerade nicht.«

Ein leises Lachen drang an Eileens Ohr. »Sieh an, bin ich heute zu spät dran? Hast du schon jemand anderen in dein Bett eingeladen?«

»Dutzende«, erwiderte Eileen spöttisch und setzte sich wieder auf die Veranda. »Aber ich bin gerade nicht in der Stadt. Hattest du etwas Bestimmtes mit mir vor?«

»Bis auf die Tatsache, dass ich dich aufs Bett werfen und hart vögeln wollte, eigentlich nichts«, erwiderte er in dem gleichen flirtendem Ton, den auch sie angeschlagen hatte. Eileen spürte ein warmes Gefühl in ihrem Unterleib erwachen, dass sich bei der Erinnerung an Alans stahlharten, durchtrainierten Körper, seinen weichen Mund und die ordentliche Beule in seiner Hose weiter ausbreitete. Unbewusst leckte sie sich über die Lippen.

»Süße, woran hast du gerade geleckt?«, raunte Alan an ihrem Ohr, und Eileen zuckte ertappt zusammen. Sie hatte sein verdammt gutes Gehör vergessen!

Seine Stimme hatte alles Spielerische verloren – jetzt klang sie wie ein Raubtier auf der Jagd. Eileen wusste, dass Alan als Börsenmakler viel Zeit im Büro verbrachte, aber das glich er durch Sport immer wieder aus. Je gefährlicher es dabei wurde, desto besser – Alan liebte die Gefahr. Und er liebte es auch, eine Gefahr zu sein.

Eileen schluckte. »An nichts«, hauchte sie, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entsprach.

»Würdest du denn gerne an etwas lecken?«, erkundigte Alan sich, wohl wissend, dass Eileen genau wusste, was er hören wollte. Doch sie würde nicht so leicht nachgeben. »Eigentlich wäre es mir lieber, wenn du an etwas lecken würdest«, konterte sie und ließ ihren Blick über das blaue Meer schweifen. »Ich sehe gerade direkt vor mir ein großes Geländer – dahinter gibt es nur den Ozean und den Horizont. Ich will mich dagegenlehnen und dich auf den Knien vor mir haben.«

Er lachte, doch diesmal war jeder einzelne Ton eine Versuchung, die Eileens mit einem Mal angespannte Sinne reizte.

»Glaubst du wirklich, ich würde mich einfach so dazu überreden lassen, vor dir zu knien, Süße?«, fragte er, und sie musste unwillkürlich lächeln.

Nein, ein Raubtier wie Alan zwang man nicht einfach so in die Knie. Aber sie konnte es versuchen.

»Wer sagt, dass ich dich überreden werde, Alan?«, fragte sie honigsüß. »Ich werde es dir befehlen. Aber vorher will ich, dass du deine Klamotten loswirst, damit du völlig nackt vor mir kniest und ich deinen Schwanz sehen kann, wenn er langsam hart wird.«

»Oh, er ist schon hart, mach dir darum keine Sorgen«, sagte Alan, und bei der Erinnerung daran, was er mit diesem harten, langen Ding anstellen konnte, jagten kleine, heiße Schauer durch ihren ganzen Körper.

Sie hatte schon oft das Vergnügen mit großen Exemplaren des menschlichen Geschlechts gehabt, aber Alan konnte sie durchaus als ungeschlagen bezeichnen. Sein Penis war erigiert so prachtvoll, prall und schön, dass er problemlos als Marmorstatue im Louvre ausgestellt werden könnte. Der Gedanke, wie Alans entblößte Männlichkeit aus kaltem Marmor in einem Museum stand, war amüsant, aber auch irgendwie erregend. Immerhin wurde ein Schwanz aus Stein niemals weich oder schlaff. Aber ein schnödes Ding aus Stein wusste eindeutig nicht so viel mit ihr anzufangen wie Alan.

»Erinnerst du dich an New York?«, drang Alans Stimme in ihre Gedanken und fütterte ihre unermüdliche Vorstellungskraft mit Erinnerungen. Natürlich erinnerte sie sich an New York. Aber warum sollte sie ihm das gleich sagen?

»New York?«, fragte sie gespielt nachdenklich. »Ich war schon so oft da, weißt du …«

»Du kleines Biest – natürlich weißt du es noch. Damals hast du auch am Geländer gestanden, aber das war viel weiter oben. Kein Meer weit und breit, nur etwa eine Million Leute, die an dem Tag über die Kreuzung vor dem Hotel gelaufen waren, und jeder Einzelne von ihnen hätte deine nasse Pussy gesehen, wenn er nur nach oben geschaut hätte.«

Eileen biss sich auf die Lippe und presste die nackten Schenkel zusammen, doch das hatte nicht den beabsichtigten Effekt – der Druck breitete sich auf ihre prall angeschwollene Klitoris aus, was Eileen ein leises Stöhnen entlockte. Sie sehnte sich danach, sich selbst dort zu berühren, zwang sich aber noch zur Ruhe. So einfach würde sie es Alan nicht machen.

»Ah, das habe ich gehört«, raunte er mit leisem Triumph in der Stimme. »So hast du damals nicht gestöhnt. Du hast dich nicht zurückgehalten und dich nicht darum geschert, wer dich hört oder sieht. Gib es zu, Eileen, du hast es genossen, dass jeder, der hochgeschaut hätte, deine Pussy hätte sehen können.«

Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte Eileen so etwas wie Schamesröte auf ihren Wangen. Natürlich hatte niemand sehen können, wie sie im 23. Stock des Adminster Hotels nackt am Fenster gelehnt hatte, Alans Hand zwischen ihren Schenkeln vergraben. Und sie hatte sich in diesem Moment auch nicht genug geschämt, um rot zu werden. Aber dass Alan so deutlich aussprach, was sie damals empfunden hatte, machte sie aus unerklärlichen Gründen verlegen. Was nicht bedeutete, dass sie weniger geil würde. Im Gegenteil.

Nur ein wenig … Ihre Hand wanderte zwischen die übereinandergeschlagenen Lagen des Handtuchs, blieb aber auf ihrem sorgsam rasierten Venushügel liegen. Geduld. Erst sollte Alan stöhnen.

