12.

 

Damon sah sich um und blickte in die vier blassen Gesichter, von denen er umgeben war. Jede der Drake-Schwestern lag auf einem Sofa oder saß auf einem Sessel und die Erschöpfung war ihnen allen deutlich anzusehen. Einen Moment lang fühlte er sich hilflos angesichts ihrer Ermattung, denn er wusste nicht, was er für sie hätte tun können. Sie hatten von Kopf bis Fuß zitternd und mit weißen Gesichtern stumm in Irenes Wagen gesessen. Nur mit Mühe war es ihm gelungen, ihnen in das Haus auf der Klippe zu helfen.

Das schrille Läuten des Telefons durchdrang die vollständige Stille im Haus. Da sich die Frauen nicht von der Stelle rührten oder sich auch nur zu dem Geräusch umdrehten, nahm Damon den Hörer ab. »Ja?«

Es entstand eine lange Pause. »Sie müssen Damon sein.« Die samtene Stimme erschien ihm wie eine Liebkosung. »Was fehlt ihnen? Ich kann es sogar hier spüren, auf diese Entfernung.« Die Stimme sagte nicht, wo »hier« war.

»Sie sind eine der Schwestern?«

»Ja, selbstverständlich.« Ungeduld war in ihrer Stimme zu hören. »Ich bin Elle. Was fehlt ihnen?«

»Sie waren bei Irene, um nach Drew zu sehen.« Damon konnte immense Erleichterung aus dem kleinen Seufzer am anderen Ende der Leitung heraushören.

»Kochen Sie ihnen stark gesüßten Tee. In dem Schrank direkt über dem Herd steht eine Dose mit der Aufschrift ZAUBER.« Damon ging mit dem Telefon in die Küche. »Überbrühen Sie zwei Teelöffel von dem Pulver mit kochendem Wasser in der Teekanne und lassen Sie den Aufguss ziehen. Das wird helfen. Ist es warm genug im Haus? Wenn nicht, dann sorgen Sie dafür, dass meine Schwestern es warm haben. Machen Sie Feuer im Kamin und stellen Sie den Backofen an und was Ihnen sonst noch alles einfällt. Wann findet die Hochzeit statt?«

Wann können Sie und Ihre Schwestern denn frühestens nach Hause kommen?«, fragte Damon.

»Wissen Sie, eigentlich sollte ich Ihnen böse sein. Nein, nicht diese Flamme, benutzen Sie die hintere. Ja, das ist die richtige Teedose.«

»Ich wüsste zwar nicht, wieso es einen Unterschied machen sollte, ob ich die vordere oder die hintere Flamme benutze, aber von mir aus. Und weshalb sollten Sie sauer auf mich sein?« Er fragte sich nicht einmal, woher sie wusste, was er tat oder welche Flamme er angezündet hatte. Er nahm es als selbstverständlich hin.

»Weil ich mich darauf konzentriere. Auf die hintere Flamme, meine ich. Und sauer bin ich, weil ich glaube, Sie haben etwas in Gang gesetzt, worauf wir keinen Einfluss haben. Ich habe so schnell nicht die Absicht, einen Mann zu finden. Ich habe noch so einiges vor und für einen Mann ist vorläufig kein Platz in meinem Leben. Das Tee-Ei ist in der untersten Schublade links neben dem Spülbecken.« Sie sprach mit ihm, als könnte sie sehen, wie er auf der Suche nach dem kleinen Tee-Ei eine Schublade nach der anderen aufzog.

Das Haus bebte auf einmal in seinen Grundfesten. Dann herrschte Ruhe. Damon lief ein Schauer über den Rücken.

»Was war das?« Elles Stimme klang jetzt wieder besorgt.

