Jürgen Klopp über… 53
… seinen Einstieg als Trainer 2001: »Ich war auf nichts im Leben besser vorbereitet als auf das. Ich habe mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten als Trainer, als ich sie in mich als Spieler hatte.« 54
… seine Laufbahn als Spieler: »Ich habe es in meiner aktiven Karriere leider nicht geschafft, auf dem Platz das zu bringen, was sich in meinem Gehirn abgespielt hat. Ich hatte das Talent für die Landesliga und den Kopf für die Bundesliga – herausgekommen ist die zweite Liga.«
… seine aktive Überbrückung bis zum Traumjob: »Die Zeit als Profi-Fußballer habe ich nur als Überbrückungszeit gesehen, um dann irgendwann Trainer zu werden.«
… das Auftreten seiner Elf: »Rasenschach hat noch keine meiner Mannschaften gespielt.«
… sein berufliches Streben: »Ich will der beste Trainer werden, der ich sein kann.« 55
… über die Strapazen eines Spiels zu Schalkes damaligem Trainer Fred Rutten: »Wenn es hier nach Schweiß stinkt, das bin ich. Das Spiel war so aufregend.«
… die Freude an anspruchsvollem Fußball: »Mit schlechtem Fußball habe ich mich lange genug rumgeschlagen – und zwar mit meinem eigenen.«
… die heutige Spielergeneration: »Der Umgang mit den Jungs ist nicht so schwierig. Ich mag Fußballer generell. Wenn sie jung sind und zuhören, ist es schon besser, als wenn sie älter sind und mir erzählen wollen, wie es geht – ist ja klar! Aber ob mir einer sympathisch ist, hängt davon ab, ob er dazulernen will, nicht wie alt er ist.«
… die Vielzahl vergebener Großchancen im 2011 verlorenen Supercup-Spiel gegen Schalke 04: »Die Debatte hat mich letztes Jahr schon nicht interessiert. Wir haben letzte Saison mehr Großchancen vergeben als Leverkusen überhaupt rausgespielt hat.«56
… die Debatte über fehlende Meinungsführer: »Als Nuri (Sahin) hier ankam, war er weit davon entfernt, irgendein Wort zu führen. Da muss man niemanden in ein Amt heben. Mir ist es lieber, keiner redet, als dass irgendeiner Scheißdreck redet.«
… den Anspruch für ein Spiel gegen einen »Underdog« im DFB-Pokal: »Wer glaubt, ein Fehlpass in Sandhausen sei anders zu bewerten als einer gegen Bayern, der spinnt.«
… über die keinesfalls defensive Einstellung seiner Elf: »Es muss sich keiner Sorgen machen, dass wir uns vor die ›Gelbe Wand‹ der Südtribüne stellen und eine zweite aufbauen.«
Meinungen über Jürgen Klopp von …
Andreas Rettig, Manager des FC Augsburg:
»Ich erinnere mich noch gut an eine Begegnung in einem Mainzer Café, als wir uns zum Frühstück trafen. Ich war damals Manager beim 1. FC Köln und wollte Jürgen Klopp mal kennenlernen, quasi als Trainerscouting. Ich muss sagen, dass ich selten so lange an einem Frühstückstisch gesessen und dennoch kaum gegessen habe. Ich saß dort staunend und dachte: ›Mensch, dem kannst du aber gut zuhören!‹. Er gehört zu diesen Typen, die täglich auf ein Neues die Welt erobern und zeigen wollen, dass sie etwas drauf haben.
Klopp ist klug und weiß, im richtigen Moment die richtigen Leute um sich herum zu haben. Was mir an ihm besonders gut gefällt, ist, dass er auch mal über sich selbst lachen kann und sich persönlich nicht so wichtig nimmt. Auch seine unglaubliche Rhetorik und sein Sachverständnis haben mich begeistert. Klopp hat mir auf dem gedeckten Frühstückstisch mit Eierbechern sehr anschaulich das richtige taktische Verschieben erklärt. Das hat mich beeindruckt.«57
Klopps Trainerkollege Friedhelm Funkel, im Herbst 2011 Trainer bei Alemannia Aachen:58
»Ich denke mal zehn Jahre zurück, an Klopps Anfänge bei Mainz 05. Ich kann mich erinnern, als ich damals noch Trainer beim 1. FC Köln war, dass der Jürgen damals schon sehr, sehr aggressiv gegen den Ball hat spielen lassen. Mit einer Mannschaft, von der ich zu behaupten wage, dass sie individuell nicht so stark war wie heute Borussia Dortmund. Damit hat er damals in der zweiten Liga angefangen und sehr erfolgreich versucht, dieses Spiel immer präziser zu gestalten.