»Und ich habe es genossen, wie nass du geworden bist, als du dort gestanden hast. Verflucht, es war ein Sturzbach, mit dem du meine Hand nass gemacht hast.« In Alans Stimme schwang ein dunkles Knurren mit, und Eileen musste sich ein Auflachen verkneifen. Die Erinnerungen an diesen verregneten Tag in New York ließen ihn ebenso wenig kalt wie sie.

»Ja, daran erinnere ich mich noch sehr gut«, flüsterte sie rau und erregt, wohl wissend, dass er den Wechsel in ihrer Stimme nur zu deutlich bemerken würde. Sie kannte Alan.

»Du warst so hart, dass ich mir beinahe Sorgen gemacht hätte, dass etwas mit dir nicht stimmt. Und ich konnte nicht zulassen, dass du mich mit diesem Monstrum fickst, ehe ich ihn nicht wenigstens einmal im Mund hatte. Und als ich ihn dann endlich in meinem Mund hatte …«

Vom anderen Ende der Leitung kam ein erregtes Stöhnen, und Eileen leckte sich über die Lippen. Sie konnte sich nur zu deutlich vorstellen, wie Alan gerade in seinem Büro saß, die Beine leicht gespreizt und die teure Armani-Hose geöffnet, aus der sein aufrecht stehender Schwanz ragte. Alans Faust umfasste seinen Ständer und rieb ihn in wilden, gnadenlosen Bewegungen.

Sie gestattete sich für diesen Teilerfolg ein kurzes weiches Streicheln über ihre Scham, kaum mehr als ein zaghaftes Flattern. Aber gerade diese kaum spürbare Liebkosung brachte sie dazu, nach Luft zu schnappen. Sie war bereits viel zu erregt! Wenn sie nicht aufpasste, würde sie vor Alan kommen, und sie wusste, dass sie damit verloren hätte. Es gab zwar keinen Wetteinsatz, aber solche Spiele waren immer ein imaginäres Ringen darum, wer mehr Macht über den anderen hatte. Bisher war es ausgeglichen gewesen, aber Eileen spürte, dass sie der Verlust dieser Schlacht weit zurückwerfen würde. Sie musste sich beweisen, dass sie durchaus reizvoll für einen Mann war und in der Hand hatte, wann er kam! »Lässt du dir immer noch von keiner anderen einen blasen, Alan?«, schnurrte sie in das Handy, während ihre Fingerkuppen noch einmal ihre Scham streiften. Ihr heiseres Einatmen wurde von Alans Keuchen beantwortet.

»Das weißt du doch«, erwiderte er fast weich. »Wenn ich eine andere Frau mit ihrem Mund an meinen Schwanz lasse, wird er weich. Du hast mich einfach verdorben, Süße – außer bei dir kriege ich beim Blow Job keinen hoch.«

»Warum? Ist es, weil ich so gerne an deinen Hoden sauge? Weil ich es liebe, wie sich diese Kugeln zwischen meinen Lippen bewegen, wenn ich mit der Zunge dagegenstupse?«

Alans Reaktion bestand aus einem heiseren Stöhnen. Eileen grinste und schob sich den Mittelfinger tief in ihre Spalte. Ihre Muskeln zuckten und umklammerten ihn, wollten ihn noch tiefer in sich hineinziehen. Himmel, sie hatte nicht gewusst, dass sie bereits so scharf war!

Eileen biss die Zähne zusammen, um Alan nichts hören zu lassen, aber dieser schien inzwischen völlig von der Vorstellung gefangen zu sein, wie sie es ihm mit der Zunge besorgte.

»Aber noch lieber lecke ich deine Eichel – ich küsse sie, lasse meine Zunge darum fahren und gleite mit der Spitze von dort bis zu deinen Eiern und wieder zurück. Und dann, wenn du es kaum noch erwarten kannst, schiebe ich mir deinen Schwanz so tief hinein, dass du spürst, dass es nicht mehr weiter geht.«

Mittlerweile hörte Eileen nur noch lautes Keuchen und das typische Geräusch einer wild an einem Ständer reibenden Hand. Sie schloss die Augen und gab sich der Vorstellung hin, was ihre Worte in Alan ausgelöst hatten.

Sie selbst streichelte sich mittlerweile intensiver. Das glitschige Gefühl zeugte nun deutlich davon, wie erregt sie bereits war – sie hätte es nicht mehr verleugnen können, selbst, wenn sie es gewollt hätte. Aber sie wollte nicht. Sie wollte, dass ihr Stöhnen Alan wild machte, dass er jede Beherrschung verlor und kam, bevor sie es tat. Und lange würde es nicht mehr dauern, bis es so weit war.

Eileen spürte bereits die ersten Zuckungen zwischen ihren Beinen und rieb sich heftiger, während Alans erregtes Keuchen durch die Leitung an ihr Ohr drang und sie wie eine Liebkosung berührte. Sie stöhnte, als plötzlich ein lautes Klopfen ertönte.

Eileen riss die Augen auf und saß kerzengerade, während Alan, der noch nichts mitbekommen hatte, weiter schmutzige Dinge knurrte.

Sie warf das Handy im Gehen auf den Tisch und beeilte sich, zur Tür zu kommen. Als sie öffnete, stand Morgan vor ihr. Er trug Jeans und ein weißes T-Shirt. Seine Füße waren nackt und ebenso gebräunt wie seine Arme und sein Gesicht. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, musterte er Eileen, die sich sicher war, vollkommen zerzaust zu sein. Zum ersten Mal seit langer Zeit empfand sie so etwas wie Scham und Verlegenheit. Sonst achtete sie immer darauf, wie ihr Gegenüber sie zu Gesicht bekam, aber das waren meistens keine wirren Haare und kein gerötetes Gesicht, das sicherlich deutlich ihre Geilheit verriet. Ein ähnlicher Gedanke musste Morgan wohl auch gekommen sein, denn ein Lächeln umspielte seine Lippen.

»Ich störe offensichtlich«, sagte er, und Eileen spürte ihre Kehle trocken werden. Verdammt, was machte dieser Mann nur mit ihr?!