»Vielleicht ein Erdbeben. Aber nur ein kleines. Ich habe den Kessel aufgesetzt, die Teekanne und das Pulver stehen bereit. Zwei Teelöffel von dem Zeug, sagten Sie? Haben Sie in der letzten Zeit mal daran gerochen?« Damon war versucht, das Pulver zu kosten. »Das ist doch nicht etwa Drachenleber, oder?«

Elle lachte. »Die heben wir für Harrington auf. Wenn er zu Besuch kommt, lösen wir sie in seinem Kaffee auf.«

»Der Mann tut mir wirklich leid.« Zu seinem Erstaunen stieß der Wasserkessel schon im nächsten Moment ein schrilles Pfeifen aus. Er goss das Wasser in die kleine Teekanne und warf ein Küchentuch darüber, um den Inhalt warm zu halten. »Werden Sie wirklich sieben Töchter bekommen?«, fragte er neugierig, denn es erstaunte ihn, dass jemand so etwas auch nur in Erwägung ziehen könnte. Noch mehr erstaunte ihn allerdings, dass er sich so unbefangen mit einer wildfremden Frau unterhielt.

Das Haus bebte ein zweites Mal. Ein Ast streifte mit einem gespenstischen Geräusch die Außenmauer. Der Wind ächzte und ließ die Fensterscheiben klirren.

»So steht es in der Prophezeiung geschrieben«, erwiderte Elle mit einem resignierten kleinen Seufzer. »Damon, stimmt vielleicht sonst noch etwas nicht?«

»Sie sind sehr müde, aber ansonsten ist alles in Ordnung.« Damon schenkte Tee in vier Tassen und stellte die Tassen auf ein Tablett. »Das Haus bebt nur ab und zu.«

»Legen Sie sofort auf und rufen Sie im Büro des Sheriffs an«, sagte Elle eindringlich. »Tun Sie es jetzt sofort.«

Er hörte die akute Besorgnis aus ihrer Stimme heraus und ihm lief ein Schauer über den Rücken. Für diesen übersinnlichen Quatsch sollte sie alle der Teufel holen. Es war doch alles in Ordnung, oder etwa nicht?

Sarahs Hunde schlugen an und gebärdeten sich wie verrückt. Die Tiere waren im Hof vor dem Haus eingesperrt, innerhalb des Zaunes, doch sie schleuderten ihre Leiber so fest gegen die Haustür, dass das Holz zu zersplittern drohte.

Damon kam Elles Aufforderung nach und rief im Büro des Sheriffs an, um Hilfe anzufordern.

Niemand schrie. Die meisten Frauen hätten unter den gegebenen Umständen laut geschrien, doch keine von ihnen tat es. Als er das Tablett ins Wohnzimmer trug, saßen alle vier Drake-Schwestern ruhig auf ihren Sesseln beziehungsweise auf den Sofas. Er ignorierte die beiden Männer, die mit gezogenen Waffen mitten im Raum standen. Bisher war er in Panik geraten, wenn er mit brutaler Waffengewalt bedroht wurde, doch diesmal blieb er vollkommen ruhig.

Er wusste, dass die Männer Mörder waren. Und er wusste ganz genau, was er von ihnen zu erwarten hatte. Aber er würde nicht zulassen, dass sie den Drake-Schwestern etwas antaten. Das änderte alles. Für ihn lag der Fall ganz einfach. Es spielte keine Rolle für ihn, ob er sterben würde. Entscheidend war, dass die Frauen überlebten. Die Welt brauchte sie noch. Sie waren diejenigen, die zählten, das Einzige, was zählte. Die Frauen würden am Leben bleiben.

Damon stellte das Tablett auf dem Couchtisch ab und reichte jeder der Schwestern eine Tasse Tee, bevor er sich den beiden Männern zuwandte. Er konnte sich lebhaft an sie erinnern. Der Mann mit dem geschwollenen Kiefer hatte sein Vergnügen daran gehabt, ihn zu foltern. Damon war froh, dass er fest genug mit seinem Gehstock ausgeholt hatte, um ihm den Kiefer zu brechen.

Damon richtete sich gemächlich auf. Diese Männer hatten für das Wissen, das nur er besaß, einen Mord begangen. Sie hatten ihn dauerhaft verkrüppelt und sein Leben unwiderruflich verändert. Jetzt standen sie in Sarahs Haus, und das stellte in seinen Augen die reinste Gotteslästerung dar. Sie waren durch die gläserne Schiebetür eingedrungen und hatten sie hinter sich offen stehen lassen.

