Teil 2
Aber da war noch mehr ...
Ihr herzförmiges Gesicht, das dunkelbraune, hochgesteckte Haar ... Ein Ruck ging durch sein Herz. Dann war ihm klar, dass Susan ihn an das Mädchen erinnerte, für das er in seiner Schulzeit jahrelang so maßlos geschwärmt hatte:
Shannon Miller!
Das einzige Mädchen, für das er etwas empfunden hatte, ohne diesem Etwas einen Namen geben zu können.
Sie war Schulsprecherin gewesen, hatte den Debattier-Club geleitet und war zweimal hintereinander mit dem schuleigenen Preis für hervorragende Leistungen ausgezeichnet worden, während er immer nur knapp daran vorbeigeschliddert war. Seine feuchten Teenager-Träume hatten fast ausschließlich von ihr gehandelt. Lange Zeit war er zu schüchtern gewesen, um sie anzusprechen. Eines Tages jedoch hatte er zu seiner eigenen Verwunderung genug Mut aufgebracht und sie im Schulflur abgefangen. Sie stand gerade mit einer Freundin vor ihrem Spind und sah ihn ziemlich überrascht an. Die Hände in den Hosentaschen begraben fragte Josh, ob sie Lust hätte, mit ihm zur großen Einweihungsparty der neuen Sporthalle zu gehen. Nach kurzem nachdenklichem Zögern sagte sie prompt zu. Joshs Freude war so überwältigend, dass er sich speziell für dieses Date mit einem nagelneuen todschicken Anzug herausputzte und einen atemberaubenden Strauß aus fünfzig roten Rosen anfertigen ließ.
Als er sie am Abend der Party von Zuhause abholen wollte, eröffnete sie ihm auf der Türschwelle, sie habe es sich doch anders überlegt. Sie könne nicht mit ihm gehen. Es gäbe einen anderen Jungen ...
Einfach so.
Eiskalt.
Ohne eine wirkliche Erklärung, außer, dass jener Andere sie angeblich zuerst gefragt hätte. Sie war so dreist gewesen, zu verlangen, er solle es ihr bitte nicht übel nehmen.
Aber genau das tat er.
Er nahm es ihr sehr übel!
Er war fast siebzehn Jahre alt und hatte noch nie mit einem Mädchen geschlafen, weil er es unbedingt mit Shannon tun wollte. Warum er so vernarrt in diese eiskalte Möchtegern-Diva gewesen war, hatte er später nicht mehr verstanden. Er hätte andere Mädchen haben können. Mädchen, die hübsch und sexy waren ... und freundlich dazu.
Die Party ließ er sausen. Und viele Partys danach auch ...
In jener Nacht, als sein Herz gebrochen wurde, ohne dass er es wusste, beschloss der junge Josh zwei Dinge, was Frauen anging: Er würde seine Gefühle schön aus dem Spiel lassen, und er würde keiner nachlaufen. Seinen Schwanz würden sie nur kriegen, wenn sie bereit waren, alles dafür zu tun. Alles, was er begehrte.
Sein Herz allerdings war von nun an verschlossen, unantastbar und geschützt wie hinter Panzerglas. Und doch wollte dieses elende Ding nicht aufhören, sich zu sehnen und ihm immer wieder einzureden, es brauche etwas ... etwas, dessen Namen er nicht kannte.
An seinem achtzehnten Geburtstag nahm ihn sein Onkel Alistair Maxwell das erste Mal mit in die Firma und stellte ihn den Mitarbeitern vor. Er bekam einen BMW Cabrio geschenkt und ein eigenes Bankkonto, das schon mit einer fünfstelligen Zahl gefüttert war.
Josh wusste, dass seiner beruflichen Zukunft absolut nichts im Wege stand, und dass er irgendwann ein sehr reicher Mann sein würde. Er wusste auch, dass man in den Kreisen, in denen er dank seines familiären Hintergrunds verkehrte, sehr leicht zu einem skrupellosen Arschloch mutieren konnte.
Der Gedanke missfiel ihm.
Er würde versuchen, eine solche Verwandlung weitestgehend zu vermeiden. Vielleicht war es die schmerzliche Erinnerung an seine verstorbenen Eltern, vielleicht sein sensibler Charakter. Vielleicht beides. Was auch immer der Grund war, er führte dazu, dass er den Begriff »Gentleman« für sich beanspruchen wollte. Er wusste nur nicht, ob und wie gut ihm dies gelingen würde.
Ein Gentleman ohne Herz, aber mit einem exquisiten Sex Drive und einem Verstand, der schärfer war als ein Skalpell. So sah er sich.
So viel Wahrheit und so viel Irrtum steckten in diesem Selbstbild.
Susan hakte sich bei ihm unter, als wären sie alte Bekannte, drängte sich gegen seine Seite. Er betrachtete nachdenklich ihr Gesicht. Ihr süßlich-stechender Alkohol-Atem drang in seine Nase, während sie ihn verwegen anlächelte und sich mit der Zunge ganz langsam über die Unterlippe leckte. Mit einem einsaugenden Blick nahm er stumm ihr Angebot an.
Josh griff nach ihrem spitzen Kinn und presste einen harten Kuss auf ihren Mund. Seine Zunge drängte ihre Lippen auseinander und forderte sie heraus. Sie griff nach seiner freien Hand und schob sie ungeniert in ihr Dekolleté. Im nächsten Augenblick drückte er ihre weiche Brust und umkreiste mit den Fingerspitzen den harten Nippel. Susan seufzte ganz leise in seinen Mund. Seine Berührung ließ ihre Pussy pulsieren und ihr Höschen feucht werden. Sie war nun ziemlich froh, dass sie mitgekommen war, denn beinah hätte sie sich für einen faulen Fernsehabend im Hotel entschieden und sich dumme Talkshows angesehen. Ein Glück hatte sie auf Cecilias Drängen hin nachgegeben. Sie musste zugeben, dass Brian Grands Freund die reinste Augenweide war und zudem - ganz offensichtlich - kein Kostverächter. Und aus der unmittelbaren Nähe wirkte er geradezu magnetisch auf sie, wenn auch aus irgendeinem Grund ein wenig düster.