Und jetzt bei Borussia Dortmund mit der individuellen Klasse, der Stärke der einzelnen Spieler, gelingt ihm das natürlich immer besser und besser. Sie sind nach der Balleroberung auch wesentlich stärker und schneller vor dem gegnerischen Tor als es vielleicht vor zehn Jahren der Fall war. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir bei unseren Spielen in Mainz immer sehr viel Ehrfurcht, zumindest Respekt gehabt haben. Wir wussten, was auf uns zukommt. Wir wussten, wie der Kloppo damals seine Mannschaft eingestellt hat und es war immer sehr, sehr schwierig, gegen sie zu spielen. Und das hat sich im Laufe der Jahre natürlich noch deutlich verbessert.«
Hannovers Trainer Mirko Slomka:
»Die Systematik (Anm.: die ein Trainer für seine Mannschaft auswählt) muss auf das Team und auch ein bisschen auf die Philosophie des Vereins passen. Ich glaube, dann kann man innerhalb eines Vereins etwas entwickeln. Und das, was der Kloppo macht, passt hervorragend.«
Michael Oenning, früher Coach beim 1. FC Nürnberg und beim Hamburger SV:
»Man muss immer seine Mannschaft in den Vordergrund stellen und überlegen, was ich mit ihr spielen kann. Es ist natürlich toll, wenn man eine Leitlinie hat. Wir müssen dafür nicht mal nach Spanien (Anm.: zum FC Barcelona) gehen. Ich habe sehr viel Spaß daran, mich an Dortmund zu orientieren.«
Christian Nerlinger, Sportdirektor des FC Bayern:
»Wenn man ihn an der Seitenlinie sieht: Das ist ja nicht emotional, das hat ja teilweise psychopathische Auswüchse.«59
Klopps Trainervorbild Wolfgang Frank:60
»Jürgen hat erst einmal einen guten Charakter. Er ist von seinem Elternhaus und der Schule geprägt worden. Auf dieser Basis konnte er seinen Intellekt dann entwickeln (…) Er begriff die Dinge sehr schnell und wollte sich taktisch entwickeln, weil er fußballerisch ja kein Riese war (…) Er war schon immer ein guter Typ. Ehrlich, offen, kritikfähig, mannschaftsdienlich. Er hat immer gerne mitdiskutiert. Er ist auch manchmal auf dem Feld ausgerastet, weil er so viele gute Ideen im Kopf hatte, die er mit seinen fußballerischen Fähigkeiten nicht umsetzen konnte. Das hat ihn manchmal so geärgert, dass ich ihn zur Seite nehmen musste (…) Jürgen vergisst die Leute nicht, von denen er mal profitiert hat. Er ist ein sehr respektvoller Mensch.«
»Ein respektvoller
Mensch« – ein würdiges
Schlusswort dieses Buches über
den
Meistertrainer Jürgen Klopp, formuliert
von
seinem Lehrmeister Wolfgang Frank.
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53Die Zitate von Jürgen Klopp wurden gesammelt aus diversen Medien, wobei sich ihr genauer Ursprung nicht immer nachvollziehen ließ. Sofern genau bekannt, sind die Quellen als solche gekennzeichnet.
54Zitiert auf der Homepage der Frankfurt Allgemeinen Zeitung, veröffentlicht am 11. Dezember 2001
55Zitat aus Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag vom 24. April 2011
56Dieses und die folgenden beiden Zitate gemäß Internetseite derwesten.de, veröffentlicht am 28. Juli 2011
57Diese Aussagen von Andreas Rettig erschienen erstmals in den Ruhr Nachrichten vom 03. August 2011, im Anschluss an ein persönlich geführtes Gespräch.
58Folgende Äußerungen der Trainer Wolfgang Funkel, Mirko Slomka und Michael Oenning stammen vom Internationalen Trainerkongress 2011 in Bochum.
59Zitat von Christian Nerlinger beim »Audi Star Talk« des TV-Senders Sport1, ausgestrahlt am 19. April 2011. Nerlinger entschuldigte sich später bei Klopp für seine humorvoll gemeinte Aussage.
60Zitat von Frank in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 01. Mai 2011