Draußen schien das Meer ruhig zu sein, doch er konnte sehen, dass sich in der Ferne Schaumkronen auf den Wellen bildeten, die sich unter zunehmendem Getöse vom offenen Meer heranwälzten. Er spürte eine Kraft, die sich in ihm regte, seine Verbindung zu den Frauen, die sich durch Sarah ergab. Seine geliebte, ach so geheimnisvolle Sarah. Er wartete und ließ die Frauen in Ruhe ihren Tee trinken. Es ging ihm darum, Zeit zu gewinnen, obwohl er ganz genau wusste, was er tun würde.

»Ihr beide scheint immer wieder aufzutauchen«, begrüßte er die Männer schließlich. Er trat zwei Schritte weiter nach rechts, um Sarah näher zu sein, und wandte sich dabei ein wenig zur Seite, damit sie die kleine Pistole sehen konnte, die er aus der Geheimschublade genommen hatte. Elle hatte ihm gesagt, wo er sie finden würde. »Habt ihr kein Zuhause und keine Familie, die auf euch wartet?«

»Halts Maul, Wilder. Du weißt genau, was wir wollen. Diesmal haben wir jemanden, aus dem du dir etwas machst. Ich glaube, wenn ich ihr die Mündung an die Schläfe presse, wirst du mir sagen, was ich wissen will.«

Damon sah an den Männern vorbei und auf das brodelnde Meer hinaus. Der Wind wehte in stürmischen Böen und peitschte die Wasseroberfläche zu weißem Schaum auf. Die Wellenkämme wogten immer höher. Die Hunde heulten weiterhin wutentbrannt und ließen die Haustür in ihrem Rahmen beben. Damons Hand war ruhig, als er sich mit den Fingern durchs Haar fuhr. Sein Blick war auf einen fernen Punkt jenseits der Männer gerichtet. Die Schwestern tranken den heißen, süßen, belebenden Tee. Und die Kraft, die durch Damon strömte, war stärker denn je. Ein eigentümlicher Schatten flitzte zwischen den Männern umher. Ein schwarzer Kreis, der erst den einen und dann den anderen zu umgeben schien. Ab und zu entstand der Eindruck, dass der Schatten eine menschliche Gestalt hatte, doch die meiste Zeit war er nahezu körperlos.

»Möchten Sie vielleicht eine Tasse Tee?«, fragte Sarah. »Es ist genug für alle da.«

»Setzen Sie sich doch«, forderte Kate die Männer auf. Sie veränderte ihre Haltung kaum wahrnehmbar und doch schob sie ihren Körper mit dieser unauffälligen Bewegung zwischen die Waffen und Hannah.

» Das sind hier keine Spielzeugpistolen«, fauchte der Mann mit dem geschwollenen Kiefer. »Und wir feiern jetzt auch keine Party.« Er grinste seinen Partner teuflisch an. »Trotzdem könnten wir, wenn alles vorbei ist, ein oder zwei von den Frauen als Wegzehrung mitnehmen.«

Sarah wirkte gelangweilt. »Es ist deutlich zu erkennen, dass keiner von Ihnen der Drahtzieher ist, der hinter dieser Unternehmung steckt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Mann im Gefängnis dahintersteckt. Wer, um alles in der Welt, würde solche Witzblattfiguren engagieren, um Staatsgeheimnisse in Erfahrung zu bringen? Das ist schon fast grotesk. Haben Sie vielleicht Ärger mit Ihrem Boss und er will Sie krampfhaft loswerden?«

»Sie haben ein vorlautes Mundwerk, Gnädigste. Das macht es uns leichter, Sie zu erschießen.«

»Nun trinken Sie schon eine Tasse Tee mit uns«, sagte Abbey liebreizend. »Wir können doch wenigstens zivilisiert miteinander umgehen.« Die Modulation ihrer Stimme war auffällig. Sie hatte eine Art Singsang angestimmt, der die Zuhörer anlockte und ihre Vorschläge unwiderstehlich machte. »Wenn Sie ohnehin vorhaben, eine Weile zu bleiben, dann spricht doch nichts dagegen, dass wir genüsslich eine Tasse Tee miteinander trinken und uns gegenseitig besser kennenlernen.«