Susan presste seine große Hand noch fester gegen ihre Brust, schwang ihren rechten Schenkel zwischen seine muskulösen Beine, und zog den Saum ihres Kleides bis in ihren Schoß hoch. Ihre Haut hatte eine ungewöhnlich attraktive Bräune, ein Karamellbraun, und fühlte sich samtig und glatt an. Josh spürte, wie das Blut durch seine Adern rauschte und seinen Körper aufheizte, wie der Wunsch, sie bald zu vögeln, sich in den Vordergrund seiner Bedürfnisse drängte. Sein Penis signalisierte ihm mit mehrfachem Zucken, dass er in sekundenschnelle bereit sein würde, wenn der Startschuss fiel.
Ein plötzlicher Adrenalinstoß ließ ihn unsanft in die Unterlippe der Fremden beißen und gleichzeitig ihren Nippel so fest kneifen, dass sie einen japsenden Aufschrei von sich gab und ihn erschrocken anstarrte.
Brian und Cecilia unterbrachen ihre Knutscherei und drehten die Köpfe zu ihm.
Susan lächelte irritiert und berührte zaghaft ihren Mund.
Josh strich ihr mit dem Fingerrücken über die Wange. »Sorry«, flüsterte er betroffen.
Er hatte ihr nicht wehtun wollen. Dass er kurz die Kontrolle verloren hatte, musste mit der stressigen Woche zu tun haben, die hinter ihm lag.
»Nur keine Ungeduld, ihr beiden. Wir sind gleich da«, lachte Brian und widmete sich sofort wieder seinem eigenen Vergnügen.
Cecilia hatte Brian zwei Wochen zuvor während der Show kennengelernt. Nachdem er ihr von seiner Loge aus einen messerscharfen Blick zugeworfen und sie damit aus dem Takt gebracht hatte, war es um sie geschehen. Als er ihr dann per Boten die verheißungsvolle Einladung zukommen ließ - seine persönliche Art der Wiedergutmachung - hatte sie nicht eine Sekunde gezögert und aufgeregt zugestimmt.
Bei Hummer und Kaviar hatte sie ihm von ihrer Tour erzählt, hatte sich anschließend in einer exklusiven Hotelsuite Schampus über den Körper gießen und sich ablecken lassen und war so lange hart durchgevögelt worden, bis sie vor Erschöpfung irgendwann gegen Morgen in einen tiefen Schlaf gefallen war. Brian hatte nicht viel von sich preisgegeben, nur, dass er ein ewiger Junggeselle sei und eine Villa besäße. Eine Villa außerhalb der City. Cecilia brannte vor Neugier, was diese Villa anging ...
Sie waren mit einer internationalen Truppe bestehend aus vierzehn weiteren Mitgliedern auf Europa-Tournee. Ihre penibel durchchoreographierten Erotik-Shows waren ein begehrter Geheimtipp für Aufgeschlossene der obersten Klasse. Eintrittskarten konnten nicht gekauft werden. Sie wurden an handverlesene Gäste verschickt, und Brian Grand gehörte seit einigen Jahren zur illustren Runde dieser Privilegierten. Dieses Wochenende hatten Cecilia und Susan frei. Eigentlich sollten sie sich erholen und entspannen. Ihre Haut pflegen und viel schlafen.
Aber daraus würde zum Glück nichts werden.
Brian hatte Cecilia einen Blumenstrauß mit einer Karte zukommen lassen. Die Botschaft lautete:
Ein »Grand«ioses Wochenende wartet auf dich und eine Freundin deiner Wahl! Morgen 22 Uhr. Ich hole euch ab.
Das große Eisentor mit dem gigantischen Namensschild »GRAND« war schon beeindruckend genug. Es öffnete sich nach innen und gab ihnen mit einer majestätischen Gelassenheit den Weg frei. Die asphaltierte Straße zum Hauptgebäude führte durch einen kleinen Park, der in der sommernächtlichen Dunkelheit seine Schönheit nur erahnen ließ.
Kaum dass die Limousine zum Stillstand gekommen war, stiegen sie aus. Die Frauen zupften schnell ihre Kleidung zurecht.
»Da wären wir ...« Brian beobachtete amüsiert die staunenden Gesichter seiner beiden weiblichen Gäste, als sie vor der Villa standen: ein architektonisches Meisterwerk aus urigem Kalkstein kombiniert mit Glasfassaden, eingetaucht in ein Lichtspiel aus Regenbogenfarben, das die ganze Villa umgab wie zarte Windböen.
»Oh mein Gott! Ist das schön hier!«, schrie Cecilia aus, während Susan sprachlos neben ihr stand und den Blick rundherum wandern ließ.
»Nettes Häuschen, Brian«, sagte Josh an seinen Freund gewandt.
Die Außenbeleuchtung der Villa war definitiv eine tolle Idee und machte großen Eindruck.
Brian lächelte schief. »Danke, irgendwie hör ich das immer wieder gern. Dann lasst uns reingehen.«
Dunkle Holzmöbel dominierten die ganze Luxus-Inneneinrichtung. Schlichte, glänzende Böden erstreckten sich elegant unter den Füßen der Besucher. Das Ganze war eine perfekte Kombination aus rustikalem Ambiente und Hightech Armaturen und Apparate, die clever integriert waren. Hochwertige Sitzgruppen, dunkel, weich und gemütlich, bildeten den Kontrast zur soliden Umgebung, die wie Brian Grand, hart und unnachgiebig war. Das komplette Flair der Villa, innen wie außen, war mächtig, war imposant und hatte gleichzeitig etwas Beruhigendes, als würden unwirkliche Geisterstimmen zum Verweilen und sich Berauschen einladen.
