Leseprobe
Er spielte mit mir und ich ließ mit mir spielen wie eine Schachfigur. Ich wusste, dass ich gehen sollte. Dass ich hätte gehen müssen, wenn ich mich nicht komplett zur Närrin machen wollte, und doch blieb ich. Ich ließ mich auf die Sofakante sinken und sah ihn trotzig an. „Nun, dann lassen Sie uns Tee trinken, Mr. Willoughby.“
Er rührte sich nicht, sah mich nur durchdringend an, tastete meinen Körper mit seinen Blicken ab. Erst, als ich den Blick senkte, ergriff er wieder das Wort. „Wollen Sie das wirklich? Sind Sie deswegen hier, Miss Marianne? Um Tee zu trinken?“
Ich rang mit mir. Tausend Empfindungen kämpften in meiner Brust. Furcht, Scham, Erregung, Pflichtgefühl. Was würde Elinor sagen, wenn sie mich so sehen könnte? An Mutter mochte ich gar nicht denken. Ich schüttelte den Kopf.
„Nein?“, fragte er und stand auf, streckte mir die Hand hin. „Sie sind eine außergewöhnliche Frau, Miss Marianne, das wusste ich vom ersten Augenblick an. Kommen Sie, ich möchte Ihnen etwas zeigen.“
Ich holte tief Luft und schüttelte wieder den Kopf. „Mr. Willoughby, ich sollte gehen, es schickt sich nicht …“
Er lachte laut auf und die Schamesröte brannte wie Feuer auf meinen Wangen. „Schicklichkeit, Miss Marianne? Sind wir über diesen Punkt nicht bereits hinaus?“
Natürlich waren wir das, aber ich hätte immer noch die Etikette wahren können, auch wenn er unverschämt war, er war ein Gentleman und würde Stillschweigen bewahren. Noch konnte ich zurück. Immer noch hielt er mir die Hand hin, und bevor ich die Gedanken zu Ende denken konnte, hatte ich sie ergriffen und er führte mich aus dem Salon.
Was hatte er vor? Würde er mich geradewegs in sein Schlafzimmer bringen? Mein Mund war trocken, meine Lippen rau und spröde, als wäre ich lange Zeit durch große Hitze gewandert. Willoughby hielt meine Hand, streichelte meine Handfläche. Ich hatte keinen Blick für die pompöse Einrichtung, die kostbaren Teppiche, Samttapeten und Gemälde. Willoughbys Anwesenheit ließ alles um mich herum in Nebelschwaden verschwimmen. Unsere Schritte, mein Herzschlag, seine tastenden Finger.
Er öffnete eine schwere Flügeltür und führte mich in einen großen, lichtdurchfluteten Raum. An den Wänden standen einige Stühle und Sofas, in der Mitte des Raumes eine riesige Skulptur. Ein Kunstwerk? Das war es, was er mir zeigen wollte? Ich atmete erleichtert aus und meine Anspannung löste sich.
„Sie sind überrascht, wie ich sehe?“ Er führte mich zu einem der Sofas und schenkte mir einen Sherry ein. „Das ist das Werk eines italienischen Künstlers“, sagte er. „Ich habe ihn bei einem Aufenthalt in Florenz kennen gelernt. Sind sie nicht wunderschön?“
Erst jetzt betrachtete ich die beiden weißen Körper genauer. Eine Frau und ein Mann. Die Frau war an eine Säule gefesselt, die Arme über den Kopf erhoben, die Beine gespreizt. Ich konnte sehen, wie sich ihre Muskeln vor Anstrengung spannten. Der Mann kniete vor ihr, zog die Fesseln an ihren Füßen fest. Ich schluckte und wandte den Blick ab, aber Willoughby nahm meinen Kopf in seine Hände und drehte ihn zu der Skulptur.
„Sehen Sie hin, Miss Marianne. Sehen Sie.“
Ich stieß einen spitzen Schrei aus, als der Mann sich plötzlich bewegte. „Menschen“, flüsterte ich. „Oh, Mr. Willoughby, das sind Menschen.“ Ich wollte aufspringen, aber wieder hielt er mich fest und riss mich zurück.
„Sehen Sie zu“, sagte er. „Nur eine Minute. Wenn Sie dann immer noch gehen möchten, werde ich Sie persönlich nach Hause begleiten.“ Seine Augen waren noch dunkler geworden, das Lächeln aus seinem Gesicht verschwunden. Ein harter Zug umspielte seinen Mund, vor dem ich mich fürchtete, und gleichzeitig sehnte ich mich danach, dass mich diese Lippen küssen mochten.