»Nein, ganz und gar nicht«, gab sie so unbewegt wie möglich zurück. »Kann ich dir irgendwie helfen?«

»Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du mir heute noch einmal als Tanzpartnerin zur Verfügung stehen würdest. Du tanzt sehr gut, und ich hatte nicht bemerkt, wie sehr es mir gefehlt hat, mit einer Partnerin zu tanzen.«

Die Anfrage kam mehr als überraschend, und Eileen konnte im ersten Moment nicht antworten. Er schien das als Ablehnung zu verstehen, und sie bemerkte, wie er sein Gesicht vor ihr verschloss.

»Ich helfe dir gerne«, sagte sie daher schnell und richtete sich auf, um ihm besser in die Augen sehen zu können.

Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, diesmal deutlich, und es erreichte seine unergründlichen Augen. Er freute sich wirklich. »Danke. Komm doch heute Abend wieder zu mir in die Hütte.«

»Das mache ich«, erwiderte Eileen und kam sich vor, als wäre sie vierzehn Jahre alt und hätte eine erste Verabredung mit ihrem großen Schwarm.

In diesem Moment kam Alan am anderen Ende der Leitung mit einem finalen Schrei, der laut genug war, um ihn vom Bett bis zur Tür zu hören. Eileen zuckte zusammen und starrte Morgan mit großen Augen an. Das Lächeln darin war verschwunden, sein Gesicht wieder so undeutbar wie zuvor. Er nickte ihr knapp zu und drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging.

Kurz nach Einbruch der Nacht verschwand Eileen aus der gemeinsamen Hütte. Zu ihrer Überraschung hatte sie Jaine seit dem frühen Morgen nicht gesprochen, und auch bei einigen Streifzügen über die Anlage hatte sie ihre Freundin nicht finden können. Erst, als sie sie zusammen mit Morgans Schwester Lorna am Strand hatte spazieren gehen sehen, hatte sie sich beruhigt. Selbst aus der Entfernung hatte Eileen bemerkt, dass ihre beste Freundin gestrahlt hatte. Etwas hatte sich eindeutig in der schüchternen Jaine verändert, und Eileen wertete das als gutes Zeichen. Auch die zarten Berührungen Lornas hatte Jaine zugelassen – das Streifen ihres Arms, das Zurückschieben einer verirrten Haarsträhne –, was Eileen hoffnungsfroh stimmte. Vielleicht würde das hier doch leichter gehen als erwartet …

So hatte sie sich auch in Ruhe auf ihr Treffen mit Morgan vorbereiten können. Sie hatte sich für ein leichtes, weit schwingendes Kleid und flache Ballerinas entschieden. Morgan tanzte offensichtlich gerne Tango, aber da er dabei keine Schuhe getragen hatte, würde auch sie auf Pumps verzichten. Es wäre zwar besser, wenn sie auf einer Augenhöhe wären, aber Eileen genoss es, dass er größer war als sie. Durch ihre langen Beine war sie so groß wie die meisten Männer, und sobald sie Pumps trug, war es mit der Größengleichheit auch vorbei.

Aber heute Abend war es anders … heute Abend war alles anders.

Eileen schlug den Weg zur Hütte ein, in der sie Morgan an ihrem ersten Abend auf der Insel gesehen hatte. Doch als sie den Kiesweg hinter sich gelassen hatte, war alles dunkel. Eileen runzelte die Stirn. Was sollte das sein? Ein dummer Scherz?

»Hallo?«, rief sie in das Dunkel, das sie umgab, und versuchte etwas zu sehen. Doch sie erhielt keine Antwort. Versuchsweise ging sie zur Tür und rüttelte am Griff, aber er bewegte sich keinen Millimeter. Die Tür war abgeschlossen.

Eileen unterdrückte ein wütendes Schnauben und drehte sich um, als eine Hand sich auf ihren Mund legte. Der Griff war nicht fest, und Eileen stieg augenblicklich der sinnliche, ein wenig herbe Duft Morgans in die Nase. Aus diesem Grund versuchte sie auch nicht, sich zu befreien oder ihn anzugreifen, sondern blieb einfach stehen. Er trat aus dem Schatten der Hütte ins Zwielicht des Monds und ließ seine Hand sinken.

»Ich hätte gedacht, du würdest schreien«, sagte er, ohne sich zu entschuldigen.

Eileen hob die Augenbraue. »Nicht sehr effektiv mit einer Hand auf meinem Mund.«

»Und was hättest du getan, wenn es jemand anderer gewesen wäre?«

»Ihn zu Boden geschickt«, gab sie ungerührt zurück, und das war nicht einmal gelogen. Eileen trainierte seit ihrer frühesten Kindheit Mixed Martial Arts, eine Verknüpfung verschiedener Kampfsportarten. Eigentlich war es eine Sportart für Wettkämpfe, aber Eileens Bruder, der mittlerweile ein Champion auf den Wettkampfmatten war, hatte es ihr zur Selbstverteidigung beigebracht. Und tatsächlich hatte es in ihrem Leben bisher keine Situation gegeben, in der sie sich bei drohender Gefahr nicht hätte zur Wehr setzen können.

Morgan trat näher auf sie zu und legte ihr seine Hände auf die nackten Oberarme. Der Druck seiner Finger war sanft und gleichzeitig prüfend.

»Ich habe es am ersten Abend schon bemerkt – du bist sehr gut in Form und hast eine unglaubliche Körperbeherrschung. Aber ich hätte eher gedacht, dass du früher Ballett gemacht hast anstatt Boxen.«

»Martial Arts«, erwiderte Eileen und verfluchte das leise Zittern in ihrer Stimme, das nur zu deutlich verriet, dass seine Nähe sie ganz und gar nicht kalt ließ. »Ich habe verschiedene Martial-Arts-Techniken erlernt.«

Morgan nickte nur, als hätte er so etwas bereits geahnt und ließ seine Hände ihre Arme hinabgleiten, bis er ihre Finger umfasste und sie an ihrer rechten Hand in das Dunkel zog. Er sprach nicht, als er sie stumm einen kaum ausgetretenen Pfad entlangführte, den Eileen ohne Weiteres übersehen hätte. Er führte weg von der Anlage durch das Dickicht an einen etwas raueren Teil des Strandes. Hier gab es keine Palmen, dafür große Felsbrocken, die wie hingeworfene Spielzeuge eines Riesen auf dem schimmernden Sand aussahen. Das Mondlicht ließ die Szenerie unwirklich erscheinen, und Morgan, der Eileen führte, wirkte wie ein seltsames Geleit in eine andere Welt.