Die opulente Bar war eine Fantasie aus Spiegeln und Licht, aus Reihen von formschönen Designerflaschen, in denen der erstklassige Alkohol auf durstige Kehlen wartete. Das übliche und immer wieder beste Vorspiel überhaupt: vier Gläser, vier Drinks nach Wunsch, gemixt vom Hausherrn. Für die Damen mit einem Extra-Schuss was auch immer ...
Sie stießen an, tranken, lachten, tauschten eindeutige Blicke aus.
Aus einer unsichtbaren Anlage drang in einer einlullenden Lautstärke atmosphärische Hintergrundmusik.
Josh ließ die Eiswürfel in seinem Glas klimpern und setzte sich auf die Designer-Couch gegenüber der Bar. Er nahm einen kräftigen Schluck Whiskey, ließ ihn eine Feuerspur durch seine Kehle brennen, beobachtete Brian, der sich und den Damen Champagner nachgoss, beobachtete Cecilia und Susan, wie sie lasziv ihre Körper in einer Art Verführungstanz nur wenige Meter von ihm entfernt zu den leisen Takten bewegten. Wie sie sich gegenseitig küssten, so behutsam, so zärtlich, so gedankenlos und ungeniert ...
Sein Schwanz wurde hart und fordernd.
Eine mächtige Erektion bahnte sich an.
So war es immer, wenn er neben seiner Geilheit zusätzlich diesen ganz bestimmten Impuls in sich spürte. Denselben, der ihn in Susans Lippe beißen ließ.
Er legte den Kopf schief und ließ seinen Blick über ihr Gesicht, ihre Brüste und die perfekt geformten Beine wandern. Susans drahtiger Körper war durchtrainiert bis in die letzte Faser. Doch seine stahlblauen Augen fanden zurück in ihr Gesicht. Genau genommen zu ihrem Mund. Er war schön, sehr schön, so voll und weich.
Josh stellte sich ihre warmen Lippen um die Spitze seines Schwanzes vor, und wie ihr kleiner Kopf vor und zurück wippte, wie er ihren süßen Mund fickte und wie sie ihn dabei mit großen Augen verführerisch anstarrte, in der Hoffnung, er möge bald in sie hineinstoßen und sie mit seiner ganzen Männlichkeit restlos ausfüllen.
Dieser Blick zu ihm hoch ... geil, gierig, bettelnd ... wie oft hatte er ihn gesehen ... wie oft hatten die Augenfarben gewechselt und doch war der Blick immer derselbe geblieben ...
Josh schloss die Augen und seufzte leise in sich hinein, dann sah er zu seinem Freund.
Brian kippte gerade sein Glas auf Ex und knallte es auf den Tresen. »Cecilia, Baby«, sagte er daraufhin und streckte die Hand aus. »Komm zu Daddy.«
Cecilia ließ sich kichernd in seine Arme ziehen.
Susan blieb stehen und lachte affektiert, drehte sich zu Josh um und sah ihn erwartungsvoll an.
Er verzog keine Miene, aber schenkte ihr seine volle Aufmerksamkeit.
Sie näherte sich langsam, eine Katze auf Samtpfoten. Oh, wie betrunken sie war und wie wundervoll es sich anfühlte. Und, meine Güte, wie unglaublich gut aussehend dieser Mann war! Seine Schönheit raubte ihr den Verstand. Er hatte etwas an sich, dass sie völlig scharf machte. Etwas, das sie seltsamerweise auch berührte.
Die Beule in seinem Schoß war nicht zu übersehen, und sie schmunzelte freudig.
Als sie dicht vor ihm stand, streifte sie die Träger ihres Kleides von den Schultern und ließ den Hauch von Seide zu Boden gleiten.
Joshs Mundwinkel hob sich kaum merklich zu einem angedeuteten Lächeln. Diese Frau würde alles für seinen Schwanz tun, das war so sicher wie sein nächster Millionen-Deal mit Japan.
Sie trug hauchdünne, fliederfarbene Unterwäsche. Schlicht und sexy. Ihre Nippel drückten sich hart gegen den Stoff ihres Büstenhalters.
Ihr Duft hatte sich verändert.
Ihr Parfüm war durchmischt mit dem Duft weiblicher Geilheit, die von ihrer Pussy ausströmte. Josh hatte eine feine Nase für diesen Geruch. Er roch ihn, noch bevor sie sich ausgezogen hatten und so taten, als wären sie mit anderen Dingen beschäftigt, als mit dem Wunsch, ordentlich durchgefickt zu werden.
Was sie allerdings für ihn empfanden, blieb ihm verschlossen und war jenseits seiner Interessen.
Da er glaubte, kein Herz zu haben, brauchte er sich nicht mit Gefühlen auseinanderzusetzen. Er verließ sich auf Manieren und Etikette. Eigenschaften, die er über seinen Verstand problemlos steuern konnte. Ein Gentleman zu sein, hieß zu wissen, wie man sich respektvoll verhielt, wenn man in Kontakt zu Menschen ging. Konsens war vermutlich das wichtigste Prinzip seiner Interaktionen.
Es ging um Deals.
Um das gemeinsame Einverständnis. Es ging um ein beidseitiges entschlossenes »Ja«. Dieses »Ja« war der einzige Schlüssel, der die Tür zu Joshs dunkler Seite öffnen und verschließen konnte. Und bisher konnte er gut damit Leben, wenn auch tief in ihm drin sein geknebeltes Gewissen mit einem dünnen Stimmchen sich dagegen zu artikulieren versuchte.
Nachdem Josh die letzten Tropfen von seinem Whiskey getrunken hatte, stellte er das Glas auf dem Beistelltisch neben der Couch ab.
Susan wollte sich komplett ausziehen. Sie stand kaum einen halben Meter vor ihm und war in ihren Bewegungen schon leicht unkoordiniert.
Doch er hinderte sie daran.
»Nein, bleib so«, raunte er und zog sie an ihren Schenkeln auf seinen Schoß.
Sie legte ihre Arme um seine Schultern und beugte sich ein wenig, um ihn zu küssen. Ihre Brust hob und senkte sich vor Erregung.