Die Luft im Zimmer duftete würzig, beinah schon parfümiert, und doch roch man das Meer, frisch, sauber und salzig. Die beiden Männer wirkten verwirrt. Sie zwinkerten mehrfach rasch hintereinander und tauschten lange bestürzte Blicke aus. Der Mann mit dem geschwollenen Kiefer ließ tatsächlich seine Waffe sinken und ging einen Schritt auf das Tablett mit der kleinen Teekanne zu.

Kate starrte gebannt die Schlösser an der Haustür und den Türknopf an. Sarah ließ die beiden Männer keinen Moment lang aus den Augen. Sie wartete ab und beobachtete sie. Die Jägerin, sagte sich Damon unwillkürlich. Ais er lauschte, glaubte er, weit draußen über dem Meer Musik zu hören. Einen leisen, melodischen Gesang, der die Elemente herbeirief. Währenddessen schlich der dunkle Schatten unablässig um die beiden Eindringlinge herum.

Hannah hob ihre Arme mit einer anmutigen und eleganten Bewegung auf die Rückenlehne des Sofas. Der Wind schwoll zu einem schrillen Pfeifen an und raste mit der Wucht eines Güterzuges ins Zimmer. Sein Angriff ließ die Männer taumeln. Der Wind riss an ihren Kleidungsstücken. Der Türriegel wurde zurückgeschoben und die Tür sprang unter dem Gewicht der Tiere auf, die sich dagegen warfen. Die Hunde sprangen mit entblößten Lefzen ins Haus. Damon blinzelte, als der kauernde Schatten einem der Männer auf den Rücken sprang und dort blieb.

Sarah hatte sich bereits in Bewegung gesetzt und ging auf die beiden Männer los. Den ersten erwischte sie mit einem tief angesetzten Scherenschlag. Dann rollte sie sich herum, um ihn zu Fall zu bringen. Er prallte gegen seinen Partner, der hinfiel und dabei mit seinem Kopf gegen die untere Kante eines Sessels knallte. Sarah fing die Pistole, die Damon ihr zuwarf.

Der Mann mit dem geschwollenen Kiefer sprang auf, warf dabei den Sessel um und zog gleichzeitig eine zweite Pistole. Sarah feuerte drei Schüsse ab. Die Kugeln ließen den Mann, der nah bei Damon stand, rückwärts taumeln. Dann presste sie den heißen Lauf seelenruhig an die Schläfe des Eindringlings, der auf dem Boden lag. »Ich schlage vor, dass Sie sich nicht von der Stelle rühren.« Aber während sie mit ihm sprach, sah sie den Mann an, auf den sie geschossen hatte, und beobachtete, wie Hannah und Abbey versuchten, ihn wiederzubeleben. Sie beobachtete aber auch, dass sich der dunkle Schatten verstohlen davonschlich und etwas Schweres hinter sich herschleifte. Sie wusste, dass die Schwestern nicht rückgängig machen konnten, was sie getan hatte. Sarah wischte sich mit der Handfläche die Stirn ab und blinzelte gegen ihre Tränen an.

Kate sammelte die Waffen ein. Abbey hielt die Hunde zurück. Dazu brauchte sie ihnen bloß eine Hand warnend auf den Kopf zu legen.

»Es tut mir so leid, Sarah«, sagte Damon.

»Es war unvermeidlich.« Sie fühlte sich elend. Es spielte keine Rolle, dass die Männer vorgehabt hatten, sie alle zu töten. Und im Moment zählte auch nicht, dass der Tod zufrieden gestellt war. Sie hatte einem Menschen das Leben genommen.