Bestimmt brachte er sie zu zwei größeren Felsen, zwischen denen ein winziges Boot mit einem Außenbordmotor auf dem Wasser schaukelte.

»Setz dich.«

»Wolltest du nicht tanzen?«, fragte Eileen nun doch, auch wenn sie es eigentlich hatte vermeiden wollen.

»Später«, erwiderte Morgan und half ihr, in das schwankende Boot zu steigen. Wellen schwappten gegen das splittrige Holz und benetzten Eileens Kleid, aber sie achtete nicht darauf. Als auch Morgan im Boot saß, warf er den Motor an, der mit einem gurgelnden Geräusch zum Leben erwachte und dann die nächtliche Stille mit seinem Knattern zerriss.

Zielsicher lenkte Morgan das Boot zwischen den Felsen hindurch und fuhr mit Eileen weiter hinaus. Das Meer war ruhig, die Wellen, auf die sie trafen, klein. Der Mond schien voll und bleich auf das Wasser und das winzige Boot.

Eileen schloss die Augen und schmeckte das Salz der Meeresluft auf ihren Lippen. Sie wusste nicht, was Morgan vorhatte oder warum er sich so geheimnisvoll gab, aber es bereitete ihr Vergnügen, bei ihm zu sein. Es gefiel ihr tatsächlich.

Den Rest der Fahrt brachten sie schweigend hinter sich.

Und nach einer gefühlten Ewigkeit legte das Boot an einer abgelegenen Stelle auf einer anderen Insel an. Eileen glaubte, von der Ferne Trommeln und Gelächter zu hören. Sie schloss die Augen, um das Geräusch besser aufnehmen zu können, und mit einer weiteren Böe wurden erste Stimmfetzen zu ihnen herübergetragen.

Eileen schlug die Augen wieder auf und blickte direkt in diejenigen von Morgan, der sie aufmerksam betrachtete. Er beugte sich vor, bis sein Atem warm über ihre Wange strich, und küsste sie zärtlich.

»Komm«, sagte er sanft, und in seiner Stimme schwang ein Hauch von Bedauern mit. Er ergriff ihre Hand und half ihr aus dem Boot.

Eileen spürte Morgans Hand, seine Wärme, aber auch eine gewisse Traurigkeit. Etwas an seiner Haltung war anders – es machte ihn greifbarer. Menschlicher. Der Mann, der sie am Flughafen begrüßt hatte, war ein formvollendeter Charmeur gewesen, dazu da, die ankommenden Gäste zu bezaubern, damit sie in der richtigen Stimmung für das Resort waren. Eine Kunstfigur. Aber Eileen hatte noch am gleichen Abend gesehen, was hinter der Fassade war. Und dieses Geheimnis, dieser Mann, der sich so geschmeidig zu den Klängen der Musik bewegt hatte, dessen Körper sich in Kreisen und kraftvollen, starken und doch sinnlichen Bewegungen gedreht hatte – dies hatte Eileen verzaubert und fasziniert. Es war wie ein Trieb, reiner, animalischer Jagdinstinkt. Seine Zurückweisung und die bisherige Distanz hatten das Feuer zwischen ihren Schenkeln geschürt; sie wusste, dass es ihr ultimativer Triumph sein würde, wenn sie diesen unnahbaren Mann erobert hätte. Auch für mein Herz, stahl sich ein verräterischer Gedanke in ihre Überlegungen, und Eileen verzog das Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

»Keine Sorge, wir sind gleich da«, bemerkte Morgan, obwohl er ihr nicht einmal ins Gesicht gesehen hatte. Eileen sah nur auf seinen Rücken, denn Morgans lange Beine führten ihn fort vom Strand und vom Boot. Nur noch aus der Ferne war der Atem des Meeres zu hören – ein leises, rhythmisches Rauschen, wenn der Sand von den Wellen hin und her geschoben wurde. Fast schon romantisch, dachte Eileen, und diesmal lächelte sie.

Morgan ging ohne Hast und doch zielstrebig tiefer ins Landesinnere, und Eileen folgte ihm, wobei ihre Neugier mit jeder Sekunde wuchs. Zwischen den Wedeln der Palmen konnte sie jetzt manchmal Lichter aufblitzen sehen, und sie vernahm Gelächter. Dort waren Menschen, und was auch immer sie zusammengeführt hatte, es schien sie prächtig zu amüsieren. Eileen beschleunigte ihr Tempo, um neben Morgan zu laufen. Sie liebte eine gute Party, und es klang, als würde er sie genau zu so einer führen. Vielleicht stand Lornas Bruder heute Nacht der Sinn danach, in aller Öffentlichkeit zu tanzen statt nur in seiner Hütte? Eileen hätte mit Sicherheit nichts dagegen.

Morgan drückte ihre Hand sanft und sah sie an, ehe er stehenblieb und die Farne beiseiteschob, um den Blick auf eine Lichtung freizugeben, auf der sich mehrere Menschen befanden. Am gegenüberliegenden Ende befand sich eine Art niedrige Bühne. Davor war eine Grube geschaufelt worden, über der einige Bananenblätter ausgebreitet lagen, zwischen denen sich köstlich duftender Qualm hervordrängte. Eileens Magen knurrte, als sie gebratenes Schweinefleisch roch und den würzigen Duft von gegartem Gemüse einsog.

Um die Grube herum und am Rande der Lichtung hatte man hell leuchtende Fackeln aufgestellt, die genug Licht spendeten, um sich umsehen zu können. Eileen bemerkte erstaunt, dass der Großteil der anwesenden Gäste Frauen waren, die in die hawaiianische Tracht, ein weites Kleid, genannt Muumuu, gehüllt waren oder sich einfach ein Tuch umgebunden hatten. Dabei hätte Eileen bei mindestens der Hälfte der Damen darauf gewettet, dass sie nicht im Mindesten hawaiianisches Blut in sich trugen. Dennoch sah sie auch viele, bei denen sie sich nicht sicher war. Aber was bedeutete das schon in diesem Teil der Staaten, der als einziger als wirklicher Schmelztiegel zu bezeichnen war?