Joshs Hände fuhren ihren glatten Rücken hinab und schlüpften in ihre Pantys, um in die saftigen Pobacken zu greifen und dann mit seinen langen Fingern zwischen sie zu gehen. Er wollte ihre geschwollene Pussy befühlen, während sie ihre Zunge in seinem Mund spielen ließ.
Josh genoss das heiße Gefühl, dass ihre nackte Haut bei ihm auslöste, aber er spürte auch die Ungeduld in sich. Kein gutes Zeichen, wie er wusste.
Und dann sagte Brian: »Wollt ihr nun mein Spielzimmer sehen?«
Sie stiegen in einen Lift, der aus gekachelten Spiegeln bestand, und fuhren abwärts.
»Geht‘s jetzt in den Keller, Brian?«, lachte Cecilia, klang dabei ein wenig verwaschen. »Ich bin gespannt. Du auch, Susan?« Sie strich ihrer Freundin mit den Fingern über die Wange. Susan lächelte, die Augenlider schon ein wenig schwer, und zog Cecilia an ihrem Kleid zu sich. Und als hätte sie das Bedürfnis, ihre Freundin zu küssen, schon zu lange zurückgehalten, presste sie urplötzlich ihre Lippen auf deren Mund und drängte ihre Zunge hinein. Ihr ganzer Körper vibrierte vor Lust und erwartungsvoller Erregung. Doch Susans Blick wanderte noch während ihres Zungenspiels mit Cecilia zu Josh, der sie scheinbar ungerührt im Auge behielt.
Als würde sie ihn herausfordern ...
Er senkte den Blick und sah zu Brian.
Brian Grand grinste zufrieden, eine Hand auf seiner beachtlichen Erektion, die er Stolz vor sich trug.
Der Lift kam zum Stillstand.
»Ladys ...«, sagte Brian mit einer ausladenden Geste und ließ Cecilia und Susan zuerst in den schummrigen Flur treten. Dabei zwinkerte er Josh konspirativ zu. »Die beiden sind perfekt!«, flüsterte er grinsend. »Einfach perfekt ...«
Brian Grands ominöses Spielzimmer war eine überaus geräumige »Folterhölle« aus rotem Samt, Gold, Glitzer und vor allem schwarzem Lack und Leder, das das Material für diverse Peitschen, Knüppel und sonstige seltsame Dinge war, deren Namen weder Josh noch die beiden Frauen kannten. Bizarre Apparate, an denen gehangen, geschaukelt, geknebelt, angekettet, gedehnt, gespreizt oder gekrümmt werden konnte, waren im Raum verteilt.
Auf einer Art Präsentiertisch lagen diverse Utensilien und Gerätschaften, mit denen man problemlos ein Dutzend Körper unterwerfen und bewegungsunfähig machen konnte.
»Oooh, wow, Brian!«, rief Cecilia schrill. »Ich hatte geahnt, dass du ein böser, böser Junge bist. Bad Boy Brian ... aber das hier, Himmel noch mal!« Sie lachte laut und lief zu dem Tisch, um amüsiert die extravaganten Gegenstände zu inspizieren.
Susan stand staunend neben Josh und kicherte verunsichert. »Was machen wir hier?«, fragte sie, die Arme um den Oberkörper geschlungen.
»Baby, wir werden spielen«, ging Brian auf sie ein. »Hast du Lust zu spielen, Susan?«
Sie zögerte zuerst, dann nickte sie ganz leicht.
»Siehst du! Und hast du Lust, zu tun, was ich und Josh von dir möchten?«
»Kommt drauf an«, sagte sie nun mit einem halben Lächeln und einem ratlosen Blick zu ihrer Freundin.
»Sie hat Lust, Brian, glaub mir«, kam es von Cecilia. »Susan, das hier ist eine Party! Stimmt‘s Brian?«
»Absolut! ... Okay, dann spielen wir jetzt ‚Master and Servant‘ einverstanden? Und natürlich ...« Brian stockte und zwinkerte Josh zu. »... werden die Servants gefickt!« Er lachte ein kehliges Lachen. Seine grünen Augen blitzten und funkelten.
Josh hatte sich gegen die Wand gelehnt und ein Knie angewinkelt. Mit verschränkten Armen beobachtete er das Geschehen. Sein Penis drückte hart gegen seine Hose, aber er wartete ab.
Cecilia stieß ein hysterisches Kichern aus. Aufgeregt streifte sie sich ihr kleines Schwarzes vom Körper und stand strahlend in ihren weißen Spitzen-Dessous da. »Oooh ja! Dann mal los ... Master Brian ... und Master Josh. Was muss ich denn jetzt tun, hm?« Sie schüttelte ihr langes hellbraunes Haar und spitzte die Lippen.
Brian nahm ein schwarzes Tuch und hielt es stramm zwischen seinen Händen. »Okay, Baby, dann fangen wir hiermit an.«
Er band Cecilias Augen zu, küsste sie währenddessen immer wieder auf den Hals und öffnete ihren Büstenhalter. Dann beugte er sich zu ihr herunter und vergrub sein Gesicht zwischen ihren festen Brüsten, die herrlich dufteten und perfekt in seine Hände passten. Ihre Nippel stellten sich auf, wurden hart wie Olivenkerne, schöne dunkle Nippel, umgeben von einem kleinen Hof, genauso wie Brian Grand es liebte. Er nahm sie zwischen seine Lippen, leckte und liebkoste sie, nahm so viel Brust, wie er konnte, in seine Mundhöhle und saugte an Cecilia, bis sie zu stöhnen begann.
Immer wieder kicherte sie auch.
Ihre Bauchdecke zitterte.
Suchend hoben sich ihre Hände in die Höhe. Ihre Finger wollten durch Brians Haare fahren, doch er ergriff ihre Handgelenke und führte sie auf ihren Rücken. Mit schnellen Handgriffen hatte er ihr die mit schwarzem Plüsch überzogenen Eisenhandschnellen angelegt.