Im Zimmer kam jetzt wieder Wind auf, diesmal eine sanfte Brise, die Musik mit sich brachte. Und Sarah berührte. Sie sah ihre Schwestern an und lächelte matt. »Hannah, die Kavallerie rückt an. Sie sind schon auf der Auffahrt. Lass sie rein und tu nichts, was du im Nachhinein bereuen wirst.«

Hannah verdrehte die Augen, stapfte durch das Wohnzimmer und verpasste dem Mann, den Sarah mit ihrer Pistole auf dem Boden festhielt, einen frustrierten Tritt gegen das Schienbein. »Das wird ja immer schöner! Jetzt muss ich dieses Riesenstinktier zweimal an einem Tag sehen. Allmählich finde ich das unzumutbar.«

Abbey beugte sich hinunter und brachte ihr Gesicht auf eine Höhe mit Sarahs Gefangenem. »Du würdest mir liebend gern die Wahrheit erzählen, für wen du arbeitest, nicht wahr?« Ihr Tonfall war lieblich, hypnotisch und unwiderstehlich. Sie sah ihm direkt in die Augen und nahm ihn mit ihrem Blick gefangen. Sie wartete auf den Namen.

An der Tür begrüßte Hannah Jonas Harrington. »Wie üblich bist du etwas zu spät dran. Du bist schon in der Schule immer zu spät gekommen. Anscheinend hast du diese schlechte Angewohnheit bis heute nicht abgelegt. Dir hat es wohl großen Spaß gemacht, mindestens zehn Minuten nach dem Läuten deinen großen Auftritt zu haben.« Sie hatte einen Arm in die Hüfte gestemmt und warf ihre seidige Mähne wie schimmerndes Silber über ihre Schultern. »Damals war es kindisch, aber heute ist es unprofessionell.«

Er baute sich absichtlich viel zu dicht vor ihr auf und bedrängte sie mit seinem wesentlich größeren und breiteren Körper. »Dich hätte schon längst mal jemand übers Knie legen sollen.« Er sagte die Worte so leise, dass niemand außer ihr sie hören konnte, und im nächsten Moment schob er sie zur Seite und stürmte ins Haus. Für einen Sekundenbruchteil bohrten sich seine funkelnden Augen in sie wie glühende Kohlen.

Sämtliche Frauen im Zimmer reagierten darauf und sahen Jonas mit finsteren Blicken an. Hannah hob eine Hand, um stumm zu gestehen, dass sie ihn provoziert hatte. Sie ließ die übrigen Polizeibeamten ein, bevor sie die Hunde ins Schlafzimmer brachte. Damon fiel auf, dass sie nicht zurückkam.

Sämtliche Frauen waren erschöpft. Damon wünschte, alle anderen wären schon wieder fort. Es schien ihm wichtiger, den Drake-Schwestern frisch gefüllte Teetassen in die Hände zu drücken, sie ordentlich zuzudecken und sie vor neugierigen Blicken zu beschützen. Er blieb an Sarahs Seite, während sie wiederholt verhört wurde. Der ärztliche Leichenbeschauer nahm die Leiche mit und die Leute von der Spurensicherung sahen sich am Tatort um.

Jede der Schwestern legte ihre unabhängige Zeugenaussage ab, und daher schien es eine Ewigkeit zu dauern, bis Damon wieder der Herr im Haus war. »Danke, Abbey, ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, diesen Namen aus ihm herauszuholen, aber jetzt lässt sich hoffentlich verhindern, dass weitere Personen Jagd auf mich machen.«

Abbey schloss die Augen und ließ ihren Kopf an die Rückenlehne des Sessels sinken. »Es war mir ein Vergnügen. Würdest du bitte den Anruf entgegennehmen? Sag Elle, wir sind zu müde, um mit ihr zu reden, aber sie soll den anderen Bescheid sagen, dass uns nichts fehlt.«

»Das Telefon läutet doch gar nicht.« Aber er war schon auf dem Weg in die Küche, um den Anruf entgegenzunehmen. Natürlich läutete das Telefon nicht. Noch nicht. Aber es würde läuten. Und genau das tat es auch. Damon beteuerte Elle, er würde ihre Schwestern nicht allein lassen und es gäbe auch keinen Grund zur Sorge mehr.