Ich nickte stumm und Willoughby lehnte sich entspannt zurück.
Der Mann stieß die Beine der Frau weiter auseinander, zog die Fesseln an. In ihrem Gesicht spiegelten sich Schmerz und Furcht und Lust. Mein Körper spannte sich mit den Seilen, ich wagte kaum zu atmen. Ich spürte Willoughbys Blicke auf mir, er beobachtete jede meiner Regungen. Ich bewegte mich nicht, aber mein Atem ging schwer wie nach einer langen Wanderung.
Als der Mann sich aufrichtete, schoss mir das Blut in die Wangen und ich krallte die Hände in die Polsterung des Sofas. Noch nie zuvor hatte ich einen nackten Mann gesehen. Ich hatte mir vorgestellt, wie es sein mochte, geküsst, gestreichelt, fest in die Arme genommen zu werden, aber nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir ausmalen können, was ich in diesem Augenblick sah.
Willoughby lachte. “Ein prächtiger Schwanz”, sagte er. “Nicht wahr, Miss Marianne?” Seine Hand hielt meinen Arm so fest umklammert, dass es schmerzte.
Ich versuchte mich aus der Umklammerung zu befreien, konnte aber den Blick nicht von dem Mann, von seinem … Schwanz abwenden. Die Bewegungen des Mannes waren bedächtig, kontrolliert, fast wie in einem Traum, in dem die Zeit langsamer abläuft. Er griff der Frau zwischen die Beine, sie bog den Rücken durch, ihre Brustwarzen schimmerten dunkel unter dem Weiß, das ihren Körper bedeckte. Unwillkürlich presste ich die Hände in meinen Schoß. Der Raum um mich herum verlor an Substanz, zog sich zusammen wie ein Vakuum, alle Farben verblassten, glichen sich dem Weiß der lebenden Skulptur an. Der Mann bewegte seine Hand und die Frau kämpfte gegen ihre Fesseln an. An ihren Handgelenken bildeten sich rote Striemen.
Ich spürte Willoughbys Atem in meinem Nacken, an meinem Ohr. “Heben Sie Ihr Kleid an, Miss Marianne”, sagte er. Seine Stimme war nur ein Flüstern, aber sie klang befehlsgewohnt und streng.
Ich schüttelte den Kopf.
“Tun Sie es!”
Mit zitternden Fingern zog ich die Röcke über meine Knie.
“Weiter.”
Ich raffte die Röcke vor meinem Bauch zusammen.
“Spreizen Sie die Beine.”
“Mr. Willoughby, bitte, ich kann nicht …” Meine Stimme zitterte. Ich fühlte mich gedemütigt, gleichzeitig vibrierte mein Körper. Mir war kalt und heiß. Der Mann bewegte seine Hand noch immer zwischen den Beinen der Frau. Das Weiß begann sich aufzulösen, ich konnte ihre dunklen Schamhaare zwischen seinen Fingern sehen. Willoughby legte die Hand auf meine Schulter, strich mit dem Daumen über meine Halswirbel und ich öffnete die Beine.
“Braves Mädchen. Fassen Sie sich an.”
“Nein!”
Willoughby umfasste meine Kehle, riss mich fest an sich, griff meine Hand und presste sie grob zwischen meine Beine. Ich stöhnte auf und erschrak mich vor mir selbst. Ich spürte die Nässe, die Hitze, mein eigenes Verlangen. Er führte meine Bewegungen. Ich erkundete Haar und Haut und Fleisch. Die Frau riss an ihren Fesseln, drängte ihr Becken an die Hand des Mannes. Sie fing meinen Blick auf und hielt ihn fest. Meine Finger begannen sich im gleichen Takt zu bewegen, mein Becken presste sich ihnen auf gleiche Weise entgegen und als die Frau in ihren Fesseln zusammensackte, drückte ich mein Gesicht an Willoughbys Schulter.
“Miss Marianne”, sagte er und gab meinem Namen wieder diesen unvergleichlichen Klang.
Ich zitterte und klammerte mich an seinem Arm fest. Dann war alles um mich herum wieder klar und wirklich. Die weißen Gestalten sahen mich an. Was war das für ein Ausdruck in ihren Gesichtern? Vorwurf, Häme, Missbilligung? Was hatte ich nur getan? Hastig bedeckte ich mich, richtete meine Kleider, so gut es ging, und stürzte zur Tür hinaus – verfolgt von Willoughbys Lachen.
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