Brian hielt inne und sah zu Susan, die unbewegt und stumm beobachtete, was Cecilia mit sich geschehen ließ, dann warf er Josh einen auffordernden Blick zu. »Maxwell, was ist los? Susan wartet auf ihren Master ...« Er machte einen Schnalzlaut und hob eine Braue.
Josh lächelte schief, aber das Lächeln erreichte kaum seine Augen.
Brian widmete sich wieder seiner »Dienerin«, legte Cecilia einen großen Mundknebel an, der für die »Blinde« so unerwartet kam, dass sie einen überraschten Kiekser ausstieß. Die runde schwarze Kugel in ihrem Mund gab ihrem Gesicht ein Aussehen, als würde sie gerade an einem riesigen Schwanz lutschen. Jetzt war es unmöglich für sie, sich in irgendeiner Form verbal verständlich zu machen, was ganz im Sinne ihres »Masters« war.
Aber Cecilia schien das Spiel zu genießen.
Susan spähte vorsichtig zu Josh. Mit einem verhaltenen Lächeln antwortete er auf ihren fragenden Blick. Er wusste, er musste sich einen Ruck geben, wollte er sie vögeln, und doch war ihm bewusst, dass ihn etwas zurückhielt. Denn wenn Susan signalisieren sollte, ihre Dienerinnen-Rolle einnehmen zu wollen, würde er seine Master-Rolle nicht verschmähen. Er spürte sehr deutlich, wie sein Penis sie dominieren wollte.
Inzwischen hatte Brian Cecilia über eine Art kleinen Bock-Hocker gelegt und ihre Beine in gespreizter Form so fixiert, dass sie sich unmöglich wegbewegen konnte. Sie trug immer noch ihr Höschen, allerdings waren in dieser Lage die aufgeworfenen Lippen ihrer Pussy unter dem fast transparenten Stoff deutlich zu erkennen.
Josh kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, als er das sah, und wandte sich ab. Er beschloss, Brian und sein »Spiel« mit Cecilia auszublenden und sich um sein eigenes Vergnügen mit Susan zu kümmern.
»Möchtest du gefesselt und gefickt werden?«, fragte er sie direkt.
Sie sah ihn wortlos an.
Er hatte sich zu ihr gedreht und war nun zum Greifen nahe. Vom Scheitel bis zur Sohle war jeder Millimeter an ihm so maskulin und anziehend, dass sie ihm schon längst verfallen war. Sie wollte ihn mit jeder Zelle in ihrem Körper, wollte, dass er sie nahm, wollte ihn spüren ... alles an ihm ... wollte mit den Händen über seinen definierten Bizeps fahren, der sich sogar durch sein Hemd abzeichnete, wollte seinen muskulösen kleinen Hintern unter ihren Fingern spüren, ihn fest umfassen, während er seinen Schwanz in sie hineinrammte.
Sie nickte lächelnd. »Ja, lass mich deine Dienerin sein, Josh. Du kannst alles mit mir machen, was du willst.«
Da hatte er es: das Einverständnis! Das »Ja«.
Jetzt konnte er damit machen, was er wollte.
Er fesselte ihre Hände mit einem dünnen Lederband. Nicht auf dem Rücken, wie Brian es bei Cecilia getan hatte, sondern vorne, so dass sie sich Strähnen aus dem Gesicht streichen oder ihn wegschieben konnte, wenn sie wollte.
Josh wollte ihre hübschen Augen nicht verbinden. Sie sollte sehen, was er mit ihr tat.
Der Gedanke, sie an einem der bizarren Geräte, die Grand aufgestellt hatte, zu fixieren, erregte ihn. Er hatte noch nie zuvor etwas Derartiges getan, war noch nie so weit gegangen, eine »Apparatur« einzuspannen. Doch er spürte unverkennbar die Lust darauf.
Als er sich umsah, war es die Lederschaukel, die seine Fantasie am stärksten beflügelte.
»Setz dich dort rein«, sagte er, jetzt in einem deutlichen Befehlston. Susan schien mit seiner Wahl nicht unglücklich. Ohne zu zögern, setzte sie sich in die Schaukel, die etwa einundeinhalb Meter über dem Boden baumelte. Sie sah die Schlaufen an beiden Seiten. Mit großer Wahrscheinlichkeit sollten ihre Beine angehoben und durch diese durchgesteckt werden, aber wie sollte sie das mit zusammengebundenen Händen bewerkstelligen?
Josh sah ihren fragenden Blick. Doch bevor er sich ihrer annahm, knöpfte er zuerst einmal sein Hemd komplett auf.
Er drückte ihre Beine zusammen, schob einen Arm unter ihre Knie und hob ihren Hintern an. Seine freie Hand streifte ihre Pantys herunter und schmiss sie zur Seite. Dann steckte er ihre Beine durch die Schlaufen und band sie fest. Sie war wahrlich gelenkig. Lüstern gespreizt für den Fick ihres Lebens.
Susan beobachtete ihn mit Genuss.
Seine Brust, sein flacher Waschbrettbauch waren beinah zu perfekt, um wahr zu sehen. Würde sie ein Foto von ihm sehen, würde sie glauben, es sei mit Photoshop bearbeitet worden.
Aber Josh war echt.
Und alle sagenhaften Muskeln an seinem wohlproportionierten Körper waren natürlich gewachsen, als Ausgleich zu seiner Kopfarbeit. Schwimmen, Segeln, Surfen, Tauchen, Kajakfahren, Bergsteigen, Reiten und in allen erdenklichen Stellungen Liebemachen hatten seinen Körper geformt, wie es kein Fitnessstudio gekonnt hätte. Josh war ohnehin noch nie der Typ für stupide Wiederholungen von ewig gleichen Bewegungsabläufen gewesen.