Der Gedanke ließ Eileen schmunzeln, und sie schaute sich weiter um. Zumindest schienen alle ihren Spaß zu haben, egal woher sie auch kommen mochten.

Morgan trat wieder neben sie, und Eileen bemerkte erst jetzt, dass er mit zwei großen Pappbechern voll mit einer süß duftenden Flüssigkeit zurückgekommen war. Einen reichte er Eileen.

»Was ist das?«, wollte sie wissen.

»Es ist gut«, sagte er und trank mit einem Zwinkern aus seinem Becher.

Sie hob die Braue, tat es ihm aber gleich. Es war eine Mischung aus Schnaps und Ananassaft und einer weiteren Frucht. Nicht schlecht, aber gefährlich, denn schon nach dem ersten Schluck bemerkte Eileen den darin enthaltenen Alkohol. »Palmherzschnaps, Ananas und Papaya«, raunte Morgan ihr ins Ohr, und Eileen schloss schaudernd die Augen. Sie trank einen weiteren Schluck und ließ den gesüßten Alkohol wohlig ihre Kehle hinunterrinnen. Er wärmte sie bis in die Zehen, wie es kein Feuer, keine Heizung, keine Decke jemals geschafft hätten.

Diesmal umfasste Morgan nicht ihre Hand, sondern legte ihr den Arm um die Taille und führte sie zur Grube. Ein Mann, nur mit einer weiten Stoffhose bekleidet, stand davor und nickte Morgan freundlich zu, der ihn begrüßte und etwas sagte, was Eileen nicht verstand. Der Mann bückte sich und nahm zwei der Bananenblätter von der Grube. Wohlgerüche stiegen aus der Grube in Eileens Nase. Sie sah den knusprig-braunen Rücken eines Spanferkels und kleine Pakete, geschwärzt von der Kohle.

Morgan erhielt ein Bananenblatt mit einem Stück Schwein und eins der Pakete, wofür er sich mit einem Zwinkern bedankte. Er führte Eileen zu einem Platz in der Nähe der Bühne, wo sie sich auf dem weichen Boden niederließen. Neugierig sah sie ihm dabei zu, wie er das schwarz gewordene Bananenblatt auseinanderschlug; darin kamen kartoffelähnliche Wurzeln, kleine Früchte und diverse geschmorte Gemüse zum Vorschein.

»Was ist das?«, entfuhr es ihr, und gleich darauf verfluchte sie sich selbst für diese dumme Frage. Sie verlor Stück für Stück ihre Eloquenz und benahm sich zunehmend wie der Bauerntrampel aus Texas, der sie nie hatte sein wollen, nicht einmal als sie tatsächlich noch in Texas gelebt hatte.

»Essen«, erwiderte Morgan und deutete mit einem Nicken zu der Grube. »Es wird in solchen Erdgruben gegart und auch über Stunden warm gehalten. So können viele Gäste an einem Luau teilnehmen.«

»Ein Luau«, wiederholte Eileen das unbekannte Wort und sah sich um. »Ein Fest?«

Er nickte. »Ja, so wie heute Abend. Nun … vielleicht nicht ganz so wie heute Abend, aber ähnlich.«

»Ich beginne neugierig zu werden.« Eileen lächelte und schaute ihn auf eine Weise an, von der sie wusste, dass die meisten Männer sie unwiderstehlich fanden. Doch Morgan sah sie nur kurz an und blickte dann zur Bühne.

Die fehlende Reaktion ernüchterte Eileen schlagartig – sie nahm sich stattdessen etwas von dem knusprigen Schwein und spülte es mit dem Rest des Saft-Alkohol-Gemisches herunter. Die Wärme der Fackeln und der Nacht reichten aus, um ihr das Getränk schnell zu Kopf steigen zu lassen. Sie lehnte sich gegen den Stamm einer Palme. Die Rinde fühlte sich glatter an als erwartet. Eileen schloss die Augen, um die Stimmen, das Lachen und die Geräusche um sich herum zu genießen. Sie hatte den Becher zu schnell geleert und fühlte sich beschwingt und ein wenig schwindelig zugleich. Solche Sachen sollten sie in den angesagten Bars New Yorks ausschenken, nicht diesen Schickimicki-Mix-Mist, für den man horrende Summen ausgab und bei dem man nur für die Location und den Namen bezahlte.

Eileen schnaubte amüsiert bei diesem Gedanken, als mit einem Mal das Schlagen von Trommeln einsetzte, laut und dröhnend. Die Stimmen verstummten, ebenso wie das Lachen, oder beides ging einfach in dem Dröhnen der Trommeln unter. Eileen schlug die Augen auf und bemerkte, dass sich die Aufmerksamkeit der anwesenden Gäste auf die Bühne konzentriert hatte. Dort waren zusätzliche Fackeln aufgestellt worden, die die Bühne in flackerndes Licht tauchten.

Die anwesenden Frauen wirkten gespannt, und viele hatten ein Lächeln auf den Lippen, auch wenn die Bühne noch leer war. Sie würde es nicht lange bleiben, da war sich Eileen sicher.

»Hast du …« Sie wandte sich an Morgan, doch dieser war verschwunden. Weit und breit war nichts vom Resort-Besitzer zu sehen. Eileen leckte sich über die Lippen, aber sie ahnte, dass er sie nicht ohne Grund hierhergebracht hatte und dann fortgegangen war. Vielleicht gehörte das zum Programm der Lustschule?

Eileen beschloss, sich auf alles einzulassen, was der Abend ihr bieten würde, und sie spürte ein aufgeregtes Kribbeln zwischen den Beinen und in den Handflächen.