Es schien Stunden zu dauern, bevor er endlich wieder mit Sarah allein war. Mit seiner Sarah. Erst dann konnte er ihr Gesicht in seine Hände nehmen und sie mit all der Zärtlichkeit küssen, die er für sie empfand. »Ich habe etwas Eigentümliches gesehen, einen Schatten, finster und grimmig. Ich hatte das Gefühl, er hätte auf mir gelastet und sei ständig bei mir gewesen, aber jetzt ist er verschwunden. Es klingt lachhaft, Sarah, aber ich fühle mich so erleichtert, als sei eine schwere Last von mir genommen worden. Du weißt, wovon ich rede, nicht wahr?«

»Ja«, sagte sie schlicht und einfach.

Sein Blick glitt liebevoll über ihr Gesicht. »Du siehst so müde aus. Ich würde dich ja gern ins Bett tragen, aber das würde ich selbst dann nicht schaffen, wenn ich mich wirklich anstrengen würde.«

Sie rang sich ein schwaches Lächeln ab. »Es würde nichts ausmachen, wenn du mich auf den Boden fallen ließest. Ich würde auf der Stelle einschlafen.«

Er half ihr durch den Flur zur Treppe. »Hannah bewohnt das Turmzimmer, von dem aus man zu den Zinnen gelangt, nicht wahr?«

Sarah freute sich darüber, dass er von selbst darauf gekommen war. »Das Meer übt eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Der Wind und der Regen locken sie an. Es hilft ihr, sich dort aufzuhalten, hoch oben, wo sie all das sehen kann. Ich bin froh, dass du es verstehst.«

Er stieg hinter ihr die Treppe hinauf, jederzeit bereit, ihren Fall zu bremsen, falls es nötig werden sollte. Bereit, alles zu tun, was erforderlich war, um sie zu beschützen. »Es überrascht mich, dass ich die Kraft in diesem Haus deutlich wahrnehme, aber es ist nun mal so. Ich bin Wissenschaftler. Nichts von alledem leuchtet mir ein. Mir ist unbegreiflich, was ihr seid, du und deine Schwestern. Himmel noch mal, ich weiß nicht einmal, wie ich euch beschreiben würde, aber ich weiß, dass all das, was ich mir nicht erklären kann, wahr ist.«

»Bleib heute Nacht bei mir, Damon«, sagte Sarah. »Ich fühle mich sehr matt. Aber wenn du bei mir bist, fühle ich mich nicht ganz so verloren.«

»Wenn du mich loswerden wolltest, müsstest du mich schon rauswerfen, Sarah«, erwiderte er wahrheitsgemäß. »Ich weiß, dass ich dich liebe und dass ich dich zur Frau haben möchte. Ich will nie wieder von dir getrennt sein.«

»Ich empfinde dasselbe, Damon.« Sarah stieß die Tür zu ihrem Schlafzimmer auf und brach auf dem riesigen Himmelbett zusammen. Er fand sie wunderschön, als sie dalag und darauf wartete, dass er sich neben ihr ausstrecken würde.

Ihr Fenster ging aufs Meer hinaus. Damon konnte das tiefblaue Wasser sehen, hohe Wellen, die anrollten und sich brachen, das Ufer überspülten und sich wieder zurückzogen, wie sie es schon seit unendlich vielen Jahren taten. Frieden hatte sein Herz und seine Seele erfüllt. Aus allen Ecken und Enden des Hauses drang leises Gelächter. Es wehte durch die Luft und erfüllte das Haus mit Freude. Sarah war wieder da. Sarah war nach Hause gekommen. Und Damon hatte bei ihr sein Zuhause gefunden.

 

 

Ende Band 1 Die Drake Schwestern - Sarah

Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK
titlepage.xhtml
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_000.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_001.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_002.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_003.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_004.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_005.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_006.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_007.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_008.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_009.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_010.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_011.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_012.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_013.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_014.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_015.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_016.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_017.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_018.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_019.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_020.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_021.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_022.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_023.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_024.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_025.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_026.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_027.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_028.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_029.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_030.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_031.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_032.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_033.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_034.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_035.htm
Drake Schwestern 01-02 - Daemmerung des Herzens-06.07.12-OK_split_036.htm