Ein dumpfer verzerrter Laut aus den Tiefen von Cecilias beengter Brust und ein lustvolles männliches Stöhnen aus Brians Kehle ließen Josh und Susan aufblicken. Beide starrten auf die Szenerie, die sich einige Meter von ihnen entfernt abspielte: Brian rammte seinen dicken Schwanz ohne Gnade in Cecilias Anus. Er war so in Fahrt, dass sich Schweißperlen auf seiner Stirn gebildet hatten. Sein Gesäß bewegte sich in einem harten Rhythmus vor und zurück, sein Schwanz tauchte bis zum Anschlag in die enge Öffnung seiner »Dienerin« ein und schlüpfte glänzend und mit dicken, violetten Adern durchzogen heraus, nur um sich in der nächsten Sekunde wieder in das brennende Fleisch zu graben.
Mit einem merkwürdigen Hauch von Unbehagen wandte sich Josh ab, öffnete seinen Reißverschluss, konzentrierte sich auf Susans feuchte kleine Pussy, und schob die Schaukel an. Während Susan mit verhangenem Blick und halb geöffnetem Mund vor und zurück schaukelte, holte Josh seinen Schwanz hervor, der sofort wie eine zum Abschuss bereite Kanone steil in Position ging.
Als Susan auf ihn zu schaukelte, kam er ihr entgegen und glitt tief in sie hinein. Sie stöhnte laut, schrie beinah, aber ihre halb verschlossenen Augen ließen keinen Zweifel, dass sie sein tiefes Eindringen zu schätzen wusste.
Ein paar weitere Stöße später baute sich Joshs Orgasmus in rasender Schnelligkeit auf, seine Muskeln spannten sich hart an, seine Atmung beschleunigte sich, und bevor er sich versah, ergoss er sich in einer sagenhaften Fontäne auf Susans Bauch.
Sie schmierte den milchigen Saft mit ihren geknebelten Händen über ihren Körper und lächelte ihn schief an.
Er lächelte nicht zurück.
Cecilias dumpfes Wimmern riss ihn von Susans Anblick. Wieder sah er zu Brian, der diesmal den breiten Griff einer langen schwarzen Peitsche in die Öffnung einführte, in der vorher sein Schwanz gesteckt hatte.
Cecilias Körper zuckte und zitterte, immer wieder versuchte sie den Kopf zu heben, hing aber viel zu tief über dem hohen Bock-Hocker und konnte ihre fixierten Beine kein Stück bewegen.
Wenn ihr hohes anhaltendes Wimmern nicht gewesen wäre ...
Josh stürzte auf Brian und hielt seinen Arm mit der Peitsche fest. »Wart mal, Mann, die Kleine klingt, als hätte sie genug.«
Brian lachte überrascht. Sein Sperma tropfte gerade Cecilias Beine herab. »Hey, easy, Josh, es gefällt ihr, was ich tue, keine Sorge.«
Josh sah ihn skeptisch an, die Brauen zusammengezogen. Dann ging er um den Bock herum, griff Cecilia in die Haare und hob vorsichtig ihren Kopf an, um ihr ins Gesicht sehen zu können.
Ihre Augen waren blutunterlaufen und tränten. Ihre Wangen glänzten feucht.
»Brian, mach sie frei, Mann, ihr geht‘s nicht gut«, sagte er mit Nachdruck.
Brian Grand winkte ab. »Josh, du bist mein Kumpel, okay! Aber sag mir bitte in meinem verfluchten Haus nicht, was ich zu tun habe!«
Einen Moment lang war, außer Cecilias Wimmern, kein Laut zu hören.
Susan verhielt sich auf ihrer inzwischen ruhenden Schaukel so still, als wäre sie nichts anderes als eine künstliche Fick-Puppe. Sie war immer noch betrunken, von tausend unterschiedlichen Gefühlen verwirrt, und unschlüssig, ob sie noch Lust oder eher Irritation empfand.
»Mach sie los!«, verlangte Josh ein weiteres Mal von seinem Freund.
Brian stemmte die Hände auf die Hüften und lachte. »Oh, sag bloß, bist du etwa sensibel Maxwell? Hätte ich nie von dir gedacht.« Er begann, Cecilias Beine zu befreien. »Da ich meine Munition schon verschossen habe, sei es drum.«
Mit einem kalten Grinsen in seinem Model-Gesicht half er der Frau in die aufrechte Position und strich ihr über die Haare. »Hey, Baby, alles gut, oder? Du hast es doch genossen, hm? Sag das Master Josh, okay?«
Cecilia nickte heftig und ließ abgehackte hohe Töne hören.
Brian lachte auf. »Oh, natürlich. Das Ding da muss raus. Warte, Schätzchen, gleich bist du befreit.«
Er nahm ihr den Mundknebel und die Handschellen ab. Sofort umarmte er sie fest, drückte sie gegen seine schwitzige Brust und flüsterte: »Schschsch.«
Sie war so schwach und steif, dass sie sich nicht dagegen sträubte.
Josh hatte in der Zwischenzeit Susan aus der Schaukel geholfen und ihre Handfessel gelöst.
Brian ließ sich nicht beirren. »Leute, ich würde sagen, wir machen es uns im Whirlpool mit ein paar Drinks gemütlich. Was sagt ihr, hm?«
Sie sagten nichts.
Eine ganze Weile lang.
Fuhren gemeinsam mit dem Lift wieder in den Wohnbereich hoch und atmeten tief durch.
Drinks und Whirlpool. Drinks und Whirlpool ...
Brian lockte damit so oft, dass sie irgendwann zustimmten. Mit der Anzahl der Drinks verflog die Verstörung und Stimmung kam wieder auf. Zumindest bei den Frauen.
Josh wunderte sich im Stillen. Ein wenig angewidert, wie er feststellen musste.
Dann versuchte er einfach den Kopf freizukriegen und den teuren Whiskey zu genießen, während die Blubberblasen im Whirl-Pool seinen schönen Penis massierten.
Die Nacht verschlang sie irgendwann kurz vor Dämmerung.
Sie schliefen betrunken und mehr oder weniger nackt. Nicht in Betten, sondern unmittelbar da, wo ihr Rausch sie widerstandslos in den Schlaf entrissen hatte.
Josh hatte es als einziger geschafft, sich komplett anzukleiden, bevor er auf einer Couch wegdriftete.