Wie all die anderen wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Bühne zu, auf der nun der Mann von der Grube stand. Hinter ihm ragte die hünenhafte Gestalt eines weiteren Mannes auf, der nur ein bunt gemustertes Tuch um die Hüften trug. Die Flammen malten wirre Muster aus Gold und Bronze auf seine gebräunte Haut und verloren sich in den schwarzen Schatten zwischen seinen Muskeln. Sein Gesicht war kantig, ein wenig zu hart für Eileens Geschmack, auch wenn die vollen, sinnlichen Lippen den Eindruck etwas milderten.

Er hatte eine edle Nase mit einem kühnen Schwung im Nasenrücken. Sein Haar war lang und schwarz. Es fiel ihm in weichen Locken bis auf seinen breiten trainierten Rücken. Und etwas an der Art, wie er so auf der Bühne stand, sagte Eileen, dass dieser Mann nicht nur oberhalb des Tuches beeindruckend gebaut war. Sie kannte diese Art von Männern – und sie hatte sie mehr als einmal in der Vergangenheit genossen.

Die Blicke des Hünen schweiften über das Publikum. Und einen Moment länger verweilten sie auf Eileens langen Beinen und ihrem Körper, ehe sie weiterglitten und die freudig wartende Menge musterten.

Der Mann von der Grube hob die Hände und stieß einen freudigen, gellenden Schrei aus, der von einigen Männern im Publikum erwidert wurde. Er lachte breit und senkte die Hände. »Willkommen zu unserem Luau. Ich hoffe, ihr hattet genug zu essen und zu trinken.«

Diesmal waren es Frauen und Männer, die ihre Becher hoben und zustimmend nickten oder bekräftigende Rufe ausstießen. Insgesamt war die Stimmung so ausgelassen und fröhlich, dass Eileen sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

»Da jetzt zwei der drei größten Freuden befriedigt sind«, fuhr der Mann auf der Bühne mit einem Zwinkern fort, »wollen wir nun auch die dritte für euch greifbar machen.« Er drehte sich um und griff noch in der Bewegung nach dem Tuch des Mannes neben sich. Es fiel zu dessen Füßen und offenbarte einen nackten Männerkörper, wie ihn selbst Eileen noch nicht gesehen hatte. Brust- und Bauchmuskeln saßen genau an der richtigen Stelle – er war nicht übermäßig trainiert, und doch strotzte dieser Hüne vor Kraft und einer unterdrückten animalischen Stärke, die Eileen einen heißen Schauer über den Körper rinnen ließ.

Sie leckte sich über die Lippen. Zwischen den kräftigen Schenkeln war er mindestens so gut ausgestattet, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sein Glied war lang, hing halb hart herunter und präsentierte eine unbeschnittene Spitze, die im Licht der Fackeln wie flüssiges Metall glänzte. Es musste köstlich sein, die Flüssigkeit darauf wegzulecken und dabei im eigenen Mund zu spüren, wie das Geschlecht dieses Mannes langsam härter wurde, bis es zu groß war, um auch nur ansatzweise zwischen ihren Lippen verschwinden zu können.

Die Vorstellung ließ Eileen nicht mehr los, und das Kribbeln in ihrem Schoß wurde fordernder und intensiver.

Doch nicht nur ihr ging es so. Viele Frauen starrten wie gebannt den Adonis an, der sich ihnen nackt im Flammenlicht präsentierte, und einige tauschten Vermutungen aus, wie lang und vor allem wie dick sein Schwanz noch werden mochte.

»In diesem Jahr möchten wir der Sache ein wenig mehr Würze verleihen, so wie Gewürze dem Maniok Geschmack verleihen können«, fuhr der Mann fort und umrundete dabei den nackten Hünen. »Wie ihr seht, ist unser Ken ein Mann mit beeindruckenden Ausmaßen – ich würde sie fast schon episch bezeichnen. Aber auch wenn er schon oft bewiesen hat, dass er zwar die Masse eines Pferdes, aber wesentlich mehr Ausdauer hat, reicht es nicht aus, um all die bezaubernden Blüten, die heute Abend unser Luau besuchen, zu beglücken. Also, auf wen soll das Los fallen? Wer wird die Glückliche sein, der Ken heute Nacht zeigen kann, was für köstliche Dinge man mit einer Lotusblüte anstellen kann?«

Plötzlich war die Nacht voll von hochgereckten Armen und winkenden Händen sowie lauten »Hier, ich!«-Rufen, sowohl von Frauen als auch von einigen Männern.

Eileen lachte leise. Wer konnte es ihnen schon verdenken?

Sie selbst hatte Lust zu kosten, was der Hüne namens Ken zu bieten hatte, aber sie hatte es noch nie nötig gehabt, sich ins Getümmel zu stürzen, wenn es um einen Mann ging. Und ganz sicher würde sie auch nicht auf und ab springen und frenetisch mit dem Arm wedeln wie die Dame neben ihr.

Der Mann auf der Bühne schwenkte die Hand auf und ab, zum Zeichen, dass er weitersprechen wollte, und schlagartig verstummten die lauten Rufe, und er hatte wieder die volle Aufmerksamkeit des Publikums.

»Die Wahl wird fair vonstattengehen«, erklärte er, und sein Gesicht nahm einen spitzbübischen Ausdruck an. »Jeder, der der Meinung ist, einem Hengst wie Ken gewachsen zu sein, kann teilnehmen und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ihr bekommt zwei Minuten, um mit ihm anzustellen, was immer ihr wollt. Schafft ihr es, ihn zum Kommen zu bringen, gehört er für den Rest der Nacht euch, schafft ihr es nicht, dürft ihr euch gerne wieder hintenanstellen und es noch einmal versuchen.«

Eileen legte den Kopf schief. Gar nicht so dumm, dass jeder eine zweite Chance bekam, denn so konnten die Frauen, die ganz vorn standen, sich auch wirklich reelle Chancen auf den Sieg ausrechnen. Sie konnten sich zurückhalten, sich wieder hintenanstellen und dann zusehen, was genau ihre Vorgängerinnen taten und was Ken offensichtlich gefiel.

Während sich eine Schlange vor der niedrigen Treppe bildete, die zur Bühne führte, rieb Ken sein beeindruckendes Glied, um sich bereit zu machen für die lange Reihe von Frauen, die erwartungsvoll auf den großen Mann mit dem noch größeren Schwanz blickten.

Doch Eileen war nicht die Einzige, die sich nicht einreihte. Sie sah genügend Frauen, die sich an ihren Partner schmiegten und gemeinsam mit ihm auf das Spektakel blickten, offensichtlich aufgeregt und erregt. Genügend Männer näherten sich den Frauen, die sich nicht angestellt hatten, und auch Eileen wurde von einem von ihnen angesprochen, der sich aber mit einer freundlichen Absage schnell abspeisen ließ.

Die Arme vor der Brust verschränkt, sah Eileen dabei zu, wie die erste Frau auf die Bühne ging und sich Ken näherte, der auf einem Schemel Platz genommen hatte, der breit genug war, dass er sich auch darauf ausstrecken konnte.

Sie leckte sich die Lippen, und Eileen musste zugeben, dass sie durchaus das Zeug hatte, einen Mann dazu zu bringen, hart zu werden. Um ihn jedoch dazu zu bringen, abzuspritzen, brauchte es allerdings wesentlich mehr als einen kleinen runden Hintern und süße, apfelförmige Brüste. Sie schien das auch zu wissen und tat nicht mehr, als Ken zwei Minuten mit der Hand zu bearbeiten. Ihre winzigen Finger wirkten vor der mittlerweile steifen Erektion des Hünen noch zierlicher, und sie beeilte sich, von der Bühne zu kommen und sich wieder in die Schlange einzureihen, die sich vor der Bühne gebildet hatte. Eileen sah darunter auch einige Männer, die es offensichtlich versuchen wollten. Das versprach durchaus interessant zu werden.

Die nächsten Frauen waren ebenso lieblos wie die erste, und der Wettkampf plätscherte dahin, bis eine der Teilnehmerinnen sich über Kens Glied beugte und einen prallen Lusttropfen von dessen Eichel aufnahm, den sie genüsslich wegleckte.

Dies schien ein Signal für die anderen Teilnehmer zu sein, denn plötzlich machte sich Unruhe breit. Die Frauen und Männern traten nahezu synchron einen Schritt näher auf die Bühne zu. Eileen aber schnaubte nur leise. Sie achtete nicht auf Kens Schwanz, sondern auf sein Gesicht. Männer wie er behielten meist die ewig gleiche Maske auf, aber die Anzeichen für den Anstieg ihrer Lust oder sogar den Höhepunkt waren deutlich zu erkennen, wenn man die Vorzeichen deuten konnte. Noch war jedoch nichts davon in dem harten, hübschen Gesicht zu sehen. Ken wirkte so entspannt wie man nur sein konnte. Die Wettkampf-Teilnehmer würden noch früh genug merken, auf was sie sich da eingelassen hatten.

Der erste Mann unter ihnen betrat die Bühne, kräftig und durchtrainiert, wenn auch wesentlich kleiner und bulliger als Ken. Er grinste den Hünen an, und dieser warf lachend den Kopf in den Nacken und wies mit dem Kinn auf seinen steif aufragenden Schwanz, den er mit einem kurzen Anspannen zum Wippen brachte. Der andere Mann ging vor ihm auf die Knie und nahm die gesamte Länge des harten Schafts in seinen Mund.

Eileen hob die Augenbraue. Begabter kleiner Schwanzlutscher, schoss es ihr durch den Kopf. Kens Latte maß mit Sicherheit mindestens zwanzig Zentimeter, und sein oral-liebender Freund musste die Eichel tief in der Kehle spüren. Dennoch zeigte er keine Anzeichen von Unwohlsein oder würgte, weil Kens Schwanz zu tief vorgedrungen war. Im Gegenteil, er begann den Kopf rhythmisch zu bewegen und kraulte dabei Kens Eier, was diesem das erste Mal ein Zucken entlockte.

Eileen nickte beiläufig, aber trotz der Bemühungen des Mannes wurde Ken nicht viel erregter, und der Wettkämpfer musste unverrichteter Dinge wieder die Bühne verlassen. Nach ihm kam eine zierliche Frau, kaum älter als zwanzig, auf die Bühne. Sie strich sich das blonde Haar von der Schulter und streifte sich das Muumuu ab. Vollkommen nackt stand sie vor dem Schemel, und jeder im Publikum konnte Kens Blicke sehen, die hungrig über die schmalen Hüften und die kaum aufgeblühten Brüste glitten. Sie hatte die Beine gespreizt, so dass Eileen, und auch jeder andere, der es wollte, sehen konnte, dass sie bereits feucht war. Anscheinend hatte das Schauspiel sie nicht kaltgelassen. Wenn Eileen ehrlich zu sich selbst war, dann spürte sie selbst mittlerweile eine nur allzu vertraute Unruhe.

Die blonde Elfe kletterte indes behände auf den massigen Körper des Hünen und führte seinen Schwanz ohne Umschweife in ihre triefnasse Pussy. Sie stöhnte, und einige der Mitbewerber taten es ihr nach, als sie sahen, wie Kens beeindruckende Länge ganz in ihr verschwand. Sie begann sofort, sich in einem harten treibenden Rhythmus auf ihm zu bewegen, was wohl eher dafür sorgen sollte, dass sie selbst den Höhepunkt erreichte.

Ken hatte seine Hände derweil auf ihre Hüften gelegt und führte ihren Rhythmus. Immer wieder verschwand sein Schwanz mit einem schmatzenden Geräusch in ihrem Schoß, und in totaler Ekstase wand die junge Frau sich, den Kopf in den Nacken gelegt. Kurz vor Ablauf ihrer zwei Minuten stieß sie einen hellen Schrei aus, massierte hart ihre Brustspitzen und kam zuckend zum Höhepunkt. Ken lachte und streichelte ihren Rücken, als sie auf seiner breiten Brust zusammensackte, protestierte aber auch nicht, als zwei Helfer aus den Zuschauerreihen auf die Bühne kamen und der Frau von der Bühne halfen. Sie wirkte erschöpft, aber sehr zufrieden. Zurück ans Ende der Schlange schaffte sie es allerdings nicht. Stattdessen blieb sie bei einem der Helfer und sah, in seinen Armen, weiter zu.