Er hatte nicht mehr mitgekriegt, wo Cecilia und Susan abgeblieben waren. Auf jeden Fall waren sie nicht bei Brian, denn der war im Sessel ihm gegenüber eingeschlafen, die Beine weit von sich gestreckt, den Kopf auf die Brust gesenkt.
Brian Grand schnarchte.
Bis zum Morgen.
Und war froh, als am nächsten Tag keiner seiner Gäste nach einem Frühstück verlangte.
Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, ließ er ein Taxi kommen. Die Verabschiedung war kurz und von knappen Worten begleitet. »Bye, Ladys, bye Josh. Hey, alles cool, oder? Lasst uns bald wieder treffen.« Grand versuchte vergeblich ein einnehmendes Lächeln.
Josh legte den Kopf schief, sein Blick war hart. »Ruf mich nicht an, Brian. Ich melde mich, falls ich dich noch mal sehen will!«, sagte er kühl.
Cecilia und Susan huschten ins Taxi und kauerten auf dem Rücksitz zusammen. Josh setzte sich auf den Beifahrersitz.
»Ins Claridge´s, bitte«, wies er den Fahrer an.
Susan beugte sich etwas vor. »Wo fahren wir hin, Josh?«, fragte sie verwundert.
»In eins der teuersten Hotels«, sagte er mit einem jungenhaften Lächeln. »Die haben das beste Sonntags-Frühstücksbuffet in ganz London. Danach lass ich euch nach Hause bringen, in Ordnung?« Er hatte das dringende Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen, obwohl er nicht wusste, weshalb.
Cecilia sah ihn kritisch an. Josh Maxwells hellblaue Augen strahlten an diesem Morgen besonders hinreißend und so vertrauensvoll. Sie beschloss, dass sie seinen Vorschlag ruhig annehmen konnten.
»Gut«, sagte sie schließlich. »Ich könnte ein kräftiges Frühstück gebrauchen.«
Susan lächelte ihre Freundin an und hakte sich erleichtert bei ihr unter. Sie legte ihren Kopf auf Cecilias Schulter ab und seufzte. Ihre Gedanken kreisten um die letzte Nacht, aber alles, was sie wirklich greifen konnte, war die Hingezogenheit, die sie für Josh empfand. Trotz der Aura von mysteriöser Distanziertheit, die ihn umgab, hatte er etwas an sich, das sie gerne näher kennengelernt hätte, aber sie ahnte schon, dass er bereits auf dem Absprung war.
Es war, wie er es versprochen hatte: ein Luxushotel vom Allerfeinsten, mit einem VIP-Bereich, in dem ein Frühstücksbuffet für »Könige« angerichtet war.
Ihre Konversation lief nach Joshs Regeln ab, ohne dass Cecilia und Susan es bemerkten. Mit keinem Wort erwähnten die beiden Frauen die letzte Nacht, so, als hätte sie nicht stattgefunden. Stattdessen wollten sie mehr, viel mehr, über Josh wissen, und doch erfuhren sie so gut wie nichts. Geschickt steuerte er ihre Unterhaltung, stellte Gegenfragen, machte charmante Bemerkungen, warf ein paar humorvolle Gedanken ein, bekam jede Menge Informationen über ihr Leben, die er in seinem Kopf abspeicherte, aber irgendwann Mangels Interesse löschen würde.
In den beiden Gesichtern, die Josh ein letztes Mal durch die Fensterscheibe des Taxis ansahen, lag die übliche Mischung aus Enttäuschung und Hoffnung. Enttäuschung, dass er offenbar kein weiteres Interesse an ihrer Gesellschaft hatte und Hoffnung, dass sie ihn irgendwann wiedersehen würden, auch wenn er diese Option in allerhöflichster Form kategorisch ausgeschlossen hatte.
Nachdem für Josh die Episode Cecilia, Susan und Brian Grand beendet war, ließ er sich nach Hause fahren.
Den Rest dieses Sonntags verbrachte er in seinem Garten, hörte Musik, schlief noch ein paar Stunden und ging schließlich in Gedanken das in drei Wochen bevorstehende Geschäftsmeeting mit Japans Investment Tycoon Okada durch. Er würde eine Präsentation hinlegen, die im Rennen um den Deal alle Konkurrenten mit einem Wisch aus dem Gedächtnis des alten Japaners streichen würde. Schließlich hatte keiner so viel Erfahrung, kannte so viele einflussreiche Personen im globalen Investment-Dschungel wie Josh. Allein schon seine Multiplikatoren waren ein kleines gieriges Heer an »Söldnern«, was Okada sicher nicht außer Acht lassen würde.
Wenn er den Deal in der Tasche hatte, würde sein Onkel Alistair sich nach eigenen Aussagen endgültig aus dem Business zurückziehen und die Wahl der Partner von Maxwell Enterprises Josh allein übertragen. Die Firma hätte für die nächsten hundert Jahre seine Schäfchen im Trockenen.
Auf diese erfreulichen Aussichten stieß Josh mit einem Glas Whiskey an, bevor er in die Dusche stieg und anschließend zu Bett ging.
Allein.
Montagmorgen war er bereits acht Uhr im Büro.
Annabelle, seine Sekretärin, brachte ihm wie üblich Kaffee und frisches Obst, erkundigte sich nach seinem Wochenende, besprach mit ihm die Agenda für die begonnene Woche und teilte ihm ein wenig unbehaglich mit, dass sein Onkel eine neue Mitarbeiterin einstellen wolle und ihn diesbezüglich um 10 Uhr im Büro erwarte.
»Sie soll dich im Rennen um Okada unterstützen, Josh, mehr weiß ich auch nicht. Alles Weitere wirst du mit ihm nachher selbst besprechen können.«
»Wieso erfahre ich das erst jetzt?«, entgegnete er missmutig. Josh war mehr als nur verwundert. Was zur Hölle war in Alistair gefahren? Wieso wollte er ihm noch jemanden an die Seite stellen? Wieso musste er so tun, als würde er immer noch die Firma leiten? Ja, es ging um einen wichtigen Deal, vielleicht den wichtigsten bisher, aber Josh würde das auch allein hinkriegen. Er war kein Teamplayer, verdammt noch mal. Sein Onkel wusste das doch.
»Danke, Belle«, sagte er schließlich und stellte sich grübelnd ans Fenster.
Von seinem Büro aus hatte Josh einen geradezu sensationellen Blick auf die Themse. London vibrierte voller Lebensgier unter seinen Füßen, weltoffen, eine Metropole der Superlative, in die Tycoons aus aller Welt zu investieren bereit waren. Im Grunde genommen hatte er Okada schon in der Tasche. Er brauchte keine Unterstützung, von niemandem.
Bis zum Termin mit seinem Onkel hoffte er noch, ihn umstimmen zu können. Aber weniger als eine Minute nach zehn Uhr war ihm klar, dass die Entscheidung nicht zur Debatte stand.
»Ich möchte, dass du ihre Akte studierst, Josh, und sie in kürzester Zeit einarbeitest! Ich habe so ein Profil noch nie gesehen. Ich habe die Lady Sumitomo abgeworben, stell dir vor. Sie ist gebürtige Engländerin, spricht aber fließend Französisch, Russisch und, du hast es sicher schon geahnt, Japanisch! Wir können uns verdammt glücklich schätzen, dass sie angebissen hat.«
Josh zog die Brauen zu einem skeptischen Blick zusammen. »Es geht dir nur um den Okada Deal, oder? Du hast nicht vor, mich zukünftig im Zweierteam agieren zu lassen? Falls doch, haben wir ein Problem.«
Auf einmal fühlte er sich so beengt, dass er seine Krawatte lockern musste.
Sein Onkel kam hinter seinem Schreibtisch hervor und klopfte ihm auf die Schulter. »Hey, hör mal. Du wirst natürlich die Fäden in der Hand behalten, mein Junge, keine Sorge. Also, sieh es einfach als eine praktische Entlastung, dass noch jemand mit dir mitrudert, in Ordnung?«
»Na, hoffentlich hat sie genug Kondition«, sagte Josh resigniert.
Alistair lachte. »Da mach dir mal keine Gedanken.« Er nahm eine Mappe von seinem Schreibtisch und drückte sie seinem Neffen gegen die Brust. »Hier, nimm die mit. Du hast bis Morgen Abend Zeit, dir ein Bild von ihr zu machen.«
Wortlos verließ Josh das Büro seines Onkels.
Annabelle begegnete ihm auf dem Flur mit einem sorgenvollen Blick. »Alles okay, Josh?«
Er nickte, allerdings nicht ohne zu registrieren, wie gut sie in letzter Zeit aussah. Annabelle war eine kleine Blondine mit einer grazilen Figur und einem klassisch schönen Gesicht. Aber Annabelle war auch absolut tabu, ein »No-Go«, »Restricted Area« sozusagen, genau wie alle anderen weiblichen Wesen, die für Maxwell Enterprises arbeiteten. Auch wenn Josh es heute ganz besonders bedauerte, eins seiner rigorosesten Prinzipien nicht einfach über Bord werfen zu können, schlug er sich die erotischen Bilder von ihr aus dem Kopf und gab sich selber eine mentale Ohrfeige. Um seine innere Anspannung und Wut, die sein Onkel zu verantworten hatte, loswerden zu können, würde er sich anderweitig umsehen müssen.
Als er wieder an seinem Schreibtisch saß, schob er die Mappe mit den Infos über die neue Kollegin in die Schublade und stöhnte. Nachdem er sich von Annabelle einen frischen Kaffee servieren ließ, rief er die Power-Point-Präsentation auf, die Okada von den Socken hauen sollte.
Okay, sie war bei weitem noch nicht perfekt. Es fehlten einige Statistiken und Diagramme. Manche Stellen waren zu viel Text. Er durfte Okada auf keinen Fall mit belanglosen Nebensächlichkeiten langweilen.
Aber Josh hatte noch drei Wochen.
Mehr als genug Zeit, um den Feinschliff zu machen. Und dennoch war es ratsam, jede Minute gut zu nutzen.
Also blieb er länger als sonst im Büro.
Annabelle steckte irgendwann gegen 20 Uhr den Kopf durch die Tür. »Wenn du nichts weiter von mir willst, würde ich jetzt nach Hause gehen, Josh.«
Ihr Lächeln war überaus reizvoll.
Bildete er es sich ein, oder stellten ihre dunkelblauen Augen eine ganz andere Frage? Und lautete diese Frage womöglich: »Du siehst heute so angespannt aus, Josh, möchtest du, dass ich dich massiere und dir anschließend einen blase?«
Josh schüttelte sich aus der plötzlichen Fantasie, die ihn übermannt hatte. »Nein, danke. Du kannst ruhig Schluss machen, Belle, ich mach auch nicht mehr lang«, sagte er und schaffte es, dabei ganz unbedarft auszusehen.
»Okay, dann gute Nacht, Josh«, rief sie und zog die Tür hinter sich zu.
Er hatte die Bewerbermappe mit nach Hause genommen. Nachdem er in ein paar bequeme Jeans gestiegen und Hemd und Krawatte gegen ein sportliches Tank-Top ausgetauscht hatte, setzte er sich mit einem Drink auf die Terrasse.
Hoffentlich ist sie keine karrieregeile Zicke mit Männerphobie, dachte sich Josh, bevor er die Mappe aufschlug.
Gleich auf der ersten Seite sprang ihm ihr Foto entgegen. Eine Brünette mit einem herzförmigen Gesicht. Zum Sterben schön.
Er stockte innerlich.
Dieses unerbittlich attraktive Gesicht kam ihm sofort bekannt vor, aber irgendetwas in den dunklen Verliesen seiner Erinnerungen schlug Alarm.
Mit schlagartig erhöhtem Puls suchte er den dazugehörigen Namen.
Und fand ihn auf der nächsten Seite:
Shannon Miller.
Wie war das? »Man trifft sich immer zweimal im Leben ...«
Ende Teil 2