Eileen tat es ihr nach. Nachdem klar geworden war, dass es durchaus nicht gegen die Regeln verstieß, sich auch ein wenig Spaß bei Ken zu holen, gab es mehr als eine Frau, die sich nicht nur auf ihren Mund oder ihre Hände verließ. Die restlichen teilnehmenden Männer waren da zurückhaltender, bis auf einen. Er sah der blonden Frau sehr ähnlich, auch wenn sein Haar kürzer war als ihres, aber von hinten hätte man beide anhand ihrer Körper leicht verwechseln können. Er machte Anstalten, sich Kens Schwanz in den Hintern zu schieben, entschied sich in letzter Sekunde aber doch dagegen und rieb sich den riesigen Schwanz nur in der Poritze und seine Eier und seinen Schwanz derweil auf Kens Bauchmuskeln. Dieser bockte gegen die Bewegungen, was aber nur dem Jungen Lustschreie entlockte, nicht ihm.

Eileen beobachtete das Publikum. Es würde noch dauern, bis Ken seinen Höhepunkt erreicht hatte. Das Prickeln in ihrem Schoß wurde immer stärker, und vielleicht entdeckte sie Morgan irgendwo? Vielleicht würde er angesichts dieses Spektakels ja endlich etwas von seiner Zurückhaltung aufgeben? Aber so sehr sie sich auch bemühte, sie konnte ihn nirgends ausmachen. Stattdessen bemerkte sie immer mehr Paare, die auslebten, was der Wettbewerb bei ihnen ausgelöst hatte. Hände schoben sich unter Tücher und Kleider, Münder wanderten suchend über schweißglänzende Haut, um jede Schweißperle aufnehmen zu können. Köpfe, die sich zwischen weit gespreizten Beinen vergruben, Finger, die sich um hartes, bebendes Fleisch wanden. Nur Eileen stand hier allein. Sollte sie es doch wagen, sich in die Reihe zu stellen?

So langsam kam doch Leben in den Wettbewerb. Kens Haut war von einem leichten Schweißfilm überzogen, und er gab hin und wieder ein raues Stöhnen von sich, wenn einer der Teilnehmer ihn leckte, streichelte, rieb oder sich ficken ließ.

Eileen trat näher an die Bühne heran, weit genug von der Reihe entfernt, um nicht mit einer der Teilnehmerinnen verwechselt zu werden, aber sie wollte mehr sehen. Tatsächlich hatte sie sich nicht getäuscht. Auf Kens Stirn hatte sich eine feine Falte gebildet, und in seinen Blick war eine Wildheit getreten, die nur echtes Verlangen auslösen konnte. Und mit diesen Augen, die vor Lust glühten, die unbezwingbar erschienen, fixierte er Eileen. Auf seinem Schoß wand sich gerade eine pralle Rothaarige, aber sein Blick ruhte auf Eileen.

Sie spürte, wie ihr heiß wurde. Die Vorstellung, dass sie diejenige sein würde, die Ken nur mithilfe ihrer eigenen, heißen Pussy zum Kommen brachte, zu einem Orgasmus, zu dem all die anderen Teilnehmer ihn nicht bekommen hatten, war erschreckend aufregend. Viele Frauen standen nicht mehr in der Schlange – die meisten hatten nach dem ersten, die anderen nach dem zweiten Versuch aufgegeben und sich jemanden gesucht, mit dem sie den Rest der Nacht auskosten konnten. Und in Kens Augen las sie deutlich, dass er sich zurückgehalten hatte – für sie. Er wollte in ihr kommen, er wollte in ihr sein und so hart und heftig zustoßen, dass sie ihre Lust hemmungslos über den Platz schreien würde.

Die Versuchung war groß. So groß. Aber zum ersten Mal in ihrem Leben, seit dem Zeitpunkt, als sie ihrem ersten Freund erlaubt hatte, ihr in den Slip zu fassen, spürte sie, dass etwas falsch war. Sie sehnte sich danach, dass jemand es ihr besorgte, sie einfach nahm und fickte, sie ausfüllte und sich mit ihr gemeinsam zum Höhepunkt kämpfte, aber Eileen wusste, dass dieser Mann nicht Ken war.

Morgan.

Einmal zugelassen, waren das Wissen und die Erkenntnis wie ein physisch spürbarer Schlag, der ihren ganzen Körper erfasste. Sie war erregt, sie wollte Sex, aber nur mit diesem Mann.

Eileen drehte sich um und lief zurück durch den Wald. Sie war überzeugt, dass Morgan am Boot auf sie wartete, doch er war ihr viel näher, als sie gedacht hätte. Im Halbdunkel zwischen Baumschatten und Mondlicht funkelten seine Augen wie geschliffene Bernsteine. Er kam auf sie zu, drängte sie gegen einen Baum und sah ihr eindringlich ins Gesicht. »Schon zurück?«

»Ja, es wurde langweilig.«

»Du hättest mitmachen können.« Etwas lag in seiner Stimme, das Eileen nicht einordnen konnte.

»Warum sollte ich?«

»Ist es nicht das, was du willst? Einen Mann einfach für deine Befriedigung benutzen und ihn dann wegwerfen?«

Mit einem Schlag wurde Eileen kalt. »Was soll das, Morgan?«, fragte sie gefährlich leise.

»Ist es nicht das, weswegen du hergekommen bist? Und trotz allem reicht es dir nicht. Du musst noch deine Freunde in New York anrufen, um es dir besorgen zu lassen.« In Morgans Stimme lag kein Hohn, nur Bitterkeit und eine tiefe Trauer.

Eileen runzelte die Stirn. »Mit wem ich telefoniere, ist immer noch meine Sache. Und wenn du mich nur für ein männermordendes Miststück hältst, Morgan, dann kennst du mich keinen Deut besser als die Männer, mit denen ich mich einlasse!«

Er wich zurück, als wäre ihm erst durch ihre Worte etwas klar geworden. Er räusperte sich. »Entschuldige. Komm, ich bringe dich zurück ins Resort, wenn du willst.«

Eileen starrte ihn noch immer an. Stumm ging sie dann an ihm vorbei in Richtung Strand. Sollte er ihr doch folgen, oder nicht.